Resümee der Jahre von Trahnfisch

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Titel:             Resümee der Jahre

Autor:         Trahnfisch

Kontakt:          Trahnfisch@gmx.de

Beta:               WoD

Kontakt:          Marion.Death@t-online.de

Rating:            PG 13, denk ich

Kategorie:       Skinner POV, MSR

Spoiler:           Es sind wohl zu viele, um sie hier alle aufzuführen

Short Cut:      Skinner ist nicht in der Lage seiner Arbeit nachzugehen. Zu viel geht ihm durch d                   den Kopf.

Disclaimer:      Keine der hier aufgeführten Figuren ist meinem Geist entsprungen. Ich borge sie mir nur um meiner Phantasie freien lauf lassen zu können.

Die Rechte an diesen Figuren liegen bei CC, 1013 Productions, 20th Century Fox u                  und bei den Schauspielern, welche diesen Figuren eine Seele gaben.

Autors Note: Ich möchte mich schon einmal im Vorfeld bei allen Anti-Shippern, also  ganz

besonders bei WoD, entschuldigen für das, was ich hier jetzt fabrizieren werde.

Du wirst mich dafür hassen, oder du wirst es gar nicht erst lesen und ich weiß, es gibt wohl nicht viel, was kitschiger ist, als das hier. Ganz davon abgesehen gibt es das auch wohl schon in tausendfacher Ausführung, aber mir ist einfach danach.

Inspiriert wurde ich hierzu von verschiedenen Videos, sowohl von xGirl, als auch von spookydogstar.

Sorry Leute, in meiner Brust schlägt ein unverbesserliches Shipperherz!!!

 

 

 

Resümee der Jahre

 

 

Natürlich, ich sollte meine Arbeit tun, doch bin ich nicht in der Lage meine Gedanken von den beiden Menschen zu nehmen, die heute vor einem Jahr alles verloren haben, was sie hatten. Ich habe sie begleitet, über eine lange Zeit hinweg, und ich denke, ich kann behaupten, ich kenne sie. Beide.

Ich denke nicht, dass es irgendeinen Menschen gibt, der mehr verloren hat, als diese beiden. Auch wenn sie im Endeffekt immer noch das haben, was wirklich wichtig für sie ist, sich selbst.

Ihre Liebe.

Lange habe ich nichts von dieser Liebe gewusst, auch wenn ich im tiefsten Inneren immer geahnt oder gespürt habe, dass sie existierte.

Doch wirklich klar wurde es mir erst, als sie sie ihm wegnahmen. Ich hatte viel gesehen, sowohl in meiner Zeit beim FBI, als auch in Vietnam, doch ich habe noch keinen Menschen gesehen, der so alles verschlingend, so selbstzerstörerisch litt wie Mulder.

Er schlief nicht mehr. Und ich meine wirklich überhaupt nicht. Nicht einmal ein paar Stunden in der Nacht.

Er aß kaum noch etwas, doch er war häufig in seiner Stammkneipe anzutreffen. Obwohl er offenbar mit Margaret Scully sprach, half ihm die Stärke dieser Frau nicht, wie ich es gehofft hatte. Ich war erstaunt, dass diese beiden Menschen, die unterschiedlicher nicht sein konnten, sich so bedingungslos beistanden, wie es zwischen Scullys Mutter und Mulder der Fall war.

Doch Mulders Leid wurde auch nicht durch die Rückkehr seiner Partnerin beendet. Die Angst, sie nun endgültig zu verlieren, ließ ihn Tag für Tag weiter vom Leben wegdriften, tiefer hinein in Selbstanklage, Selbsthass und Schuld.

Doch ich konnte nichts für ihn tun. Zu genau wurde ich beobachtet, von gerade den Menschen, die es darauf angelegt hatten, ihn langsam und systematisch zu zerstören.

Obwohl Scully zu ihm zurückkehrte, waren doch die Schuld an dem, was ihr zugestoßen war, und die Angst vor einer neuerlichen Trennung allgegenwärtig.

Ich wusste die Bindung zwischen den beiden war enger geworden, doch war mir nicht klar, wie eng sie zu diesem Zeitpunkt bereits war.

Mulder wäre für Scully gestorben, ohne nachzudenken, ohne Fragen zu stellen, einfach so. Doch genauso wäre auch Scully für ihren Partner in die Hölle zurückgegangen.

Der Bericht von dem „Donnie Pfaster“- Fall machte mir erst deutlich, wie sehr Scully von dieser Entführung und den Tests, an die sie sich jedoch nicht erinnern konnte, traumatisiert war, und dennoch bin ich der Ansicht, sie wäre jederzeit wieder an diesen Ort zurück gegangen, wenn es das gewesen wäre, was ihren Partner hätte retten können.

 

Es schien, als wären sie beide in der Lage ihre Ängste und Schuldgefühle hinter sich zu lassen, bis der nächste Schicksalsschlag kam.

Dieses Mal war es Mulder, der verschwand. Irgendwo in einer Wüste in einem Eisenbahnwaggon. Scully war nicht in der Lage ihn zu finden, und die Suspendierung, die man ihr auferlegte, schien ihr den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Ich werde wohl niemals die Angst vergessen, die ich in ihren Augen lesen konnte, als sie mich in Mulders Wohnung mit der Waffe bedrohte. Verzweifelt, weil sie nicht wusste, wem sie noch trauen konnte und wem nicht.

Doch auch die Erleichterung, die nur kurze Zeit später in ihnen aufblitzte, als ihr Partner sein Appartement betrat, ihr beistand und sie beschützte.

Sicher, Scully ist wohl die stärkste Person, die ich je in meinem Leben kennen gelernt habe und ich liebe sie mit jeder Faser meines Herzens, doch war mir von Anfang an klar, dass sie zu Mulder gehörte, dass ich kein Recht hatte, diese beiden Menschen voneinander zu trennen.

 

Der Tod ihrer Schwester, die an ihrer Stelle gestorben war, war wohl eine Wunde, die niemals in all den Jahren verheilt ist.

Auch der Verlust ihrer Tochter, kannte sie sie auch nur kurz, hinterließ eine sehr große und tiefe Narbe, von der ich nicht sicher bin, ob Mulder jemals von ihrer Existenz wusste.

Die schreckliche Diagnose, die sie nur kurz zuvor erfahren hatte, hatte mich schwer getroffen. Ich hoffte und betete, dass Scully einen Weg finden würde, dem Schicksal zu entkommen. Auch wenn Mulder versuchte, seine Gefühle und Gedanken zu verbergen, mir war klar, dass er noch mehr litt, als ich es tat, und vermutlich sogar noch mehr, als Scully.

Die Angst seine Partnerin zu verlieren, wurde von Tag zu Tag, von Woche zu Woche deutlicher. Er zeigte sie nur selten offen, doch ich wusste, dass die sich häufenden Alleingänge, die Tatsache, dass Scully immer öfter verängstigt und besorgt in meinem Büro erschien und mich fragte, ob ich etwas von Mulder wisse, ein deutliches Zeichen für seine Verzweiflung waren.

Und auch meine Verzweiflung wuchs. Jedes Mal, wenn Scully mich aufsuchte, sah sie schlechter, kränker aus. Ich erwischte sie mehr als einmal dabei, wie sie versuchte ein blutbeschmiertes Papiertaschentuch verschwinden zu lassen, wenn ich das Kellerbüro betrat.

Ich selber versuchte alles in meiner Macht stehende, um ihr und Mulder zu helfen, um das Leben dieser Frau zu retten.

Es schien aussichtslos.

Ich bin auch heute noch nicht sicher, was ihr letzten Endes das Leben gerettet hatte. Mehr als einmal war ich heimlich in das Krankenhaus gegangen. Ich wusste, Scully ging es schlecht, sie schlief viel, und ich wusste, Mulder war sehr beschäftigt damit, etwas zu finden, was sie retten würde. Noch heute, nur bei den Gedanken daran, zieht sich mein Magen schmerzhaft zusammen, wenn ich mich daran erinnere, wie blass und schwach sie wirkte. Ihre Augen lagen in tiefen, dunklen Höhlen und ihre Atmung war flach. Zu sehen, wie sie langsam starb, brachte mich beinahe um. Aber was musste Mulder dann gefühlt haben? Wie musste er gelitten haben, sie so zu sehen?

Ich vermochte es mir nicht vorzustellen, ich vermag es auch heute nicht.

 

Doch sie überlebte, sie wurde wieder gesund.

Ich dachte, sie hätten nun genug durchgemacht, hätten genug gelitten, doch ich hatte mich getäuscht.

Sie nahmen sie ein weiteres Mal mit. Und auch wenn ich Mulder in der Zeit nicht zu Gesicht bekam, da ich nicht mehr ihr direkter Vorgesetzter war, wusste ich, er würde bis ans Ende der Welt gehen, um Scully zu retten.

Und er tat es.

Ich habe den Bericht gelesen, der Scully Rettung beschreibt. Habe gelesen, dass man sie einem Virus ausgesetzt hatte, dass sie in einer Eiskapsel gefangen war und dass sie um ein Haar gestorben wäre. Mein Herz blutet, wenn ich daran denke, was für eine Angst die beiden gehabt haben müssen.

Doch sie schafften es wieder. Etwas womit ihre Feinde wohl niemals gerechnet hätten.

Es war noch nicht viel Zeit vergangen, nachdem Mulder Scully aus dem Eis gerettet hatte, als er sie erneut abgehängt hatte. Ich habe Scully selten so verloren gesehen, wie an dem Tag, als sie in mein Büro stürmte, mit einem Zettel in der Hand und der Bitte, ein paar Informationen für sie zu beschaffen.

Dennoch, obwohl ich nichts lieber getan hätte, als sie in den Arm zu nehmen und sie zu halten, ihr Trost und Zuversicht zu geben, waren mir die Hände gebunden.

Es brauchte erst eine Standpauke von ihr, die mir ihre Courage vor Augen hielt, um mich wach zu rütteln.

Ich bekam für meine Hilfe das wohl größte Geschenk, welches ich mir hätte wünschen können. Sie küsste mich. Nicht langsam und liebevoll, sondern voller Dank und Ehrfurcht, aber es war ein Kuss und ich bekam einen Eindruck davon, was ich mir tief im inneren schon seit Jahren wünschte. Unwillkürlich hebe ich meine Hand und berühre meine Lippen, spüre erneute die Weichheit ihrer Lippen auf meinen und ein Lächeln legt sich auf mein Gesicht, während ich es mir gestatte, meine Augen einen kleinen Moment zu schließen.

Doch verweile ich nicht lange an diesem Ort meiner Erinnerungen, die Jahre mit den beiden Agenten ziehen weiter an meinem inneren Auge vorbei.

 

Ein weiterer Schicksalsschlag griff nach den beiden Agenten, als Agent Mulder plötzlich sehr krank wurde. Ausgelöst durch den Abdruck eines Artefaktes von dem er behauptete, es sei außerirdisch.

Dieses Mal war es Scully, die bis ans Ende der Welt ging, um ihn zu retten. Sie reiste nach Afrika, in der Hoffnung dort etwas zu finden, was diesen Mann retten würde. Doch sie kam mit leeren Händen wieder.

Ich habe sie niemals so schön gesehen, wenn auch besorgt, wie in diesem langen hellen Rock und den zusammen gebundenen Haaren, als sie in meinem Büro stand.

Es war schwer für mich, ihr zu beichten, dass ich versagt hatte, als ich ihn zusammen mit diesem Michael Kritschgau besucht hatte, versucht hatte, ihm zu helfen.

Doch sie gab nicht auf.

Die Angaben in dem Bericht waren dürftig und für mich nicht schlüssig. Ich weiß nicht, wie sie ihn schließlich gefunden hat, wie sie wissen konnte, wo er war, und ihn retten konnte. Doch sie fand ihn, beinahe so, als wären sie mit einem unsichtbaren Band verbunden und so immer in der Lage, den anderen zu finden, egal wo er sich aufhielt.

 

Niemals werde ich wohl die Sorge und das Mitgefühl vergessen, welches in Scullys Augen zu sehen war, als sie Mulder mitteilen musste, dass seine Mutter verstorben war. Der Unglaube, der sich auf Mulders Gesicht legte, und die Tatsache, dass ich ihn nur Minuten zuvor in einem sehr schroffen Ton zurechtgewiesen hatte, ließen mich schlucken. Ich hatte Mitleid mit dem Mann, der in seinem Leben schon so viele Verluste hinnehmen musste.

Ich erfuhr erst später, dass er mit dem Tod seiner Mutter nicht nur sie, sondern auch Samantha für immer verloren hatte, und ich wünschte mir, mehr als jemals zuvor, dass ich die Zeit für ihn zurück drehen könnte. Ich konnte es nicht.

Natürlich war Scully bei ihm, als ich ihn aufsuchte um ihm zu sagen, dass die Eltern der kleinen AmberLynn ihn sprechen wollten. Und ich konnte nicht verhindern, dass ich einen Stich von Eifersucht spürte.

Doch dieser verflog rasch, als ich sah, wie sehr Scully mit ihrem Partner litt, wie groß ihre Sorge um den Mann war.

Die Blicke, die sie ihm vor dem Haus der LaPierres zuwarf, machten mir ihre Gefühle für ihn, nur allzu klar.

Und nur kurze Zeit später auf diesem riesigen Feld, demonstrierten mir die Agenten zum ersten Mal das, was ihnen schon seit Jahren hinter vorgehaltener Hand von anderen Agenten nachgesagt wird. Sie brauchten keine Worte. Sie verstanden sich ausschließlich durch Blicke, die sie sich zuwarfen. Ich erinnere mich noch an die Gänsehaut, die mir bei der Erkenntnis den Rücken hinunter gelaufen ist. Ehrfurcht durchflutete mich für diese beiden Menschen, die so nahtlos aufeinander eingespielt waren.

Dennoch verließ sie ihn später und ich konnte mir nicht erklären warum. Wollte sie ihm damit deutlich machen, dass er Dummheiten machte? Oder hatten sie eine Meinungsverschiedenheit? Oder war sie der Meinung, dass sie in Washington mehr in Erfahrung bringen konnte? Ich wusste es nicht, und auch heute, Jahre später fällt mir keine plausible Erklärung dafür ein.

 

Sie kehrte zu ihm zurück, in der wohl schwersten Stunde seines Lebens. War für ihn da, während er das Tagebuch las, welches er offenbar in einem verlassenen Stützpunkt fand. Auch später, während der Beerdigung stand sie ihm bei und wieder wurde deutlich wie eng die Bindung zwischen ihnen war.

 

Ein Seufzen entweicht meinen Lippen, als mein Geist, ruhelos wie er in der letzten Zeit des Öfteren ist, weiter in der Erinnerung herum streift.

Der wohl schlimmste Tag meines Lebens und zwei schwere, lange Jahre werden nun in meinen Gedanken wieder präsent.

Ich verlor ihn. Ich war der derjenige, der nicht auf ihn aufgepasst hatte, obwohl ich es Scully vor unserer Abreise versprochen hatte.

Sie war diejenige, die ihn begleiten wollte, doch er weigerte sich, ließ sie zurück, aus Angst, dass sie ihm erneut genommen würde. Scully kam spät am Abend, blass und mit sorgenvollem Gesicht zu mir und bat mich, Mulder zu begleiten, auf ihn zu achten und ihn zu beschützen. Ich konnte ihr die Bitte nicht abschlagen, und begleitete ihn.

Wie sollte ich ihr beichten, dass ich ohne ihn nach Hause gekommen war? Wie sollte ich vor irgendjemandem zugeben, was ich in diesem Wald gesehen hatte, was geschehen war?

Mein Herz brach im gleichen Moment wie das von Scully. Die Tränen in ihren blauen Augen waren beinahe unerträglich für mich.

Ich sollte sie nicht zum letzten Mal gesehen haben, an diesem Tag im Krankenhaus.

Die Tatsache, dass Scully schwanger war, trotz der für sie niederschmetternden Prognose der Unfruchtbarkeit, zeigte mir nur noch deutlicher, dass diese beiden Menschen offenbar den letzten Schritt der Vereinigung gegangen waren, dass sie unwiderruflich zusammen gehörten und dass sie nicht getrennt werden durften, egal durch wen oder was.

Von diesem Tag an, an dem ich Scully gebeichtet habe, dass ich ihn im Wald verloren hatte, lebte sie in Angst. In Angst, dass er nicht mehr wieder zu ihr zurückkehrte, in Angst, was sie ihm antaten. Wie sehr er leiden musste.

Ihre Suche war nicht weniger intensiv wie die Mulders, während ihrer Entführung vor vielen Jahren. Sie lebte nach seinen Prinzipien, vertraute niemandem und glaubte, wie ich niemals erwartet hätte, dass sie glauben könnte.

Noch heute sehe ich sie wie versteinert vor dem Grabstein sitzen, sehe, wie sie tief in ihren Erinnerungen versunken mit den Tränen kämpft, bemüht, die Fassung nicht vollständig zu verlieren und den Agenten, die um sie herum arbeiteten, nicht noch mehr Stoff zum Reden zu geben.

Was muss nur in ihr vorgegangen sein?

Ich hielt mich im Hintergrund, zeigte ihr mein Mitgefühl in kleinen, flüchtigen Gesten, in dem ich ihr die Hand auf die Schulter legte oder sie beruhigend und aufmunternd ansah.

Ob ich Erfolg damit hatte, ob ich in der Lage war, den Schmerz, den sie empfand, ein wenig zu lindern, wusste ich nicht.

Ich merkte jedoch, wie die Liebe, die ich für sie empfand, mit jedem Tag mehr wuchs, die Achtung vor ihr stetig stieg.

 

Ich hatte beinahe das Gefühl, dass sie begann, ihr Leben ohne ihn zu leben, dass sie sich abgefunden hatte mit dem Verlust, der sie ereilt hatte, auch wenn sie weiterhin jedem Hinweis nachging, der eintraf. Doch ihr ängstliches Gesicht, als ich ihr mitteilte, dass Theresa Hoese gefunden worden war, zeigte mir, dass es nicht so war. Sie hatte sich nicht abgefunden, sie zeigte lediglich ihre Trauer nicht offen.

Erst in der Nacht bevor Mulder gefunden wurde, erfuhr ich von ihren Alpträumen, von ihren Ängsten und Gedanken. Ich erschrak, als sie mitten in der Nacht an meine Tür klopfte und ich muss gestehen, sie hat mir mit ihrem Gerede über die Sterne wirklich Angst gemacht, doch ließ ich mir das nicht anmerken und war im Grunde froh und dankbar, dass sie mich teilhaben ließ, dass sie mich sie trösten ließ.

 

Ich habe bisher niemandem erzählt, dass ich die ganze Nacht, nachdem Mulder tot auf diesem Feld gefunden wurde über der Toilette gehangen hatte. Die Fassungslosigkeit, die Trauer, die Hoffnungslosigkeit, die Scully empfunden hatte, waren so deutlich, dass ich mir wünschte, jemand würde mich töten, damit ich es nicht erleben musste.

Ich wünschte mir, dass ich dort liegen würde, und nicht Mulder. Doch ich starb nicht, und Mulder wurde, zumindest zu dem Zeitpunkt, nicht wieder lebendig.

 

Die Trauer, die sie versuchte zu verstecken, als wir vor seinem Grab standen, brachte mich ein weiteres Mal um, doch obwohl auch ihre Mutter mit dort war, war ich es, an den sie sich schließlich lehnte, dem sie gestattete, ihr beizustehen.

Ich wünschte, ich hätte mehr für sie tun können, als das.

 

Drei Monate später begann mein Weltbild zu wanken, als klar wurde, dass Billy Miles lebte, unter Umständen, die dies nicht möglich sein lassen konnten.

Niemals werde ich Scullys Anblick vergessen, einen wundervollen Bauch, das Gesicht blass, jedoch voller Hoffnung, als sie in das Krankenhaus gestürmt kam.

Ich blieb hart und konsequent und verbot ihr, Mulder zu sehen. Sie hätte es nicht verkraftet, und ich hätte es nicht verkraftet sie so verzweifelt zu sehen.

Ich beobachtete sie, wie sie, die Hände gefaltet und in stumme Gebete vertieft, neben mir ausharrte, mein Verbot hassend, es aber dennoch achtend.

Wer oder was auch immer das Schicksal dieser beiden Menschen bestimmt hatte, ich verdammte dieses Wesen für seine Grausamkeiten.

Die nächsten Wochen waren hart. Ich bangte um Mulder, jedoch genauso um Scully und ihr ungeborenes Kind.

Ich haderte mit dem Schicksal, als dieser Bastard Krycek mir einen Deal anbot. Er legte die Entscheidung was wichtiger wäre, Mulder oder Scullys Baby, in meine Hände.

Ich traf die Entscheidung und rettete damit Mulders Leben.

Niemals wieder werde ich so erleichtert sein, wie in dem Moment, als Scully mir sagte, dass ich Mulder mit meiner Handlung nicht getötet, sondern ihn gerettet hatte.

Doch obwohl Mulder lebte, obwohl Scully nur wenig später ein gesundes kleines Baby zur Welt brachte, hatten sie keinen Frieden.

Die Menschen, die hinter der Verschwörung steckten, gaben keine Ruhe. Ihr Plan, Mulder in einen Supersoldaten zu verwandeln, war fehlgeschlagen. Mulder und Scully erfuhren, dass sie beide in Gefahr waren, und so entschied Mulder sich, seine kleine Familie zu verlassen.

Scully war wieder alleine. Alleine mit einem Sohn, um den sie sich zu kümmern hatte, den sie von ganzem Herzen liebte und der sie Tag für Tag an Mulder erinnerte.

Ich wusste nicht, ob die beiden Kontakt hatten, ich wusste nicht, ob Scully Mulder jemals mitteilte, wie sehr sie ihn vermisste, und ich wusste nicht, ob sie ihn über das, was geschah auf dem Laufenden hielt.

Doch ich ahnte, dass sie die Entscheidung William weg zu geben alleine getroffen hatte. Sie wusste, sie würde ihn nicht beschützen können.

Ihre Liebe zu diesem kleinen Kind war so groß, dass sie den Schmerz, den dieser Schritt mit sich brachte, der sich tief in sie hinein fraß und sie beinahe umbrachte, in kauf nahm, um es zu schützen.

Ich begleitete sie, als sie William dem Jugendamt übergab. Sie weinte nicht, demonstrierte eine Stärke, die ich niemals in der Lage gewesen wäre, aufzubringen.

Doch die Fahrt zurück verlief schweigsam. Sie reagierte abwehrend, als ich sie in ihre Wohnung begleiten wollte, mied meinen Blick und ich ahnte, dass sie kurz davor war, ihre Fassung zu verlieren. Offenbar wollte sie dabei alleine sein, sich vergraben und niemals wieder hervorkommen.

 

Ich hatte sie anschließend einige Tage nicht gesehen. Und wenn ich sie sah, dann wirkte sie in sich gekehrt und apathisch. Ich befürchtete schon, dass dieser letzte Schritt, den sie zwar aus vollster Überzeugung getan hatte, sich aber offensichtlich dennoch nicht verzeihen konnte, zu viel für sie gewesen war.

Erst das erneute und sehr unerwartete Auftauchen von Mulder ließen sie wieder die kühle, professionelle Agentin werden. Sie stellte genau die Fragen, die mir auf der Seele brannten. Seit wann war er hier, warum war er hier?

 

Doch die Fassade begann schon kurze Zeit später zu bröckeln. Seine Reaktion auf sie, machte ihr sehr zu schaffen und ich erinnere mich, dass ich ihn am liebsten genommen hätte, um ihn zu schütteln. Ich hatte das Bedürfnis ihn anzuschreien, ihm zu sagen, was diese Frau wegen ihm alles durchgemacht hatte in den letzten Monaten, und dass sie eine andere, ehrlichere und innigere Begrüßung verdient hätte.

Sie war so verstört, schien so hilflos zu sein.

Dennoch stand sie zu ihm, versuchte alles um ihn zu retten, und sie wurde belohnt. Ich hätte immer gedacht, dass ich vor Neid platzen würde, oder vor Eifersucht sterben, wenn ich jemals sehen würde, wie diese Frau von einem anderen Mann berührt würde. Doch so war es nicht.

Zu sehen, wie diese Frau sich fallen ließ, wie sehr sie dem Mann vertraute, wie sehr sie ihn liebte, ließen mein Herz bis zum Hals klopfen. Ich war dankbar, dass ich nichts sagen musste, ich war nicht sicher, ob ich es gekonnt hätte, ohne in Tränen auszubrechen.

Sie war zu Hause. Sie war glücklich. Und das zu wissen, machte auch mich glücklich.

 

Das Glück hielt nicht lange an. Mulder sollte sterben. Er hatte die Wahrheit erfahren, auch wenn er sie uns nicht mitteilte, doch seine Gegner fürchteten ihn nun so sehr, dass sie ihn töten wollten.

Sie wählten den legalen Weg, er wurde von einem Gericht verurteilt.

 

Ich wusste, ich musste handeln, und ich war dankbar, dass Agent Doggett und Agent Reyes mir ohne weiteres folgten, mir halfen.

 

Nun ist es bereits ein Jahr her, seit die beiden das Land verlassen haben. Ich war nicht untätig in diesem Jahr. Offiziell tat ich nichts, ich konnte es nicht, doch meine Freizeit verbrachte ich damit, diesen kleinen Jungen zu suchen, der vielleicht unser aller Schicksal verändern sollte. Er musste zurück zu seinen Eltern.

Bisher war ich noch nicht erfolgreich, doch ich gebe nicht auf. Und ich weiß, Agent Doggett und Agent Reyes geben auch nicht auf.

 

Mit einem weiteren, tiefen Seufzer greife ich in die Tasche meines Mantels, welcher sorgsam gefaltet über meinem Stuhl hängt. Eine Karte, der Stempel aus Irland, befindet sich darin. Mein Blick verweilt einen Moment auf dem Bild, ein einfacher Stein, vor einem blauen Himmel, saftig grünes Gras darunter.

Natürlich sind die Namen der Absender nicht ihre richtigen Namen, doch weiß ich, dass es eine weitere Karte von ihnen ist.

Es geht ihnen gut, solange ich jeden Monat eine Karte von ihnen bekomme, ist alles in Ordnung.

So hatten wir es abgemacht. Und so geschieht es, seit einem Jahr, jeden Monat.

 

Ende

 



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