Den Weg bis zu meinen Eltern werde ich wohl im Leben nicht vergessen. Einerseits hatte ich panische Angst, ihnen nun entlich von Jenny zu erzählen, andererseits wollte ich es nun aber auch schnell hinter mich bringen.
Diese Seite habe ich jetzt schon einige Male angefangen und nie zu Ende gebracht. Irgendwie fällt es mir immer noch schwer, mit der Reaktion meiner Mutter fertig zu werden.
Ich dachte, ich bringe es am Besten so schnell wie möglich hinter mich. Ich erzählte meinen Eltern also, wer Jenny ist. Mein Vater zeigte zuerst keine Reaktion aber meine Mutter ging sofort auf mich los. Wie erwartet. "Also doch! Ich wußte es doch. Ich habe ja sogar beim JU angerufen und gefragt, ob du ein Kind bekommen hast. Du bist so undankbar. Hast kein Vertrauen zu uns. Ich würde dich jetzt am liebsten umbringen! Mit dir hatte ich nur Ärger. Ich wünschte, ich hätte dich nie geboren!"
So ging es noch eine Weile weiter:Wenn Jenny nicht dazwischen gegangen wäre, hätte sie mich wahrscheinlich noch geschlagen. Als sich die erste Aufregung dann gelegt hatte, machte meine Mutter Kaffee so als wenn nichts passiert wäre und ging wie immer bei Streitigkeiten im Beisein von Nichtfamilienangehörigen datzu über, die liebenswerte Gastgeberin zu spielen.
Ich gebe ja gerne zu, dass es ein ganz schöner Schock für sie gewesen sein muß. Den mußten alle erst mal verarbeiten. Meine Mutter sprach dann kein Wort mehr mit mir. Mein Vater zeigte immer noch keine Reaktion.
Kurz und gut, wir tranken dann zusammen mit meinen jüngeren Geschwistern, die zufällig auch da waren, Kaffee und gingen dann zu meiner älteren Schwester und ihrer Familie zum grillen. Auch diese Schwester zeigte keine größere Überraschung. Im Nachhinnein habe ich festgestellt, dass sie alle Bescheid wußten oder doch zu Mindest etwas geahnt haben.
Wie das bei unserer Familie so üblich ist, wurde dann aber doch kräftig gefeiert und Jenny wurde von einigen sogar herzlich aufgenommen. Schließlich mußte sie dann aber wieder nach Hause. Wir brachten sie zum Rhein und vereinbarten noch, dass sie uns bald besuchen müßte. Dann war sie wieder weg.
Beim besten Willen kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie der Abend dann weiter ging. Ich war so mit meinen Gedanken an Jenny beschäftigt, das ich für alles ander keinen Sinn mehr hatte.
Ich weiß nur noch, dass ich meinen Eltern versprochen habe, mich vor unserer Heimfahrt noch einmal ausführlich mit ihnen über meine Gründe für die damalige Entscheidung zu unterhalten. Ich dachte mir schon, dass sie so einiges was sich damals ereignet hatte, vollkommen verdrängt hatten.