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Interviews von Esther aus verschiedenen Zeiten
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Esther Schweins: „Bildung sollte frei sein“
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Esther Schweins hat das deutsche Fernsehen geprägt. Für „Theaterlandschaften“, ihre neue Sendung auf 3Sat, beehrte die kesse Rothaarige das Heidelberger Stadttheater und ließ sich in der Drehpause Löcher in den Bauch fragen. Mit einer eigenen Interpretation des Nord-Süd-Gefälles und Statements zum Thema Studiengebühren liefert die 33jährige den Auftakt zu unserer Serie, die Heidelberger Kinder heimholt. |
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Frau Schweins, denken Sie, dass das Theater eine Zukunft hat? Oder rechnen Sie damit, dass die Theatergeneration - angesichts der übermächtigen Kino- und Medienpräsenz - irgendwann ausstirbt?
Nein, das glaube ich nicht. Und zur Zeit weint ja nicht nur das Theater, sondern auch Kino und Fernsehen weinen. Und auch das Buch hat vor Jahren geweint. Vor 15 Jahren hat man das Buch totgesagt, und heute gibt es Buchmessen mit Besucherzahlen, die all das Lügen strafen. Die Frage, ob es Theater weiterhin geben wird, stellt sich mir gar nicht. Das Theater muss es weiter geben, fertig. Theater ist eine Form, um nicht nur sich selbst Ausdruck zu schaffen, sondern auch der Zeit, dem Zeitgeist und gesellschaftlichen, politischen und sozialen Themen.
Es wird immer Menschen geben, welche die Bühne als Plattform dafür nutzen. Am Ende der Tage ist Theater die letzte Form, die wir noch zum gemeinsamen oder gemeinschaftlichen Erleben einer Geschichte haben, da wir zusammensitzen und eine Geschichte präsentiert bekommen, die von Menschen - echten Menschen! - dargestellt wird. Das wird nie aufhören. Die Geschichte des Theaters geht so weit zurück, bis in die Antike, dass wir uns davon nicht verabschieden werden können.
Man könnte allerdings behaupten, dass das Theater der Abendgestaltung Erwachsener dient, nicht der von Jugendlichen. Würden Sie mir zustimmen, wenn ich mutmaße, dass die jetzige Kinogeneration, also vor allem die Jugendlichen, älter werden und mit diesem Älterwerden zu einer neuen Theatergeneration wachsen - sozusagen in sie „reinwachsen“?
Ja, das glaube ich. Andererseits denke ich nicht, dass nur Erwachsene Theatergänger sind, sondern das Verhältnis von Stadt zu Stadt unterschiedlich ist. In Berlin gehen immens viele junge Leute ins Theater. Ein Jugendlicher in Berlin wird natürlich eher zur Schaubühne gehen als ins Berliner Ensemble, aber es gibt dennoch insgesamt viel jugendliches Publikum. Ich glaube, man kann noch viel mehr tun, zum Beispiel Theater öfters in Schulen stattfinden lassen, und zwar ohne diese Vorbehalte von wegen „Boah, jetzt gibt es Langeweile pur“ oder „Wir gehen jetzt mal zwei Stunden ins Theater schlafen“. Das sind bloß Vorurteile. Wenn man Theater ein wenig interessanter gestaltet, gibt es Hoffnung und Zukunft. Und die ganze Theaterkrise wird am Ende auch wieder Energie für Neues geben.
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Theater in der Krise hat schließlich immer dazu geführt, dass es auch einen Fortschritt gab, dass sich eine Avantgarde gebildet hat und dass gerade aus der Unmöglichkeit des Tuns plötzlich Tun sich erhob. Das ist ja immer so. Phönix aus der Asche eben.
Sie sind in Oberhausen geboren und hier um die Ecke, in Viernheim, aufgewachsen. Später waren Sie zur Schauspielschule in Karlsruhe und sind schließlich nach Bochum gewechselt. Könnten Sie die Unterschiede der Mentalitäten, die Sie dabei beobachteten, kurz resümieren? Also den typischen Süddeutschen in Kontrast zum Ruhrpottler setzen?
„Pottler“ darf erst einmal nur jemand sagen, der wirklich da herkommt. Abgesehen davon sagt man aber, dass sie dort oben die Sehnsucht kennen, weil es dort früher immer grau war und es so unheimlich viel Ruß gab. Wenn man in den 60ern ans Oberhausener Theater ging, bekam man sogar eine Rußzulage von 150 Mark pro Monat, was damals richtig viel Geld war. Aber es ist trotzdem ein Fleckchen, in das man früher nicht unbedingt hinwollte, denn die Luft war einfach schlecht. Heute ist es da sehr grün.
Dem Viernheimer sagt man nach, dass er die Dinge eher zusammenhält, als dass er sie freigiebig weggeben würde - was man dagegen den Ruhrgebietlern nachsagt. Der Ruhrgebietler teilt alles, weil er das Leiden und das Darben gewohnt ist. Der Viernheimer behält gerne für sich (lacht).
Nun, viele junge Menschen, die ursprünglich aus dem Norden kommen und z.B. hier studieren, meinen, dass die Leute in Heidelberg - entgegen ihrer Erwartung - eher zurückhaltend, leicht verbissen und verschlossen sind. Im Gegensatz zum Karnevalsland, wo jeder fröhlich zu sein scheint - Sie wissen ja, diese Rheinische Frohnatur... Können Sie dieses Urteil unterschreiben?
Vielleicht ist man hier ein bisschen erdverbundener. Man darf nicht vergessen, dass die einzelnen Städte, Gemeinden und auch Kreise relativ klein sind. Wir sind hier weit entfernt von einer Weltstadt. Heidelberg ist für den Viernheimer schon „die groooooße Stadt hinter den Bergen“. Mannheim ist bereits „riesig groß“, und nach Frankfurt kommt man erst gar nicht. Es stimmt dann schon, dass die Leute hier eher alles beisammen halten und auch nicht wirklich freudvoll auf Veränderungen reagieren. Hier soll schon alles so bleiben wie es ist.
Die Menschen sind also eher konservativ gestimmt?
Ich würde sagen: sehr viel konservativer als überall anders, wo ich jemals gewesen bin. Außer vielleicht noch im Allgäu. Das sind die Bergvölker...auch wenn’s hier nur sanfte Hügel gibt - die können sehr bergisch sein!
Was fällt Ihnen zum Thema Studiengebühren ein? Pro oder Contra?
Also, ich war da mal auf einer der Studentendemos in Berlin (lacht). Wie heißt dieser Satz von Büchner doch gleich? Irgendwas mit Hütten...
„Friede den Hütten, Krieg den Palästen“?
Genau! Den habe ich auf einem Studentenplakat entdeckt. Darunter stand: „Che Guevara“(lacht). Also wenn ich ihn auch nicht auf Anhieb richtig zitieren kann, so weiß ich doch, dass er von Büchner stammt. Und in diesem Moment dachte ich mir: „Leute wir brauchen doppelt Studiengebühren! Wenn man solche krassen Bildungslücken hat, dann wenigstens richtig dafür blechen!“*
Meinen Sie, die haben ernsthaft gedacht, das Zitat sei von Che Guevara?
Ja. Und dabei haben sie laut skandiert: „Ihr klaut uns unsere Bildung“. Mit diesem Plakat in der Hand! Aber ehrlich gesagt habe ich dazu nicht wirklich eine Meinung. Ich finde, Bildung sollte frei sein. Und natürlich ist es die Aufgabe des Staates, seine Jugendlichen heranzubilden. Andererseits: irgendwann, nach 16 Semestern, sollte man dann schon was dafür zahlen, dass man sich auf die faule Haut legt. |
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Was machen Sie jetzt noch in Heidelberg?
Ich werde versuchen, eine romantisch-nostalgische Stimmung herauf zu beschwören und einen kleinen Spaziergang aufs Schloss machen. Und dabei an vergangene Rendezvous denken...
Dabei wünschen wir viel Spaß! Esther, vielen Dank für das Interview, die Zeit und vor allem für die ehrlichen Antworten.
*Anmerkung der Redaktion: Das war möglicherweise der Gag des Plakats (so nach dem Motto „Schaut her was ohne Bildung passieren kann. Da wird schon Che mit Büchner verwechselt“). Aber das ist natürlich Interpretationssache...
"Theaterlandschaften" im Netz: 3sat.de
Stephanie Geißler - Philipp Ruhmhardt | |
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„Schweini war doch super!“
25.06.2004 07:19 Uhr
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Esther Schweins ist eine Frau mit vielen Talenten. Lars Hering sprach mit der 34-Jährigen, die von Köln nach Berlin gezogen ist - auch über Fußball.
Frage: Comedy-Star, Theaterregisseurin und Synchronsprecherin. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Haben Sie beruflich noch Träume?
Schweins: Ich habe schon seit einigen Jahren durch meinen Job erreicht, dass ich größtmögliche Freiheit habe. Aber meine Helden sind Peter Alexander und die Lottofee aus den 70ern. Die sind für mich unerreichbar. Das hat mich gestärkt fürs Leben. Sonst wäre ich ja von jedem sofort beeindruckt. Aber sagen Sie mal: Sie wirken so zerstreut . . .
Frage: Tschuldigung, aber ich habe soeben erfahren, dass Rudi Völler zurückgetreten ist.
Schweins: (schlägt die Hände vors Gesicht) Oh nein! Das kann doch nicht sein! Ich habe alle Spiele gesehen. Okay, wir haben verloren, aber Schweini war doch super! Die brauchen eben Zeit. Rudi ist der richtige Mann dafür!
Frage: Gehören Sie auch zu denen, die sich nur bei einer EM oder WM für Fußball interessieren?
Schweins: Wie bitte? Meine Mutter hatte als Teenager ein „Krösje“ mit Kalli Feldkamp. Außerdem bin ich in der Stadt von Rot-Weiß Oberhausen groß geworden. Das prägt. Sie werden schon sehen: Unser Verein wird noch groß rauskommen.
Frage: Welchem Team soll man jetzt eigentlich bei der EM die Daumen drücken?
Schweins: Den Tschechen. Wenn die uns rausschmeißen, sollen sie auch gewinnen.
Frage: Bei der Bandbreite von Aktivitäten rund um die Schauspielerei - nerven Sie da nicht die Umfragen, nach denen Sie als die attraktivste Schauspielerin gelten?
Schweins: Ob s nervt oder nicht, es hilft ja. Es sei denn, man macht statt Comedy mal was Dramatisches. Das Schönchen will man eben nicht weinen sehen. Ich lebe aber total nach dem Lustprinzip. Je nach Lebenssituation entscheide ich, was ich spiele.
Frage: Warum haben Sie sich nach dem Abi für die Schauspielerei entschieden?
Schweins: Mein Vater war ja total dagegen. Aber ich wollte etwas tun, was man immer machen kann. Eine Bühne und Leute zum Mitspielen finden sich immer. Außerdem hatte ich außer Zeit und Begeisterung nichts zu verlieren.
Frage: Wie kam es dazu, dass sie die Synchronstimme der Fiona bei Shrek 1 und 2 gesprochen haben?
Schweins: Das wurde mir vorgeschlagen. Ich habe mir einen kurzen Ausschnitt des ersten Teils angesehen und fand das saukomisch. Als ich hörte, ich soll die Prinzessin spielen, dachte ich erst: Och nö. Aber die ist gar nicht langweilig, die kämpft sogar.
Frage: Cameron Diaz spricht die englische Stimme...
Schweins: Cameron ist echt nett. Aber Hollywood wäre mir viel zu anstrengend: Immer nur gut aussehen und unter Strom stehen... Nichts für mich.

Interview

(aus dem RTL-Samstag Nacht Buch 95:)
RTL: Was magst du an Interviews am wenigstens ?
ES: Die Fragenzeichen.
RTL: Was am liebsten ?
ES: Dass ich dabei manchmals Zeit für ein Nickerchen habe.
RTL: Was wärst du gerne, wenn du nicht schon du wärest ?
ES: „Die kleine Hexe.“
RTL: Was bedeutet dir das Wort “Hundesteuer” ?
ES: Vielleicht sollte ich Bolle doch irgendwann mal anmelden.
RTL: Was empfiehlst du einem Hundebesitzer, dessen Hund noch nie mit dem Schwanz gewedelt hat ?
ES: Er sollte sich einen Delphin kaufen und mit ihm im Bermuda-Dreieck Gassi gehen.
RTL: Was fällt dir zu der Liedzeile „Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür“ ein ?
ES: Dass ich mein Klingelschild endlich mal leserlich anbringen sollte.
RTL: Trägst du auch nachts Nonnentracht ?
ES: Nein.
RTL: Was ist ein Kloster ?
ES: Ein Kloster ist ein Ort des Friedens, des Schweigens und des Betens und damit ein Ort, wo ich nicht unbedingt hinwill.
RTL: Angenommen, du brichst dir ein bein. Würdest du trotzdem weiter RTL gucken oder lieber Käsekuchen ?
ES: Käsekuchen.
RTL: Was ist Besondere an Käsekuchen ?
ES: Weich und flockig.
RTL: Wem würdest du gerne einen Käsekuchen auf den Po tätowieren ?
ES: Dem Fragesteller (Dieser musste nach dieser Antwort in Behandlung – gute Besserung ! Anm. d. Red.)
RTL2: Stell dir vor, du wirst wach und stellst fest, dass du beim Käsekuchenessen eingeschlafen bisst. Was würdest du tun ?
ES: Ich würde mal das Rezept nachprüfen – ob da wirklich eine Flasche Rum rein muss...
RTL2: Gibt es ein Lied, das du auch mit Käsekuchen im Mund singen kannst ?
ES: „Er gehört mir...“
RTL2: Warum interessiert du dich sosehr für Käsekuchen ?
ES: Der Käsekuchen ist eines der letzte grossen essbaren Rätsel unserer Zeit.
RTL2: Was ist dein Lieblingwitz ?
ES: Kommt ein Mann zur Polizei. „Herr Hauptmann, Herr Hauptmann... ich habe meine Frau geamselt !... Meint der Hauptmann: „Geamselt... ? Sie meinen wohl gevögelt ?“ Der Mann: „Äh... nein... ich habs gleich...: Erdrosselt !“
RTL2: Reizthema Cybersex. Wie würdest du mich jetzt und hier auf Touren bringen ?
ES: Ich würde dir mein Rezept für Käsekuchen verraten. (Auch der zweiten Fragesteller musste nach dieser Antwort in Behandlung – gute Besserung ! Anm. d. Red.)
Super-RTL: Was ist dein Lieblingsbaum ?
ES: Trauerweide.
Super-RTL: Dein Lieblingsfarbenblinder ?
ES: Bolle.
Super-RTL: Dein Lieblingsessener ?
ES: Meine Tante in Essen.
Super-RTL: Dein Lieblingswetter ?
ES: Sonne.

Gala 1996:
ES: Meinem Interesse für Mode wirkte meine Mutter schon früh entgegen. Sie fand das in keinster Weise nötig. Erst als ich kleidungsmäßig in die Müsli-Ecke geriet, hielt sie es für angebracht, mir ab und zu etwas Anständiges zu kaufen.
GALA: Hat ihre Mutter sich auch immer darüber aufgeregt, wie sie rumlaufen?
ES: Und wie. Für ihren Geschmack war ich immer zu schlampig angezogen. Eine zeitlang trug ich mit Vorliebe die alten Hemden von meinen Vater. Von denen hat sie einfach alle Knöpfe abgeschnitten, damit ich die bloss nicht anziehe.
GALA: Gibt es etwas, was sie anziehen mussten, obwohl sie es gehasst haben?
ES: Allerdings! Meine Mutter ist die tollste Frau der Welt, aber für eins hasse ich sie noch heute: für einen braunen Cordrock mit Bauernbordüre und einer Weste, dazu eine senfgelbe Rüschenbluse, fiesbraune Kniestrümpfe und mein langes Haar zu einem Dutt gebunden. Meine Mutter fand, dass mir das ausgezeichnet steht.
GALA: Wie alt waren sie da?
ES: Acht. Und der Außenseiter jede Kindergeburtstages. Andere Jungen und Mädchen tobten frühlich in topmodischen JEans herum. Nur klein Esther stand in ihrem Cordensemble, das zu jeder Feier rausgeholt wurde, mit scheusslicher Duttfrisur in der Ecke und durfte nicht mitspielen. Und dann fragte meine beste Freundin auch noch ganz spitz: Sag mal, hast du denn gar keine Jeans?
GALA: Wie reagierte ihre Mutter?
ES: Sie hat mir schließlich doch eine Jeans gekauft. Natürlich nicht die, die ich wollte. So eine oberschicke mit Bundfalten und geflochtenem Bündchen. Wegen dieser Entbehrung in der Kindheit sind Jeans heute meine Lieblingsklamotten.
GALA: Was halten sie von Menschen, die sich nur über Mode unterhalten?
ES: Wenn jemand seine ganze Persönlichkeit nur über sein Äußeres definiert, hört bei mir das Verständnis auf. Wenn Seidenstrümpfe auf Kosten der Gesundheit gehen, ziehe ich lieber Wollsocken an.
GALA: Fühlen sie sich unwohl, wenn sie falsch angezogen sind?
ES: Heute nicht mehr, früher schon. Da kam es mir darauf an, in der Masse zu verschwinden. Auf keinen Fall auffallen!
GALA: Stört es sie, wenn sie ungeschminkt sind und auf der Straße erkannt werden?
ES: Nein. Ich wundere mich nur, dass mich die Leute erkennen. Ich würde mich ungeschminkt nicht erkennen.
GALA: Machen sie sich jetzt, als öffentliche Person, mehr Gedanken über ihr Aussehen?
ES: Nein, sogar weniger. Seit ich dauernd fürs Fernsehen zugeschminkt werde, mag ich mein ungeschminktes Gesicht wieder viel lieber.
GALA: Und sie haben auch keine panische Angst, dass sie zunehmen?
ES: Das Problem hab ich sowieso nicht. Im Gegenteil. Alle Menschen versuchen mir ihre Liebe dadurch zu beweisen, dass sie mir etwas zu essen kaufen. Ich habe jetzt zum ersten Mal sieben Kilo zugenommen. Und es sehr genossen, etwas runder und weicher zu sein. Mal ein Dekolleté zu haben, wo nicht alle Knochen rausgucken.
GALA: Und was mögen sie gar nicht?
ES: Meine kaputten Haare. Ich mochte früher vieles an mir nicht: bis ich so 21 war. Andere sagten immer, mein Aussehen ist meine Stärke. Ich empfand das als Schwäche. Jedes weibliche Attribut habe ich unter weiten Sachen versteckt.
GALA: Wenn sie verliebt sind, überlegen sie da dreimal länger was sie anziehen?
ES: Wenn ich verliebt bin, gucke ich gar nicht in den Kleiderschrank. Da ziehe ich T-Shirt, Jeans und ein weites schwarzes Jackett an. Weil ich mich darin am wohlsten fühle und am meisten ich selbst bin. Wenn mir ein Mensch wirklich wichtig ist, soll er gleich das richtige Bild von mir haben.
GALA: Können sie sich in jemanden verlieben, der schlecht gekleidet ist?
ES: Es fällt mir eher schwer, mich in jemanden zu verlieben, der perfekt gekleidet ist. Der in seiner Freizeit noch Anzüge trägt. So einer verrät mir zu wenig von seiner Persönlichkeit, weil er sich immer hinter seiner perfekten Fassade versteckt.
GALA; Was hassen sie an Männern?
ES: Wenn sie nicht lachen.
GALA: Ich dachte mehr an so Kleinigkeiten. Dass sie überall hinpinkeln, zum Beispiel.
ES: Die meisten Dinge, die Männer tun, sind ja durchaus menschlich. Ich finde es gut, dass sie damit viel freier umgehen als Frauen. Wenn ich mir überlege, wie verkrampft ich in manchen Dingen bin, würd ich mir wünschen, ich könnte einfach so losrülpsen.
Christine Mortag

Interview zu der Caveman

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 Esther Schweins und Moritz Rinke Foto David Baltzer |
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«Dafür mache ich mir gern die Haare auf»
Moritz Rinke spricht mit Esther Schweins über das massenhafte Outing von Theaterliebhabern, über Sex-Ikonen, die kleine Form des Theaters und die große von SAT 1, günstige Blusenkäufe und «Foyer», ein Theatermagazin in 3sat und im Theaterkanal
Moritz Rinke: Also, die Verabredung lautet: Wir beide sollen jetzt Werbung machen für Theater im Fernsehen. Ich glaube, es gibt ja ganze Doktorarbeiten, in denen steht, dass Theater im Fernsehen ein absoluter Widerspruch ist, aber das interessiert uns jetzt alles nicht. Frau Schweins, wie war denn die erste Sendung?
Esther Schweins: Total aufregend. Unser erstes Thema war ja: Outing für das Theater. Bei uns haben die «Foyer»-Sendungen momentan immer einen Schwerpunkt, und diesmal haben sich alle für das Theater geoutet, ich auch.
Rinke: Oh Gott, das klingt ja, als arbeitete ich seit Jahren in einem Tabu-Bereich?
Schweins: Nein, wir meinen das eher so, dass wir Menschen gefunden haben, die durch etwas anderes berühmt wurden als durch das Theater, trotzdem aber eine Theatervergangenheit haben oder eine Theaterzukunft. Carl Djerassi zum Beispiel, der Mann, der die Pille erfunden hat, der schreibt jetzt Theaterstücke.
Rinke: Echt? Der Erfinder der Anti-Baby-Pille ist jetzt Dramatiker?
Schweins: Ja, der hat wahrscheinlich in seinem Leben genug Tantiemen bekommen, dass er sich das jetzt leisten kann. Wir haben über ein Stück von ihm berichtet, in dem er beschreibt, wie sich Wissenschaftler auf Kosten der Menschheit selbst übertrumpfen wollen. Und Lilo Wanders hat sich bei uns auch geoutet!
Rinke: Lilo Wanders ist so eine Art Sex-Ikone, kann man das so sagen?
Schweins: Nee, Sex-Ikonen sind entweder weiblich oder männlich, meistens weiblich, Lilo Wanders ist aber dazwischen und eher eine Ikone, die über Sex redet, weil sie moderiert ja das Kultmagazin «Wa(h)re Liebe». Jetzt aber spielt sie ein Drama von Ihnen, «Der Graue Engel». Haben Sie die Proben schon besucht?
Rinke: Nein, das geht nicht. Das ist mein Erstlings-Stück, da halte ich Proben doch gar nicht aus, auch bei Ikonen nicht. Frau Schweins, Sie gelten als «erotischste Frau Deutschlands», das habe ich in den Unterlagen sehr oft gelesen. Sie moderieren die Sendung mit offenem rotem Haar und nicht mit Zöpfen, wie heute. Wirkt sich das denn nun auf ein Theatermagazin aus?
Schweins: Ein Theatermagazin, und wir sind ja das einzige, ist in der Fernsehlandschaft ein absolutes Nischenprogramm, und da sollte man quotenmäßig auch nicht allzu Großes erwarten. Es geht eher darum, den Leuten wieder Lust auf Theater zu machen. Wahrscheinlich muss man heute so denken, dass es viele Leute auch zum Theater zurückzuholen gilt. Dafür mache ich mir dann auch gerne die Haare auf. Das macht ja der Sloterdijk im «Philosophischen Quartett» auch. Im Ernst: Ich kann mit nebulösen Quotenberechnungen nicht allzu viel anfangen, sondern mehr mit direktem Feedback. Gestern hat mich ein älterer Herr an der Ampel angesprochen und gesagt: «Frau Schweins, ich habe nach Ihrer Sendung sofort Karten bestellt für Nathan, der Weise.»
Rinke: Es funktioniert. In der Zeitschrift «DB-Mobil» der deutschen Bundesbahn waren Sie mit «Foyer» sogar auf dem Titel!
Schweins: Die deutsche Bundesbahn berichtet sowieso nur noch über Theater. Neulich war Harald Schmidt mit «Warten auf Godot» auf dem Titel.
Rinke: Was erwartet uns in der nächsten Sendung?
Schweins: Das Thema lautet «Paarungen». Also, wir zeigen Beispiele von Theater, in denen sich Alltag und Bühne verknüpfen. Schauspielerpaare werden vorkommen, also Menschen, die zusammenleben und beide für die Bühne arbeiten, wie schön das ist, wie schwer das ist. Wir wollen zeigen, dass es immer Menschen sind, die auch noch in anderen Zusammenhängen stehen. Allerdings überlegen wir, ob sich diese thematischen Überschriften auf Dauer eignen oder ob sie vielleicht nicht zu sehr einschränken.
Rinke: Zwei Ihrer Rollen waren in «Das Superweib» und in «Küsse niemals deinen Chef». Sie haben aber auch mal Gudrun Ensslin gespielt?
Schweins: Ja, ich habe mit Theater begonnen, zweieinhalb Jahre in einem mittelstädtischen Theater gelernt. Ich habe die Badische Schauspielschule besucht, und die war untergebracht in einem Karlsruher Privattheater, «Die Insel», gegründet von Werner Wedekind, da gab es in der Nachkriegszeit noch Theaterkarten für Kohlebriketts oder Eier. Ich mochte meine Zeit dort, wir Schauspielschüler hingen nicht so im luftleeren Raum, wir spielten im Privattheater, durften in der Kantine des Staatstheaters essen, sind umsonst in die Vorstellungen gekommen, und Probenbesuche waren Pflicht. Ich habe in dieser Zeit Kabarett und drei Rollen gespielt: Lilith aus «Faust», die Schönheit in Hofmannsthals «Großem Welttheater» und Gudrun Ensslin.
Rinke: Und danach zu RTL?
Schweins: Nein, ich war noch auf der Schauspielschule in Bochum, da habe ich aber nicht funktioniert, das war mir zu unkonkret. Allerdings habe ich mit einer Kommilitonin in Peter Zadeks Wohnung auf WBS-Schein gewohnt. Also nicht bei Zadek, sondern da, wo er früher gewohnt hatte, das erzählte uns der Vermieter. Wir dachten immer, dass hier einmal große Orgien stattgefunden haben müssen und große Ideen geboren wurden.
Rinke: Das kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht verwechseln Sie das. Leander Haußmann, den Sie ja auch in Ihrer Sendung interviewt haben, der soll im Bochumer Schauspielhaus immer Orgien veranstaltet haben. Zumindest behauptet das der neue Intendant. Herr Hartmann hat das Sofa in seinem Büro neu beziehen lassen. Übrigens habe ich neulich auf diesem Sofa gesessen. Raten Sie mal, neben wem?
Schweins: Harald Schmidt! Ja, der hat sich auch geoutet und in «Warten auf Godot» den Lucky gespielt, wir hatten das natürlich für unsere Sendung angekündigt, aber es lag dann zu weit zurück, außerdem hatte es so ein gewaltiges Medien-Echo.
Die Sehnsucht nach der «kleinen Form»
Rinke: Die haben sogar bei Günther Jauch in «Wer wird Millionär?» davon gesprochen. Das lief zeitgleich zu Ihrer Sendung, ich hatte nur mal kurz auf Fußball-Bundesliga umschalten wollen, sah aber Jauch und habe deshalb auch blöderweise den Beitrag über den Erfinder der Pille nicht gesehen. Auf jeden Fall lautete die Jauch-Frage: Wer kommt in dem Stück «Warten auf Godot» nicht vor: A: Wladimir, B: Estragon, C: Pozzo oder D: Godot. Der Kandidat hat es allerdings nicht gewusst, er hätte nur D: Godot sagen müssen, dann hätte er 1 Million Euro gehabt. Das fand ich echt tragisch.
Schweins: Da müssen wir wohl noch viele «Foyer»-Sendungen machen, um das allgemeine Theaterwissen zu heben. Ich möchte aber noch etwas zu Harald Schmidt sagen. Er hat in einem Interview erklärt, dass seine Liebe immer dem Theater galt, er hat im Augsburger Theater begonnen, und für ihn war klar, dass er eines Tages Staatsschauspieler sein würde und auf die Titelseite von «Theater heute» käme. Ist das nicht schön, dass so ein Star wie Schmidt sich so sehr nach dieser für seine jetzigen Verhältnisse kleinen Form des Theaters sehnt?
Rinke: Also, wir saßen mit Ernst Stötzner nach der Premiere auf dem Sofa, und Schmidt hatte, glaube ich, Tränen in den Augen. Er muss auf jeden Fall von diesem Erlebnis berührt gewesen sein, weil er hat keinen einzigen Witz erzählt. Außerdem ist er dann später aufgestanden und hat mit Hartmann im Internet hochinteressiert alle Premierenkritiken zu Peymanns Aufführung von «Nathan der Weise» gelesen.
Schweins: Schmidt liest alle Theaterkritiken in den Feuilletons, auch «Theater heute». Ich selber finde Theaterkritiken oft eitel und besserwisserisch, ich verstehe die auch nicht in ihrem um sich selbst kreisenden Selbstzweck, persönlich verletzend, ohne Achtung und Respekt, bla, bla.
Rinke: Was glauben Sie eigentlich: Sind Theaterleute weniger verlogen als Fernseh-Stars?
Schweins: Nein, ich denke, wenn es darum geht, die Fähigkeit zur Intrige anzuwenden, sind beide gleich gut. Da kann man Bundesliga-Meisterschaften veranstalten. Ich glaube nur, die Theaterleute sind auf etwas kultiviertere Art verlogen. In jedem Fall haben sie den Vorteil der ausgebildeten Stimmgewalt. Als ich mit meiner «Caveman»-Inszenierung aus der Arena in Treptow gezogen bin, habe ich mir quasi mit Peter Stein die Türklinke in die Hand gegeben. Ich habe ihn nicht gesehen, aber gehört, und wie! Peter Stein stand eine Minute im Raum und schrie alle zusammen, weil irgendwas mit dem Boden nicht stimmte.
Rinke: Ich hab Sie neulich auf dem roten Teppich gesehen. Sie trugen bei Nacht eine rote Brille und haben den Fotographen auch, glaube ich, Ihre Bluse erklärt.
Schweins: Moritz Rinke, das verstehen Sie als seriöser Dramatiker nicht.
Rinke: Doch, doch. Sehe ich vielleicht aus wie Hugo von Hofmannsthal? Ich verstehe was von Blusen, ich will nur sagen: Von roten Teppichen haben wir Theaterleute keine Ahnung, wir müssen uns irgendwie anders aufplustern, aber wenn man Jahre in so einer breiten Öffentlichkeit aufgetreten ist wie Sie oder Harald Schmidt oder Lilo Wanders: Sind einem danach die Wege in die «kleine Form», wie Sie es nannten, nicht verbaut?
Schweins: Sie meinen, weil man süchtig geworden ist nach breiter Öffentlichkeit?
Rinke: Ja, genau, nach diesem fett gedruckten Gequatsche. Über Sie steht in der «Bunten»: «So malten die Maler der Gotik ihre Madonnen», ich meine, über mich heißt es allenfalls: «Er schafft es diesmal, eine gewisse dramatische Fallhöhe zu erlangen.»
Schweins: Großes Problem. Man darf den Kontakt zu den Inhalten unseres Berufs, den Beruf selbst nicht verlieren und die Öffentlichkeit als das Eigentliche betrachten. Popularität als Beruf ist das Grauen der modernen Gesellschaft. Von außen betrachtet ist dieser ganze Zirkus ein Spiel, wer sich mit Haut und Haar hinein begibt, wird gefressen. Für mich sind Brille und meine Mützen, mit denen ich über den roten Teppich gehe, meine Verkleidungen, und manchmal macht es Spaß, einer «Gala»-Reporterin zu erklären, die Bluse sei von Yves Saint-Laurent, wenn sie eigentlich von H & M ist. Gleiche Qualität, aber günstiger.
Rinke: Ah ja. Und wenn irgendwann einmal keiner mehr fragt?
Schweins: Dann können Sie mir Ihren «Grauen Engel» schicken, den spiel ich dann zusammen mit Harald Schmidt.
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Ein SHREKliches Interview

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