Pilzbedingte Zoonosen
Im Zusammenhang mit Zoonosen kommt in Deutschland den von Heimtieren auf Menschen übertragbaren Hautpilzen (Dermatophyten) eine wachsende Bedeutung als Krankheitserreger zu.
Mikrosporie
Sie tritt häufig bei Kindern auf, hervorgerufen durch den Hautpilz Microsporum canis. Bei dieser ansteckenden Erkrankung, die sich in Familien, Kindergärten und Schulen ausbreiten kann, bilden sich an der behaarten Kopfhaut kahle, runde bis ovale Flecken mit kurz abgebrochenen Haaren und grauweißlichen, mehligen Schuppen, meist ohne entzündliche Reizung (Tinea capitis). Bei solchen Krankheitserscheinungen liegt in Deutschland die Nachweisquote bei ca. 50 %. Zunehmend wird auch an Körperstellen, die nicht von der Kleidung bedeckt sind, wie z. B. Hände, Unterarme, Halsregion und Gesicht, das Auftreten der Mikrosporie beobachtet. Hier kommt es zur Bildung von flachen, z. T. nässenden, runden bis ovalen Herden mit Krusten- und Schuppenbildung. Die sich fettig anfühlenden Schuppen und Krusten zeigen eine graue bis gelbliche Farbe. Bei diesen Symptomen beträgt die Nachweisquote von M. canis bis zu 25 %.
Die Ansteckung von Menschen erfolgt in erster Linie durch häufigen direkten Kontakt, z. B. Schmusen mit infizierten Heimtieren. In Deutschland werden seit Jahren bei Katzen über 95 % aller pilzbedingten Hauterkrankungen durch M. canis hervorgerufen. Auch klinisch gesund erscheinende Katzen, vor allem Jungtiere, können bis zu 88 % mit diesem Hautpilz infiziert sein. Auch bei pilzbedingten Hautveränderungen bei Hunden schwankt die Nachweisquote von M. canis zwischen 20 und 50 %. Ferner können bis zu 10 % der hautgesunden Hunde mit diesem Hautpilz befallen sein.
Hinzuweisen ist noch auf eine Zunahme von M. canis-Infektionen bei Kindern, die im Urlaub in südlichen Ländern Europas und Nordafrikas mit zugelaufenen Katzen oder Hunden gespielt haben.
Trichophytie
Für diese Hautpilzerkrankung können mehr als 20 verschiedene Trichophyton-Arten in Betracht kommen. Hiervon haben für Heimtiere die größte Bedeutung die Spezies T. mentagrophytes (Hauptwirte Maus, Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen, Hund, Katze), T. quinckeanum (Hauptwirte Meerschweinchen, Kaninchen) und T. erinacei (Hauptwirt Igel). Die Isolierungsraten von T. mentagrophytes betragen bei hautkranken Hunden bis zu 40 %, unter Umständen sogar bis zu 60 %, bei Katzen bis zu 24 %. Bei Meerschweinchen mit Hautveränderungen gelangt der kulturelle Nachweis dieser Dermatophytenspezies in annähernd 20 % der Fälle. Kaninchen und Zwerghasen können den Trichophytie-Erreger beherbergen, ohne klinische Krankheitserscheinungen zu zeigen. Das trifft auch auf bis zu 50 % der Igel zu.
Die Ansteckung von Menschen, insbesondere von Kindern, mit Trichophytie-Erregern erfolgt durch intensiven direkten Kontakt, z. B. Kuscheln, mit infizierten Heimtieren. Dabei sind vor allem Kaninchen, Zwerghamster und Meerschweinchen, seltener Hund und Katze, Ausgangspunkt für Erkrankungen. Diese äußern sich zu Beginn mit bis zu linsengroßen, etwas erhabenen, rötlichen, schuppenden, juckenden Flecken, die sich nach außen verbreitern (roter Ring), während das Zentrum abheilt. Die Flecken können im Gesicht, in der Halsregion und an den Armen und Händen auftreten. Durch Kratzen infolge Juckreiz können auch andere Körperstellen betroffen sein. Bei 15 – 20 % der Menschen mit den beschriebenen Krankheitserscheinungen lassen sich von Heimtieren stammende Trichophytie-Erreger, insbesondere T. mentogrophytes, nachweisen.