Titel: Vicious Circle (1/X)
Autor: Sam5484
Kontakt: Sam5484@hotmail.com
Disclaimer: Ja, ja...sie gehören alle zu CC, 20th Century Fox und 1013 Productions. Ich will keinerlei Profit machen und leihe sie mir, wie immer, nur aus.
Genre: X-File/ MS Friendship/ AlU
Rating: PG-13
Spoiler: ne Geschichte aus dem Englisch Unterricht *Hexezuzwinker*/ Paper Clip/ Gezeichnet/ Detour/ Dämonen/ Schatten/ Todestrieb
Short - Cut:
Welche Bedeutung haben Träume? Und vor allem... können die tödlich sein?
Anm. der Autorin:
Wollte mal ne Story ganz ohne MSR schreiben...hoffen wa mal, dass es mir gelingt! :)
Vicious Circle
(1 von X)
Hart wurde sie von hinten getroffen und fiel zu Boden. Mit verschleiertem Blick erfasste sie das Bild ihrer blutdurchtränkten Jacke. Unaufhaltsam tropfte es ihren vor Schmerz bebenden Körper hinab auf den kühlen Asphalt und vermischte sich mit dem auslaufenden Benzin. Ihre Augenlieder flatterten hilflos, bemüht, nicht das Bewusstsein zu verlieren. Vage nahm sie ein großes Schild mit der Aufschrift „ A-2-Z-GAS FOR EXTRA MILEAGE“ wahr. Doch sie war zu schwach. Müde, als läge eine tonnenschwere Last auf ihnen, schloss sie, sich ihrem Schicksal fügend, die Augen. Immer noch konnte sie die tanzenden roten und grünen Lichter der Pumpen ausmachen. Sie spürte, wie der Schmerz einer gewissen Taubheit Platz machte, als ihre Hand schließlich ruhig auf ihrem Bauch halt machte und sie starb...
„ Ah!“ Schweißgebadet und senkrecht im Bett sitzend wachte Carrie auf. Zitternd stand sie auf und durchquerte das schäbige Motelzimmer, nur um am Fenster halt zu machen. Ihr Blick fiel auf den leeren Parkplatz. Dieser Traum verfolgte sie schon seit Tagen.
Wahrscheinlich ist das nur die ganze Aufregung!, rief sie sich die Worte ihrer Mutter in Erinnerung. Sie war gerade auf dem Weg in einen anderen Staat, weit weg von zu Hause, wo man ihr vor kurzem einen Job als Anwaltsgehilfin angeboten hatte. Natürlich war es nicht gerade einfach für sie, aber träumte man deshalb gleich von seinem eigenen Tod?
Langsam schritt sie zum Bett zurück und holte ein Päckchen Schlaftabletten aus der Nachttischschublade. Ohne das bisschen Chemie würde sie heute Nacht sicher kein Auge mehr zubekommen. So würde sie wenigstens einige Stunden schlaf finden, damit sie wenigstens einigermaßen ausgeruht ihren Weg nach Texas weiterführen konnte.
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„...born to be wiiiillllllllldddddddd! Yeah!” sang Carrie mit fürchterlich schiefer Stimme, als sie den Highway entlang fuhr. Der Wind blies ihr in die Haare und ein Gefühl von Freiheit durchströmte sie. Plötzlich vernahm sie das rote blinken ihres Tankanzeigers und verdrehte die Augen. „ Das war ja klar!“ Suchend lies sie ihr Augen umherschweifen. Das nächste Schild kündigte drei Meilen weiter eine Tankstelle an.
„ Ok, Baby... jetzt bloß nicht schlapp machen...“
Erleichtert, dass der Wagen nicht schon nach einer Meile den Geist aufgegeben hatte, bog Carrie auf das Tankstellengelände ein- und erstarrte. „ A- 2- Z- GAS FOR EXTRA MILEAGE“... sie kannte diesen Ort! Hier war sie in ihrem Traum gewesen.
Reflexartig betätigte sie den Rückwärtsgang. Bereits nach einigen Metern machte ihr Wagen ein röhrendes Geräusch und blieb liegen.
„Shit!“ fluchte sie leise vor sich hin. Beunruhigt sah sie sich um. Es war keine Menschenseele zu sehen und die bedrückende Stille lies ihr einen Schauer nach dem anderen den Rücken hinunterjagen. Was sollte sie jetzt tun? Zu Fuß bis zur nächsten Tankstelle gehen?
Doch diese würde sicherlich mehrere Meilen entfernt sein.
„ Miss? Alles in Ordnung?“
Mit einem quietschenden Laut fuhr sie herum. Hinter ihr stand ein großer blonder Mann mit Segelohren und blauer Arbeitskleidung, die über und über mit Öl verschmiert war. Sie schätzte ihn auf Mitte zwanzig.
„Ich...“ stotterte sie. „ ...mir ist das Benzin ausgegangen...“
„Kein Problem. Soll ich den Wagen für Sie auftanken?“
Carrie nickte zaghaft.
Er grinste sie an. „ Ok, Sie können ja dann schon mal drinnen bei Mr. Parker bezahlen gehen.“
„ Ja, danke...“
Langsam schritt Carrie auf das kleine weiße Haus zu. Obwohl sie sich selbst für ihre Paranoia schalt, war ihr dieser Ort mehr als unheimlich.
Mädchen, beruhige dich! Das war nur ein blöder Traum! Nichts weiter!
Eine kleine Glocke über der Tür läutete, als sie eintrat. Sofort kam ihr ein kleiner, dicklicher Mann mit Brille entgegen. Er lächelte ihr freundlich zu.
„ Was kann ich für Sie tun, Ma’am?“
“ Ähm... ich wollte nur bezahlen.“
„ Sonst noch was?“
Bevor sie „ nein“ sagen konnte, gab ihr Magen ein fürchterlich lautes Grummeln von sich.
„ Ich denke, ich sollte Ihnen noch eines meiner berühmten Sandwichs machen?“ lachte der kleine Mann.
„ Das wäre nett.“ Verlegen fuhr sie sich durch die Haare.
„ Sie können ruhig draußen warten. Ich bringe es Ihnen zum Auto.“
„ Danke.“ Sie legte das Geld auf die Theke und verließ den Laden, wobei sie fast mit dem blonden Mann zusammenstieß.
„ Entschuldigung.“, murmelte dieser und verschwand hinter der Theke.
Kopfschüttelnd sah Mr. Parker ihr nach, als sie zum Wagen ging.
„ Alles klar, Chef?“, erkundigte sich Jeff.
Dieser schüttelte abermals den Kopf. „ Ziemlich nervös das Mädchen, was?“
Jeff zuckte nur mit den Schultern. „ Ich muss noch mal kurz raus.“ Er hielt seinen Schraubenschlüssel in die Höhe. „ Ich denke, dass auch etwas mit ihrem Motor nicht ok ist. Das Ding hat gerade einen ganz schön komischen Laut von sich gegeben.“
Parker nickte und wandte sich wieder seinem Sandwich zu. Mit einem großen Messer verteilte er ordentlich Kräuterquark. Dann hielt er inne.
„ Jetzt hab ich doch glatt vergessen sie zu fragen, was sie sonst noch drauf möchte.“, murmelte er zu sich selbst und machte sich auf den Weg nach draußen.
Ungeduldig wartete Carrie am Wagen. Obwohl die beiden Männer einen ziemlich netten Eindruck machten, konnte sie es nicht erwarten von hier zu verschwinden. Als sie den Klang der kleinen Türglocke vernahm, drehte sie sich erwartungsvoll um. Was sie sah, lies ihr das Blut in den Adern gefrieren.
Mit einem Grinsen, das vielmehr an eine Fratze erinnerte, kam der blonde Mann mit einem Schraubenschlüssel auf sie zu... Dicht gefolgt von Mr. Parker, der ein riesiges Messer in der Hand hielt, dessen Klinge in der Sonne schimmerte.
Ängstlich stolperte sie einige Schritte zurück. Sie kamen immer näher.
Weg hier! Weg hier! Weg hier! Hallte es durch ihren Kopf und sie strauchelte immer weiter rückwärts, ohne den Blick von den beiden Männern abzuwenden.
Auf einmal winkten sie hysterisch. Zu spät bemerkte sie das laute Brummen des heranfahrenden Trucks. Carrie hatte keine Chance mehr...
Hart wurde sie von hinten getroffen und fiel zu Boden. Mit verschleiertem Blick erfasste sie das Bild ihrer blutdurchtränkten Jacke. Unaufhaltsam tropfte es ihren vor Schmerz bebenden Körper hinab auf den kühlen Asphalt und vermischte sich mit dem auslaufenden Benzin. Ihre Augenlieder flatterten hilflos, bemüht, nicht das Bewusstsein zu verlieren. Vage nahm sie ein großes Schild mit der Aufschrift „ A-2-Z-GAS FOR EXTRA MILEAGE“ wahr. Doch sie war zu schwach. Müde, als läge eine tonnenschwere Last auf ihnen, schloss sie, sich ihrem Schicksal fügend, die Augen. Immer noch konnte sie die tanzenden roten und grünen Lichter der Pumpen ausmachen. Sie spürte, wie der Schmerz einer gewissen Taubheit Platz machte, als ihre Hand schließlich ruhig auf ihrem Bauch halt machte und sie starb...
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Mit schmerzenden Gliedern stieg Fox Mulder aus seinem Ford Taurus und blinzelte den grellen Sonnenstrahlen Texas entgegen. Die Mittagshitze schien schier unerträglich. Um sich ein wenig Abkühlung zu verschaffen zog er seine Anzugjacke aus und lockerte den Knoten seiner Krawatte.
Scheiß Dienstkleidung!
Überhaupt wusste er gar nicht, was er hier zu suchen hatte. Eine junge Frau war von einem Truck überfahren worden. Na, und? Wo war da die X Akte?
Entweder wollte Skinner ihn ein paar Tage vom Hals haben, oder es gab noch etwas, was die hiesige Polizei nicht entdeckt hatte...
Mit einem großen Schritt stieg er über das Absperrband und näherte sich der Leiche.
„ Was haben Sie hier zu suchen?“, ertönte eine schneidende, weibliche Stimme hinter ihm und veranlasste ihn somit dazu, sich umzudrehen. Automatisch griff fischte er seinen Ausweis aus der Tasche. „ Ich bin...“
Für einen Augenblick war er verwirrt, als er ins leere starrte. Dann senkte er seinen Kopf und erblickte das ungefähr 1,58 m kleine, rothaarige Wesen.
„ Also? Wer sind Sie nun?“, fuhr sie ihn schroff an. Fast hätte er laut losgelacht.
Zwergenaufstand...
Doch er schaffte es gerade noch, seine professionelle Haltung zu bewahren und hielt seinen Ausweis unter die Nase.
„ Special Agent Fox Mulder, FBI.“
Der Gartenzwerg runzelte die Stirn.
„ FBI? Was habt ihr denn hier verloren?“
Mulder zuckte mit den Schultern. „ Das würde ich auch gerne wissen...“
Sie seufzte. „ Wissen Sie, Agent Mulder... wir brauchen Ihre Hilfe nicht. Nur weil wir keine Bundesbullen sind, heißt das noch lange nicht, dass wir mit einem Fall nicht alleine zurecht kommen können.“
„ Ich habe auch nur meine Befehle... Miss?“
„ Scully!“, antwortete sie. „ Detektive Scully.“
Mulder grinste. „ Scully...wie der Baseballspieler?“
Sie schaute mit eisiger Miene zu ihm empor.
„ Was ist hier genau passiert?“, lenkte Mulder das Gespräch schnell auf ein anderes Thema.
„ Carrie Jolie...“, berichtete sie mit kühler Stimme. „... eine einundzwanzig jährige Weiße, auf dem Weg in ein Anwaltsbüro im Inneren von Texas. Gegen 5.30 a.m hielt sie hier um zu tanken. Mr. Parker, der Besitzer dieser Tankstelle, berichtete, dass sie ziemlich nervös war. Er machte ihr ein Sandwich und da er vergessen hatte sie zu fragen, was sie drauf wollte, ging er, wie sein Kollege, der etwas an ihrem Motor überprüfen wollte, nach draußen. Laut Aussage der beiden Männer stolperte sie einige Schritte rückwärts und übersah einen heranfahrenden Truck...“
Mulder zog eine Augenbraue hoch.
„ Das ist alles? Wieso haben sie sie nicht gewarnt.“
„ Das haben die beiden Männer durchaus versucht... nur Carrie reagierte nicht.“
Langsam aber sicher, schien Mulder Interesse für diesen Fall zu entwickeln. Warum war diese junge Frau so nervös gewesen? Was lenkte sie so ab, dass sie den Truck nicht bemerkte?
„ Kann ich mir mal die Leiche ansehen?“, fragte er schließlich.
„ Sicher.“, stieß sie hervor, doch auf ihrem Gesicht zeigte sich deutlicher Widerwillen ab.
Sie hob das weiße Tuch ein Stückchen an und Mulder wandte sich würgend ab.
„ Sie sind wohl nichts gewohnt, FBI?“ Ein siegessicheres Grinsen machte sich auf ihrem Gesicht breit. Unter anderen Umständen hätte er sie jetzt sicher zu einem Kaffee eingeladen.
„ Und was ist mit den Zeugen?“, fragte Mulder schließlich, als er wieder halbwegs die Fassung erlangt hatte. „ Kann ich auch mit ihnen reden?“
„ Das haben wir schon getan!“
Er atmete einmal tief durch. „ Dürfte ich vielleicht trotzdem?“
„ Ich habe Sie bereits nach Hause geschickt.“, erwiderte sie schlicht. „ Guten Tag, Agent Mulder.“ Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und lies ihn unwissend zurück. Für einen kurzen Moment blieb er, angesichts der Dreistigkeit, die diese Frau an den Tag legte, stehen. Doch dann wurde ihm klar, dass er nicht einmal eine Akte über diesen Fall besaß.
„ Hey!“, rief er, jedoch nur um auf taube Ohren ihrerseits zu stoßen. Langsam aber sicher verlor er wirklich die Geduld mit dieser Frau.
„ Hey,“ Mulder fasste sie am Arm, als er keuchend neben ihr zum stehen kam. Ihr Blick wanderte zu der Stelle, wo er sie umklammert hielt und er lies schnell von ihr ab.
„ Ich brauche die Akte zu diesem Fall.“, erklärte er ihr schließlich, bemüht seiner Stimme einen ruhigen, kontrollierten Klang zu geben, auch wenn er das Gefühl hatte, ihr am liebsten an die Gurgel zu springen.
„ Was immer Sie wollen...“
Ohhhh... für dieses zuckersüße Lächeln hätte er sie schlagen können. Doch anstatt in irgendeiner Weise gewalttätig zu werden, reichte er ihr einen Zettel mit seiner Email Adresse und machte sich auf den Weg in sein Motel.
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Völlig perplex blieb Scully zurück. Eigentlich hatte sie erwartet, dass ihre Unhöflichkeit ihn so abschrecken würde, dass er seine Sachen packen und seinen Regierungsarsch ganz schnell wieder nach Hause verfrachten würde. Genau inspizierte sie den kleinen Zettel in ihrer Hand.
Fox Mulder... ha! Was für ein lächerlicher Name.
Schnell stopfte sie den Zettel in ihre Tasche zurück. Wer weiß? Vielleicht würde sie ja ganz zufällig vergessen ihm die Akte rüberzuschicken?
Ihre Gedanken wurden jedoch durch Sheriff Manson unterbrochen, der ihr von seinem Wagen aus zuwinkte.
„ Irgendetwas neues, Detektive?“
Sie ging zu ihm hinüber und lehnte sich an seine Wagentür. „ Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was Sie meinen, Sir. Die junge Frau wurde überfahren, soviel ist sicher.“
Der Sheriff gab ein brummen von sich.
„ Dana... Sie wissen genau, was ich meine...Ich habe Ihnen doch den Bericht der Mutter von Carrie heute Morgen zugefaxt.“
Scully gab ein Schnaufen von sich. „ Sie meinen, dass Miss Jolie ihren Tod vorausgesehen hat? In Form eines Traumes?“
Er nickte.
„ Sir, Sie wissen doch genau so gut wie ich, dass das unmöglich ist.“ Sofort hatte ihre rationale Seite wieder die Oberhand genommen. „ Ich meine, Träume sind nichts weiter als wirre Gedankengänge. Dinge, die wir tagsüber erlebt oder gesehen haben... die unser Gehirn dann nachts verarbeitet.“
„ Sie sind eine gottverdammte Skeptikerin!“ Auf dem Gesicht des Sheriffs erschien ein kleines Grinsen, was sie kurz erwiderte.
„ So sind wir Wissenschaftler nun mal.“
„ Nur gut, dass wir Ihnen Agent Mulder zur Seite gestellt haben...“
Ihre Augen weiteten sich. „ Wie bitte? Sie haben mir den Bundesbullen auf den Hals geschickt?“
„ Dana...“ Er hob beschwichtigend die Hände. „ Sie wissen, wir alle haben großen Respekt vor Ihnen...“
„ Und deshalb schicken Sie mir Mr. FBI her, weil Sie von meiner Kompetenz nicht überzeugt sind.“
„ Das hat nichts mit Ihrer Kompetenz zu tun...“, versuchte er sich zu beruhigen. „ Keinesfalls... nur Sie müssen zugeben, dass Sie manchmal zu einer... übergroßen Rationalität neigen... Agent Mulder wäre Ihr perfektes Gegenstück. Und wir alle glauben, dass wenn Sie zusammen arbeiten... schon bald eine Lösung dieses Falles haben werden.“
„ Für mich ist dieser Fall bereits gelöst, Sir.“, zischte sie, machte auf dem Absatz kehrt und fuhr mit quietschenden Reifen davon.
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Müde rieb sich Mulder seine brennenden Augen. Seit über vier Stunden starrte er nun schon auf den Bildschirm seines Lap Top und wartete auf die Akte des Falles. Doch, was ihn gar nicht wunderte, ließ diese auf sich warten. Also hatte er sich in das FBI Computersystem gehackt und ging ein paar X Akten durch. Plötzlich hielt er inne.
Anscheinend hatte Texas eine hohe Unfallrate, denn vor dreizehn Jahren waren innerhalb von zwei Monaten, neun junge Frauen tot aufgefunden worden. Interessiert scrollte er weiter.
Familienmitglieder dieser Frauen behaupteten, dass diese ihnen berichteten, ihren eigenen Tod schon vorausgesehen zu haben. Und alle hatten braune Haare, sowie grüne Augen.
Die Mutter von Cassandra Wibeldon, eines der Opfer, die sich selbst „Das Orakel“ nannte beschuldigte damals einen gewissen Jeff Corner ihre Tochter telepathisch getötet zu haben. Da dieser Ort in Texas aus einer kleinen, gläubigen Gemeinde bestand und niemand auch nur die leiseste Ahnung hatte, wurde Jeff schließlich festgenommen. Jedoch musste er, verständlicherweise, bereits nach einigen Wochen aus Mangeln an Beweisen frei gelassen werden. Seitdem arbeitete er bei.... „ A-2-Z- GAS FOR EXTRA MILEAGE“... Die Tankstelle, wo auch Carrie Jolie heute tot aufgefunden wurde. Warum hatte sie ihm das verschwiegen?
Abermals checkte er seine Emails, wartete ungeduldig auf den Bericht. Ließ sich diese Frau aus Protest so viel Zeit?
Plötzlich kam ihm eine Idee. Abermals hackte er sich in das FBI Computersystem und gab bei der Personensuche den Namen „Scully“ ein. Drei Treffer...
Shermon Scully, Nancy Scully und Dana Scully... Er klickte auf “ Nancy”, doch sobald ihm das Bild einer kugeligen, schwarzhaarigen Frau entgegenschaute, wusste er, wer es nur sein konnte...
Gespannt verfolgte er, wie sich die Seite aufbaute. „ Dann wollen wir doch mal sehen, wer du bist...“, murmelte er leise. Nach einigen Augenblicken starrte er auf das Bild einer jungen, rothaarigen Frau. Ihre blauen Augen schimmerten ihm entgegen. „ Hu.. wer würde erwarten, dass sich hinter so einem netten Äußeren eine solche arrogante Kuh steckt...“
Er überfolg weiter ihre Angaben...
„ Also... Dana Katherine Scully...“ Er lachte einmal laut auf. „ ...ich habe mich verschätzt...sie ist nur 1,57m...hu? Medizinerin? Pathologin? Abschluss in Physik und Chemie...Herrgott... kein Wunder, dass die so unterkühlt ist...“
Auf einmal erklang ein kleines piepen „ Sie haben Post“.
„ Na, dann hat sie es doch noch geschafft...“, grinsend klickte er ihre Email an, doch sein Gesichtsausdruck erstarrte augenblicklich.
From: Dscully@policedep.com
To: Fmulder@FBI.gov
Subject: Unknown
Fahren Sie nach Hause und lassen Sie mich und meine Ermittlungen in Ruhe! Ich will Ihren Bundesarsch hier nie wieder sehen.
Schnell klickte er auf „Antworten“. Von dieser Frau würde er sich sicher nicht unterkriegen lassen.
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Innerlich kochte sie immer noch vor Wut. Wieso traute ihr niemand zu diesen Fall auch alleine lösen zu können? Nein, Moment, schalt sie sich selber. Dieser Fall ist schon gelöst.
Sie wollte gerade ins Bad, als sie Post bekam. Seufzend sah sie auf den Absender und erwartete schon eine seitenlange Erklärung, warum sie mit diesem Kerl zusammen arbeiten müsste. Erwartete, dass er ihr unter die Nase reiben würde, als Bundesagent höher gestellt zu sein...doch nichts dergleichen.
From: Fmulder@FBI.gov
To: Dscully@policedep.com
Subject: Unknown
Hu? Das verstehe ich nicht. Ich hielt meinen Arsch bis jetzt eigentlich immer für ganz knackig, aber in Ordnung... trotzdem werden Sie wohl nicht umhin kommen, mit mir zu arbeiten. Ich sehe Sie dann morgen um 8 a.m vor dem Haus von Cassandra Wibledon (Adresse ist angefügt). Ich denke, dass Sie mir etwas bezüglich dieses Falles verschwiegen haben.
Mit freundlichen Grüßen
Mulder
P.S Denken Sie ein wenig Telefonsex würde zu einem besseren, gegenseitigen Verständnis beitragen?
Mit geweiteten Augen starrte sie auf die flimmernde Schrift. Dieser Kerl hatte vielleicht Nerven! Telefonsex?
Doch darauf würde sie jetzt nicht weiter eingehen. Diese Email bewusst ignorierend fuhr sie ihren Computer hinunter. Das dürfte ja heiter werden...
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Ungeduldig schaute Mulder auf seine Uhr. Es war bereits einige Minuten nach acht und er fragte sich, ob sie nach der Sache mit dem Telefonsex überhaupt kommen würde. Vielleicht wäre es klüger gewesen, sich diesen dummen Spruch zu verkneifen. Jedoch hatte er nach all dem Ärger mit ihr der Versuchung sie ein wenig aus der Fassung zu bringen nicht wiederstehen können.
Das Quietschen von Reifen ließ ihn schließlich aufsehen. Er lachte still in sich hinein. Der alte, klapprige Pick Up bildete einen wunderbaren Kontrast zu ihrer sauberen und eleganten Erscheinung.
„ Pünktlichkeit ist eine Tugend, Detektive Scully!“, rief er ihr zu. Mit ausdruckslosem Gesicht ging sie an ihm vorbei auf die Tür zu.
„ Hey.“ Er hielt sie zurück. „ Denken Sie nicht, dass Sie mir noch etwas sagen sollten, bevor wir da rein gehen?“
Sie zuckte mit den Schultern. „ Ich wüsste nicht was...“
„ Nein? Und was ist mit der Tatsache, dass Sie mir verschwiegen haben, dass es bereits Opfer wie Carrie gab? Die alle diese böse Vorahnung von ihrem eigenen Tod hatten?“ Sie schaute zu Boden, doch er fuhr unbeirrt weiter. „ Und das ein „Orakel“, die Mutter des Opfer Cassandra Wibledon einen gewissen Jeff Corner beschuldigte? Der jetzt ganz zufällig an der Tankstelle arbeitet, wo das letzte Opfer gefunden wurde?“
Sie lachte leise. „ Sie glauben wirklich an diesen Schwachsinn, oder?
„ Wie bitte?“
„ Na...“ Sie hob gestikulierend die Hände. „ ... dass Mrs. Wibledon durch ihre magischen Kräfte den Mörder ihrer Tochter gesehen hat. Oh... und bevor ich es vergesse... Dieser hat ihre Tochter natürlich nicht mit bloßen Händen oder durch Gebrauch einer konventionellen Waffe getötet... das wäre ja zu langweilig... er hat bestimmt... lassen Sie mich raten, Agent Mulder... Voodoo Zauber angewendet?“
Kopfschüttelnd ging er auf die Haustür zu und klingelte.
„ Sie sind verrückt.“
„ Nicht so verrückt wie Sie.“, zischte sie noch leise, bevor die Tür sich öffnete und eine kleine, zierliche Frau erschien. Ihr leicht ergrautes Haar war zu einem einfachen Knoten gebunden. Dunkele Schatten zeichneten sich unter ihren Augen ab und ließen sie, durch ihre sonst sehr blasse Hautfarbe, krank erscheinen. Scully lächelte freundlich.
„ Mrs. Wibledon? Ich bin Detektive Scully und das ist Agent Mulder vom FBI. Dürfen wir Ihnen ein paar Fragen stellen?“
Ihre Augen weiteten sich vor Schrecken.
„ FBI? Was ist denn los?“
„ Keine Angst, Miss. Wir wollen Ihnen nur ein paar Fragen stellen.“
„ Dürfen wir reinkommen?“, fragte Mulder, der die ganze Zeit geschwiegen hatte. Und hatte sich, ehe sie antworten konnte, schon an ihr vorbeigeschoben.
Das Haus war spärlich eingerichtet. Nur das Nötigste, kein Luxus.
„ Ich musste alles verkaufen...“, ertönte ihre unsichere Stimme hinter ihm. „Nachdem, was... mit meiner Tochter geschehen ist, konnte ich nicht mehr arbeiten.“
„ Und genau deswegen sind wir hier.“ Mulder nahm auf dem Sofa platz, während Scully am Türrahmen gelehnt, stehen blieb.
Mrs. Wibledon setzte sich auf dem gegenüberliegenden Sessel und schlang ihre Arme um ihren Körper.
„ Mrs. Wibledon... ich habe in der Polizeiakte gelesen, dass Sie behaupten den Mörder ihrer Tochter zu kennen.“
„ Ja.“ Sie nickte eifrig. „ Das stimmt... Er hat sie auf dem Gewissen...“ einzelne Tränen liefen nun über ihr Gesicht.
Mulder lehnte sich etwas weiter zu ihr hinüber.
„ Wie?“
„ Ich.. ich kann es Ihnen nicht genau erklären. Schon meine Großmutter hatte die Gabe, Dinge zu sehen, die dem normalen Auge verwehrt bleiben. Sobald ich die meinen schließe, jagen Tausende von Bildern durch meinen Kopf... dann sehe ich. Und... als Cassandra tot aufgefunden wurde...“ Sie atmete tief ein, zwang sich fortzufahren. „... als ich da meine Augen schloss...da sah ich ihn… Jeff Corner... ich bin mir ganz sicher, dass er es getan hat...“
Einen Augenblick herrschte Stille.
„ Würden Sie auch jetzt einmal Ihre Augen schließen?“
Es war nicht zum aushalten! Mulder saß dieser armen, zitternden Frau gegenüber und wollte, dass sie für ihn etwas sah.
Scully schüttelte verständnislos den Kopf. So würden sie den Mörder, wenn es einen geben sollte, nicht erwischen.
Lautlos verließ sie das Haus.
Tief sog sie die kühle Morgenluft in ihre Lungen. Warum bekam ausgerechnet sie immer solche Fälle? Warum durfte sie sich nicht einmal um einen hübschen kleinen Bankraub kümmern?
„ Warum sind Sie gegangen?“
Scully fuhr herum. „ Weil ich es nicht mehr mit ansehen konnte, wie Sie sich in diesen Hokuspokus- Mist reinsteigern.“
„ Mist? Ich denke, Sie sind zum falschen Zeitpunkt rausgegangen. Es wurde nämlich noch ziemlich interessant... Mrs. Wibledon sah etwas... nur war dieser jemand nicht wie erwartet Jeff, sondern ein ihr völlig Unbekannter.“
Scullys linke Augenbraue wanderte automatisch nach oben.
„ Warum erkennen Sie denn nicht, dass diese Frau, so gepeinigt von dem Verlust ihrer Tochter, einfach die Nerven verloren hat? Sie hat sich da in etwas hineingesteigert, das, angesichts dieses tragischen Verlustes, nicht verwunderlich ist. Viele Menschen fangen in so einer Situation urplötzlich an, die merkwürdigsten Dinge zu glauben...weil der Glaube das einzige ist, was sie noch haben. Diese Menschen sind nicht mehr bei Verstand.“
„ Ach, dann bin ich also auch nicht bei Verstand?!“ Sein Blick schien sie geradewegs zu durchbohren. Sie verschränkte die Arme vor der Brust, erschaffte so ihr unsichtbares Schutzschild.
„ Ich weiß nicht, was Sie meinen.“
„ Nein? Ich hätte wetten können, dass Sie sich schon über „Spooky“ Mulder informiert haben...“ Sie hatte ihn noch nie so wütend gesehen „ Dann will ich Ihnen mal eines sagen: meine Schwester wurde entführt, als ich zwölf Jahre alt war... aber nicht von einem Menschen... nein.“ Er schüttelte seinen Kopf, um dem gesagten mehr Ausdruck zu verleihen. „ Sie wurde von Außerirdischen entführt. Jahre später habe ich mich der Regressionshypnose unterziehen lassen... und es ist wahr. Bin ich deshalb auch ein Spinner?“ Unbewusst drängte er sie immer weiter zum Auto. Langsam bekam Scully es wirklich mit der Angst zu tun. Vielleicht war der Kerl ja doch ein Verrückter?!
Plötzlich bemerkte Mulder, dass sie ein wenig zitterte und wich sofort einige Schritte zurück. Mit etwas sanfterer Stimme fuhr er fort. „ Nur weil es Menschen gibt, die an etwas anderes glauben als Sie, sind sie noch lange nicht verrückt.“
Mit diesen Worten stieg er in seinen Ford Taurus und fuhr davon.
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Gott... wie hatte er sich nur so gehen lassen können? Er zählte Scully zu einer der Personen, die sich normalerweise nicht so leicht beeindrucken ließen. Jedoch hatte er deutlich ein Anzeichen von Panik in ihrem Blick ausmachen können.
Rasch schüttelte er den Kopf. Wahrscheinlich würde sie den Vorfall melden, ihn für verrückt erklärt lassen und schneller als er gucken konnte, war er wieder in Washington.
Doch bevor dies geschah, hatte er noch etwas zu erledigen. Mrs. Wibledon hatte einen Mann gesehen. Wer war dieser Kerl?
Ihm fiel nur ein Mensch im Augenblick ein, der es wissen könnte.... Jeff Corner!
Er wendete den Wagen und fuhr in Richtung Wüste. Schon von weitem machte er ein ihm nur allzu bekanntes Auto aus und als er auf den Parkplatz fuhr, bestätigte sich sein Verdacht.
Der rothaarige Gartenzwerg war auch schon da.
Shit! Schnell drehte sie sich in die andere Richtung. Schon wieder dieser Irre mit der langen Nase. Wieso war er gerade jetzt auf die Idee gekommen, auch hier herzufahren?
„ Detektive? Was machen Sie denn hier?“
Sie grinste gequält und versuchte böse Miene zum guten Spiel zu machen. „ Zwei Dumme, ein Gedanke.“
„ Ich...“ Seine Hände waren in den Hosentaschen vergraben und auch sonst machte er einen ziemlich unbehaglichen Eindruck. „ Es tut mir Leid wegen vorhin. Ich hätte Sie nicht so anschreien dürfen.“
„ Schon vergessen.“, sie seufzte. „ Agent Mulder, ich weiß, dass ich auch meinen Teil zu diesem Streit beigetragen habe, aber wir haben einen Fall zu lösen- zusammen. Ob es uns nun gefällt oder nicht. Und je schneller wir das tun, desto schneller sind Sie mich auch wieder los.“
Sie grinste ihm entgegen und er erwiderte es.
„ Also... Partner?“ Er reichte ihr die Hand, die sie ergriff.
„ Vorübergehend.“
„ Nun...“ Er räusperte sich. „ Da wir das ja jetzt geklärt hätten. Warum haben Sie mir vorher nichts von Jeff Corner erzählt?“
Sie zuckte mit den Schultern, während sie auf den kleinen Getränkeshop an der Tankstelle zugingen. „ Ich wusste nicht, was dieser schreckliche Unfall mit ihm zu tun haben sollte... und bevor er wieder einmal in Verdacht gerät hab ich halt geschwiegen.“
Er sah sie von der Seite an. „ Und jetzt sind Sie sich da nicht mehr so sicher?“
"Nein." Sie schüttelte nachdrücklich mit dem Kopf. „ Ich zweifle nicht an seiner Unschuld... nur ich glaube ebenso wie Sie, dass es Dinge gibt, die er uns immer noch verschweigt."
„ Na, dann werden wir ihn mal zum reden bringen...“
Eine kleine Glocke läutete, als sie den Laden betraten. Mr. Parker eilte sofort hinter die Theke und lächelte ihnen freundlich entgegen.
„ Detektive und...“
„ Agent Mulder.“, beendete sie den Satz für ihn.
. „Was kann ich für Sie tun?“
„ Wir würden gern einmal mit Jeff sprechen.“
Der alte Mann runzelte verwirrt die Stirn. „ Er ist doch nicht in Schwierigkeiten? Ich komme in Teufels Küche, wenn er etwas verbrochen hat. Die Versicherungen haben mir letztes Mal schon die Hölle heiß gemacht.“
„ Nein, nein. Nur Routine.“
Er zögerte einen Augenblick, ging dann jedoch nach hinten, um Jeff zu holen. Sie konnten ein leises, angeregtes Flüstern vernehmen. Wahrscheinlich diskutierten die beiden. Nur worüber?
Scully warf einen fragenden Blick in Mulders Richtung, den er mit einem Schulternzucken beantwortete.
Kurz darauf betrat Jeff den Raum. Er sah ziemlich blass aus und seine dunklen Augenringe verrieten seinen Schlafmangel.
„ Ähm... sie wollten mich sprechen?“
„ Setzten Sie sich, Jeff.“, sagte Scully und Mulder erschauderte kurz angesichts der Dominanz ihrer Stimme.
„ Ich...was ist denn los?“ Der junge Mann schien sichtlich nervös. Schweiß lief von seiner Stirn hinab und er knetete nervös seine Hände.
„ Wir haben ein paar Fragen bezüglich des gestrigen Unfalls.“ Besonders das Wort ´Unfall` wurde sehr von Scully betont.
„ Ich... ich hab keine Ahnung... echt...ich hab der Polizei auch schon alles gesagt...“
„ Würden Sie es dann bitte für uns noch einmal wiederholen?“
„ Gestern... gestern Morgen kam diese junge Frau zum Tanken...“
„ Carrie Jolie?“
Er nickte, den Blick starr zu Boden gerichtet. „ Ich füllte ihren Tank auf und sie ging bei Mr. Parker bezahlen... sie bestellte auch ein Sandwich. Dann ging sie wieder zu ihrem Wagen...ich hab gesehen, dass etwas nicht mit ihrem Motor stimmte und hab mein Werkzeug geholt. Mr. Parker hatte vergessen sie zu fragen, was sie auf ihrem Sandwich haben will, also gingen wir nach draußen... Sie schaute uns auf einmal an, als hätte sie einen Geist gesehen und dann... und dann...“ Jeff kämpfte sichtlich, um seine Fassung zu bewahren. „... dann.. kam dieser riesige LKW...aber sie ging immer weiter...immer weiter...bis...“ Er schüttelte sich vor Tränen und Schluchzern, die es ihm unmöglich machten weiter zu sprechen.
Mulder beugte sich zu Jeff hinunter. „ Jeff, woher kam der LKW auf einmal? In der Polizeiakte wird berichtet, dass er fahrerlos war...“
Plötzlich stürmte Mr. Parker hinein. „ Es reicht! Das ist ja nicht zum Aushalten!“
„ Wann wir fertig sind und wann nicht, ist immer noch unsere Sache, Sir!“ fuhr Scully ihn bissig an, doch etwas anderes hatte Mulders Aufmerksamkeit erweckt.
„ Was ist nicht zum Aushalten?“
Mr. Parker zuckte mit den Schultern. „ Jeffs Gewimmere... man kann es bis in den Nebenraum hören.“, erklärte er mit den Händen wild in der Luft gestikulierend.
„ Wir sind dann jetzt auch fertig.“
„ Mulder...“, wollte Scully protestieren, doch er deutete ihr mit der Hand, still zu sein, was sie, zu seiner Verwunderung, tatsächlich verstummen ließ. Vielleicht würden die Zeit mit ihr ja doch nicht ganz so schlecht wie erwartet...
„ Vielen Dank, Jeff. Sie haben uns sehr geholfen.“, sprach Mulder die gewohnte Höflichkeitsfloskel. Jeff nickte nur und wurde von Mr. Parker nach draußen in Richtung Werkstatt gezogen. Kaum hatten sie die Tür hinter sich geschlossen wand sich Scully an Mulder.
„ Mulder, was sollte das gerade eben? Wir waren noch lange nicht fertig!“ Doch anstatt zu antworten, zog er sie am Arm zu dem anderen Raum hinüber.
„ Würden Sie mal kurz da hinein gehen?“, fragte Mulder und öffnete die Tür. Scully beobachtete skeptisch das Schloss, welches man nur von außen mit der Hand öffnen konnte. Drinnen benötigte man einen Schlüssel. Mulder sah ihre Unsicherheit und begann zu grinsen.
„ Keine Angst, Partner. Ich lass Sie nicht da drin ersticken... ich möchte nur etwas testen.“ Sie musterte ihn kritisch. „ Hey,“ Er sah ihr aufrichtig in die Augen. „ Vertrauen Sie mir?“
Sie seufzte. „ Gegen mein besseres Wissen.“
Sobald er die Tür hinter sich geschlossen hatte, setzte er sich auf den Platz, wo Jeff gesessen hatte und schrie aus Leibeskräften. Immer und immer wieder. Dann stand er auf und öffnete wieder Scullys Tür.
„ Und was sollte das jetzt?“, fragte diese sofort.
„ Haben Sie etwas gehört?“
Sie runzelte die Stirn. „ Was soll ich gehört haben?“
„ Ich wusste es!“ Mulder klatschte triumphierend in die Hände.
„ Könnten Sie vielleicht mal die Güte haben und auch mich in Ihre grandiose Erkenntnis einweihen?“ Scully klang bereits leicht genervt.
„ Mr. Parker behauptete doch Jeffs Gewimmere gehört zu haben...“
„ Und?“ Sie hatte es immer noch nicht verstanden.
„ Er konnte es gar nicht hören, Scully. Dieser Raum hier...“ Er deutete auf den Lager indem Scully sich gerade befunden hatte. „... ist schalldicht,. Sehen Sie die ganzen Eierkartons an den Wänden? Die dienen zur Schalldämpfung. Als Sie sich gerade in diesem Raum befanden, habe ich aus Leibeskräften geschrieen, doch Sie haben mich nicht gehört. Und glauben Sie mir...Jeff war um einiges leiser als ich...“
„ Vielleicht war die Tür nicht ganz verschlossen und Mr. Parker hat ein wenig gelauscht.“ Scully versuchte schon wieder eine vollkommen logische Lösung zu finden, doch Mulder schüttelte nur den Kopf.
„ Ich hab gesehen, dass sie zu war. Außerdem konnte man am Schloss sehen, dass Mr. Parker bei seinem Eintreten den Schlüssel benutzt hatte.“
Eine ihrer Augenbrauen schoss Nordwärts.
„ Aber Sie haben eine Theorie.“ Es klang mehr wie eine Feststellung als eine Frage und Mulder lächelte.
„ Allerdings. Ich denke, dass der gute Mr. Parker uns etwas verschweigt. Ich meine, wie ist es ihm möglich gewesen unser Gespräch mitzuhören und Jeffs Weinen zu registrieren.“
„ Vielleicht sind hier irgendwo Wanzen versteckt.“ Scully sah sich suchend um. Mulder verzog das Gesicht.
„ Das wär jetzt aber nicht so praktisch...“
Kurzerhand zog Scully ihn nach draußen. „ Ich glaub zwar nicht so recht dran, aber sicher ist sicher.“
„ Also Sie glauben, dass Mr. Parker etwas mit dem Fall zu tun hat?“
Mulder zuckte mit den Schultern. „ Es wäre immerhin möglich.“ Schweigend gingen sie nebeneinander zu ihren Wagen.
„ Aber was ist dann mit ihrer Hellseherin Mrs. Wibledon? Sie hat doch Jeff als Täter identifiziert.“
„ Ja, aber dieses Mal hat sie jemand völlig anderes gesehen.“
„Mulder…“ Scully seufzte. “…ich glaube immer noch, dass dies alles ein schrecklicher Unfall war.”
Mulder grinste. „ Dafür sind Sie ja auch Wissenschaftlerin.“
Sie wollte gerade in ihren Wagen steigen, als Mulder sie zurückhielt.
„ Ist noch was?“
„ Ähm...“ Er steckte die Hände in seine Taschen und wenn sie es nicht besser gewusst hätte, hätte sie gedacht, dass er nervös war. „... hätten Sie vielleicht Lust heute Abend mit mir was essen zu gehen? Um... um den Fall ein wenig zu besprechen?“
Scully runzelte die Stirn. „ Nein...“
Mulder sah enttäuscht zu Boden, so dass sie weitersprach. „ Nein...ich habe keine Lust diesen Fall in meiner Freizeit zu diskutieren, aber wenn Sie mich einladen würden, damit wir uns, nach diesem unschönen Start, ein bisschen besser kennen lernen können, dann lautet meine Antwort ja.“
Ein schelmisches Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. „ Sicher, dass Sie das verkraften?“
Zur „ Großen Mauer“
20.15 p.m
„ Uh…. Chinesisch, Scully?“ Mulder verzog das Gesicht als sie an einer der hinteren Nischen platz nahmen. „ Sie wissen schon, dass die auch Hunde und Ratten in Ihr Essen mischen könnten!?“
„ Mulder, Sie sind widerlich.“, lachte Scully.
„ Aber das ist wahr!“
„ Blödsinn. Wenn das Ordnungsamt das mitkriegen würde, wären die dran. Außerdem wäre es viel zu Zeitaufwendig um diese ganzen Ratten zu fangen…. Die haben ja auch viel weniger Fleisch als…“
„ Wer ist hier widerlich???“, unterbrach Mulder sie. „ Wenn Sie nicht sofort aufhören werde ich zum Vegetarier.“
Bevor Scully etwas erwidern konnte, schritt eine kleine, zierliche Chinesin in einem türkisen Kimono an ihren Tisch und verbeugte sich.
„ Guten Abend! Was dalf ich Ihnen blingen?“
„ Ich hätte gerne die Ente in Weißwein Soße.“
„ Ente in Weißwein…“, notierte sie eifrig auf ihren Notizzettel. Dann wandte sie sich an Mulder. „ Und Sie, Sir?“
„ Ehh… für mich bitte einmal die gebratenen Nudeln.“
„ Geblatelne Nudeln…Vielen Dank.“
Als die Chinesin davon marschierte prustete Scully los. „ Sie sind ein elender Feigling!“
„ Ich vertrau der ganzen Sache halt nicht.“
„ Mulder, dass Chinesen Ratten und Hunde essen ist nur ein Klischée. Vielleicht in irgendwelchen Armutsvierteln, aber nicht hier in Amerika!“
„ Ich werde Sie nicht im Krankenhaus besuchen, falls Sie durch eine der Ratten ne Lebensmittelvergiftung bekommen sollten.“ Mulder verschränkte die Arme vor der Brust.
„ Aber eigentlich sind wir ja aus einem ganz anderen Grund hier… also?“
Eine von Scullys Augenbrauen schoss in die Höhe.
„ Das machen Sie öfters, oder?“
„ Was?“
„ Na,“ Er zeigte auf ihr Gesicht. „ Das mit Ihren Augenbrauen….dieses ewige Hochziehen.“
Mulder hatte das Gefühl, dass ihr Hautton sich eine Spur rötlich verfärbte.
„ Kann schon sein…“
„ Also… Sie wollten, dass wir uns ein wenig besser kennen lernen. Dann schießen Sie mal los!“
„ Hat der Computer Ihnen nicht genug Informationen über mich geliefert?“ feuerte Scully zurück.
„ Erwischt.“ Er grinste. „ Wissen Sie was? Wir sollten einfach mal ein bisschen die Stimmung auflockern… trinken Sie gerne Wein?“
Bevor sie antworten konnte klingelte ihr Handy. Hastig fischte sie es aus ihrer Tasche.
„ Ja?“
Mulder beobachtete schweigend wie Scully den Worten des Anrufers lauschte.
„ Und wo genau?- Natürlich…. Wir kommen sofort.“
Ihm entwich ein Stöhnen. Das bedeutete sicher wieder Arbeit. Er fixierte sie weiter und plötzlich schaute sie kurz zu ihm auf bevor ihr Blick sich wieder auf die geblümte Tischdecke heftete. „ Ähm… das ist nicht nötig… Agent Mulder ist hier bei mir… Ja… Bye.“
Schweigend klappte sie ihr Handy zu und verstaute es wieder in ihrer Tasche.
„ Das bedeutet wohl, dass der Wein gestrichen ist?“
Als sie ihn ansah glaubte er einen Funken Bedauern in ihren Augen zu sehen. „ Ich denke schon.“
Mulder erhob sich seufzend. „ Ich werde mal versuchen dem Koch zu erklären, dass er sich umsonst die Mühe gemacht hat…“
Müde lehnte sich Scully an ihren Pick Up. Jetzt wusste sie warum ihr Vater sie immer gewarnt hatte. Das war wirklich ein Full time Job!
„ Jetzt wissen Sie aber wenigstens warum man Handys während eines Dates stets ausschalten sollte.“ Leicht grinsend trat er hinaus in die kühle Nachtluft. „ Also, wo geht’s jetzt hin?“
„ In ein kleines Waldstück ganz hier in der Nähe...“ Sie stiegen in den Wagen. „ Es gab ein drittes Opfer.“
„ Irgendwas Verdächtiges?“
„ Nun…“ Scully holte tief Luft. „ Es wird Ihnen nicht gefallen, aber unser alter Freund Jeff Corner wohnt keine 200 m davon entfernt.“
Mulder schüttelte ratlos den Kopf. „ Scully, ich weiß, dass das alles sehr verdächtig aussieht, aber ich schwöre Ihnen: Jeff ist kein Mörder.“
„ Herrgott, Mulder!“ Sie trat auf die Bremse und drehte sich mit einem Ruck zu ihm. „ Alles, aber auch wirklich alles spricht gegen diesen Mann. Wie können Sie immer noch an seine Unschuld glauben?“
„ Nennen wir es ein Gefühl.“
Kopfschüttelnd trat sie das Gaspedal bis unten hin durch. „ Ihre Gefühle werden Sie noch mal in Teufels Küche bringen…“
„ Detektive, kommen Sie hier rüber!“
Scully stolperte zum Sheriff hinüber. Ihre hohen Pumps, die sie diesen Abend getragen hatte, erschwerten das Laufen auf dem glitschigen Waldboden sehr.
„ Was gibt es?“
Er betrachtete von oben bis unten ihr schwarzes Abendkleid, das unter ihrem Mantel hervorblitzte. „ Phew, Dana…. Hattest du ein Date mit Mulder?“
„ Was gibt es, Hank?“, wiederholte sie, seine Frage bewusst ignorierend, ein wenig schärfer.
„ Um… ja, ich denke du solltest dir mal das Opfer ansehen.“
Scully kniete sich nieder und hob die Plastikplane ein wenig an.
„ Und?“ der Sheriff wippte neben ihr nervös auf und ab.
„ Ich denke, die Diagnose ist eindeutig: sie ist erdrosselt worden. Die blauen Würgemale und Quetschungen sind mehr als sichtbar…“
„ Hmm.“
Scully schaute stirnrunzelnd zu ihm auf. „ Hank? Du verschweigst mir doch was.“
„ Nun… wir haben ein Problem…“
„ Das wäre?“, fragte Scully ungeduldig. Musste man diesem Mann wirklich jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen???
„ Wir haben nicht die leiseste Ahnung wer es getan haben könnte. Ich mein… es gibt hier, außer der Leiche natürlich, keinen Hinweis. Keine Fingerabdrücke, verlorene Haare, kein Mordwerkzeug etc..“
„ Was ist mit Jeff?“
„ Der hat Alibis ohne Ende. In seiner Hütte fand nämlich heute wohl ne kleine Party statt.“
Scully erhob sich und klopfte die Erde von ihren Sachen. „ Was ist mit den Gästen? Könnte es einer von denen gewesen sein?“
„ Ähm…“ Der Sheriff gab ein kleines Glucksen von sich. „ Also bei dieser Party waren, außer Mr. Parker, nur Leute aus dem Behindertenheim anwesend… die saßen fast alle im Rollstuhl.“
„ Du weißt schon, dass das nicht lustig ist, oder?“
„ Sorry.“ Er senkte seinen Kopf. „ Nur was ich meine… es kann niemand von ihnen gewesen sein.“
„ Ja…“, nickte Scully gedankenverloren, drehte sich um und marschierte in Richtung Auto. Nach jedoch nur ein paar Schritten übersah sie einen Baumstumpf, knickte mit dem rechten Fuß um und fiel auf den schlammigen Waldboden.
„ Owww.“ Ihr Fuß pochte wie verrückt.
„ Dana?“ Der Sheriff eilte an ihre Seite. „ Alles okay?“
Sie nickte hastig. „ Ja… geh schon mal bitte und erzähl Mulder, was du mir gerade gesagt hast, ok? Ich komm gleich nach.“
„ Sicher?“
„ JA!“ Verdammt. Ein Wort noch und sie würde ihn schlagen.
Mit einem nicht sehr überzeugten Gesichtsausdruck ließ er sie schließlich doch allein.
Zum ersten Mal nahm sie nun ihr Kleid in Augenschein.
„ Verdammter Mist!“, stieß sie hervor. Die gesamte rechte Naht war gerissen. Wütend versuchte sie sich aufzurappeln, doch als sie mit dem verletzten Fuß den Boden berührte, ließ sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder auf den Boden sinken.
„ Scully?“ Mulder kam ihr eiligen Schritts entgegen. Er atmete schneller als gewöhnlich, so dass sie sich ziemlich sicher war, dass er vorher gerannt war.
„ Hey.“ Sie versuchte zu lächeln. „ Hat der Sheriff Ihnen alles erzählt?“
Mulder nickte. „ Und dann sagte er, Sie hätten einen kleinen Unfall gehabt. Was ist passiert?“
„ Ich bin nur umgeknickt. Nichts weiter.“, versuchte sie die Sache herunter zu spielen.
„ Tut’s sehr weh?“, fragte Mulder und berührte dabei ihren Knöchel, der nun schon auf seine doppelte Größe angeschwollen war.
„ Ne-in.“ Oh Gott, oh Gott. Jetzt fang bloß nicht an zu heulen, Dana.
„ Sicher?“
„ Mhm…“, erwiderte sie mit etwas piepsiger Stimme, was Mulder dazu veranlasste ihr ins Gesicht zu schauen. Die Tränen hatten sich schon in ihren Augen versammelt. Sie war eine gottverdammte Lügnerin!
„ Kommen Sie, sehr wahrscheinlich haben Sie sich irgendwas verstaucht oder so.“
Er half ihr auf, schnappte sie sich an der Hüfte und hob sie hoch.
„ Lassen Sie mich sofort runter!“, protestierte sie. „ Mulder!!!“
Doch dieser grinste nur. „ Ich werde nicht mit ansehen wie Sie vor Schmerz zurückhumpeln, nur weil Sie zu stolz sind um zuzugeben, dass es wehtut.“
Fast hatten sie ihren Wagen erreicht, als Scully ihren Kopf stöhnend in seiner Halsbeuge vergrub. „ Oh nein…“
„ Was?“, irritiert sah er zu ihr hinunter.
„ Die Kollegen haben neuen Stoff um die Gerüchteküche anzuheizen.“
Mulder sah sich um und blickte in die Gesichter von sechs anderen, grinsenden Detektives.
„ Äh… sie ist umgeknickt.“
„ Sicher.“, erwiderte einer von ihnen immer noch grinsend und musterte dabei eingehend Scullys Abendkleid und den Zustand wie sie ihren Kopf bei ihm vergraben hatte. Mulder war klar, dass ihre Gesichtsfarbe wohl im Augenblick der einer Tomate Konkurrenz machen musste, denn sonst würde sie sich umdrehen und diese Kerle zum Teufel schicken.
„ So…“ Die Blicke der anderen ignorierend setzte er sie vorsichtig auf der Ladefläche ihres Pick Ups und zeigte auf ihren Fuß. „ Ich denke den sollten Sie mal röntgen lassen.“ Dann drehte er sich zu einem der immer noch tuschelnden Detektives um. „ Könnten Sie Scully vielleicht zu einem Arzt bringen?“
Dieser nickte, wenn auch etwas irritiert, sofort, schnappte sich seine Jacke und stieg in den Pick Up, während Mulder Scully auf den Beifahrersitz hievte. Doch bevor er die Tür schließen konnte, hielt sie ihn zurück.
„ Und was werden Sie jetzt tun, Mulder?“
Er vergrub seine Hände in den Taschen. „ Das werde ich Ihnen später erklären, denn sonst fangen Sie wieder an zu Diskutieren.“ Mulder schlug die Tür zu und winkte zum Abschied. „ Ich meld mich dann später.“
Scully seufzte innerlich. Das konnte nichts Gutes bedeuten…
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Laut hämmerte Mulder gegen die hölzerne Tür. „ Mrs. Wibledon? Sind Sie zu Hause?“ Zu seiner Erleichterung sah er, wie das Licht im gesamten Haus anging und wenig später vernahm er eilige Schritte.
„ Ja?“ Die Tür öffnete sich einen Spalt und Mrs. Wibledons ängstliches Gesicht sah ihm entgegen. „ Was kann ich für Sie tun Agent… Mulder?“
„ Ich brauche Ihre Hilfe.“ Er gestikulierte mit den Händen in Richtung Tür. „Darf ich reinkommen?“
Sie nickte und trat zögernd einen Schritt zurück, so dass Mulder eintreten konnte.
„ Setzten Sie sich doch… darf ich Ihnen vielleicht irgendwas anbieten?“
„ Nein, danke.“ Er ließ
sich auf ihrem Sofa nieder. „ Ich möchte, dass Sie noch einmal für mich sehen.“
Seufzend setzte sich ihm gegenüber und rieb sich müde den Nasenrücken. „ Ich kann nicht.“
„ Warum?“ Er würde nicht so schnell locker lassen. „ Mrs. Wibledon, falls Sie Angst haben… ich versichere Ihnen, dass Sie unter polizeilichem Schutz stehen werden…“
„ Nein.“ Sie schüttelte nachdrücklich den Kopf. „ Ich kann nicht. Verstehen Sie? Ich sehe nichts…“
Ungläubig sah er sie an. „ Also haben Sie uns die ganze Zeit nur was vorgespielt?!“
Schützend schlang sie den Morgenmantel um ihren dürren Körper. „ Bitte verstehen Sie das nicht falsch, Agent Mulder. Ich… ich wollte das alles nicht. A-aber… Cassandra war doch meine einzige Tochter…“ Ein Schluchzer verließ ihre Kehle. „ Wissen Sie… Cassandra und Jeff waren mal ein Paar… ja, sie waren sogar verlobt. Aber es hat nicht funktioniert und Cassandra hat die Beziehung beendet. Nun, ein paar Wochen später ist sie dann… sie ist…“ Ihre Stimme brach.
Mulder fasste ihr mitfühlend an die Schulter. Egal wie frustriert er jetzt auch war, diese Frau hatte viel durchgemacht und durch seinen eigenen Verlust konnte er es ihr nachempfinden.
Mit Tränen verschleiertem Blick sah sie ihn an. „ Ich war mir so sicher, dass Jeff es getan hat, um sich an ihr zu rächen. Also hab ich halt gelogen… Sie müssen wissen, dass viele Leute aus diesem Dorf sehr abergläubisch sind. Sie glaubten mir. Ich habe Jeff dadurch zwar nicht hinter Gittern bringen können, jedoch habe ich es geschafft, dass er sein Ansehen verlor….“
„ Aber als Detektive Scully und ich letztens bei Ihnen waren, sagten Sie doch da wäre jemand anderes, den Sie sehen würden.“
Sie schniefte einmal ausgiebig in ihr Taschentuch. „ Ich wollte alles wieder gutmachen. Jeff kam zu mir und… und hat mir alles erklärt. In Wirklichkeit hatte er nämlich Schluss gemacht… nur Cassandra war zu stolz gewesen es vor mir zuzugeben… ich glaube ihm, Agent Mulder. Der Junge ist kein Mörder… Sie hätten seine Tränen sehen sollen, als er hier neben mir saß… ich mag zwar keine magischen Kräfte haben, aber ich besitze eine gute Menschenkenntnis.“
„ Also glauben Sie an seine Unschuld?“
„ Bedingungslos.“
„ Nun…“ Mulder räusperte sich. „ Diese Nacht wurde eine weitere Leiche gefunden. Wieder in der Nähe von Jeff Corner, ungefähr 200 m von seinem Haus entfernt.“
Mrs. Wibledon sah ihn eindringlich an. „ Er ist kein Mörder, Agent Mulder. Helfen Sie ihm… Sie würden sonst einen Unschuldigen bestrafen!“
Er lächelte leicht. „ Wir können ihn gar nicht festnehmen, weil er genug Alibis hat… in seiner Hütte fand eine kleine Feier statt und ungefähr 20 Leute aus dem Behindertenheim schwören, dass er nie den Raum verlassen hat.“
„ Na dann…“ Sie sah erleichtert aus.
Doch eines störte Mulder noch. „ Mrs. Wibledon… können Sie mir sagen warum ein junger Mann wie Jeff Corner nur Leute aus dem Behindertenheim einlädt?“
„ Das ist meine Schuld, denke ich.“, seufzte sie. „ Als ich damals behauptete, dass er Cassandra ermordet hätte, wollte keiner mehr etwas mit ihm zu tun haben…keiner glaubte an seine Unschuld. Außer diese armen Leute aus dem Heim. Seitdem kümmert er sich ein wenig um sie.“
Mulder nickte, stand auf und wollte gerade den Raum verlassen, drehte sich jedoch an der Tür noch mal zu ihr um.
„ Eine Frage noch… was halten Sie von Mr. Parker?“
„ Jeffs Boss?“ Ihre Gesichtszüge verdunkelten sich. „ Drehen Sie dem nicht den Rücken zu, Agent Mulder.“
Frustriert und gleichzeitig in seiner Vermutung bestätigt lehnte er an seinem Wagen und atmete tief die kühle Abendluft ein. Langsam ließ er seinen Blick zu den Sternen schweifen, die hoch oben am Himmel um die Wette schienen. Sie schienen so nah- und doch so fern. Ob Samantha dort oben war? Konnte sie ihn vielleicht sehen? Er wollte es glauben… er musste. Mit wem sollte er sonst seine Gedanken teilen? Wem konnte er sonst seine Ängste anvertrauen? Sein Job und vor allen Dingen sein Ruf hatten ihn zu einem sehr einsamen Mann gemacht. Zu einer Lachnummer… dem Gespött des ganzen FBI. Gab es denn überhaupt jemanden auf dieser gottverdammten Welt, dem er vertrauen konnte und der jemand anderes als „Spooky“ Mulder sah? Seine Gedanken schweiften zu Scully. Immerhin wollte sie ihn, trotz anfänglicher Schwierigkeiten, besser kennen lernen und zog seine Person betreffend keine voreiligen Schlüsse. Er grinste in sich hinein. Außerdem konnte sie gut kontern…. Ja, vielleicht würde er ihr eine Chance geben. Mulder seufzte und fischte sein Handy aus der Jacke. Schließlich hatte er versprochen sich zu melden.
„ Scully.“ Schon nach dem ersten Klingeln hob sie ab und er wurde das Gefühl nicht los, dass sie schon am Telefon gelauert hatte.
„ Hey, ich bin’s.“
„ Mulder, wo zum Teufel stecken Sie?“
„ Ich war gerade bei Mrs. Wibledon…“
Stille. Oder war es nur die Ruhe vor dem Sturm?
„ Scully? Sind Sie noch dran?“
„ Ich höre Sie… Mulder, ich traue mich fast nicht zu fragen, weil ich mir schon denken kann, was Sie da getan haben, aber ich tue es trotzdem: Was wollten Sie von ihr? Wir haben die arme Frau doch schon bereits verhört!“
„ Nun…“ Mulder holte tief Luft. „ … erstmal… Sie hatten Recht. Diese Frau besitzt keine magischen Fähigkeiten und hat das auch gestanden…“
Er glaubte ein triumphierendes Klatschen zu hören, dennoch fuhr er unbeirrt fort und erzählte ihr den Rest der Geschichte.
„ Und Sie glauben jetzt, dass Mr. Parker unser Bösewicht ist?“, fragte Scully nicht sehr überzeugt, nachdem er seinen Vortrag beendet hatte.
„ Ich denke, es ist eine Ermittlung wert.“
„ Mhm.“
„ Wie geht es eigentlich Ihrem Fuß?“, versuchte er auf ein anderes Thema zu lenken, da er wusste, dass sie seine Meinung über Mr. Parker nicht teilte. Zum Glück stieg sie drauf ein.
„ Er wurde geröntgt. Die Diagnose lautet Bänderriss und ich trage ab heute für die nächsten acht Wochen eine hübsche „Aircast“ Schiene plus Stützverband.“
„ Werden Sie weiter arbeiten?“ Mulder horchte interessiert auf.
„ Ich wurde für die Büroarbeit eingeteilt bis es meinem Fuß besser geht.“ Sie klang ein wenig verbittert und Mulder seufzte resigniert. Immer wenn er es auch nur in Erwägung zog einer Person eine Chance zu geben passierte so etwas. „ Sie werden morgen einen neuen Partner zugeteilt bekommen…“
Es gab nichts mehr zu sagen. „ Na, dann… wir sehen uns.“ Und bevor sie überhaupt die Gelegenheit hatte etwas zu erwidern, legte er auf und schaltete sein Handy aus.
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Missmutig und unausgeschlafen saß Scully, umgeben von vier weiteren Detektivs, in einem kleinen, nach Zigarettenqualm stinkenden Büro und überprüfte die Spesenrechnungen. Würde ihr Gegenüber noch einmal < What a wonderful world> pfeifen schwor sie sich Geiseln zu nehmen.
Solche gute Laune an so einem beschissenen Tag war ja nicht auszuhalten. Scully warf einen sehnsüchtigen Blick auf die Uhr über der Tür. Warum konnte es jetzt nicht schon zehn Stunden später sein? Ihr Gesicht hellte sich jedoch ein wenig auf, als Mulder in das Büro trat. Als auch er sie schließlich erkannte, winkte er kurz und kam zu ihrem Schreibtisch rüber.
„ Morgen.“, begrüßte er sie. „ Ähm… ich wollte mich noch für gestern Abend entschuldigen. Dass ich einfach aufgelegt habe…“
Sie lächelte ihn leicht an. „ Es sei Ihnen verziehen.“
„ Gut.“ Er schien erleichtert. „ Nun, wo ist denn jetzt mein toller, neuer Partner?“
Der pfeifende Strahlemann horchte auf. „ Sind Sie Agent Mulder?“
Dieser nickte nur kurz.
„ Mein Name ist Robert Robertson… Sie können mich auch Robbie nennen, wenn Sie wollen. Ich bin Ihr neuer Partner.“ Er klatschte, von einem bis zum anderen Ohr grinsend, in die Hände und schaute auf die Uhr. „ Uh uh uh… böse Uhr, wir sind etwas spät dran, was Partner? Nun, auf auf…frisch ans Werk, denn; Morgenstund hat Gold im Mund. Ich lass schon mal den Wagen an.“ Eiligen Schrittes eilte er aus dem Büro. Mulder löste sich schließlich, mehr als schockiert, aus seiner Erstarrung und schenkte ihr einen verzweifelten Blick. „ Erschießen Sie mich!“
Mitfühlend griff sie nach seiner Hand. „ Ziemlicher Kotzbrocken, hm?“
" So, was machen wir als erstes?", erkundigte sich Robertson sobald Mulder sich hinter das Lenkrad gleiten lies. Seufzend richtete er seinen Blick auf seinen neuen Partner, der erwartungsvoll und mit einer gewissen Nervosität hin und her rutschte. Sicher war das sein erster richtiger Einsatz nach jahrelanger, eintöniger Büroarbeit, so dass man ihm nicht wirklich einen Vorwurf machen konnte.
" Wir werden Mr. Parker befragen."
" Also glauben Sie wirklich, dass er diese Menschen umgebracht hat?" Robertson sah ihn aus großen Augen an.
" Nun.." Mulder wiegte genau ab, wieviel er von seiner Theorie preisgeben konnte ohne in Schwierigkeiten zu kommen. Vielleicht arbeitete sein neuer, harmlos aussehender Partner ja für die Regierung oder das Konsortium?! Vielleicht saß er in Wirklichkeit mitten in der Verschwörergruppe?! Wer wusste das schon? Nicht umsonst lautete sein Motto: Vertraue niemanden!
" ... ich denke, dass er uns noch so manche Dinge über diesen Fall sagen kann, die wir noch nicht wissen."
Mein Gott! War er wirklich so paranoid geworden??? Wäre er an Robertsons Stelle, hätte er seinem neuen Partner gehörig den Marsch geblasen und darauf bestanden, die ganze Wahrheit zu erfahren. Doch dieser nickte nur, lehnte sich in seinen Sitz zurück und richtete seinen Blick aus dem Fenster.
Dreißig Minuten später bogen sie in eine hübsche Neubausiedlung, mit gepflegten Gärten und Hecken, ein. Mulder staunte nicht schlecht und hielt nach der Nummer 9 Ausschau.
" Da ist es." Er parkte den Wagen direkt auf Mr. Parkers Auffahrt.
" Wie gehen wir jetzt weiter vor?" Robertson hatte sich zu ihm umgedreht.
Mulder überlegte einen Moment, wie er es ihm sagen sollte. Denn eigentlich würde er lieber allein mit dem Verdächtigen reden, um ihn mit seiner ganzen Theorie konfrontieren zu können.
" Ich halte es für das beste, wenn Sie hier im Wagen auf mich warten, Robbie." Der schaute ihn an, als sei dies ein schlechter Witz gewesen, so dass Mulder nichts anderes übrig blieb ihn irgendwie ruhig zu stellen. "Weil... ähm... Sie wissen doch wie das bei Einsätzen so ist. Verdächtige versuchen immer zu flüchten und wenn wir beide da drinnen sind, wer soll ihn dann aufhalten?" Er klopfte dem jungen Detektive auf die Schulter. " Ich bin mir ganz sicher, dass der ihnen nicht entkommen würde." Mit diesen Worten stieg Mulder aus, hielt ihm von draußen noch mal beide Daumen hoch und rief: " Immer schön wachsam sein!"
Als er das eifrige Nicken seines neuen Partners sah, machte er sich schmunzelnd auf den Weg zur Tür. Bei dem würde er es sehr leicht haben.
Mulder klingelte und musste auch nicht lange warten, bis der alte Mann die Tür öffnete. Seine Augen weiteten sich vor Überraschen.
" Agent Mulder? Was kann ich für Sie tun?"
" Ich würde mich gerne mit Ihnen unterhalten.", sagte Mulder, während er sich schon an ihm vorbei schob und unaufgefordert auf seinem Sofa platz nahm.
" Hat es etwas mit Jeff zu tun?", fragte Mr. Parker irritiert.
" Nein, das betrifft ganz allein Sie."
" Nun..", er lehnte sich an die gegenüberliegene Wand. " Ich höre."
Mulder sah ihm eindringlich in die Augen. " Ich weiss, dass Sie es waren, Mr. Parker. Zwar hab ich keinen blassen Schimmer, wie Sie diesen ganzen Menschen ermordet haben, aber das werde ich noch rausbekommen und dann werden Sie hinter schwedischen Gardinen landen."
Zu seiner Überraschung bildete sich auf dem Gesicht des alten Mannes ein Grinsen. " Dann bringt es wohl auch nichts, wenn ich versuche es zu leugnen... ich wünsche Ihnen viel Glück beim Suchen der Beweise, Agent Mulder."
Mulder atmete tief ein und aus. Wie gerne würde er diesem Schwein eine verpassen! Doch er wusste genau so gut, dass er jetzt nicht überreagieren durfte.
" Warum?", fragte er schließlich. " Warum mussten so viele unschuldige Frauen sterben?"
Mr. Parkers Gesichtsausdruck verdüsterte sich. " Weil sie es verdienen. Sie sollen sehen was Leid bedeutet." Langsam ging er zum Fenster hinüber. Mulder verfolgte jeden seiner einzelnen Schritte. " Es tut mir leid."
" Was tut Ihnen leid Mr. Parker? Dass unschuldige Menschen leiden mussten?", rief Mulder aufgebracht.
" Nein." Seelenruhig drehte der alte Mann sich zu ihm um. " Es tut mir leid,... dass Sie jetzt auch leiden müssen."
Mit einem fast gespenstigen Ausdruck musterte er Mulders erstarrte Miene. " Glauben Sie mir... ich wollte Ihnen nichts tun, aber Sie lassen mir keine andere Wahl." Er seufzte laut. " Ich kann es nicht riskieren, dass jemand etwas von meinen Fähigkeiten erfährt und ich glaube Sie würden erst Ruhe geben, wenn Sie die ganze Welt davon überzeugt haben. Aber wenn Sie tot sind geht das nicht mehr..."
Mulder stieß ein nervöses Lachen aus, versuchte jedoch, seine Unsicherheit zu verbergen. " Glauben Sie etwa, Sie könnten mich jetzt einfach so umlegen? Ich bin bewaffnet und draußen wartet ein anderer Detektive."
Nun lachte auch Mr. Parker. Jedoch war dies ein anderes Lachen. " Seh ich wirklich so bescheuert aus, Mr. Mulder? Ich werde mich doch nicht selber in Verdacht bringen wo gerade alles so gut läuft! Sie werden schon noch sehen, was ich meine..."
" Sie sind irre!" Er sprang auf und lief Richtung Tür. " Sie brauchen Hilfe, Mr. Parker!"
Mit einem komischen Gefühl im Magen verweilte Mulder eine Weile vor der Tür, bis seine Atmung sich normalisiert hatte. Er wusste nicht, was er von Mr. Parkers Drohung halten sollte. Wollte der alte Mann sich nur wichtig machen, oder besaß er wirklich gewisse übernatürlichen Fähigkeiten?
" Agent Mulder?" Robertson war ausgestiegen und kam auf ihn zu. " Was sagt der Verdächtige?"
Doch anstatt ihm zu antworten, schüttelte er nur den Kopf, lief zum Auto und fuhr, Robertson ignorierend, davon. Er musste unbedingt mit Scully reden.
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Schon seit zwei Stunden wartete Mulder vor dem Policedepartment, bevor Scully Feierabend hatte. Sie schien ganz in Gedanken, so dass er kurzerhand hupte.
Erschrocken wirbelte sie herum, lächelte jedoch erleichtert, als sie ihn sah. Humpelnd kam sie auf sein Auto zu und Mulder öffnete ihr die Beifahrertür.
Sobald sie sich gesetzt hatte, drehte sie sich mit einem besorgten Gesichtsausdruck zu ihm um. " Mulder, ist alles in Ordnung? Wir haben vor knapp zwei Stunden eine Meldung von Ihrem neuen Partner bekommen, in der es heißt, Sie seien einfach ohne ihn weggefahren. Ich habe schon versucht Sie auf Handy zu erreichen, aber..."
Rasch, bevor sie sich immer mehr in die Situation hineinsteigern konnte, legte Mulder ihr seinen Zeigefinger auf die Lippen und bedeutete ihr somit, still zu sein. Doch innerlich konnte er einen kleinen Hüpfer nicht vermeiden. Es tat gut zu wissen, dass sich jemand um ihn sorgte. Er hatte schon fast vergessen wie das war. Auch in seiner Familie hatte er nie viel Aufmerksamkeit erlangt. Seit seine Schwester verschwunden war, war alles alles drunter und drüber gegangen... Sein Vater hatte sich betrunken, schließlich seine Arbeit verloren, seine Mutter war unausgeschlafen und aggressiv gewesen.
" Es geht mir gut, nur..." Er überlegte einen Augenblick. Sollte er es ihr wirklich sagen? Vielleicht bluffte Mr. Parker nur und er würde jetzt umsonst die Pferde scheu machen. Außerdem glaubte sie nicht an solche Dinge... Schließlich entschied er sich dagegen. "... ich war irgendwie neben der Spur. " Er zuckte mit den Schultern. " Mehr nicht... Außerdem hab ich mir gedacht, da Sie ja noch kein Auto fahren können, hole ich Sie ab und fahre Sie nach Hause. Na, wie hört sich das an?"
Sie lächelte, offensichtlich gerührt, dass er sie bedacht hatte, so dass er schon fast ein schlechtes Gewissen bekam sie angelogen zu haben.
" Das wäre super."
++++++
Mulder lief durch einen Wald. Seine Lungen brannten wie verrückt, doch er musste weiter... durfte nicht aufhören. Ihre Schreie hallten durch die Nacht und er konnte schon vom weiten die Lichtung ausmachen. Hoffentlich kam er nicht zu spät... Mehrere Male stolperte er über herumliegende Äste, rutschte auf den vom Regen durchgeweichten Blättern aus, doch er hielt sein Tempo. Als er endlich sein Ziel erreichte, stockte ihm der Atem. Die Messerklinge, die Mr. Parker seinem Opfer gegen die Kehle hielt, funkelte im fahlen Mondlicht. Immer noch bewegungslos ließ Mulder seinen Blick zu der Frau schweifen, die, an den Haaren nach oben gezogen, auf dem nassen Waldboden kniete und starrte in Scullys angsterfüllten Blick...
Schweißgebadet schreckte Mulder hoch. Sein Herz pochte so heftig gegen seine Brust, dass er glaubte, sie würde jeden Augenblick zerspringen. Erst jetzt realisierte er, dass er immer noch auf der Couch des Motelzimmers lag. Angezogen und vor laufendem Fernseher. Etwas zittrig reichte seine rechte Hand nach der Fernbedienung und drückte auf <Aus>. Nachdem er Scully nach Hause gebracht hatte, hatte er noch etwas " Independence Day" geschaut und musste wohl dabei eingeschlafen sein. Unschlüssig setzte er sich auf. Sollte er sie vielleicht anrufen? Nur um sicher zu gehen, dass es ihr gut ging? Er ließ seinen Blick auf die kleine Kommode neben seinem Bett fallen und seufzte. 3:55 a.m. Wahrscheinlich würde sie ihn auf der Stelle erschießen, wenn er sie mitten in der Nacht aus dem Bett klingeln würde. Trotzdem ließ ihm dieser Traum keine Ruhe. Was, wenn sie irgendwo verletzt lag? Was, wenn dieser Traum irgendwie das Werk von Mr. Parker war?
Entschlossen griff er zum Telefon. Er musste sich einfach vergewissern. Während es klingelte, knackte Mulder ungeduldig mit den Fingerknochen.
" Gehen Sie schon ran, Scully.", murmelte er vor sich hin und gerade als er auflegen, in sein Auto steigen und zu ihr fahren wollte, ertönte eine sehr verschlafene Stimme am Ende der Leitung.
" Scully?"
Erleichtert atmete er auf. " Hey, ich bins!"
" Mulder?" Ihre Stimme nahm sofort einen besorgten Klang an. " Ist alles in Ordnung?"
" Ja, ja... ich wollte nur mal Ihre Stimme hören..." Sofort hätte er sich ohrfeigen können. Er wusste genau wie das klingen musste und ihr war es offensichtlich auch aufgefallen.
" Geht es Ihnen gut? Stehen Sie unter Drogen?"
Er lachte leise. " Nein, alles bestens... ich, ähm, hatte nur einen Albtraum."
" Was haben Sie denn geträumt?"
Mulder schluckte. Er konnte wohl kaum sagen < Nichts worüber Sie sich Sorgen machen müssten. Da war nur Mr. Parker, der Ihnen ein Messer an die Kehle hielt>.
" Ist nicht so wichtig."
" Mulder," ihre Stimme wurde drängender. " Es war offensichtlich wichtig genug mich um 4 Uhr morgens wach zu klingeln. Jetzt will ich auch wissen warum."
" Wir reden morgen darüber, ok? Entschuldigung, dass ich Sie geweckt habe.", antwortete er schnell und lies den Hörer auf die Gabel sinken. Schlafen konnte er jetzt trotzdem nicht mehr...
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Mit dunklen Augenringen betrat Mulder am nächsten Morgen das Policedepartment.
" Agent Mulder!" Sheriff Manson winkte ihn zu sich hinüber.
" Was gibt's?"
" Sie wurden von dem Fall abgezogen und sollen umgehend zurück nach Washington."
Mulder glaubte sich verhört zu haben. " Was? Der Fall ist noch nicht beendet."
" Das ist mir egal, Agent Mulder.", erklärte Manson mit eisiger Stimme. " Ihr Verhalten gestern war äußerst unkollegial. So etwas lassen wir hier nicht zu. Ich habe gestern mit Direktor Skinner telefoniert und er teilt meine Meinung."
" Aber was ist mit dem Fall?", protestierte Mulder. " Es sind hier Verbrechen geschehen und keiner will sie aufklären?"
" Oh, doch. Das wollen wir. Assistent Direktor Skinner schickt uns einen anderen Agenten." Der Sheriff drehte sich um. " Guten Tag."
Völlig perplex blieb Mulder zurück. Nur weil er diesen Schnösel gestern da stehen gelassen hatte, musste er jetzt zurück nach D.C?
" Hey, Sie haben Glück, dass ich es geschafft habe wieder einzuschlafen." Scully kam mit ihren Krücken, lächelnd auf ihn zu.
" Morgen.", brummte er.
Stirnrunzelnd machte sie vor ihm halt. " Sie sehen schlecht aus, Mulder. Haben Sie nicht mehr geschlafen?"
Er schüttelte den Kopf. " Und jetzt wurde ich auch noch nach Washington zurückbeordert."
" Wie bitte?" Ihre Augen weiteten sich.
" Jepp. Manson laberte etwas von unkollegialem Verhalten... mein Boss war natürlich der gleichen Ansicht. Ein anderer Agent wird mich ablösen." Er seufzte. " Mir wird wohl nichts anderes übrigbleiben als gleich ins Motel zu fahren und zu packen."
Enttäuscht richtete sie ihren Blick zu Boden. Plötzlich fiel ihm noch etwas ein.
" Scully? Kommen Sie bitte mal kurz mit mir nach draußen!
Irritiert schaute sie ihn an. " Warum?"
" Ich muss Ihnen was erzählen, das..." er schaute sich prüfend um. „.. die anderen wohl besser nicht hören sollten."
" Also, Mulder, was ist los?" Sie lehnte sich an seine Motorhaube.
" Es geht um den Traum, den ich hatte..."
" Ja?" Interessiert beugte sie sich in seine Richtung.
" Ich möchte, dass Sie mir versprechen vorsichtig zu sein, wenn ich wieder in D.C bin."
" Warum? Was haben Sie gesehen?" Langsam schien sie nervös zu werden. Mulder atmete tief ein.
" Ich sah Sie und Mr. Parker... er hielt Ihnen ein Messer an den Hals..."
Einen Augenblick sagte sie gar nichts, doch dann prustete sie los. " Mulder, Sie Dummerchen." Lachend kniff sie ihn in die Seite. " Das war doch bloß in Traum."
Doch er blieb ernst. " Versprechen Sie mir einfach, vorsichtig zu sein. Und wenn Ihnen etwas ungewöhnlich vorkommen sollte, rufen Sie mich an, ok? Zu jeder Tages- und Nachtszeit." Er reichte ihr einen kleinen Zettel. " Das ist meine Nummer von zu Hause."
Sie steckte ihn in ihre Jackentasche und lächelte leicht. " Danke."
Eine Weile sagte niemand etwas, bis Mulder sich räusperte. " Ähm... ich denke, ich muss dann..."
Er zögerte einen Moment, doch dann trat er vor und zog sie in eine kurze Umarmung.
" Passen Sie gut auf sich auf, Scully." Er löste sich von ihr, stieg in seinen Wagen und fuhr davon.
" Sie auch Mulder... Sie auch...", wisperte Scully, während sie ihm nachschaute bis der Horizont ihn verschlang.
Langsam ließ sie sich wieder hinter ihren Computer sinken und starrte auf den leeren Monitor.
" Ein Glück, dass wir den los sind... Dana, ich kann Ihnen gar nicht sagen wie leid es mir tut Ihnen diesen Mann zugemutet zu haben."
Scully nickte teilnahmslos. Sheriff Manson musterte sie kritisch.
" Stimmt irgendetwas nicht?"
" Es hatte nicht nur mit seinem Verhalten gegenüber Robertson zu tun, oder?", fragte sie gerade heraus.
Der Sheriff seufzte und ließ sich auf ihre Tischkante nieder. " Um ehrlich zu sein... nein. Mr. Parker hat uns gestern angerufen und gesagt Agent Mulder hätte ihn bedroht."
" Aber das ist nicht wahr!", protestierte sie laut.
" Dana..." Er hob beschwichtigend die Hände. " Agent Mulder befahl Robertson draußen auf in zu warten und nach dem Gespräch mit Mr. Parker hat er sich ziemlich komisch verhalten... es gibt also keinen Grund der Aussage dieses alten Herren keinen Glauben zu schenken."
Scully schüttelte nachdrücklich den Kopf. " Das glaube ich nicht."
Die Falten auf der Stirn des Sheriffs wurden immer tiefer. " Was soll das, Dana? Erst konnten Sie ihn gar nicht schnell genug loswerden und jetzt ergreifen Sie für ihn Partei."
" Ich habe mich damals in ihm geirrt." Sie stand auf und ging in Richtung Badezimmer, bevor sie sich noch einmal zu dem Sheriff umdrehte. " Er ist nämlich nicht verrückt, wissen Sie?"
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" Sir?" Mit einem unguten Gefühl im Magen betrat Mulder das Büro seines Vorgesetzten.
Assistent Direktor Skinner sah kurz von seinen Unterlagen auf. " Nehmen Sie Platz, Agent Mulder."
Er ließ sich in den Holzstuhl sinken, der so viel kleiner schien als Skinners Ledersessel.
<Der Chef hat immer den größeren Stuhl> schoss es Mulder durch den Kopf. Er hatte schon während seines Psychologiestudiums gelernt, dass dies kein Zufall war. Denn egal wie groß oder stark man war, sobald man sich jemanden in einem so weit größeren Stuhl gegenübersetzte, fühlte man sich ihm automatisch untergeben. Zwar machte man sich über so etwas normalerweise keine Gedanken, aber im Unterbewusstsein hatte man es längst gespeichert.
Es verstrichen einige Minuten, bis Skinner endlich die vor ihm liegende Akte zuschlug und sich Mulder zuwandte.
" Ihnen ist klar, warum Sie von diesem Fall abgezogen wurden, Agent Mulder?"
" Ja, wegen meinem angeblich unkollegialem Verhalten." Man konnte deutlich den Spott aus seiner Stimme hören.
" Und weil Sie einen gewissen Mr. Parker bedroht haben sollen." Skinners Augen blitzten gefährlich durch seine Brillengläser.
Mulder glaubte sich verhört zu haben. " Wer behauptet denn das?"
" Mr. Parker... er hat nach Ihrem kleinen Besuch gestern sofort das Policedepartment verständigt."
" Aber das ist nicht wahr, Sir. Er hat mich bedroht."
Skinner schüttelte den Kopf. " Das ist mir jetzt egal..."
" Aber-"
" Agent Mulder!", fuhr Skinner mit erhobener Stimme dazwischen. " Sie glauben doch nicht allen ernstes, dass ich Ihnen abkaufe, von einem alten Mann bedroht worden zu sein."
" Ich-"
" Es ist mir egal. Sie sind jetzt wieder hier in D.C und hier werden Sie auch bleiben. Ich habe bereits Agent Walter nach Texas geschickt." Er schlug wieder seine Akte auf. " Guten Tag, Agent Mulder." Es gab nichts mehr zu sagen.
Wütend stand Mulder auf. Wie gerne würde er solange auf ihn einprügeln bis er ihm endlich glauben schenkte, doch ihm war klar, dass Skinner ihm erstens körperlich Überlegen war und er zweitens dann schneller vor der Tür säße als er "Fliegende Untertasse" sagen konnte.
Mürrisch betrat er sein Kellerbüro. Die Berichte stapelten sich haufenweise auf seinem Schreibtisch, unzählige Beweisfotos und ein riesiges "I WANT TO BELIEVE" Poster hingen an seiner Wand. Es hatte sich nichts verändert. Wie auch? Niemanden käme es in den Sinn, je hier runter zu kommen. Gerade als Mulder sich in seinen eingestaubten Ledersessel setzten wollte, durchblitzte ein stechender Schmerz seinen Kopf. Stöhnend ging er zu Boden, wobei er mit der Schläfe an die Tischkante stieß und wenig später sein warmes Blut an den Seiten seines Gesichtes fühlen konnte. Unzählige Farben blitzten vor seinen Augen auf und ab, bis sie sich zu einem Bild formten. Alles war wie beim letzten Mal. Der gleiche Wald, Mr. Parker mit der Waffe,.. Scullys angsterfüllter Blick, der ihn um Hilfe anzuflehen schien. Doch konnte er sich nicht bewegen. Mr. Parker grinste hämisch.
" Na, wie ist es völlig hilflos zu sein?"
Mulder öffnete seinen Mund, doch kein Laut bildete sich.
" Wollen Sie ihr nicht helfen, Fox?", stichelte der alte Mann, doch Mulder schaffte es einfach nicht irgendwas zu tun. Stumm und Bewegungslos musste er mit ansehen, wie Scully bedroht wurde...
" Agent Mulder? Agent Mulder?"
Er schreckte hoch und sah Kimberly, Skinners Sekretärin, mit besorgtem Gesichtsausdruck über ihm. Mulder fasste an seinen Kopf, von dem er glaubte, dass er jede Sekunde zerbersten würde.
" Was ist passiert?" Sie zeigte auf seine Schläfe. " Sie bluten ja! Soll ich einen Arzt rufen?"
" Nein, nein... ich bin nur ausgerutscht und habe mich gestoßen, aber es geht schon...", log er mit etwas zittriger Stimme und hievte sich, mit Kimberly's Hilfe, auf seinen Sessel.
" Gut ähm..." Ihr schien die ganze Situation etwas unangenehm. " A.D Skinner bat mich Ihnen diese Akte runter zu bringen."
Mulder brummte als Antwort.
" Ok...ich geh dann mal wieder..." und ehe er noch etwas erwidern konnte, hatte sie auch schon fluchtartig sein Büro verlassen.
Desinteressiert und mit den Gedanken immer noch bei der Vision, die er gerade gehabt hatte, schlug er die Akte auf.
" Na, toll...", stöhnte er lustlos. " ... jetzt soll ich auch noch einen angeblichen Betrüger abhören..."
Geräuschvoll klappte er die Akte wieder zu. Er hatte jetzt wichtigeres zu tun, als um sich um ein paar Gauner Gedanken zu machen.
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Ausgelaugt humpelte Scully in ihre Wohnung. Noch nie hatte sie sich so sehr gewünscht, dass ein Tag vorbeigehen würde. Als sie heute ihre Spesenrechnung hatte bearbeiten müssen, war ihr, wegen der vielen Ausgaben, fast schlecht geworden. Und diese vor ihrem Chef zu rechtfertigen war noch schwieriger gewesen, so dass sie sich nun an drei Wochen unbezahltem Urlaub erfreuen durfte.
Seufzend erblickte sie das rot blinkende Lämpchen ihres Anrufbeantworters und betete innerlich, dass das nicht Sheriff Manson mit noch einer weiteren Woche Suspendierung war.
Doch als sie die leise Stimme vernahm, die zu ihr sprach, zeichnete sich ein kleines Lächeln auf ihrem müden Gesicht ab. Sie legte ihren Kopf auf ihre Unterarme und lauschte seinen Worten.
" Hey, Scully ich bins..." Mulder schien etwas unsicher zu sein. " Es tut mir leid, wenn ich Sie störe, aber...ähm... ich wollte einfach nur mal wissen, wie es Ihnen geht. Sie - Sie können sich ja einfach mal bei mir melden. Meine Nummer haben Sie ja.... Bye."
Ohne zu zögern griff sie zum Telefon.
" Scully, sind Sie es?", ertönte seine hoffnungsvolle Stimme schon nach dem ersten Klingeln.
" Haben Sie schon auf meinen Anruf gelauert, Mulder?", lachte sie und hörte ein erleichtertes Seufzen von der anderen Seite.
" Es geht Ihnen gut."
Sie legte die Stirn in Falten. " Natürlich... wenn man davon absieht, dass ich für drei Wochen von meiner Arbeit suspendiert bin."
Was war nur los mit ihm? Hatte er wieder geträumt?
" Warum denn das? Haben Sie etwa Detektive Robertson verhauen?" Sein Grinsen war schon fast zu hören.
" Ich sag nur ein Wort: Spesenabrechnung."
" Au!", ertönte es von Mulders Seite aus. " Ich leide mit Ihnen."
Sie lachte, doch augenblicklich wurde ihre Stimme wieder ernst. " Was war denn nun los, Mulder? Sie rufen doch nicht an, um ein wenig zu plaudern."
" Vergessen Sie es einfach, Scully. Wahrscheinlich geschieht nur das, was mir alle anderen schon vorrausgesagt haben: ich werde verrückt."
Und während sie dem traurigen Klang seiner Stimme lauschte, fasste sie einen Entschluss...
Mit dunklen Augenringen saß Mulder in der Cafétaria des FBI und schaufelte lustlos eine Portion Pommes in sich hinein. Er war, aus Angst wieder zu träumen, die ganze Nacht aufgeblieben, so dass er heute Morgen beim Abhören zweier Gauner fast eingeschlafen wäre.
Die Kollegen um ihn herum fingen schon an zu tuscheln, doch daran hatte er sich schon gewöhnt. Agent Sinetti, einem Mann Mitte Zwanzig, den Mulder schon immer gerne das Maul gestopft hätte, setzte sich ihm gegenüber.
" Na, Mulder? Als ob es nicht reicht, dass dein Image schon spukig ist... musst du deinen Ruf jetzt auch noch verkörpern?" Sprach er so laut, dass manche Agenten zu lachen begannen. " So wirst du aber nie ein Mädchen abkriegen..."
Gerade als Mulder den Drang verspürte aufzuspringen und die Dummheit aus diesem Kerl hinauszuprügeln, ertönte eine sehr bekannte, weibliche Stimme hinter ihm.
" Ich denke schon."
Mulder fuhr herum und auch die anderen Agenten verstummten.
" Hi Schatz." Mit einem zuckersüßen Lächeln kam Scully auf ihn zu und küsste ihn vor der versammelten Mannschaft. Mulder konnte hören, wie Sinetti sich an seiner Cola verschluckte und zu husten begann. " Gehen wir in dein Büro?", fragte Scully, als sie sich wieder von ihm gelöst hatte. Mulder nickte, immer noch völlig perplex, während er sich geistesabwesend mit der linken Hand über die von ihr eben geküssten Lippen fuhr und sich an der rechten von ihr wegziehen lies.
" Hey, Sinetti... der Schuss ging wohl nach hinten los!", hörte er die anderen Lachen, als er die Cafeteria verließ.
Vor der Tür hielt Scully inne und musterte Mulder, der immer noch etwas weggetreten schien. " Mulder?" Er schreckte ein wenig zusammen und sie hätte schwören können, dass er ein wenig errötete, als er ihr schließlich in die Augen sah.
" Sie hätten das nicht tun müssen. Ich bin solche Attacken meiner Kollegen bereits gewohnt."
Sie grinste ihn leicht an. " Ist das Ihre Art < Danke> zu sagen?"
" Es tut mir leid... ich kann manchmal ziemlich unsensibel sein... " Er seufzte. " Danke. Ich war einfach nur nicht darauf vorbereitet... sowas hat noch nie jemand für mich getan..."
" Hey," Scully knuffte ihn kumpelhaft in die Seite. " Wozu sind Freunde da?"
Mulder fühlte sich geschmeichelt. Schon lange hatte er keine Freunde mehr gehabt. Seit seine Schwester verschwunden, der Zeitpunkt an dem seine Eltern begonnen hatten durchzudrehen, wurde er gemieden. Und das hatte sich bis heute nicht geändert...
" Wollen Sie mir nicht Ihr Büro zeigen?", unterbrach Scully seine Gedanken.
" Sie meinen mein Verlies im Keller?"
Lachend gingen sie zum Aufzug und Mulder drückte den Knopf zum Keller. Scully guckte ein wenig irritiert. " Sie meinten das ernst?"
" Haben Sie etwas anderes erwartet?"
Als Mulder die Tür zu seinem Büro aufschloss musterte Scully den dunklen Gang, in dem sie standen.
" Haben Sie keine Angst, wenn Sie hier unten so ganz alleine sitzen?"
Er zuckte mit den Schultern. " Hier ist der sicherste Ort im ganzen FBI Gebäude... selbst den Geistern ist es hier zu spukig."
Die Tür öffnete sich quietschend und Mulder trat zur Seite, um ihr freie Sicht zu liefern.
" Die muss mal wieder geölt werden."
Neugierig ließ Scully ihren Blick durch den Raum schweifen und zeigte schließlich auf das " I WANT TO BELIEVE" Poster. " Das passt zu Ihnen."
" Jep, deswegen hat es auch einen Ehrenplatz." Er ließ sich auf die Schreibtischkante sinken. " Warum sind Sie nach D.C gekommen?"
" Nun, ich hab Urlaub..." Hach, sie war eine schlechte Lügnerin. " Mulder, ich hab mir einfach Sorgen gemacht. Sie hörten sich am Telefon nicht gut an und..."
" Ich freue mich, dass Sie hier sind. Ähm..." Er schielte auf den riesigen Aktenberg neben ihm. " Ich werde hier noch ein wenig zu tun haben."
" Soll ich Ihnen helfen?"
Er schüttelte den Kopf. " Nein, ruhen Sie sich vom Flug aus. Haben Sie schon ein Hotel?"
"Jetzt wo Sie es sagen...nein."
Mulder kramte in seiner Tasche und reichte ihr Schlüssel und Visitenkarte.
" Ist ganz einfach zu finden. Apartment Nr. 42... Sie können das Bett haben, ich bin eh mehr der Sofa-Mensch."
" Mulder," Ihr schien die ganze Situation etwas unangenehm. " Ich will Ihnen nicht zur Last fallen."
" Keine Widerrede!" Er deutete gespielt drohend mit einem Finger auf sie. "Wenn Sie mein Angebot abschlagen, rede ich nie wieder ein Wort mit Ihnen."
" Na, dann..." Sie ging zur Tür. " Ach... Mulder!"
" Hm?"
Sie zwinkerte ihm zu. " Sie küssen gut."
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To be continued...