Bakterienbedingte Zoonosen
Campylobacteriose
Campylobacter (C.) jejuni ist mit 56.400 gemeldeten Erkrankungsfällen im Jahr 2002 (54.600 Fälle 2001) nach den Salmonellen der zweithäufigste Erreger, der in Deutschland im Zusammenhang mit Durchfallerkrankungen beim Menschen nachgewiesen wird. Diese Bakterienspezies kommt auch bei Hunden (Befallsrate bei erwachsenen Tieren bis zu 50 %, bei Welpen bis zu 75 %) und Katzen (Befallsrate bis zu 45 %) vor. Nach bisherigen Erkenntnissen werden die Isolationsraten bei diesen Heimtieren weniger vom Vorliegen von Darmerkrankungen als vielmehr von der Herkunft der Tiere beeinflusst. Bei Hunden und Katzen in Privathaushalten liegen die C. jejuni-Nachweisraten niedriger als bei Tieren aus dem Tierheim. Vor allem neu erworbene Hundewelpen und Junghunde bis zu einem halben Jahr sind häufig Ausscheider von C. jejuni, ohne selbst Krankheitssymptome aufzuweisen.
In Großbritannien konnten bis zu 5 % der beim Menschen offiziell registrierten C. jejuni-bedingten Durchfallerkrankungen auf mutmaßlichen Kontakt mit Hunden oder deren Ausscheidungen zurückgeführt werden. In britischen Studien wurde außerdem eine signifikante Verbindung zwischen Fällen von Campylobacter-Darmerkrankunen (Enteritis) bei unter 5 Jahre alten Kindern und dem Vorhandensein eines Welpen im Haushalt festgestellt. Entsprechende Erhebungen wurden in Deutschland bislang noch nicht durchgeführt.
Katzen scheinen dagegen nach bisherigen Mitteilungen weltweit wesentlich seltener als eigentliche Infektionsquelle für den Menschen in Betracht zu kommen.
Clamydophila psittaci-Infektionen (Ornithose/Psittakose)
Von Vögeln auf Menschen übertragene Chlamydophila (C.) psittaci-Infektionen werden gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) unter dem Begriff Ornithose geführt. Dagegen wird im Tierseuchengesetz zwischen Psittakose (Erkrankungen bei Psittaziden/Papageien) und Ornithose (Erkrankungen bei anderen Vogelarten) unterschieden. Eine Zusammenstellung aller Vogelarten, bei denen bisher Chlamydien nachgewiesen werden konnte, erbrachte mit fast 380 Vogelarten ein ungewöhnlich breites Wirtsspektrum.
Die häufigste Infektionsquelle für den Menschen stellen inzwischen nicht mehr die importierten Papageien, sondern aus Inlandszuchten stammende Psittaziden sowie insbesondere Wellen- und Nymphensittiche, aber auch einheimische Vögel anderer Spezies dar. Aus Dänemark wird berichtet, dass bei 80 Ornithose-Erkrankungen des Menschen in 21 Fällen (26 %) Papageien und Kanarienvögel, in 11 Fällen (14 %) Tauben, in 10 Fällen (13 %) Hühner und Enten sowie in 16 Fällen (20 %) Vögel unbekannter Spezies die Ansteckungsquellen für den Menschen waren. In 6 Fällen (7 %) lag eine beruflich bedingte Exposition (Geflügelschlachterei, Heimtiergeschäfte) vor, während in weiteren 16 Fällen (20 %) die eigentliche Infektionsquelle nicht ermittelt werden konnte. Die Verhältnisse in Dänemark dürften auch für Deutschland zutreffen.
Außer den hierzulande gemeldeten Ornithose-Fällen des Menschen ist noch eine Dunkelziffer zu vermuten. Die Ornithose verläuft beim Menschen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern. Diese reichen von unauffälligen Infektioen über leichte „grippale" Symptome, vielfach begleitet von Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, bis hin zu schweren, lebensbedrohlichen Verläufen, die mit hohem Fieber, heftigen Kopfschmerzen, Lungenentzündung und Bewusstseinstrübung einhergehen können. Die Erregerübertragung ist insbesondere beim engen Liebkosen (so genanntes Schnäbeln) mit Vögeln möglich.
Chlamydien können nicht nur bei Vögeln, sondern auch bei verschiedenen Säugetierarten Horn- und Bindehautentzündung der Augen, Lungen- und Gelenksentzündung, Durchfall oder eine Fehlgeburt hervorrufen. Bis zu 24 % der Hunde und bis zu 13 % der Katzen wiesen Antikörper gegen C- psittaci auf (heute als Chlamydophila felis bezeichnet). In deutschsprachigen Veröffentlichungen finden sich immer wieder Fallbeschreibungen über das Auftreten von Chlamydien-Infektionen bei Menschen, insbesondere im Zusammenhang mit Augenbindehautentzündungen, für die Katzen mit Augenausfluss als direkte Ansteckungsquelle verantwortlich gemacht werden konnten. Das ist ein Umstand, der in der Humanmedizin noch zu wenig beachtet wird.
EHEC-Infektion
In Deutschland wurden im Jahre 2001 bei Menschen im Zusammenhang mit Durchfallerkrankungen rund 1000 Infektionen mit EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli) offiziell registriert. Nicht die Zahl der Erkrankungen ist besorgniserregend, sondern viel mehr die Tatsache, dass bei 5 – 10 % der EHEC-Infektionen das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) als Komplikation, insbesondere bei Kindern häufig auftritt. Dies hat schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen (Nierenversagen) zur Folge.
Bisherige Erkenntnisse lassen den Schluss zu, dass Hunde und Katzen als direkte Ansteckungsquellen für den Menschen nur eine untergeordnete Bedeutung haben. Bislang konnte in Deutschland noch kein Fall einer EHEC-Infektion beim Menschen zuverlässig belegt werden, der seinen Ausgang von Hund, Katze oder einem anderen Heimtier genommen hat. Dagegen wurde über die Infektion mit EHEC durch Verzehr von Rohmilch, direkten Kontakt mit Kälbern bzw. Mensch-zu-Mensch-Übertragung schon häufiger berichtet.
Katzenkratzkrankheit (Bartonellose)
Als natürliches Reservoir für den Erreger der Katzenkratzkrankheit, Bartonella (B.) henselae (gehört zu den sogenannten Proteobakterien) sind aufgrund weltweit durchgeführter epidemiologischer Erhebungen nur Katzen anzusehen. Mit B. henselae infizierte Katzen zeigen keinerlei klinische Krankheitserscheinungen. Im süddeutschen Raum wurden Erreger bei 13 % der untersuchten, klinisch gesunden Katzen nachgewiesen. 85 % der Tiere mit einem Erregernachweis waren jünger als 2 Jahre. Aus den Niederlanden bzw. aus Frankreich wird über Isolierungsraten bis zu 22 % bzw. bis zu 53 % berichtet.
Die Erregerübertragung auf Menschen erfolgt in erster Linie über Biss- und Kratzwunden oder auch die direkten Kontakt mit jungen Katzen als Schmutz- und Schmierinfektion. Die Erkrankung beginnt beim Menschen wie ein grippaler Infekt, führt dann zu entzündlich-eitrigen Lymphknotenschwellungen, die meist einseitig im Bereich von Nacken, Achselhöhle oder Leistenbeuge auftreten.
Pasteurellose
Nach Hundebissen kann in etwa 5 % nach Katzenbissen und Kratzverletzungen (meist sehr tiefe Wunden) in etwa 20 – 50 % der Fälle eine Infektion mit Pasteurella (P.) multocida, ferner mit P. dagmatis, P. canis oder Mannheimia hämolytica. Diese gammanegativen Bakterien kommen in unterschiedlicher Häufigkeit als normale Bewohner in der Mundhöhle von Hunden (Nachweisrate bis zu 50 %) oder Katzen (Nachweisquote 75 – 90 %) vor, ohne bei diesen Tieren Krankheitserscheinungen hervorzurufen.
Bei Menschen sind entsprechend der Übertragung Wundinfektionen vorrangig, die häufig mit eitrigen Abszessen sowie Lymphknoten- und Knochenhautenzündungen einhergehen. Nicht selten besteht eine Diskrepanz zwischen den noch geringen klinischen Symptomen und starken subjektiven Beschwerden.
Salmonellose
Die in Deutschland gemeldeten Salmonellen-Infektionen bei Menschen repräsentieren schätzungsweise lediglich 10 – 20 % der tatsächlich vorkommenden Erkrankungsfälle. 65 – 75 % aller bei Menschen registrierten Salmonellen-Infektionen, die hauptsächlich als Durchfallerkrankungen ablaufen, werden durch Salmonella (S.) Enteritidis verursacht, ca. 20 % durch S. Typhimurium und der Rest durch andere Serovare.
Rund 10 % aller menschlichen Salmonellen-Erkrankungen, die mit Durchfallerscheinungen einhergehen, sind auf direkten Kontakt mit Salmonellen ausscheidenden Hunden, Katzen und insbesondere Reptilien zurückzuführen. Fehlende oder ungenügende Einhaltung von Hygienemaßnahmen, z. B. Händewaschen nach Kontakt mit diesen Heimtieren oder deren Ausscheidungen, kann die Übertragung von Salmonellen auf den Menschen begünstigen. Davon sind besonders Kinder betroffen.
Die Infektion von Hunden und Katzen mit Salmonellen dürfte vor allem über die Verfütterung von rohen Schlachtabfällen, z. B. ungekochte Innereien, erfolgen. Industriell hergestelltes und ordnungsgemäß sterilisiertes Fertigfutter weist keine oder nur sehr selten Salmonellen auf (dafür aber andere nicht erwünschte Inhaltsstoffe!!!).
Es ist seit längerem bekannt, dass auch in Deutschland verschiedene Reptilienarten ein z. T. beachtliches Salmonellenreservoir darstellen. Dabei sind Landschildkröten von größtem Interesse, weil sie insbesondere von Kindern sehr häufig wie "lebendes Spielzeug" behandelt werden. Die wenigen bislang in Deutschland durchgeführten Untersuchungen ergaben bei Landschildkröten aus Privathaushalten und Zoohandlungen Salmonellen-Nachweisraten bis zu 63 %. Hierbei wurden die für Menschen „klassischen" Enteritis-Salmonellen S. Typhimurium bzw. S. Enteritidis, wie auch bei anderen zu Haus gehaltenen Reptilienarten, jedoch nur selten gefunden. Wechselwarme Tiere beherbergen Salmonellen, oft gleichzeitig mehrere Arten nebeneinander, ohne selbst daran zu erkranken und können diese gramnegativen Bakterien auch jahrelang ausscheiden.
Bei anderen Heimtieren, wie z. B. Kaninchen oder Meerschweinchen kommen hierzulande Salmonellen nur sehr selten vor. Deshalb sind sie in Deutschland bisher nur in den seltensten Fällen als Infektionsquelle für den Menschen beschrieben worden.
Mykobakterien-Infektionen
Tuberkulose
Seit dem Ende der staatlichen Rintertuberkulosebekämpfung vor fast 40 Jahren kommen Tuberkuloseerkrankungen bei Hunden und Katzen in Deutschland nur noch äußerst selten vor.
Da das Auftreten von M. tuberculosis (Erreger der Tuberkulose beim Menschen) oder M. bovis (eigentlicher Erreger der Rindertuberkulose, der auch beim Menschen Erkrankungen verursachen kann) bei Hunden, Katzen oder anderen Heimtieren selten ist, kann in einem solchen Fall durchaus angenommen werden, dass in der Umgebung der betreffenden Tiere mit einem nicht erkrankten menschlichen Ausscheider zu rechnen ist.
Infektionen mit atypischen Mykobakterien (z. B. Fischtuberkulose)
Bei Zierfischen mindern schlechte Bedingungen, wie z. b. zu enge Haltung, nicht zuträgliche Zusammensetzung der Wasserchemie sowie zu reichliche, aber nicht adäquate Fütterung die Widerstandsfähigkeit und machen die Fische infektionsanfällig. In etwa 10 % der Erkrankungsfälle kommt es zum Auftreten der Fischtuberkulose, die in erster Linie auf Mycobacterium marinum, seltener auf M. fortuitum zurückzuführen ist.
Diese Erreger sind auch auf Menschen übertragbar, das geschieht vor allem beim Hantieren in Aquarien. An der Eintrittspforte des Erregers (meistens kleine Wunden im Handbereich) kommt es zu schlecht therapierbaren Hautgeschwüren.
Tularämie (Hasenpest)
Der Erreger Francisella tularensis wird in verschiedenen kleinen Säugern, u. a. Hasen und Kaninchen, gefunden. Infektionsmöglichkeiten für Menschen bestehen u. a. durch
(Schleim-) Hautkontakt. In Deutschland wurden in den letzten Jahren 2 – 3 Erkrankungsfälle pro Jahr gemeldet. Das klinische Erscheinungsbild ist u. a. abhängig von der Eintrittspforte der Erreger und kann sehr vielfältig sein.