saarlaendischesaller

 

Hier könnten saarländische Sprüche, Zitate oder Weisheiten ihren Platz finden....., auch Erlebtes,

aber ohne Ihre Mithilfe geht diese Seite ein.....

 

Fank P. aus Heusweiler:

"Morjens schmeckt mir's,

middachs schmeckt mir's,

nur omends genn ich net satt."

(saarl. Volksweisheit)

 

Tanja S. aus P.

Erlebnisse in einem saarländischen Reisebüro

(...ein Saarländer verständigt sich im allgemeinen auf saarländisch, vereinzelte Exemplare sprechen hochdeutsch, noch weniger sind einer Fremdsprache mächtig...)

"Gunn Dach. Sahn Se mol, hann Se aach Flüge mid de Ärfronse?"

Guten Tag. Können Sie mir sagen, ob ich bei Ihnen auch Flüge mit der Air France buchen kann?

 

"Mir wolle verreise. Es derf ruhich ebbes koschde! Am liebschde mid de Bridisch-Olwäis..."      (Always Ulta....Flügel haben die auch!)

Wir möchten luxeriös verreisen. Gern mit British Airways...

 

"Frolleinsche, hann Se de Kataloch von eins, zwei flieh do?"

Junge Frau, haben Sie den 1,2 Fly - Katalog zur Hand?

 

"Ich mahn gern mid Trälleborg verreise. Kenne Se ma grad emol das Heftche do gewe?" "TJAEREBORG!"  "Ei joo, das mid de scheen Bildcher."  

Ich möchte gern mit dem Reiseveranstalter Tjaereborg verreisen. Können Sie mir einen Katalog geben? Der ist immer sehr schön bebildert. 

 

"Mir wolle mid de ganz Famillje nach Fjutscher Ventscher."

Wir möchten mit der ganzen Familie nach...

(Minuten später und ein inzwischen 4-köpfiges Mitarbeiterteam auf Spurensuche...)

"Meinen Sie vielleicht Fuerteventura? Die kanarischen Inseln?"

"Ei joo, wenn ma das so schpoocht...."

Wenn das so ausgesprochen wird...

 

(...ein Reisebüro in der Innenstadt von Saarbrücken)

Ein farbiger, relativ gut deutsch sprechender Kunde betritt das Reisebüro: "Ich möchte nach Karstadt."

Eine mündliche Wegbeschreibung folgt. (...Fußgängerzone/Bahnhofstrasse...)

"Ich möchte nach Karstadt fliegen."

Großes Fragezeichen in allen Gesichtern.

"Meinen Sie vielleicht Kapstadt  ..........?"

 

 

anonym aus R.      

Laukaltes H²O                              

 

Dabei sah es nach einem richtig schönen  Morgen

aus… Charlotte sollte sich damit abfinden, dass ihr Körper nicht auf „Neun-Uhr-Schwimmen“ in schwach temperiertem Wasser programmiert war. Sie selbst bezeichnet sich gern als Montagsmodell. Jeder der sie kannte, inklusive aller „Doktoren“, hatte ihr diesbezüglich auch noch nie widersprochen, trotz ihrer gerade mal 38 Lebensjahren. Ihr Gesundheitszustand hatte sie Arbeitsplätze und Beziehungen gekostet.

 

„Wäre ich ein alter Fiat, niemand würde auch nur noch einen einzigen Cent in mich investieren“, begrüßte sie ihren zugewiesenen Arzt beim Aufnahmegespräch, als sie vor 3 Tagen im Gesundheitszentrum an der Saarschleife  ankam. Seither mixte sie sich jeden Morgen, nicht nur wegen der Verdauung, einen leckeren Cocktail aus purem Ananassaft, 100 g Sarkasmus, 50 g Ironie und 250 g Optimismus am Stück. Die Enzyme der Ananas wirkten abführend und die anderen Zutaten verliehen ihr den nötigen Antrieb, für den Rest des Tages.

 

Wenn heute Montag wäre, hätte sie für den ganzen Tag eine passende Entschuldigung gehabt, aber seit 9 Stunden und 25 Minuten nannte sich dieser Tag Dienstag. Bis vor 25 Minuten hatte sie auch noch keinen Grund, sich schlecht gelaunt zu fühlen. Nach jahrelangem Etappenschlaf hatte sie die letzten 3 Nächte mehrere Stunden am Stück geschlafen. Seit fast 2 Wochen konnte sie denken, ohne dass die rechte Hinhälfte der linken den Krieg erklärte. Sich deshalb aber gleich für eine „van Almzwick“ zu halten, kam ihr im Nachhinein auch reichlich albern vor.

 

Kein einziger freier Haken, in der Umkleidekabine der hauseigenen Bäderlandschaft. Diese Tatsache allein konnte jedoch nicht gegen täglich zugefügten und selbst verabreichten, hoch dosierten Optimismus „anstinken“...

Alle Nasszellen waren besetzt! Geduld, mindestens 50 bis 75 g, flockig oder püriert, sollte sie in ihr Cocktail-Rezept noch mit einbauen. Wie konnte sie eine so wichtige Zutat vergessen?

 

Konnten diese trödelnden Schrabnulsen den Dreck von der letzten Woche nicht in ihren Zimmern abduschen? Um diesen Satz auszusprechen, fehlte ihr weniger der Mut, vielmehr war sie sich der Tatsache bewusst, das sie nicht unter „Rüdesheimer, Mannheimer oder irgendeiner Amnesie litt und sich nur  zu genau  an ihre gute Kinderstube erinnern konnte.

Sofort kamen ihr neue Gedanken in den Sinn. Wenn sie nun unter anderen Bedingungen aufgewachsen wäre? Andere Eltern, gar keine Eltern, als Gassengöre, schlechte oder gar keine Bildung gehabt hätte? Und die Bedeutung der Worte Anstand und Benehmen ihr absolut fremd gewesen wären? Hätte sie den Satz dann ausgesprochen? Ihren Freunden und der Familie knallte sie schließlich noch ganz andere Sachen an den Kopf, trotz Erziehung, trotz ihres Intellekts!

Zu viele Fragen für einen so frühen Tagesbeginn, den man im Begriff war, sich durch nassen kalten Sport zu versauen. Endlich, eine Dusche wurde frei!

Erst warm, dann kalt oder sagen wir „laukalt“. Das temperierte H²O, in 8 verschiedenen Becken auf 1000m² verteilt, sollte schließlich bei Charlotte keinen Herzkasper verursachen. Sie hatte in der Vergangenheit, wenn es um die Verteilung von Krankheiten ging, zu oft den Arm gehoben.

Allerdings war ihr Cholesterinspiegel enorm niedrig und bei dem hohen Verzehr von Knoblauch, brauchte sie, laut Statistik, keinen Gedanken an ihr Herz zu verschwenden. Also, ab ins kühle Nass…

 

Oh Schreck! Sie zählte auf einen Schlag 2 Dutzend Halbbekleidete, die sich in der chlorkohlendioxidierten Luft im Wasser tummelten. Mit soviel Sportbegeisterung um diese Zeit hatte sie nicht gerechnet. Durchstehen oder die Flucht ergreifen? Charlotte entschied sich für den Kalorienverbrauch im Therapiebecken.

Ob die verbissenen Bahnenschwimmer und Pseudosportler außerhalb der Klinik auch so aktiv waren? Sie hatte Lust in Zickzacklinien zu schwimmen, nur um die Ordnung zu stören. Bei soviel sturer, geradliniger Brust –und Rückenschwimmerei musste einen der Wunsch, einfach auszubrechen, überfallen. Aber sie verwarf ihn. So früh am Morgen war ihr noch nicht nach Konfrontation zumute. Brav suchte sie sich eine freie Bahn, um von Fußtritten und wilden Armschlägen der Rückenschwimmer verschont zu bleiben. Außer dem Plätschern und den tiefen Atemzügen einzelner Sportskanonen herrschte eine angenehme Stille. Gerade, als sie sich diese Ruhe bewusst wurde, ging die  Tür auf  und ihr  unangenehmer Tischnachbar aus dem Speisesaal betrat die Schwimmhalle. Er schmetterte mit ca. 110 Dezibel ein kräftiges "guten Morgen“ in die badende Menge. Die 20 Meter von der Tür bis zum Wassereinstieg wurden mit eigenem Applaus und dem Üben der Tonleiter begleitet. Vorbei die Ruhe!

Dieser Möchtegern-Tenor, hatte der keine Badewanne? Das war Ruhestörung und 1 a Lärmbelästigung. Als er seine 130 Kilo auf 180 Zentimeter Körpergröße ins Wasser brachte, kamen tierähnliche Laute, Juchzer und Jodler aus seiner Kehle. Alle schauten dezent weg, da „Herr Pavarerras“ durch seine aufdringlichen, gewaltigen Auftritte aus dem Speiseraum bekannt war und scheinbar niemand seine Gesellschaft besonders schätzte. Jedem neu ankommenden Patienten erzählte er die traurige Geschichte seiner zu früh beendeten Opernkarriere. Er litt unter einer Stauballergie, die beim Öffnen der Bühnenvorhänge sofort zum Ausbruch kam. Was für ein tragisches Schicksal. Charlotte war im Begriff sich eine neue Bahn zu suchen, da ihr das Risiko einer „Pavarerras-Kontaktierung“ zu groß erschien, als zwei neue Rentner-Astralkörper das Bad betraten. Trotz Warnschilder, dass das Becken nur eine geringe Tiefe  hätte und das Springen vom Rand verboten sei, sprangen beide mit eingezogener Bauchdecke,  kopfüber ins Wasser. Jetzt reichte es!

Das war selbst der 63 jährigen Nachbarbahnenschwimmerin, die ihr wallendes Haar unter einem geblümten Kopfverhüterli versteckte, zu viel. Sie ergriff zusammen mit Charlotte die Flucht und hatte nicht nur für den Rest ihres Aufenthaltes in Orscholz eine angenehme Freundin gefunden…

 

 

 

  

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