Seitentitel
Teil 3 unserer Reise.
Nachdem wir langsam der Portugiesen überdrüssig werden, beschliessen wir, wieder nach Spanien aufzubrechen. Unser Ziel soll irgendwo an der "Costa de la Luz" liegen. Außerdem können wir so vielleicht die portugiesischen Ameisen loswerden. Am kühlen Vormittag brechen wir auf und verlassen Portugal über die Autobahn nach Spanien. Es fällt uns auf, je näher wir Spanien kommen, desto karger wird wieder das Land. Nach Oliven und Zitronenhainen zwischen Faro und Tavira sieht man dann bis zur Grenze nur noch unwirtliche Berghänge.

Nach Überquerung des Grenzflusses Rio Guidiana scheint es so weiterzugehen, aber bald schon tauchen wieder erste Zitronenbaumanlagen auf, die sich bis Erreichen der Stadt Huelva zu riesigen Plantagen wandeln. In Huelva wird das erste Mal wieder für unter 1 €/l Diesel getankt.
Auf der von mir benutzten Straßenkarte, erworben vor ca. 5 Jahren beim Lidl in Spanien, ist eine Straße eingezeichnet, die von Huelva aus an der Küste und an einem Naturschutzgebiet entlangführt bis nach Jerez de la Fronteira. Diese Straße wollte ich unbedingt fahren. Leider kam ich nur bis Matalascañas. Dort endet die Route unvermittelt am Zaun des Naturschutzgebiets.
http://www.wikitravel.org/de/Matalascanas
Voller Ärger über diese "Scheiß-Karte" ließ ich mich von meiner Tochter Vanessa über kleine Landstraßen nach Sevilla zurückführen, wo ich dann auf die Autobahn nach Cadiz (AP-4) auswich, um etwas Zeit aufzuholen, die mein erfolgloser Ausflug kostete.
Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, daß es so anstrengend werden würde. Schon als wir in Huelva angekommen waren, zeigte das Thermometer 40°C an. Nun war es bereits Nachmittag und wir schätzten die Temperatur auf ca. 45°C. Hinzu kam noch, daß ein extrem heißer Wind vom Landesinneren in Richtung Meer blies, so dass an Kühlung durch den Fahrtwind nicht zu denken war – im Gegenteil, sobald man den Arm aus dem Autofenster hielt kam es einem so vor, als ob man Verbrennungen erleiden würde, also gefühlte 90° C. Es war das erste Mal, dass ich mir für unser Wohnmobil eine Klimaanlage wünschte. Uschi und die Kinder lagen hinten und wagten sich nicht zu rühren. Tankstellen mit Klimaanlagen hatten eine anziehende Wirkung, außerdem habe ich dort, noch wütend vom Umwegfahren, die alte Straßenkarte zerrissen und gleich eine nagelneue Michelin-Karte, Ausgabe 2006, gekauft. Aber nichts desto Trotz sind wir weitergefahren, zumal bei Jerez die Hitze durch die Meeresnähe etwas nachließ.
Über die N-340 fuhren wir bis nach Conil de la Fronteira, wo wir auf dem Campingplatz "Fuente del Gallo", der lediglich ca. 300 m vom Meer entfernt lag, für die kommenden neun Tage unser Domizil errichteten. Es war sehr schön dort, sonst wären wir nicht solange geblieben. Nicht nur Uschi war mit dem Platz zufrieden, auch den Kindern hat es gut gefallen.
http://www.costaluz.info/de/info_town_conil.php


Und noch ein Aspekt: unsere portugiesischen braunen Mitfahrer, die Ameisen, waren wir los – dafür hatten wir jetzt spanische Ameisen an Bord- keine Ahnung, wo die getauscht haben. Unterschied: Schwarz und Schnell, aber nicht schnell genug; das Ameisenmorden ging in diesen Tagen weiter.
In den ersten Tagen aßen wir abends im preislich günstigen Camping-Restaurant Fisch, Steaks und vorbestellte Paella und tranken einen sehr guten "Rosado" dazu.

Allerdings merkte man schon, daß der Campingplatz Ende Oktober in die Winterpause geht. Teile des Platzes waren bereits vom Tourismusgeschäft abgetrennt worden und dort fanden schon Renovierungen an den sanitären sowie elektrischen Anlagen statt. An den Wochenenden füllte sich der restliche Platz im Handumdrehen mit Gästen, die schon Sonntag oder spätestens Montag wieder wegfuhren. Im Super-Mercado auf dem Platz wurden nur noch die nötigsten Dinge bereitgehalten, aber frisches Brot gab es immer. http://www.campingfuentedelgallo.com
Zum Einkaufen wurde mit den Rädern und Rucksäcken ins nahegelegene Conil de la Frontera gefahren und im "Eroski"-Markt eingekauft, dort haben wir auch das von Uschi dringend benötigte "Aqua con Gas" erhalten, auch wenn´s mal kurzzeitig ausverkauft war.
Am nahe gelegenen Strand (10 Minuten Fußweg) kämpften die Kinder und wir mit Ebbe und Flut. Zwischen Ebbe und Flut liegen ca. 50 m Strand. Teilweise reichte die Flut bis an die Felsen der Steilküste heran, so dass die ganz Harten für die Dauer der Flut auf die Felsen auswichen.
Es waren neun sehr erholsame Tage, auch wenn zum Wochenende die Spanier teilweise die "Sau rausließen". In jeder Ecke lief unterschiedliche Musik, von Rap über Rock zum Techno oder Pop-Songs, aber alles in Spanisch und nicht gerade in Zimmerlautstärke. Man muss aber zu Gute halten: die Nachtruhe ab 23.00 Uhr wurde strikt eingehalten.
Schön war auch, dass die Spanier sich nicht scheuten, die Ausländer, also uns und noch ein paar Andere in ihre Fiestas einzubeziehen. So bin ich einmal total erschrocken, als die spanischen Platznachbarn mit einer riesigen Paella-Pfanne auftauchten und uns ganz frisch selbstgemachte Paella anboten. Logischerweise konnten wir da nicht nein sagen. Auf die Frage, wieso sie Paella verteilten, kam nur lapidar zur Antwort: Fiesta, basta!
