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schamanistische Notizen Die Einweihung eines Schamanen![]() (-) Er reiste sehr weit und landete bei den Juraksamojeden. 1923 brachte er Studien über ihre heiligen Stätten heraus, nachdem er ein Jahr zuvor ihre Lieder publiziert hatte. 1924 entstand eine Skizze ihrer gesamten Mythologie. Und das ist lange nicht alles, was er gesammelt und niedergeschrieben hat. Lehtisalos letzte Publikation, "Der Tod und die Wiedergeburt des künftigen Schamanen", auf die ich mich hier stütze, ist für den Leser nicht ganz einfach zugänglich, aber wegen seiner späten Augenzeugenberichte doch sehr interessant. Ein Großteil liest sich wie ein mystisches Märchen und bringt uns den Kern des schamanistischen Weltbildes vor Augen, das drei-, sieben- oder neunteilig gegliedert sein konnte. Die Welt war entsprechend in drei, sieben oder neun verschiedene Ebenen gegliedert, und der Mensch bewohnte stets die mittlere. Diese Ebenen oder Welten wurden von einer kräftigen Säule, einem Baum – z.B. die große Eiche der Kalevala oder die Weltenesche Yggdrasil der Edda – oder von einem hohen Berg getragen. Toivo Lehtisalo schildert nun, wie der Mensch, der eine solche Einweihung durchmacht, alle erdenklichen Schrecken erleben muß. Er schreitet durch die Tore des Todes, wird von Dämonen zerstückelt, seine Knochen werden durch Kochen freigelegt, sein Schädel auf einem Amboß zerschlagen. Seine in dieser Weise umgewandelte Substanz – sowohl das Geistige als auch das Physische – wird nun gehärtet wie das Eisen in der Schmiede. Wir erkennen in dieser Erzählung Lehtisalos Elemente, die auch in der Kalevala geschildert werden, und zwar im 13. bis 15. Gesang, in denen Lemminkäinen den Elch des Hiisi, das Pferd des Todes und den Schwan des Todesflusses Tuonela jagen soll. Die fatale Jagd endet schließlich am Fluß des Totenlandes, an dem Lemminkäinen getötet und von den dämonischen Wesen des Todesreiches zerstückelt wird. Erst nach einiger Zeit gelingt es seiner Mutter, den Toten zu finden, die Teile seines Leichnams einzusammeln, zusammenzufügen und wieder zum Leben zu erwecken. Solche Berichte zeigen auch vielfältige Gemeinsamkeiten mit sonstigen bekannten Einweihungsriten. Es liegt nahe, daß die Schilderungen der Kalevala oft mit der antiken Mythologie in Verbindung gebracht werden. Ähnliches klingt auch in den letzten Prüfungen der Chymischen Hochzeit von Johann Valentin Andreae an. Und die Studien Mircea Eliades haben viel zu einer vergleichenden Betrachtung von Alchemisten und Schamanen beigetragen. Aber besonders interessant wird diese Einweihung, die im Bild wie das Schmieden des Eisens geschieht, durch die Ausführungen von Lennart Meri. Esko Jalkanen – der Heiler aus dem Norden- Vom Zauber finnischer und baltischer Kultur Weltbild und Religion (der Khuza) Der Grund für die Verehrung, die die Khuza dem Ring und den parallelen Linien entgegenbrachten, liegt in ihrem Weltbild begründet. Sie stellten sich die Erde als Ring vor. Der Urmythos der Khuza, ihre Schöpfungsgeschichte, gibt uns Aufschluß darüber, wie es zu der Vorstellung von der ringförmigen Erde kam. Am Anfang der Welt, so wird noch heute auf Olkhon erzählt, standen drei Sonnen am Himmel, unter dem sich nichts als kochendes Wasser ausbreitete. Es gab nicht Tag und Nacht. Gleißendes Licht und unerträgliche Hitze erfüllten die Luft. Da sandten die ersten Menschen, Khuto der Mann und die beiden Frauen, Dschultscha und Manilschi, drei Schwäne aus, um nach Steinen und Sand für die Erde zu tauchen. Sieben Tage waren sie unter Wasser und tauchten schließlich mit 12 Inseln auf.(1) Nun hatte zwar jeder der Menschen festen Boden unter den Füßen, doch sie konnten sich nicht treffen, denn zwischen den Inseln breitete sich der Ozean aus. Da befahl Khuto den Schwänen, so kraftvoll die Inseln zu umrunden, daß das Wasser auseinanderströmte und die Inseln sich verbinden konnten. So geschah es. Die Schwäne zogen einen Ring um die Inseln, peitschten das Wasser mit ihren Flügeln und Füßen hinweg und es entstand der Weltring. Doch noch immer war es so unerträglich heiß, daß Steine und Erde kochten. Da nahm Khuto Pfeile und seinen Bogen, bestieg einen Schwan und flog auf ihm gegen die Sonnen. Zwei von ihnen traf er. Die eine stürzte in die Weltmitte und verlosch. Die andere zersplitterte. Ihre Splitter verteilten sich über das Firmament und wurden die Sterne. Alles war nun zum besten gerichtet und der Tag der großen Harmonie begann. Die ersten Menschen lebten rhythmisch, zyklisch und zufrieden und genossen die Kühle der ersten Nacht. Wären da nicht die Unwägbarkeiten des Lebens wie Tod, Unwetter, schlechtes Essen und andere Übel, die Unruhe und Unfrieden bringen. So begann schon am zweiten Tag das "Zeitalter der großen Unzufriedenheit", als jener Schwan tot am Boden lag, mit dem Khuto gen Himmel geflogen war. Er war vor Überanstrengung verendet. Große Melancholie erfüllte die Menschen und sie stimmten die "Große Weltbeschwerde" an. Die beiden anderen Schwäne starben vor Kummer. Von den Pfeilen, die Khuto abschoß, trafen zwei nicht ins Ziel. Sie kreisen bis heute um den Erdenring. Der eine bringt den Tod. Trifft der andere einen Menschen, so hört er ein Glöckchen, das ihn zum Schamanen beruft. Das Ende der Welt ist nach der Khuza- Mythologie angebrochen, wenn aus der Mitte des Weltrings Rauch aufsteigt, der "Atem der verglühten Sonne", der die Welt verhüllt und alles Leben erstickt. Klaus Heid - Khuza- Ein Mythos aus Sibirien |