Schwanengesang/ Musik

Als Schwanengesang  bezeichnet man das letzte Werk eines Musikers oder eines Dichters. Auch die letzte Rede eines Politikers wird oft in einem weiteren Sinne des Wortes als Schwanengesang bezeichnet.

Der Ausdruck geht auf einen alten griechischen Mythos zurück, der besagt, das Schwäne vor ihrem Tode noch einmal mit trauriger, jedoch wunderschöner Stimme ein letztes Lied anstimmen. In einer Fassung dieses Mythos wanderte Cygnus in einem Pappelhain am Ufer des Flusses Eridanus, den Tod seines treuesten Freundes Psittakos betrauernd. Da hatten die Götter Mitleid mit ihm und verwandelten ihn in einen Schwan aus leuchtenden Sternen. Bevor Cygnus aus Trauer über den geliebten Freund starb, sang er jene von keinem anderen Gesang an trauriger Schönheit übertroffene Weise.

Schwanengesang ist auch der Name einer Liedersammlung von Franz Schubert
Auszug Netlexikon

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Im Gegensatz zu den Zyklen "Die Schöne Müllerin" und "Winterreise" ist der "Schwanengesang" keine vom Schubert selbst konzipierte Liedfolge, sondern wurde postum von seinem Verleger Tobias Haslinger zu einem Opus verbunden. Interessant ist die stilistische Verschiedenheit dieser späten Lieder: Die Rellstab-Gedichte und Seidls "Taubenpost" regten Schubert dazu an, noch einmal ein Höchstmaß an schmelzender Zärtlichkeit auf das Papier zu bringen, während die Heine-Lieder mit Ausnahme des "Fischermädchens" ein Maximum an dramatischer Spannung auf der Basis abgrundtiefer Verzweiflung erreichen, und dies teilweise mit einer geradezu ungeheuerlichen Sparsamkeit der Mittel.
- Auszug Rondo Magazin -

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Schwanengesang
Set by Franz Schubert 1797-1828


1. Liebesbotschaft
Text by Ludwig Rellstab


 Rauschendes Bächlein,
 So silbern und hell,
 Eilst zur Geliebten
 So munter und schnell?
 Ach, trautes Bächlein,
 Mein Bote sei du;
 Bringe die Grüße
 Des Fernen ihr zu.

 All ihre Blumen,
 Im Garten gepflegt,
 Die sie so lieblich
 Am Busen trägt,
 Und ihre Rosen
 In purpurner Glut,
 Bächlein, erquicke
 Mit kühlender Flut.

 Wenn sie am Ufer,
 In Träume versenkt,
 Meiner gedenkend
 Das Köpfchen hängt,
 Tröste die Süße
 Mit freundlichem Blick,
 Denn der Geliebte
 Kehrt bald zurück.

 Neigt sich die Sonne
 Mit rötlichem Schein,
 Wiege das Liebchen
 In Schlummer ein.
 Rausche sie murmelnd
 In süße Ruh,
 Flüstre ihr Träume
 Der Liebe zu.

2. Kriegers Ahnung
Text by Ludwig Rellstab

 In tiefer Ruh liegt um mich her
 Der Waffenbrüder Kreis;
 Mir ist das Herz so bang und schwer,
 Von Sehnsucht mir so heiß.

 Wie hab ich oft so süß geträumt
 An ihrem Busen warm!
 Wie freundlich schien
 des Herdes Glut,
 Lag sie in meinem Arm!

 Hier, wo der Flammen düstrer Schein
 Ach! nur auf Waffen spielt,
 Hier fühlt die Brust sich ganz allein,
 Der Wehmut Träne quillt.

 Herz! Daß der Trost dich nicht verläßt!
 Es ruft noch manche Schlacht.
 Bald ruh ich wohl und schlafe fest,
 Herzliebste - gute Nacht!

3. Frühlingssehnsucht
Text by Ludwig Rellstab

 Säuselnde Lüfte wehend so mild
 Blumiger Düfte atmend erfüllt!
 Wie haucht ihr mich wonnig begrüßend an!
 Wie habt ihr dem pochenden Herzen getan?
 Es möchte euch folgen auf luftiger Bahn!
 Wohin?

 Bächlein, so munter rauschend zumal,
 Wollen hinunter silbern ins Tal.
 Die schwebende Welle, dort eilt sie dahin!
 Tief spiegeln sich Fluren und Himmel darin.
 Was ziehst du mich, sehnend verlangender Sinn,
 Hinab?

 Grüßender Sonne spielendes Gold,
 Hoffende Wonne bringest du hold!
 Wie labt mich dein selig begrüßendes Bild!
 Es lächelt am tiefblauen Himmel so mild
 Und hat mir das Auge mit Tränen gefüllt!
 Warum?

 Grünend umkränzet Wälder und Höh'!
 Schimmernd erglänzet Blütenschnee!
 So dränget sich alles zum bräutlichen Licht;
 Es schwellen die Keime, die Knospe bricht;
 Sie haben gefunden, was ihnen gebricht:
 Und du?

 Rastloses Sehnen! Wünschendes Herz,
 Immer nur Tränen, Klage und Schmerz?
 Auch ich bin mir schwellender Triebe bewußt!
 Wer stillet mir endlich die drängende Lust?
 Nur du befreist den Lenz in der Brust,
 Nur du!


4. Ständchen

Text by Ludwig Rellstab


 Leise flehen meine Lieder
 Durch die Nacht zu dir;
 In den stillen Hain hernieder,
 Liebchen, komm zu mir!

 Flüsternd schlanke Wipfel rauschen
 In des Mondes Licht;
 Des Verräters feindlich Lauschen
 Fürchte, Holde, nicht.

 Hörst die Nachtigallen schlagen?
 Ach! sie flehen dich,
 Mit der Töne süßen Klagen
 Flehen sie für mich.

 Sie verstehn des Busens Sehnen,
 Kennen Liebesschmerz,
 Rühren mit den Silbertönen
 Jedes weiche Herz.

 Laß auch dir die Brust bewegen,
 Liebchen, höre mich!
 Bebend harr' ich dir entgegen!
 Komm, beglücke mich!


5. Aufenthalt
Text by Ludwig Rellstab


 Rauschender Strom,
 Brausender Wald,
 Starrender Fels
 Mein Aufenthalt.

 Wie sich die Welle
 An Welle reiht,
 Fließen die Tränen
 Mir ewig erneut.

 Hoch in den Kronen
 Wogend sich's regt,
 So unaufhörlich
 Mein Herze schlägt.

 Und wie des Felsen
 Uraltes Erz,
 Ewig derselbe
 Bleibet mein Schmerz.



6. In der Ferne
Text by Ludwig Rellstab


 Wehe dem Fliehenden,
 Welt hinaus ziehenden! -
 Fremde durchmessenden,
 Heimat vergessenden,
 Mutterhaus hassenden,
 Freunde verlassenden
 Folget kein Segen, ach!
 Auf ihren Wegen nach!

 Herze, das sehnende,
 Auge, das tränende,
 Sehnsucht, nie endende,
 Heimwärts sich wendende!
 Busen, der wallende,
 Klage, verhallende,
 Abendstern, blinkender,
 Hoffnungslos sinkender!

 Lüfte, ihr säuselnden,
 Wellen sanft kräuselnden,
 Sonnenstrahl, eilender,
 Nirgend verweilender:
 Die mir mit Schmerze, ach!
 Dies treue Herze brach -
 Grüßt von dem Fliehenden,
 Welt hinaus ziehenden!


7. Abschied
Text by Ludwig Rellstab

 Ade! du muntre, du fröhliche Stadt, ade!
 Schon scharret mein Rößlein mit lustigen Fuß;
 Jetzt nimm noch den letzten, den scheidenden Gruß.
 Du hast mich wohl niemals noch traurig gesehn,
 So kann es auch jetzt nicht beim Abschied geschehn.

 Ade, ihr Bäume, ihr Gärten so grün, ade!
 Nun reit ich am silbernen Strome entlang.
 Weit schallend ertönet mein Abschiedsgesang;
 Nie habt ihr ein trauriges Lied gehört,
 So wird euch auch keines beim Scheiden beschert!

 Ade, ihr freundlichen Mägdlein dort, ade!
 Was schaut ihr aus blumenumduftetem Haus
 Mit schelmischen, lockenden Blicken heraus?
 Wie sonst, so grüß ich und schaue mich um,
 Doch nimmer wend ich mein Rößlein um.

 Ade, liebe Sonne, so gehst du zur Ruh, ade!
 Nun schimmert der blinkenden Sterne Gold.
 Wie bin ich euch Sternlein am Himmel so hold;
 Durchziehn wir die Welt auch weit und breit,
 Ihr gebt überall uns das treue Geleit.

 Ade! du schimmerndes Fensterlein hell, ade!
 Du glänzest so traulich mit dämmerndem Schein
 Und ladest so freundlich ins Hüttchen uns ein.
 Vorüber, ach, ritt ich so manches Mal,
 Und wär es denn heute zum letzten Mal?

 Ade, ihr Sterne, verhüllet euch grau! Ade!
 Des Fensterlein trübes, verschimmerndes Licht
 Ersetzt ihr unzähligen Sterne mir nicht,
 Darf ich hier nicht weilen, muß hier vorbei,
 Was hilft es, folgt ihr mir noch so treu!


8. Der Atlas

Text by Heinrich Heine

 Ich unglücksel'ger Atlas! Eine Welt,
 Die ganze Welt der Schmerzen muß ich tragen,
 Ich trage Unerträgliches, und brechen
 Will mir das Herz im Leibe.

 Du stolzes Herz, du hast es ja gewollt!
 Du wolltest glücklich sein, unendlich glücklich,
 Oder unendlich elend, stolzes Herz,
 Und jetzo bist du elend.


9. Ihr Bild

Text by Heinrich Heine

 Ich stand in [dunkeln]1 Träumen
 und [starrte]2 ihr Bildnis an,
 und das geliebte Antlitz
 Heimlich zu leben begann.
 
 Um ihre Lippen zog sich
 Ein Lächeln wunderbar,
 Und wie von Wehmutstränen
 Erglänzte ihr Augenpaar.
 
 Auch meine Tränen flossen
 Mir von den Wangen herab -
 Und ach, ich kann's nicht glauben,
 Daß ich dich verloren hab!


10. Das Fischermädchen
Text by Heinrich Heine

 Du schönes Fischermädchen,
 Treibe den Kahn ans Land;
 Komm zu mir und setze dich nieder,
 Wir kosen Hand in Hand.

 Leg an mein Herz dein Köpfchen
 Und fürchte dich nicht zu sehr;
 Vertraust du dich doch sorglos
 Täglich dem wilden Meer.

 Mein Herz gleicht ganz dem Meere,
 Hat Sturm und Ebb' und Flut,
 Und manche schöne Perle
 In seiner Tiefe ruht.

11. Die Stadt
Text by Heinrich Heine


 Am fernen Horizonte
 Erscheint, wie ein Nebelbild,
 Die Stadt mit ihren Türmen,
 In Abenddämmrung gehüllt.

 Ein feuchter Windzug kräuselt
 Die graue Wasserbahn;
 Mit traurigem Takte rudert
 Der Schiffer in meinem Kahn.

 Die Sonne hebt sich noch einmal
 Leuchtend vom Boden empor
 Und zeigt mir jene Stelle,
 Wo ich das Liebste verlor.


12. Am Meer
Text by Heinrich Heine

 Das Meer erglänzte weit hinaus
 Im letzten Abendscheine;
 Wir saßen am einsamen Fischerhaus,
 Wir saßen stumm und alleine.

 Der Nebel stieg, das Wasser schwoll,
 Die Möwe flog hin und wieder;
 Aus deinen Augen liebevoll
 Fielen die Tränen nieder.

 Ich sah sie fallen auf deine Hand
 Und bin aufs Knie gesunken;
 Ich hab von deiner weißen Hand
 Die Tränen fortgetrunken.

 Seit jener Stunde verzehrt sich mein Leib,
 Die Seele stirbt vor Sehnen;
 Mich hat das unglücksel'ge Weib
 Vergiftet mit ihren Tränen.


13. Der Doppelgänger
Text by Heinrich Heine

 Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,
 In diesem Hause wohnte mein Schatz;
 Sie hat schon längst die Stadt verlassen,
 Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.

 Da steht auch ein Mensch und starrt in die Höhe
 Und ringt die Hände vor Schmerzensgewalt;
 Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe -
 Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.

 Du Doppelgänger, du bleicher Geselle!
 Was äffst du nach mein Liebesleid,
 Das mich gequält auf dieser Stelle
 So manche Nacht, in alter Zeit?


14. Die Taubenpost
Text by Johann Gabriel Seidl


 Ich hab' eine Brieftaub' in meinem Sold,
 Die ist gar ergeben und treu,
 Sie nimmt mir nie das Ziel zu kurz
 Und fliegt auch nie vorbei.

 Ich sende sie viel tausendmal
 Auf Kundschaft täglich hinaus,
 Vorbei an manchem lieben Ort,
 Bis zu der Liebsten Haus.

 Dort schaut sie zum Fenster heimlich hinein,
 Belauscht ihren Blick und Schritt,
 Gibt meine Grüße scherzend ab
 Und nimmt die ihren mit.

 Kein Briefchen brauch ich zu schreiben mehr,
 Die Träne selbst geb ich ihr,
 Oh, sie verträgt sie sicher nicht,
 Gar eifrig dient sie mir.

 Bei Tag, bei Nacht, im Wachen, im Traum,
 Ihr gilt das alles gleich,
 Wenn sie nur wandern, wandern kann,
 Dann ist sie überreich!

 Sie wird nicht müd, sie wird nicht matt,
 Der Weg ist stets ihr neu;
 Sie braucht nicht Lockung, braucht nicht Lohn,
 Die Taub' ist so mir treu!

 Drum heg ich sie auch so treu an der Brust,
 Versichert des schönsten Gewinns;
 Sie heißt - die Sehnsucht! Kennt ihr sie? -
 Die Botin treuen Sinns.




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