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Urlaub 2006 - Teil 2

Wir fuhren dann weiter, an der Küste entlang nach Nazaré, wo im Bereich der Ortseinfahrt von älteren Frauen mit Pappschildern eine Vielzahl von Ferienwohnungen und teilweise ganzen Häusern zur Vermietung angeboten wurden. Nazaré erschien uns als Urlaubs- oder Wochenendziel der Portugiesen. In der Zufahrt zum Hafen standen eine Unmenge von Wohnmobilen und Reisebussen mit portugiesischer Zulassung. Wenn wir da übernachten wollten, wäre es wohl in der Nacht sehr laut.

http://www.cm-nazare.pt

Da es allerdings noch vormittags war, fuhren wir nach einer kleinen Pause bald weiter nach Lissabon. Hierzu benutzten wir die gebührenpflichtige Autobahn IC-1/A-8 und kamen Sonntagmittags zur besten Siesta-Zeit nach Lissabon. Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, in eine Millionenstadt einzufahren, wenn am wenigsten Verkehr und insbesondere keine Lkw´s und Lieferwagen unterwegs sind.
In Lissabon braucht man nur der Beschilderung: "centro urbano" folgen und bergab zu fahren, bis man an einen großen zentralen Platz, unmittelbar am Fluß Tejo kommt.

 

 

 

Dort befinden sich am Rand einige Parkplätze, die auch am Sonntagmittag ziemlich gut gefüllt sind. Man sollte jedoch auf einige Männer achten, die aufgeregt winkend an der Parkreihe entlang laufen. Diese Leute verdienen sich ein kleines Zubrot, indem sie Parkplatzwächter spielen und einweisen. Es schien fast so, als hätte einer der Männer einen freien Parkplatz extra für uns reserviert. Da an der Ecke zuvor eine Polizeistation ist, hatte ich keine großen Bedenken, unser WoMo mitten in Lissabon zum Parken abzustellen. Der Parkplatzeinweiser bekam von mir statt - wie verlangt - nicht einen sondern zwei Euro zugesteckt. Und als hätte er die ganze Zeit aufgepasst, bei unserer Rückkehr nochmals zwei Euro, dass er sich überschwänglich bedankte.

 
Zwischenzeitlich waren wir über den großen Platz geschlendert, und weil auf der gegenüberliegenden Seite Stadtrundfahrten angeboten wurden, haben wir uns informiert. So kostete die von uns mitgemachte Stadtrundfahrt mit dem "Open-Air-Bus" für zwei Erwachsene und drei Kinder von 14/12/11 Jahren stolze 70 €, die sich allerdings gelohnt hatten. Im Bus erhält man Ohrhörer, aus denen man in frei wählbarer Sprache leicht verständlich die Sehenswürdigkeiten der Stadt erklärt bekommt
 

Die gekauften Fahrkarten sind in Lissabon 24 Stunden gültig, so daß man die normalerweise über 2 Stunden dauernde Stadtrundfahrt an jeder Haltestelle unterbrechen kann, wenn man z.B. ein Museum besichtigen möchte.  

 

Lissabon ist eine überwältigende Stadt mit so vielen Sehenswürdigkeiten und Besichtigungsmöglichkeiten, dass selbst ein 14-tägiger Urlaub nicht ausreichen würde, alles zu sehen. http://www.lissabon-umgebung.de

Nach der kurzweiligen Stadtrundfahrt haben wir uns entschlossen, noch etwas in der Innenstadt zu bummeln, unter anderem auch, um mit dem freistehenden Fahrstuhl zu fahren. Dieser verbindet die Unterstadt mit der Oberstadt und von oben hat man einen herrlichen Blick über die Dächer. Da es sich bei der Gesellschaft, die den Fahrstuhl betreibt, um die gleiche handelt, die die Stadtrundfahrt durchführt, sind unsere Fahrkarten auch hier gültig.

Die Innenstadt von Lissabon wird Sonntag nachmittags anscheinend von Künstlern überschwemmt. An nahezu jeder Ecke sind entweder Puppenspieler, Pantomimen, Jazz-Bands oder gar ganze Orchester zu finden.                                      

 

Wir verließen dann Lissabon wieder am späten Nachmittag über die Brücke über den Tejo, die als Vorbild der "Golden-Gate-Bridge" in San Fransisco gilt.

                                                                        

Von oben habe ich dann bemerkt, dass unten am Tejo in der Nähe des Jachthafens anscheinend ein WoMo-Platz ist, so viel sind da gestanden. Wir wollten nicht in Lissabon übernachten, sondern unsere Reise nach Süden fortsetzen. Bei der Überfahrt über diese wunderschöne Brücke fällt sofort das 110 m hohe Denkmal am Südufer des Tejo auf, das anlässlich der Nichtteilnahme Portugals an den Weltkriegen von der Bevölkerung gestiftet wurde. Es handelt sich um eine 1:1-Kopie des Engels von Rio de Janeiro, der vom Zuckerhut auf die Stadt blickt.

 

 

Um nach Lissabon zu fahren, wird von mir aus jedem empfohlen, von Norden in die Stadt einzufahren und sie nach Süden zu verlassen, so kann man sich auch noch nebenbei die Mautkosten für das Befahren der Brücke sparen. Maut wird nur für den Nord-Süd-Verkehr erhoben.
Unsere Weiterreise sollte dann nach Sines an den dortigen Hafen führen, da ich von einem portugiesischen WoMo-Fahrer im Gespräch erfahren hatte, daß am Hafen trotz Straße ein schöner, ruhiger Übernachtungsplatz nahe des Hafenbüros sei.
Da wir relativ spät aus Lissabon wegkamen, fuhren wir wieder in die Dunkelheit, dazu kam die in Portugal übliche schlechte Beschilderung, daß wir uns bei Grandola verfuhren und noch dazu in eine Polizeikontrolle gerieten. Der Polizist, der uns kontrollierte war zu Beginn sehr freundlich, allerdings verfinsterte sich seine Miene mit zunehmender Dauer, weil ich die grüne Versicherungskarte nicht fand. Meinen Führerschein und den Fahrzeugschein hatte ich gleich zur Hand. Lediglich als er verlangte eine "Carta da Segur" zu sehen, fing ich zu schwitzen an und wurde immer nervöser, als ich sie nicht fand. Ich war mir zu 100 % sicher, dass ich die grüne Versicherungskarte in meinen Unterlagen dabei hatte, bloß fand ich sie nicht.
Der gute Mann hielt mir auf portugiesisch einen Vortrag, wovon ich allerdings kein Wort verstand. Als Uschi schließlich die Versicherungskarte zwischen den Unterlagen der SAT-Anlage herauskramte, hellte sich das Gesicht des Polizisten schlagartig auf und mir fiel ein Stein vom Herzen.
Vom Beamten wieder auf den rechten Weg gewiesen, kamen wir auch bald nach Sines und richteten uns auf die Beschilderung zum "Porto" ein. Leider hatte ich meinen schlechten Tag erwischt. Irgendwie hatte ich mich schon wieder verfahren und wir landeten in einem Viertel, das so aussah, wie ich mir die Bronx in New York vorstellte. Das war das erste und einzige Mal, dass ich mein Pfefferspray während der Fahrt in der Hand hielt. Trotzdem fanden wir den richtigen Weg zum Hafen und unmittelbar beim Hafenbüro sah ich einen Parkplatz unterhalb der Straße, auf dem zwei WoMo´s standen. Ich stellte unser Wohnmobil gleich dazu und wurde auch wieder sofort aus dem Hafenbüro heraus angeschissen, weil ich entgegen der Beschilderung auf den Parkplatz aufgefahren war. Es war wirklich nicht mein Tag!
Leider musste ich bei unserer Abreise am nächsten Morgen feststellen, dass dieser Parkplatz in Zukunft vermutlich nicht mehr zu Übernachtungszwecken genutzt werden kann, da bereits Vorrichtungen zur Aufnahme von Schranken neu montiert wurden. Schade drum, es war wirklich ein ruhiger Platz. Da unsere Toilette und unser Schmutzwasser wieder entsorgt werden musste, fuhr ich auf Anraten eines portugiesischen Mobilisten an der Küste entlang bis zu einem kleinen Ort namens Porto Covo, dort sei ein Campingplatz mit dazugehörigem Wohnmobilstellplatz und auf diesem Platz könnte man entsorgen. Den Platz habe ich gefunden und als Entsorgungsanlage diente eine Ecke am Platz. Dort war ein Loch in den Boden einbetoniert. Nach eingehenden Beobachtungen stellte ich fest: man fährt mit dem Wohnmobil in die Nähe des Loches, versucht mit dem Abwasser das Loch zu treffen und entleert gleichzeitig die Cassette ins gleiche Loch. Frischwasser holte man mit Kanistern und alten Wasserflaschen aus dem Wasserhahn, der ca. 2 m neben dem Loch aus dem Boden ragte.
Naja, entleert habe ich noch,  mehr aber nicht.....
Bei unserer Weiterfahrt, soweit möglichst an der Küste entlang, sah ich soviel Möglichkeiten, sein Wohnmobil auf provisorischen Parkplätzen an den Klippen abzustellen, um im Meer zu baden zu oder gar zu übernachten. Ich muß sowieso erwähnen, dass wir, wenn wir auf freien Plätzen übernachteten, nie kontrolliert wurden oder Probleme mit Behörden bekamen, so wie es schon andere Wohnmobilisten im Internet schilderten.
Weiter ging die Fahrt über die N 120 und angrenzende Küstenstraßen bis Aljezur, wo ich dann aus zeitlichen Gründen ("Sturm der Liebe-s.o.) wieder Richtung Küste fuhr bis zu einem kleinen, sehr schönen Ort namens Arrifana, in dem allerdings überall Schilder stehen, dass Wohnmobile nach 22 Uhr nicht erwünscht sind. Die Straße ging dann auch nicht weiter, so dass nach der Pause wieder nach Aljezur zurückgefahren werden musste.

 

  

 

Ein Besuch am westlichsten Punkt Europas am Cabo Sao Vicente ist ein unbedingtes Muss. Allerdings nicht nur für Wohnmobilisten, sondern auch für Reisebusse und andere Touristen. Da, wo vor 20 Jahren ein paar alte Frauen saßen und für 10 DM umgerechnet dicke selbstgestrickte Westen aus Schafswolle verkauften, reihen sich nun Verkaufsstand an Souvenirstand. Und die maschinell hergestellten Strickwesten kosten nun 35,-- Euro. Und man sollte es nicht glauben: Es gibt auch noch eine Bratwurstbude mit dem wohlgemeinten Hinweis "Letzte Bratwurst vor Amerika"

 

http://www.letztebratwurst.com

 

 

Und aufpassen, wenn man vorne an den "letzten" Klippen vor Amerika steht: es können unvermittelt Freeclimber auftauchen, also nicht erschrecken, wenn plötzlich ein Bergsteiger-Helm über den Klippenrand schaut

 

Ich stellte mir vor, in der Gegend von Lagos ein paar Tage auf einem Campingplatz zu verbringen, zumal ich vor 20 Jahren schon einmal hier war, als Lagos noch ein kleines, aber aufstrebendes Fischerdorf war. Daß der damalige Campingplatz nicht mehr existierte, habe ich schon vorher in Erfahrung bringen können, aber wie enttäuscht war ich, als ich den "neuen" Platz sah: neben einem Fußballplatz, zwischen Wohnblocks und gerade mal so groß wie der Fußballplatz. Dort, wo früher der Campingplatz war, in Klippennähe, standen nun Wohnblock an Wohnblock. www.algarve-reisen.com/lagos.htm

Zu meiner Überraschung sah ich, als wir weiter in die Stadt! einfuhren, einen sehr gepflegten Campingplatz im Stadtinnern. Leider wurde uns die Einfahrt verwehrt mit dem Hinweis, daß es sich um einen Privatplatz handelte, der nur portugiesischen Militärangehörigen zugänglich ist. Schön wär´s gewesen. Schließlich landeten wir auf einem schön gelegenen Campingplatz in Armação de Pera, wo wir uns fünf Tage lang erholten.

                                                     

Nur tauchte dort wieder ein bekanntes Problem auf: die Ameisen von Sao Pedro de Muel haben Verstärkung geholt: diese hier sind jetzt ein klein bißchen größer, sind aber immer noch friedlich. Jeden vormittag wird nun zur Ameisenjagd geblasen. Inzwischen haben wir schon mehrere hundert Ameisen in den Ameisenhimmel befördert. Wir haben keine Ahnung, wie wir die Viecher loswerden sollen, aber unser Kampf geht weiter. Wir lassen uns nicht entmutigen, zumal ich uns meine Leib- und Magenspeise zubereite: eine große Pfanne mit Bratkartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch und Speck.

                    

 

Der Campingplatz verfügt über drei Swimming-Pools und zum Strand sind es ca. 1,5 km, die wir mit den Rädern bewältigten. Als Einkaufsmöglichkeiten stehen uns ein plus-Markt in Armação de Pera sowie ein ALDI in Alcantarilha (ca. 1,5 km) außer dem gut sortierten Campingplatz-Markt zu Verfügung.
Da wir uns langsam an die Hitze von bis zu 35°C gewöhnt haben, machen die Kinder und ich schon kleinere Ausflüge mit den Rädern. Am Strand ist es so heiß, daß ich mir im Sand beinahe schon die Fußsohlen verbrannt habe. Man kann auch schön beobachten, daß die Portugiesen morgens zum Strand kommen und über die heisseste Mittagszeit zuhause Siesta halten, um am späten Nachmittag wieder zum Strand zu kommen. Nur die "blöden" Touristen setzen sich in der größten Hitze an den Strand und verbrennen sich alles. 
http://www.roteiro-campista.pt


                                                    


 

 



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