Eins sei diesen Seiten vorweggenommen, sie haben ein Happy-End. Dies ist ausschließlich der Ausdauer und dem bewundernswerten Mut meiner Tochter Jenny( Susanne) zu verdanken. Deshalb widme ich diese Seiten vor allen Dingen ihr.
Wie kam es dazu, daß ich meine Tochter zur Adoption freigeben musste?
Ich bin seit 18 Jahren mit einem wunderbaren Mann verheiratet. Wir haben 4 gemeinsamme Kinder,. Eins dieser Kinder habe ich meiner Familie seit 19 Jahren verheimlicht. Als ich mit meinem ersten Kind schwanger wurde, war mein Mann noch mit einer anderen Frau verheiratet, mit der er 2 Kinder hat. Diese Ehe funktionierte zu der Zeit schon nicht mehr. Ich selbst war nach einer kurzen Ehe schon ein halbes Jahr geschieden, als wir uns kennenlernten. Ich arbeitete damals in der Wirtschaft meiner Eltern. Die allgemein schlechte Wirtschaftslage und die mangelnde Kenntnis unsererseits in der Führung eines solchen Unternehmens führten zu einem ständigen Umsatzrückgang. Im Oktober 83 wurde mein jetztiger Mann, er war damals Maurer, zum ersten Mal arbeitslos. Ich war schwanger, wußte davon aber noch nichts. Ich nahm die Pille und bekam meine Periode bis zum 4. Monat wie gewohnt. Als diese dann aussetzte, wusste ich nicht, was ich tun sollte. Kurz darauf trennte sich mein Mann von seiner Frau und wir zogen zusammen. Er fand eine neue Arbeit, doch auch diese Firma konnte die Löhne aufgrund zu weniger Aufträge bald nicht mehr pünktlich zahlen. Es war also nur eine Frage der Zeit, und mein Mann würde wieder auf der Strasse sitzen. Es ging uns in dieser Zeit finanziell sehr schlecht. Zeitweise hatten wir mal gerade genug Geld, um uns ein halbes Brot zu kaufen. Gott sei Dank konnte ich wenigstens ab und zu etwas von meinen Eltern mitnehmen. Sollte ich meinen Mann da noch mit einem Kind belasten? Konnte ich meinen Eltern noch eine weitere Sorge aufladen? Ich entschied mich, nichts zu sagen und darauf zu hoffen, das sich unsere Situation bessern würde. Nur stellte sich diese Besserung nicht ein.
Der geringe Umfang meines Bauches machte es mir am Anfang leicht, meine Schwangerschaft zu verheimlichen. Erst ganz zum Schluss, als mein Bauch dann doch etwas dicker wurde, erklärte ich dies auf Fragen meiner Eltern und meines Mannes mit einer Entzündung. Und die ganze Zeit über hoffte ich, das sich unsere Lage doch noch bessern würde. Ich habe viel mit meinem ungeborenen Kind gesprochen. Ich habe ihm versprochen, alles zu versuchen, damit ich es behalten kann. In dieser Zeit habe ich oft geweint. Nach aussen mußte ich aber so tun, als ob alles in Ordnung wäre. Ich hatte ja auf meine Eltern Rücksicht zu nehnen, mein Vater wurde damals nervenkrank und meine Mutter hatte mit Magengeschwüren zu kämpfen. Mit der Arbeit meines Mannes wurde es immer schlimmer. Er war noch nicht geschieden und hatte 2 Wohnungen zu unterhalten. Ganz zu schweigen von den anderen Kosten, die eine Familie so mit sich bringt.
Zwei Tage vor der Geburt stellten sich Wehen ein. Nun mußte ich eine entgültige Entscheidung treffen. Ich wollte meinem Kind nicht so ein Leben zumuten. Wir hatten ja noch nicht mal genug Geld, um ihm etwas zum anziehen zu kaufen . Geschweige denn für irgentwas anderes. Also ging ich zum Sozialamt. Ich mußte zu Fuß 5km laufen, weil ich kein Geld für den Bus hatte.
Ich ging in das Büro, das für Adoptionen zuständig war. Die"Dame" dort fuhr mich ziemlich ruppig an und fragte, was ich von ihr wollte. Ich erzählte ihr meine Situation und bat sie, mir zu sagen, was ich tun könnte. "Geben sie das Kind weg, ich habe schon neue Eltern dafür. Sie werden sowieso nie aus iherm asozialen Stand wegkommen und dann nehmen wir ihnen das arme Ding eh irgendwann weg, weil sie es nicht mit den notwendigen Dingen versorgen können.Bei den neuen Eltern ist es wenigstens finanziell abgesichert. Wie kann mann sich aber auch in so einer Situation ein Kind anhängen lassen!"
Ich fragte, ob es denn nicht möglich wäre, daß ich einen Antrag auf Unterstützungstellen könnte. Ich würe mein Kind lieber behalten, wenn ich etwas Geld vom Sozialamt bekommen könnte. Was mir denn einfiele, fragte d."D" mich. Ich könne doch nicht erwarten, daß ich für meine Dummheit auch noch belohnt würde.
Ich war von dem Ton dieses Drachens so eingeschüchtert, daß ich nicht wagte , noch etwas zu fragen.Sie machte mir auch deutlich klar, daß ich keine Unterstützung zu erwarten hätte. Schließlich hätten meine Eltern ja eine Gaststätte. Ich sagte ihr, daß ich es mir noch mal überlegen würde.Ich hatte nicht den Mut nach dem Geld für eine Busfahrkarte zu fragen.
Niedergeschlagen und deprimiet machte ich mich wieder auf den Heimweg. Diesmal den ganzen Weg bergauf. Zuhause angekommen hatte ich solche Wehen, daß ich dachte, das Kind kommt jeden Moment.Aber dann gingen die Wehen wieder weg. Ich weiß noch, daß ich den ganzen Tag nur noch gegrübelt habe und mir Wege überlegt habe,wie ich mein Kind doch noch behalten könnte. Mir fiel keine Lösung ein.
Vom Sozailamt hatte ich laut dieser netten Dame keine Unterstützung zu erwarten. Meine Eltern konnten mir auch nicht helfen und mein Mann hatte schon Schwierigkeiten genug, das Geld für den Unterhalt seiner beiden ersten Kinder aufzubringen.Es bleib mir also nichts anderes übrig. Ich mußte mein Kind weggeben.Ich rief am nächsten Tag wieder beim Sozialamt an und mir wurde gesagt, mann würde mir dann jemand ins Krankenhaus schicken, wenn das Kind da wäre.
.
In der Nacht zum 18. Mai mußte mein Mann mich dann ins Krankenhaus fahren. Ich bekam Blutungen und erklärte diese wiederum mit einer Entzündung. Ich bat die Empfangsdame, meinen Arzt anzurufen. Die überlaute Reaktion auf das Gespräch mit dem Arzt: "Also doch eine Entbindung " tat ich meinem Mann gegenüber mit der Bemerkung ab, er hätte sich verhört. Über die Geburt möchte ich hier nicht berichten. Ich kann mich auch nicht mehr genau daran erinnern. Genausowenig , wie ich die späteren Ereignisse in einen zeitlichen genauen Rahmen bringen kann. Ich weiß nur noch, daß ich dachte, warum kann ich das Kind nicht behalten? Ich habe dieses Kind nach der Geburt nicht gesehen. Es wurde sofort weggebracht. Ich wußte weder ob es ein Mädchen oder ein Junge war, noch ob es gesund war. Ich weiß, das ich dagelegen und um mein Kind geweint habe. Später wurde ich dann in mein Zimmer gebracht. Niemand fragte mich , ob ich vieleicht Hilfe brauchte und niemand sagte mir, wie das jetzt alles weitergeht und was mit meinem Kind jetzt passiert.
Irgendwann habe ich mir dann gesagt, das ich mich jetzt zusammenreißen muß. Ich mußte ja für meinen Mann und alle anderen die glückliche Genesende spielen. Oft habe ich gedacht, daß halte ich nicht aus. Ich wollte mein Kind wenigstens einmal sehen. Meine Vernunft sagte mir, daß es so das Beste für mein Kind war. Aber Vernunft und Herz gehen eigene Wege.
Dann kam der Tag, an dem eine Mitarbeiterin des Sozialamts zu mir ins Krankenhaus kam und ich die Adoptionspapiere unterschreiben mußte. Diesen Tag werde ich im Leben nicht vergessen. Ich kam mir vor wie eine Rabenmutter. Aber auch jetzt noch wußte ich , daß ich nicht anders handeln konnte. Es wäre einfach nicht fair meinem Kind gegenüber gewesen, ihm eine solch ungewisse Zukunft zuzumuten. Ich hatte einfach Angst, das ich es nicht ernähren konnte und das es mir deshalb irgendwann weggenommen würde.
Von der Sozialarbeiterin erfuhr ich dann, das ich ein Mädchen geboren hatte und ich durfte ihm sogar einen Namen geben. Ich nannte sie Susanne. Man machte mir klar , daß ich in keinerlei Kontakt mit meinem Kind treten dürfte und auch später nicht herausfinden könnte, wo es aufwächst. Mit meiner Unterschrift hätte ich alle Recht auf sie abgegeben.Ich kann mich noch daran erinnern, daß die Frau zu mir sagte, daß die Adoeltern schon auf meine Tochter warten würden. Sie hätte es da sicher besser als bei mir. Komisch, dachte ich.Woher will die das wissen? Und woher haben die so schnell andere Eltern für mein Kind?
Den Vater des Kindes wollte ich nicht angeben. Ich wollte ihn da nicht mit reinziehen.Später erfuhr ich dann , daß mann einfach meinen geschiedenen Mann als Vater eingesetzt hatte, obwohl er nicht der Vater sein konnte.Bis heute weiß ich nicht, warum die das gemacht haben.Auch habe ich erfahren, daß sich die Ado verzögert hatte, weil mein geschiedener Mann die Papiere nicht unterschreiben wollte. Wie mann ihn dann doch dazu gebracht hat, weiß ich bis heute nicht. Nach diesem schrecklichen Tag im Krankeinhaus habe ich nie mehr etwas vom Sozialamt gehört oder gesehen. Niemand bot mir Hilfe bei meinen Ängsten und Depressionen an. Mann hat mich einfach alleine gelassen. Und mit meinen Eltern und Geschwistern konnte ich ja nicht darüber reden.
Wie ich später wieder auf mein Zimmer gekommen bin und was genau in den nächsten Tagen passiert ist, weiß ich nicht mehr. Jedenfals muß ich funktioniert haben. Denn ich kann mich nicht erinnern, das mich irgendjemand gefragt hat, ob etwas nicht in Ordnung sei.Einpaar Tage später stand ich an einem Fenster und sah eine Schwester mit einem Säugling die Außentreppe des Schwesternhauses herunter kommen. Ich wußte sofort, daß das mein Kind ist.Dann kam ein Paar mit einer roten Tragetasche aus dem Haus . Das war meine Tochter!!!!! Ich wollte sie sofort zurück! Aber ich war im dritten Stock und hätte aus dem Fenster springen müssen. Im letzten Moment hielt ich mich dann doch zurück. Ich konnte nichts mehr für mein Kind tun. Außer beten, daß es ihm immer gut gehen würde.
. In der Folgezeit stellte ich mir immerwieder die Frage, ob ich richtig geandelt hatte. Aber die fogenden Ereignisse überzeugten mich immermehr davon. Mein Mann wurde geschieden und gleichzeitig wieder arbeitslos. Seine Frau zog mit ihren beiden Kindern zurück in ihren Heimatort und wir übernahmen die alte Wohnung von meinem Mann. Er half seiner geschiedenen Frau sogar noch beim Umzug. Auf der Fahrt zu ihrer neuen Wohnung sagte sie meinem Mann dann, sie hätte noch etwas für ihn auf dem Schreibtisch hinterlassen. Als wir dort nachsahen, fanbden wir jedemenge unbezahlte Rechnungen und Schreiben von allen Energiewerken, das Wasser, Strom, Heizung und Telefon in den nächsten Tagen abgestellt würden. Auch die Miete war schon einige Monate nicht bezahlt und das Konto hoffnungslos überzogen. Da wußte ich, daß ich doch richtig gehandelt hatte. Wie hätten wir da noch ein Kind ernähren sollen?