Parasitenbedingte Zoonosen
Zoonosen durch Einzeller (Protozoen)
Cryptosporidiose
Die Ansteckung von Menschen erfolgt durch orale Aufnahme con Cryptosporidium parvum Oozysten (Entwicklungsstadien) über Schmutz- und Schmierinfektion. Das Krankheitsbild äußert sich durch wässrige Durchfälle (großer Flüssigkeitsverlust), verbunden mit starken Bauchkrämpfen. Bei Personen mit Immunschwäche (z. B. HIV-Infektion) sind schwere und sogar tödliche Krankheitsverläufe möglich.
Zunehmend gibt es Anhaltspunkte, dass die Übertragung der Erreger von Hund und Katze auf den Menschen erfolgen kann. In Deutschland betrugen die im Rahmen der Routinediagnostik ermittelten Nachweisraten für Cryptosporidium-Oozysten in Kotproben von Hunden bzw. Katzen 0 % bzw. 1,3 %.
Giardiose
In den letzten Jahren wurden in Deutschland im Rahmen routinemäßiger Kotuntersuchungen bei 4 – 9 % der Hunde und 3 – 4 % der Katzen Zysten (ein Entwicklungsstadium) von Giardien gefunden.
Als gesicherte Ansteckung gilt die Ansteckung von Menschen durch die orale Aufnahme von Giardia-Zysten über Schmutz- und Schmierinfektion. In der Folge kommt es häufig zu einem symptomlosen Krankheitsverlauf oder, insbesondere bei Kindern, zu zahlreichen Durchfällen, die mit hohem Flüssigkeitsverlust und krampfartigen Leibschmerzen einhergehen. Auch der Genuss von Trinkwasser, das mit infektionstüchtigen Zysten aus Tierkot kontaminiert ist, kann zu entsprechenden Durchfallerscheinungen führen.
Toxoplasmose
Besondere Bedeutung hat der Erreger der Toxoplasmose, Toxoplasma gondii, für Schwangere. Bei einer Erstinfektion einer Frau während der Schwangerschaft gehen diese Einzeller auf das ungeborene Kind über. Auf diese Weise kann es zur Fehl- bzw. Totgeburt oder zu einer schweren Schädigung des ungeborenen Kindes kommen. Die Krankheitssymptome eines mit T. gondii infizierten Kindes sind zum Zeitpunkt der Geburt nicht immer nachweisbar. Sie entwickeln sich aber bald danach in Form von Veränderungen der Ader- und Netzhaut der Augen, verbunden mit Sehstörungen bis hin zur Erblindung. Beim Befall des Gehirns kommt es zur Bildung eines „Wasserkopfes" (Hydrocephalus). T. gondii-bedingte Verkalkungen im Gehirn können Krämpfe, Zuckungen sowie schwere Intelligenzstörungen zur Folge haben.
In Deutschland kommt es jährlich bei ca. 6.200 Schwangeren zur Erstinfektion mit T. gondii, die in 50 % der Fälle auf den Fötus übertragen wird. Ingesamt werden in Deutschland jährlich etwa 1700 Kinder mit Schäden geboren, die auf eine während der Schwangerschaft erworbene (konnatale) T. gondii-Infektion zurückgehen. Rund 300 der ca. 3.100 infizierten Neugeborenen weisen schwere mittelgradige Schäden auf.
Gefürchtet ist die Toxoplasmose außerdem bei Patientinnen und Patienten mit geschwächter Immunabwehr (z. B. HIV oder nach Organtransplantationen), bei denen sich die T. gondii-Infektion vor allem im Zentralnervensystem manifestiert. Das hat Symptome wie Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit, Sprachstörungen, Bewegungsskoordinationsstörungen, Krämpfe bis hin zu einer Persönlichkeitsveränderung zur Folge.
Die Bedeutung von Katzen als Infektionsquelle der Toxoplasmose bei Menschen steht zweifelsfrei fest; Hunde als mögliche Ansteckungsquelle kommen für Menschen nicht in Betracht. Toxoplasma-Oozysten, die mit dem Kot ausgeschieden werden, sind zunächst nicht infektiös. Sie müssen mindestens drei Tage lang der Luft, Feuchtigkeit und Wärme ausgesetzt sein, um sich zu entwickeln und damit infektiös zu werden. Die Infektion des Menschen kann durch Kontakt mit älterem Katzenkot im Erdboden, z. B. bei Garten- oder Feldarbeiten, zustandekommen. Der direkte Kontakt mit der Katze selbst spielt wohl keine relevante Rolle.