Mit rund 40 km/h ging die "Titanic" am 15. April 1912 um 2.20 Uhr auf die letzte Fahrt: Nase voraus und bereits an der Oberfläche in zwei Teile zerbrochen dem Meeresgrund entgegen, in ihrem Sog eine Wolke verschiedenster Dinge, die aus dem Schiffsrumpf wie aus einem riesigen Füllhorn herauspurzelten: Geschirr, Koffer, Kleidungsstücke, Schmuck, Geld, Kameras, Parfumflaschen, Sonnenliegen, Badewannen, Waschbecken, Heizkohle, Schraubenschlüssel, Maschinenteile - und Menschen... Knapp sechs Minuten später war die Reise endgültig zu Ende: Knirschend bohrte sich der Bug der "Titanic" 18 Meter tief in den Meeresgrund - ein paar hundert Meter von jener Stelle entfernt, wo das Schiff von der Oberfläche verschwunden war.3800 Meter unter dem Meeresspiegel: Ewige Dunkelheit, ewige Stille, ewige Kälte. Undurchdringliche Finsternis herrscht in diesen, im Schweigen des Todes daliegenden Regionen, in die niemals ein auch nur schwacher Schein des Sonnenlichtes dringen kann. Die Wassertemperatur beträgt in dieser Tiefe im Atlantischen Ozean 1,9 Grad Celsius. Über die Größe des Gewichtes, das jetzt auf dem Wrack der "Titanic" lastet, macht man sich wohl kaum eine richtige Vorstellung. Eine Fläche von zehn Zentimetern im Quadrat hat ein Gewicht von mehr als 20.000 Kilogramm zu tragen. Ein Mensch würde so platt werden, wie ein Stück dünnes Papier... Am 23. Juli 1987, war die Technik dann doch so weit: Nachdem der amerikanische Unterwassergeologe Dr. Robert Ballard zwei Jahre zuvor das Wrack der "Titanic" entdeckt hatte, wurden nun die ersten Fundstücke gebracht.
Mit Hilfe des Tauchbootes "Nautile" (Bild rechts, oben neben dem Wrack ganz klein erkennbar), das mit drei Mann Besatzung bis in 6000 Meter Tiefe vordringen kann, wurden schon an die 4000 Gegenstände aus der Umgebung des Wracks ans Tageslicht gebracht. Das Schiff selbst und alle darin befindlichen Gegenstände dürfen aber laut Beschluß eines US-Gerichts nicht angetastet werden. Aus dem Bericht einer Tauch-Expedition von 1993: "Das Wasser ist extrem klar. Lange, dünne Fische schwimmen vorüber. Ihre Körper sind weiß, ihre riesigen lila Augen anscheinend blind. Direkt voraus scheint die Landschaft plötzlich aufzuhören. Der erste Eindruck ist, daß das Tauchboot eine Stelle erreicht hat, an der der Boden in eine tiefe Schlucht abfällt. Aber eine nähere Betrachtung verrät eine riesige, schwarze Mauer, die nach oben hin außer Sichtweite verschwindet..."