Kultur-Feste-Kunst... Gebbds do ebbes, das sich fa ahngucke lohnt?

 

E saalännische Omend mid 'm Häbäd G.

Ein saarländischer Abend mit Herbert G.

 

Dank Ebay, dem Internet-Kaufhaus, war es mir gelungen, noch kurzfristig

2 Herbert-Grönemeyer-Sitzplatzkarten für wenig Geld zu ersteigern. Parkplätze waren Mangelware. In 2 -und 3er Reihen war die Camphauser Strasse vor dem Ludwigspark-Stadion beparkt. Eigens für den Konzertbesuch wurde die Strasse öffentlich zur Einbahnstrasse erklärt. Der Saarländer ist flexibel!

 

Autos aus Luxemburg und Frankreich standen da, Kennzeichen mit DA,

MA, F, TR, BIR und KA parkten Stoßstange an Stoßstange. Das Gleiche Gedränge, aus aller Herren Länder, herrschte vor den Eingängen. Die Ordner kontrollierten Taschen und Rucksäcke; Glas und Plastikflaschen wurden konfisziert. Eine Dame, in Begleitung ihrer Freundin, passierte die Kontrolle direkt vor uns. Der Ordner zauberte ein wunderschön verziertes Glas, mit selbst gemachter Marmelade, aus ihrem Rucksack.

Verdutzte  Gesichter um uns herum. „Ach herje“, stieß die Dame hervor, schaute erst den Order an, dann ihre Freundin, „das sollte dein Geburtstagsgeschenk werden.“ Schallendes Gelächter brach aus!

 

Der Ordnungshüter schüttelte unaufhörlich den Kopf.

Glas sei nun mal verboten, die Verletzungsgefahr zu hoch! Nun sah die Dame wirklich nicht wie eine Marmeladen-Terroristin aus…, bestimmt würde sie nicht damit nach Herbert werfen, aber der Ordner schüttelte immer noch sein Haupt! Um uns herum erklang aus Dutzenden von Mündern ein enttäuschtes oooooooooooooooh.

Was blieb da dem Ordner anderes übrig? Er handelte nach dem saarländischem Leitsatz: Läwe unn Läwe losse! Ich staunte, der Saarländer ist doch flexibel!

 

Ich kämpfte mich mit meinem Kind zur Tribüne durch. Gerade in Reihe 11 an den Plätzen 183 und 184 angekommen und häuslich niedergelassen, mussten wir feststellen, dass wir nicht in Block E sondern D saßen. Also die Brezeln und Getränke wieder eingepackt (auch importierte Nordhessen können flexibel sein) und in Block E besagte Plätze aufgesucht. Aber was war das? Unsere Plätze waren besetzt! Wir fragten höflich nach und bekam ein „Pech gehabt“ im schnippischen Dialekt eines benachbarten Bundeslandes zu hören. Außerdem sei das Block F! Wir sahen uns fragend um. Sofort fingen umliegende Besucher an zu widersprechen. Der Block, die Reihe, die Plätze, alles stimmte – nur das unfreundliche Auswärts-Trio passte nicht ins Bild. Egal - wir waren immer noch flexibel und ließen uns eine Reihe tiefer nieder. Das Stadion füllte sich zunehmend und so dauerte es nicht lange, bis die Platzinhaber unserer „Wahlplätze“ eintrafen und meine Tochter und ich erneut zum Aufbruch gezwungen waren.  Von Reihe 12 ertönte ein: “Habds ihr hejd Wandertag………..?“ Schallendes Gelächter, Nummer 2! Wir amüsierten uns mit und setzten uns erneut innerhalb unseres Blockes um. Bei aller Flexibilität, dachte ich mir, sollten wir hier auch gleich wieder vertrieben werden, bestünde ich auf meine bei Ebay käuflich erworbenen Plätze! Es war nur eine Frage der Zeit, bis meine Gedanken Realität wurden. Von meinem Ebay-Verkäufer wusste ich, dass er in einer weiteren Auktion, für das selbe Konzert, den selben Block, die selbe Reihe, weitere Karten für die Plätze 185 bis 187 verkauft hatte. Mein Ebay-Mitbieter -Anfang 20- kam, sah und siegte! Er brachte ohne große Worte, mit seinem saarländischen Charme, das Trio zur Aufgabe, der zu unrecht platzierten Sitzplätze.

 

Bei 30.000 Besuchern ist es mit der Flexibilität nicht ganz so einfach… Es stellte sich heraus, dass auch er die Karten zum Schnäppchenpreis erworben hatten. Wir Glücklichen! Umzingelt von waschechten Saarländern und einigen auswärtigen Gästen, geriet das Stadion in Partystimmung. Eine La Ola-Welle jagte die Nächste. So was hatte ich als Besucherin von Konzert –und Open Air-Veranstaltungen in  rund 25 Jahren noch nicht erlebt! Vielleicht lag es daran, dass ich zuvor noch nie eine saarländische Veranstaltung besucht hatte…

Nichts gegen die Stones in Hannover, Tina Turner in Frankfurt, oder Peter Gabriel in Offenbach, Lindenberg in Göttingen oder Joe Jackson in Essen - um nur einige zu nennen, aber Grönemeyer im Saarland, war reinstes Gänsehaut-feeling! Insgesamt 2 ½ Stunden Party, mit sportlicher Hochspannung wurden uns geboten. Auf den Leinwänden neben der Bühne wurden Live-Scenen der EM-Fußballbegegnung

Deutschland-Holland eingespielt. Die Massen tobten! Auch der Star des Abends schien von seinem Publikum beeindruckt, denn er scherzte, flachte, sang und spielte mit seinen Fans, bei einer Zugabe von über 60 Minuten. Wildfremde Menschen sangen, tanzten und schunkelten zusammen. Nach dem Konzert wurden spontan Mail-Adressen, zwecks Zusendung digitaler Fotos, ausgetauscht. 

Der anschließende Stau wurde den Besuchern von SR1 mit Live-Mitschnitten des gerade beendeten Konzertes versüßt.

 

Das Saarland hatte eingeladen ……und es war ein gelungener Abend.

 

 



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