Abschied mit Harfe Noch einmal tön', o Harfe, Die nur Gefühle tönt! Verhalle zart und leise Noch jene Schwanenweise, Die auf der Flut des Lebens Uns mit der Not versöhnt. Im Morgenschein des Lebens Erklangst du rein und hell! Wer kann den Klang verwahren? Durch Forschen und Erfahren Verhallet und versieget Des Liedes reiner Quell. O schlag' im dunklen Busen Der ernsten Abendzeit! Will um das öde Leben Des Schicksals Nacht sich weben, Dann schlag' und wecke Sehnsucht Nach der Unsterblichkeit! -Text Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834) - Stiller Augenblick Fliehendes Jahr, in duftigen Schleiern Streifend an abendrötlichen Weihern Wallest du deine Bahn; Siehst mich am kühlen Waldsee stehen, Wo an herbstlichen Uferhöhen Zieht entlang ein stummer Schwan. Still und einsam schwingt er die Flügel Tauchet in den Wasserspiegel, Hebt den Hals empor und lauscht; Taucht zum andern Male nieder, Richtet sich auf und lauschet wieder, Wie's im flüsternden Schilfe rauscht. Und in seinem Tun und Lassen Will's mich wie ein Traum erfassen, Als ob's meine Seele wär', Die verwundert über das Leben, Über das Hin und Wiederschweben, Lugt' und lauschte hin und her. Atme nur in vollen Zügen Dieses friedliche Genügen Einsam auf der stillen Flur! Und hast du dich klar empfunden, Mögen enden deine Stunden, Wie zerfliesst die Schwanenspur! Gottfried Keller |