Autor: spookydogstar
Kontakt: spookydogstar@gmx.de
Beta: Mary
Cover: GabiS
Spoiler: alles, was bis zu „Fight The Future“ passiert ist; die Handlung der FF spielt nach „Das Ende“ und vor dem Film
Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine J
Rating: bin immer so schlecht mit der Eingruppierung; sag jetzt einfach mal R 16 bis NC-17 wegen eventueller auftretender Gewalt in der FF
Kategorie: eine richtige X-Akte in diesem Sinne ist es eigentlich nicht, aber mir fällt nicht ein, welche Kategorie ich der FF sonst geben soll;
vielleicht kommt auch ein klein wenig MSR drin vor *weißnochnichtsogenau*
J Maybe there ist hope J
Disclaimer: Ihr wisst es alle, sie gehören nicht mir. Sie werden nie mir gehören, auch nicht in zehn oder zwanzig Jahren. Selbst dann werden sie immer noch CC, 20th Century Fox und 1013 Productions gehören. Man kann nur hoffen, das wir Mulder und Scully bis dahin noch des öfteren auf der Leinwand bewundern können *schonmaldafürbete*
Short-Cut: Die X-Akten sind geschlossen und Mulder wird von bei einem Mordfall um Mithilfe gebeten.... mehr wird nicht verraten *gg*
Anmerkung der Autorin:
Die Idee zu dieser FF kam mir, als ich gerade an einer anderen Story schrieb, bei der ich mich total verrannt habe. Und da die Ideen da nicht so ganz rein passten hab ich mich dazu entschieden, daraus eine eigene FF zumachen.
Also ich hoffe, sie gefällt euch. Würde mich riesig über ein Feedback freuen. *Please*
S i t a
* * * * *
FBI Hauptquartier
Großraumbüro; 4. Etage
22.05. ; 8:23 Uhr
Fast drei Wochen war es nun her, dass die X-Akten dem Feuer zum Opfer fielen und Mulders Lebenswerk von einem Augenblick auf den nächsten einfach ausgelöscht wurde.
Die wenigen Akten, die noch zu retten waren, waren teilweise so unleserlich, dass man sie nicht mehr ohne ein Hilfsmittel lesen konnte.
Mulder und Scully wurden anschließend einer anderen Abteilung zugeteilt. Damals, als Scully in Mulders Apartment mit Skinner telefoniert hatte, hatte dieser ihnen schon mitgeteilt, dass die X-Akten geschlossen werden und sie daher versetzt werden würden. Alleine dieser Gesichtspunkt war schon schwierig genug für Mulder, aber als dann noch der Anruf kam der ihnen sagte, dass ein Feuer in seinem Büro ausgebrochen sei, konnte Scully sehen wie für Mulder in diesem Augenblick eine Welt zusammen brach.
Die Suche nach seiner Schwester war immer noch der Mittelpunkt seiner unerbittlichen Suche nach der Wahrheit und nun waren auch noch die einzigen Anhaltspunkte nichts weiter als Asche. Asche, vermischt mit Löschwasser, die sich auf dem Boden des Kellerbüros verteilt hatte und darauf wartete, von den Reinigungskräften beseitigt zu werden.
Seit drei Wochen saßen die beiden nun in einem dieser Großraumbüros der Antiterror-Einheit des FBI’s. Bisher gab es auch nichts wirklich interessantes an der Arbeit dort.
Mulder kam wieder mal circa eine halbe Stunde zu spät und wurde auch schon von einer leicht nervösen Scully empfangen.
„Mulder, warum müssen Sie in letzter Zeit ständig zu spät kommen? Skinner hat in den letzten zwanzig Minuten schon dreimal nach Ihnen gefragt!“
„Ach ja? Was wollte er denn?“, kam es ein wenig überrascht von ihm.
„Keine Ahnung. Er hat mir nur gesagt, dass Sie auf schnellstem Wege zu ihm gehen sollen, sobald Sie hier sein würden,“ beantwortete sie seine Frage und ihre Stimme klang inzwischen wieder normal.
„Na dann werde ich mal unserem ehemaligen Vorgesetzten einen kleinen Besuch abstatten,“ pfiff er vor sich hin, als er das Büro wieder verließ und eine leicht verdutzte Scully zurück ließ.
Skinners Büro
Mulder fragte sich, wie lange er noch in diesem Vorzimmer sitzen sollte. Schließlich schien es ja sehr dringend zu sein und Mulder hatte inzwischen schon das Gefühl, dass er getrost noch einmal zu Scully hätte gehen können. Die letzten zehn Minuten hätte er auch effektiver nutzen können.
Kaum hatte er seinen Gedanken beendet, ging auch schon die Tür von Skinners Büro auf und sein ehemaliger Chef stand im Türrahmen.
„Tut mir leid, dass Sie solange warten mussten, Agent Mulder,“ entschuldigte er sich, während er ihm deutete sein Büro zu betreten.
„Kein Problem, Sir,“ erwiderte Mulder, nachdem er sich vom Stuhl erhoben hatte und auf Skinner zu ging.
„Stellen Sie bitte in der nächsten halben Stunde keine Anrufe durch Kimberley,“ sagte Skinner noch schnell zu seiner Sekretärin, bevor er Mulder ins Büro folgte.
„Also Sir, was habe ich verbrochen, um bei Ihnen vorzusprechen?“, fragte Mulder, drehte sich zu Skinner um und blieb kurz vor seinem Schreibtisch stehen.
„Setzen Sie sich doch bitte erst einmal. Anschließend erkläre ich Ihnen, warum ich Sie her gebeten habe,“ antwortete er und zeigt dabei auf einen der Stühle, die vor dem Schreibtisch standen.
Wie oft in seiner bisherigen Bearbeitungszeit der X-Akten hatte er schon auf einem dieser Stühle Platz nehmen müssen. Er hatte aufgehört zu zählen, als die hundert überschritten wurde. Es war einfach zu oft gewesen wie es ihm jetzt schien. Je länger er darüber nachdachte, um so neugieriger wurde er darauf, was Skinner ihm zu sagen hatte.
„Ich werde nicht um den heißen Brei herum reden, sondern gleich auf den Punkt kommen. Vielleicht haben Sie ja mitbekommen, dass in den letzten fünf Wochen 4 Frauen entführt wurden und ihre Leichen ein paar Tage später gefunden wurden.“
„Ja, ich habe davon gehört, Sir. Aber was hat das ganze mit mir zu tun? Ich arbeite jetzt schließlich für die Antiterror-Einheit.“
„Ich wurde von meinem Vorgesetzten damit beauftragt den Fall so schnell wie möglich aufzuklären und dazu benötige ich Ihre Hilfe.“ Er machte eine kurze Pause, ehe er weiter sprach. „Ich möchte, dass Sie von dem Täter ein Profil erstellen, dass es uns ermöglicht, dem Mörder auf die Schliche zu kommen.“
„Sir, bei allem Respekt, aber Sie wissen doch genauso gut wie ich, warum ich damals die Abteilung für Gewaltverbrechen verlassen habe.“
„Ich weiß, wie schwer Ihnen die Arbeit zum Schluss bei der Abteilung fiel, aber Sie sind in diesem Fall meine einzige Rettung. Niemand sonst versteht es so gut wie Sie sich in den Kopf eines Serientäters hineinzuversetzen. Und Sie wissen, ich würde Sie nicht darum bitten wenn es nicht wichtig wäre.“ warf Skinner schnellstens ein, so dass Mulder keine Möglichkeit hatte, seine Gedanken weiter auszusprechen.
Während Skinner ihn davon überzeugen wollte den Fall doch anzunehmen geisterten die Gesichtspunkte durch Mulders Kopf, die ihn damals dazu bewegt hatten die Abteilung für Gewaltverbrechen verlassen.
Er kam physisch und psychisch einfach mit den neuen Situationen, die durch jeden neuen Mordfall auf ihn einfielen nicht mehr klar. Sich bei jedem neuen Fall in den Kopf des Täters hinein zu versetzen war für ihn damals das schwierigste. Hätte er sich nicht damals zu den X-Akten versetzen lassen, wäre er an seiner Arbeit zu Grunde gegangen. Das hieß nicht, dass er durch die X-Akten ungefährlicher lebte. Aber er konnte sich somit dem Abschaum der Menschheit, wie er diese Serientäter am liebsten bezeichnete entziehen. Jedenfalls auf den ersten Blick.
Damals, als er die Abteilung verlassen hatte, schwor er sich, nie wieder dorthin zurück zugehen. Doch die Situation, in der er sich nun befand, war eine ganz andere. Er wusste, wieviel er seinem ehemaligen Chef zu verdanken hatte. Trotz der ein oder anderen Auseinandersetzung stand Skinner immer zu ihm und Scully.
„Okay, Sir. Was haben die ermittelnden Agenten bisher herausgefunden?“, lenkte er nach kurzem Überlegen ein.
„Bei den Opfern handelt es sich jedes Mal um Frauen um die Mitte dreißig. Die Opfer kommen alle aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Es konnte bisher kein Zusammenhang zwischen den Opfern festgestellt werden. Die Frauen kannten sich nicht. Zwei der Opfer waren Studentinnen, die jedoch an unterschiedlichen Universitäten studiert haben. Eines der Opfer arbeitete bei einem Rechtsanwaltsbüro als Sekretärin und das letzte Opfer war Krankenschwester im städtischen Krankenhaus.“
Während Skinner Mulder über die ersten Einzelheiten informierte reichte er ihm eine Akte, in der die Tatortfotos waren.
„Wie Sie aus den Tatortfotos ersehen können, geht der Täter sehr brutal mit seinen Opfern um. Er muss die Frauen nach der Entführung noch stundenlang gequält haben, die meisten Verletzungen sind prä - mortem . Anhand der Totenstarre und der Körpertemperatur konnte der Pathologe den Zeitpunkt des Todes sehr genau bestimmen. Die Opfer sind ca. fünf Stunden, bevor man sie gefunden hat gestorben.“
Aufmerksam folgte Mulder den Ausführungen Skinners und betrachtete dabei jedes der Fotos genauestens. Jedes der Opfer hatte mehrere Stichwunden und man konnte durch die Würgemerkmale deutlich erkennen, dass der Täter sie mit einer Telefonschnur oder etwas ähnlichem erdrosselt haben musste.
Doch das eigentlich interessante an den Leichen war die Tatsache, dass bei jedem der Opfer ein Buchstabe in den Rücken geätzt worden war.
Schon nachdem Mulder die Akte mit den Fotos geöffnet hatte fing sein Gehirn an, die einzelnen Fäden zu einem Knäuel zu verbinden. Immer noch weiter auf das hörend, was Skinner ihm erzählte, legte Mulder die Tatortfotos vor sich auf den Tisch.
In den Rücken des ersten Opfers war ein >S< geätzt worden, dass zweite Opfer hatte ein >N< auf dem Rücken. Bei den letzten beiden Opfer prangte jeweils ein >I< bzw. ein >A< auf dem Rücken.
Skinner entging der Ausdruck in Mulders Augen natürlich nicht. Es war deutlich zu sehen, wie Mulder sich langsam in den Kopf des Täters dachte. Wie er versuchte mit dem Täter eins zu werden, um verstehen zu können warum er diese Frauen ermordet hatte. Was ihn dazu getrieben haben könnte, unschuldige Menschen zu entführen, sie zu quälen, nur um sie anschließend umzubringen.
<Was muss nur in deinem Kopf vor sich gehen???> dachte Mulder, während er die Bilder weiter betrachtete.
„Hat man die Wunden, die der Täter auf den Rücken der Opfer hinterlassen hat, schon genauer untersucht, Sir?“, war das erste, was Mulder nach einer langen Pause fragte.
„Soweit ich das den bisherigen Berichten entnehmen konnte, wurden zwar Proben von der umliegenden Haut, und von der Stelle selbst, entnommen und man konnte auch ein Teilergebnis erzielen, aber die entgültigen Ergebnisse dazu habe ich bisher noch nicht auf meinem Tisch liegen.“
Skinner machte eine kleine Pause und konnte die Ratlosigkeit in Mulders Gesicht erkennen. <Genau das gleiche Gesicht muss ich wohl vor gut zweieinhalb Stunden auch gemacht haben, als ich den Fall übertragen bekam.> dachte Skinner bei sich.
„Was dauert denn an solch einer Untersuchung so lange?“, wurde er schließlich durch Mulders Worte wieder zurück geholt.
„Genau das gleich habe ich mich heute morgen auch schon gefragt. Man hatte mir erklärt, dass man bei dem ersten Opfer von einer Einzeltat ausging. Als dann das zweite Opfer gefunden worden ist, haben die ermittelnden Agenten es nicht für nötig erachtet, den ihrigen Fall mit dem Fall des ersten Opfers zu verbinden. Erst bei dem dritten Opfer hat man Parallelen zu den ersten beiden Fällen gezogen. Der dortige, ermittelnde Agent hat den Pathologen gleich darum gebeten, eine Untersuchung der umliegenden Hautregion zu veranlassen. Soweit das Labor es ermitteln konnte wurden diese Verletzungen mit einer Säure in die Haut geätzt, die der Salzsäure ähnlich ist. Auf die Ergebnisse über die genaue Zusammensetzung der Säure warte ich wie gesagt immer noch.
Nur zu Ihrer Beruhigung, Mulder. Die jeweiligen Agenten, die den Mord des ersten und des zweiten Opfers untersucht hatten, wurden bereits wegen der Verzögerung, die durch ihre nicht ausreichend erbrachte Arbeit entstanden ist, vorerst vom Dienst suspendiert.“ gab Skinner Mulder nach einem kurzen Atemzug zu verstehen.
Wie durch einen Schleier vernahm dieser die Worte, während sich die nächsten Gedankenstränge in seinem Gehirn miteinander verbanden. Waren es am Anfang die offensichtlichen Wunden der Opfer die ihn aufmerksam machten, waren es nun die Daten der Entführungen selbst, die sein Interesse erneut weckten.
Jede der Frauen wurde an einem Tag entführt, der immer die selbe Zahl im Datum trug. Das erste Opfer wurde am 16.04. entführt, das zweite Opfer am 26.04. des selben Monats. Die Zahl 6 zog sich durch diesen Fall wie ein roter Faden. Die anderen zwei Opfer wurden jeweils am 06.05. bzw. 16.05. eines jeden Monats entführt. Irgendetwas magisches schien die Zahl 6 auf den Täter auszuüben. Und genau dies war der Punkt, dem Mulder sein Hauptaugenmerk widmete.
<Was führt dich dazu, der 6 eine besondere Bedeutung zuzuordnen? Warum nur ist diese Zahl so besonders für dich? Welches Geheimnis verbindest du nur mit dieser Zahl?>, geisterte es durch Mulders Kopf. Er war sich sicher, dass, sobald er dieses Geheimnis gelüftet hätte, es nur noch eine Frage von Stunden sein würde bis sie den Täter fassen würden. Doch dazu musste er sich so tief in die Gedanken des Täters hineinversetzen, wie er es eigentlich nie wieder tun wollte. Er fürchtete sich davor, am Schluss daran zu zerbrechen.
Mit der Akte in der Hand verließ Mulder eine Stunde nachdem er das Büro betreten hatte, dieses auch wieder. Anschließend machte er sich auf den Weg zu Scully.
Großraumbüro; 4. Etage
Mulder hatte kaum den ersten Fuß ins Büro gemacht, als er Scullys Aufmerksamkeit auch schon auf sich gelenkt hatte.
„Und Mulder, was wollte Skinner von Ihnen?“ war das erste und einzige was Scully ihn fragte.
„Er hat mich gebeten, bei einem aktuellen Serienmordfall ein Profil des Täters zu erstellen.“ Nachdem Mulder ihre Frage beantwortet hatte konnte er auch schon die nächste Frage in ihrem Gesicht sehen und beantwortete sie, ohne dass diese Scullys Mund jemals verlassen hatte. „Ich weiß, was Sie jetzt denken und ich bin überhaupt nicht darüber erfreut, aber Sie sollten sich vielleicht die Einzelheiten des Falles genauer anschauen.“ sprach er und reichte Scully nebenbei die Akte über den Tisch.
Scully hatte in ihrer bisherigen FBI-Arbeit schon eine Menge schlimmer Sachen gesehen die ihr mal mehr, mal weniger an die Nieren gingen. Doch dieser Fall war einer, bei dem sie ihr Leben als Agentin verfluchte. Der Anblick der Tatortfotos brachte sofort die Erinnerungen an den Fall >Donnie Pfaster< zum Vorschein. Noch heute bekam sie eine Gänsehaut, wenn sie an diesen Fall zurückdachte. Die Brutalität die damals von ihm ausging und auch die Tatsache, dass sie von Pfaster entführt worden war, spiegelten sich auch noch heute in manchen Situationen wieder. Manchmal wachte sie nachts schweißgebadet auf und musste sich dreimal vergewissern, dass sie auch wirklich in ihrem Schlafzimmer war. Egal wie viele Jahre seit dem Vorfall vergangen waren, in ihren Alpträumen war er noch immer präsent.
Mulder entging Scullys Reaktion bei der Betrachtung der Tatortfotos natürlich nicht und er war sich sicher, dass in diesem Augenblick wieder die Bilder von Donnie Pfaster vor Scullys Augen erschienen. Denn auch Mulders Erinnerungen an diesen Fall waren noch genauso frisch wie damals. Er konnte immer noch die Angst in seinem Körper spüren, genauso stark wie er sie damals empfand, als man ihr Auto im Straßengraben gefunden hatte.
Dieser Fall verlangte ihm, als routinierten Profiler damals schon alles ab. Noch Wochen nach dem Fall machte Mulder sich große Vorwürfe darüber, dass er diesen Fall überhaupt angenommen hatte. Er hätte es sich nie verzeihen können, wenn er damals zu spät zu dem Ferienhaus von Pfasters Mutter gekommen wäre und Scully gestorben wäre.
Während Mulder über die damalige Zeit nachdachte zeichnete sich ein Bild vor seinen Augen ab. Es zeigte ihn und Scully nachdem man Pfaster verhaftet hatte. Ihre Hände waren zusammengebunden und in ihrem Gesicht hatte sie ein paar Schürfwunden. Die Angst und Panik, die Scully in den letzten Stunden durchstehen musste, war deutlich in ihrem Gesicht zu erkennen, doch auf seine Frage, ob es ihr gut ginge, nickte sie nur und meinte, dass alles in Ordnung sei. Das war typisch Scully, nach außen immer die Starke, nur niemandem offen zeigen, dass sie verletzlich ist. Doch Mulder gab sich damals nicht so einfach mit ihrer Aussage zufrieden. Ein Blick in ihre Augen verriet ihm alles was er wissen musste. Und obwohl er damals genau diese Reaktion von Scully erwartet hatte, schockte es ihn trotzdem, Scully so verletzlich und hilflos in seinen Armen zu halten. Es war das erste Mal in ihrer bisherigen Zusammenarbeit, dass Scully ihre Mauer hatte einbrechen lassen und alle Furcht offen zeigte. Es war auch der Wendepunkt in ihrer Zusammenarbeit, jedenfalls war es für Mulder zur damaligen Zeit so. Denn er hatte einen Weg gefunden, der es ihm ermöglichte tiefer in Scully einzudringen.
Alleine die Gedanken an diesen schmerzhaften Tag ließen ihm Schauer über den Rücken laufen. Am liebsten hätte er die Ereignisse dieses Tages für immer aus seinem Gedächtnis und auch aus seinem Leben gestrichen. Gelöscht, wie man es mit einer Datei auf dem PC macht. Ausradiert, wie man einen Strich auf einem Blatt Papier entfernt. Doch die Realität zeigte ihm, dass das Leben nicht wie eine volle Festplatte war, von der einfach ein paar Dateien gelöscht werden konnten, um wieder Platz zu schaffen. Dafür war das Leben einfach zu komplex.
Aber vielleicht bestand darin auch der Grund des Daseins eines jeden Menschen. Die Erkenntnis, aus Fehlern zu lernen und diese nicht ein zweites Mal zu begehen.
Je länger Mulder darüber nachdachte umso merkwürdiger wurden seine Gedanken. Es half alles nichts. Er hatte damals einen Fehler begangen und fast das verloren, was ihn heute am Leben hielt. Noch einmal würde er solch einen Fehler nicht machen. Das, was er verlieren würde, war einfach unersetzbar für ihn geworden. Ein Lächeln von ihr reichte aus, jedem noch so trüben Tag etwas positives abzugewinnen.
„Mulder, alles in Ordnung mit Ihnen?“ hörte er Scullys Stimme aus der Ferne, während er immer noch seinen Gedanken nach hing.
„Äh..., ja, alles bestens.“ beantworte er ihre Frage schließlich etwas benommen. Denn kaum hatte er seine Gedanken von Scully und dem Fall <Donnie Pfaster> los gerissen, konzentrierte sich alles in ihm auch schon wieder auf den aktuellen Mordfall. Er durfte keine Zeit verlieren. Sie mussten den Täter so schnell wie möglich hinter Gitter bringen, ehe er noch einmal die Möglichkeit bekam seine grausame Tat zu wiederholen.
„Tut mir leid Scully, wenn ich im Moment mit meinen Gedanken nicht hier bin. Ich werde jetzt am besten nach Hause gehen.“ Mit diesen Worten verließ er auch schon das Büro und machte sich auf den Weg zu seinem Auto.
* * * * *
Mulders Apartment
24.05. ; kurz nach Sonnenaufgang
Seit zwei Tagen hatte Mulder sein Apartment nun schon nicht mehr verlassen. Überall im Wohnzimmer lagen Tatortfotos verstreut. Ein Haufen Berichte lag verteilt auf dem Tisch, während ein anderer Haufen sich auf dem Fußboden ausbreitete. Es sah aus als ob ein Tornado durch seine Wohnung gefegt wäre.
Genauso schlimm wie seine Wohnung sah auch Mulder selbst aus. Unter seinen Augen zeichneten sich die ersten dunklen Ringe ab. Die Haare standen total zerzaust in alle Himmelsrichtungen von seinem Kopf und in seinem Gesicht konnte man bereits Bartstoppeln erkennen.
Er hatte immer noch die selben Sachen an, die er sich vor zwei Tagen übergezogen hatte, nachdem er aus dem Büro nach Hause gekommen war.
Durch ein Klopfen an seiner Apartmenttür zuckte er kurz zusammen. Nachdem er seine Gedanken wieder einigermaßen sortiert hatte, ging er zur Tür und öffnete diese.
„Oh mein Gott, Mulder. Wie sehen Sie denn aus?“ vernahm er Scullys Stimme.
Ohne auf ihre Frage zu antworten deutete er ihr einzutreten und verschloss die Tür anschließend wieder.
Vorsichtig bahnte sich Scully einen Weg zu seiner Couch, ohne dabei auch nur eine der Sachen, die auf den Boden lagen zu berühren. Sie wusste genau, das hinter dem ganzen Chaos, das zur Zeit in der Wohnung herrschte, ein System steckte. Ein System, welches nur Mulder verstand.
Nachdem sie auf der Couch Platz genommen hatte, wandte sie sich wieder Mulder zu und betrachtete ihn nun noch eingehender. Hatte sie der erste Anblick von Mulder, als dieser die Tür geöffnet hatte, schon verängstigst war sie nun noch mehr von Panik ergriffen.
In den Jahren ihrer Zusammenarbeit hatte sie Mulder in den unterschiedlichsten Situationen gesehen. Situationen, die ihn sowohl körperlich als auch seelisch mitgenommen hatten. Doch der jetzige Anblick stellte fast alles bis dahin gesehene in den Schatten. Einzig und allein der Fall John Lee Roche konnte als Vergleich herhalten. Noch heute sah Scully den Blick in Mulders Augen, als er dachte, endlich der Gewissheit über das Verschwinden seiner Schwester Samantha ein Stück näher gekommen zu sein. So sehr Scully es sich damals auch gewünscht hatte, dass Mulder endlich seinen Frieden bei der Suche nach seiner Schwester finden würde, so sehr hatte sich ihr inneres dagegen gesträubt. Gegen die schreckliche Wahrheit, die durch diesen Fall vielleicht ans Licht gekommen wäre. Der Gedanke und die Vorstellung, dass John Lee Roche Mulders Schwester getötet haben könnte ließ ihr damals fast das Herz in der Mitte zerspringen.
Als wäre es erst gestern gewesen sah sie sein Gesicht und wie er sie mit einem mehr schmerzverzerrten Gesicht anlächelte, als sie ihm, nachdem der Fall als abgeschlossen betrachtet wurde, gesagt hatte er solle nach Hause gehen und ein bisschen schlafen. Mulders Blick in diesem Moment schmerzte sie innerlich. Beschützend und ihm dadurch Kraft gebend, nahm sie ihn damals in die Arme und hielt ihn fest. Sie wollte ihm die Kraft und Stärke wiedergeben, die er während des Falles verloren hatte.
Und genauso kraftlos wie damals stand er nun in seiner Wohnung und versuchte verzweifelt sich in die Gedanken des Täters hineinzuversetzen. Der Gedanke daran reichte ihr schon aus und die Gänsehaut breitete sich auf ihrem Körper aus. Sie fragte sich, wie ein Mensch solch eine psychische und physische Belastung aushalten konnte. Wie musste es jetzt wohl in seinem Kopf aussehen? Welche Gedanken geisterten ihm durch den Kopf? Doch was in diesem Augenblick wesentlich wichtiger für sie war, war, wie sie ihm helfen konnte, nicht in diesem Strudel aus Gewalt zu versinken. Irgendwie musste sie ihn daraus holen, um nicht noch tiefer mitgerissen zu werden.
„Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal ein Auge zu gemacht, Mulder?“ fragte sie schließlich, um ihn ein wenig aus seiner Trance, in der er sich seit ihrem Eintreffen befand, heraus zu holen.
„Keine Ahnung. Ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, das ich ein Profil über den Täter erstelle und dies so schnell wie möglich.“ bekam sie von ihm resigniert zu hören.
„Mulder, niemandem ist geholfen wenn Sie übermüdet falsche Schlussfolgerungen ziehen. Sie müssen zur Ruhe kommen, auch wenn es nur für ein bis zwei Stunden ist.“ sprach sie mit leiser und ruhiger Stimme auf ihn ein.
„Das kann ich nicht. Ich habe es versucht, doch sobald ich meine Augen schließe sehe ich die Opfer und sofort fängt mein Kopf wieder damit an, sich ein Bild über den Täter zu machen.“
Scully konnte die Verzweiflung in seinen Augen erkennen, doch es gab nichts was sie hätte tun können um ihm die Ruhe, die er so dringend brauchte, in irgendeiner Weise zu geben.
„Vielleicht hilft es Ihnen ja, wenn sie mir erzählen, was Ihnen durch den Kopf geht.“ warf Scully schließlich nach kurzem Zögern ein. Vielleicht würde es Mulder ja wirklich helfen.
„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee wäre. Als ich Ihnen vor zwei Tagen im Büro die Fotos gezeigt habe wusste ich genau, was Ihnen in diesem Augenblick durch den Kopf ging. Ich möchte nicht, dass Sie wegen mir wieder daran erinnert werden.“ kam es fast beklemmend von ihm.
„Aber was ist mit Ihnen? Wenn Sie sich niemandem anvertrauen werden Sie an diesem Fall zu Grunde gehen. Schauen Sie sich doch an. Ich möchte Ihnen helfen... ich will Sie diese Sache nicht alleine durchstehen lassen müssen.“
Bevor Scully weitersprach überlegte sie sich noch einmal ob das, was sie ihm jetzt sagen würde, in diesem Augenblick auch das richtige sein würde. Doch ihr Verstand setzte für ein paar Sekunden aus und dafür übernahm ihr Herz die Kontrolle über ihren Körper.
„Mulder, wenn Sie vor zwei Tagen wirklich die Pein und den Schmerz, den ich bei dem Anblick der Fotos verspürte, gesehen haben, dann müssten Sie jetzt auch erkennen warum ich unbedingt möchte, dass Sie mir etwas über die Morde und den Täter erzählen.“ Scullys Stimme war nur noch ein flüstern während sie die letzten Worte über die Lippen brachte.
Ohne es zu merken, war Scully beim Reden aufgestanden und langsam auf Mulder zugegangen, bis sie schließlich kurz vor ihm zum stehen kam. Mulders Kopf hing müde nach unten und seine Augen starrten ins Leere.
Vorsichtig legte Scully ihren Zeige- und Mittelfinger unter Mulders Kinn und zwang ihn so dazu, sie anzuschauen. War es damals Mulder gewesen, der sie so dazu gezwungen hatte ihn anzuschauen, so war sie es, die diesmal diese liebevolle Geste benutzte.
Mulders Augen blieben förmlich an den ihren hängen und sie erkannte, dass er verstand, was sie ihm hatte sagen wollen. Nie zuvor hatte sie sich ihm mehr geöffnet als in diesem Augenblick. Doch er musste endlich verstehen, warum es ihr so wichtig war, dass er es ihr erzählte. Sie wollte ihm nicht nur als Kollegin bei diesem Fall helfen, sondern auch als Freundin. Eine Freundschaft, die weit mehr über das normale hinausging. Längst verspürte Scully mehr als einfache Freundschaft. Mulder war zum Bestandteil ihres Lebens geworden, ohne den sie nicht mehr in der Lage war zu leben.
Ohne ein Wort zu wechseln gingen die beiden langsam zur Couch und nach kurzem zögern setzten sie sich schließlich.
Mulder legte seinen Kopf an die Rückenlehne und versuchte sich ein wenig zu entspannen. So weit es ihm möglich war.
„Ich... ich schätze...“ kam es abgehackt von Mulder „...das der Täter als Kind oder Teenager misshandelt worden ist. Höchstwahrscheinlich von seiner Mutter, daher diese Abneigung gegenüber dem femininen Geschlechts. Irgendetwas in ihm treibt ihn dazu den Frauen das gleiche anzutun, was er als Jugendlicher hatte erleben müssen.
Anhand der Pathologieberichte und der Tatortfotos ist ersichtlich das er es liebt, seine Opfer stundenlang zu quälen. Er fesselt ihnen die Hände und Füße, damit sie nicht um sich schlagen können. Anschließend muss er ihnen einen Knebel in den Mund stecken. Beim dritten und viertem Opfer wurden ein paar Fasern im Rachenraum entdeckt. Die Untersuchung hat ergeben, dass es sich um eine Baumwollfaser handelt, deren Zusammensetzung nichts ungewöhnliches enthält. Es ist keine Färbung zu erkennen, so dass es sich um alles mögliche handeln kann.“
Mulder schluckte schwer und atmete ein paar mal tief ein und aus ehe er weiter sprach.
„Jedes der Opfer hat mehrere Hämatome, die sich über den gesamten Körper verteilen. Einige der Hämatome sind frisch, während andere dem Opfer bereits kurz nach der Entführung zugefügt worden sind. Es sieht so aus, als ob er sie als Boxsack benutzt hat.“
Scully war durch die Ausführungen Mulders vollkommen eingenommen. Sie hatte beinahe das Gefühl, als ob ihr Herz ausgesetzt hätte zu schlagen. Bei jeder noch so kleinen Neuigkeit, die sie von Mulder zu hören bekam, zog sich ihr Brustkorb noch enger zusammen. Sie konnte die Gesichter der Opfer genau vor sich sehen und die Angst und Panik, die in ihren Augen gestanden haben musste.
Was muss ihnen zum Schluss nur durch den Kopf gegangen sein? Haben sie gewusst was mit ihnen passieren wird oder hat er sie so brutal misshandelt, dass sie am Ende bewusstlos gewesen sind? Diese und noch andere Fragen geisterten durch Scullys Kopf. In diesem Augenblick wusste sie, wie es wirklich in Mulder aussehen musste. Sicher, sie hatte in ihrer Laufzeit beim FBI schon die schlimmsten Fälle von Serientätern gesehen und auch die verschiedensten Profile, die erstellt wurden gelesen. Doch so richtig konnte sie sich bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht in die Lage eines solchen Profilers hineinversetzen.
All die grausigen Bilder der Opfer, die einem durch solch eine Erfahrung offenbart werden, bleiben bis zum Lebensende tief in einem verankert. Selbst in hunderten von Jahren würden sie noch immer präsent sein ohne das man es vielleicht vermuten würde. Aber jede noch so kleine Ähnlichkeit mit einem solchen Fall würde ausreichen um diese schrecklichen Erinnerungen wieder ans Licht zu bringen.
„Haben Sie eigentlich schon was über die Säure, die benutzt wurde, um den Opfern die Buchstaben in die Haut zu brennen, in Erfahrung bringen können?“ hörte sie Mulders Stimme.
„T’schuldigung....“ gab sie ihm mit einem Wink zu verstehen und beantwortete gleich darauf seine Frage. „Das Labor konnte in so weit bestimmen, dass die Säure zu einem Teil aus Natriumhydroxid und Natriumhypochlorit besteht.“
„Und...?“ wurde sie auch schon von Mulder unterbrochen.
„Nichts und, Mulder. Diese Chemikalien können Sie in jedem gut geführten Haushalt finden.“
„Was meinen Sie denn nun schon wieder damit? Soll das etwas heißen, dass jeder, der in Washington D.C. lebt verdächtigt werden kann?“
„So in etwa. Mulder, diese chemischen Verbindungen sind Bestandteile von vielen Reinigungsmitteln, z.B. Rohreiniger oder WC-Reiniger.“
„So lange es kein Plattwurm ist, den ich in die Kanalisation drängen muss, kann ich ja zufrieden sein,“ kam es belustigt und fast sarkastisch von Mulder, obwohl ihm in diesem Moment eigentlich eher weniger zum Lachen zu Mute war.
„Könnte man im Labor die prozentuale Zusammensetzung der einzelnen Chemikalien eigentlich bestimmen?“, fragte Mulder nun wieder ernst.
„Mit den Mengen, die sichergestellt worden sind ist das leider nicht möglich.“ antwortete Scully knapp. Genau die gleiche Frage hatte sie sich gestern, nachdem sie die Ergebnisse vom Labor bekommen hatte, auch schon gestellt.
„Das heißt also, das wir zwei Tage Zeit haben, um unseren Mörder zu schnappen.“
Wenn der Täter seinem bisherigen Muster folgen würde, müsste man mit der nächsten Entführung am 26. diesen Monats rechnen. Genau diese Zahl bereitete Mulder immer noch Kopfzerbrechen. Es musste irgendeine Verbindung geben, doch die Frage für Mulder war nur, wo er diese Verbindung finden würde.
In den letzten zwei Tagen hatte er schon alles mögliche in seinem Kopf durch gespielt. War der Täter vielleicht an einem dieser Tage geboren? Verband er ein wichtiges Ereignisses mit einem der Daten? Mulder kam schließlich vorerst zu dem Schluss, dass es alles möglich sein könnte. Er brauchte einfach mehr Einzelheiten über den Täter. Doch die Antworten auf seine Fragen kamen nicht einfach wie die Morgenpost. Und Mulder wusste auch nicht so recht, wo er mit der Suche anfangen sollte.
„Was ist eigentlich mit den Orten, an denen man die Leichen der Opfer gefunden hat? Haben Sie irgendeine Verbindung mit dem Täter herstellen können?“ Genauso wie Mulder machte sich auch Scully über die Einzelheiten des Falles Gedanken.
„Die Leichen wurden alle am Stadtrand von Washington D.C. gefunden. Die Fundorte lagen nahe beieinander. In der Gegend sind vorwiegend Industriefirmen angesiedelt. Laut den Berichten, die mir vorliegen, konnten bei den durchgeführten Befragungen keine Hinweise in Erfahrung gebracht werden. Es gibt niemanden, der etwas auffälliges an den entsprechenden Tagen festgestellt hat. Kein einziger Augenzeuge, der behilflich sein könnte,“ informierte Mulder sie über die weiteren Einzelheiten.
Mulder wusste natürlich, dass diese Berichten für ihn nicht ausreichen würden. Um sich wirklich ein Bild des Täters machen zu können musste er an den Ort gehen, an dem auch der Mörder gestanden hatte. Er musste das gleiche sehen, das auch der Täter gesehen hatte. Das gleich hören und riechen. Eine Verbindung eingehen mit den Gedanken, die der Täter in den Momenten hatte, in denen er die Leichen „beseitigte“. Er musste wissen, was ihm in diesen Sekunden und Minuten durch den Kopf ging. So war es schon immer gewesen. Sobald man als Profiler den gleichen Ort betrat, den auch der Mörder vor Augen gehabt hatte, fing alles in einem automatisch damit an, die Einzelheiten der Umgebung zu einem kompletten Bild zusammen zusetzen.
Sobald Scully sein Apartment verlassen hätte würde er sich auf den Weg zu den Fundorten begeben.
„Entschuldigen Sie Scully, aber ich würde mich jetzt gerne ein bisschen hinlegen,“ flunkerte er ihr vor. Mulder war sich sicher, dass Scully sehr gut wusste, dass er sich jetzt nicht aufs Ohr legen würde, aber sie würde seine Entscheidung respektieren, jetzt lieber alleine zu sein.
Scully konnte die Widersprüchlichkeit in Mulders Aussage hören. Jeder halbwegs normal denkende Mensch würde Mulder ansehen, dass er jetzt alles andere als ins Bett gehen würde. Außerdem wusste sie, dass es besser wäre, Mulder jetzt mit seinen Gedanken alleine zu lassen. Es war wie damals bei dem Fall Barnett.
Ohne ein Wort zu sagen, stand Scully von der Couch auf und ging in Richtung Eingangstür. Bevor sie die Tür öffnete drehte sie sich noch einmal zu Mulder um. Dieser saß mit geschlossenen Augen noch immer auf der Couch und fuhr sich mit den Händen durch die Haare.
„Falls Sie meine Hilfe benötigen, wissen Sie ja wie Sie mich erreichen,“ sagte sie mehr beiläufig. Jedem der beiden war klar, dass sie sich immer auf den anderen verlassen könnten, egal um was es sich handeln würde. Doch Scully wollte Mulders Apartment nicht einfach so verlassen, ohne nicht noch ein Wort zu ihm gesagt zu haben.
Schließlich öffnete sie die Tür und mit einem leisen >klick< wusste Mulder, dass er nun wieder alleine in seinem Apartment war.
Stadtrand von Washington D.C.
ca. zweieinhalb Stunden später
Nachdem Scully sein Apartment verlassen hatte, war Mulder erst einmal ins Bad gegangen und hatte geduscht. Anschließend kramte er die ganzen Fallberichte zusammen und machte sich auf den Weg in das am Stadtrand gelegene Industriegebiet.
Die Straße, auf der Mulder gefahren war, hatte auch schon mal bessere Zeiten erlebt. An manchen Stellen sah sie aus wie ein Schweizerkäse. Doch wen wunderte es. Schließlich wurde diese Straße nur von wenigen Fahrzeugen benutzt. Bei den Industrieanlagen handelte es sich mehr um kleine Firmen. Die einen handelten mit Bauzement, andere wiederum mit Asphaltkies, was Mulder als amüsierte Anspielung auf die Straße nahm.
Nachdem Mulder das Auto verlassen hatte, schaute er sich auf dem Gelände um. Er konnte erkennen, dass es sich bei den Gebäuden hauptsächlich um Lagerhäuser handelte. An vereinzelten Gebäuden hingen Schilder, auf denen man erkennen konnte von welcher Firma dieses Gebäude gemietet wurde.
Mit einem Blick auf den letzten Bericht über den Fall machte sich Mulder auf den Weg zum Fundort. Es dauerte keine zehn Minuten und er stand vor einem vierstöckigen Haus, deren Türen nach außen hin leicht geöffnet waren. Laut dem FBI-Bericht stand dieses Gebäude leer, doch dies erkannte er auch schon, als er sich das Gebäude näher ansah. Die Fenster waren teilweise zerschlagen worden. Wahrscheinlich von ein paar Kids, für die diese Gegend ein einziger Spielplatz zu sein schien, dachte Mulder bei sich. Auch sonst sah das Gebäude heruntergekommen aus.
Vorsichtig öffnete Mulder die knarrende Tür. Durch die zerstörten Fenster schien ein Grossteil der Sonnenstrahlen in das Lagerhaus. Der Boden war mit Sand und Kies bedeckt. In einer der Ecken stand ein alter Schreibtisch und ein Holzstuhl. Aus der einen Richtung konnte Mulder ein Tropfen ausmachen, welches von einer alten Regenrinne herrührte.
Während Mulder in dem Lagerhaus stand lies er seinen Blick in alle Richtungen schweifen. Er stellte sich vor, wie der Täter mit der Frau hier hergekommen sein muss. Wie er die Tür wieder verschlossen haben muss, nachdem er sie hier hatte liegen lassen. Er dachte darüber nach, warum er gerade dieses alte Lagerhaus gewählt hatte.
Mit dem Eindruck, den er durch die Besichtigung des letzen Fundortes bekommen hatte, machte er sich auf den Weg, um sich auch noch die anderen drei Fundorte anzuschauen.
Die Fundorte der anderen drei Opfer waren vielleicht alle in einem Umkreis von 5 Kilometern zu dem Lagerhaus, welches sich Mulder als erstes angeschaut hatte. Und genau wie bei dem ersten Gebäude lies er auch hier die Atmosphäre der einzelnen, leerstehenden Lagerhäuser auf sich wirken.
Es war bereits früher Nachmittag, als Mulder sich wieder auf den Weg zu seinem Apartment machte. Die ganzen Eindrücke, die er in den letzten Stunden eingefangen hatte, mussten nun von ihm zu einem Bild zusammengefügt werden.
* * * * *
Mulders Apartment
26.05. ; etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang
Als Mulder nach der Besichtigung der Lagerhäuser wieder zu Hause eingetroffen war, machte er sich daran, ein entsprechendes Profil über den Täter zu erstellen. Die ganzen Notizen, die er bis dahin zusammentragen konnte, notierte er in seinem Computer.
Der entscheidende Hinweis, der zur Ergreifung der Täters führen könnte, konnte Mulder auch jetzt noch nicht vorweisen. Es war wie verhext. Jedes einzelne Bild der Opfer hatte er inzwischen schon zum tausendsten Mal betrachtet. Die Berichte der Agenten kannte er schon auswendig. Doch trotz der Informationen, die er bis dato hatte, gelang es ihm nicht, sein Profil über den Täter zu vervollständigen.
Durch das Klingeln seines Handys wurde er schließlich aus seinen Gedanken und Überlegungen gerissen. Wie auch schon die Tage zuvor hatte er auch diese Nacht kein Auge zubekommen. Sicher, er war vielleicht für eine Stunde mal kurz eingenickt, aber den ersehnten Schlaf, den sein Körper so dringend brauchte, konnte er ihm einfach nicht geben.
„Mulder.“ kam es ermüdend von ihm.
Mulder konnte am Ende des Telefons die Stimme seines ehemaligen Vorgesetzten hören. „Tut mir leid, wenn ich Sie störe, Agent Mulder, aber es gibt eine erneute Entführung einer jungen Frau.“
Skinner brauchte gar nicht weiter reden, Mulder war auch so klar, dass es sich wieder um den selben Täter handeln musste.
„Ich komme sofort.“ gab er jetzt mit mehr Elan von sich.
„Das Entführungsopfer wohnt in der Bakersstreet.“
Mit den Worten „Alles klar.“ beendete Mulder das Gespräch, wobei er nebenbei schon das Apartment verlassen hatte.
Washington D.C. ; Bakersstreet
Etwa zwanzig Minuten nach dem Telefonat mit Skinner hatte Mulder den Apartmentkomplex an der Bakersstreet erreicht. Es wimmelte nur zu von Polizisten und Polizeiwagen.
Nachdem Mulder aus seinem Wagen ausgestiegen war, sah er auch schon Skinner und wie dieser sich in seine Richtung beweckte.
Ohne große Umschweife erzählte Skinner ihm alle Einzelheiten, die man bis dato in Erfahrung bringen konnte.
„Das Opfer ist Mitte dreißig und heißt Susan Lears. Sie arbeitet als Aushilfsangestellte bei einer Presseagentur.
Eine Bewohnerin hat gegen 8:00 Uhr einen Schrei gehört. Zu unserem Pech ist die Frau blind, so dass eine Beschreibung des Täters nicht möglich ist. Die anderen Anwohner wurden bereits von den Agenten befragt, konnten jedoch keine Aussagen darüber machen, ob sich ein Fremder im Haus aufgehalten hat. An der Apartmenttür des Opfers wurden keine Einbruchsspuren gefunden. Es wird gerade überprüft ob Susan Lears einen Freund hatte oder Single war.“
Mit den Informationen, die Mulder von Skinner erhalten hatte, machte er sich auf den Weg zum Apartment des Opfers.
Die Wohnung von Susan Lears lag im dritten Stock. Das Apartment hatte ein großes Wohnzimmer und ein daran anschließendes Schlafzimmer. Die Einrichtung war ziemlich spartanisch und an den Umzugskartons, die im Flur und auch im Wohnzimmer standen, erkannte Mulder, dass die Frau erst vor kurzem hier eingezogen sein musste. Auf einer Kommode, die sich neben der Eingangstür befand, stand ein Bilderrahmen in dem ein Foto von zwei Frauen zu sehen war.
„Susan Lears ist die Frau mit der Sonnenbrille in den Haaren,“ hörte er Skinners Stimme hinter sich.
Das Foto wurde im Sommer aufgenommen und durch die Sonnenstrahlen, die auf die beiden Frauen schienen, konnte man gut das kastanienfarbene Haar des Opfers erkennen.
„Das Opfer ist vor circa anderthalb Monaten aus Chicago nach Washington D.C. gezogen,“ sprach Skinner schließlich weiter.
Während Mulder diese Informationen von Skinner erhielt wanderte er durch das Wohnzimmer und blieb vor dem Fenster, von dem aus man einen guten Blick auf die Straße hatte stehen.
Er lies seinen Blick über die Straße und den Bürgersteig schweifen. Neben den Polizeifahrzeugen standen inzwischen schon eine handvoll Übertragungswagen von ein paar Fernsehstationen. Ansonsten konnte er nichts auffälliges feststellen.
Mit den Eindrücken, die Mulder gesammelt hatte, verlies er das Apartment und den Tatort und machte sich wieder auf den Weg nach Hause.
Mulders Apartment
Mulder hatte kaum den ersten Fuß in seine Wohnung gesetzt, als er auch schon durch das Klingeln seines Handys aus den Gedanken gerissen wurde.
Am anderen Ende war Scully, die ihn darüber informierte, das sie mit Skinner geredet hätte und wissen wollte, wie es ihm ginge.
Am liebsten hätte Scully Mulder dies persönlich gefragt, aber ihr jetziger Vorgesetzter hatte sie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ihr derzeitiges Arbeitsgebiet die Antiterror-Einheit sei und sie sich ausschließlich auf diese Aufgabe zu konzentrieren hätte. Und so schwer es ihr auch fiel, wusste sie, was für Konsequenzen es hätte, wenn sie sich den Anordnungen ihres Vorgesetzten widersetzen würde.
* * * * *
Stadtrand von Washington D.C.
26.05.
Nebel lag über der Stadt, als sich am Rande der Stadt die Tür eines Lagerhauses öffnete. Friedlich, so hatte es jedenfalls den Anschein, lag die Stadt eingehüllt in eine Nebeldecke vor ihm. Unruhig schweifte sein Blick umher, immer wachsam und prüfend ob ihn auch wirklich niemand gesehen hatte.
Schnellen Schrittes verlies er den Ort. Die Reifen des Fahrzeuges quietschen, als er anfuhr und davonbrauste.
Mulders Apartment
9:43 Uhr
Durch das Klingeln des Telefons wurde Mulder aus dem Schlaf gerissen. Nach den letzten Tagen, in denen er der ständigen Anspannung wegen des Falles ausgesetzt war, hatte sich sein Körper letzte Nacht endlich den ersehnten Schlaf, den er so nötig brauchte zurück geholt. Die Notizen, die er gestern Abend gelesen hatte, lagen auf dem Boden neben der Couch.
Verschlafen erhob er sich von der Couch und ging zum Schreibtisch, der vor dem Fenster stand. Ein bisschen orientierungslos griff er nach dem Telefonhörer.
Schon bevor er den Hörer abgenommen hatte wusste sein Gehirn wer am anderen Ende der Leitung sein würde. Inzwischen waren seit der Entführung zwei Tage vergangen und dieser Anruf würde bedeuten, dass man die Leiche von Susan Lears gefunden hatte.
Mit den Worten „Wo hat man sie gefunden?“ gab er Skinner am anderen Ende zu verstehen, dass er sich auf den Weg machen würde.
Nachdem Skinner ihm den Fundort durchgesagt hatte machte er sich auch schon auf den Weg.
Stadtrand von Washington D.C.
Als Mulder an dem Lagerhaus eintraf war der Leichenbeschauer gerade damit beschäftigt den Leichensack in den Leichenwagen zu bringen.
Ohne große Umschweife ging er auf Skinner zu, der gerade mit einem Polizisten sprach.
„Wer hat sie gefunden?“ war schließlich alles, was er Skinner fragte.
„Zwei Jugendliche haben die Leiche vor circa einer Stunde gefunden. Die beiden werden im Moment von einem Psychologen betreut. Den genauen Zeitpunkt der Befragung der beiden kann man jetzt noch nicht bestimmen.“ hörte er Skinner erzählen, während er sich einen ersten Eindruck über den Fundort machte.
Wie auch schon bei den anderen vier Fundorten handelte es sich auch diesmal wieder um ein leerstehendes Lagerhaus.
Die Spurensicherung war eifrig damit beschäftigt die Blutspuren, die man auf dem Boden entdeckt hatte zu sichern.
„Ich möchte, dass Scully die Obduktion an der Leiche vornimmt.“ wandte er sich wieder Skinner zu.
„Ich habe mich bereits darum gekümmert und Scully vor etwa zehn Minuten darüber informiert.“
Skinner kannte Mulder schließlich nicht erst seit gestern und so war ihm sofort klar, dass es nur eine Person gab, die die Obduktion vornehmen sollte. Es hatte ihn eine Menge Überredungskunst gekostet, aber schließlich hatte er Erfolg gehabt.
Solange die Spurensicherung noch an der Arbeit war, konnte Mulder im Moment nichts weiter machen als abzuwarten bis er alleine sein würde, um das Gefühl des Täters in sich aufzunehmen.
In der Zwischenzeit schaute er sich die umliegenden Gebäude und die Gegend an. Der Fundort lag wieder nur ein paar Kilometer von den anderen Fundorten entfernt und auch diesmal hatte eine Befragung der hier arbeitenden Personen nichts ergeben.
Mit seinen Gedanken bei dem Fall ließ er seinen Blick durch die Gegend schweifen, bis er auf einmal stehen blieb und seine Augen an einem Schild hängen blieben, das an einem Lagerhaus angebracht war. Irgendwie kam ihm dieses Bild, das auf dem Schild zu sehen war, bekannt vor.
<Wo habe ich das nur schon mal gesehen?> spuckte es durch seinen Kopf. <Es ist noch gar nicht so lange her, da bin ich mir sicher.>
Grübelnd darüber, wo er dieses Bild schon einmal gesehen haben könnte, ging er wieder zurück zum Lagerhaus, wo man die Leiche von Susan Lears gefunden hatte.
Es waren inzwischen nur noch Skinner und ein Polizist anwesend, die vor dem Lagerhaus standen.
Wissend, dass Mulder jetzt alleine sein wollte nickte Skinner ihm zu und deutete auch dem Polizisten, dass ihre Arbeit hier zu Ende sei.
Quantico
früher Nachmittag
Nachdem Mulder sich das Lagerhaus genauestens angeschaut hatte und alle Informationen, die für sein Profil nötig waren, zusammengetragen hatte, machte er sich sofort auf den Weg zu Scully.
Als Mulder den Obduktionssaal betrat, war Scully immer noch mit der Untersuchung beschäftigt.
„Was haben Sie rausfinden können?“ fragte er schließlich, nachdem Scully sich ihm zugewandt hatte.
„Das Opfer wurde wie auch die anderen erstickt. Die Leiche weist ziemlich schwere Verletzungen auf. An den Händen und Füßen sind Abschürfungen, die darauf schließen lassen, dass sie mit einer Schnur gefesselt worden ist. Außerdem ist ihr gesamter Körper mit Hämatomen überseht. Auf...“ Scully machte eine kleine Pause ehe sie weiter sprach. „...auf dem Rücken wurde ihr der Buchstabe >R< eingeätzt,“ beendete sie schließlich ihre Ausführungen.
„Was will uns der Mörder denn nur damit sagen?“ vernahm Mulder keine Minute später Scullys Stimme.
„Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um einen Namen handelt. Aber bei der Anordnung der Buchstaben nach der Reihenfolge der einzelnen Opfer ergibt dies keinen Sinn.“
In Gedanken reihte Mulder die Buchstaben aneinander.
–SNIAR-
Was für ein Name könnte nur dahinter stecken? Bereits im Lagerhaus hatte er die verschiedensten Kombinationen durchgespielt. Die Reihenfolge der Buchstaben untereinander anders aneinander gereiht. Doch auch dadurch hatte er nichts finden können, das ihm weiter geholfen hätte. Keines der Opfer hatte ähnliche Buchstaben in ihren Namen. Doch er wusste, dass der Schlüssel zur Auflösung dieses Falles, mit den Buchstaben zu tun hatte.
Nachdem Mulder und Scully sich über ein paar Möglichkeiten dies bezüglich ausgetauscht hatten, machte Mulder sich wieder auf den Weg in sein Apartment.
Mulders Apartment
kurz nach Sonnenuntergang
Seitdem er sein Apartment betreten hatte machte er sich über das Schild, welches er heute auf dem Industriegelände gesehen hatte Gedanken. Wo nur hatte er dieses Schild gesehen?
In Gedanken ließ er die letzte Woche noch einmal Revue passieren. Ging noch einmal an all die Orte an denen er gewesen war.
<Na klar, dass war es.> schoss es ihm auf einmal durch den Kopf und er sprang von der Couch auf. Nicht darauf achtend wo er hintrat, ließ er sich vor seinem Fernseher nieder und schob eine Videokassette in den Recorder.
Es dauert keine fünf Minuten und er hatte die Stelle auf dem Band gefunden, die er gesucht hatte. Zu sehen war eine Nachrichtenaufzeichnung von dem Tag der Entführung des letzten Opfers. Die Kamera zeigte die umliegende Straße und auch die parkenden Autos. Als das richtige Bild im Fernseher erschien drückte Mulder die -Pausetaste- und sah sich das Fernsehbild genauestens an. Man sah einen kleinen Lieferwagen, der gegenüber des Apartments von Susan Lears parkte. Auf der Seitenfront war ein Logo zu erkennen. Das Logo bestand aus einem bläulichem Kreis, in deren Mitte die Buchstaben >TCS< mit gelber Schrift geschrieben waren.
Sofort griff Mulder nach dem Telefonbuch und blätterte den Buchstaben >T< auf. Nach kurzem Suchen fand er schließlich die Buchstaben, die auf dem Lieferwagen zuerkennen waren. Wie sich herausstellte handelte es sich bei den Buchstaben um die Abkürzung für –Thompson’s Clear Service-, eine Gebäudereinigungsfirma. Kaum hatte er gelesen, was sich hinter dem Firmennamen verbarg, kam ihm die Unterhaltung mit Scully wieder in den Sinn.
„So in etwa. Mulder, diese chemischen Verbindungen sind Bestandteile von vielen Reinigungsmitteln, z.B. Rohreiniger oder WC-Reiniger,“ hatte sie vor ein paar Tagen zu ihm gesagt.
Das war er, der entscheidende Hinweis, nach dem Mulder so lange gesucht hatte, um den Fall endlich lösen zu können. Sofort setze er sich mit Skinner in Verbindung und klärte ihn über die neuen Erkenntnisse auf. So schnell wie möglich mussten sie nun an die Unterlagen der Beschäftigten kommen, mussten wissen, wer dort beschäftigt war.
Es dauerte ganze zwei Stunden bis Skinner mit den notwendigen Unterlagen vor Mulders Tür stand.
Nachdem er Skinner kurz darüber informiert hatte, wie er auf diesen Hinweis gekommen sei, verabschiedete sich Skinner wieder und Mulder machte sich daran die Unterlagen zu sichten.
In jede der Beschäftigtenakte war ein kurzer Lebenslauf der Person. Er enthielt die Angaben über Familie, Geburtsdatum des Beschäftigten, Namen der Eltern, Hobbys und den bisherigen beruflichen Werdegang.
Nach mehr als drei Stunden war Mulder mit den Unterlagen durch, aber der Fall war dadurch immer noch nicht gelöst. Aus den Akten der Beschäftigten ergab sich kaum etwas auffälliges. Keiner der Namen passte zu den Buchstaben, die auf den Rücken der Opfer hinterlassen worden waren.
Er musste einfach mehr über jeden einzelnen der Beschäftigten heraus finden. Also schnappte er sich die Unterlagen und machte sich auf den Weg zum FBI Hauptquartier.
Die dortigen Computer würden schon das richtige hergeben.
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FBI Hauptquartier
Großraumbüro ; 4. Etage
27.05. ; kurz nach Mitternacht
Mulder saß vor seinem PC und versuchte über die Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung standen, die fehlenden nötigen Informationen heraus zubekommen. Dies erwies sich jedoch wesentlich schwieriger als von ihm angenommen.
Während er in der Datenbank nach dem entscheidenden Hinweis suchte, spielte er in seinem Kopf noch einmal alle möglichen Kombinationen der Buchstabenanreihung durch.
Auf einem Zettel schrieb er seine Überlegungen nieder...
<... also schön. Ich habe die Buchstaben S , N , I , A und R .
Wenn man nun also als erstes das R nimmt, dann anschließend das A , gefolgt vom N , als vorletztes das I und zum Schluss das S - RANIS - .> geisterte es durch sein Gehirn.
Die verschiedensten Kombinationen standen zum Schluss schließlich auf einem Zettel. Es war fast halb fünf, als er endlich die richtige Information, nach der er so lange suchte gefunden hatte.
Auf dem Bildschirm waren Informationen über einen gewissen Clark Stanton zu erkennen. Nachdem Mulder die Berichte über Stanton kurz überflogen hatte druckte er das ganze aus, während er in der Zwischenzeit schon damit beschäftigt war Skinner telefonisch zu erreichen.
„Verzeihung Sir, dass ich Sie Mitten in der Nacht störe, aber ich benötige einen Haftbefehl für Clark Stanton.“ war alles, was er sagte.
Skinner war sofort klar, dass dies der Serienmörder war, der in den letzten sechs Wochen Washington D.C. in Angst und Schrecken versetzt hatte.
„Geben Sie mir zwanzig Minuten und Sie haben Ihren Haftbefehl,“ antwortete Skinner daraufhin.
Die Ausstellung des Haftbefehls ging sogar noch schneller von statten, als Skinner gedacht hatte.
Skinners Büro
im Laufes des Nachmittags
Skinner saß hinter seinem Schreibtisch, während Mulder und Scully auf den zwei Stühlen, die davor standen, Platz genommen hatten.
Eine Stunde nach dem Telefonat zwischen Mulder und Skinner wurde Clark Stanton verhaftet. In der anschließend durchgeführten Befragung gestand er die Morde an den fünf Frauen.
Nachdem das Verhör beendet war machte sich Mulder daran seinen Bericht so schnell wie möglich zu beenden, um diesen Fall nicht länger als unbedingt nötig bearbeiten zu müssen.
Das Zusammentreffen in Skinners Büro diente nun dazu diesen Bericht noch einmal zu besprechen.
Durch die Dringlichkeit, die mit dem Haftbefehl einherging, war es Mulder nicht möglich Skinner über die gesamten Einzelheiten zu unterrichten.
Da die Autopsie des letzten Opfers von Scully durchgeführt worden war, wollte Skinner auch sie bei der abschließenden Fallbesprechung dabei haben.
Der Bericht, welcher nun auf seinem Tisch lag räumte mit allen noch offenen Fragen, die Skinner bis dato hatte, auf.
Scully hatte den Bericht von Mulder ebenfalls gelesen, aber eine Frage konnte ihr dadurch trotzdem nicht beantwortet werden.
„Mulder, wie sind sie eigentlich auf Clark Stanton gekommen?“, wandte sie sich schließlich an ihn.
„Als ich versuchte mehr Informationen über die einzelnen Angestellten zu erfahren, bin ich über die Unterlagen von Stanton stutzig geworden. Es gab Daten in seinem Lebenslauf die einfach offen waren. Es gab nichts, was eine Lücke, die zwischen seinem achten und elften Lebensjahr bestand, schließen konnte. Also versuchte ich mit Hilfe des Computers diese Lücke zu schließen. Mit Erfolg wie sich raus stellte. Obwohl man sagen könnte, dass dies ein glücklicher Zufall war. Hätte es damals keine Verhaftung gegeben, wäre ich wahrscheinlich nicht so schnell darauf gestoßen.“
Auszug aus dem Fallbericht --- RT07092108-1323
bearbeitender Ermittler: Special Agent Fox W. Mulder
Abteilungsleiter: Assistent Director Walter S. Skinner
Clark Stanton kam im Alter von acht Jahren zu einer Pflegefamilie, nachdem seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren.
Robert und Claire Brains hatten zuvor schon einmal ein Pflegekind gehabt. So wie es schien hatte Clark Stanton eine Familie gefunden, die ihn von seiner Trauer, welche er durch den Tod seiner Eltern empfand, erlösen konnte. Doch dem war nicht so. Anderthalb Jahre, nachdem er zu den Brains gekommen war wurde er das erste Mal von Claire Brains verprügelt. Dies war der Anfang eines monatelangen Leiden, dem er nichts entgegen setzen konnte. Laut den Krankenhausberichten, die über ihn aus der damaligen Zeit existieren, wurde er des öfteren mit Prellungen und Quetschungen in der Notaufnahme aufgenommen.
Nachdem sich die Krankenhausbesuche häuften wurden die Ärzte stutzig. Doch bis dahin hatte sein Leiden unerträgliche Ausmaße angenommen. Wenn Clark nicht sofort der Aufforderung von Mrs. Brains nachkam wurde er von ihr mit einem Bügel verprügelt oder es wurden Zigaretten auf seinen Oberarmen ausgedrückt.
Bis zu dem Tag, an dem Mrs. Brains im Krankenhaus festgenommen wurde, hatte Mr. Brains nicht die geringste Ahnung von dem Leiden, das Clark über sich hatte ergehen lassen musste.
Mr. Brains war zu der damaligen Zeit LKW-Fahrer und die meiste Zeit über im ganzen Land unterwegs.
Nachdem man Mrs. Brains verhaftet hatte kam Clark Stanton in ein Kinderheim, aus dem er jedoch im Alter von fünfzehn Jahren weglief.
Durch eine Erinnerung an die Zeit seines Leidens wurde der Hass, den er in der Zwischenzeit Frauen gegenüber aufgebaut hatte verstärkt. Der Drang nach, wie es für ihn schien, Gerechtigkeit wuchs.
Durch seinen Beruf lernte er die einzelnen Opfer kennen. Wie sich im nachhinein herausgestellt hat, hatten alle Opfer eine Ähnlichkeit mit der Frau, der Clark Stanton sein Leiden zu verdanken hatte.
Sie alle waren Mitte dreißig und hatten rötliches bzw. kastanienfarbenes Haar. Durch den Zugang, den er durch seine Arbeit in die Wohnhäuser der Opfer bekam, konnte er die Frauen ohne großes Aufhebens entführen. Durch die Zeugenbefragung stellte sich heraus, dass er seine Opfer die gesamte Zeit über, seit der Entführung bis zur Entdeckung der Leichen, in einem Lagerhaus von -Thompson’s Clear Service- versteckt hatte. Da in diesem Lagerhaus alte Materialien, die in den nächsten Monaten entsorgt werden würden, lagerten, brauchte er nicht damit rechnen, dass ihn jemand auf die schliche kommen würde.
Auch durch die Tatsache, dass Stanton für die Reinigung der Häuser zuständig war, konnten die Bewohner nie Angaben darüber machen, dass sich ein Fremder im Haus aufgehalten hätte.
Anhand der Unterlagen über Mrs. Brains konnte geklärt werden, was für eine Bedeutung die Daten der Entführungen für den Täter hatten.
Mrs. Brains wurde am 06.06.19646 geboren und zu allem Überfluss bestand ihr Name ebenfalls aus sechs Buchstaben. Clark Stantons Hass war so groß, dass er in solche „Kleinigkeiten“ seine gesamte Wut und seinen gesamten Hass hineinprojizierte. Es gab ihm Befriedung, wenn er die Frauen entführte und ihnen die gleichen schrecklichen Dinge antat, die auch er hatte erleiden müssen.
Sein Innerstes jedoch wollte endlich Ruhe vor den Erinnerungen haben. Deshalb versuchte er an Hand der Buchstaben, die er in die Rücken der Opfer ätzte, die Polizei in seine Richtung zu locken.
Den Zeitpunkt seiner Festnahme und die damit für ihn verbundene Erlösung wollte er allerdings selbst bestimmen. Daher schrieb er die Buchstaben des Namens -Brains- auch in umgekehrter Reihenfolge auf die Rücken der Opfer.
Auch die Tatsache, dass die Fundorte der letzten beiden Opfer immer näher an das Lagerhaus von -Thompson’s Clear Service- rückten, sollten den Behörden helfen, ihn als Täter zu entlarven.
Nach der Untersuchung des Lagerhauses von -Thompson’s Clear Service- konnte auch die Salzsäure ähnliche Chemikalie, mit denen die Buchstaben in die Rücken der Opfer geätzt worden war sichergestellt werden.
Wie im Obduktionsbericht von Special Agent Dana K. Scully bereits erwähnt, handelte es sich bei der Chemikalie um einen Rohrreiniger, der, wie man feststellen konnte, aus dem Bestand von -Thompson’s Clear Service- stammt. Da der verwendete Rohrreiniger ausschließlich für Großreinigungen hergestellt wird, ist die Konzentration der beiden Chemikalien, Natriumhydroxid und Natriumhypochlorit, um ein vieles höher als bei handelsüblichen Reinigern. Daher waren die Verletzungen bei den Opfern wesentlich stärker ausgeprägt.
Stantons Aussage zu Folge hätte er die letzte Leiche des letzten Opfers im Lagerhaus von -Thompson’s Clear Service- „dargeboten“. Durch diesen Umstand sollte die Polizei schließlich auf seine Fährte geführt werden. Bei der Überprüfung der Angestellten wäre man höchstwahrscheinlich auf die betreffende Lücke in seinen persönlichen Daten gestoßen.
Trotz der Tatsache, dass sein Peiniger, Mrs. Claire Brains, immer noch lebt, reichte ihm die Genugtuung, den Frauen die selben Schmerzen erleben zu lassen, wie er sie durchstehen musste, vollkommen aus.
Nachdem Mulder den Bericht mit Skinner noch einmal durchgegangen war, verließen er und Scully Skinners Büro.
Von nun an hieß es für Mulder wieder -Antiterrorbekämpfung- . Obwohl ihm diese Arbeit keinen Spaß machte war er doch froh darüber, diesen Job ausüben zu dürfen. Denn durch die Arbeit der letzten Zeit war er physisch und psychisch total am Ende. Auch wenn es ihm in den nächsten Tagen und Wochen immer noch schwer fallen würde, nachts den ersehnten Schlaf zubekommen, so wusste er doch, dass sein Gehirn ohne jegliche Bedenken abschalten könnte.
Georgetown
Scullys Apartmentkomplex
06.06. ; 7:18 Uhr
Seit mehr als einer Woche ging die Arbeit für Scully und Mulder bei der Antiterror-Einheit seinen üblichen Ablauf.
Noch ein wenig verschlafen machte Scully sich an diesem Morgen schließlich auf den Weg zum FBI Hauptquartier, welches sie wenig später erreichte.
Kurz nachdem Scully ihr Apartment verlassen hatte fuhr ein weißer Lieferwagen die Straße entlang und kam kurz vor ihrem Hauseingang zum stehen. Ein junger Mann in Arbeitskleidung stieg aus dem Auto und machte sich an der Hintertür des Lasters zu schaffen. Nach ein paar Minuten hatte er alle nötigen Arbeitsmaterialien zusammen und betrat den Hausflur, den Scully vor gut einer halben Stunde verlassen hatte. Vor ca. zwei Wochen hatte er sich die Arbeit noch mit einem Kollegen geteilt, doch nun war er auf sich alleine gestellt.
ca. anderthalb Stunden später
Nachdem der Mann mit seiner Arbeit fast fertig war, gab es nur noch eines, was er machen musste. Gekonnt wischte er die Glasscheibe an der Hauseingangstür trocken, während er dabei auf den Lieferwagen schaute. Trotz der Sonne, die inzwischen herrlich vom Himmel strahlte, konnte er das blaue Logo mit den gelben Buchstaben von -TCS- erkennen.
The End
So Leute, ihr habt es geschafft. J
Auch wenn es eine schwere Geburt war, die Story zu schreiben, bin ich doch stolz auf mich, dass ich nicht aufgegeben habe.
Hoffentlich hattet ihr ein bisschen Spaß daran, die FF zu lesen.
An dieser Stelle möchte ich mich auch noch bei Trahnfisch bedanken, in der ich eine liebe Freundin gefunden habe. Mit der ich über alles mögliche reden kann und die mir immer zu hört und mir bei meiner kleinen Krise, die ich während des Schreibens hatte, wieder Mut gemacht hat.
Thanx und *ganzdickesknuddl* an dich.
Außerdem möchte ich mich auch noch bei Mary bedanken, durch die ich überhaupt auf diese Idee gekommen bin. Eigentlich wollte ich für sie eine MSR schreiben, aber da ich mich dabei so verrannt hatte und mein jetziger Grundgedanke da kein Platz fand, entstand daraus nun diese FF hier. Auf was für Ideen man doch kommt, wenn man nur mal sein Badezimmer ein bisschen sauber machen will *lol*.
Noch eine kleine Erklärung zu dem Titel der FF:
"Sita" ist Swahili und bedeutet -sechs- . Diese Zahl bezieht sich wiederum auf den Namen Brains. ;-)
Bis demnächst, wenn ich euch wieder auf eine kleine Reise meiner Fantasien mitnehme, doch bis dahin heißt es mal wieder nur...
--„The Truth Is Out There“--