Kurdistan
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Land
2. Die Geschichte
3. Die Kultur
4. Kurdischer Befreiungskampf
5. PKK
6. Instrumente des türkischen Militärs
7. Rechtlicher Status und Menschenrechtsfrage
8. Quellenangabe
Einleitung
In Anbetracht der aktuellen politischen Lage der Türkei, dessen Beitrittskandidatur zur Europäischen Union und ihren fortlaufenden Rüstungsgeschäften mit Deutschland, habe ich vor, mit Hilfe meiner Facharbeit, diese Problematik näher zu erläutern.
Die deutschen Medienanstalten halten es nicht für angebracht, die deutsche Gesellschaft ausführlich auf jenes Problem aufmerksam zu machen oder wenigstens Infomaterial zur Verfügung zu stellen.
Seit über 60 Jahren führt die, angeblich demokratische, türkische Regierung und ihre Streitkräfte einen unerbittlichen Kampf gegen das Kurdenvolk in Südost- Türkei. Dabei werden nicht nur die Kurden auf Befehl des türk. Staates und des Militärs vertrieben, gefoltert und ermordet. Auch ausländische Journalisten und Delegationen müssen mit diesen Maßnahmen für den ,,inneren Frieden", rechnen. Prokurdische Medienanstalten wurden und werden gewaltsam geschlossen, rein polit. Parteien zur Resignation gezwungen. Hinzu kommt die Unterstützung protürkisch bzw. kemalistisch, nationalistisch und faschistisch eingestellter Parteien, Organisationen und Medienanstalten.
Seit über 60 Jahren setzt sich kein Land für die noch so kleinsten Rechte ein, die diese Menschen zum Leben brauchen (> UNO- Menschenrechte) ein, obwohl zahlreiche Menschenrechtsvereine- und Delegationen (ai, medico international) seit Jahren Fakten, Ergebnisse, Beiträge und Lösungsvorschläge zur Kurdenfrage an die EU- Mitglieder, vor allem aber an Deutschland und Amerika liefern, die die menschenverachtenden Machenschaften der Türkei untermauern bzw. beweisen. Im Gegenteil, das jüngste Beispiel mit dem Panzer Leopard 2 lässt erkennen, dass sich die Deutsche Regierung entweder sich nicht im Klaren ist, was sie im Falle einer Lieferung anrichtet, oder sie handelt nur im Sinne der deutschen Wirtschaft und stellt sich im Bezug auf die Menschen in Kurdistan taub und blind.
Ein bekanntes kurdisches Sprichwort besagt:
Vertraue deiner Pranke... Löwe,
die Heiligen werden
dir nicht helfen.
Das Land
Kurdistan erstreckt sich von den Taurusgebirgen im Westen bis zum iranischen Plateau im Osten, vom Berg Ararat im Norden bis zu den Ebenen Mesopotamiens im Süden. Es umfasst eine Fläche von ca. 550.000 km2. Viehzucht & Ackerbau sind die beiden vorherrschenden Wirtschaftszweige. Kurdistan ist reich an Bodenschätzen: Kupfer, Kohle, Eisenerz, Blei, Gold und Silber. Zudem gibt es in der Region Kirkuk- Mossul bedeutende Erdölvorkommen. Neben diesen natürlichen Reichtümern nimmt das Land wegen seiner geostragetischen Lage eine Schlüsselposition ein.
Die heutige Vierteilung durch Türkei, Iran, Syrien und Irak ist das Ergebnis kolonialer Politik des 19. und 20. Jhr.
Von den rund 30 mil. Kurden leben annähernd 20 mil. in der Türkei( die genaue Schätzung bleibt hier schwierig, da die Türkei die Existenz von Kurden innerhalb des türkischen Staatsgebiet leugnet), 6 mil. in Iran, 3 mil. in Irak und 1 mil. in Syrien. Ca. 500.000 Kurden leben in der BRD.
Die Geschichte
Das Kurdische Volk ist das größte Volk auf der Erde, dessen Selbstbestimmungsrecht ihnen vorenthalten wird.
Das Kurdische Volk wird bereits im 2.Jahrtausend v.Chr. in Keilschrifttexten erwähnt. In populärwissenschaftlichen Darstellungen wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Meder die Vorfahren der Kurden seinen, da sich sprachgeschichtlich das Kurdische aus dem Altpersischen und Medischen entwickelte. Die Meder finden erstmals in der zweiten Hälfte des 9.Jh.v. Chr. ihre Erwähnung in der Geschichte.
Über die Jahrhunderte hinweg bleibt Kurdistan ein Land, in dem westliche und östliche Mächte aufeinander treffen. Der Zug Alexanders des Großen führt auf dem Weg nach Osten.
Es ist das Land der Auseinandersetzungen zwischen Römern und Parthern (iranischer Volksstamm, dessen Verwaltung nach griechischem Vorbild eingerichtet wurde), später zwischen dem byzantinischen Reich und den Sassaninen (Perser). Vor allem am Oberlauf des Tigris und im nördlichen Mesopotamien leiden die Menschen über die Jahrhunderte unter immer neuen kriegerischen Auseinandersetzungen.
Mit der Islamisierung setzt im 7.Jh.n.Chr. ein neuer Abschnitt der kurdischen Geschichte ein. Infolge der arabisch- islamischen Expansion dieses Jahrhunderts kommen die kurdischen Gebiete unter die Herrschaft des Kalifats (Die Kalifen waren oberster Leiter der muslimischen Gemeinde und galten als Nachfolger des Propheten Mohammed. Sie waren sowohl weltliche als auch religiöse Führer. Sie waren jedoch nicht befugt, Dogmen aufzustellen, denn die Verkündung des Glaubens wurde als vollendetes Werk Mohammeds betrachtet). 300 Jahre später wird dieses Kalifat von den Aufständen der iranischen Völker geschwächt und die kurdischen Stammesfürsten gewinnen somit an immer mehr Macht. Dieser Zeitraum ist auch eine Phase größerer kultureller Entwicklung.
Die kurdische Zweiteilung
Im Jahre 1639, nachdem sich die Osmanen (Vorfahren der Türken) und die Perser oftmals bekriegt haben, wird ein Vertrag zwischen diesen großen Mächten geschlossen. In diesem Vertrag einigt man sich über den Verlauf der Grenzen zwischen den beiden Reichen. Man kann die Bedeutung dieses Vertrages daraus ersehen, dass die heutige Grenze zwischen der Türkei und dem Iran nahezu der damaligen Grenzziehung gleicht.
Bei dem Zustandekommen des Abkommens spielen die kurdischen Fürsten eine nicht unbedeutende Rolle.
Mehr als die Hälfte von ihnen entscheiden sich aufgrund ihrer Interessenlage und der materiellen Angebote für das Osmanische Reich. Die kurdischen Fürstentümer erhalten allerdings einen Sonderstatus, der der Feudalklasse große Vorteile sichert.
Neben der Aufgabe des Grenzschutzes wird den Fürsten weitgehend die Oberschaft über die Völker Kurdistans zugesichert. Zudem erhalten sie eine gewisse Autonomie.
Seit dem 18. Und 19. Jahrhundert verliert das Osmanische Reich immer mehr an Macht. Nach dem ersten Weltkrieg, in dem die Osmanen auf der Seite Deutschlands kämpften und in dessen Schatten sie den ersten Völkermord in diesem Jahrhundert verübten (1,5 Millionen Armenier und assyrische Christen werden umgebracht), löst sich das Osmanische Reich vollständig auf und Briten, Franzosen und Griechen kolonialisieren die Türkei.
Der Friedensvertrag von Sèvres wird am 10. August 1920 in Sèvres (Frankreich) zwischen der Türkei und den Alliierten des 1. Weltkrieges unterzeichnet . Er löst das Osmanische Reich auf und reduziert das türkische Territorium auf die Gebiete um Konstantinopel sowie auf Teile von Kleinasien und Anatolien. Nach diesem Vertrag wird Kurdistan gevierteilt (Türkei, Iran, Irak, Syrien).
Nun beginnt der Befreiungskrieg der Türken unter der Führung von Mustafa `Atatürk` Kemal (Vater der Türken) gegen die Besatzungsmächte der Griechen, Franzosen und Engländer. Um die Kurden für die nationale Befreiung der Türken zu gewinnen, verspricht Atatürk ihnen nach ihrer Befreiung die Autonomie. Doch Atatürk hat im Grunde ganz andere Pläne. Er strebte eine unteilbare Nation an, in die sich anderssprachige Bewohner hineinassimilieren sollen. Nach der Vertreibung der Besatzungsmächte mit Hilfe der Kurden, ruft Atatürk 1923 die Türkische Republik aus. Doch nun kommen seine Assimilierungspläne zum Ausdruck. Um die kurdische Identität zu vernichten, benutzt die türkische Regierung anfangs alle möglichen ideologischen Unterdrückungsinstrumente. Dies begründet der damalige Ministerpräsident mit folgender Aussage: ,,In diesem Land hat nur die türkische Nation das Recht, ethnische und rassisch bedingte Rechte zu fordern. Sonst niemand." Durch die verschiedenen Medienorgane macht sie Regierungspropaganda. In den errichteten Schulen werden den Kindern die türkische Sprache und der türkische Nationalismus beigebracht.
Zwischen 1925 und 1940 beginnt die Türkische Republik, Kurdistan militärisch zu besetzen, anstatt ihnen die versprochene Autonomie zu gewähren. Gegen die Assimilationsversuche und Unterdrückung der Türkischen Regierung aller Art finden zahlreiche Aufstände statt, die blutig niedergeschlagen werden. Was von hier an folgt, ist ein, bis heute noch nicht beendeter Krieg.
Die Kultur
Das Volkslied
Bei der Frage der Kultur des kurdischen Volkes möchte ich ausschließlich auf das Volkslied der Kurden eingehen, da diese eine der größten Bedeutungen für sie spielt. Die kurdische Musik bringt nicht nur die langen Leiden des kurdischen Volkes zur Sprache, sondern sie gilt als Fördermittel des in der Geschichte entwickelten Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich das kurdische Volk in seinem Überlebenskampf angeeignet hat. Hierzu habe ich einpaar Hörbeispiele mitgebracht.
Es gibt viele verschiedene Arten von Volksliedern, so z. B. das Liebeslied, das Hochzeitslied, das Klagelied, das religiöse Lied, das Arbeiterlied und das lyrisch-epische Lied, das politische Lied.
Ich möchte zuerst das kurdische Klagelied vorstellen. Die Klagelieder unterscheiden sich in ihrer Natur von den üblichen Volkssliedern durch ihre Thematik. Sie werden spontan improvisiert und bringen das Leiden der Menschen bedingt durch verschiedene Ursachen, worauf ich später zu sprechen komme, zum Ausdruck. In der Regel wird der Klagegesang von den Frauen durchgeführt. Die Klagelieder werden hauptsächlich in erzählender Form vorgetragen. Die Entstehung der kurdischen Klagelieder basiert auf folgenden Bedingungen:
a) Die natürlichen Bedingungen des Todes einer Person. Bedingt durch die kolonialistischen Strukturen gibt es in Kurdistan keine befriedigende Infrastruktur des Gesundheitswesens. Besonders im Winter ist es fast unmöglich, einen Kranken zum nächstgelegen Arzt zu transportieren, weil die Straßen fehlen und das verschneite Hochland unpassierbar ist. Häufig reicht eine kleine Krankheit für den Tod eines Menschen.
b) Die kriegerischen Bedingungen, welche sich aus dem geschichtlichen Verlauf des kurdischen Volkes ergeben, bilden ebenfalls einen Ausgangspunkt der Klagelieder. In diesen Liedern werden die heldenhaften Eigenschaften derjenigen, die im Widerstand gegen den türkischen Staat ums Leben gekommen sind, zum Ausdruck gebracht.
c) Die gesellschaftlichen Bedingungen, die durch Stammesauseinandersetzungen, Blutrache und Familienfeindlichkeit gekennzeichnet sind und die oft mehrere Personen zur Folge haben, geben auch Anlass zur Entstehung von Klageliedern.
d) Die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, die die Menschen veranlassen, ihren Geburtsort zu verlassen und in andere Städte oder Länder zu ziehen.
In diesen Liedern werden selten die Gründe für die Verbannung angeklagt,
vielmehr wird der Verlust der Personen als etwas schmerzliches und
Unersetzliches dargestellt und auf die zurückbleibende
Familienmitglieder ( Kinder, Ehepartner, Eltern, usw.) hingewiesen.
e) Die Militärdienstbedingungen gaben ebenfalls Grund zum Klagen. Der Militärdienst nahm in früheren Zeiten mehrere Zeiten in Anspruch und die Familien erhielten keinerlei Nachrichten über ihre Söhne. Während der Zeit der Besatzung wurden alle männlichen Kurden bereits im jugendlichen Alter seitens der Besatzungsmächte zum Militärdienst herangezogen und im Kriegsfall als erste in den Krieg geschickt. So wurden im Jahre 1950 viele Kurden in den Korea-Krieg geschickt, die nicht in ihre Heimat zurückgekehrt sind.
Die kurdische Gruppe Sheribana Kurdi hat ein Stück komponiert das das kurdische Volk zum Wiederstand gegen den türkischen Staat auffordert. Die Übersetzung lautet folgendermaßen:
Steht auf, o ihr kurdischen Kämpfer, steht auf.
Euer Tag ist gekommen.
Steht auf, ihr Mütter, Mädchen und Alten.
Lasst auch uns in die Berge Kurdistans gehen um
Für die Freiheit zu kämpfen.
Und in den Bergen werden wir sehen, dass
Die roten Rosen nur deshalb rot sind, weil das Blut
Unserer Märtyrer an ihnen haften. O du Allmächtiger.
O du Schmerz in meinem Herzen,
unsere Heimat ist dennoch schön
unser Kurdistan ist dennoch schön.
O welcher Unheil, welch ein Unrecht.
Wir werden dann unsere Verwundeten pflegen
Und welch ein Schmerz
Unsere Toten müssen wir vor dem Staat verstecken.
Welch ein Schmerz.
Wir werden schwören auf Seh Said, auf Kadi Mohammad,
auf das Blut unserer Märtyrer
wir werden nicht aufgeben
auch weil der Schmerz aus unseren Herzen nicht verschwinden kann,
Wir werden nicht aufgeben, solange in unserem Kurdistan die
kurdischen Volksfarben nicht blühen.
Wir werden nicht aufgeben, bevor die Sklaverei nicht endet,
O du Schmerz in meinem Herzen,
unser Kurdistan ist dennoch schön.
Das politische Lied
Die meisten politischen Lieder enthalten Rufe und Appelle, die bei den Hörern eine Bereitschaft zur Verteidigung bezwecken sollen. Es wird auf die Greueltaten, die Massakrierung der kurdischen Bevölkerung, Verhaftung und Folterung zum Ausdruck gebracht. Zusammenfassend kann man folgende Eigenschaften des politischen Liedes festhalten:
a) Das Lied versucht, die Einheit der Massen herzustellen und so eine psychologische Stärke zu demonstrieren, indem es Siegeswillen und Kampfentschlossenheit zum Ausdruck bringt.
b) Das Lied stellt für die Zerschlagung des Feindes die eigene politischen Ziele in den Mittelpunkt der Handlung.
c) Das Lied ruft in der Phantasie der Menschen den Sturz des alten Systems herbei und entwickelt im Gegensatz dazu bei den Menschen neue Gefühle und Gedanken für das angeblich kommende System.
d) Das Lied nimmt einen kollektiven Charakter an und zeigt der Gesellschaft konkrete politische Ziele.
Einer der bekanntesten kurdischen Volkssänger, Sivan Perwer, der auch international sehr berühmt ist ( Auftritt im deutschen, griechischen Fernsehen), hat die Forderungen der Kurden mit dem folgendem Lied ,, Kine Em?" (Wer sind wir?) auf den Punkt gebracht:
Wir sind keine Blutsauger! Wir sind Friedliebende! Wir wollen keinen Krieg! Wir meinen Gleichberechtigung! Wir gehen nicht rückwärts! Na, ja der Feind läuft weg. Wir sagen: ,,Nach gemeinsamer Überlegung." Er ist damit nicht einverstanden. Wir sagen: ,,Wie Brüder zusammenleben." Aber er ist nicht einverstanden.(...)
Mensch! Was sollen wir machen? Er will nicht die Menschlichkeit. Also dann gehen wir auf diesen, diesen vergammelten Leichnam. Sortieren sie aus unseren Reihen! Im Namen der Menschheit. Wir alle, Freunde und Brüder. Es lebe Kurdistan! Nieder mit dem Kolonialismus!
Das moderne Lied
Das moderne kurdische Lied ist aus folgenden Gründen modern:
- Es wird zunehmend die türkische Sprache benutzt, damit ein breiteres Publikum, vor allem die türkische Bevölkerung, angesprochen werden kann und da natürlich die kurdischsprachigen Lieder zensiert bzw. verboten werden.
- Es enthält nicht nur traditionell kurdische Instrumente, sondern auch andere orientalische, europäische und synthetische Instrumente.
- Der Rhythmus ist betonter und ganz speziell auf die ,,Tanzbarkeit" abgestimmt.
Dazu gibt es ein berühmten, in Deutschland lebenden Musiker, Ahmet Kaya, der in der Türkei aufgrund seinen (meist verdeckten) politischen Liedern viele Repressalien erleiden musste und wegen der Todesstrafe, die auf ihn aufgesetzt ist, nach Deutschland geflüchtet ist und hier weiter arbeitet.
Kurdischer Befreiungskampf
Wann der kurdische Befreiungskampf wirklich begann, lässt sich nur sehr ungenau sagen. Schon um die Jahrhundertwende entstanden kurdische Nationalbewegungen. Geprägt von fortschrittlichen Ideen und nationalistischen Bewegungen fanden sich in Europa junge kurdische Studenten, allesamt Angehörige der kurdischen Oberschicht, zusammen, um auf verschiedensten Gebieten soziale, kulturelle und politische Forderungen zu verwirklichen.
In der Folgezeit gab es zahlreiche Aufstände seitens der Kurden. Diese stellen jedoch aufgrund ihrer mangelnden Organisation und Ausrüstung kaum eine effektive Verteidigung gegen die türkische Bombardierung aus der Luft, Giftgaseinsatz, Massenexekutionen, Waldvernichtung, etc. dar. Um den Zusammenhang zwischen dem geschichtlichen Hintergrund und der kurdischen Befreiungsbewegung zu verstehen, müssen wir einen kurzen Einblick in die Weltgeschichte wagen.
Die russische Oktoberrevolution im Jahre 1917 war der Beginn einer großen Veränderung auf der ganzen Welt. Lenin, der Anführer jener Revolution, forderte alle, durch den Kolonialismus und den Imperialismus unterdrückte Völker, zum Widerstand bzw. Aufstand auf. In der Folgezeit vor allem in den 50er und 60er Jahren entstanden auf der ganzen Welt zahlreiche Dekolonisationsvorgänge und Befreiungsbewegungen, wie z.B. IRA (Irland), ETA (Spanien), ELF (Eritrea), LTTE (Südindien, Sri- Lanka), Sikhs (Pakistan).
Vor allem in Südamerika und Afrika war der Widerstand gegen die ausbeutende Großmächte GB, Frankreich, Spanien, Portugal, etc. sehr groß. Aus dieser ,,Befreiungswelle", die noch heute stattfindet, Kosovo, Kurdistan, etc., gingen große Persönlichkeiten hervor, wie z.B. Che Guevara, Gandhi, Mao Tse-tung.
(Nun kommen wir wieder zurück zu Kurdistan)
Diese ,,Befreiungswelle" erfasste auch das kurdische Volk. Aufgrund der überwiegenden Erfolge, die die zahlreichen Bewegungen auf der Welt hatten, wurde ein Grundstein für den optimistischen und revolutionären Kampf der Kurden gegen den damaligen Kolonialstaat Türkei gelegt. In dieser Zeit, wir befinden uns noch in den 50er Jahren, entwickelte sich in Kurdistan mehrere Befreiungsbewegungen bzw. -parteien, die später von linken und humanistischen Organisationen der Türkei unterstützt wurden. Die Türkei trat 1952 in die NATO ein und bekam von den Mitgliederstaaten, vor allem der USA und Deutschland außerordentliche Militärhilfe (Ausbildung der Antiterror- Organisation von der CIA, schwere Militärfahrzeuge, etc.)
An den Aufstände in den frühen 60er beteiligten sich nur einige wenige bewaffnete Gruppierungen, die sich in den Bergen verschanzt hatten und die später durch großangelegte systematische Waldverbrennungen ,,ausgeräuchert" werden sollten. Der größte Teil der Parteien, so auch die PKK, HEP, TIP (Türkische Arbeiterpartei) ging zunächst friedlich vor.
Sie versuchten mit Hilfe von Flugblätter, Zeitungen, Demonstrationen, parlamentarischen Parteien, der indoktrinierter Bevölkerung ihr Leid und Unrecht mitzuteilen. Auch ausländische Presseanstalten wurden aufgerufen, in den jeweiligen Ländern die Bevölkerung aufzuklären, in dem sie Korrespondenten in die Krisengebiete schickten. Am 27. Mai 1960 ergriff das Militär zum erstenmal in der Türkei die Macht. Es begann die Zeit massiver staatlicher Gewalt und zahlreichen Inhaftierungen, Folterungen Hinrichtungen und ,,verschwinden lassen" bzw. ermorden von separatistischen Personen, sprich Kurden. Das soll nicht heißen, dass der türkische Staat vorher keine Repressionen gegenüber den Kurden ausgeübt hat, sondern, dass jetzt erst andere Staaten auf dieses Problem aufmerksam werden, was den Presseorganen und Menschenrechtsvereinen zu verdanken ist. Es wurden Delegationen nach Türkei geschickten, die die menschenrechtliche Aspekte der türkischen Militärjunta überprüfen sollten, außerdem schlossen sich zahlreiche Menschen, auch aus dem Ausland, den bewaffneten Befreiungskampf an. Die erste Ausgabe des kurdischen Alphabets wurde 1968 beschlagnahmt und der Herausgeber dieses ersten verbotenen Alphabets der Welt wurde inhaftiert.
1971 putschte das Militär zum zweiten Mal. Ihr Einfluss auf die türkische Bevölkerung hatte sich mit den Jahren erheblich verstärkt. Schließlich entwickelte sie sich zur stärksten Macht neben der Regierung und stürzte sie zum dritten Mal am 12.September 1980 mit Hilfe von Faschistischen Organisationen (Graue Wölfe). Bis dato hatte es einen Nationalen Sicherheitsrat im Parlament installiert, die unter anderem den Präsidenten, den Chef des Nachrichtendienstes!, den Stabschef der Armee (Zusammenarbeit mit Grauen Wölfen) und die Kommandanten den Truppengattungen beinhaltet. Ihre Aufgabengebiete beschäftigen sich mit dem Kurdenproblem, Menschenrechten, Demokratisierung und die Verwendung von Waffen gegen die eigene Bevölkerung. Das Militär aber hat die Vormachtstellung und bestimmt die Vorgänge in der Praxis. So folgt daraus, dass es im Grunde zwei Regierungen in der Türkei gibt. Eine offizielle (Parlament) und eine Schattenregierung (Militär).
1983 wurde erneut eine Zivilregierung ins Leben gerufen, die überwiegend aus den militärischen und faschistischen Positionen während der Militärregierung hervorging.
Nun kommen wir wieder zum Thema ,,Befreiungskampf" zurück.
Seit dem ersten Militärputsch von 1960 spitzte sich die Lage in Osttürkei, sprich Kurdistan, immer mehr zu. Das Militär und die Regierung verschärfte dramatisch die Angriffe gegen Oppositionelle Organisationen. Sie bestrafte mit aller Härte Widerständler, engte die Pressefreiheit außerparlamentarisch ein und ließ von verschiedenen Gruppierungen, Zeitungsanstalten hochgehen, Intellektuelle, Künstler, Wissenschaftler und vor allem Journalisten (auch Ausländische) monatelang inhaftieren, foltern, und ermorden.
Zu diesem Thema berichtet die Darmstädter Delegation folgendes:
Die Polizei überwacht die ausländische Journalisten auf Schritt und Tritt, das Militär beschränkt ihre Reisefreiheit ein, man beschlagnahmt ihre Filme und bedroht oder verhaftet ihre Geschprächspartner. In Diyarbakir trafen wir einen Fotografen der Zeitschrift GEO, der nach mehreren Tagen Aufenthalt noch kein einziges Foto hatte. Die Polizisten, die ihn verfolgten, konfiszierten jeweils nach ein paar Aufnahmen seine Filme. Die türkische Presse hingegen ist gleichgeschaltet, sie betreibt eine nationalistische Propaganda und verherrlicht den Krieg gegen die Kurden. Bilanz: Zwischen den Jahren 1992- 1995 wurden 17 Journalisten ermordet, von ihnen waren 13 Kurden, 8 der Ermordeten arbeiteten bei den Zeitungen Özgür Gündem und Özgür Ülke (prokurdische Zeitungen). Die Zahl der ermordeten Vertreiber und Handverkäufer wird auf 14 beziffert. Unter ihnen befinden sich auch Kinder, die durch Zeitungsverkäufe zur Existenz ihrer Familien beitragen wollten.
Auch der türkische Menschenrechtsverein IHD erlag zahlreichen Bombenanschlägen, da sie seit Jahren Informationen über die türkischen Machenschaften in Kurdistan lieferten bzw. liefern.
Nachdem alle linken, prokurdischen und oppositionelle Parteien, Organisationen, Gruppierungen und ihre Sympathisanten verfassungsmäßig verfolgt und inhaftiert werden durften und es keine Möglichkeit für jene Menschen gab ihre Meinung zu äußern und zudem die Militärmachthaber 1983 das ,,Sprachverbotsgesetz" verabschiedeten, das es unter Strafandrohung untersagte, andere als die offiziellen Sprachen der übrigen Staaten der Welt zu benutzten, (Politische Gefangene, die vor Gericht ihr Verteidigungsplädoyer in kurdischer Sprache hielten, wurden dafür mit zusätzlichen Strafen belegt) gingen viele von ihnen in den Untergrund, ins Ausland und/oder in die Berge. Manche Parteien, so die PKK, formierten sich in allen drei Bereichen. Ihre Macht begann sich in den folgenden Zeiten massiv zu stärken und es bildete sich, vor allem in diesen Parteien, weil sie eng zusammenarbeiten, eine straff organisierte Bewegung, die zum erstenmal in der langen Geschichte des Kampfes zwischen den Türken und Kurden eine wirksame Verteidigung der Kurden darstellte. Man muss eines hier besonders bedenken: Ohne die Kurdische Bevölkerung in den Bergen und in den östlichen Großstädten wie z.B. Diyarbakir, wären diese Befreiungsbewegungen sicherlich nicht zu ihrer derzeitigen Stärke und Macht gekommen. Die Dorfbewohner in den Bergen Kurdistans, wo die meisten Kämpfe zwischen türkischen Militär und kurdischen bzw. türkischen Guerilla-Einheiten stattfinden, halfen den Guerilleros freiwillig und ohne jeden Zwang seitens der Parteien, was Ankara heftig dementiert.
1993 beschließt die Türkei völlig auf Ausrottung der kurdischen Bewegung zu setzen. Aufgrund der NATO- Mitgliedschaft kann sie auf die Beihilfe der USA zählen. Deutschland kommt an zweiter Stelle bei einigen Waffenarten.
Durch massive militärische Aufrüstung der Armee, Polizei und sonstigen Instrumenten, kann sie im Winter 1993/1994 die kurdischen Freiheitskämpfer stark bekämpfen. Dies hat katastrophale Folgen, für die Bevölkerung.
Am 15. Dezember 1995 verkündet die PKK einen einseitigen Waffenstillstand. Vier Wochen später geben die Behörden bekannt, PKK- Kämpfer hätten einen Kleinbus überfallen, alle elf Insassen, unter ihnen sieben Dorfschützer, getötet und das Fahrzeug anschließend in Brand gesetzt. Auf Einladung des Generalstabschefs der türkischen Streitkräfte wurden Journalisten aller größeren Tageszeitungen, Rundfunkstationen und Fernsehanstalten zum Ort des Masssakers nach Güclükonak in der Provinz Siirt geflogen. Die damalige Ministerpräsidentin Tansu Ciller (gehörte der faschistischen Partei DYP an und soll angeblich als CIA-Agentin für die USA in der Türkei arbeiten) kommentierte den Vorfall folgendermaßen: Diese Feinde der Menschlichkeit, die fälschlicherweise glauben, die Autorität des Staates sei geschwächt, und die ihre Waffen gegen ,,unschuldige Bürger" gerichtet haben, werden letztlich in dem Loch ersaufen, in das sie gefallen sind. Derartige Angriffe auf den Bestand der Türkischen Republik beweisen, wie sehr unser Kampf gegen den Terrorismus seine Berechtigung hat."
Kurze Zeit später wurden vor allem von den Familien der Opfer Zweifel an der offiziellen Version des Massakers geäußert. Zahlreiche internationale Organisationen, Berufsverbände und Menschenrechtsgruppen untersuchten den Fall. Aufgrund der Nachforschungen fanden sie heraus, dass es sich in Wahrheit um Regierungskräfte handelte, die dieses Massaker verübt haben um einen Grund zu finden die PKK weiterhin angreifen zu können.
Diese und zahlreiche andere Ereignisse lassen erkennen, dass die türkische Regierung überhaupt nicht zu Verhandlungsgesprächen mit den Anführern der oppositionellen Gruppierungen bereit ist und keinen Wert darauf legt, den Krieg auf diplomatischen Wege zu lösen. Vielmehr hat sie, als die PKK, bis heute 3 mal, einen einseitige Waffenstillstand angekündigt und durchgeführt hat um Verhandlungsgespräche mit der Regierung zu führen, ihre militärischen und paramilitärischen Einheiten verstärkt mobilisiert, so dass sie von der Niederlegung der Waffen seitens der PKK, profitieren konnten.
Kurdischer Befreiungskampf in Deutschland
Kurdistan ist nicht nur ein türkisches Problem, sondern auch ein Deutsches. So kommentierte die Süddeutsche Zeitung die Ausschreitungen kurdischer Demonstranten in Deutschland.
Ca. 500 000 Kurden leben zur Zeit in Deutschland. Es sind ihre Verwandten und Freunde, die im täglichen Krieg in Südosttürkei unterdrückt und getötet werden; es sind ihre Heimatdörfer, die zerstört werden, auch mit deutschen Waffen. Solange das so ist, sind innere Sicherheit und innerer Frieden in Deutschland gefährdet und mit den Mitteln des Straf- und Ausländerrechts nicht befriedigend zu wahren.
Bislang hatten sich Deutschland und die Europäische Union schamhaft für nicht zuständig erklärt, wenn es um die Kurdenfrage ging.
Im Gegenteil: Das Blind- und Taubstellen ihrerseits hat Kurdische Demonstranten veranlasst, durch Autobahnblockaden, Brandanschläge auf Reisebüros und Selbstverbrennungen die deutsche Regierung auf das Problem aufmerksam zu machen. Und es hat gewirkt, wie man sieht. Noch vor 10 bis 15 Jahren wussten nicht viele Menschen was Kurdistan ist. Doch warum diese radikalen Maßnahmen? Folgenden Satz habe ich bei der Vorbereitung dieses Referates in einem kurdischen Kulturverein gelesen: Ihr wollt keine kurdischen Demonstranten auf deutschen Strassen und wir wollen keine deutschen Panzer auf kurdischen Strassen.
PKK
Die Arbeiterpartei Kurdistans PKK wird in den 70er Jahre als eine revolutionäre- sozialistische und nationale Befreiungsbewegung gegründet. Ihr Mitbegründer, Anführer und Parteivorsitzender ist, der nun inhaftierte, Abdullah Öcalan, auch APO genannt.
Ziel
Das Ziel der Organisation ist es, der kolonialistischen Herrschaft und dem imperialistischen Einfluss auf Kurdistan ein Ende zu setzen, die unzeitgemäß Relikte in Kurdistan zu beseitigen; in einem unabhängigen und vereinten Kurdistan eine demokratische Volksregierung zu errichten. Eine Zeitlang stand die Herauslösung des kurdischen Volkes und die Gründung eines eigenen Staates im Programm. Doch nach innerparteilichen Auseinandersetzungen änderte sich das Ziel. Nun ist das Erreichen einer Autonomie, die Anerkennung kurdischer Kultur bzw. Sprache und eine Selbstverwaltung des kurdischen Volkes das Ziel der Partei.
Sieben- Punkte- Erklärung der PKK zur Lösung der kurdischen Frage
1. Einstellung aller türkischen militärischen Operationen gegen die kurdischen Gebiete
2. Ermöglichung der Rückkehr der aus ihren Dörfern vertriebenen Menschen
3. Aufhebung des Dorfschützersystems
4. Gewährung von Autonomie für die kurdischen Gebiete unter Wahrung der Grenzen der Türkei
5. Gewährung aller demokratischen Rechte der Türken und Türkinnen auch für Kurden und Kurdinnen.
6. Offizielle Anerkennung der kurdischen Identität, Sprache und Kultur
7. Einführung von Religionsfreiheit und Pluralismus
Aufbau & Organisation der Partei ( auf Folie)
Zwischen zwei Kongressen ist das höchste ideologische und politische Organ der Parteivorstand. Der Parteivorstand besteht aus dem Parteivorsitzenden (Öcalan), dem Zentralkomitee und dem Parteivorstandsgremium.
Der Parteivorsitzende wird durch den Parteikongress mit einer Zweidrittelmehrheit gewählt. Er ist der Vorsitzende der gesamten Partei und repräsentiert sie in allen Angelegenheiten auf höchster Ebene. Er ist dem Parteikongress gegenüber verantwortlich und stattet dem Kongress Bericht über seine Aktivitäten ab.
Das Zentralkomitee ist beauftragt, gemeinsam mit dem Parteivorstand die aktuelle und langfristige Parteipolitik zu entwerfen, diese, sowie die im Parteiprogramm festgelegten politischen Ziele praktisch umzusetzen. Es ist die oberste taktische Führungsinstanz der Partei.
Das Parteivorstandsgremium hat die Funktion eines Hilfsgremium. Sie organisiert und leitet die verschiedenen Zentralbüros. Regelmäßig übermittelt sie dem Parteivorstand Informationen und Berichte.
Der Zentrale Disziplinarausschuss ist beauftragt, zwischen zwei Kongressen die Parteidisziplin zu überwachen und Fälle von Disziplinverstößen zu untersuchen und Urteile zu fällen.
In jeder Provinz und Region gibt es untergeordnete Provinzkomitees, die die Parteiarbeit auf ihre Provinz zu beschränken haben und Informationen, Berichte, Neuigkeiten an andere Provinzen, vor allem an das Zentralkomitee weitergeben müssen.
So entsteht ein weit verstricktes Netz von Büros, regionalen Parteiorganen und Provinzkomitees, die in ständiger Verbindung (Informationsaustausch,..) miteinander stehen.
Vorgang
Nach ihrer Gründung ging sie hauptsächlich friedlich vor, um ihre Forderungen zu erhalten. Ab 1984, 4 Jahre nach dem Militärputsch, nahm sie den bewaffneten Kampf auf.
Übergriffe von PKK-Kämpfern
Nach amnesty international- Berichten geht hervor, dass auch die PKK unschuldige Menschen, bzw. Zivilisten vorsätzlich getötet haben.
Es wurden überwiegend Familienmitglieder, auch Frauen und Kinder, von Männern ermordet, die sich dem Dorfschützersystem angeschlossen hatten.
Im August 1994 versicherte ein PKK- Vertreter, dass seine Organisation sich zur Beachtung von Artikel 3 der Allg. Bestimmungen der Genfer Rot- Kreuz- Konvention verpflichtet habe.
Darin heißt es: ,, Personen, die nicht unmittelbar an den Feindseligkeiten teilnehmen, einschließlich der Mitglieder der Streitkräfte, welche die Waffen gestreckt haben, und der Personen, die durch Krankheit, Verwundung, Gefangennahme oder irgendeine andere Ursache außer Kampf gesetzt sind, werden unter allen Umständen mit Menschlichkeit behandelt... In Bezug auf die oben erwähnten Personen sind Angriffe auf das Leben und die Person, namentliche Tötungen, jede Art Verstümmelung, grausame Behandlung und Folterung verboten."
Dieser Artikel gilt für alle Situationen innerstaatlicher, bewaffneter Konflikte. Dennoch verzeichnete ai 1995 50 vorsätzliche Tötungen von Unschuldigen, wobei die Zahl rückläufig ist. 1996 lag die Zahl bei 16.
Anschläge auf Lehrer:
Die PKK behandelt Lehrer, die auf Kurdischem Gebiet unterrichten, als militärische Ziele. Sie sieht die Schulen als Teil der türkischen Unterdrückung, weil der Unterricht nur in türkischer Sprache stattfindet und das Kurdische verboten ist. Seit 1984 hat sie nicht weniger als 90 Lehrkräfte ermordet.
Auf einen von ai 1995 herausgegebenen Bericht, in dem die Organisation willkürliche Tötungen durch die PKK dokumentiert und verurteilt hat, nahm ein Sprecher des politischen Flügels der PKK öffentlich Stellung. Er erklärte, bei den von der PKK getöteten Lehrern und Dorfbewohnern habe es sich um Mitglieder des türkischen Geheimdienstes MIT, Özel Tim (Antiterror-Organisation) und um Dorfschützen gehandelt.
Instrumente des türkischen Militärs
Nun muss ich mehrere Begriffe u.a. auch das Wort ,,Dorfschütze" erklären.
Die türkischen Streitkräfte bestehen, im Kampf gegen die Kurden, nicht nur aus staatlich
organisierten Einheiten. Es gibt zahlreiche extralegale, paramilitärische und parteiliche Kräfte, die ein enges Verhältnis zum offiziellen Militär besitzen ( Ausrüsten mit Waffen, etc...).
Dorfschützersystem
Mitte der 80er Jahre wurde ein sog. Dorfschützersystem in den kurdischen Dörfern geschaffen. Die ursprüngliche Absicht war es, Ortschaften in die Lage zu versetzen, ihr eigenes Dorf verteidigen zu können bzw. Widerständler zu bekämpfen. Außerdem sollten sie verhindern, dass die PKK- Kämpfer von den Dorfbewohnern logistische Hilfe erhalten. Inzwischen fungieren die rund 55.000 Dorfschützer als paramilitärische Verbände, die an Operationen gegen andere Dörfer und sogar an Einsätzen gegen Ziele im Norden Iraks teilnehmen, an Straßensperren Personenkontrollen vornehmen und Verhöre durchführen. Dass die Mitgliedschaft in den Dorfschützertruppen freiwillig ist, gilt nur auf dem Papier; dies führt die Bewohner in eine Zwickmühle. Viele wollen diese Aufgabe nicht auf sich nehmen. Verweigerung wird jedoch als Unterstützung der Guerilla ausgelegt und wird in Form von Deportation, Zerstörung von Haus und Dorf bestraft.
Andererseits, sollten sie sich diesem System anschließen, würden sie seitens der Guerilla bedroht werden.
Sondereinheiten
Die Dorfschützen eignen sich nicht dafür, den Krieg gegen die kurdischen Rebellen zu gewinnen. Neben der türkischen Armee gibt es noch eine 50.000 Mann starke Sondereinheit.
Diese Sondertruppen, ,,Özel Tim" genannt, spielen eine besondere Rolle. Unter Zuständigkeit des Innenministeriums sind die Özel Tim angewiesen worden, ihre Operationen gegen die Guerilleros vermummt und geheim durchzuführen. Viele von ihnen können kurdisch sprechen und werden von den Dorfbewohnern oft nicht erkannt. Ihre Aufgabe ist es, sich in die Berge zu begeben um Hinterhalte für die Rebellen zu legen.
MHP
In den siebziger Jahren eskalierte vor allem in den großen Städten die Gewalt. Rechts- und linksradikale junge Leute lieferten sich blutige Gefechte. Diese Welle der Gewalt wurde von der faschistischen Partei MHP zielstrebig angeheizt, die dafür die sog. ,,Grauen Wölfe" einsetzte. Die MHP stand unter der Leitung von Alparsan Türkes, einen Oberst, der sich am 60er- Putsch beteiligt hatte. Hitlers ,,Mein Kampf" war ihre `Bibel` und das Symbol der Partei zeigt drei auf den Rücken gekehrte Halbmonde auf rotem Grund.
Durch die Ergebnisse der Parlamentswahlen `69 und `77 musste Türkes erkennen, dass sie kurz- und mittelfristig keine Chance hatten, auf legalem, parlamentarischem Wege die Macht zu ergreifen. Deshalb setzte seine Partei auf Terror und Gewalt. Türkes wandte eine Strategie an, die auf drei Stufen basierte:
1. Die Eroberung der Straßen (Demonstrationen stören oder verhindern)
z.B. 1. Mai Demo 1977 in Istanbul mit mehr als 1halbe Million Teilnehmer, bei der offiziell 37 Menschen von Scharfschützen erschossen wurden. MHP Aktivisten schossen vom Dach eines staatlichen Wasserwerkes (obwohl dieses wegen dem Feiertag geschlossen sein musste) auf die Demonstranten. Die Täter wurden nie verurteilt.
2. Die Eroberung des Staates (Zusammenarbeit mit dem türkischen Geheimdienst MIT
z.B. 1978 in der Stadt Maras in der über 1000 Menschen, überwiegend allevitische Kurden, von MHP und MIT Aktivisten ermordet wurden.
3. Die Eroberung des Parlamentes (rechter Arm der Gerechtigkeitspartei AP).
Grauen Wölfe ( Boskurts)
Die Jugend für die pantürkische Ziele zu gewinnen war einer der politischen Schwerpunkte von Türkes und der MHP. Die unerfahrenen Jugendlichen wurden in den Ausbildungslagern, erstmals 1968 aufgebaut, von faschistisch gesinnten ehemaligen Offizieren paramilitärisch ausgebildet und ideologisch indoktriniert- nach dem Muster von SS-Einheiten. Durch die sollen die Jugendlichen zum absoluten Gehorsam gegenüber dem Führer erzogen werden. Diese Jugendlichen, die auch im öffentlichen Leben von der MHP unterstützt werden, bilden die Grundlage für den Aufbau der Kommandos der Grauen Wölfe, die paramilitärischen Schlägertrupps der MHP.
Die Bezeichnung `Grauer Wolf` entstammt aus einer Sage, in der erzählt wird, dass in der Frühzeit ein grauer Wolf den türkischen Stämmen bzw. Kriegern den Weg nach Kleinasien gewiesen haben soll. Das Paradoxe daran ist, dass die Grauen Wölfe behaupten, dass sie schon immer in Kleinasien gelebt hätten. Die Grauen Wölfe waren und sind für zahlreiche Terroraktionen, politische Morde und Massaker verantwortlich. In den Jahren 1968 bis 1971 wurden mehr als 300 linke Studenten von ihnen ermordet.
Das Ziel der MHP war es, mit Hilfe der Grauen Wölfe einen Bürgerkriegszustand zu schaffen, der den Ruf nach dem `starken Mann` laut werden lassen und letztendlich zur Machtergreifung der Faschisten führen sollte.
Auch in Deutschland gibt es eine Organisation der MHP. Sie ist unter dem Namen Türk Föderation bekannt und hat über 100 Vereine in Deutschland. Die meisten nennen sich Türkischer Kulturverein und versuchen nach Außen harmlos zu wirken. Im Grunde findet hier eine Gehirnwäsche türkischer Jugendliche statt, denen türkischer Nationalismus und Vaterlandsliebe gelehrt wird. Aus diesem Grund spalten sich die türkischen Jugendlichen von allen anderen Nationalitäten ab und bilden eigene Gruppen, die wie die Grauen Wölfe in der Türkei, durch die Straßen ziehen und manchmal Jugendliche anderer Nationalitäten diskriminieren.
Quellenangabe
- Spurensuche: Ergebnisse der Fact- Finding- Missions nach Kurdistan, Newroz 1995/ Koordinationsbüro Newroz
- Türkei: amnesty international - Unsichere Zukunft ohne Menschenrechte
- Graue Wölfe heulen wieder: Türkische Faschisten und Ihre Vernetzung in der BRD
- Das ethnische Lied als Medium kultureller Selbstbehauptung
- Rüstungsexport im ,,neuen Deutschland": Probleme des Friedens (Komzi Verlags GmbH)
- Die kurdische Frage- Europa ist gefordert: Stellungnahmen, Dokumentationen, Pressespiegel
- Türkei- Krieg oder Frieden: Die türkisch- kurdische Gesellschaft meldet sich zu Wort
- Türkei connection: Wie die Türkei international aufgerüstet wird
Die wechselvolle Geschichte der kurdischen Sprache – von Mesopotamien bis ins europäische Exil
Lassen Sie mich zunächst einiges Grundsätzliche zur Bedeutung von Sprache in Bezug auf die kulturelle Identität eines Volkes allgemein und zur kurdischen Sprache im Besonderen sagen, bevor ich zu meinem eigentlichen Thema komme, denn ich denke, dass dies sehr wichtig ist, um die Entwicklung der kurdischen Sprache und ihre Besonderheiten im Vergleich zu anderen Sprachen besser zu verstehen.
Wir sind uns sicher einig, dass der Sprache eine kulturelle Schlüsselfunktion zukommt. Sprache ist nicht nur Ausdruck von Kultur und Heimat, sie ist sogar entscheidender für die Definition der eigenen Identität als der Ort, an dem man aufgewachsen ist, weil sie ein Leben lang untrennbar mit uns verbunden ist, auch wenn man die Heimat verlassen muss.
Sprache ist gleichzeitig Geschichte und Zukunft eines Volkes, denn wir können nur insoweit in die Gedanken unserer Vorfahren schauen, soweit es die sprachlichen Überlieferungen zulassen und auch für die Zukunft können wir nur mit Hilfe des Mediums Sprache planen. Man kann also sagen, dass sich Völker zu einem großen Teil über ihre Sprache identifizieren. Diese Feststellung gilt auch insbesondere für das kurdische Volk, weil es weder über eine Staatsmacht noch über eine gemeinsame Religion verfügt.
Und gerade weil die Sprache eine solche herausragende Rolle in Bezug auf die Identität des kurdischen Volkes spielt, ist sie sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart immer das Ziel von Unterdrückungsmaßnahmen gewesen, auf die ich im Einzelnen noch zu sprechen komme.
Zunächst, was haben wir überhaupt unter dem Begriff „kurdische Sprache“ zu verstehen?
Diese Frage stellt sich als erstes, weil es keinen kurdischen Staat gibt.
Kurdistan wird, wie Sie wissen, von 4 Staaten, der Türkei, Syrien, Irak und Iran besetzt gehalten und in Folge dessen gibt es auch keine kurdische Staats- bzw. Hochsprache.
Dass es eine eigenständige kurdische Sprache gibt, die sich trotz ihrer unterschiedlichen Dialekte zu anderen Sprachen abgrenzen lässt, ist mittlerweile wissenschaftlicher Standard. Dies wird von namhaften Wissenschaftlern des 19. Jahrhunderts bis heute nahezu einheitlich so gesehen.
Wurde auf Grund der engen Verwandtschaft mit dem Persischen früher behauptet, es handele sich bei der kurdischen Sprache um einen Dialekt des Neupersischen, so haben bereits die namhaften europäischen Sprachwissenschaftler wie Maurizio Garzoni, Albert Socin, Peter Lerch, Alexandre Jaba, Hugo Makas und nicht zuletzt Ferdinand Justi festgestellt, dass die Verwandtschaft des Kurdischen mit dem Persischen nicht näher ist als seine Verwandtschaft zu einer der anderen indo-iranischen Sprachen. Peter Lerch beschreibt dies in seinem Werk „Forschungen über die Kurden und die Iranischen Nordchaldäer“ 1857 so:
„Die beiden Sprachstämme (gemeint ist das Kurdische und das Persische) stehen einander am fernsten, tragen aber viele Äste, Zweige und Zweiglein, welche zwei Familien bilden, deren Mitglieder sich untereinander annähern und dann auch verstanden werden.“
Damit will er deutlich machen, dass bestimmte Dialekte und Mundarten des Kurdischen, insbesondere Mundarten des Südkurdischen, eine größere Verwandtschaft zur persischen Sprache besitzen als beispielsweise andere Mundarten des Nordkurdischen.
Die pseudowissenschaftlichen Versuche türkischer Linguisten, die Existenz einer eigenständigen kurdischen Sprache zu leugnen und Kurdisch als
„degeneriertes, bunt zusammengewürfeltes Kauderwelsch aus Wortbrocken jedweder Herkunft“
darzustellen, (so der türkische Nationalist Bedri Noyan 1982 in einem Aufsatz „Über das Wort Kurde und die Kurdo-Türken“), wurden und werden in der Fachwelt nicht ernst genommen, da dies zu offensichtlich in die Propagandamaschinerie des türkischen Staates gegen das kurdische Volk eingesetzt wird, um die Existenz der kurdischen Sprache und damit des kurdischen Volkes zu leugnen.
Lassen Sie uns dazu auch die Meinung des renommierten Sprachwissenschaftlers J. Meyer-Ingwersen, der an der Universität Essen tätig war, hören:
„Es ist reine Demagogie, wenn in der Türkei immer wieder behauptet wird, die Kurden seien eigentlich türkische Stämme (Bergtürken), die sich mit der Zeit ein „verdorbenes Persisch“ angenommen hätten.
Erstens ist Kurdisch eine eigene Sprache und zweitens gibt es Kurden und Kurdisch im fraglichen Gebiet schon sehr viel länger als Türken. Es ist genau umgekehrt: während ganz Westanatolien (relativ spät) turkisiert worden ist, hat sich im kurdischen Gebiet die vor der Einwanderung der türkischen Stämme dort heimische Sprache erhalten“.
Zur wissenschaftlichen Einordnung der kurdischen Sprache ist zu sagen, dass sie eine aus der Nordwestgruppe der iranischen Sprachfamilie stammende indogermanische Sprache ist und demnach nur zur persischen Sprache eine verwandtschaftliche Beziehung hat. Die türkische und die arabische Sprache kommen aus völlig anderen Sprachfamilien. Es gibt zwischen diesen drei Sprachen nur wechselseitige Einflüsse, die sich in Form von Lehnausdrücken sichtbar machen. Hierbei spielt der arabische Spracheinfluss (allerdings auf alle orientalischen Sprachen) seit der Islamisierung die größte Rolle.
Das Fehlen einer einheitlichen kurdischen Hoch- und gemeinsamen Schriftsprache ist leider eine traurige Realität, es gibt mehrere, regional sehr unterschiedliche kurdische Dialekte und darüber hinaus noch zahlreiche verschiedene
Mundarten. Dies ist die zwingende Folge der leidvollen Geschichte des kurdischen Volkes und der damit verbundenen Tatsache, dass die politischen Verhältnisse es bisher nicht zugelassen haben, dass die Kurden in einem gemeinsamen Staatswesen miteinander leben können.
Mit welchen Dialekten haben wir es dann zu tun und wo werden sie gesprochen?
Der kurdische Sprachraum umfasst ein Gebiet von ca. 500 000 qkm[1]. Als südliche Grenze kann man das Gebiet nördlich des persischen Golfes ansehen, es erstreckt sich weiter im Norden über die iranische Provinz Westazerbaidjan, umfaßt einen Teil der armenischen Republik und verläuft über Ezerûm (Erzurum) nach Sêwas (Sivas) und Maraö (Kahramanmaraö) im Westen sowie nach Afrin und Hisiäa (Al-Hassake) im Süden. Die südliche Grenzlinie verläuft weiter über die Städte Öingal (Sinjar), Mûsil (Mousul), Badre und Öuster (Shuster) zum Gebiet am persischen Golf zurück. Über die genaue Zahl der Sprecher der kurdischen Sprache und ihrer Dialekte gibt es keine Statistiken, die Schätzungen bewegen sich zwischen 35 und 40 Millionen Menschen.
Das Kurdische oder Kurmanci, (Kurmandji) wie die Kurden ihre Sprache nennen, zerfällt in 2 Hauptdialekte, zu denen einzelne Mundarten zählen.
Hauptdialekte sind das Nord- und Mittelkurdisch. Die Grenze zwischen ihnen verläuft etwas westlich der Linie Rawendûz (Rawandouz) - Urmia, wobei nördlich dieser Linie von der Mehrheit der Bevölkerung Nordkurdisch gesprochen wird - mit Ausnahme des Gebietes von Dersim (Tunceli), wo der
Kirmanckî- (Zaza- oder Dimili-) Dialekt, der zu einem der Nebendialekte gehört, vorherrscht. Südöstlich dieser imaginären Sprachgrenze wird vorwiegend Mittelkurdisch gesprochen.
Das Nordkurdische umfaßt die Mundarten Bayezidî, Botanî, Aöitî (Aschîtî), Badinanî und Cizirî (Djisiri). Aus der dominierenden Ciziri-Mundart hat sich die Literatursprache dieser Gruppe entwickelt, in die jedoch auch Elemente der anderen Mundarten sowie Verbesserungen eingeflossen sind.
Zum Mittelkurdischen zählen die Mundarten Sineyî, Silemanî, Erdelani und Kerkukî, Germiyanî, Hewlerî, Soranî, Mukrî, Öarbajêrî (Scharbajerî) und Pijderî, wobei sich die Literatursprache in Anlehnung an die Silemanî-Mundart entwickelt hat.
Die Nebendialekte des Kurdischen zerfallen in Südkurdisch und die Gorani- Kirmanckî- (Zazayi-) Gruppe. Innerhalb des Südkurdischen, zu dem die Mundarten Feylî, Kermanschanî, Lekî, Kelhorî, Xaneqînî (Khanaqini) und Lorî gehören, konnte sich keine davon zur Literatursprache entwickeln. Die Sprecher der Feylî-Mundart, die überwiegend in Südkurdistan beheimatet sind, verwenden daher im schriftlichen Verkehr die aus der Silemanî-Mundart entwickelte Literatursprache, ebenso wie die Kurden, die im Umkreis von Kermanschah in Ostkurdistan / Iran leben.
Die Dialekte der Gorani- Kirmanckî- (Zazayi-) Gruppe werden in den Gebieten von Hewraman, Zengene, Kerkuk und bei den Kakeyi-Kurden gesprochen. Der Goranî-Dialekt, der in der Vergangenheit als Literatursprache benutzt wurde, war die Schriftsprache des Fürstentums von Erdelan (Ardalan) und einige Zeit auch die des Baban-Fürstentums. Bedeutende kurdische Dichter wie Xaneyî (Khanayi), Qubadî und Mewlewî haben in diesem Dialekt geschrieben.
Der Kirmanckî (Zaza- oder Dimili-) Dialekt wird von einer großen Zahl von Kurden, von etwa 3 Millionen Menschen in den Gebieten von Bîngul (Bingöl), Eleziz (Elazig), Dêrsim (Tunceli), Xerput (Harput) und Maden sowie in der Umgebung von Amed (Diyabakir) und in Siwerek (Siverek) gesprochen. Obwohl die Gebiete, in denen diese Dialekte gesprochen werden, nicht einmal aneinander angrenzen, bestehen zwischen dem Gorani- und dem Kirmanckî (Zaza-) Dialekt keine große Unterschiede. Das ist nur dadurch erklärbar, dass die Sprecher dieser Dialekte wahrscheinlich ursprünglich in der selben Region gelebt haben und einige Stämme vielleicht vertrieben worden bzw. abgewandert sind. Was die Schriftsprache anbetrifft, so ist die Situation ähnlich wie bei den Sprechern des Südkurdischen, die die aus der Silemanî-Mundart entwickelte Literatursprache im schriftsprachlichen Bereich verwenden: Bisher diente das Nordkurmancî als Schriftsprache, neuerdings gibt es jedoch auch die Entwicklung einer eigenen Schriftsprache, in der bereits viele Publikationen erschienen sind.
a) Der Ursprung
Ich habe Sie sicher mit der Auswahl meines Vortragstitels etwas neugierig gemacht, indem ich den Geburtszeitpunkt der kurdischen Sprache in die Zeit der alten mesopotamischen Kulturen gelegt habe. Ich habe das deswegen getan, weil ich davon überzeugt bin, dass die Sprache und Kultur des kurdischen Volkes dort, im Siedlungsgebiet zwischen Euphrat und Tigris, in dem die Kurden immer noch beheimatet sind, ihren Ursprung haben.
Viele Elemente aus der archaischen yezidischen Religion, der Religion vieler Kurden, die möglicherweise so oder in ähnlicher Form die Religion aller Kurden vor der Zwangsislamisierung gewesen ist, uralte Traditionen und mündlich überlieferte Geschichten, deuten darauf hin.
In diesem Zusammenhang sind insbesondere auch die religiösen Verse der Kawalen, der yezidischen Wanderprediger zu erwähnen, deren Wurzeln möglicherweise bis in die Zeit der zoroastrischen Religion zurückreichen.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auch bemerken, dass keiner der heutigen Staaten, die die Staatsgewalt über das Territorium des einstigen und heutigen Siedlungsgebietes der Kurden innehaben, weder der Irak, noch Syrien, die Türkei oder der Iran ein Interesse an der wissenschaftlichen Erforschung der Ursprünge des kurdischen Volkes bzw. seiner Sprache hätte, genau das Gegenteil, die Unterdrückung und Verleugnung derartiger Funde wäre wohl eher wahrscheinlich.
Es gibt einige Indizien und die Meinung einiger Sprachwissenschaftler aus dem 19. Jhdt. wie Ferdinand Justi, dass die kurdische Sprache schon sehr alt ist und sich möglicherweise aus der Sprache der Meder entwickelt hat. Justi schreibt in seiner 1880 in St. Petersburg veröffentlichten Grammatik über das Kurdische: ...“es liegt die Vermutung nicht fern, dass sich in jenen Wörtern altes, sonst untergegangenes medisches Sprachgut erhalten hat.“
Auch der bekannte Orientalist Vladimir Minorsky stellte eine sprachliche Beziehung des Kurdischen zu den Medern her, indem er aus einer seiner Ansicht nach bemerkenswerten Einheit der kurdischen Dialekte (mit Ausnahme der Dialekte Zazaki und Gorani) schloss, dass diese auf eine einzige Sprache, gesprochen von einem großen und wichtigen Volk wie das der Meder, zurückzuführen sein muss.
Aber der wissenschaftliche Beweis lässt sich auf Grund des nur minimal überlieferten medischen Sprachschatzes nicht hinreichend führen.
b) Die Entstehung der kurdischen Literatur- und Schriftsprache und ihre Entwicklung bis heute
Aus den bisherigen Erläuterungen geht hervor, dass innerhalb der Literatur - und Schriftsprache bisher nur die beiden Hauptdialekte des Kurdischen Verwendung finden. Beide Dialekte haben bereits eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich und, obwohl man aufgrund eines fehlenden kurdischen Staatsgebildes, das als politische Kraft die kurdische Sprache pflegt und fördert, nicht von einer standardisierten Schriftsprache sprechen kann, haben sich gleichwohl schriftliche Standards (in den beiden Hauptdialekten) entwickelt, die denen einer standardisierten Staatssprache sehr nahe kommen.
Eine regelrechte kurdische Literatur existiert seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und beginnt mit den Liebesdichtungen und mystischen Epen des Melaye Ceziri (Malaye Djisiri), die bis heute noch von den Kurden gesungen werden. Ebenfalls in diese Epoche, in das 17. Jahrhundert fällt die Liebesdichtung „Mem u Zin“ des wohl berühmtesten kurdischen Dichters Ehmedê Xanê (Ahmede Khane). Nordkurdisch ist die bevorzugte Literatursprache dieser Epoche.
Die Literatur des 19. Jahrhunderts ist geprägt von einem national-romantischen Grundton sowohl in Nord- als auch in Mittelkurdisch. Nach dem 1. Weltkrieg entstand dann eine realistische, politisch engagierte Dichtung, die sich bis in die Gegenwart fortentwickelt hat. Es war der kurdische Sprachwissenschaftler, Autor und Journalist Celadet Bedirxan (Djaladat Badir-Khan), der in seiner Zeitschrift „Hawar“, die am 15. August 1932 erstmals erschien, im Jahre 1943 jedoch verboten wurde, eine Grammatik für das Nordkurdische veröffentlichte, die bis heute mit einigen Veränderungen ihre Gültigkeit besitzt.
Seit diesem Zeitpunkt kann man sagen, dass es feststehende Standards in der Schriftsprache des Nordkurdischen gibt, die in nahezu allen kurdischen Schriften, von Zeitungen, Zeitschriften, Lehrbücher bis zu den zeitgenössischen Werken kurdischer Schriftsteller akzeptiert und berücksichtigt werden. Obwohl es im Nordkurdischen, je nach Mundart, unterschiedliche Ausdrücke für einen bestimmten Begriff gibt, so ist der Nordkurdisch sprechende Leser doch in der Lage, kurdische Publikationen, egal wo und durch wen sie in Kurdistan oder Europa entstanden sind, zu lesen und zu verstehen. Einige kurdische Wörterbücher, die in der letzten Zeit entstanden sind, helfen dem Leser, Begriffe zu klären, die ihm vielleicht aus seiner Mundart nicht bekannt sind.
Auch die Schriftsprache des Mittelkurdischen ist weitestgehend standardisiert. Im Gegensatz zum Nordkurdischen konnte das Mittelkurdische jahrzehntelang in den Schulen unterrichtet werden, es gab und gibt ein reges literarisches Schaffen sowie eine große Anzahl von Zeitungen und Zeitschriften in Mittelkurdisch, sodass sich gewisse Standards entwickeln konnten, die bis heute ihre Gültigkeit besitzen.
Auch gibt es in beiden Dialekten Bestrebungen, die reiche Fülle von mündlich überlieferten Erzählungen, Epen, Fabeln, Sprichwörtern und Märchen zu sammeln und schriftlich niederzulegen, von derartigen Sammlungen gibt es bereits zahlreiche Beispiele. Dies ist auch wichtig und notwendig, denn sonst würde dieser reiche Schatz der kurdischen mündlich überlieferten Literatur unwiederbringlich verloren gehen. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle als Beispiel eine sehr alte Erzählung aus der Region Erzurum vorstellen, die von dem großen Orientalisten Peter Lerch im Nordkurmandji – Dialekt aufgeschrieben wurde:
Ein Gelehrter lieh sich eines Tages von einem Nachbarn einen Kessel. Der Besitzer des Kessels war ein
schlechter Mann und der Gelehrte mochte ihn nicht. Nachdem der Kessel einige Tage bei ihm geblieben war, klopfte der Besitzer des Kessels an die Türe des Gelehrten und verlangte den Kessel. Der Gelehrte stellte einen kleinen Kessel in dessen Kessel. Der Besitzer des Kessels, als er sah, dass in seinem Kessel ein kleiner Kessel stand, sagt: Dieser kleine Kessel ist nicht mein Kessel. Der Gelehrte antwortete: Nachdem ich den Kessel angenommen hatte, schrie etwas, ich schaute nach und sah, dass der Kessel schwanger war. Der Kessel gebar, es ist dein Eigentum, nimm es. Der Eigentümer des Kessels freute sich sehr und sagte: Gott der Erhabene vermag alles. Er nahm seinen Kessel und ging.
Im zweiten Monat darauf machte sich der Gelehrte auf, um wiederum einen großen Kessel zu verlangen. Der Gelehrte nahm den Kessel und trug ihn nach Hause. Der Eigentümer des Kessels wartete einen Monat, bis er ihn zurückverlangte. Der Gelehrte weinte: Es ist ein Unglück passiert, es war ein schöner großer Kessel, aber er ist gestorben.
Der Besitzer des Kessels sagte: Der Kessel ist gestorben? Das ist nicht möglich. Der Gelehrte antwortete: Damals, als dein Kessel gebar, war Gott der Erhabene mächtig und jetzt glaubst du nicht, dass dein Kessel gestorben ist.
c) Die Entwicklung der Fremdeinflüsse (Interferenzen) in der kurdischen Sprache
Vergleicht man die Einflüsse der genannten Sprachen auf die kurdische Sprache, so stellt man, unter Zugrundelegung von schriftlichen Überlieferungen literarischer Texte, eine abnehmende Tendenz fremder Einflüsse fest.
Würden wir uns jetzt gemeinsam aus den Werken der kurdischen Dichter Melaye Cizîrî und Ehmedê Xanî Textbeispiele ansehen, belegen diese einen starken Einfluss persischer und arabischer Lehnwörter.
Untersucht man zeitgenössische kurdische Texte, stellt man fest, dass die Interferenzerscheinungen in der kurdischen Sprache eine abnehmende Tendenz haben, zahlreiche Beispiele aus Rundfunk- und Fernsehberichterstattung, Zeitung und auch in literarischen Texten sind zu finden.
Die Unterschiede sind offensichtlich. Was ist aber der Grund für eine Rückkehr zu den Wurzeln der kurdischen Sprache, trotz ihrer Unterdrückung und Überfremdung ?
Vielleicht sind es gerade diese Gefahren einhergehend mit dem Prozess des Verlierens der eigenen Identität, die als Reaktion auf die drohende Gefahr eine "Sprachloyalität" unter den kurdisch sprechenden Menschen als Abwehrmechanismus aktiviert ?
Unter dem Begriff "Sprachloyalität" versteht man in der Allgemeinen Sprachwissenschaft einen Bewußtseinszustand, bei dem die Sprache als geschlossene Einheit und im Gegensatz zu anderen Sprachen einen hohen Rang in der Skala der Werte einnimmt, einen Rang, der der Verteidigung würdig und bedürftig ist.
Der Rückkehrwille zu den Ursprüngen der kurdischen Sprache macht einen Widerstand deutlich, einen Widerstand als legitimen Schutzmechanismus gegen die gewaltsame Unterdrückung der kurdischen Sprache durch die vier Besatzerstaaten Kurdistans.
Die Wurzeln dieser Loyalität zur eigenen Sprache sind nicht in einem übersteigerten Nationalismus zu finden, sondern sind zunächst einmal in dem Gefühl zu suchen, das in jedem Menschen von Natur aus innewohnt:
Die gefühlsmäßige Bindung an die eigene Muttersprache, wie man sie in seiner Kindheit erlernt hat und der natürliche Wunsch, sie zu bewahren.
Es bedeutet aber auch, sie als kulturellen Faktor der kurdischen Muttersprachgemeinschaft in einem politischen Kampf um die eigene Identität einzusetzen, um sie vor dem Untergang zu bewahren.
Es muss nicht sein, dass die Loyalität zur kurdischen Sprache mit nationalistischen Bestrebungen einhergeht. Auch die Rätoromanen und die italienischen Schweizer haben immer die volle Loyalität gegenüber ihrer Sprache kultiviert, ohne dass nationalistische Ziele wie Unabhängigkeit angestrebt wurden.
Das setzt aber die Freiheit voraus, die eigene Sprache in der Heimat kultivieren zu dürfen, die im letzten Jahrhundert kaum bestanden hat und derzeit, mit einigen Ausnahmen, auch nicht besteht.
a) In der Heimat
Die Geschichte der Kurden und ihrer Sprache war nicht immer eine Geschichte der Unterdrückung, jedoch war dies über weite Strecken der Fall. Eine ins 7. Jahrhundert zurückgehende, die kurdische Sprache sehr prägende Unterdrückung war die seit der arabischen Invasion ausgeübte Zwangsislamisierung. Kurdische Gelehrte, die zu dieser Zeit meistens die einzigen waren, die im Volk lesen und schreiben konnten, waren nun gezwungen, dies in der neuen Amts- und Religionssprache Arabisch zu tun. Der arabische Einfluss erstreckt sich daher auch fast gleichmäßig auf alle kurdischen Dialekte und Mundarten.
Die massivsten Spuren der Unterdrückung bis zum Versuch der völligen Auslöschung der kurdischen Sprache haben jedoch im 20. Jahrhundert ihren Anfang genommen und üben bis heute ihr zerstörerisches Wirken aus, obwohl es gerade in letzter Zeit, gewissermaßen als eine Art Gegenreaktion, insbesondere bei Literaten und Intellektuellen, ein Rückbesinnen auf die eigene Sprache als Medium für Kommunikation und Kunst gegeben hat.
Unter den Umständen, dass die kurdische Sprache in fast allen Teilen Kurdistans (mit Ausnahme des irakischen Teiles) teilweise verboten oder aber nicht in den Schulen unterrichtet bzw. die Publikationen in kurdischer Sprache verboten waren, hat die kurdische Sprache insbesondere in der Türkei eine Art Stillstand bis hin zur Verarmung erlebt.
Einer Politik aggressiver Assimilation unterworfen, blieb vielen Kurden nichts anderes übrig als in den offiziellen Staatssprachen wie Türkisch, Arabisch und Persisch zu schreiben bzw. zu singen. Viele im Nahen Osten bekannte Autoren und Künstler sind kurdischen Ursprungs, einige davon haben sich auch in Europa einen Namen gemacht wie der Autor Yasar Kemal, der kein einziges Wort in kurdischer Sprache geschrieben, aber viele traditionelle kurdische Märchen und Fabeln zur Grundlage seiner Bücher gemacht hat.
Meine Damen und Herren,
wie Sie aus diesen Ausführungen entnehmen können, ist die Unterdrückung der kurdischen Sprache in der Heimat sehr unterschiedlich, je nach der politischen Situation der Besatzerstaaten.
So gab es in Irakisch-Kurdistan Zeiten, wie jetzt zur Zeit auch, freie Entfaltungsmöglichkeiten der kurdischen Sprache, vom Schulunterricht bis zum Hochschulstudium und eine breite Palette kurdischsprachiger Publikationen; auch in den kurdischen Enklaven in der ehemaligen Sowjetunion gab es eine relative Freiheit für die Entfaltung der kurdischen Sprache, während dessen es in Nordkurdistan/Türkei seit Gründung der türkischen Republik eine ununterbrochene Repression gab, die soweit ging, dass Personen verhaftet wurden, nur weil sie auf öffentlichen Plätzen Kurdisch gesprochen haben.
Auch im syrischen Teil Kurdistans wird der kurdischen Sprache keinen Platz im öffentlichen Leben eingeräumt, weder in der Schule noch in anderen staatlichen Institutionen ist sie erlaubt.
b) Im Exil
Exil ist für viele Kurden nicht nur das europäische Exil, sondern auch das Exil in den türkischen Großstädten und im Westen der Türkei.
Dieses Exil der Hoffnungs- und Chancenlosigkeit der vielen kurdischen Heimatvertriebenen bietet ausschließlich negative Vorzeichen für den Erhalt der kurdischen Sprache und damit der Identität von Millionen von Menschen.
Nur die Beherrschung der türkischen Sprache bietet überhaupt eine Chance auf einen Arbeitsplatz, darüber hinaus werden Kurdisch sprechende Menschen schnell verdächtigt, „Separatisten“ zu sein und auch von den zwar vorhandenen kurdischsprachigen Publikationen wird jede zweite Ausgabe beschlagnahmt. Wer seine Identität nicht freiwillig aufgibt, hat keine Chance auf ein menschenwürdiges Dasein außerhalb der Geccekondos und so ist es kein Wunder, dass es viele kurdische Menschen nach Europa zieht.
Aber wie sind die Möglichkeiten auf Wahrung und Entfaltung der kurdischen Muttersprache in Europa?
Es herrscht Pressefreiheit und daher gibt es zahlreiche kurdische Publikationen, Zeitungen, Zeitschriften, kurdische Rundfunksendungen und auch eigene kurdische Fernsehkanäle wie MEDYA-TV. Allerdings setzt die Möglichkeit zur Teilnahme an diesem Angebot voraus, dass man seine Muttersprache in Wort und Schrift erlernen kann. Besteht diese Möglichkeit aber tatsächlich?
Im europäischen Exil haben kurdische Kinder - wie für Angehörige anderer Nationen selbstverständlich - kein Recht auf Schulunterricht in ihrer Muttersprache.
Zwar gibt es eine europäische Richtlinie zur schulischen Ausbildung von ausländischen Kindern in der Europäischen Gemeinschaft, deren Artikel 3 besagt:
„Ferner ergreifen die Mitgliedstaaten ......die notwendigen Maßnahmen, um unter Koordinierung mit dem normalen Schulunterricht die Unterrichtung dieser Kinder in ihrer Muttersprache und der Kultur ihres Herkunftslandes zu fördern“,
aber die Umsetzung dieser Forderung, was die kurdischen Kinder und ihre Muttersprache anbetrifft, ist in den meisten Staaten der europäischen Gemeinschaft völlig unzureichend.
So gibt es in der Bundesrepublik Deutschland zwar einige Bundesländer wie Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die erste Schritte in der Einführung eines muttersprachlichen Unterrichts für kurdische Kinder unternommen haben, das ganze geschah aber oft nur unter schwierigen Umständen und großen Widerständen. Bisher wurde den aus der Türkei stammenden kurdischen Kindern der türkische Sprachunterricht verordnet - ein politischer Zynismus, wenn man bedenkt, dass die Praxis ihrer Unterdrücker -die ausschließliche Geltung und Unterrichtung der türkischen Sprache- im Exil fortgesetzt wird.....
Das Gesagte gilt ebenfalls für die Erforschung der kurdischen Sprache an den europäischen Universitäten. Obwohl es ca. 30-40 Millionen Menschen gibt, die Kurdisch sprechen und obwohl in Europa weit über eine Million Kurden leben, wird die kurdische Sprache an den europäischen Universitäten außerordentlich stiefmütterlich behandelt.
Nur an der Universität von Paris gibt es eine kurdologische Abteilung, ansonsten wird die kurdische Sprache an europäischen Universitäten nur als Randgebiet der Iranistik behandelt. Traurige Tatsache ist jedenfalls, dass man sich zu Ende des 19. Jahrhunderts, als sowohl den Kurden Europa und den Europäern die Kurden kaum bekannt waren, sehr viel intensiver mit der kurdischen Sprache auseinander gesetzt hat als heute.
Alle diese Maßnahmen bzw. Unterlassungen erfolgen mit dem einen Ziel: Man will die kurdische Sprache als den wichtigsten Teil der Identität eines Volkes verkümmern und letztlich sterben lassen. Leider haben die demokratischen Völker des Westens diese Politik bisher unterstützt oder zumindest nichts dagegen unternommen.
Zum Abschluss meines Vortrages möchte ich Ihnen ein Gedicht vortragen, das das ganze Elend der kurdischen Sprachlosigkeit und die Identitätsvernichtung, die durch die Unterdrückung der Sprache an den kurdischen Menschen betrieben wird, deutlich macht. Das Gedicht hat den Titel „Tochter Maras“. Gemeint ist damit die Stadt Kahramanmaras, eine Großstadt in Nordkurdistan / Türkei, in der überwiegend Kurden leben, die aber das Gesicht, die Identität dieser Stadt nicht prägen dürfen, alles, die Fassade, die Lebensart, Politik und Kultur, Erziehung und Sprache hat Türkisch zu sein, also eine Tochter Kurdistans, deren Erzieher und Vater aber nur eine Denkrichtung zulässt..... aber hören Sie selbst......
Tochter Maras
(Oktober 1998)