Hotelnacht
Still liege ich auf meinem Bett, lausche angestrengt. Dunkelheit herrscht in meinem Hotelzimmer. Stille. Etwas hat mich geweckt. Aber was? Ich schaue auf die Leuchtziffern der Uhr, die im Dunkeln leuchten.
2.36 Uhr! Ich bin vor einer knappen Stunde erst zu Bett gegangen und dem entsprechend müde. Also schließe ich die Augen und dann - höre ich es wieder. Ein leises Geräusch. Es hört sich an, als wenn ein kleines Kind wimmert. Dann ein Flüstern. Ich denke: „Aha, die Mutter beruhigt es“. Mit diesen Gedanken will ich wieder einschlafen. Da ist das Geräusch wieder. Lauter diesmal, deutlicher. Und plötzlich dämmert die Erkenntnis. Das ist kein Kind! Ich höre es plötzlich genau. „Ja, ja, fester. Ja, oh ja…“
Oh Gott, denke ich. Bitte nicht! Bloß keine Nummer im Nebenzimmer! Das ist grausam. Schließlich liege ich hier ganz allein in meinem Bett. Du bist nicht da. Wie soll ich das denn aushalten? Ich denke: Mach die Augen zu. Hör nicht hin! Wenn das so einfach wäre. Ich schließe die Augen, höre die Töne aus dem Nachbarraum und dann ist es tatsächlich ganz einfach.
Es braucht nur ein wenig Phantasie und schon spüre ich dich zwischen meinen Schenkeln. Während deine Hände zu meinen Brüsten wandern, sie liebkosen und kneten, spüre ich deine Zunge an meinem empfindlichsten Punkt. „Ja. Schön. Mach weiter.“, höre ich sie nebenan. Mein Körper wölbt sich dir entgegen. Ich will jetzt Sex, sofort, schnell, hart. Und schon spüre ich dich genau so. Mein Atem geht keuchend. Oder ist sie das, die Frau von nebenan? Nein, ihr heftiges Atmen, ihre Lustschreie werden zu meinen. Wir sind eins. „Ja, weiter. Nicht aufhören“, höre ich sie und mich in einem Atemzug. Ich bin völlig nassgeschwitzt. Sie sicher auch. Mir ist so heiß und ich will mehr, noch mehr. „Ja. Oh Gott mach weiter. Schneller. Ja, ja, jaaa…“ Ein letztes Aufbäumen, ein letzter Schrei. Atemlos liege ich auf dem Bett, die Decke ist heruntergerutscht. Eine Weile bleibe ich liegen und lausche. Ich höre nur noch meinen eigenen Atem, der sich allmählich beruhigt. Ich lächle und schaue wieder zur Uhr. 2.46 Uhr. Mir wird kühl. Ich hebe die Decke auf, ziehe sie über meinen Körper, dreh mich auf den Bauch und schließe die Augen. Und schon sehe ich dich wieder vor mir. Du lehnst lässig an einem Tisch, die Beine übereinandergeschlagen und im Gesicht das freche, jungenhafte Grinsen, das ich so anziehend und sexy finde.
Mit einem Finger winkst du mich zu dir und ich – komme!

Benny
Mein Klingeln scheint niemand zu hören. Also stelle ich den Einkaufskorb ab und suche den Haustürschlüssel in der Handtasche. Als ich ihn endlich gefunden habe, geht die Tür auf.
Mein Sohn Tommy steht vor mir. Aus seinem Zimmer dröhnt Musik. Ich bin geschafft und darum nervt mich das Dröhnen der Bässe. Gerade will ich meinem Sohn ein paar Takte erzählen, als die Musik leiser wird. „Entschuldigen sie Frau M., wir haben wohl bei der Lautstärke ihr Klingeln überhört.", sagt Benny, der verlegen lächelnd in der Tür steht. Er ist Tommys Freund und bei uns fast zuhause. Ich mag Benny, denn er ist hilfsbereit und zuvorkommend. Das färbt auch auf Tommy ab. Äußerlich könnten sie unterschiedlicher nicht sein, denke ich und betrachte die Beiden, wie sie da so nebeneinander stehen. Tommy wirkt schlaksig, hat blitzblaue Augen die immer zu lachen scheinen und sieht mit 23 noch wie ein frecher Lausbub aus. Benny dagegen ist gut 1,90 m groß, muskulös, hat kurze dunkle Haare und samtbraune Augen. Er wirkt sehr viel erwachsener. Ein Typ, auf den die Mädels abfahren.
Selbst mir könnte er gefallen, denke ich und schäme mich dafür. Wenn ich 20 Jahre jünger wäre - okay. Aber ich könnte seine Mutter sein! Obwohl, so wie er mich im Moment ansieht, sieht man seine Mutter sicher nicht an. Doch schon ist dieser Moment vorbei und er greift nach dem Einkaufskorb, den ich ebenfalls gerade nehmen will. Dadurch fasst er meine Hand und erschreckt lassen wir beide gleichzeitig wieder los. Der Korb wackelt gefährlich, aber schon hat Benny ihn im Griff und trägt ihn in die Küche. „Nimm dir ein Beispiel an deinem Freund.“ Mit einem leichten Räuspern schiebe ich Tommy beiseite. Der hat das kleine Intermezzo nicht einmal bemerkt und ich glaube, ich hatte wohl einen Tagtraum. Einen unmöglichen noch dazu. Tommy hakt sich bei mir ein und wir folgen Benny in die Küche. Die beiden Jungs helfen beim Einräumen der Einkäufe. Wenn Benny mir etwas zum weg stellen reicht, berühren sich unsere Finger gelegentlich. Das passierte auch früher schon, aber heute habe ich den Eindruck, dass er es provoziert! Einbildung Joria, sage ich mir. Dazu ist er viel zu schüchtern und außerdem – nein, du bist entschieden zu alt! Um meine Unsicherheit zu überspielen frage ich: „Na ihr zwei, wollt ihr noch mal weg, oder esst ihr mit mir zu Abend?“ Tommy ist schon dabei alles fürs Pizza backen vorzubereiten, was meine Frage beantwortet. Er sieht mich lausbübisch an, während er den Teig knetet. „Da wir dich nicht gebührend empfangen haben, werde ich Pizza machen. Benny deckt den Tisch und du kannst gemütlich duschen gehen, was Bequemes anziehen und dich dann nur noch an den Tisch setzen zum Essen. Okay?“ Ich fühle mich wirklich erhitzt und bin froh über das Angebot.
Da ich aber gerne mit meinem Sohn herumalbere frage ich stirnrunzelnd: „Ach die jungen Herren meinen wohl, dass ich alte Frau so nicht frisch und hübsch genug bin, um mit ihnen an einem Tisch zu speisen?“ Meinem Sohn fällt es schwer sich das Lachen zu verkneifen. Er murmelt:„So ist es.“ Benny bemerkt nicht, dass wir nur herumalbern. Er versucht zu schlichten. „Tommy, sag nicht so was. Deine Mutter ist doch eine tolle Frau, richtig sexy.“ Er sieht mich dabei mit einem Blick an, der mir fasst die Knie weich werden lässt. Sehe ich tatsächlich Lust in seinen Augen? Lust auf mich? Mich reitet wohl der Teufel, denn jetzt will ich es jetzt wissen und gehe mit übertrieben wackelnden Hüften auf Benny zu. „Ach ja? Diese Antwort bekommt 10 Punkte und einen Kuss.“ Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und will ihn auf die Wange küssen. Er aber dreht den Kopf, so dass meine Lippen die seinen streifen. Das er mich kurz an sich zieht ist keine Einbildung! Ich schiele erschreckt zu meinem Sohn. Zum Glück ist der mit der Pizza beschäftigt. Also versuche ich, das Beste aus der Situation zu machen und wie eine Filmdiva die Treppe hoch zu meinem Zimmer zu gehen. Hinter mir lachen die Jungs los. Ich drehe mich um und lache mit. Aber ich sehe das Glitzern in Bennys Augen. Mein Herz beginnt schneller zu schlagen. Ich rufe mich zur Ordnung. Joria, du bist verrückt. Er ist viel zu jung! Was du gesehen und gefühlt hast, kann nur in deiner Phantasie existieren.
Du hast eindeutig zu wenig Sex! Während ich mein Zimmer betrete überlege ich schon, was ich Schickes zum Essen anziehen könnte. Das Spiel mit dem Feuer gefällt mir!
Erst einmal aber schminke ich mich ab. Ich stopfe gerade meine Sachen in den Wäschesack, als das Telefon klingelt. „Ist das für mich?“ rufe ich hinunter. Tommy antwortet: „Ne, ich muss noch mal weg. Aber die Pizza schieb ich noch in den Ofen. Was willst du drauf haben?“ Nachdem ich mich für Ananas und Schinken entschieden habe, gehe ich in mein kleines Bad. Es liegt gleich neben meinem Zimmer und die Spiegelfliesen darin lassen den Raum viel größer erscheinen. Außerdem kann ich mich von allen Seiten betrachten. „Für 42 bist du doch noch gut in Schuss meine Liebe“, sage ich zu mir, während ich mit den Händen über meinen Körper fahre. Die Brüste sind voll und noch fest, wenn auch nicht mehr ganz so knackig wie mit 18. Ich streiche mit den Fingernägeln darüber. Sofort verhärten die Brustwarzen und werden eine Nuance dunkler. Die Taille ist schlank, die Hüften sind voll und der Po ist auch okay. Einzig der Bauch ist eine Spur zu rund, denke ich. Meine Finger gleiten über ihn hinweg zum Venushügel, auf dem kein Härchen zu sehen ist. Da ich es nie schaffe ein perfektes Dreieck zu rasieren, habe ich eben „Tabula rasa“ gemacht. Mir gefällt es so. Meine Finger folgen dem offenen Weg, bis sie ihr Ziel zwischen meinen Schenkeln finden. Sofort durchzieht mich ein leichtes Kribbeln.
So Joria, und nun unter die Dusche, bevor es hier ohne Wasser feucht wird, grinse ich mein Spiegelbild an. Ich schließe die Duschkabinentür und drehe den Wasserhahn auf. Herrlich warm läuft das Wasser über meinen Körper. Ich schließe die Augen und genieße das Gefühl. Als ich nach der Duschcreme greifen will, spüre ich einen Luftzug. Erschrocken drehe ich mich um und weiß gar nicht, was ich zuerst bedecken soll. Brüste, Scham? Benny steht vor mir und sieht mich mit einem Blick an, den ich nicht einordnen kann. Zärtlich, verlangend?
„Sag mal, spinnst du?“ fahre ich ihn in meiner Verzweiflung an. „Was machst du hier?“ Er hält mir ein Badetuch hin. „Hier, ich hatte vergessen, dass ich mir deins heute Mittag geliehen habe. Jetzt bringe ich dir ein Neues. Aber noch brauchst du es ja nicht, oder?“ „Nein, ich bin ja noch nicht einmal eingeseift“ antworte ich und stehe immer noch nackt vor dem Freund meines Sohnes, der mich plötzlich duzt, was er noch nie getan hat!
„Nun aber raus. Du hast genug gesehen.“
Ich weiß nicht, ob ich das Ganze ernst nehmen, oder ins Lächerliche ziehen soll. Benny nimmt mir die Entscheidung ab. Er geht nicht! Er steht da, betrachtet mich und sagt: „Nein. Ich hab noch lange nicht genug von dir gesehen.“ Seine Augen gleiten hungrig über meinen Körper. Als er den kahlen Venushügel sieht, stöhnt er leise auf.
„Joria, ich finde dich schon lange toll. Sei nicht böse. Ich möchte dich streicheln, küssen. Du machst mich verrückt.“ Seine Stimme klingt anders als sonst. Sie ist tiefer, etwas rau und ich fühle, dass er ernst meint, was er sagt. Und auch die Beule in seiner Hose spricht eine deutliche Sprache. Als er sich das T-Shirt über den Kopf zieht und ich seinen muskulösen Oberkörper sehe spüre ich, dass ich es auch will. Mein Bauch sagt: Nimm ihn, jetzt, hier. Mein Kopf sagt: Sei vernünftig, das geht nicht gut. Ich flüstere: „Aber Benny, ich bin viel zu alt für dich. Was denkst du dir da bloß? Und außerdem, wenn Tommy...“ Ganz zart verschließt seine Hand meinen Mund. „Zu alt? Sag so was nie wieder. Du bist schön, begehrenswert, jung. Und Tommy ist weggefahren. Es wird spät, hat er gesagt. Und jetzt werde ich dich einseifen.“ Benny übernimmt, nun gar nicht mehr schüchtern, das Kommando und ich will mich nicht mehr dagegen wehren!
Er zieht die Jeans und die Shorts aus und was ich sehe, lässt mich unruhig werden. Leicht streichen seine Finger die Duschcreme auf meine Brüste, meine Hüften, den Po und die Beine. Dann schmiegt er sich an mich. Als er sich an mir reibt ist es, als seife er mich mit seinem ganzen Körper ein. Sein steifer Phallus streift immer wieder meinen glatten Hügel. Ich denke: Okay Joria, er will es und du auch. Also genieße einfach.
Bennys Hände auf meinen Brüsten werden immer mutiger und während sie massierend weiter über den Bauch zu meinen Schenkeln gleiten, schließe ich voll freudiger Erwartung die Augen.
Plötzlich spüre ich einen Luftzug und als ich die Augen öffne sehe ich Benny vor mir. Seine Augen hängen an meinen Händen, die zwischen meinen Schenkeln ins stocken geraten sind.
Dann sieht er mich lächelnd an, zieht das Shirt aus und stellt sich ohne ein Wort zu sagen, mit unter die Dusche.
Mit allen Sinnen...
Sie ist in meiner Hand! Und ich muss sagen, das gefällt mir sehr. Sie gefällt mir sehr.Vor allem liebe ich an ihr dieses frische, kräftige Rot, das einem Betrachter bei ihrem Anblick als Erstes ins Auge fällt. Irgendwie erinnert sie mich wieder an Schneewittchen. So weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz - genauso ist sie. Dazu kommt dieser süße Duft, der sie immer umgibt.
Er ist ganz leicht, kaum wahrnehmbar. Automatisch atme ich tief ein, um ihn aufzufangen, einzufangen, in mir zu verschließen.
Sehr ansprechend auch ihre Rundungen. Sie locken so milchweiß und laden einfach zum Naschen ein. Dieses Runde, Weiche ergibt einen merkwürdigen, aber nicht unangenehmen Kontrast zu den eher sehr eckig wirkenden Konturen in der Mitte. Hier wirkt sie fast ein wenig spröde. Doch das macht nichts.
Sie ist trotzdem einfach zum anknabbern. Jedes Mal wieder denke ich: Eine Bessere hattest du im ganzen Leben noch nicht. Und dann diese gewisse Kühle, die sie ausstrahlt! Das macht mich so an!
Oh Gott am liebsten würde ich sie hier, sofort.... Aber wie sähe das denn aus?
Nein, ich weiß mich zu zügeln. Schließlich bin ich ein erwachsener Mann und kein grüner Bengel, der sofort seiner Lust nachgibt. Trotzdem - mich bringt schon allein ihr Anblick zum schwärmen. Aber so lange es geht möchte ich ihn einfach nur genießen. Das Hinauszögern des Augenblicks der vollkommenen Verschmelzung macht mich wild.
Ich will sie, muss sie haben!
Und ich spüre, dass sie nun auch unter meinen Fingern langsam ein wenig wärmer wird. Oh jetzt fühle ich, dass sie schon zu tropfen beginnt! Nun aber schnell. Sanft, mit einem einzigen leichten Zungenschlag, fange ich den ersten Tropfen auf. Genießerisch verdrehe ich die Augen, seufze sehnsüchtig und habe nun ihren Geschmack auf den Lippen, auf der Zunge und genieße, genieße, genieße. Dass meine Finger allmählich feucht werden ist mir egal. Lass die Anderen doch den Kopf schütteln. Von mir aus können sie auch über mich lächeln. Es stört mich nicht, denn so wie sie jetzt ist, so liebe ich sie!
"Paß doch auf Ralf. Dein Sahne-Kirsch-Eis tropft dir das Hemd voll. Oh Mann und Schokosplitter hast du mehr in deinem Bart als in deinem Mund." zischt Rita mir genau in diesem Moment zu. Vorbei ist die sinnliche Eisschleckerei.
(©Iris Köhler-Terz 11.04.05)

Worte im Wind
Stundenlang könnte ich so an deinem Bett stehen und dich immer nur ansehen.
Du siehst so verletzlich aus, wenn du schläfst. Dieser Eindruck wird noch verschärft durch die Augenringe, die ich wohl bemerke und durch die Tränen auf deinem Gesicht. Du weinst im Traum.
Ach Liebling, ich wollte dich nicht verlassen. Aber es war einfach nicht anders möglich, dass weiß ich jetzt. Wenn ich sehe, dass du immer noch leidest, möchte ich selbst weinen. Du sollst nicht mehr traurig sein!
Durch das offene Fenster strömt warme Sommerluft und trägt einen Hauch Rosenduft herein. Leise und ganz vorsichtig lege ich mich neben dich. Ich möchte dich nicht wecken. Die Decke ist auf den Boden gerutscht. Ich sehe dass du, wie früher schon, nackt schläfst. Ach, wie gut kann ich mich an früher erinnern.
Vorsichtig berühre ich deine Wange, deine Lippen. Deine Augenlider beginnen zu flattern. Schlaf weiter mein Liebster. Ich würde so gerne in deine strahlend blauen Augen sehe. Aber ich will zufrieden damit sein, überhaupt bei dir sein zu können.
Meine Lippen berühren deinen Mund. Es ist kein richtiger Kuss, ich weiß. Es ist nur ein Hauch. Doch du spürst es, denn du drehst dich zu mir und lächelst im Schlaf.
Als ich meine Finger in deinem dunklen Haar vergrabe und mich an dich schmiege, stöhnst du leise auf. Ich rieche deinen Duft, sauge ihn tief in mich hinein um ihn bei mir zu haben - für alle Ewigkeit.
Dein Schlaf wird unruhig. Du drehst dich wieder um, liegst jetzt auf dem Rücken. Eine Hand hast du unter dem Kopf, die andere liegt locker auf deinem Bauch. Wie oft habe ich dich so schlafen sehen und dich durch das leichte Kitzeln meiner Zunge in deinem Bauchnabel geweckt. Vielleicht wird es ja irgendwann einmal wieder möglich sein. Warum nicht? Ich weiß genau, es ist möglich!
Ich schaue zur Uhr. Zeit zum Abschied nehmen. Ob du wohl jemals erfahren wirst, dass ich heute nacht bei dir war?
Ich küsse dich ein letztes Mal und kann nicht anders - meine Hände und gleich danach meine Lippen, gleiten über deinen Körper. Ich spüre deine warme Haut und genieße diese Berührung mit jeder Faser.
Dann flüstere ich dir leise zu: "Sei nicht länger traurig mein Liebster. Wir sehen uns wieder. Ich werde warten." Dann gehe ich lautlos, wie ich kam.
Erschreckt fährt Tom aus dem Schlaf. "Ina?" Verwirrt schaut er sich um. "Ina, wo bist du? Ich habe doch gespürt, dass du da bist. Und dein Parfüm, ich rieche es..." Dann überzieht Traurigkeit wie ein dunkler Schleier seine Augen. Er sieht zum Nachtschränkchen, auf dem das Bild einer jungen, hübschen Frau steht. Es ist mit einem schwarzen Bändchen umwunden.
Während Tom das Bild in die Hand nimmt, spielt der Wind leise in der Gardine und Tom hört es auf einmal ganz deutlich: "Sei nicht länger traurig mein Liebster. Wir sehen uns wieder. Ich werde warten..." (ãIKT April2004)
Bernsteinaugen
Da liegt sie nun in den weichen, weißen Kissen. Zart und verletzlich sieht sie aus und er hält ihre Hand, die fast so weiß wie das Laken ist. Die Augenlider sind geschlossen, so dass er ihre wunderschönen, hellbraunen Augen nicht sehen kann.
Er lehnt sich zurück, sieht blicklos in die Ferne und erinnert sich:
Es war der Blick aus diesen Augen, der ihn gefangen hatte. Wie Bernstein funkelten sie. Vor allem, wenn sie ausgelassen um die Wette gerannt waren und er sie dann doch eingeholt hatte. Wenn sein starker Arm sie festhielt, dann blitzten sie. Und wenn er ihr tiefschwarzes, glänzendes Haar aus der feuchten Stirn strich, ihre frischen, roten Lippen küsste, dann schlossen sich diese Bernsteinaugen ganz langsam und in diesem Moment sah er in ihnen den Glanz, den wohl nur Liebende sehen können.
Von Anfang an hatten sie beide gespürt, dass sie etwas verbindet. Von Anfang an hatte sie ihm vertraut. Und von Anfang an hatte er gewusst, dass er nie wieder jemand Anderen würde so lieben können, wie er sie liebte.
Natürlich gab es auch Streit zwischen ihnen. Aber der hielt nie lange an und die Versöhnungen allein waren es wert, gestritten zu haben!
Ein tiefer Seufzer kommt aus seiner Kehle.
Kinder hatten sie keine gehabt.
Mit 19 Jahren war sie schwanger geworden. Der Krieg lag in den letzten Zügen und er hatte gerade in den Tagen, in denen das Kind geboren werden sollte, Urlaub. Dann wurde er früher zurückbeordert, weil die Front immer näher kam. Er sah seine Tochter nie. Sie starb wenige Stunden nach der Geburt.
Sie litten beide noch einmal, als sie Jahre später erfuhren, dass sie nie wieder ein Kind haben würden.
Und doch hatten sie ein erfülltes, ja schönes Leben gelebt.
Tief in seinem Inneren breitet sich wohlige Wärme aus, als er an die vergangenen Jahre denkt.
Sicher, ihr Haar ist inzwischen weiß, die einst vollen, roten Lippen sind jetzt welk und blass, aber er sieht in ihr immer noch sein "Bernsteinauge".
Plötzlich spürt er, dass sich ihre Hand in seiner bewegt. Als er aufsieht bemerkt er, wie sie mühsam zu sprechen versucht. Ganz dicht legt er sein Ohr an ihren Mund und hört sie flüstern:
"Bald kann ich Gott dafür danken, dir begegnet zu sein." Mit Tränen in den Augen streicht ihr der alte Mann das schlohweiße Haar aus der feuchten Stirn und küsst die bleichen Lippen. Dann sieht er, wie ein Lächeln ihr Gesicht verjüngt. Ihre Bernsteinaugen schließen sich ganz langsam und in diesem Moment bemerkt er ein letztes Mal den Glanz in ihnen, den wohl nur Liebende sehen können.
(IKT 14. 07.04)

Das Mädchen und der Tod
Mara sitzt erschöpft in ihrem Sessel am Balkonfenster. Wieder einmal war sie im Krankenhaus gewesen. Wieder einmal war alles umsonst. Wieder einmal hatte nichts die so sehr erhoffte Besserung gebracht. Die Blutwerte waren so schlecht wie nie, die Schmerzen nur mit Medikamenten zu ertragen.
Mara hatte es so satt. Deshalb wollte sie auch nicht im Krankenhaus bleiben. "Kämpfen", murmelt sie erschöpft, "Kämpfen. Wofür denn?" Aus ihren großen braunen Augen rinnen Tränen. Das Gesicht ist so blass, dass es fast durchscheinend wirkt. Nur auf die Wangen brennt das Fieber rote Flecken.
Langsam erhebt sich Mara. Sie will nur ins Bett und schlafen, nichts als schlafen. "Ja" murmelt sie, "schlafen - am besten für immer."
Dieser Gedanke hat etwas sehr tröstliches für sie. Anstatt die Rollos herunter zu lassen, öffnet sie weit die Balkontür und starrt in die dunkle, kühle Herbstnacht hinaus. Das Mondlicht verwandelt die mächtigen Kastanien auf der anderen Straßenseite in Riesen, deren lange Arme sich Mara entgegenstrecken, als wollten sie nach ihr greifen. Die dünnen Schatten, die die Äste werfen, sehen aus wie Gestalten aus einer anderen Welt.
Mara fröstelt. Sie flüstert: "Ja Tod, du dunkler Freund, komm zu mir, nimm mich mit. Ich will dir gehören. Gib mir endlich Ruhe und Frieden." Dann dreht sie sich um und geht zu Bett. Sie ist zu müde um sich auszuziehen, sich zu duschen. Sie fällt sofort in einen tiefen Schlaf.
Wer sie sehen könnte, würde sicher an Schneewittchen erinnert, denn "so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz" - genauso liegt sie dort.
Die Balkontür steht offen. Die Nachtluft streift die Gardinen und streicht über den fieberheißen Körper. Aus den vielen Schatten löst sich langsam eine Gestalt. Sie ist lang und dürr und so düster, dass sie unheimlich wirkt. Diese Gestalt geht auf das Haus zu. Geht? Es sieht eher aus als schwebe sie. Und dann steigt sie auf! Sie schwebt tatsächlich! Schwebt hinauf bis zur einladend offenen Balkontür und verschwindet in Maras Zimmer. Der Mond wirft fahles Licht in den Raum. Diese Person, dieses Etwas, was immer es ist, steht vor Maras Bett. Der Kopf ist leicht geneigt, als betrachte es die Schlafende.
Wenn jemand durch das Fenster sehen könnte, würde er wohl vor Schreck zu Stein werden, denn "Es" strahlt eine Kälte aus, die jeden Menschen verbrennen würde. Und in seiner Schwärze wirkt die Gestalt, als sei sie der Unterwelt entstiegen. Grauenhaft sieht sie aus, obwohl nichts anderes zu sehen ist, als eine Figur in langem schwarzen Mantel. Der Kopf ist unter einer Kapuze verborgen. Noch immer steht "Es" still am Bett. Dann kommt langsam eine weiße, zerbrechlich wirkende Hand aus den Falten des Mantels gekrochen. Mit einer seltsam anmutenden Zartheit berührt sie die Stirn des Mädchens, streichelt ganz langsam über das fieberglühende Gesicht, berührt Hals, Körper, Beine und Arme. Dann verschwindet die Hand wieder in den scheinbar unendlichen Tiefen des Umhanges, um gleich darauf nochmals aufzutauchen. Sie legt etwas neben Maras Gesicht auf das Kopfkissen, beugt sich ein wenig tiefer und flüstert mit einer Stimme, die an klirrendes Eis erinnert: "Nein meine Liebe, heute werde ich dich nicht mit mir nehmen. Du wirst noch viele sonnige Tage erleben, im Regen tanzen und die Kälte des Winters lieben. Erst wenn du alt und grau bist, dann komme ich wieder. Dann hole ich dich!"
Plötzlich verschwindet die Gestalt. Kein Schweben, kein allmähliches Verschwinden, nein, sie ist einfach weg.
Der Himmel wird vom Morgenrot in die herrlichsten Farben getaucht. Die Hähne im Dorf beginnen zu krähen. Mara reckt und streckt sich. Dann spürt sie die Kälte und erschrickt. "Mein Gott, da hab ich das Fenster aufgelassen. Ich hätte ja erfrieren können." Sie springt aus dem Bett. Springt? Mara sieht an sich hinab. Ja es geht ihr gut. So gut wie lange nicht. Was ist bloß geschehen? Sie schließt das Fenster und geht zurück zum Bett. Gerade als sie sich in die Decke kuscheln will, sieht sie auf dem Kopfkissen eine Rose liegen. Eine Rose die so schwarz ist wie die Nacht! Samtig sind die Blütenblätter, die ihre Finger berühren und ein eigenartiger, feiner Duft durchzieht das Zimmer. Wie kommt die Rose hierher? Mara erinnert sich an den Traum der letzten Nacht. An die düstere, dunkle Gestalt, die sie so sanft gestreichelt hatte, zu der sie sich hingezogen fühlte in diesem Traum. Lächelnd hört sie es flüstern: "Erst wenn du alt und grau bist, dann komme ich wieder! Dann hole ich dich."
Eine kleine Schlossgeschichte
Sie sind immer noch da, die beiden steinernen Reiter am Anfang der Brücke. Ich hatte schon beim ersten Mal als ich sie 1978 sah den Eindruck, als bewachten sie den Eingang des Schlosses. Und genauso wirken sie auch heute noch auf mich. Ja, morgen ist es genau 26 Jahre her, dass ich hier mein Fachschulstudium begann. Und darum findet morgen auch das Klassentreffen statt, zu dem außer den ehemaligen Fachschülerinnen auch alle Lehrer eingeladen wurden. Auf die Mädels freu ich mich. Und die Lehrer? Ob auch wirklich alle kommen? Ich hoffe es so!
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Die Menschen die vorbeigehen sehen mich erstaunt an, als ich zu einem der beiden Reiter liebevoll sage: "Schön dich wieder zu sehen." Sie wissen ja nicht, dass er mich drei Jahre lang täglich begrüßte, wenn ich zum Unterricht ins Schloss ging, drei Jahre lang meine Flüche hörte, wenn eine Klausur bevorstand. Ich lächle und gehe weiter. Als ich diese Brücke vor 26 Jahren das erste Mal überquerte, wusste ich noch nicht was mich erwartet. Ich freute mich nur darüber, dass ich Kindergärtnerin werden durfte. Langsam lasse ich die Brücke hinter mir und betrete den Schlosspark. Ich beobachte die anderen Besucher. Was denken sie wohl angesichts der Schönheit des Parks und des Schlosses?
Für mich birgt das alles Erinnerungen. Schöne, aber auch traurige. Schon stehe ich in der kleinenGrotte, direkt am Wasser. Liebesgrotte nannten wir sie. Hier konnte man sich damals ungestört mit seinem Freund treffen, ohne beobachtet zu werden. Hier konnte man knutschen, ohne hinterher hören zu müssen, dass sich eine angehende Kindergärtnerin so nicht in der Öffentlichkeit benimmt.
Auch ich traf mich hier mit einem Mann, denn auch wir wollten nicht gesehen werden. Nein, wir durften nicht gesehen werden!
Hier gab mir Tommy den ersten Kuss - und auch den letzten.
Nachdenklich gehe ich noch dichter ans Wasser und blicke über den See. Thomas R. war meine erste große Liebe. Und schon bevor sie richtig begann musste sie vorbei sein, denn Thomas war mein Sportlehrer hier in der Fachschule. Mein Gott, wie habe ich ihn angebetet. Er war 29, athletisch gebaut, ohne eklige Muskelpakete. Sein Gesicht war kantig, was aber durch volle, weiche Lippen und eine gerade schmale Nase gemildert wurde und einfach nur markant wirkte. Schwarzes schulterlanges Haar umrahmte das Gesicht. Das Schönste aber waren seine strahlend blauen Augen, bekränzt von dunklen Wimpern. Und wenn er lächelte, dann waren es seine Augen, die als erstes lachten.
Als er uns in der ersten Sportstunde ansprach waren wir wohl alle begeistert. Er hatte eine tiefe volle Stimme, die mir direkt bis ins Herz drang. Ja ich hatte mich sofort in ihn verknallt. Nur was er sagte, das gefiel mir gar nicht!
Ich war eine der Studentinnen, die sich nach dem Sporttest, liebevoll "Nulltest" genannt, als eine sportliche Null erwiesen hatte. Tommy, damals natürlich Herr R., rief alle "Nullen" der Klasse auf.
Mit mir waren es fünf Mädchen, die vortraten.
Wir wurden verpflichtet, einmal wöchentlich am "Förderunterricht Sport" teilzunehmen.
Gabi, eine Leidensgefährtin, flüsterte mir zu: "Na toll, abends ne Stunde extra. Wetten die L. scheucht uns herum?" (Frau L. war bis dato unsere Sportlehrerin und wegen ihrer strengen Art mehr gehasst als geliebt.)
Ich wollte gerade antworten, als Herr R. alle zum umziehen schickte. Gabi und mich rief er zu sich. Hochrot standen wir vor ihm. "Keine Angst meine Damen. Ich werde sie ganz persönlich betreuen und keineswegs herumscheuchen. Ich möchte nur, dass sie fit und gesund bleiben und erkennen, dass Bewegung etwas sehr Schönes sein kann. Und nun ziehen sie sich auch schnell um und genießen den schönen Abend." Bei den letzten Worten sah er mir direkt in die Augen. Ich dachte, mich trifft ein Blitz. Auf wackligen Beinen folgte ich Gabi, die schon wieder oben auf war. "Bewegung kann schön sein. Klar, mit dem auf der Matratze..."Sie grinste mich an und ich grinste zurück. Recht hatte sie!
Ich fand die ganze Woche keine Ruhe und freute mich plötzlich auf den "blöden Fördersport". Es wurden diese Stunden, die ich genoss. Tommy zeigte uns in diesem Extraunterricht die richtige Körperhaltung beim Turnen, den besten Abgang vom Reck und vom Schwebebalken, spielte mit uns Handball und lief in leichtem Tempo mit uns durch den Schlosspark . Er half allen, aber ich bemühte mich so sehr um bessere Leistungen, dass Tommy es merkte.
Er turnte mir vor, zog, drehte und schob meine Arme, Beine, Hüften oder den Kopf in die richtige Richtung und freute sich, wenn ich nach dem hundertsten Sprung endlich mehr oder weniger elegant landete. Ich bemerkte aber auch, dass er mir oft da Hilfestellung leistete, wo wir Mädels das sonst gegenseitig taten. Einmal, das gebe ich zu, nutzte ich es aus und fiel ihm geradezu in die Arme, die sich auch sofort fest um mich schlossen. Er ließ mich schnell wieder los und doch - er hatte mich eine Sekunde länger als nötig gehalten. Seine Augen leuchteten als er mich sanft von sich wegschob. Am Ende der Stunde kamen die üblichen zehn Minuten Entspannungstraining. Dabei lagen wir lang ausgestreckt auf den Matten und atmeten bewusst tief ein und aus. Herr R. ging dann zu jeder von uns und besprach leise, was schon gut war oder worauf man noch achten müsse. Mich fragte er nur: "Ich würde dich nachher gern privat sprechen. An der Grotte. Ist das okay?"
Ich nickte nur, denn es verschlug mir glatt den Atem. ER hatte mich geduzt, wollte mich privat sprechen! Die zehn Minuten wurden diesmal endlos. Eigentlich wollten wir nach der Stunde wie jedes Mal in die Disco, denn Bewegung ist ja gesund.
Aber ich tat diesmal so, als hätte ich meine Uhr verlegt Den Anderen sagte ich sie könnten schon vorgehen, ich käme nach. Dann in der Grotte - der Kuss! Es war unbeschreiblich schön. Das leise Rauschen des Sees, die Sterne - und er. In diesem Moment hätte ich sterben können vor Glück. Monate später wäre ich am liebsten an dieser Stelle wirklich gestorben. Jemand hatte, trotz aller Vorsicht, von unseren Treffen gewusst und alles der Schulleitung hinterbracht. Und obwohl es nie zu mehr als Küssen kam, wurde Thomas "strafversetzt" und konnte noch froh sein, seinen Beruf behalten zu dürfen. Sein letzter Kuss war für mich, als würde alles in mir erfrieren. Als er ging stand ich genau so am Wasser wie jetzt, mit Tränen in den Augen.
"Hallo junge Frau, darf ich sie vor diesem tollen Sonnenuntergang fotografieren?" Ärgerlich antwortete ich dem Störenfried ohne mich umzudrehen: "Wie kommen sie denn auf das schmale Brett?"
"Nun, es ist ein so schönes friedliches Bild, wie sie so verträumt auf den See schauen."
Ich drehte mich um, um ihm eine deftige Antwort zu geben. Aber der Mann wirkte so nett, irgendwie vertraut, dass ich kurz nickte. "Okay, aber dann lassen sie mich in Ruhe, ich will allein sein."
"Was soll’s" dachte ich, "soll er seinen Spaß haben." Dann hörte ich das Klicken der Kamera. Es war wieder still.
Deshalb erschrak ich auch, als er dicht hinter mir sagte: "Der See ist immer noch wunderschön, nicht wahr? Es ist solange her, aber du hast dich gar nicht verändert und es kommt mir vor, als hätten wir uns nie getrennt." Während er sprach, hatte der Fremde seinen Arm um mich gelegt. "Thomas." Leise flüsterte ich seinen Namen. Mir aber war, als hätte ich geschrieen. Fassungslos drehte ich mich um.
Ja, sein Lächeln, seine Stimme - jetzt wusste ich, warum ich ihn hatte gewähren lassen. Es war Thomas, mein Tommy! Seine schönen dunklen Haare waren kurzgeschnitten und erste Silberstreifen waren darin zu sehen. Mir liefen Freudentränen über die Wangen. Er küsste sie einfach weg. Dann hielten wir uns nur in den Armen. Kein Wort zerstörte unsere Zweisamkeit.
Nach einer Ewigkeit erst gingen wir beide weiter. "Woher wusstest du, das ich es bin?" fragte ich ihn. Er holte ein Bild aus der Jackentasche. Darauf war ich zu sehen.
Das war eindeutig ich, wenn auch viel jünger. Auf dem Bild stand ich, so wie heute, am See. 
Allerdings waren meine Haare da noch schwarz und lang. Aber ich war von der Seite aufgenommen und gut zu erkennen. Fragend sah ich Tommy an. "Das Bild machte ich damals, als ich ging. Du hast es wohl nicht bemerkt. Und als ich dich heute da stehen sah... Es war als wäre kein einziger Tag dazwischen gewesen. Außer - na ja, deine Haarfarbe ist schon etwas anders. Du rostest!"
Frech grinsend zupfte er an den roten Strähnen. "Los" rief er, "lass uns sehen, ob wir noch etwas von dem alten Kasten wieder erkennen." Hand in Hand entdeckten wir alte und neue Dinge. Die Orangerie war restauriert und wunderschön. "He, da auf dem Balkon haben wir im Sommer mit Psycho-Hotter Unterricht gemacht, obwohl das damals schon verboten war, wegen der Einsturzgefahr. Und da ist der Erker in dem ich Gitarrenunterricht hatte und da...." Ich freute mich über alles, was mir bekannt vorkam und Tommy freute sich mit mir. Wir sprachen über tausend Dinge, nur nicht über die Gegenwart. Das hatte Zeit. Thomas hatte die Idee ins Schloss zu gehen. "Mal sehen, ob die Sporthalle noch zu finden ist." Auf Anhieb fanden wir den Dienstboteneingang, durch den wir Schülerinnen damals in die "heiligen Hallen" gelangt waren. Auch den Kreuzgang fanden wir, die Sporthalle allerdings nicht. "Schade" sagte Tommy, "dass man die Zeit nicht zurückdrehen kann." Ich zog an seinem Ärmel. "Aber sie ist doch zurückgedreht. Hörst du’s denn nicht?" Er lauschte und dann nickte er. Orgelspiel drang aus der kleinen Kapelle, genau wie damals. Wie oft kamen meine Freundin und ich zu spät zum Unterricht weil wir dem herrlichen Spiel gelauscht hatten.
Ich war weit weg mit meinen Gedanken, aber Tommy holte mich zurück. Er küsste mich, zog mich fest an sich und fragte: "Kommst du mit zu mir ins Hotel? Bleibst du bei mir - diesmal für immer?"
Ich wusste, nun war es Zeit in die Gegenwart zurückzukehren und schüttelte den Kopf. "Nein Tommy, ich kann nicht. Ich bin verheiratet und liebe meinen Mann. Ich würde ihn nie betrügen, oder mich von ihm trennen."
Dass ich auch ihn, meinen Thomas, immer noch liebte, sagte ich ihm nicht. Ich sah seine blauen Augen dunkel werden. Er nickte. "Warum solltest du auch allein sein? Auch ich habe ja geheiratet. Ich bin mit meiner Frau vor zwei Jahren hierher gezogen. Ich musste einfach, denn die Erinnerungen haben mich nie losgelassen. Vielleicht ging meine Ehe auch deshalb schief. Ich lebte irgendwie in einem Traum. Morgen ist mein Scheidungstermin. Deswegen bin ich auch hier. In diesen Park gehe ich immer, wenn ich mich einsam fühle."
Ich nahm seine Hände, hielt sie einfach fest. "Werden wir uns morgen, nach deinem Termin, beim Klassentreffen sehen?" "Nein. Sei nicht böse, aber dieses zufällige Treffen - ich hatte gehofft, es sei ein Zeichen und du wärest frei." Er lächelte traurig. "Das mit uns beiden, das soll wohl nichts werden. Lass uns Adieu’ sagen Es ist besser so." Er küsste mich noch einmal, strich sacht über meine Wange, drehte sich um und ging langsam davon. Ich sah seine Gestalt immer kleiner werden. "Nicht Adieu’, sondern "Auf Wiedersehen" flüsterte ich, während die untergehende Sonne den Abendhimmel blutrot färbte.
Anmerkung: Das Schloss mitsamt den steinernen Reitern existiert tatsächlich und die Fachschule für Kindergärtnerinnen war dort lange Jahre "beheimatet".
(© IKT 14.10.04)
Connie
Langsam, sichtlich am Ende ihrer Kräfte schleppt sich Connie die Stufen hinauf. Das Paket auf ihrem Rücken drückt. Sie ist schon völlig außer Atem, und muss noch drei Stockwerke höher!
Connie scheint es ein Wink des Schicksals zu sein, dass der Fahrstuhl nicht funktioniert. Während sie sich Stufe um Stufe weiter hinaufquält, denkt sie an die letzten 2 Jahre zurück.Es fing alles relativ harmlos an.
Beim Radfahren war sie gestürzt und hatte sich eine komplizierte Knöchelfraktur zugezogen. Als die endlich verheilt war, teilte Frank ihr mit, dass er für mindestens ein Jahr nach Amerika gehen würde, weil seine Firma dort eine Zweigstelle eröffnete. "Ich kann nicht verlangen, dass du hier auf mich wartest", hatte er gesagt und ihr den Laufpass gegeben.
Die Erinnerung tat weh. Es war kein schöner Abschied gewesen. Aber immerhin ein Abschied, denkt Connie. Anders als bei Martin. Als sie an Martin denkt wird ihr das Herz schwer, die Kehle eng und sie muss kurz stehen bleiben, um sich zu sammeln.
Als sie sich beruhigt hat steigt sie weiter und lässt die Erinnerungen auf sich einströmen. Martin W. war der Arzt, der sie im Krankenhaus wegen der Knöchelfraktur behandelt hat. Sie hatte sich in ihn verliebt. Seine ruhige, gelassene Art Probleme anzupacken, seine Freundlichkeit, und nicht zuletzt seine Aufopferungsbereitschaft für seinen Beruf, hatte sie magisch angezogen. Sie wurden ein Paar, waren glücklich und Martin wollte sie wahrscheinlich bitten, seine Frau zu werden. Seine Eltern hatten ihr den Ring gegeben, den sie nach seinem Tod in seinen Sachen fanden.
Jedenfalls war er auf dem Weg zu ihr, als er auf der Autobahn einen Crash erlebte. Ein PKW hatte überholen wollen, ohne auf den nachfolgenden Verkehr zu achten. Martin hielt sofort und stieg aus, um zu helfen. Er kam nicht einmal bis zum Unglückswagen, denn ein Truck rammte sein Auto und überfuhr ihn. Tränen brannten in Connies Augen. Der Truckfahrer war dem Sekundenschlaf zum Opfer gefallen, und Martin somit auch. Dass er auf der Stelle tot war und nicht gelitten hat, das war kein wirklicher Trost.
Danach war alles anders. Ja, denkt Connie, ich war nicht mehr ich selbst. Ich kannte nur noch Trauer, Einsamkeit und hatte keine Lust mehr zu leben. Kein Wunder, dass meine Arbeit darunter litt. Acht Wochen nach Martins Tod kündigte ihr die Firma.
Aber heute, denkt Connie und strafft den schmerzenden Rücken, heute wird das alles Geschichte sein. Maja hat Recht. Ich muss dass alles hinter mir lasse. Ich bin ihr so dankbar dafür, dass sie mir mal die Meinung gesagt hat. "Tu endlich etwas, unternimm etwas, von mir aus was Verrücktes. Sonst bist du auch tot, denn das ist kein Leben."
Recht hat sie, ich bin fast schon tot. Aber nur fasst! Ich hoffe, sie findet meinen Brief. Sagen konnte ich nicht wie dankbar ich bin, aber schreiben. Den kleinen Plüschkoala wird sie als Dankeschön akzeptieren. Sie wollte ihn mir schon immer abschwatzen.
Mit einem Lächeln öffnete sie die Tür, die sie nun vor sich sah. Sie holte tief Luft. Hier auf dem höchsten Hochhaus der Stadt erschien sie ihr immer besonders klar. Energisch wischt Connie die letzte Träne weg. Genug geheult. Ganz dicht steht sie an der Dachkante, schaut hinunter, wie sie es in den letzten Tagen schon oft tat. Wie winzig alles von hier oben ist, denkt sie. Egal, mach dich bereit Connie, du bist dem Ziel nah und wenn du es getan hast, wird alles anders.
Sie steckt noch einmal die Haare fest, will so gut wie möglich aussehen. Wieder lächelt sie. Ist doch eigentlich egal, wie sie aussieht. Aber Frauen sind nun mal eitel, und dieser Schritt ist so bedeutetend, wenn auch nur für sie, dass sie eben hübsch sein will.
Sie legt den Fallschirm an und kontrolliert sicherheitshalber noch einmal. Ja, alles okay. Dann tritt sie noch dichter an den Abgrund. Unten wird vielleicht die Polizei schon warten denkt sie noch, bevor sie sich abstößt und springt.
Sie breitet die Arme aus und schreit: "Ich fliege einem neuen Leben entgegen", greift die Reißleine und zieht um den Fallschirm zu öffnen.
Nichts passiert! Sekundenlang sieht sie Martin, der die Arme nach ihr ausstreckt.....
(© IKT Sept.2004)
Ina(I +II)
Die erste Liebe (I)
Da standen sie nun zwischen den Bäumen, die das Haus von Inas Eltern verdeckten.
Es war Inas fünfzehnter Geburtstag und Freddy, ihre erste große Liebe, hatte ihr ein ganz besonderes Geschenk versprochen!
Von seinen Armen umschlungen ließ das Mädchen den Tag noch einmal Revue passieren.
Am Morgen hatten sie die Eltern geweckt und ihr eine knackenge Jeans geschenkt, die sie natürlich sofort anziehen musste. Dann gab es noch 50 Mark (grade richtig zur Disco am Abend) und eine leckere selbstgebackene Torte. Ina grinste. Die würde ihren ohnehin schon sehr weiblichen Rundungen sicher gut bekommen! Na ja, man wird nur einmal 15!
In der Schule war es Moni, ihre beste Freundin, die als Erste auf sie zustürmte. "He Süße, alles Gute und hier ist dein Geschenk" rief sie so laut, dass alle Anderen nun auch gratulierten. Als Ina das Päckchen öffnen wollte flüsterte die Freundin: "Nicht hier". Aber das war Ina egal, denn sie war viel zu neugierig auf Monis Geschenk. Sie riss es auf - und wurde feuerrot! Neben ein paar tollen Ohrringen hatte ihr das kleine Biest eine Packung Kondome geschenkt! Klaus, der Klassenschönling grinste: "Na Ina, heute noch was Besonderes vor?" Dann klingelte es zum Unterricht.
Alles in allem ein Tag wie jeder andere, dachte Ina. Bis auf den Abend. Denn da konnte sie endlich mit Moni zur Disco in den Nachbarort fahren. Wie immer am Freitag war es dort voll. Aber die Mädchen wussten, dass Freddy ihnen Plätze freihalten würde. Freddy! Inas erste große Liebe!
Jetzt sah Ina zu ihm auf, während sie sich an ihn schmiegte. Er hat so wunderschöne braune Augen, lange blonde Locken und einen süßes Bärtchen, das beim Küssen so herrlich kitzelt. Dass Freddy schon 20Jahre alt war, sahen nur Inas Eltern als Problem an.
Ina hörte auf zu träumen und stupste ihren Freund leicht in die Rippen. "Freddy, nun sag schon, was hast du für mich?" Sein Lächeln ließ sie allerdings ahnen, was es war und - sie war bereit!
Freddy gab ihr einen heißen Kuss und seine Hände wanderten zielstrebig von ihrem Rücken auf ihren Po, dann unter das T-Shirt und den BH. Als seine rauen Finger ihre Brust berührten und Ina fühlte, wie ihre Brustwarzen sich aufrichteten, glaubte sie, innerlich zu verglühen. Gerade wollte sie sich diesem Gefühl hingeben, da spürte sie seine Hände weiterwandern - Richtung Hosenbund! Sie hörte Freddy flüstern: “Dein Geschenk ist bereit. Ich möchte mit dir schlafen. Dein erstes Mal soll an deinem Geburtstag sein." Seine Stimme klang ganz anders als sonst und auch seine Hände waren viel fordernder auf ihrem Körper als gewöhnlich. Er zog sie so eng an sich, dass sie kaum Luft bekam und als sie dann auch körperlich spürte, wie erregt er war, schlug ihr Herz wie ein gefangener Vogel, aber nicht vor Freude. "Nein" wollte sie sagen, war aber wie steif vor Angst. Freddy bemerkte, dass etwas nicht stimmte. Er hörte auf, sie an sich zu pressen und fragte: "Was ist denn?" "Freddy, eigentlich wollte ich, aber... Ich kann nicht. Ich bin noch nicht so weit. Lass uns doch einfach noch ein bisschen warten." Ina sah ihn bittend an. Seinen Blick würde sie wohl nie vergessen! Fassungslos und gleich danach todtraurig. Freddy setzte sich ins Gras, schüttelte den Kopf sagte: "Drei Monate sind wir jetzt zusammen. Ich dachte, du liebst mich und du würdest gern mit mir schlafen wollen. Außerdem bin ich auch nur ein Mann. Was meinst du, wie lange ich ohne eine Frau auskommen soll? Die solltest du sein. Na gut, wenn du nicht willst, dann geh ich besser." (Oh diese Berechnung! Natürlich wirkte sie auf Ina. Sie wollte Freddy nicht verlieren!)
Bevor er aufstehen konnte, saß Ina neben ihm und flüsterte: "Na gut. Aber bitte sei ganz vorsichtig, ja!" Dann ließ sie sich bebend ins Gras sinken. Erstaunt sah sie, wie schnell ihr Freund wieder ganz der Alte war. Während er sie nun küsste, zog er ihr das Shirt aus und seine Finger liebkosten wieder ihre Brüste. Dann umfingen seine Lippen die sich verhärtenden Knospen. Gerade begann Ina sich zu entspannen und das Geschehen zu genießen, da waren seine Hände schon wieder mit dem Reißverschluss ihrer Jeans beschäftigt und Freddy knurrte: "Hilf mal ein bisschen." Als sie dann nackt im Gras lag, vom Mondlicht beleuchtet, ihre langen, rabenschwarzen Haare offen, dachte sie: Ob er mir jetzt sagt, dass ich schön bin? Ob er jetzt zärtlich wird, so wie es im Film immer ist?
Ha! Was ist Zärtlichkeit? Etwa die Finger, die hart ihre Pobacken kneteten oder die Lippen, die sich an ihrem Hals festsaugten? Plötzlich war er auf ihr, in ihr. Der Schmerz war kurz, sie spürte ihn kaum. Aber bevor sie die Chance hatte vielleicht doch etwas Schönes zu spüren oder zu empfinden stöhnte er auf und rollte zur Seite.
"Na, war’s gut?" Sie antwortete nicht, aber das schien ihm nichts auszumachen. Ihre Tränen bemerkte er nicht! Das war nicht die Liebe, der Sex, den sie wollte. Plötzlich fielen ihr die Kondome ein! Oh Gott, Freddy hatte nicht mal daran gedacht, eins zu benutzen. Voll Panik zog Ina sich an.
"Ich muss nach Haus. Sofort." Freddy fragte nicht einmal, warum sie es plötzlich so eilig hatte. "Ja, dann will ich mal auch gehen.", war alles was er sagte. Dann gab er ihr noch einen Kuss und fragte: "Bis nächsten Samstag? Du kommst doch zur Disco?" Er lächelte sie an. "Ich warte auf dich.“
Später im Bett grübelte Ina. "Vielleicht habe ich zu viel erwartet! Das Leben ist eben kein Liebesfilm Ina – werd endlich erwachsen. Wahrscheinlich ist es bei den meisten so und sie geben es nur nicht zu. Oder ich hab mich zu blöd angestellt." Mit diesen Gedanken, Freddy schon wieder verzeihend, schlief sie ein und träumte von einem Mann, der sie zärtlich und einfühlsam liebte.
Getötete Freundschaft (II)
Ina war nun schon seit einem Jahr mit Freddy zusammen. Und obwohl sie inzwischen spürte, dass es ihm nur darum gegangen war sie „rum zu kriegen“, hing sie irgendwie an ihm. Sex machte ihr allerdings immer noch nicht wirklich Spaß und sie war nach dem „berühmten ersten Mal“ so enttäuscht, dass sie davon geträumt hatte, wie ein zärtlicher Mann sie lieben würde. Dann würde sie sicher auch den soviel beschworenen „Höhepunkt“ erleben. (Na ja, sie wusste aus Filmen, wie das sein würde.)
Heute aber ging sie, wie fast an jedem Wochenende, mit Freddy und einigen Freunden zur Disco. Es sollte ein netter Abend werden. Doch es wurde ein Albtraum.
Ina kam als Letzte aus der Clique an, da sie mit der Bahn fahren musste. Freddys Freunde, die sie nicht wirklich mochte, waren schon da. Na ja, Knolli war schon okay. Er hatte nur einen „Schönheitsfehler“. Er baggerte sie an wie wild, was dem Mädchen gar nicht gefiel.
Als sie sich an das schummrige Licht im Raum gewöhnt hatte, sah sie Freddy sofort. Der aber bemerkte sie nicht. Kein Wunder, hatte er doch alle Hände voll mit dem Blondchen neben sich zu tun!
Wütend ging Ina auf ihn zu, als Knolli ihr plötzlich den Weg versperrte. „Hallo Süße, wer wird denn böse sein. Du kennst ihn doch. Wenn er getrunken hat...“ Sie ließ ihn nicht ausreden, sondern blitzte ihn aus funkelnden Augen an. „Lass mich durch!“ Knolli aber fasste sie um die Hüften und zog sie auf die Tanzfläche. „Hör mal“ sagte er, „dein Lieblingslied.“ Tatsächlich, `Naked Love’ von Smokie! Ina schloss die Augen und tanzte mit Knolli. Dabei schmiegte sie sich, ohne es zu registrieren, an ihn. Ihr gingen tausend Sachen durch den Kopf. Warum konnte Freddy nicht wie Knolli sein? Der wusste, welche Musik sie mochte, war da, wenn sie jemanden zum reden brauchte oder zum reparieren des Motorrollers. Außerdem war er sanft, lieb, streichelte ihr Haar und küsste gut...! „Halt Knolli, so nicht!“ Energisch schob Ina ihn weg. Seine Erregung hatte sie nun nämlich nicht nur durch den Kuss deutlich gespürt! Sie sah ihm offen in die Augen. „Tut mir leid, aber du bist nun mal nur ein guter Freund. Du bist nicht mein Typ Knolli. Ich mag dich, aber mehr wird nie passieren.“
Ina wollte, dass Knolli sie verstand. Er war mit 27 Jahren nicht nur fast 12 Jahre älter als sie (ihrer Meinung nach viel zu alt), sondern wirklich nicht der Typ, auf den sie „flog“. Er war nur wenig größer als sie, von kräftiger Statur, ohne dabei dick zu wirken. Er war eher drahtig. Seine blaugrauen Augen und die aschblonden, kurzen Haare wirkten einfach nicht so sexy auf sie, wie Freddys weiche Locken und die braunen, samtigen Augen. Aber sie mochte ihn. Er war ein guter Freund und so sollte es auch bleiben. Fragend sah sie ihn an. Wie würde er reagieren?
Sie erschrak, als er sie mit einem Ruck ganz dicht an sich zog. Seine Augen funkelten plötzlich. Er sah böse aus! „Dich kriege ich, und wenn ich 20 Jahre warten muss!“ zischte er ihr zu. Dann ließ er sie genauso plötzlich los und ging zur Theke.
Ina musste sich zusammenreißen, denn sie fing vor Schreck an zu zittern. Plötzlich sah sie, wie Freddy ihr vom anderen Ende des Tresens zuwinkte. Wie erlöst ging sie zu ihm. Als sie sich gesetzt hatte, blickte sie nochmals zu Knolli, der gerade eine Flasche Wodka kaufte. Im selben Augenblick hob er den Kopf und blinzelte ihr zu, als sei nichts gewesen. Freddy legte ihr besitzergreifend den Arm um die Hüfte, als sie sich neben ihn gesetzt hatte. Nachdem Knolli es sich dann auch am Tisch bequem gemacht und den Schnaps für alle eingegossen hatte, schaute er sich im Saal um, als ob alles wie immer wäre. Ina wußte nicht, was sie denken sollte. Aber schon gab es einen neuen Schock für sie. Freddy grinste sie anzüglich an und sagte so, dass Knolli es sicher auch hörte: „Na Ina mein Schatz! Das nächste Mal kannst du ja gleich auf der Tanzfläche mit ihm bumsen. Vielleicht schafft der ja, was ich nicht schaffe.“ Ina wurde feuerrot. Sie wusste genau worauf Freddy anspielte.
Jetzt wollte sie wollte nur noch nach Hause. Aber Freddy hielt sie fest und trank dabei mit Knolli, der so tat, als ginge ihn das alles nichts an. Als die Flasche leer war ging Freddy zu Toilette und Knolli wankte Richtung Tresen. Ina nutzte die Gelegenheit und verschwand. Jetzt würde sie nach Hause fahren. Als sie aus der Tür trat, stand Knolli draußen. Anscheinend brauchte er frische Luft. Sie drückte sich an ihm vorbei. Er erwischte ihre Hand und hielt sie zurück. "Ina," stammelte er, "es tut mir leid. Vorhin das... entschuldige." Sie sah ihn an und er wirkte so zerknirscht, dass sie lächeln musste. "Okay. aber das nächste Mal überleg was du sagst. Und jetzt lass mich. Ich will zum Bahnhof." Knolli nickte. "Komm, ich bring dich zum hin. Dein Zug fährt doch erst in einer Stunde.“ Er schwankte bedenklich, worüber sie nun doch lachte. „Ach Knolli, da werd wohl eher ich dich daheim abliefern müssen und dann krieg ich den Zug immer noch. Ist ja nur um die Ecke. Okay?“ Ein Nicken war alles, dann hängte er sich bei ihr ein und sie marschierten los. Einen Betrunkenen in die richtige Richtung zu bugsieren ist nicht leicht. Aber irgendwie schaffte das Mädchen es und bald standen sie vor der richtigen Haustür. Das Schlüsselloch fand er natürlich nicht allein, also schloss sie auf. „Kannst du mir meine Wohnung auch aufschließen?“ Er musste sich an der Wand abstützen, so dass Ina zustimmte und ihn vor sich die Treppe hochschob. Als sie die Tür geöffnet hatte bat er: „Einen Kaffee zur Wiedergutmachung? Ich bin auch brav.“ Er sah so k.o. aus, dass sie nachgab. Die Wohnung betrat man durch die kleine Küche. Ein seidener Vorhang trennte diese von dem einzigen Zimmer. Das fand Ina sehr hübsch. Knolli blieb gleich in der Küche, holte Tassen und Kaffee heraus und sagte: „Setz dich doch schon. Ich komm dann mit dem Kaffee.“ Ina ging also in das Zimmer und - erstarrte! Mitten im Zimmer stand ein französisches Bett. Es beherrschte den kleinen Raum völlig! Sie schluckte betreten und fragte: „Hast du keinen Hocker oder so?“
Lächelnd sah er hinter dem Vorhang hervor. „Ne, nimm Platz auf der Spielwiese. Ich beiß auch nicht.“ Dann kam der Kaffee. Er war heiß, stark und süß, was Ina gar nicht mochte. Aber sie wollte jetzt eigentlich nur schnell weg, denn etwas bange war ihr schon. Aber das hielt nicht lange an. Sie unterhielt sich mit Knolli wunderbar, denn er war, trotz seiner Trunkenheit, ein guter Zuhörer und Erzähler. Über 1000 Dinge sprachen sie. Es war einfach schön. Dann sah Ina auf die Uhr. „Mist, mein Zug. Der ist weg...!“
„Na und. Bleibst eben hier. Das Bett ist groß genug.“ Knolli beugte sich plötzlich zu ihr hinüber und nahm sie in die Arme. Sanft schob sie ihn weg. „Mach den Abend bitte nicht kaputt Knolli. Ich geh die paar Kilometer eben zu Fuß. Ciao dann.“ Mit diesen Worten ging Ina zur Tür. Nur – raus kam sie nicht! Abgeschlossen!!!
Ihr wurde schlecht vor Wut und Angst. Sie drehte sich um und schrie Knolli an: „Los, den Schlüssel her.“ Er antwortete ganz leise: „Okay, aber nur, wenn ich einen Kuss bekomme. Mehr will ich nicht.“ Ina war verwirrt. Konnte sie ihm glauben? Aber sie musste nach Hause. Erstens würden ihre Eltern sonst ziemlich sauer und zweitens wohnte Freddy gegenüber. Was würde er sagen, wenn er sie am nächsten Tag aus Knollis Wohnung kommen sähe? Außerdem, die ganze Nacht mit Knolli – allein? „Na gut. Einen Kuss.“ Mit spitzen Lippen beugte sie sich über Knolli und gab ihm einen „Klein-Mädchen-Kuss“. Dann fand sich Ina auf dem Bett wieder. Sein Mund war überall. Sie hörte ihn flüstern: „Du hast so weiche Lippen, so zarte Haut und deine Brüste sind so wunderschön. Ich will dich. Ich hab gesagt ich krieg dich und nun ist es soweit. Ich werde dir zeigen, wie schön Liebe sein kann.“
Anfangs wehrte sie sich nicht einmal, so geschockt war sie. Das legte sich aber schnell! Sie trat und schlug um sich. Sie bat: “Nein Knolli, nicht. Hör auf, ich will nicht!“ Es war alles zwecklos. Woher nahm er nur die Kraft? Schon hatte sie keine Bluse mehr an und auch der Rock war kein Problem für ihn. Es kam ihr vor, als ob sie schon stundenlang mit – oder besser gegeneinander kämpften. Sie versuchte auch „die Waffen einer Frau“ einzusetzen, nannte ihn bei seinem richtigen Namen, weinte und bettelte: „Frank, bitte nicht. Wir sind doch Freunde.“ Vergebens. Es war als höre er sie gar nicht. Und irgendwann konnte sie einfach nicht mehr und gab auf. Ina dachte nur noch: Mach schnell, damit es vorbei ist.
Sie musste hier raus, nur raus. Sie schloss die Augen und hörte auf zu kämpfen. Sie beobachtete das Ganze wie von weitem, so als sei sie jemand, der neben dem Bett stand und zuschaute. Und da fiel es ihr auf! Knolli war zärtlich, seine Finger und seine Zunge spielten auf und mit ihrem Körper. Ja, er hätte der Mann aus ihrem Traum sein können, wenn alles freiwillig geschehen wäre. Aber jetzt fand sie das alles nur ekelerregend.
Als er sich endlich in ihr bewegte dachte sie nur: Gott sei Dank, gleich ist es vorbei. Weit gefehlt! Anscheinend war er wirklich bemüht, auch sie zum Höhepunkt zu bringen, denn er war auch jetzt sanft und streichelte sie zwischendurch, flüsterte ihr zu wie schön es doch sei, wie sehr er sie liebe.
Für Ina war es, als ob er sie verhöhnte. Als er danach lächelnd und außer Atem auf ihr lag und sich dann auch noch quasi dafür entschuldigte, dass er es nicht geschafft habe sie zu befriedigen, hätte sie am liebste angefangen zu weinen. Aber diese Schwäche wollte sie nicht zulassen. Nein, nicht hier - nicht vor ihm! Sie wollte nur noch weg. Er sollte nicht merken, dass sie kurz davor war, zusammenzubrechen. Sie stieß ihn von sich und fragte scheinbar kalt: „Spinnst du? Weißt du eigentlich, was du mir gerade angetan hast?“ Verständnislos sah er sie an. „Wieso? Was ist denn? Du hast es doch gewollt. Du warst erregt. Deine Brustwarzen waren ganz hart und dein Körper hat auf mich reagiert. Ich hab es doch gemerkt.“ Während dieser Rede hatte sie sich angezogen. Nun hielt sie ihm ohne ein Wort die offene Hand hin. Er verstand und sie bekam den Schlüssel.
Als sich die Tür hinter Ina schloss, gab es keine Freundschaft mehr.
Ina zeigte Knolli nicht an, denn seine Worte gingen ihr nicht aus dem Kopf. Und wenn sie sich daran erinnerte, was sie einen Moment lang gedacht hatte, war sie sich nicht sicher, ob ihr Körper vielleicht doch etwas anderes gewollt hatte, als ihr Verstand. Mit Freddy war übrigens Schluss. Der hatte sich in derselben Nacht eine neue, eine blonde Freundin gesucht.