Wie sage ich es meiner Familie, einzelnen Familienmitgliedern, das ich eine schwere (lebensbedrohliche) Erkrankung habe? Jaehrlich stehen viele Menschen vor dieser Situation - hier finden die Betroffenen einen Leitfaden im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe - wobei es unerheblich ist, an welcher schweren (lebensbedrohlichen) Erkrankung Sie erkrankt sind. Es gilt gemeinsam diese schwere Situation zu ueberleben und zu meistern. Jan. 2006: 250.000 Menschen in Oesterreich leben mit einer Krebserkrankung. Viele davon sind Eltern kleinerer oder groesserer Kinder. Alle Eltern stehen vor dem selben Problem wie Susan Saradon im Film "Seite an Seite": Wie sag ich es meinem Kind? Wie kann ich dem Kinde helfen, die Situation anzunehmen und zu bewaeltigen, obwohl ich selbst grosse Angst habe? Denn: Eine schwere Erkrankung - insbesondere wenn diese mit Todesfolge einhergeht - erhoeht fuer alle Familienangehoerige die Chance, psychische Erkrankungen zu entwickeln, insbesondere fuer Kinder und/oder besonders sensible Menschen. "In einer kuerzlich veroeffentlichten Studie zeigt sich, dass Kinder, deren Eltern eine schwere koerperliche Erkrankung haben, doppelt so oft psychische Auffaelligkeiten zeigen wie Kinder, bei denen dies nicht der Fall ist", berichtet Dr. Gertrude Bagyi von der Universitaetsklinik fuer Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters am AKH Wien. "Interesant ist, dass das familiaere Beziehungsklima in diesem Zusammenhang von groesserer Bedeutung ist als die Schwere der Krankheit." Es haengt also vor allem auch vom richtigen Umgang mit dem Kind (und den Familienangehoerigen) ab, wie es informiert wird, und wie man in der Famile damit umgeht, damit das Kind (die Familienangehoerige) die Situation relativ unbeschadet bewaeltigen kann. Meist denken betroffene Eltern, je weniger sie mit ihren Kindern darueber sprechen, desto besser. Doch das ist verkehrt, denn Kinder spueren sehr genau, was Sache ist und dass etwas nicht stimmt. Darum seien Sie offen fuer viele Gespraeche mit ihren Kindern, sonst fuehlen sich ihre Kinder zu recht im Stich gelassen und belogen sowie betrogen. Vergessen Sie niemals: Kinder wollen die Wahrheit wissen = wollen eine in Worte gefasste Bestaetiguung von dem, was Sie innerlich wahrnehmen - aber vielleicht noch nicht einordnen koennen. Vielen Kindern wird erklaert "Oma/Opa ist eingeschlafen". Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter glauben auf Grund dieser erhaltenen Information, das die Oma/ der Opa nur ausschlafen will. Solcherart informierte Kinder sind irritiert darueber, warum der Opa/Oma ausgerechnrt am Friedhof...denen muss doch kalt sein...bewaffnet mit Spaten, Polster und Decke gehen diese Kinder auf den Friedhof, um die Grosseltern auszubuddeln, warm und fuersorglich zuzudecken ec. Und Sie entwickeln Aengste und befuerchten, morgens und in der Zukunft selbst nicht mehr aufzuwachen. Dabei ist die wirkliche Wahrheit Kindern durchaus zuzumuten: Wie sollte man die schreckliche Botschaft dem anderen nahebringen? Je klarer, eindeutiger die Informationen sind, umso leichter ist deren emotionale Verarbeitung. Je mehr verschwiegen wird, desto bedrohlichere Formen nehmen die Vorstellungen in der (kindlichen) Fantasie an. Lassen Sie sich Zeit mit dem Gespraech, bis Sie selbst die noetige Sicherheit haben Bitten Sie eine andere Person, welche fuer Sie und das Kind wichtig ist, am Gespraech teilzunehmen Kinder (wie alle Menschen) nehmen Informationen nur haeppchenweise auf, Wiederholungen - bzw Rueckfragemoeglichkeiten - sind daher wichtig Ueblicherweise sind mehrere Gespraeche notwendig. Erwaehnen Sie realistisch - wenn ein Weiterleben nach der Erkrankung moeglich zu sein scheint (ein Zustand, der von vielen Aerzten als "Heilung" beschrieben wird, dabei wird es nie wieder so, wie es frueher vor der Erkrankung war - somit findet in Wahrheit keine Heilung statt, denn Heilung heißt Ganzwerdung) Erwaehnen Sie Realitisch - ob und wie das erkrankte Familienmitglied auch ohne abgenommenen Gliedern (Arme, Brust ec) oder ohne die ihm entnommenen Organe (Leber, ec) wird weiterleben koennen. Wenn es in der Familie mehrere Kinder gibt, sollten Sie zunaechst mit jedem Kind einzeln reden. Weitere Informationen sind in der Folge gemeinsam moeglich. Wichtig ist dann, das wirklich alle zeitgleich anwesend sind! Sagen Sie nicht Saetze wie "Wir muessen jetzt alle stark sein." denn das blockiert den ueberlebensnotwendigen Fluss der Trauer und Traenen. Besser waere es zu sagen " Wir weinen jetzt ziemlich oft (ohne das wir das unter Kontrolle haben, ohne dass wir dass z.B. am Arbeitsplatz wollen) - vielleicht geht es Dir auch so?" Eltern sollten die eigenen Gefuehle wie Wut, Angst, Trauer, Zorn ec von sich aus ansprechen, um dadurch dem Kind ebenfalls den Ausdruck dieser Gefuehle zu "erlauben". Kinder fuehlen sich oft schuldig an der Erkrankung der Eltern (oder des Geschwisterchen). Es ist daher wichtig, klar auszusprechen, dass Gedanken, Fantasien, Worte oder Handlungen - egal von wem es ausging - niemals die Ursache dieser Krankheit sein koennen (sind). Binden Sie auch Freunde oder Verwandte ein, bei denen das Kind zwischendurch Halt finden kann. Informieren Sie daher umgehend den Kindergarten, den Vertrauenslehrer in der Schule, den Lehrherrn von dem schrecklichen, womit ihre Familie im Moment konfrontiert ist. Erklaeren Sie den Kindern, wohin Sie sich im Notfall wenden koennen, wer sich um warmes Essen ec kuemmert, an wen sich die Kinder wenden koennen (wenn Sie unbeabsichtig nicht zeitgerecht nach Hause kommen koennen, etwa weil in der Klinik wichtige Entscheidungen anstehen...) Wichtig ist auch, dass sie als (Rest-) familie Formen und Rituale finden, welche Sie gut in Ihr Leben integrieren koennen, um die Erinnerung an das vorausgegangenen Familienmitglied bewusst erhalten und pflegen zu koennen. Bewaehrt hat sich das Aufstellen von Fotos, das Decken des Tisches bei Familienfeiern auch fuer das /die vorausgegangenen Familienmitglieder. Namenlosen Kindern /Tieren geben Sie bitte einen Namen. Bewusst die Namen aussprechen. Nehmen Sie Gesellschaftliche anerkannte und religioese Trauertage und -riten fuer sich in Anspruch: z.B. Allerheiligen, Allerseelen jeden 2. Sonntag im Dezemember weltweiter Gedenktag aller verstorbenen Kinder Kinder gehen ihren Trauerweg in ihrem eigenen Tempo - stark und sensibel zugleich. Und oft allein: Wie sehr Trauerbewaeltigung misslingen kann, berichten Betroffene, deren Eltern sehr frueh gestorben sind. Ihnen war in Ihrer Kindheit nicht gestattet worden, von den verstorbenen Eltern bewusst Abschied zu nehmen. Eine Tochter glaubte mit 30 (in diesem Alter war ihre Mutter verstorben) selbst nicht laenger leben zu duerfen. Eine andere Betroffene laesst tiefergehende Beziehungen nicht zu. Bevor zuviel Naehe entsteht, bricht Sie diese Partnerschaften mit krassen - dem Partner nicht nachvollziehbaren - Verhaltensmustern des Abschiednehmens ab.
Stellen Sie die Sachlage in einer einfachen Sprache dar
Ein Trost: Der Trauerprozess kann jederzeit wieder aufgenommen werden - dafuer ist es nie zu spaet, denn
Du hast ein Recht auf deine Trauer. Du darfst dich deinen Verlusten widmen, musst nicht verdraengen, was dich beschwert. Du hast ein Recht, das abzutrauern, was dich so tief enttaeuscht hat und was du nicht aendern kannst. Du hast ein Recht auf deine Traenen, auf dein Schweigen, auf deine Ratlosigkeit, auf deine innere und aeussere Abwesenheit. Du musst nicht den Gluecklichen spielen, nicht ueber den Dingen stehen. Du hast ein Recht, die wegzuschicken, die dich mit Gewalt aus deiner Trauer herausholen wollen, weil deine Trauer sie selbst bedroht. Du hast ein Recht auf deine Trauerzeit. Du hast ein Recht, mit denen nicht reden zu wollen, die dir ein schlechtes Gewissen machen fuer deine Dunkelheit und Trauer. Die mit Spruechen kommen und dich mit diesen Spruechen unter Druck zu setzen versuchen. Du hast ein Recht auf deine Trauerstille. Du hast das Recht, dich zu wehren gegen die, die Dir sagen, was du fuehlen darfst und was nicht, die Dich nicht als einzelnen, sondern als Fall behandeln und sich innerlich nicht wirklich mit Dir einlassen. Vielleicht macht Dich nichts so menschlich wie Deine Trauer. Ueber sie kann ein Trauernder sich Dir naehern und auf Verstaendnis hoffen. Trauern zu koennen ist eine Gabe. Lass Dir das Recht auf Deine Trauer nicht nehmen. Du hast das Recht, deine dunklen Stunden zu durchleben und dich nicht durch billige Sprueche aus ihnen herauslocken zu lassen. Schon der Versuch ist eine Entwuerdigung deiner inneren Wirklichkeit. Du bist auch deine Dunkelheit. Die Abgruende und Widersprueche gehoeren auch zu dir. Die Schatten geben deinem Leben Tiefe und Menschlichkeit. Wer mit dir in Beziehung tritt, sollte wissen, dass diese Seite zu dir gehoert. Wer sie in dir ablehnt, hat nicht das Recht, sich deinen Freund und deine Freundin zu nennen. Manche geben dir nicht das Recht auf diese Seite in dir. Sie erwarten, dass du sie unterschlaegst und das Glueck vorspielst. Vielleicht haben sie weniger Angst fuer dich als fuer sich selbst, weil sie durch dich an das Unoffene in sich selbst geraten. Wenn sie darum dir helfen wollen, geschieht es nicht, um dir zu helfen, sondern sich selbst. aus: "Grundrechte - ein Manifest" von Ulrich Schaffer 3783109485
"Mama/ Papa hat Krebs" ist eine Broschuere der Wiener Krebshilfe. Sie bietet Rat und Hilfe und zeigt auf, wie man vorgehen sollte, um dem Kind den Umgang mit der traurigen Wahrheit zu erleichtern. Die Broschuere Mama/ Papa hat Krebs ist ueber www.krebshilfe.com erhaeltlich.
"Verwaiste" Eltern werden psychisch krank
Die ersten fuenf Jahre nach dem Verlust sind am schlimmsten
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=050325010
www.engelsymbole.at www.celesta.at weitere Informationen, Buechertipps Links zu Angehoerigen, Selbstbetroffenen und Selbsthilfegruppen: Strohwitwer - Strohwitwe sterbende Kinder sterbende Begleiten sterben Hoerbuecher sterbende: Audio CD sterbende Grosseltern - Kindern erklaert verwaiste Vaeter verwaiste Geschwister verwaiste-partner verwaist-nach-suizid Verlust Trauer Schmerz verwaiste Eltern vermisste Kinder vorzeitiger Blasensprung Sterbehilfe sich schuldig fuehlen weitere Themen finden Sie unter www.sonnenstrahl.org
Neue Therapie hilft Trauernden
16 Sitzungen sollen helfen den Schmerz zu ueberwinden und neuen Mut zu fassen
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=050602005&phrase=tod