|
Sabine hielt uns mit Fotos und Telefonaten über Wasser. Und mit ihren Einladungen zu Besuchen bei einem Cloud, der uns rasch bezauberte und becircte -- in einer Szenerie, in der es von hübschen Collies und süßen Welpen nur so wuselte. Waudels überall am Waudeln.
Endlich kam der große Umzugstag. Aus einer handvoll Wärme war ein kleiner Welpe geworden, der sowohl dazu neigte, ruhig und besonnen das bunte Treiben seiner Geschwister zu beobachten als auch nachts aus der Wurfkiste zu klettern -- auf der zielgerichteten Suche nach seinen Zweibeinern.
Umzug. Ein großes Erlebnis für alle Beteiligten. Unserem armen Cloud war es die ganze Fahrt über von Hessen bis Baden schrecklich übel und in der ersten Nacht ... ach Herr je. Nicht nur, dass Cloud den Collieclan fürchterlich vermisste, weder mein Mann noch ich hatten je das Collie-Brummen gehört. Ganz neu war für uns diese Art der Kommunikation. Jedesmal, wenn Cloud sich umdrehte, kamen dunkle Laute aus den Tiefen unter'm Bett. Was bedeutete dieses Geräusch? War es ein Grunzen? Ein Brummen? Leidete Cloud? War er glücklich? Ein Telefonat am nächsten Vormittag brachte Aufklärung. Sabine (großzügigerweise nur leicht gekränkt ob meiner Verwendung des Worts "grunzen" anstatt "brummen") erklärte uns die vielen Ebenen der Colliesprache.
In eine große Hunde- und Hausgemeinschaft hineingeboren, kam Cloud zu uns mit einem großen Schatz an Erfahrungen mit anderen Hunden. Nachdem er Teil unseres Haushalts geworden war, bemühten wir uns sehr, die Sozialisierung noch weiter voranzutreiben: Welpengruppe. Hundeplatz. Liebevolle Anleitung. Unterordnung und Vorbereitung auf die Begleithundeprüfung.Viel Kontakt zu den Hunden unserer Nachbarschaft. Entweder wir haben uns nicht ganz blöd angestellt oder Cloud war einfach nicht zu verderben. Fest steht, dass er der nicht-aggressive und nicht-territoriale Hund geblieben ist, den uns Sabine Scheinkönig damals anvertraute.
Clouds erste Wochen bei uns waren von vorsichtiger Neugier und schnellem Lernen gekennzeichnet. Er lernte, wo und wann "zu tun" und wo und wann "nicht zu tun". "Nass" gefällt ganz und gar nicht. Auch heute wird eine Langnase, die beim Aufwachen einen Regentag entdeckt, den zur-Nase-gehörenden Pelzkörper rasch umdrehen in Richtung Hundedecke und noch mehr Schlaf. Von Anfang an himmelte Cloud unser Haustigerle, "Chi Coltrane" an -- eine gelegentlich etwas zu stürmische Liebe aus der Katzenperspektive. Ein Collie und sein Schäflein. Ganz ohne Herde geht's nun wirklich nicht.
Irgendwann (wohl zwischen dem Springen und dem Buddeln und dem Rennen) wurde aus dem süßen Welpen ein ... (zitter) ... Halbwüchsiger.
Über diese Zeit werde ich gnädig schweigen.
Na ja. Eine kleine harmlose Frage dazu wird mir Cloud wohl nicht übelnehmen. Ist es nicht fabelhaft und ein Wunder der Natur, dass dieses Alter beim Hund so viel schneller vorbei geht als beim Menschen?
|