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Running startet jetzt eine Doku-Soap. Eine kleine Fortsetzungsgeschichte, die von einem Laufverein aus dem kleinen württembergischen Dorf Kuppingen
handelt. 1993 wurde der Lauftreff mit dem Ziel gegründet, Heimstatt für Wettkampf- und Breitensportler zu sein. Kuppingen gehört zu Herrenberg, das wiederum 30 Kilometer südlich von Stuttgart liegt. Der Ort hat 4099 Einwohner, davon sind 1000 Mitglieder im TSV Kuppingen. Im Lauftreff sind etwa 220 davon organisiert, 100 nehmen auch aktiv an Wettkämpfen teil. |
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Nirgends ist man vor ihnen sicher, schon gar nicht im nahen Wald. Vier Strecken unterschiedlicher Länge haben sie dort mit Schildern und Kilometer-Markierungen ausgestattet, jeden Oktober richten sie den schrecklichen Zigeunerberglauf aus (so schrecklich, weil er auf seinen zwölf Kilometern unangenehme Steigungen aufweist), und als Krönung wollen sie im Sommer einen Staffellauf über 100 Kilometer aufführen.
Den Verein findet man unter: www.tsvkuppingen.de
Die RUNNING Doku Soap I: Aus dem Leben eines Laufvereins
von Frank Simoneit
Ganz Deutschland ist von einem harmlosen, aber doch hartnäckigen Virus befallen. Dem Laufvirus. Ganz Deutschland? Nein, ein kleines Dorf in Baden- Württemberg ist bereits unrettbar verloren. Die Kuppinger. Als Läufer sind sie typisch wegen ihrer Begeisterung und auch Leidensfähigkeit, aber auch einzigartig mit den Episoden, Begebenheiten, kleinen Fehltritten, die sie in ihrem Laufleben immer wieder erleben. Davon soll diese Doku-Soap handeln.
In Kuppingen haben alle nur das Laufen im Kopf, und die Lauf-Frauen sind die Königinnen von Kuppingen. Als da sind: Petra, 43, drei Kinder, 163 Zentimeter groß, 51 Kilogramm, Hausfrau. Läuft dreimal die Woche, Marathon- Bestzeit: 3.51 Stunden 2004 in Berlin.
Sonja, 36, drei Kinder, läuft seit 1999, Marathon-Bestzeit: 3:51 Stunden 2002 in Berlin. Sie trainiert nach einem "ausgeklügelten" Plan. Ausgeklügelt von Joachim, aber das ist nicht ihr Mann, sondern der von Beate.
| Beate, 39, zwei Jungen, Lehrerin für "MNT" (das ist baden-württembergerisch für "Materie, Natur, Technik" – Kultusministerin A. Schavan ist dabei wohl ausnahmensweise nicht Herrn G. Oettinger erlegen, sondern einer krassen Sprachverirrung). In Berlin ist Beate 2002 von Anfang bis Ende mit Sonja zusammengelaufen. Mit Sonja läuft sie sowieso besonders viel und langsam, weil die beiden dann immer so schön "schwätzen" können. Marathon- Bestzeit: die ist unklar. Eigentlich ist die Uhr bei der Erzielung ihrer Bestzeit bei 3.44 Stunden stehen geblieben, doch davon später. |
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Blondes Engelchen
Die Vierte im Bunde: Gisela. 36, zwei Kinder, 164 Zentimeter, 59 Kilo, Zuschauer rufen sie "blondes Engelchen". Marathon-Motivation: "Dann kann ich mehr essen." Bestzeit: 3:56 Stunden in Hamburg.
Und schließlich Clivia. 36, drei Kinder (merkwürdig, diese Mütter: je mehr Kinder, desto mehr fliehen die Frauen von zu Hause), Bestzeit: 3.59 Stunden in Berlin. Darauf ist Clivia ((?), Woher kommt der Name? "Etwas Botanisches, das ist eine langstielige, orangene Blüte. Aber eine Kartoffelsorte heißt auch so.") stolz. "Ich wollte unter vier Stunden bleiben."
Im Whirlpool des Hyatt-Hotels
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Und Beates Zeit? 3:44 Stunden? Das kam durch eine übersinnliche Willensanstrengung zustande. Beate, schulterlanges, braunes Haar – sie ist so ehrgeizig, dass sie auch im alltäglichen Leben immer ihre Pulsuhr trägt – hat ein großes Ziel: einmal Marathon unter 3.45 Stunden. Zu Füßen des Kölner Doms sollte das sportliche Großereignis stattfinden. Bis Kilometer 25 ging alles gut, doch dann kam eine schreckliche Versuchung: ein Verpflegungsstand mit Cola-Getränken. Beate: "Ich sag noch zu Sonja, das ist bestimmt ein Scheiß." Doch Beate kann sich nicht zügeln. Sie trinkt, fühlt sich 200 Meter gut, doch danach das schlimme Erwachen: "Ich hätte kotzen können." Trotzdem läuft sie ihren Schnitt weiter, und als sie ihre Uhr auf die 3.44er Zeit zuwandern sieht, drückt sie die Stoppuhr. Einmal, zweimal. Im Ziel ist Beate happy. "Das war toll, ich hatte mein Ziel erreicht." Und als sie später mit Sonja mit Whirlpool des Hyatt-Hotels liegt und die kenianischen Siegläufer bewundert, die auch dort relaxen, erzählt sie allen stolz: "Seht her, unter 3.45 Stunden. Ich hab es geschafft."
Am Abend, als sie von ihren Mann – den Trainer-Fuchs Joachim, der Sonjas Pläne aufstellt – am Kuppinger Bahnhof abgeholt wird, erfolgt das böse Erwachen. Freudestrahlend fällt sie ihm in die Arme, die Bestzeit blinkt auf ihren Pupillen wie das Dollarzeichen auf den Augen von Dagobert Duck. Doch Jo sagt nur: "Du, Beate, das passt nicht." Traurig sinken ihre Körper auseinander, Jo flüstert nun ganz leise: "Es sind wieder nur 3.51 Stunden geworden." Die einfache Erklärung: Beate hatte die Stoppuhr bereits bei Kilometer 41 ausgedrückt. Sie wollte wahrhaben, was sie sich vorgenommen hatte. Ein Marathon ist verdammt lang, manchmal eben einen Kilometer zu lang. Aber die Illusion, im Whirlpool des Hyatt zu liegen und den Kenianern, die sowieso nichts verstanden haben, was von neuen Bestzeiten ins Ohr zu flüstern – die war für diese Königin von Kuppingen verdammt schön.
Die RUNNING Doku Soap II: Aus dem Leben eines Laufvereins
von Frank Simoneit
Nachdem wir in der letzten Ausgabe die Kuppinger Damen vorgestellt haben, nun zu den Herren der Kuppinger Geschichte. Als da sind:
Markus, 43, 10.000-Meter-Zeit: 37 Minuten. Trotzdem hat er keinen seiner fünf Marathons unter drei Stunden geschafft. Denn ab Kilometer 36 hat er regelmäßig keine Lust mehr, dann "stehe ich". Deswegen will er auch keine Marathons mehr laufen. Sein schwäbischer Spitzname: Joe McWäffele. Den hat er sich selbst gegeben, warum, weiß er nicht mehr. |
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Jörg: 63, Rentner, davor Projektleiter für die Erstellung von Bürogebäuden für einen Böblinger Global Player. Er hat zwei Kinder, seine Frau hat ihn zum Laufen gebracht. Ein Marathon bisher: 4:05 Stunden 2004 in Berlin. Sein Ziel: einen zweiten Marathon laufen.
Walter, 50, inzwischen selbständiger Unternehmensberater. Der gelernte Lehrer ist "Rechts-Hirnhälfte-gesteuert", will sagen: ein echtes Genie. Er spricht Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch lernt er gerade. Laufen die Kuppinger wo auch immer, muss er übersetzen. Spitzname: der Dolmetscher. Marathon-Bestzeit: 3:29 Stunden. Für ihn, den Vielgereisten, ist Laufen auch das probate Mittel gegen den Jetlack. Kommt er in USA an, läuft er erst mal. Der Sauerstoff reicht dann für den ganzen Tag.
Winfried: der Mathematiker, 44 Jahre alt, ledig, keine Kinder, ist der schnellste der Kuppinger Marathonläufer. Dabei geht er mit wissenschaftlicher Akkuratesse vor. Bei 1,76 Meter Größe und 62 Kilogramm erreicht er ein "optimales Kraft-Leistungsverhältnis". Trainieren tut er nach den "sehr harten" Plänen des Gurus Greif. Er macht kurze Tempoeinheiten und sehr lange Ausdauerläufe. Jede Woche steht ein 35-Kilometer-Run auf seiner Agenda. 17-18 solch langer Läufe hat er intus, wenn er zum Marathon antritt. Bestzeit: 2:44 Stunden. Hätte Winfried die Formel, um zum Mond zu laufen – er würde darauf trainieren.
Notarzt spritzt Michael ins Leben zurück
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Und: Michael, 56. Er ist auch ein schneller, 2:45 Stunden vor acht Jahren in Berlin. Ihn wurmt, dass er diese Zeiten nicht mehr erreicht. Und dass seine Arbeitsstelle 35 Kilometer entfernt in der Landeshauptstadt ist – so verliert der städtische Angestellte (untersucht dort das Grundwasser) jeden Tag 1,5 Stunden in der S-Bahn. Hätte er diese Zeit noch zusätzlich zum Training – nicht auszudenken, was da für Endzeiten herauskämen. Er ist so ehrgeizig, dass er sogar Marathon lief, nachdem die Ärzte ihm akut abgeraten hatten. Und das kam so: Berlin 2004. Der Sensible weiß, dass er allergisch ist gegen "Birke und Haselnuss". Was er nicht weiß: seine Allergie gegen Soja-Milch. Die gab es dummerweise im Hotel am Samstag vor dem Frühstückslauf. Danach: Jucken, Bläschen, Luft weg. Der Notarzt spritzt ihn ins Leben zurück, im Krankenhaus kommt er auf die Intensivstation. Auf eigenes Risiko verlässt er das Hospital nur wenige Stunden später. Er will den Marathon am nächsten Tag laufen – tut es, und finisht in 2:57 Stunden. Der Geschundene stolz: "Damit war ich Erster in der Bestenliste des Württembergischen Leichtathletik- Verbandes." So ist Michael.
Der letzte im Bunde: Klaus, 36, Elektriker bei DaimlerChrysler in Sindelfingen. Er ist 1,89 Meter. 120 Kilo hat er gewogen, deswegen hat er sich einen Marathon vorgenommen. Als er bei 90 Kilo angekommen ist, läuft er ihn. Gleich New York, gleich 4:03 Stunden. Sensationell. Er ist der Joschka Fischer von Kuppingen. Denn nach New York geht sein Körpergewicht wieder auf 115 Kilo hoch. Wieso? Klaus: "Ein bisschen ist es das Bier bei mir. Und ein bisschen auch der Nachschlag." Denn wenn es schmeckt, langt er gern noch einmal hin. So wie beim Süßen. Klaus: "Da gibt es nichts, was ich nicht mag."
Nach der Visite in Big Apple hört Klaus mal wieder auf mit dem Laufen. Die schöne Begründung: "Wenn ich mich aufmachen wollte, war der Schweinehund da." Die Kuppinger Herren des Kuppinger Lauftreffs: mit ihnen kann man die Schöpfungsgeschichte neu schreiben. So viele Typen tummeln sich da.
Die RUNNING Doku Soap III: Aus dem Leben eines Laufvereins
von Frank Simoneit
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Petra bekam ein ganz besonderes Gefühl: "Ich hatte ein richtiges Gänsehautfeeling."
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Und das kam so: Bei den Kuppingern stand wieder eine ihrer großen Gemeinschaftsaktionen auf dem Plan. Die Reise zum Verdi-Marathon in Italien, im Februar (damit eroberten die Kuppinger Läufer Fidenza bereits zum zweiten Mal). Die 20 000-Einwohner-Stadt in der Region Parma ist vor allem bekannt dadurch, dass Giuseppe Verdi hier seine Musikdramen komponierte (sein erster großer Erfolg: der "Gefangenenchor" aus der Oper "Nabucco"). Dass nun auch noch ein Marathon (inzwischen zum achten Male) in der Stadt stattfindet, sorgt bei Läufern für die richtige Taktzahl. Organisiert wird das Ereignis vom Professore Giancarlo Chittolini und seinem Team. Der Professore ist ein ehemaliger Erfolgstrainer. Er verhalf in der Szene bekannten Spitzenathleten wie dem Marathonläufer Gellindo Bordin oder dem 3000-Meter-Hindernisläufer Alessandro Lambruschini zu Ruhm und Ehre.
Alle schwärmen von der Pastaparty
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Und die rührigen italienischen Veranstalter pfeifen gern nach dieser Melodie: sie beschallen die Strecke mit Verdi-Opern. Petra Kopp, Mutter von drei Kindern mit einer Marathon-Bestzeit von 3:51 Stunden, lief die zehn Kilometer und meinte nachher: "Das war etwas ganz Besonderes. Obwohl das eigentlich nicht meine Musikrichtung ist."
Fidenza bietet einen Zehn-Kilometer- Lauf, eine 23,8-Kilometer- und eine
30-Kilometer-Distanz, und einen Marathon. Die Strecke ist flach, sogar etwas abfallend – was für schnelle Zeiten sorgen könnte. Könnte. Wäre da nicht das Rahmenprogramm. Kultur wird in der Verdi-Stadt nämlich groß geschrieben, und in Italien gehört die Esskultur sowieso dazu. Petra: "Bei unserem Trip stand nicht der Wettkampf an erster Stelle, sondern das Miteinander."
Einer der Kuppinger Mitorganisatoren, Albrecht Mayer, berichtet davon in der Lokalzeitung: "Am Samstagabend wurde natürlich die obligatorische Marathon-Pastaparty besucht, von der die bereits vor zwei Jahren Beteiligten immer wieder geschwärmt hatten. Die Qualität von Pasta, Parmaschinken, Parmesankäse, Kuchen und Wein war wieder hervorragend. So etwas gibt es in der Marathonszene kein zweites Mal." Das war der Samstag, doch danach folgte der eigentlich heilige Tag der Arbeitsfreiheit – somit für Läufer die harte Zeit. Mayer: "Der lästige Teil des Ausflugs, nach den kulinarischen Genüssen."
Liebenswertes Chaos
Bei der Durchführung von Rahmenprogramm und Wettkämpfen bestätigten die Organisatoren alle Vorurteile, die gemeinhin dem Südländer als solchem nachgesagt werden. Für die Pastaparty vor zwei Jahren musste man bereits "viel Geduld und Zeit" aufbringen, um bei dem "liebenswerten Chaos an all die Köstlichkeiten zu kommen", so Mayer. Und auch bei dem Lauf, der bei Temperaturen um die null Grad und temporärem Schneefall stattfand, ging nicht alles glatt. Ein Läufer, der aus Versehen das 23- und das 30-Kilometer- Ziel ansteuerte, fand die Marathonstrecke erst nach einigen Umwegen wieder – im Gewimmel des gut besuchten Marktplatzes. Die Folge: sein Marathon dauerte einige hundert Meter länger. Petra Kopp war schnellste Kuppinger Frau über die zehn Kilometer, 45 Minuten brauchte sie. Winfried Weber, der Mathematiker, hatte bei den Herren die Nase vorn: Er brauchte für die 23,8-Kilometer-Distanz 1:27 Stunden. Der Rhythmus wird beide so getrieben haben
Die RUNNING Doku Soap IV: Aus dem Leben eines Laufvereins
von Frank Simoneit
| Albrecht Mayer bestreitet in diesem Jahr viele Läufe, richtige Events sind dabei, doch auf die Nachfrage nach seinen Zielen legt er geschwind den Kopf zur Seite, überlegt kurz und meint: "Ziel hab ich eigentlich nur eines. Den Deutschlandlauf." Der Deutschlandlauf: Mitte September startet er auf Rügen, in 17 Etappen geht es runter bis nach Lörrach. 1196 Kilometer insgesamt, die kürzeste Tagesetappe ist 54 Kilometer lang, die längste 93 Kilometer. Im Durchschnitt sind es 70 Kilometer pro Tag. Warum macht man so etwas, wenn man nicht krank ist? |
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Mayer, beruflich bei einem großen Kreditinstitut in der Landeshauptstadt engagiert: "Ich suche eine neue Herausforderung." Der Running-Routinier hat schon mehrere 100-Kilometer-Wettkämpfe bestritten, seine Marathon-Bestzeit liegt knapp über drei Stunden – da sucht man als anspruchsvoller Läufer ja nach neuen Wegen. So geht Albrecht durchs Leben: früher ein Nichtläufer, wollte er unbedingt den 25-Kilometer-Herbstklassiker vom Schönbuch in Hildrizhausen im Oktober schaffen. War die Geschichte im Kasten, wollte er unbedingt Marathon laufen. War die Sache gemeistert, wollte er unbedingt einen Hunderter laufen. Das wird langsam wieder zur Routine, also musste was Neues her. Da kommt der Deutschlandlauf gerade recht. Denn Veranstalter Ingo Schulze stellt im Vorwort des Programmhefts klar: "Wer vorher nicht ausreichend trainiert hat, geht ein wie eine Primel."
Laufschuhe müssen schlottern
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Das ist Wasser auf Albrechts Mühlen. Seine Vorbereitung ist nicht von schlechten Eltern. Im Dezember lief er 600 Kilometer, einfach so. Danach bestreitet er noch drei Marathons (Fidenca, Hamburg, Heilbronn), einen Halbmarathon (Freiburg), den 24-Stunden- Lauf in Basel und den Rennsteiglauf über 72 Kilometer. Wie man das durchhält? Mayer: "Alles reine Kopfsache." Von Läufern, die einen solchen Mehretappenlauf bereits hinter sich haben, holt er sich Tipps. Der wichtigste: die Schuhe müssen zwei Nummern größer sein als normal. Denn die Füße schwellen wegen der enormen Belastung an. Einer von Mayers Tippgebern, Hans-Jürgen Schlotter – der immerhin am 5000-Kilometer-Europalauf 2003 teilgenommen hat, dazu: "Ganz locker müssen sie sitzen." Sozusagen schlottern müssen die Schuhe. Apropos Europalauf: eine solche Belastung verändert die Menschen. Irgendwie. Beruflich, privat. Von einem hat Mayer gehört, dass er danach den Job wechselte und auch die Frau. Mayer ist übrigens der einzige Ultraläufer der Kuppinger. Jedem auf die Nase binden möchte er sein Vorhaben jedoch nicht. "Die halten mich doch für verrückt", so der Extreme.
Kuppinger Kinder
Diese Alten wie Mayer, und die anderen erfahrenen Läufer des TSV, scheinen der Jugend als Vorbild zu gelten. Jedenfalls gibt es einige, die ihren Vorbildern schon emsig nacheifern. Und auch Wettkämpfe bestreiten. So wie der dreizehnjährige Marcel Kopp. Er trat beim Herrenberger Frühlingslauf über zehn Kilometer mit seinem Freund Stefan an. Und ließ seiner Mutter Petra, die ebenfalls mitlief, nicht "den Hauch einer Chance". Marcel war fast zweieinhalb Minuten schneller. Selten war die Mutter stolzer. Unter den Jungen ist bereits ein richtiges Trainingsfieber ausgebrochen. Die Viertklässler David und Felix haben schon einen Lauftreff organisiert, einmal die Woche geht es zum Sprinttraining, auch Staffelläufe auf der Bahn werden geprobt. Erwachsene sind dabei unerwünscht. Ach ja, die Kuppinger Frauen: Beate, Sonja und Petra sind bei Cross-Meisterschaften aufgelaufen. Und wurden Kreismeister. Das ließ sich nicht vermeiden. Petra: "Wir waren die einzige Frauenmannschaft."
Die RUNNING Doku Soap V: Aus dem Leben eines Laufvereins
von Frank Simoneit
Kuppingens Trainerfuchs Joachim verriet seine Taktik: "Schnell laufen auf den ersten zweihundert Metern, da wo die meisten Zuschauer stehen. Und nach der Kurve gemütlich weiter laufen."
| Keine schlechte Strategie, um bei dem ersten 100-Kilometer-Staffellauf in Herrenberg eine gute Figur zu machen. Der TSV Kuppingen hatte gleich zwei Frauenteams am Start (eines wurde Dritter), dazu eine Männermannschaft und ein Jugendtruppe (belegte Platz Eins). Aber nicht deswegen war der erste Herrenberger Altstadtlauf das Vereins-Highlight des Jahres für den TSV – die Kuppinger waren auch Veranstalter. Ein Jahr lang vorbereitet, ungezählte Stunden nicht ins Laufen, sondern ins Organisieren gesteckt – eine Mammutaufgabe, nur vergleichbar als Vereinsleistung mit einem Ultralanglauf eines Einzelnen. |
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Zwei oder drei Laufgruppen
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Einhundert Mannschaften hatten gemeldet, jede Mannschaft konnte zehn Läufer einsetzen, machte also fast 1000 Läufer (genau nachgezählt waren es 935 Aktive – manche Teams traten an, ohne ihre Reihen geschlossen zu haben). Diese mussten über eine Distanz von einhundert Kilometern laufen. Das Ganze war als Staffellauf angelegt. So ergaben sich verschiedene Rennstrategien. Damit die Pausen für jeden Sportler nicht zu lang wurden, teilten manche Teams ihre Leute noch einmal in zwei Gruppen. Die eine lief vormittags, die andere nachmittags. Wiederum andere Teams machten drei Gruppen auf.
Überhaupt die Mannschaften: Da traten schon ganz witzige an. Ladykracher, die Rennhühner, Volles Rohr wagten sich auf die Strecke. Eines nannte sich Weipperts Wilde Würstel Wetzer – man ahnt es, der örtliche Metzger begab sich auf die Rennstrecke. Die Läuferteams waren sehr heterogen – oft waren die mit den Ulktiteln Freizeitläufer, die sich aus einer "Bierlaune heraus" (so Albrecht Mayer, einer der Kuppinger Organisationschefs) für den Wettbewerb angemeldet hatten. Aber auch sehr ambitionierte Laufvereine stritten sich um die Krone des schnellsten Laufteams im Gäu, so die regionale Gebietsbezeichnung.
Während zu Anfang noch alle wie von der Tarantel gestochen lossausten, freuten sich einige spätestens nach ihrem zweiten oder dritten Einsatz – weil es ein ganz besonders heißer Tag war mit Temperaturen jenseits der 30-Grad- Marke – über den besonderen Austragungs- Modus. Abgeschlossen wurde das Rennen nicht, wenn jede Mannschaft die einhundert Kilometer erreicht hatte – sondern die erste. So kamen die Langsameren in den Vorteil, nicht so viel rennen zu müssen. Dass sie dafür auch nicht unter den ersten Mannschaften vertreten waren, nahmen sie gern in Kauf.
Dieser Modus ist anders als beim Tübinger 100-Kilometer- Staffellauf: Dort müssen in einem Team immer zwei rennen, und fertig ist das Ganze für das Team erst, wenn es die einhundert Kilometer geschafft hat. Die Strecke war 1,3 Kilometer lang. Eng und winklig ging es über das Kopfsteinpflaster der idyllischen Herrenberger Altstadt. Die schnellste Runde wurde in 3.58 Minuten absolviert – das entspricht einem Drei-Minuten-Durchschnitt auf einem Kilometer. Die Siegermannschaft brauchte 5.27 Stunden. Insgesamt wurden auf 5688 Runden 7394 Kilometer von allem Teams zurückgelegt.
Hart an der Grenze
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voller Erfolg in die Chronik der Stadtgeschichte eingetragen. 10 000 Zuschauer säumten die Strecke, die Geschäfte hatten trotz Sonntag geöffnet, Musikbands und Acts auf der Show-Bühne sorgten für Trubel. Der Gewerbeverein, einer der Initiatoren der Veranstaltung, war es zufrieden. Auch die Kuppinger Organisatoren. Besondere Vorkommnisse gab es keine, logistisch wurden nur Kleinigkeiten bemängelt. Einen kleinen Verein wie den TSV Kuppingen stellt so etwas vor ungeheure Herausforderungen. Auf zehn Planungs- Sitzungen klopften die Orga-Chefs das Rahmengerüst zusammen, allein sechs Mal musste mit allen Beteiligten die Strecke inspiziert und verbessert werden, 100 Helfer hatte der TSV am Lauftag selbst in Arbeit gebracht. Einer der Mitarbeiter sagte hinter vorgehaltener Hand: "Mein Chef darf gar nicht wissen, was ich in den letzten zwei Wochen für den Staffellauf alles gemacht habe." Albrecht Mayer drückte es so aus: "Wir Verantwortlichen waren hart an unserem Limit."
Deswegen schloss er eine Widerholung auch aus. Jedenfalls im nächsten Jahr. Eine Neuauflage gibt es frühestens in zwei Jahren.
Die RUNNING Doku Soap VI: Aus dem Leben eines Laufvereins
von Frank Simoneit
| Markus Klos, das Laufass des TSV Kuppingen mit den Spitznamen Joe McWäffele, kam sich vor wie bei Alfred Hitchcocks "Die Vögel": der Angriff der Bussarde stand auf dem Spielplan. Unterschied zu der Kino-Inszenierung: keineswegs sah der Kuppinger Läufer den Raubvogel auf sich zukommen. "Immer fliegt er von hinten oder von der Seite an. Und immer ist er vollkommen lautlos", erinnert sich Markus an seine Begegnung der unheimlichen Art. |
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Die Bussarde kommen: Immer zur Frühsommer-Zeit, wenn sie ihre Jungen aufziehen, empfinden sie allein dahertrabende Läufer als Eindringlinge in ihr Revier. Da muss die eigene Brut geschützt werden. Markus spürte erst einen Luftzug, dann bekam er Körperkontakt mit dem Bussard. "In den letzten Jahren habe ich etwa 20 Mal Bekanntschaft gemacht mit den Tieren. Ich bekam beim ersten Mal eine Angst, eine ganz tiefe Angst, wusste nicht, was überhaupt los war." Inzwischen kennt er die Nistregionen der fliegenden Waldbewohner, weiß, wie er sich verteidigen muss. "Ich fange sofort an zu schreien, nehme mir einen Ast, um mich zu verteidigen." Oder er zieht eine Mütze verkehrt herum auf. Das hilft, um den Bussard zu verwirren. Eine noch wesentlich bessere Tarnung hat sich Laufkamerad Albrecht Mayer ausgedacht: er hat auf seine verkehrt herum sitzende Mütze ein Gesicht gemalt. Mit einigen Augenattrappen, um je nach Anflugwinkel des Bussards ihm immer das Gefühl des Beobachtetseins zu geben. Mit soviel Raffinesse hatte der Raubvogel nicht gerechnet. Er nahm Reißaus – bei dem Anblick kein Wunder. Da hätte wohl auch jeder friedliche Spaziergänger Fersengeld gegeben. Mayer hat sogar schon einmal einen richtigen Zusammenprall mit dem Tiergehabt, drei Tage Kopfschmerzen waren
die Folge. Klos hat sich nach vielen Jahren der Furcht verschiedene Verteidigungsstrategien zurechtgelegt. Einfach stehen bleiben gehört dazu, oder ein Stirnband mit Feder um den Kopf tragen. Da muss er allerdings aufpassen,
von den Kindern nicht zum Indianerspiel eingeladen zu werden. Zu zweit laufen hilft auch. Da lässt der Raubvogel ungestraft passieren.
Begegnung der unheimlichen Art
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Übrigens: Laufkollege Dieter Mattern berichtet von einer weiteren Vogelart, die tätlich wird. Der rote Milan. Unangenehme Wunden soll er im Wald schon verschiedenen Läufern geschlagen haben. Auch Markus hat den zweiten Angriffstyp schon bemerkt. Und mausert sich inzwischen zu einem Ornithologen. "Der Bussard ist kleiner, mit breiten Flügeln, der Milan ist schlanker und größer." Allein mit dem Problem sind die Kuppinger nicht: Im sauerländischen Brilon ist ein überaus aggressiver Bussard zum Abschuss freigegeben worden. Ein angegriffener Läufer: "Das Tier ist geschickt und hinterhältig." Auch in Brilon nähert sich der Unhold von hinten und "krallt zu".
Zu viel Trollinger
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Übrigens: Laufkollege Dieter Mattern berichtet von einer weiteren Vogelart, die tätlich wird. Der rote Milan. Unangenehme Wunden soll er im Wald schon verschiedenen Läufern geschlagen haben. Auch Markus hat den zweiten Angriffstyp schon bemerkt. Und mausert sich inzwischen zu einem Ornithologen. "Der Bussard ist kleiner, mit breiten Flügeln, der Milan ist schlanker und größer." Allein mit dem Problem sind die Kuppinger nicht: Im sauerländischen Brilon ist ein überaus aggressiver Bussard zum Abschuss freigegeben worden. Ein angegriffener Läufer: "Das Tier ist geschickt und hinterhältig." Auch in Brilon nähert sich der Unhold von hinten und "krallt zu"
Die RUNNING Doku Soap VII: Aus dem Leben eines Laufvereins
von Frank Simoneit
| Clivia – ihr Vorname kommt von "einer langstieligen, orangenen Blüte", allerdings gibt es auch eine Kartoffelsorte gleichen Namens –, Mutter von drei Kindern, hat eine kleine Auszeit genommen. Vom Laufen. 15 Monate dauerte die Pause. Amelie ist daran schuld. Amelie, der süße Fratz, ist nun ein gutes Jahr alt. Zusammen mit Moritz, drei Jahre alt, und Lea, sechs Jahre alt, hat der Nachkömmling die 37- jährige Clivia ganz schön in Anspruch genommen. Schon in der Schwangerschaft hat Amelie alle Aufmerksamkeit gefordert.Ihre Mutter musste in dieser Zeit "streng liegen", also bewegungslos in der Horizontalen verharren. |
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Denn schon einmal hatte Clivia die Aufregung einer frühen Geburt erfahren, das sollte nicht wieder passieren. Amelie erblickte das Licht dieser Welt, auf diese Weise in Ruhe gebettet, problemlos. Danach wurde sie ein halbes Jahr gestillt, für Clivia ebenfalls keine Zeit, die Laufschuhe zu schnüren. Clivia: "Ich habe es ohne das Laufen ausgehalten. Das war für mich völlig normal." Auf Trab war sie trotzdem – das junge Trio sorgt für Beschäftigung. Interessant: während der Mutter das Laufen nicht gefehlt hat, vermisste sie die Gespräche mit ihren Freundinnen beim Laufen. Den Gedankenaustausch mit Sonja, Gisela, Petra, Beate. "Wir schwätzen doch immer beim Laufen, ich hab von den anderen gar nichts mehr gewusst, so wenig haben wir uns gesehen", gesteht Clivia. Die soziale Komponente des Laufens sollte also nicht unterschätzt werden.
Zwar sind die Kuppinger Lauffrauen natürlich auch bei anderen Gelegenheiten
zusammen und tauschen sich aus, doch die Schwätz-Zeit während des Laufens fehlte ihnen trotzdem. Welche Erleichterung, die lauffreie Zeit nun wieder zu beenden. Die Familie hat sich einen sehr guten, weil sehr leichten Babyjogger gekauft. Läuft Clivia nun endlich wieder mit den anderen Frauen durch den Wald, ist Amelie dabei. Und da die Laufwege durch den Kuppinger Forst hoch und runter gehen, müssen die Freundinnen beim Schieben helfen. Und noch etwas ist anders. Immer nur einen Arm kann Clivia bewegen, um die Laufbewegung zu unterstützen. Die andere Hand ist an der Karre von Amelie. Clivia: "So habe ich locker zehn Pulsschläge mehr als ohne Kinderwagen."
Der Dolmetscher, der Ultra- Mann und der TSV-Joschka
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Walter, genannt der Dolmetscher – weil das Sprachgenie neben dem Schwäbischen noch Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch spricht – bereitet zwei Reisen ins benachbarte Frankreich vor. Der Beaujolais Marathon (Rotwein und Käse locken an den Verpflegungsstationen) und der Paris Marathon stehen auf dem Programm der Kuppinger. Auf diese Ausdauerläufe bereitet sich Walter mit Trainingsruns gemeinsam mit Albrecht vor. Albrecht, der Ultraläufer und einer der rührigen Funktionäre des TSV Kuppingen, bestreitet den Deutschlandlauf. Über 1.000 Kilometer vom Norden dieser Republik in den Süden. Dabei werden die unterschiedlichen Vorbereitungsphasen deutlich. Wenn beispielsweise Walter und Albrecht die reichlich 20 Kilometer von Herrenberg nach Tübingen gelaufen sind, fährt Walter mit der Bahn nach Hause und Albrecht hängt noch einmal 30 Kilometer dran. Die Ultras spinnen… Was gibt es noch Neues aus Kuppingen?
Klaus hat sich gemeldet. Er ist ja der Joschka Fischer des TSV. Ehedem sehr korpulent, danach wegen eines Marathons stark abgenommen (und in New York, bei seinem ersten Marathon, sensationelle 4.03 Stunden gelaufen), dann wieder stark zugenommen. Das Chamäleon des TSV. Er leidet gerade darunter, dass er leidet. Eigentlich ist er ja mit sich und seiner Welt zufrieden. Wenn da nicht immer das schlechte Gewissen wäre. Im Grunde möchte er regelmäßig laufen, doch schiebt er es immer wieder hinaus. Einmal die Woche läuft er, seine Gewichtsreduktion hält sich bei solch bescheidenem Pensum natürlich in überschaubarem Rahmen. O-Ton Klaus: "Schön wär's, wenn ich mal wieder zehn Kilometer in einer Stunde schaffen würde. Dafür habe ich aber in den letzten neun Monaten zu wenig abgenommen, nämlich gar nichts. Trösten kann ich mich nur dadurch, dass ich zumindest aber nicht wieder zugenommen habe." Über das Erreichen kleiner Ziele muss man sich manchmal auch freuen können.
Die RUNNING Doku Soap VIII: Aus dem Leben eines Laufvereins
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von Frank Simoneit
| Ja, wo laufen sie denn? Am zweiten Oktober-Sonntag, als die Kuppinger ihren traditionellen – weil inzwischen schon zum zwölften Male ausgetragenen – Zigeunerberglauf an den Start gebracht haben, herrschte morgens noch dicker Nebel. Doch als sich um zehn Uhr das Läufervolk auf die Strecke begab, wechselte das Bild rechtzeitig. Strahlender Sonnenschein, würzige Luft, herbstliche Klarheit – für alle Anwesenden wurde so der Zigeunerberglauf ein toller Tag. Das muss Hilfe von oben gewesen sein. Zigeunerberglauf nennen die Kuppinger ihr Rennen nicht, weil man besonders unkonventionell gekleidet ins Wettkampfgeschehen eingreifen müsste oder weil es einen Berg hochgeht, der diesen Namen auch verdient hat. |
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Zigeunerberg heißt einfach die Gegend. Zwölf Kilometer, 180 Höhenmeter, zweimal geht es drei Kilometer hoch, dann wieder runter – eine schöne Strecke über freies Feld und durch den bunt gefärbten Wald. 548 Läuferinnen und Läufer finishten – neuer Teilnehmerrekord. Und das zum Ende einer langen Laufsaison. Für Organisator Markus Speer ist dieser Erfolg aber klar: "Die Einbindung in den Schönbuchcup sorgt für den Erfolg dieses Laufes." Der Schönbuchcup ist eine regionale Laufserie in sechs Gemeinden südlich von Stuttgart, vom Anfang des Sommers bis zum Herbst finden die Rennen statt, jeweils sind zehn, zwölf Kilometer zu absolvieren. Gesamtsieger wird, wer mindestens an vier Rennen teilnimmt und dabei natürlich möglichst gut abschneidet. Preisgelder von insgesamt 3000 Euro werden ausgeschüttet, der Erste darf für ein Jahr einen Smart (den Stadtwagen aus dem Hause DaimlerChrysler) fahren.
40 Minuten, ein neuer Streckenrekord war das nicht. Sportlich sind die Zeiten von regionaler Klasse (der Letzte in der Wertung kam nach anderthalb Stunden ins Ziel), der Reiz eines solchen Laufes liegt vor allem an der familiären Atmosphäre. Markus Speer weiß: "Unser Rahmenprogramm bietet für jeden etwas." Neben dem Hauptrennen gibt es Läufe für Jugendliche und Kinder, 300 Läufer starten bei diesen Bambiniläufen. Die FC Bloiskapell bläst den Marsch, für nicht laufende Kinder gibt es einen Spielparcours.
Laufen für die Galerie
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Auch die Kuppinger Aktiven nehmen die Strecke gern in Angriff. Petra, eine der Kuppinger Doku-Soap-Läuferinnen, legte auf den letzten hundert Metern vor dem Ziel noch einen Sprint ein – für die Galerie. Sie klagt: "In meiner Altersklasse sind so starke Jahrgänge, da kann ich selten ganz vorn sein." Ihre Hoffnung: "Nächstes Jahr wechsele ich in die nächste Alterklasse." Der Wermutstropfen: "Auch die anderen werden älter." Nach ihrem Lauf war das Tagwerk für Petra noch nicht verrichtet. Helfen ist angesagt. Über 100 Leute, die sich aktiv einbringen, benötigt in der Organisation ein solcher Tag. Vier Monate vorher geht der Lauf, obwohl er ja inzwischen schon Routine ist, in seine heiße Planungsphase. Da muss jeder ran.
Hilfe ist erbeten
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Und wenn sie von ganz oben kommt. Die Vereinigung SRS, die sich beim Zigeunerberglauf ebenfalls mit einem Stand präsentierte, hat dafür einen speziellen Draht entwickelt. SRS ist das Kürzel für "Sportler ruft Sportler". Diese Organisation ist eine bundesweite christliche Sportlervereinigung. Sie möchte Sportlern helfen, ihnen Beistand liefern. Der kommt von ganz oben. "Jesus ist Sieger" hieß der Aufdruck des T-Shirts, das die SRS auslegte. Eine Dreiviertelstunde vor dem Rennen gab es eine Andacht, wenige Minuten zwar nur, dennoch nutzten 20 Sportler diese Art, sich vor dem Wettkampf noch einmal zu sammeln. Das Neue Testament bringt die Organisation auch heraus, darin enthalten: Lebensberichte internationaler Spitzensportler. Ein Läufer ist auch dabei, Ueli Horisberger, einmal Schweizer Vizemeister im Berglauf. Von einem familiären Schicksalsschlag berichtet er, und wie er damit fertig wurde. Der Eidgenosse wurde "in tiefe Abhängigkeit von Jesus" geführt. Einmal, vor dem Start zu einem für ihn wichtigen Rennen, dem Jungfrau-Marathon, betete er "zu Jesus für die richtige Einstellung, Tempowahl und dass er mein Trainer sei". Es soll geholfen haben, er erreichte sein Ziel in den Top Ten. Das favorisierte Bibel-Motto des Bergläufers (aus 1. Petrus 5,7): "Überlasst alle eure Sorgen Gott, denn er sorgt für euch".
Die RUNNING Doku Soap IX: Aus dem Leben eines Laufvereins
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von Frank Simoneit
Unsere Kuppinger sind ja ausgefuchste Läufer – das dürfte nach diesem Jahr und den insgesamt neun Teilen dieser Doku-Soap klar geworden sein. Was sich allerdings Walter Uhl ausgedacht hat, war neu. Deswegen soll Walter jetzt auch im Mittelpunkt dieses Finales stehen. Im Verein wird Walter nur der Dolmetscher genannt. Der gelernte Lehrer ist ein echtes Sprach-Genie. Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch – alles kein Problem. Gerade lernt der Polyglotte Russisch. Laufen die Kuppinger irgendwo im Ausland, muss Walter übersetzen. Seine Marathon- Bestzeit: 3:29 Stunden. Und genau das ist Walters Problem.
Denn Walter ist ehrgeizig. Seine 42,195-Kilometer-Zeit will er unbedingt verbessern. Letzter Versuch: beim Marathon in Ulm – der zeitgleich mit dem Berlin Marathon Ende September stattfand – sollte der Lauf bei gleicher Distanz bereits fünf Minuten eher für ihn zu Ende sein. Walters Idee: Er holte sich einen Hasen. Ganz profi-like, sieht man ja bei den großen Rennen, wenn die großen Rekorde angegangen werden. Diese engagierten Tempomacher laufen ein bestimmtes Tempo vom Start weg bis zu einem Streckenpunkt, danach muss der Star alleine weiterkommen.
Walter wäre allerdings nicht bei den gewieften Kuppingern, wenn er sich nicht einen Spezialtrick hätte einfallen lassen. Sein Hase lief nicht zu Anfang, sondern zum Ende des Marathons. Bei Kilometer 30 erst stieg er ein. Um so, wenn die letzten schlimmen Kilometer warten, wenn der Mann mit dem gefürchteten Hammer sein Instrument schwingt – genau dann sollte der Bruder von Walter ihn ziehen. Und er hatte seine Hausaufgaben gemacht. Walter: "Er signalisierte mir, dass mir nur eine Minute fehlte." Doch Walter war bereits ausgepowert, die ersten 30 Kilometer war er einen "Tick zu schnell" gelaufen. Das Ende der Geschichte: Walter lief zum ersten Mal in seiner Läuferkarriere einen Marathon nicht zu Ende. Bei Kilometer 32 stieg er aus. Walter fühlte "einen tiefen Schlag an Frustration". Das war ein falscher Hase.
Wiedergutmachung beim Schönbuchlauf
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Dass Walter aber ein erfahrener Läufer ist, der auch mit Tiefschlägen umgehen kann, zeigte er wenige Wochen später beim Lauf in Hildrizhausen. Die 25 Kilometer durch den schönen Schönbuch endeten in einer für ihn neuen Rekordzeit.
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Die Kuppinger – immer für eine Überraschung gut. Erinnern wir uns: Beate, die von einer Zeit unter 3.45 Stunden im Marathon immer geträumt hatte und beim Köln Marathon tatsächlich einmal eine Zeit von 3:44 Stunden schaffte. Allerdings hatte sie ihre Stoppuhr schon nach 41 Kilometern gedrückt – das große Ziel war einfach zu verlockend. Oder Michael. Nach dem Frühstück vor dem Berlin Marathon bekommt er keine Luft mehr, muss auf die Intensivstation im Krankenhaus. Unverträglichkeit von Soja-Milch. Am nächsten Tag läuft er den Marathon – entgegen den Ratschlägen der Ärzte – in 2.57 Stunden. Eine unglaubliche Leistung. |
Klaus hat auch einen witzigen Spruch parat gehabt. Der schwergewichtige Läufer hat extra für den New York Marathon viele Kilogramm über viele Kilometer abtrainiert, danach legt er wieder zu. Der Joschka Fischer von Kuppingen ist ein bisschen disziplinlos, was das Laufen angeht: "Wenn ich mich aufmachen wollte, dann war der Schweinehund schon da." Im Sommer werden die Kuppinger Frauen Cross-Kreis-Meister. Das ließ sich nicht vermeiden. Petra: "Wir waren die einzige Frauenmannschaft." Und Albrecht Mayer entscheidet sich, beim sagenhaften Deutschlandlauf mitzumachen. 1200 Kilometer, der tapfere Albrecht schafft 650 Kilometer, dann muss er nach Schmerzen aufgeben. Trotzdem Hut ab.
Ebenfalls im Sommer findet in Herrenberg das große Laufereignis statt: der Hundert-Kilometer-Lauf. Organisiert von den Kuppingern. Fast 1000 Läufer treten in Mannschaften zu zehn Teilnehmern an. Wer am ehesten die 100 Kilometer schafft, ist Sieger. Das erste Team brauchte 5.27 Stunden. Insgesamt wurden bei 5688 Runden 7394 Kilometer von allen Mannschaften zurückgelegt. Danach machen die Bussard-Angriffe den Kuppingern das Laufleben schwer. Albrecht trägt zur Abwehr bei seinen Waldläufen eine Mehraugen-Tarnkappe – um so die gefürchteten Vögel zu täuschen. Markus, genannt Joe McWäffele, leidet besonders unter ihnen. Deswegen läuft er so schnell. So viele Geschichten, so viele Läufer – die Kuppinger, unser Musterverein für dieses Laufjahr 2005, haben eine ganze Menge erlebt. Schön, dass wir dabei alles vom Streckenrand beobachten konnten.
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