besonderer Art, der zu den besonders geschützten Arten gehört, besonders fachgerecht gepflegt werden muss und in Bezug auf
ausreichend Nistmöglichkeite das Wohlwollen von Hausbesitzern und Häuslebauern braucht. Lesen Sie unseren
Erfahrungsbericht und besuchen Sie auch die Seiten von Fachleuten, die sich mit Naturschutz und der Problematik bei der
Aufzucht von Mauerseglern befassen. Wenn wir uns über solche Seiten nicht informiert und und stattdessen auf die
Anweisungen des Tierarztes verlassen hätten, wäre unser Zögling zu Schaden oder gar zu Tode gekommen, obwohl wir ihn auf
unsere Weise liebevoll gepflegt hätten.
|
Sommerferien 2004
Jugendsprecherinnen und Ausbilderinnen vom Musikkorps Rendsburg retten Mauersegler Auch privat kommen unsere Jugendsprecherinnen, Saskia und Jasmin, regelmäßig zusammen um gemeinsam zu musizieren, durch die Stadt zu turnen, abzuhängen oder die Natur an der Untereider zu genießen. Bei einer Ihrer Unternehmungen stolperten sie am 19.07.2004 auf der Straße fast über ein hilflos auf sie zukrabbelndes Vogelküken. Es kam zielstrebig auf sie zu, und die beiden hatten das Gefühl, dass es sie um Hilfe anbettelte. Sie trauten sich nicht es anzufassen; aber glücklicherweise kam ein Passant vorbei, und half ihnen beim Einsammeln. Jasmin organisierte auf die Schnelle einen Karton und der Mann setzte den Vogel hinein, damit die Mädchen sich auf den Weg zum Tierarzt machen konnten. ![]() Dort erfuhren sie, dass es sich um einen jungen Mauersegler handelte; der zwar voll Ungeziefer saß, die ihm lt. Aussage des Arztes auffressen würden. U. a. waren es eklige grüne und mit einem herzförmigen Körper ausgestatteten Lausfliegen. Der Tierarzt stellte fest, dass der Kleine gutgenährt und -gefiedert, putzmunter und fast flugreif war. Schmunzelnd meinte er: "Tragt ihn als Brosche, füttert ihn zwei Tage mit Mehlwürmern, und werft ihn dann hoch in die Freiheit." Das war aber ein verdammt schlechter Rat, der dem Mauersegler nicht gut bekommen wäre. Aus zwei Tagen sollten nämlich zwei Wochen werden, in denen der Vogel seiner Natur entsprechend gar nicht fliegen konnte, weil die Schwungfedern noch nicht fertig gebildet waren. Wir entschuldigen das; denn auch ein Tierarzt kann nicht alles wissen. Wir werden ihm mal ein paar Informationen über Mauersegler zukommen lassen, damit sich solche Fehlinformation nicht wiederholt. ![]() Stolze Vogelmamis Nach dem Besuch beim Tierarzt kamen Saskia und Jasmin mit dem Mauersegler im Karton direkt zu mir (Tina); denn beide mochten das zerbrechliche und am Boden kauernde Baby immer noch nicht anfassen. Ich wusste im ersten Moment aber auch überhaupt nicht, was zu tun war. Dann fiel mir ein, dass wir noch einen alten Vogelkäfig hatten und dass wir den kleinen Mauersegler darin gut sichtbar erstmal auf Streu und Heu betten konnten, was wir als Zwergkaninchenhalter im Haus hatten. Gesagt getan: Die Mädchen holten und reinigten den Käfig und bauten das Nest am Boden. Ich griff den Mauersegler vorsichtig und setzte ihn hinein. Er legte sich auch gleich tief ins Heu und wir stellten ihn raus auf unseren Balkon. Dann kam mir die zündende Idee mal im Internet nachzuschauen, und ich suchte in der Google-Suche nach Begriffen wie "Mauersegler", "Wildvogel", "Aufzucht" etc.. Saskia kam auf die Idee einen "starken" Mann in den Keller zu schicken, um Spinnen und anderes Viehzeug zu fangen Hansi gefiel es nicht; aber er ließ sich überreden - *grins* - für was man einen Papi, Ehemann und Vereinsvorsitzenden nicht alles gebrauchen kann. Beide Ideen wurden also prompt verwirklicht. Während ich ausnahmsweise mal nicht in Sachen Musikverein im Internet surfte, erlegte Hansi im Keller die Ungeziefer. Es kostete mich aber ganz schön Überwindung das zerbrechlich wirkende Mauerseglerbaby in der Hand zu festzuhalten und zum Öffnen des Schnabels zu zwingen, während irgendwo auch noch die Spinne dazwischen war. Ganz vorsichtig schob ich meinen Daumennagel von der Seite zwischen die Schnabelhälften. Der weiche Schnabel musste nunmal leicht geöffnet werden, damit ich beim gänzlichen Aufsperren des Schnabels durch den Vogel schnell den Daumennagel mit dem Zeigefinger der anderen Hand ersetzen konnte um den Schnabel weit geöffnet zu halten und die Spinne in den Schlund zu stecken. Für diese Art der Fütterung hätte ich gut und gern eine dritte Hand gebrauchen können. Der Kleine tat mir ziemlich Leid; denn es sollten einige Fehlversuche werden. Als der Mauersegler dann plötzlich zupackte und fast mein ganzes erstes Zeigefingerglied in seinen roten Schlund zog, wurde mir anders. Aber ich überwand mich und hielt still, verfütterte die Spinne. Es folgten ein paar Fliegen und hartgekochtes Eigelb. Glücklicherweise klappte das Füttern mit jedem Häppchen etwas besser. Als der Vogel nicht mehr fressen wollte, kraulte ich dem Kleinen das Kinn, was er sichtlich genoss. Er streckte es mir bereitwillig entgegen. Saskia und Jasmin versuchten erst ihr Glück beim Füttern erst später . 20. Juli 2004 Ich machte mich nochmal auf ins Internet; denn ich hatte ja am Vortag schon gelesen, dass so eine Mauersegleraufzucht sehr kompliziert ist und eigentlich in die Hände von Fachkräften gehört. Bei fast allen Anleitungen für Wildvögel stand: Einzige Ausnahme - der Mauersegler. Beim Durchstöbern bekam ich einen gehörigen Schrecken; denn ein Käfig ist für einen Mauersegler absolut ungeeignet, weil der Vogel darin sein Gefieder beschädigen kann, wenn er die langen Flügel für sein Leben in der Luft trainiert. Nur gut, dass wir entsprechende Webseiten fanden, sonst hätten wir einiges verkehrt gemacht und den Kleinen vielleicht durch unsachgemäß zu Tode gepflegt. Wir holten den Karton wieder vor und legten ihn wie beschrieben mit mehreren Lagen Küchenrolle aus. Um die Behausung besonders schön zu gestalten, bauten wir auch eine Kletterrampe hinein, die ebenfalls aus einem Karton bestand, der wie beschrieben mit einem Handtuch überspannt wurde. Als Liegestätte gaben wir wieder etwas Heu dazu, welches wir kreisförmig zu einem kleine Nest formten. Wie wir erst später erfuhren, war letzteres zwar nicht schädlich aber überflüssig und erschwert nur die Sauberhaltung des Kartongs. Also ließen wir es weg. Der Mauersegler fühlte sich in der neuen Behausung sichtlich wohler. Er nutzte das Quartier ausgiebig, kletterte darin herum und setzte sich hochkant an die Rampe, um Flugübungen zu machen. Gut war allerdings, dass ich ihn im Auge behielt; denn die Kletterrampe hätte ebenfalls Schaden anrichten können, weil ich sie nicht genügend gesichert hatte. Der Mauersegler wollte sich scheinbar ins Dunkle verstecken und quetschte sich - für sein Federkleid nicht gerade förderlich - in eine Spalte zwischen Rampe und Karton. Als ich es sah, klebte ich, so gut es ging den kleineren Karton mit breitem Klebeband an die Kartonwände der Behausung und stopfte sämtliche Löcher und Spalten fest mit Küchenrolle aus, damit sie nicht mehr zur Fallgrube werden konnten. 21.07.2004
Also nahmen wir ihn wieder mit hinein. Zur Information: Ohne fertig ausgebildete Schwungfedern kann kein Vogel fliegen und ein freilebender und in der Höhe aufwachsender Mauersegler kann sich logischerweise im normalen Leben erst dann ins Leben stürzen, wenn er auch imstande ist allein zu fliegen und zurechtzukommen. Er muss von einer Minute zur anderen plötzlich selbst Insekten fangen, kurz nach dem Flüggewerden in den Süden ziehen und ca. 90 % seines Lebens ausschließlich in den Lüften verbringen. Im Gegensatz zu den meisten Vögeln, die überall Zuflucht bei Regen suchen können, müssen Mauersegler vor Schlechtwetterfronten ausweichen und dadurch viele Extrakilometer fliegen. Daher muss ein Mauerseglerjunges sich - bevor es ausfliegen kann - selbst stark genug fühlen. Wenn es nicht freiwillig ins Freie springt, fehlt ihm noch etwas für sein eigenständiges Leben in der Luft. Obwohl unser Mauersegler quietschfidel war, hatte ich, nach all den Ecken und Kanten, die bei der Aufzucht eines Mauerseglers zu beachten sind, sehr große Bedenken, dass wir trotz unserer Internetrecherchen verkehrt handeln und den Vogel gefährden könnten. Mir war der Gedanke lieber, den Vogel in fachkundige Hände zu geben. Also telefonierte ich herum um eine Vogelauffangstation o. ä. zu finden. Es gelang zunächst auch - unser kleiner Freund sollte in den Wildpark Eekholt übergeben werden. Aber nach einem weiteren Telefonat mit dem zuständigen Pfleger, lehnte dieser die Übernahme ab. Er könne die stündliche Fütterung von früh bis spät nicht gewährleisten und so würden Kleinvögel ihm erfahrungsgemäß unter den Händen wegsterben. Er fragte, ob wir nicht einen Rentner finden könnten, der Spaß an der Handaufzucht haben würde.
22.07.2003 Am dritten Tag merkten wir, dass unser Mauersegler sich an uns gewöhnte. Er zeigte sich zutraulicher und hungrig, schaute neugierig aus seinem Karton, wenn wir vorbeigingen, schlief zwischendurch in der abgedeckten dunklen Hälfte des Kartons, kletterte die Rampe auf und ab, putzte sich und trainierte in Abständen emsig seine Flügel. Zu den Fütterungszeiten konnte er es kaum abwarten. Gierig zwickte er sofort in die Finger, wenn sich die Hand dem Schnabel näherte. Er hatte die neue Familie wohl akzeptiert.
Das Vertrauen wächst von Tag zu Tag. Mittlerweile schaute sich unser Apus Apus interessiert in der Gegend um, wobei seine Blicke ganz deutlich umherfliegenden Insekten und Vögeln folgten.Er fraß zwar nicht mehr so viel; aber das musste er auch nicht; denn die als günstig für den Abflug angegebenen 40 g hatte er weit überschritten. Außerdem verweigern Mauersegler kurz vor dem Ausflug gern die Nahrung und specken wieder etwas ab, was ein deutliches Zeichen für den bevorstehenden ersten Ausflug ist. Doch so weit war unser Baby noch nicht; Federhülsen an den Schwungfedern machen ihn ja noch fluguntauglich. Weitere Freilassungsversuche erübrigten sich schon deshalb.
Abends feierte Hans, das zweitälteste Vereinsmitglied im Musikkorps Rendsburg seinen 75. Geburtstag, zu dem der Verein natürlich ein Ständchen bringen musste. Da wir mit Hans auch verwandt sind, sollten wir auf dem Aschberg den Anlass mitfeiern, also musste auch unser kleiner Gast im Auto mitreisen. Mehrere Stunden ohne Futter wollten wir ihm nicht zumuten. Als wir ankamen, war es zunächst schwierig einen schattigen Parkplatz zu finden, der auch noch weit genug von unserer Musik enfernt sein musste, um den Kleinen nicht zu erschrecken. Der Mauersegler sollte auch zwischen den Fütterungszeiten im Auto bleiben. Verrauchte Gaststättenluft und Krach sollte er nicht abbekommen. Unser Apus nahm seine Präsentation ganz gelassen. Die Vereinskinder musste ich zwar ausbremsen, weil die Kinder den Kleinen am liebsten geknuddelt hätten. Die ältere Generation wusste natürlich, dass man so ein Tierchen nicht herumreicht. Also drehte ich mit Apus bei seiner zweiten Vorführung an meiner Bluse hängend nur eine Ehrenrunde durch den Saal. Hansi, Saskia und Ich konnten bei diesem Anlass das neu erworbene Wissen an ca. 10 sehr interessierte Personen weitergeben. Und da diese wiederum mit den anderen darüber sprachen, musste ich Apus noch einmal herausholen, damit auch der Gastwirt einen Blick auf ihn werfen konnte. Apus überstand alles unbeschadet und gab sich überhaupt nicht anders als sonst. Sonntag, d. 25.07.2004 Bei einem Telefonat mit der Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler e. V. ,C. Haupt erfuhren wir, dass eine freie Wiese doch keine günstige Stelle zum Freilassen eines Mauerseglers ist, da dort zunehmend sein Feind, der Falke, nach Beute Ausschau hält und gerne blitzschnell zuschlägt, wenn Jungvögel beim ersten Flug nur mühsam Höhe gewinnen. Daher schauten wir uns vorsorglich nach einem anderen geeigneten Platz um. Der beste Startort soll eine Straße sein, in der günstigenfalls eine Mauerseglerkolonie zu finden ist. Das begründete Frau Haupt wie folgt: Wenn der junge Mauersegler beim Freilassungsversuch Artgenossen am Himmel sieht, wird er mit etwas Glück animiert, fliegt leichter los und kann im Schutz der Häuser hochsteigen. Die Artgenossen erblicken die aufsteigenden Jungvögel meistens schnell und kommen herunter, um sie in ihre Obhut zu nehmen und zu beschützen. Natürlich gefiel uns der Gedanke daran, dass ein Raubvogel daherkommt und unseren Kleinen, den wir mühselig aber liebevoll aufpäppelten, zu schlagen und zu fressen, nachdem uns der Zögling so ans Herz gewachsen war, überhaupt nicht. Das wäre schlimmes Erlebnis!!! Übrigens ist der einzige natürliche Feind des Mauerseglers der Falke, der zwar etwas feige ist aber dafür aus dem Hinterhalt zuschlägt. Er fliegt höher und ist schneller als ein Mauersegler und jagt feige. Er vermeidet Verletzungen, indem er hinterhältig schwächere Einzelflieger ins Visier nimmt, stößt dann aus dem Hinterhalt herab um der Beute erstmal einen heftigen Schlag mit der Krallen zu geben. Wenn sie dann - davon verletzt und ziemlich hilflos geworden ist und taumelt, packt er sie erst. Aber zur Information für jeden Zweifler: Der übliche menschliche Beschützerinstinkt, einenVogel dieser Art zu behalten, wäre nicht angebracht: Abgesehen davon, dass Wildvögel generell in die Natur zurück gehören, hat ein Mauersegler in Gefangenschaft überhaupt keine Überlebenschance, sondern würde verkrüppeln. Mit seinen - an ein Leben in der Luft angepassten und sehr krummen - Füßen und Beinen kann man ihn in Gefangenschaft nicht gesund am Leben erhalten. Er muss in die Luft aufsteigen; sobald er fliegen kann und will, auch wenn es aus irgendwelchen Gründen bei Schnee und Eis der Fall ist. Es gibt keine andere Alternative für den Mauersegler. Fakten sind nunmal, dass kein Zoo dieser Welt einem Mauersegler den Platz geben kann, den er für ein gesundes Leben braucht. Immerhin fliegt er pro Jahr 190.000 km bzw. in seinen bis zu über 20 Lebensjahren bummelig 3,8 mill. km oder ca. 100 mal um den Äquator. Er kann nicht auf der Stange oder am Boden leben, sondern lebt und fliegt fast ausschließlich in der Luft - Tag und Nacht. Er frisst, paart sich und schläft sogar dort. Mauersegler klammern sich nur kurz an Felsen, Hauswänden o. ä. in großer Höhe fest, um nach Nisthöhlen zu suchen. Richtig gelandet wird nur, wenn Junge aufgezogen werden. Wir haben nachgelesen, dass ein Mauersegler bis zu drei Jahre ununterbrochen in der Luft bleiben kann. Jungvögel tun es sowieso 2 Jahre lang, bis sie geschlechtsreif sind. Bilder, die wir von falschem menschlichen Mitleid im Internet fanden, waren mehr als nur grausam zu betrachten. Es waren z. T. verkrüppelte Mauersegler zu sehen, die nur für einen Winter in Gefangenschaft waren. Der Mauersegler muss raus, auch wenn er erst fliegen auch, wenn alle anderen Mauersegler längst weg sind. Er findet seinen Weg in den Süden auch allein. Einzelgänger werden manchmal sogar im November gesehen. Auf jeden Fall gibt es für einen Mauersegler, der nicht fliegen kann oder darf, nur eine Alternative und das ist Einschläfern. Gefangenschaft ist für ihn ein Todesurteil, nur dass der Tod lang und schmerzhaft ausfallen würde. Da ist es sogar besser, wenn ein Falke in schlägt, so traurig das auch für Menschenohren klingen mag.
27.07.2004
Sein Gewicht zwischen 44 und 46g hält unser Zögling noch; aber er frass heute weniger oder verweigerte das Futter sogar ganz. Das ist für uns Menschen ein beängstigendes Gefühl; aber für ein Mauerseglerjunges ist das normal. Vor dem ersten Start muss es ein bisschen abspecken um den Körper beim ersten Flug zwei bis drei Jahre in der Luft von den Flügeln tragen zu können. Da oben gibt es dann ja auch Insekten in Hülle und Fülle, weil kein Tier den Mauerseglern die Nahrung streitig macht. Ein Gutes hatte die Freßunlust außerdem: Hansi brauchte nicht mehr so viele Heimchen töten und weniger Beine und Fühler von dem Krabbelzeug abdrehen. Nach neuester Schätzung, die anhand unserer Informationen und Bildern von Rüdiger Becker vom Naturkundemuseum Berlin kam, war unser Apus nun ca. 37-38 Tage alt. Und so freuten wir uns darauf ihm evtl. am nächsten Wochenende die Freiheit schenken zu können. Aus der Kiste wollter er jedenfalls schon heraus.
28.07.2004 Apus apus war nun etwas über 15 cm lang, sein Gewicht blieb stabil und er zeigte sich weiterhin putzmunter. Wer sein Leben lang mit z. T. weit über 100 km/hdurch die Luft saust, der muss alle Muskeln genau kennen, beherrschen und anwenden können, um allen Hindernissen und Gefahren wendig und blitzschnell ausweichen zu können. Wie bei den zwei vorausgegangenen Zusammenkünften mit Apus waren die Kinder etwas enttäuscht, dass sie ihn nicht in die Hand bekamen. Aber sie fanden sich damit ab, dass ein Blick und ein sanftes Berühren am Kinn genug sein musste, nachdem wir ihnen erklärten, dass es eine Überbelastung für den Vogel wäre und dass die Federn beschädigt werden könnten, wenn man ihn von Hand zu Hand gibt. Zu diesem Punkt hatten wir nämlich auch Hinweise im Internet gefunden: Schweißige Hände können einen Schaden am Federkleid anrichten, der nicht wiedergutzumachen ist, weil schadhafte Federn dem Mauersegler in der Natur das Leben kosten. Also musste auch bei der Vereinszusammenkunft 5 -10 Min. Schauen nach der Fütterungszeit reichen.
Als ich unseren Zögling in den Pausen auf dem Schulhof fütterte, sah ich über der Altstadtschule nebenan in großer Höhe ein paar Mauersegler fliegen. Scheinbar erblickten sie den Kleinen in meiner Hand; denn sie sammelten sich, wurden immer mehr, kamen dichter und tiefer, und kreisten dann eine ganze zeitlang über mir. Leider hatte ich den Fotoapparat nicht griffbereit. Aber nun wollten wir es wissen. Frau Haupt von der Mauerseglergesellschaft hatte uns ja gesagt, dass so etwas beim Freilassungsversuch passiert. Also fuhren wir nach dem Proben noch zum Schlossplatz, den wir uns zwischenzeitlich als günstigten Abflugort ausgeguckt hatten. Und tatsächlich - die dort angesiedelte Mauerseglerkolonie flog in luftiger Höhe über dem Platz, der genau zwischen Eider und Stadtsee liegt. Kaum stieg ich mit Apus aus dem Auto, kamen die Artgenossen näher und tiefer. Ihr Kreischen war mehr als deutlich zu hören. Nun konnten wir auch die hier abgebildeten Fotos schießen; denn aus den kleinen flitzenden Punkten am Himmel wurde zumindest im Einzelfall wenigstens eine Silhouette. Am Abend unterhielten wir uns darüber, wie unglaublich es ist, dass unser Apus nur wenige Tage später dort mitfliegen und dann seinen Flug nach Südafrika antreten würde, wo er derzeit mehr oder weniger hilflos in seiner Kiste lag.
Hansi wunderte sich zwischenzeitlich darüber, dass ihn seit ein paar Tagen immer wieder Kopfschmerzen plagten. Ich schmunzelte nur und fragte ihn, ob es wohl daran liegen könne, dass er seit ein paar Tagen jeden Abend vom Balkon aus und dabei weit über dem Geländer raushängend und den Kopf nach oben drehend in den Himmel starrte um Mauersegler zu beobachten. Neben dem "Ab-und-Zu-nach-oben-gucken" stand er nämlich Abend für Abend um 21 Uhr draußen, weil gegen 21:10 Uhr ziemlich weit oben am Himmel ca. 20 Mauersegler zu sehen waren - kaum zu erkennen. Sie hielten sich dort eine Weile im Schwarm auf und schraubten sich immer höher, bis sie gegen 21:30 Uhr mit unseren Augen nicht mehr auszumachen waren. Vielleicht sollte Hansi sich ein Fernglas zulegen oder sich bei diesen Beobachtungen lieber eine Gartenliege auf den Rasen stellen. Solche Körper- und Genickverrenkungen müssen ja zu Kopfschmerzen führen *grins*
31.07.2004 Im Großen und Ganzen gab es keine Veränderungen, außer dass Apus apus ziemlich wenig fraß und das Gewicht nun zwischen 43 und 44 Gramm lag. Ansonsten flatterte und trainierte er weiterhin in seiner Kiste. Die Federhülsen waren immer noch nicht verschwunden. Wir fürchteten fast, dass es noch ein paar Tage dauern würde, bis wir Apus starten lassen konnten. Aber wir wussten es nicht genau: Wir waren schließlich keine Fachleute. Also mussten wir weiter abwarten! Hier ein paar Bilder des heutigen Tages. Und ein paar Angaben zur Größe unseres Zöglings.
Wenn man sich vorstellt, dass "Beine und Krallen" eines Mauerseglers die "Arme und Beine" sind, dann ähnelt das Vorwärtskrabbeln von einem Apus dem Robben von Menschen auf den Ellenbogen, wobei die Handgelenke auch noch steif nach unten gebogen sind. Beim Vorwärtskommen muss der Apus seine Flügel benutzen, was man mit einem Kleinkind vergleichen kann, dass mit Stützrädern Fahrrad fährt um das Gleichgewicht zu halten. Auf den folgenden Bildern kann man eine Kralle einigermaßen erkennen:
Flugtraining Beim Training hob Apus heute ein klein wenig ab, und drehte sich unbeabsichtigt auf der Stelle.
1. August 2004
Da es diese Tage recht warm war, vermied ich es möglichst Apus apus in die Hand zu nehmen. Aber er wollte es beim Füttern partout kuschelig haben, sonst nahm er gar nichts zu sich. Daher setze ich ihn auf eine Zeitung, über die ich noch Küchenrolle legte, und zur Stütze für Apus setzte ich neben ihn das Plüschtier, welches er ein paar Tage zuvor angebettelt hatte. Das gefiel ihm offensichtlich; denn nun wollte er plötzlich wieder von selbst etwas fressen und bettelte erneut wie ein Irrer das Plüschtier an, so dass ich ihm die Heimchen ohne Mühe einfach so in den sich öffnenden Schnabel schieben konnte. Er schnappte und schluckte es auch sofort herunter. Allerdings zeigte uns Apus nun auch, dass er langsam höher hinaus wollte. Zum ersten mal trainierte er sogar während des Fütterns außerhalb seiner Kiste. Dazu bestieg er das Plüschtier - unglaublich. Erst erschreckte ich mich und nahm ihn runter; aber er wehrte sich dagegen und krabbelte immer wieder hin, sobald ich ihn absetzte. Als er dann auch noch unverhofft anfing zu flattern, merkte ich erst, was er wollte und so ließ ich ihn. Hansi kam dazu, und ich konnte schnell den Fotoapparat greifen und ein Paar Schnappschüsse vom dieser Aktion machen.
02.08.2004 - Plötzlicher Abflug Als wir heute unseren Mauersegler untersuchten, dachten wir, dass ein Startversuch evtl. zum Abend oder am nächsten Tag unternommen werden könnte. Die Federhülsen waren nicht mehr zu sehen; aber man konnte noch eine Kante fühlen. Auf der anderen Seite waren wir sehr unsicher, weil Apus Apus - nach dem, was wir über Mauersegler erfahren hatten - sein Fressen 1 - 2 Tage vorher gänzlich einstellen würde. Er fraß aber um 7:00 Uhr und um 11:30 Uhr jeweils 10 mittelgroße Heimchen, die nach wie vor Hansi zubereitete (ich ekle mich bis heute davor und hatte meine Mühe damit sie überhaupt zu verfüttern, wenngleich ich mich mit der Zeit daran gewöhnt hatte. Abgespeckt hatte Apus Apus nun auf 41 Gramm. Puh, das fanden wir etwas knapp. Vierzig Gramm musste er beim ersten Flug gern wiegen. Bei der zweiten Mahlzeit versetzte Apus Apus uns einen gehörigen Schrecken. Wie am Tag zuvor kroch er unmittelbar während des Fütterns und dem Verzehr von 10 Heimchen plötzlich piepsend und bettelnd den Plüschhasen hinauf.
Frau Haupt gab sich am Telefon sehr verwundert darüber, dass noch Mauersegler in Rendsburg waren, da die Frankfurter Segler schon auf dem Weg nach Südafrika waren. Ihre Meinung zum Entwicklungsstand unseres kleinen Gastes und zum Wetter (eine Mischung aus Sonne, Wolken und leichtem Wind) war kurz und bündig: "Optimal - sofort den Start versuchen, solange noch Mauersegler da sind!" Kurzerhand riefen Hansi und ich die beiden Retter von Apus Apus, Saskia und Jasmin, dazu, damit sie die Freilassung miterleben bzw. den Startplatz absichern und nötigenfalls Katzen o. ä. Vogeljäger verjagen konnten, die dem Kleinen bei einem Fehlstart das Leben kosten könnten. Es war ja nicht sicher, dass Apus Apus den Weg nach oben auf Anhieb schaffte. Dann setzte ich unseren Piepmatz in eine kleinere Kiste und verfrachtete ihn ins Auto. Dort nahm ich ihn in die Hand um innerlich Abschied zu nehmen. Er kuschelte sich hinein, lugte aber interessiert zwischen meinen Fingern hindurch und beobachtete durch das Schiebedach den Himmel, als ob er wüsste, was nun passieren sollte. Ich streichelte ihn noch mal, kraulte sein Kinn, welches er mir wohlig entgegenstreckte, und hob dann meine Hände, in denen er lag, weit nach oben um auf den Abflug zu warten. So stand ich etwa fünf Minuten da. Die Passanten guckten schon, in der grünen Bluse und einsam auf dem Hügel stehend fiel ich ja auf. Saskia lachte sich fasst kaputt und erklärte mir später auch warum: "Was die Leute wohl gedacht haben? Da steht eine Frau in giftgrüner Bluse auf dem Spielplatzhügel des Adolfsplatzes streckt den Arm nach oben. Die sahen doch von weitem nicht den Vogel in der Hand. Dachten sie vielleicht: "So hoch wachsen die Kräuter?" *lach* Obwohl Apus Apus überhaupt keine Anzeichen von Angst zeigte, sondern wie gewohnt auf der Hand saß, tat sich nichts. Plötzlich merkte ich einen Windzug von hinten und da schoss mir in den Kopf, dass ein Mauersegler gegen den Wind startet. So etwas Dummes aber auch. Die Arme waren schon lahm und die Mauersegler am Himmel wurden weniger. Trotzdem wechselte ich die Seite und stellte mich gegenüber auf die Eingangsrampe des Spielhauses. Das hatte den Vorteil, dass ich meinen Arm beim zweiten Startversuch abstützen konnte *grins*
Die Mauersegler sammelten sich wieder und rauschten in Abständen dicht über die Bäume hinweg. Einzelne von ihnen kreischten auch, als wenn sie Apus locken wollten. Es ging dann alles verdammt schnell. Ich erwartete eigentlich, dass Apus Apus erstmal seine Flügel spreizen oder sonst irgendwelche körperliche Anspannung zeigen würde. Aber stattdessen schüttelte er sich nur ganz kurz, um mir einen Haufen in die Hand zu setzen, zögerte nur eine Sekunde und sprang. In Windeseile flog er über den Platz, zwischen den Bäumen hindurch und in die nächste Straße hinein, als ober in seinem Leben nichts anderes getan hätte. Da wir ihn dabei aus den Augen verloren, schauten wir uns sicherheitshalber gleich darauf genau um, ob irgendwo ein abgestürzter Mauersegler lag. Doch das hätten wir uns sparen können. Also schauten wir in den Himmel und beobachteten die über uns fliegenden Mauersegler eine Weile.
Wir können nun für Apus apus nichts mehr tun, er muss auf sich selbst aufpassen. Wir können nur hoffen, dass wir ihm alles mit auf den Weg gegeben haben, was er zum Überleben braucht, damit er in Kürze mit seinen Artgenossen, unter denen auch Eltern und evtl. Geschwister sein dürften, nach Südafrika ziehen und die nächsten Jahre in der Luft verbringen. Zum Tränen vergießen kamen wir nicht; aber ein bisschen Wehmut war dabei. Wir werden unseren Apus Apus - wenn überhaupt - nur noch als einen von vielen Punkten am Himmel wiedersehen aber ihn nicht mehr als unseren Mauersegler erkennen. Auch ist es unwahrscheinlich, dass wir jemals wieder einen Mauersegler so nah betrachten und obendrein befühlen können. Doch trotzdem sind wir glücklich diesem kleinen Kerl geholfen und aufgepäppelt zu haben, nachdem er aus dem Nest fiel oder wegen Hitze oder Nahrungsnot vielleich sprang, weil seine Eltern evtl. Wetterflucht begangen und ihn bei schwüler Hitze allein lassen mussten. Laut Internetrecherchen können Mauerseglerjunge bis zu einem Monat ohne Nahrung überleben; aber es wurde auch beobachtet, dass sie bei Hitze aus dem Nest springen. Am 2. August 2004 um etwa 12:30 Uhr nahmen wir endgültig Abschied von Apus apus:
Wir werden dich, dein Piepsen, dein Flattern, dein Kinn-entgegenstrecken und deinen Micky Maus Blick vermissen.
Vielleicht bleibst du in derselben Mauerseglerkolonie und erinnerst eich im nächsten Jahr an die Töne unserer Musik. Vielleicht bist du dann einer der Mauersegler, die während unserer Proben über dem Schulhof ihre Flugkünste zeigen. Schön wäre es; aber die Haupsache ist: Bleib gesund und werde alt!" 5. August 2004 Uns interessierte aber brennend, ob sich auch die Anzahl Mauersegler in anderen Ecken von Rendsburg schon so dezimiert hat und machten die Runde, die wir zuvor fast jeden Tag abfuhren, als wir nach einem geeigneten Startplatz für Apus Apus suchten. Überall war es das Gleiche: Es waren noch viele Mauersegler da; aber der Löwenanteil schien schon abgereist zu sein. Abends setzte ich mich an den PC um ein bisschen Vereinsarbeit aufzuarbeiten. Apus Apus hatte mir ja einiges an Zeitaufwand abverlangt, so dass das eine oder andere liegengeblieben war. Hansi saß derweilen auf dem Balkon, um sich von seinem Arbeitstag in der Krankenpflege auszuruhen. Aber das wurde nichts. Gegen 19:30 Uhr rief er mich ganz aufgeregt zu sich und zeigte mir einen einzelnen Mauersegler, der ganz nahe zwischen Kirche und unserem Haus ein paar mal hin und her sauste. Einen Augenblick später gesellten sich zwei weitere Mauersegler hinzu.
Das war nun wirklich ein komisches Gefühl. Hatten wir doch in den letzten zwei Wochen genau den Himmel über unserem Balkon beobachtet. Und außer der zwischen 21:10 und 21:30 Uhr über uns aufsteigenden größeren Menge an Mauerseglern hatten wir in unserer Wohngegend noch keinen Mauersegler gesehen. Wir hatten auch ein paar mal versucht die aufsteigenden Segler zu fotografieren; aber dazu flogen sie viel zu hoch und allzu weit weg. Das Gleiche beobachteten wir dann noch etwa eine Woche. Nach dem Start unseres Seglers kamen tatsächlich jeden Abend einzelne Segler so nahe vorbei, dass wir Silhoutten knipsen konnten? Das ließ uns nun doch ernsthaft darüber nachgrübeln, ob Apus Apus wohlmöglich die Nähe zu seiner Babystube sucht. Das wäre für ihn nicht sonderlich schwer; denn den Kirchturm vor unserer Nase hat er zwei Wochenlang vor dem Schnabel gehabt und von der Kolonie, in der wir ihn frei ließen, sollte man ihn auch sehen können, sobald man über den Häusern ist.
Nach allem, was wir in dieser kurzen Zeit über Mauersegler gelernt haben, trauen wir unserem Zögling auch das noch zu. Zugvögel haben naturgemäß einen guten Orientierungssinn, und die paar hundert Meter Luftlinie vom Adolfsplatz zu uns, überwindet ein Apus apus in Sekundenschnelle. Ach, es ist doch einfach zu schade, dass wir in diesem Punkt niemals Gewissheit haben werden. Apus Apus ist eben nur noch ein Mauersegler von vielen und nicht mehr mit Gewissheit wiederzufinden. Ebenso merkwürdige Begebenheit im Jahr 2005: Während wir im Jahr 2004 vor dem späten Abend nie Mauersegler in unserem Wohngebiet ausmachen konnten, fliegen ein Jahr später - kaum zu glauben aber wahr - drei Mauersegler bei uns herum, meistens am Kirchturm. Ansonsten ist es das gleiche Bild am Himmel wie im Jahr 2004. Die Mauersegler lassen sich in größerer Menge nur spätabends sehen, wenn sie sich zur Nacht in den Himmel schrauben oder in der Ferne über dem Kasernengebiet. Sucht Apus Apus vielleicht die Nähe zu seinem menschlichen zu Hause?
Der Mauersegler wurde vom Naturschutzbund zum Vogel des Jahres 2003 gekürt: Hier finden Sie Links zu Seiten, die sich mit Mauerseglern, deren Schutz, deren Aufzucht befassen und behilflich sind bei der Schaffung von Nistplätzen. Der größte Teil der Seiten befasst sich auch mit anderen interessanten Themen des Natur und Artenschutzes.
|






Kostenlose Homepage von Beepworld