Alle Geschichten, stammen von mir, V.S.>> Die Zeitreisende
Ein neues Leben...
Jeden Tag zur gleichen Zeit, schaltete ich mein damaliges Lieblingsspielzeug ein. Ganz aufgeregt wählte ich mich ins Netz. Wird er schon da sein? Hat er heute wieder Zeit für mich? Mein Gott, ich war ja schon süchtig. Süchtig nach unseren Tastaturgesprächen. Ich schaute immer auf meine Buddyliste - Oh man, der Aufbau der Seite dauerte immer so wahnsinnig lange.
Nervös kaute ich auf meiner Lippe herum, wollte mir meine Sehnsucht noch nicht eingestehen. Die Sehnsucht nach seiner Art sich auszudrücken.
Danach, wie er mich zum lachen brachte. Ein Lachen, dass er noch niemals sah. Sein Lachen, das ich auch noch nie gesehen hatte.
War das überhaupt wichtig? Würde es etwas ändern, wenn wir uns dabei ansehen würden?
Fragen, die ich mir so manchen Abend stellte, aber deren Antworten ich nicht fand.
Bis zu jenem Abend - als er mich fragte, ob wir uns nicht einmal treffen könnten.
Erst wollte ich spontan zusagen.....
Dann aber sagte ich: "Lieber nicht, es ist zu schön, was wir haben. Ich habe Angst es zu zerstören." Es folgte minutenlanges Schweigen auf seiner Seite. "Bist Du noch da?" fragte ich ihn. Ein "Ja." - mehr kam nicht von ihm.
Ich sagte: "Hey, lass uns eine Nacht darüber schlafen und uns morgen hier wieder treffen, dann sehen wir weiter."
Traurig meldete ich mich ab. Warum konnte er nicht alles so lassen, wie es war? Lange wälzte ich mich in meinem Bett herum und fand lange keinen Schlaf. Mitten in der Nacht klingelte mein Telefon - verschlafen meldete ich mich:"Hallo?" - "Hallo Du", sagte eine mir fremde, aber sehr angenehme Stimme. "Darf ich zu Dir kommen? Ich stehe vor Deiner Tür."
Verblüfft und verwirrt schaute ich den Hörer an. "Du?", fragte ich."Ja, mach bitte die Tür auf, ich möchte in Deine Augen schauen und Dir sagen, was ich schon lange fühle."
Noch etwas verwirrt legte ich den Hörer auf die Gabel und ging zur Wohnungstür. Da stand er wirklich - ich hatte zwar mal ein Foto gesehen, aber das hatte mich nicht sonderlich interessiert - was mich allerdings dort, vor der Tür erwartete, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich sah nur noch seine Augen und sein Lächeln....
Wir sahen uns an, sagten kein Wort und fielen uns in die Arme...
Heute, 4 Jahre später, denke ich noch oft an diesen Abend zurück.
Dann sehe ich neben mich, sehe Augen wie seine, die mich fragend anschauen.
Fragend, weil sie noch unschuldig und neugierig sind,
denn es sind die Augen unserer gemeinsamen, kleinen Tochter...
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