Baggertransport 2004 Logbucheintrag 29.05.04

Damit während der großen Baggertransport-Querungstermine die Nachbarorte nicht

zugeparkt werden, steht Besuchern ab Freitag, 18.06., an der Wiedenfelder Höhe

einen Großparkplatz zur Verfügung. Er ist über die B 477 und über die neue

Landesstraße 361 ("Grubenrandstraße") zu erreichen. Von dort aus fahren an den

kommenden beiden Wochenenden kostenlose Pendelbusse zum Großgeräte-Trek.

Der Absetzer 755 und der dazugehörige Bandschleifenwagen 945 sind seit zwei Tagen am Rand des

Tagebaus Bergheim unterwegs gewesen. Jetzt stehen sie in einer Kurve unmittelbar vor dem Gleisbett

der zweisträngigen Hambachbahn, einer elektrifizierten Werksbahn von RWE Power, über die

Braunkohle vom Tagebau Hambach zu den Abnehmern an der Nord-Süd-Bahn transportiert wird.

Seit zwei Uhr sind die Kollegen von SAG auf den Beinen. Sie müssen die ?Seile?, also die Strippen der

beiden Höchstspannungsleitungen parallel zur B 477, ablegen: ein Job in sehr luftiger Höhe. Die Absetzer

sind zu hoch, als dass sie unter den Leitungen her fahren könnten.

Pünktlich um 6 Uhr beginnen die Raupen und Radlader, Kies aus den Depots an den Querungspunkten

auf die B 477 An den Schalthebeln des Absetzers ist Senol Korkmaz (38), seit 11 Jahren bei RWE und

seit einem Jahr Großgeräteführer. Sein Führerstand ist am Heck des Absetzers mit Blickrichtung auf die

bereits benutzte Trasse. Ein Flachbildschirm zeigt ihm die Strecke aus dem Blickwinkel eines Autofahrers.

Ohne die Sprechfunk-Anweisungen seines Gruppenleiters auf der Trasse käme Korkmaz nicht zurecht:

Der sagt ihm, um wieviel Grad er wann die lenkbaren Raupenfahrwerke des Hauptteils ?spindeln? soll,

wie es in der Fachsprache der Bergleute heißt. Die acht Fahrwerksmotoren haben, populär ausgedrückt,

eine Gesamtleistung von 1.300 PS.

Direkt, nachdem das Gerät die Querungspunkte verlassen hat, rücken die Raupen und Radlader, um die

10.000 m³ Kies wieder beiseite

Die Hochspannungsleitung steht nachmittags wieder zur Verfügung; sie verbindet Niederaußem auf der

Höchstspannungsebene mit dem Westen und könnte als eine Art Autobahn A 3 der Stromversorgung

bezeichnet werden.
Bei Transportkilometer 2,5, am Wanderparkplatz Wiedenfelder Höhe, ist gegen 15 Uhr Feierabend für

Absetzerführer Senol Korkmaz und seine Kollegen: Die Mannschaft parkt die beiden Großgeräte auf der

Trasse. Die Menschen ziehen mit: Absetzer 755 und sein Bandschleifenwagen werden über Pfingsten

zum Ausflugsziel: Wann sonst kann man die Stahlriesen aus nächster Nähe erleben?

Am Dienstag wird die Reise nordwärts weitergehen: auf der vorbereiteten Trasse durch die

Rekultivierung des früheren Tagebaus Fortuna Garsdorf..

 

Logbucheintrag vom 07.06.2004

Wetter: 27 Grad, strahlender Sonnenschein, gute Sicht

 

 

Jwd, ganz weit draußen: Einsam auf weiter Flur sind Schaufelradbagger 260 und die
Absetzer 744 und 755 unterwegs.
 
Letzterer hat schon am Mittwoch auf der Höhe von Glesch die zweisträngige
Abraumfernbandanlage Hambach-Bergheim überquert, die zu diesem Zweck auf rund
80 Metern Breite abmontiert wurde. Das heißt: Der kilometerlange Gummigurt wurde einfach
ausgehängt und abgelegt, die Traggerüste beiseite geräumt. Anschließend machte er gute
Fahrt über das ehemalige Abbaufeld des Tagebaus Fortuna-Garsdorf: Durch die grüne
Rekultivierung zieht sich die vorbereitete Transporttrasse wie ein braunes Band, an beiden
Seiten von Wällen begrenzt; sie speichern den Lösslehm, mit dem später auch die Trasse
rekultiviert wird.
"Es hat alles so gut geklappt, dass wir schneller waren als der Zeitplan eigentlich vorsieht",
berichtete Transportleiter Markus Poths. Der Absetzer rückte vorzeitig an Fuß der Rampe
heran, die auf die Frimmersdorfer Höhe und damit zum Rendez-vous der Giganten
am Montag, 14. Juni, führt.
 
Schaufelradbagger 260 und Absetzer 744 stehen
bei Transportkilometer 5,2 weit von jeder öffentlichen Straße entfernt. Ihr Weg führt in den
nächsten ostwärts auf einer dauerhaft eingerichteten Transporttrasse durch den rekultivierten
südlichen Teil des Tagebaus Garzweiler. Erst am Samstag erreicht der Konvoi beim Golfclub
Erftaue öffentliches Gelände.

 

          

 

         

 

 Logbucheintrag vom 09.06.2004 Wetter: 29 Grad, sonnig

Die Farbe ist noch nicht durchgetrocknet: Die Handläufe der Treppen reiben sich an

den Händen hellgelb ab. In den Mannschaftsraum dünstet die Farbe bei

hochsommerlicher Temperatur schwer aus. Alles ist frisch gestrichen, frisch gefegt:

Kaum ein Krümel Staub in den zahllosen Ecken und Winkeln des Schaufelradbaggers.

Doch Schaufelradbagger 260 ist nicht für den Großgerätetransport herausgeputzt

worden, sondern für seinen neuen Job im Tagebau Hambach grundlegend

modernisiert worden: mit 45 Kilometern neuen Kabeln und der Umstellung auf die

am neuen Arbeitsplatz übliche Betriebsspannung von 30.000 Volt, mit einer neuen

Feuerlösch- und Staubbekämpfungsanlage, mit einem neuen Schaufelrad, mit

überarbeiteter Schmieranlage, mit saniertem des Fahrwerk.Gut geschmiert und auf

runderneuerten Raupenketten arbeitet sich Schaufelradbagger an diesem Tag

weiter voran auf der Trasse durch den Tagebau Garzweiler: Am Samstag wird er ins

Erfttal vorstoßen und den Golfplatz des Golfclubs Erftaue erreichen und am

Nachmittag die Landstraße zwischen Grevenbroich und Bedburg überqueren, sein

erstes Hindernis auf öffentlich zugänglichem Gelände. Die Straße wird dazu

um 10 Uhr morgens gesperrt werden, schließlich müssen die Raupen und Radlader

dem Bagger noch den orangeroten Teppich aus Kies über die Straßen legen.

Die Umleitung über Neurath ist ausgeschildert.Zur selben Zeit wird in Höhe des

Golfplatzes auch die Erft „zugemacht“, wie es im Jargon der

Bagger- Transporteure heißt: Der Bandschleifenwagen 931, Bagger

260 und Absetzer 744 die daneben liegende Bahnstrecke kreuzen – aber

erst, nachdem der letzte Nahverkehrszug durchgefahren ist.

Das Team um Transportleiter Markus Poths und Absetzer 755 wartet derzeit in

Sichtweite des Garzweiler Konvois. In Sichtweite? Bei der überragenden Höhe der

Geräte, immerhin rund 60 Meter, dürfen das zwei Kilometer sein. Der Absetzer

parkt seit Tagen planmäßig am Fuß der Neurather Höhe. Seine Reise geht erst am

Montag, 14. Juni weiter – dann über die Landstraße nach Bedburg-Rath, die dafür

am Sonntag mittag voraussichtlich um 14 Uhr, frühestens aber nach Freigabe der

Landstraße Bedburg-Grevenbroich gesperrt wird.

Im RWE Power-Informationszentrum Schloss Paffendorf wird derweil ein weiterer Baggerführerstand klargemacht: Besucher der Dauerausstellung (ab Samstag

täglich 10 bis 17 Uhr zugänglich) können in einem nachgebauten Cockpit in

Originalgröße Platz nehmen und einen Eindruck davon gewinnen, wie ein

Großgeräteführer 7.500 Tonnen Stahl steuert. Daneben beantworten Tafeln in

Text und Bild häufig gestellte

 

Fragen: Warum sind Bagger so groß? Wie wird man Baggerführer? Was tankt ein

Bagger eigentlich?

 

 

                               Baggerführer                                                                              

    

  Eisenbahnstrecke   Tagebau Garzweiler

        

Logbucheintrag vom 12.06.2004

Wetter: 19 Grad, Gewitterschauer

Eine 80 Meter breite Kiesbahn, die sich über den Golfplatz Erftaue bis hin an den

Fuß der Neurather Höhe mit ihren Windrädern zieht. Raupen und Radlader, die

diese Bahn an zwei Stellen vervollständigen. Aus dem Baggerführerstand, der

vorn in 20 Metern Höhe am Schaufelrad hängt, sieht die Trasse aus wie eine

Autobahn. 1,8 Kilometer müssen Großgeräteführer Thomas Müller und seine

Kollegen heute auf dieser Baggerautobahn zurücklegen – erstmals unter den

Augen von Schaulustigen, denn der Konvoi aus Garzweiler hat allgemein

zugängliches Gelände erreicht: den Golfplatz Erftaue, von dem drei Löcher seit

Tagen unter der Trasse begraben sind.

 

Auf der Terrasse des Klubheims startet Transportleiter Dr. Harald Marx den

Baggertransport offiziell. Zuvor haben sich Werner Koenigs und

Hans-Joachim Bertrams als Verantwortliche der Tagebaue Garzweiler und

Hambach bei den geladenen Vertretern der betroffenen Landkreise, Kommunen

und Fachbehörden für die gute Zusammenarbeit bei der Vorbereitung der Aktion

bedankt; schließlich ist auch ein Großgerätetransport ein Unterfangen, was

intensiver Abstimmung und – einer amtlichen Genehmigung bedarf.

Was die Gästeschar aus 300 Metern Entfernung und selbst die Besucher am Rand

der Trasse nicht sehen: Absetzer 744 fährt mit einem Radlagerschaden. "Nichts Gravierendes", sagt Peter Veith, Gruppenleiter Infrastruktur, aber die Schlosser

müssen das betroffene Rad, nur eines von drei Dutzend, mit einer Notschmierung

gangbar halten, damit es nicht festklemmt, bricht und die Trümmer die Raupenkette blockieren. Gegen 21.15 Uhr passiert der letzte Nachverkehrszug aus Richtung

von RWE Power binnen weniger Minuten meterdick Schotter darüber. Am Ende zieht Raupenfahrer Dieter Flaum die Schicht mit dem Schild seines Caterpillars glatt wie

Butterkrem auf einer Torte.

 

Auch sein Kollege Josef Ropertz scheint es kaum erwarten zu können: Die Trasse

ist noch nicht ganz glatt, da rollt er mit seinem Radlader los, im Schlepptau das dieselgetriebene Stromaggregat

für den Bandschleifenwagen, die Vorhut des Konvois. Und auch die Raupenketten

der beiden Tagebaugeräte setzen sich in Bewegung. Weil alle gleichzeitig losfahren,

sieht es für einen Moment so aus, als zöpe Ropertz mit seinem kleinen Radlader

den ganzen Konvoi.

 

Das Schlusslicht trägt der Absetzer 744. Als er die Landstraße und die

Bahnstrecke überquert, ist es bereits dunkel. Absetzerführer Horst Schwermer

schaut auf die Trasse zurück: Sein Cockpit ist am Heck des Gerätes. "Was vorn

passiert, habe ich nicht im Blick", erzählt er. Er ist auf die Kommandos vom Boden angewiesen: "Zwei Strich nach innen", hört Schwermer über Sprechfunk seinen

Gruppenleiter Detlef Krämer sagen, wenn er die Fahrtrichtung ändern soll. "Heb den

Rüssel was an", heißt es später, "und schwenk dannweiter nach links."

Gemeint ist natürlich der 100 Meter lange Abwurfausleger, der dem nahen

Bagger nicht ins Gehege kommen darf – ein Auffahrunfall wäre die Folge.

Schwermer quittiert den Funkspruch mit dem Kieksen seiner Bordhupe.

Horst Schwermer wird die gleiche Strecke ab Dienstag wieder zurückfahren.

Mit seinem Kollegen Siegmund Ast, ebenfalls im Cockpit, tauscht er den

Arbeitsplatz und übernimmt den Absetzer 755, der schon vor Tagen auf der

anderen Seite der Neurather Höhe angekommen ist. Jetzt, gegen 1 Uhr, ist

für den 45-Jährigen aber erst einmal Feierabend. Die Gelben Engel mit den

blauen Helmen aus dem Instandsetzungsbereich von RWE Power sind

schon da: Vier bis fünf Stunden wird das Wechseln des schadhaften Rades

dauern, ein Job, der wie immer vor Ort erledigt wird. Gruppenleiter

Wolfgang Scharfenberg zieht seine persönliche Tagesbilanz: "Wenn die

deutsche Nationalmannschaft so spielt wie wir heute gefahren sind, dann

werden wir Europameister."

 

 

 

Bagger 260

 

 

   

Logbucheintrag vom 14.06.2004

Wetter: 22 Grad, überwiegend sonnig

Es ist ein Rendez-vous, bei dem sich die Beteiligten aus dem Weg gehen: Schon

um 4 Uhr ist Absetzer 755 über die zugekieste Landstraße bis an den Waldrand

gefahren und hat seinen Oberbau um 90 Grad beigedreht – so als wolle er sich

möglichst dünne machen. Ebenso unauffällig ist sein Bandschleifenwagen (BSW)

daneben geparkt. Auch der andere BSW scheint kalte Füße bekommen zu haben:

Mit einem heißgelaufenen Lager hat er die Weite des Rekultivierungsgebiets

gesucht und ist vorgefahren auf der Trasse in Richtung Süden.Die fünf

Tagebaugeräte treffen sich an diesem Tag auf der Neurather Höhe und überqueren

die Landesstraße 213, die einen auf der Fahrt in Richtung Süden, die anderen auf

dem Weg nach Norden. Manche Besucher sind schon seit 4 Uhr da und haben

gesehen, wie der Absetzer aus dem Morgennebel über dem Rekultivierungsgebiet

aufgetaucht ist, als er die Höhe erklomm. Einer von ihnen ist Josef Mahl, der extra

wegen des Großgerätetransports aus Friedberg bei Augsburg angereist ist – zum

zweiten Mal, denn vor einigen Tagen war er schon einmal vor Ort. Der 55-jährige

gelernte Landwirt ist ein Bagger-Enthusiast, der immer mal wieder ins Rheinland

kommt, um die Großgeräte zu bestaunen. Mit dem Gerätepark kennt er sich

bestens aus: „Nicht nur die Bagger sind interessant.“ Schaufelradbagger,

Absetzer, Radlader, Caterpillars – große Spielzeuge für das Kind im Manne.

Was heißt: im Manne? Auch Frauen finden die Bagger faszinierend. Anita Joist aus

Köln-Meschenich zum Beispiel hat sich außer Butterbroten und zwei Thermoskannen

Kaffee einen Klappstuhl mitgebracht. „Ich bin seit 10 Uhr hier, das Stehen geht

mir sonst zu sehr in die Knochen“, sagt sie.

Zwei so genannte Kabelaktionen unterbrechen die Fahrbewegungen für Stunden.

Die rund einen Kilometer langen Stromkabel der Großgeräte müssen zwischendurch

an neue Steckdosen angeschlossen werden, so wie man einen Staubsauger

umstöpseln muss, wenn die Schnur nicht vom Wohnzimmer bis ins Kinderzimmer

reicht. Bei RWE Power ist natürlich alles etwas größer: Die Kabel sind so stark wie

Männerarme und sehr schwer: Ralf Neumann und Franz Müller heben sie mit dem Hydraulikbagger an; ein so genannter Halbmond aus einem Stahlrahmen mit Rollen

verhindert dabei Kabelbrüche. Die Kabel stehen unter einer Spannung von

30.000 Volt. Die Steckdosen liegen in Zwei-Kilometer-Abständen an der Trasse

und haben die Ausmaße eines Autos.

Die Transportmannschaft nutzt die Zwangspause, um zwei verschlissene,

zentnerschwere Kettentragrollen am „260“ auszutauschen – auch das harte

Männerarbeit, gleichwohl ein Routinejob für Schichtleiter Ralf Smetek, Harald Küppers,

Udo Schellhorn und Ralf Remmenga. Joachim Wilhelm hebt mit einem Gabel-Aufsatz

an seinem Radlader die entspannte Kette an, sodass die Schlosser dicke Holzkeile

zwischen Schwinge und Kette stecken und später das Ersatzteil an die richtige Stelle bugsieren können.

 

Denn morgen soll die Reise des Baggers um 6 Uhr weitergehen: weiter mit Tempo

600 (Meter pro Stunde) auf der Piste durch das einsame Rekultivierungsgebiet des

früheren Tagebaus Fortuna-Garsdorf.

 

 

 

 

           

 

 

Logbucheintrag vom 15.06.2004

Wetter: 22 Grad, überwiegend heiter

Schaufelradbagger 260 setzt seine Fahrt durch das Rekultivierungsgebiet fort und fährt bis etwa einen

 

Kilometer vor die Abraumfernbandanlage Hambach-Bergheim, deren Fördergurte schon seit der Überfahrt

 

des Absetzers 755 buchstäblich am Boden liegen. Die andere Transportmannschaft, die den Absetzer 755

 

zum Tagebau Garzweiler bringt, hat Pause: Heute sind keine Fahrbewegungen vorgesehen. So harrt das

 

Großgerät der Erftüberquerung, die in der Nacht auf Donnerstag stattfinden soll.

 

Werner Koenigs, stellvertretender Leiter des Tagebaus Garzweiler, und

 

 

Hans-Joachim Bertrams, Chef in Hambach, treffen sich mit beiden

 

Transportteams auf der Neurather Höhe. Zum einen wollen sie die Geräte

 

symbolisch in die Regie des jeweils anderen Betriebes übergeben. Zum

 

anderen bedanken sie sich persönlich bei ihren Mitarbeitern für den

 

erfolgreichen Verlauf der Aktion. Bertrams: „Die Tagebaubetriebe sind zwar

 

selbstständige Einheiten, aber Ihr Einsatz hier zeigt, dass es für Sie

 

selbstverständlich ist, über Betriebsgrenzen hinweg teamorientiert

 

 zusammen zu arbeiten.“ Die beiden Führungskräfte loben die hohe

 

Motivation der Mannschaften und geben anschließend eine Gulaschsuppe

 

aus – die die Männer hastig löffeln. Denn sie brennen darauf, weiter zu

 

 fahren.

Erst am Wochenende wird es für Bagger-Besucher wieder interessant: Am

 

Freitag überquert Nummer 260 mit seinen beiden Begleitern bei Glesch die

 

 Erft. Damit die Orte Glesch und Paffendorf nicht zugeparkt werden, richtet

 

 

RWE Power ab Freitag an der Wiedenfelder Höhe einen Großparkplatz für

 

die Besucher ein. Er ist über die B 477 zu erreichen. In der Auffahrt von der

 

Bundesstraße auf die neue Grubenrandstraße (L 116n) hat die Bauabteilung

 

von RWE Power einen Durchstich auf die Großgeräte-Transporttrasse

 

angelegt. Er führt auf den kilometerlangen Großparkplatz. Von dort sind es

 

 nur ein paar Hundert Meter Fußweg bis zur Erft.

Wer die nicht schafft, kann am Samstag (9 bis gegen 1 Uhr) und am

 

 Sonntag (9 bis 20 Uhr) einen kostenlosen Buspendeldienst nutzen

 

. Besucher aus den Orten der Umgebung werden ohnehin gebeten, ihr Auto

 

 stehenzulassen und mit dem Rad zu kommen. Die Freiwilligen Feuerwehren

 

 aus Glesch und Paffendorf sorgen am Freitag und Samstag dafür, dass

 

 wildes Parken in den engen Ortsdurchfahrten verhindert wird.

 

 Löschzugführer Rudi Schiffer: „Wir Paffendorfer feiern unser jährliches

 

 Schützenfest, und es wäre ärgerlich, wenn der Festzug am Samstag nicht

 

 durchkäme.“

 

 

                                                                 

 

Rot-weißes Flatterband: Kilometerlang säumt es die Straßen im Bereich
Paffendorf/Glesch, markiert es die Durchfahrten und Abstellflächen auf dem
Großparkplatz Wiedenfelder Höhe. Hans-Michael Hamacher, seine Kollegen vom
Werkschutz der Sparte Tagebaue und die Einsatzkräfte des
Sicherheitsunternehmens WIS tun alles, um die willkommenen Bagger-Besucher in
die richtigen Bahnen zu lenken.  Busse bringen die Besucher nach Glesch.
Den ganzen Tag über pilgern die Schaulustigen zur Trasse, auch während des
EM-Spiels Deutschland-Lettland. Zahlreiche Ordner der Firma WIS, an dunkelblauen
Jacken Von breiten Feldstreifen längs der Trasse können die Besucher das
Schauspiel verfolgen. Meist sind es ganze Familien, die kommen.
 Manche haben eine Stunde Autofahrt und mehr auf sich genommen. Das geht aus
den Teilnahmekarten des RWE-Preisausschreibens hervor, die das Team des
 Info-Mobils auswertet – zwangsläufig: Denn zwei Polizeibeamte sind zum Bagger
gekommen und erkundigen sich, ob man denn zwei sieben- und achtjährige Jungs
aus Quadrath und Ahe gesehen habe, die vermisst werden. Das Team verneint,
checkt aber zur Sicherheit die Adressen auf den Teilnahmekarten: Fehlanzeige,
 hier waren sie nicht. Später lässt man die Kinder über die Bordsprechanlage
des Baggers ausrufen – auch das leider ohne Erfolg.
Um 18 Uhr wird die Straße gesperrt, dann schickt Franz-Willi Jansen seine
Frontlader und Caterpillars ins Rennen, um den Asphalt mit einem guten halben
Meter Kies zu polstern.
 
Zwei Stunden später geht’s los: Der Bandschleifenwagen fährt mal wieder vor,
als ob es gelte, die Strecke erst einmal auszukundschaften. Dann zieht der
Schaufelradbagger nach. Die Fahrt des 7.500 Tonnen schweren Kolosses ist
nicht nur ein Schauspiel, sondern auch ein Hörspiel:
Die Fahrwerke knarzen und knarren, die hohlen Bodenplatten der Raupenfahrwerke
sind ideale Resonanzräume. Es hört sich so an, als brülle ein Dinosaurier aus
einem Stahl-Verlies tief im Bauch des Baggers – Geräusche, die nicht von dieser
Welt sein können. Was dann gar nicht zum Bagger passt, sind seine Fahrspuren:
Sein schweres Gewicht verteilt sich auf mehrere hundert Quadratmeter
Raupenfläche, so dass er sich kaum in den Kies drückt. Gleiches gilt für
Absetzer 744, der um 22.30 Uhr auf der Straße ist. Zu diesem Zeitpunkt
überqueren seine Arbeitskollegen vorn schon die Bahnstrecke, ein eingleisiger
Schienenstrang ohne Oberleitung. Erst nach Mitternacht sind die Hindernisse
überwunden, und Transportleiter Dr. Harald Marx parkt den Konvoi jenseits der
Bahn.
 
Zu dieser Zeit sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange. Vom Kiese befreit sind
Straßen und Wege schon nach ein, zwei Stunden. Die Großgeräte haben dort
keinen Eindruck hinterlassen: „Die Gas- und Wasserleitungen stehen wie eine
Eins“, berichtet Udo Gorjup, Netzmeister der RWE Rhein-Ruhr Netzservice GmbH
in Bergheim. Mit seinen Kollegen Karl Eßer und Thomas Schweinem hat er der
benachbarten Tankstelle und einem knappen Dutzend Häusern zwar vorsorglich
die Gas- und Wasserversorgung abgedreht. Doch der Blick aufs Manometer zeigt
keinerlei Druckabfall.
 
„Go West!“ heißt es erst wieder am Montag. Dann ziehen die Großgeräte ein
kurzes Stück vor zum Elsdorfer Fließ.
Die Suche nach den vermissten Baggertouristen hat übrigens ein gutes Ende:
Die verlorenen Söhne sind offenbar wohlbehalten heimgekehrt, ist bei der
Bergheimer Polizei zu erfahren.
 
 
Logbucheintrag vom 22.06.2004
Wetter: 18 Grad, bewölkt, Schauer
 
Die Riesen sind hinter Gittern: Bandschleifenwagen 931, Bagger 260 und
Absetzer 744 stehen seit dem Vorabend in einem Carré aus Baustellenzäunen
mitten auf dem platten Land zwischen Glesch und Autobahn 61, gut bewacht vom Sicherheitsdienst. Drei Tage dauert der Arrest, am Freitag werden sie wieder
freigelassen: Dann ziehen sie bis an die A 61 vor.
 
Das Transportteam ist bis dahin jedoch nicht untätig. Baggerführer Thomas Müller
baut an diesem Morgen eine Glasscheibe aus und ersetzt sie durch eine
Plexiglasscheibe, in die der Auslass eines Klimageräts eingebaut wird – in der
Hoffnung auf den Sommer.
 
Schlosser Udo Schellhorn sorgt auf seine Weise dafür, dass auch künftig alles wie
geschmiert läuft: Er kontrolliert die Schmierstellen des Baggers, wo Getriebeöl und Wäzlagerfett für reibungslosen Rundlauf sorgen. „Vielleicht 100, es können aber
auch 500 sein“, meint Schellhorn, nach der Zahl der Schmierstellen gefragt. Jedes
Laufrad, jedes Lager, jedes Getriebe muss gängig gehalten werden. Mit steifen
Gelenken würde Bagger 260 keinen Meter fahren können.
 
Kleinere Reparaturen werden sofort erledigt. Bagger 260 hat eine kleine Werkstatt
mit Ständerbohrmaschine, Schleifbock, Krambahn und einem ansehnlichen Vorrat
an großformatigen Schrauben und Muttern an Bord.
 
Auch am kommenden Wochenende richtet RWE Power wieder einen Großparkplatz
an der Wiedenfelder Höhe und einen Buspendeldienst ein. Die Autobahn 61 wird
um 19 Uhr zwischen den Anschlussstellen Bergheim und Bedburg unterbrochen,
die Umleitungen sind ebenso wie der Besucherparkplatz ausgeschildert.
 
 
Logbucheintrag vom 25.06.2004
Wetter: 18 Grad, stark bewölkt, Windstärke 4-5
Es ist ein Job mit Haken und Ösen, und das ist gut so: Wenn Allal Ellourdani auf
den Strommast klettert, ist er gesichert wie ein Bergsteiger. Zum muss er in
30 Metern Höhe arbeiten und dazu beide Hände frei haben, zum andern weht
gerade heute eine steife Brise. „Alles Gewöhnungssache“, meint der 34-Jährige, der
seit 1990 bei der RWE-Tochter SAG Energieversorgungslösungen mbH arbeitet.
Einmal hatte er auf dem über 100 Meter hohen Mast der Rhein-Querung bei
Wesseling zu tun: „Das wackelt ganz schön da oben“, berichtet Ellourdani.
Heute aber ist er bloß auf der luftigen Höhe von Elsdorf, um mit seinen Kollegen
Stefan Flock, Hubert Löwe und Willi Wassilew ein Dutzend Hochspannungsleitungen
abzulegen - damit die Großgeräte am Wochenende durchkommen. Bagger 260,
Absetzer 744 und Bandschleifenwagen 931 warten bereits auf der anderen Seite
der A 61 auf die Überfahrt. Sperrungen und Umleitungen sind bereits ebenso wie
die Besucherparkplätze großräumig ausgeschildert.
Unmittelbar an der Autobahn verlaufen eine 110.000 und eine 20.000-Volt-Leitung,
die das Umspannwerk Paffendorf mit der Stadt Bedburg verbindet. „Damit die
Bedburger auch am Samstagabend Fußball gucken und kaltes Bier genießen können,
wird die Stromversorgung über ein Provisorium im so genannten
Mittelspannungsbereich von 20.000 Volt gesichert: können“,berichtet Manfred
Gaese von der RWE Rhein-Ruhr-Niederlassung in Bergheim an Mast 19.
Die etwa zwei Zentimeter dicken, blanken Strippen aus Alu und Stahl werden mit dieselgetriebenen Winden abgelassen und an ein isoliertes Baueinsatzkabel
geklemmt. Dieses verläuft über die Wiese und unter der Bagger-Trasse hindurch,
wird auf ein Portal geführt und dort wieder mit den regulären Hochspannungsleitungen verbunden. Damit der entlastete Strommast nicht umkippt, haben die Monteure
drei Ankerseile gut einen Meter tief in den Boden gerammt.
Safety first auch für die Menschen. „Wenn es stürmt oder die Leitungen zu
vereisen drohen, bleiben wir zur Sicherheit am Boden“, berichtet Allil Ellourdani.
Darüber hinaus ist vor allem Teamarbeit ein Sicherheitsfaktor: „Der Bodenmann,
der mich bei der Arbeit absichert, muss genauso wissen wie alle anderen, was oben
abgeht.“ Die SAG-Teams sind ständig auf Achse – in ganz Deutschland. Da muss
die Chemie auch nach dem Job stimmen. Ellourdani: „Das Team ist wie eine zweite
Familie für mich.“
Die Arbeitsteilung ist auch im übergeordneten Bereich perfekt: Herbert Hintzen
von RWE Power als Baggertransporteur ist Auftraggeber, Manfred Gaese von
RWE Rhein-Ruhr ist der Vermittler, der für die nötigen Freischaltungen und Strom-Umleitungen sorgt. Je nach Spannungsebene muss er sich mit der Netzleitstelle
Niederzier, der Schaltleitung Berzdorf, der Gruppenschaltung Mitte in Rommerskirchen und/oder der Hauptschaltleitung in Brauweiler abstimmen.

Und wenn doch jemand mal vergisst, den Strom abzuschalten, ehe Allal Ellourdani
und seine Kollegen von der SAG im Mast sind? „Die letzte Sicherheit gibt der Spannungsprüfer“, sagt Manfred Gaese. Das unscheinbare, graue Plastikrohr misst berührungslos das elektrische Feld an der Leitung. Optisch macht es allerdings
nicht mehr her als das Schwestergerät für den vergleichsweise entspannten
Hausgebrauch – nur dass es erst bei 110.000 Volt zu piepsen anfängt.
Unterdessen warten Schaufelradbagger 260 und Absetzer 744 auf der anderen
Seite der Autobahn 61 auf die Überfahrt, die für den späten Samstagabend
angesagt ist.
 
Weiter Nächste Seite auf Grund der Datenmenge.
 
Fluss wird in der Nacht zum Sonntag überquert. Zuvor müssen

 

 

Grevenbroich die Querungsstelle. Sofort decken Mitarbeiter einer Gleisbaufirma die

Schienen mit dicken Gummimatten ab, dann schieben die Raupen

Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!