Kleine Alchimie/ Schwan

Alchemie

Der Schwan hat nach alchemistischer Sichtweise drei Farben: das Weiß seines Gefieders, das Rot seines Blutes und — nach mancher alter Auffassung — das Schwarz im Fleisch älterer Tiere. Damit zeige der Schwan die drei Hauptfarben des „Großen Werkes” 
- D, 1982, n. EBELEIN 2000-

Arnaldus (Ros. I, 9): "Wofern die Cörper nicht unleiblich oder flüchtig werden, also dass sie keine Cörper mehr [als solche also zerstört] seynd, ... so richtet ihr in eurem Werck nichts aus."
 
Der rote Mann und das weiße Weib, auch roter Löwe und weiße Lilie und noch mit vielen anderen Namen benannt, werden in einem Gefäß, dem philosophischen Ei, miteinander vereinigt und gekocht. Die gesamte Materie wird dabei allmählich schwarz (und heißt Rabe oder Rabenhaupt), später weiß (Schwan); jetzt etwas stärkerer Hitze unterworfen, sublimiert sich die Substanz im Gefäß (der Schwan fliegt auf); bei weiterer Erhitzung tritt ein lebhaftes Farbenspiel auf (Pfauenschwanz oder Regenbogen), schließlich wird die Substanz rot, und das ist der Schluß der Hauptarbeit . Die rote Substanz ist der Stein der Weisen (auch unser König, roter Löwe, großes Elixier usw. genannt). Die Nacharbeit ist eine Nachbehandlung, durch die der Stein noch gekräftigt, in seiner Wirksamkeit "multipliziert" wird. Dann ist er fähig, in der "Projektion" auf ein geringeres Metall riesige Mengen davon zu Gold zu tingieren. (Im Stadium der Projektion wird die rote Tinktur durch den Pelikan versinnbildlicht. Warum, wird später erläutert werden.) Hätte man die Hauptarbeit in dem Grad der Weiße unterbrochen, statt die Röte zu erwarten, so besäße man den weißen Stein, das kleine Elixier, womit man die unedlen Metalle nur in Silber transmutieren kann.

- Herbert Silberer, Probleme der Mystik und ihrer Symbolik, Heller 1914 -


Laß es dir ein Mysterium der Natur sein, ein Magnale Dei und ein Schatz in diesem irdischen Jammertal, ein unansehnliches Ding in ein anderes adeliges zu verwandeln, das es vorher nicht war. Durch diese Kunst wird der äußerliche Körper zerstört und es entsteht ein anderer unsterblicher Leib und Wesen. So du aber diese Kunst lernen willst, so kann sie dir nicht noch deutlicher beschrieben werden, sondern du mußt bei den Alchymisten in die Schule gehen. Dann wirst du sehen, daß, sobald die Lilie sich im physischen Ei erwärmt, sie mit seltsamer Erzeigung schwärzer wird als ein Rabe, mit der Zeit aber weißer als ein Schwan und schließlich röter als der indische Safran.
Paracelsus, Tinctura physicorum






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