Statement Onkelz am 24.5.2004

 

24.05.2004
Adíos
2 Fakten! Fakt zwei: Das neue und letzte Studio-Album der Onkelz wird den inhaltsschweren Titel „Adios“ tragen.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Das LETZTE Studio-Album. Der Titel resultiert nämlich direkt aus Fakt eins: Die Onkelz nehmen ihren Hut. Natürlich ist das auf den ersten Blick ein Schock für euch und nicht zuletzt auch für die Onkelz selbst, die sich diese Entscheidung alles andere als leicht gemacht haben. Aber – seien wir ehrlich zu uns – das ist die logische Konsequenz aus allem. Aus den vergangenen 24 Jahren, aus dem Keller in Hösbach und der ausverkauften Festhalle in Frankfurt. Die Onkelz hatten nie die Ambition, als Rockeremiten mit ergrautem Haar auf dem Rockolymp anzukommen, sondern wenn mit vollem Elan und nicht schon auf dem absteigenden Ast sitzend. Mit dem Maximum an möglicher Fahrt und Rückenwind den Höhepunkt erreichen. Während den ersten Anfängen der Arbeiten an „Adios“ manifestierte sich der Gedanke immer mehr in Vers- und Liedform, dass dieser Zeitpunkt möglicherweise genau jetzt gekommen sein könnte. Eine ausverkaufte Tour – größer als je zuvor –im kommenden Herbst, das Album wäre schon das vierte in Folge, das auf der 1 landen würde. Was soll noch kommen? Größer geht’s nicht und möglicherweise auch nicht besser. Bevor das „möglicherweise“ von der entscheidenden Instanz – nämlich euch – in den nächsten Jahren durch ein „natürlich“ ersetzt werden kann, reichen wir hiermit selbst unseren Rücktritt ein.

Im Moment läuft die Onkelz-Maschinerie noch auf vollen Touren und wir sind der Überzeugung, dass wir alle Trademarks der Onkelz zu 100% vertreten und leben. Natürlich könnten wir noch 10 Jahre den gleichen Stiefel runter spielen, den Rahm unserer Arbeit abschöpfen und vielleicht würdet ihr den Unterschied nicht merken. Aber das Onkelz-Ding basierte schon immer auf dem Prinzip der konsequenten Ehrlichkeit und der ehrlichen Konsequenz. Das sind wir uns und damit letztendlich auch euch schuldig. Die ist Zeit da, wo es heisst, die ultimative Konsequenz zu ziehen:

Wir hören auf!

Wir tun dies nicht aus Resignation oder im Streit, aber aus der Überzeugung heraus, dass jetzt jedes Onkelz Lied gesungen ist.

Diese Meldung wird die Mehrzahl von euch vermutlich zunächst schocken, aber mit der Zeit werdet ihr erkennen, was wir hier eigentlich vollzogen haben:

Den letzten und endgültigen Arschtritt für alle, die uns in den vergangenen 24 Jahren das Leben schwer machen wollten.

Demnächst werdet ihr dazu nochmal ein paar Takte von uns persönlich zu hören bekommen.

Adíos!

Die Onkelz

Statement Stephan 25.4.2004

 

25.05.2004
Goodbye Onkelz, hello Rest meines Lebens
Punkt 1:
Es gibt kein großes Kunstwerk ohne Tragödien.

Wir kündigen und ich entlasse mich! Nicht fristlos und nicht mit sofortiger Wirkung, aber wir läuten das Ende ein. Keine leichte Entscheidung. Nein, die schwerste meines Lebens. Eine, die verdammt weh tut. Eine, die mir mehr als eine Träne abgerungen hat. Etwas woran man sein ganzes Leben gearbeitet hat, beendet man nicht einfach so. Trotzdem sah ich unser Ende mit eindrucksvoller Klarheit auf mich zu kommen. Nach eine endlosen Folge von Tourneen, Hotelzimmern und Aufnahmestudios wird es Zeit für uns, die Stühle hoch zu stellen und den Laden dicht zu machen. Warum, werdet ihr euch fragen? Nun ja, nach dem Stones Konzert im letzten Jahr musste ich mich fragen: „Was soll danach noch kommen?“ Während der Arbeit an "Adios" stellte ich mir von Lied zu Lied die Frage, können wir das toppen? Können wir da noch einen drauf setzen? Ich glaube, in dieser Konstellation wird es verdammt schwer. Nein, um ehrlich zu sein, ich glaube das wir in dieser Konstellation den Höhepunkt unseres Schaffens erreicht haben und Wiederholungen sind Scheiße. Mit diesem Bewusstsein weiter zu machen, hieße für mich nur noch den "Rahm" abzuschöpfen und unsere Musik zu einer Ware verkommen zu lassen. Und gut verdrängt heißt für mich nicht halb gewonnen. Ich kann nur machen, was ich fühle und dies ist meine Art, die Dinge zu sehen. Dies ist mein Weg. Ich stehe vor dem Sprung ins kalte Wasser, ich betrete unbekanntes Terrain. Ich weiss, ich werde eine tiefe Leere spüren. Die Lücke, die die Onkelz hinterlassen werden, ist schwer zu füllen. Aber irgendwann muss Schluss sein mit der Abhängigkeit von anderen, und deren Abhängigkeit von mir. Ich versuche nach vorne zu sehen.

Punkt 2.
Mo|ral|phi|lo|so|phie.

Jeder Künstler hat ein persönliches Interesse am eigenen Erfolg. Das ist legitim, wie ich finde. Hat man es einmal geschafft, hält man normalerweise am besten einfach durch, bis alles geregelt und in trockenen Tüchern ist. Weniger wahrscheinlich ist es, dass man den eigenen schrittweisen Niedergang bemerkt. Ich hatte niemals Lust auf die Rolle des Goldesels reduziert zu werden, der meine und die Infrastruktur anderer finanziert. Bei den Onkelz ging es immer um mehr. Um viel mehr. Wer über mehr als zwei Dekaden dermaßen hochtrabende Moralphilosphie wie wir verfasst, der muss sich täglich selbst hinterfragen, ob er seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird. Das tue ich und ich hoffe, die Jungs machen das auch. Die Onkelz, und das war uns schon immer bewusst, haben ein begrenztes Haltbarkeitsdatum. Nicht unsere Musik, sondern im besonderen unsere Inhalte – das, wofür wir seit 24 Jahre stehen. Wir haben mehr als einmal betont, nicht im Onkelzkostüm sterben zu wollen. Dafür gab und gibt es gute Gründe. Zu viele Reunions alter Helden, zu viele Bands, die uns weit über ihren Zenith hinaus mit überflüssigen Platten und peinlichen Konzerten penetrieren. Bands, die ihre Rebellion an der Garderobe der Industrie abgegeben haben, oder verzweifelt ums eigene Überleben kämpfen müssen. Nicht mit mir und der Gedanke so enden zu können, drängte zu penetrant in meine Welt. Wer so konsequent konsequent war, muss es auch bei einer so schweren Entscheidung sein.

Noch fühlen wir den puren, ehrlichen Zorn, der uns immer angetrieben hat und lange bevor jemand auf die Idee kommen könnte uns nahe zu legen aufzuhören, teilen wir euch mit:
Dies ist unser letztes Studio Album und unsere letzte Tournee. Das ist unumstößlich.
Darüber hinaus würden wir uns freuen, 2005 zu unserem 25-jährigen Jubiläum ein Abschiedskonzert geben zu können. Ein Vierteljahrhundert Onkelz, das wäre eine amtliche Hausnummer.
Der Rest verschwindet sowieso in Emotionsnebel und Erschöpfung. Danke Euch allen.

Stephan

 

Statement Pe am 27.5.2004

27.05.2004
Adíos von Pe
Liebe Trauernde,

das ist natürlich ein Schock für Euch, eine Tatsache, die wir Onkelz, schon ein paar Wochen länger wissen als Ihr und deshalb mehr oder minder schon einigermaßen verdaut haben. Nichts desto Trotz kommt im nächsten Jahr eine
einschneidende Veränderung auf jeden von uns zu und wie diese aussieht, wird sich erst noch zeigen, deshalb gibt es auch für uns Ungewissheit und damit ein paar Bedenken, vom schweren, schmerzlichen Verlust dieser monumenta- len, spirituellen Institution und der kosmisch auferlegten Bruderschaft, einmal abgesehen; Veränderungen sind aber das natürlichste der Welt und deshalb ist es besser, den Blick nach vorne zu richten. Eins ist sicher, eine Band wie die Onkelz wird es nicht mehr geben und Stephan hat recht, es ist gut, uns in bester onkeliger Erinnerung zu behalten und nicht als alte dahinsiechende Opas, das würde unseren verkörperten Spirit nachhaltig verwässern und der Legende Onkelz nicht gerecht werden. Ihr müsst den Geist jetzt alleine weiter in Euch tragen
auch wenn Ihr dabei nur auf die Musik und die Texte hören müsst, die als Vermächtnis von uns an Euch geblieben sind. Zwar wird es keine neuen Studio-Onkelz-Scheiben mehr geben, aber ich denke, dass Ihr bestimmt von dem einen oder anderen von uns noch etwas zu sehen oder zu hören bekommt. Und das beste ist doch, dass alles eins ist, eigentlich waren wir nie weg und werden nie weg sein, weil auf einer gewissen Ebene nichts verschwindet und es dort keine Zeit gibt. Wir alle sind ein und dasselbe Ding. Wir umarmen Euch endlos auf jener Ebene und in dieser bis zum Schluss. Und jetzt lasst uns den Schluss noch mal feiern, dass es qualmt, um allen anderen zu zeigen, wer die geilste Band und die geilsten Fans sind. Wir sehen uns auf den Konzerten!
Viel Spaß auch mit dem neuen Longplayer und der Single, sie sind wirklich noch mal ein richtiger Knaller geworden.

Gruß an Alle,

P
e

 

Statement Gonzo am 1.6.2004

 

01.06.2004
200.000 Onkelz
Liebe Leute,

immer wenn ich mir Eure Einträge im Gästebuch durchlese dann rührt es auch ganz kräftig in mir. Ihr sprecht mir aus der Seele. Soviel geht einem im Kopf herum, die Trennung der Band wird von allen Seiten beleuchtet, durchleuchtet, verworfen, neu abgetastet – es hört nie auf. Dauernd ergeben sich neue Aspekte, neue Perspektiven, man kann die Geschichte je nach Tageszeit oder Laune so oder so betrachten.
Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass das Leben seit unserem Entschluss auch für mich/uns alles andere als einfach ist.
Ein Beispiel:
Letzten Donnerstag beendete ich die Gitarrenaufnahmen zum „Adios“- Album, unserem letzten Studioalbum. Stephan und ich standen mit Michael, unserem Freund und Toningenieur, im Regieraum und hörten uns die zuletzt aufgenommene Nummer noch einmal an. Dann sagte Stephan, was mir auch die ganze Zeit im Kopf herumgeisterte: „Das waren deine letzten neuen Noten für die Onkelz.“ Schweigen. Tausend Dinge, die im Kopf und im Bauch und in der Seele Karussell fahren. Puh, verdammt ja, es ist tatsächlich das letzte Album, das wir produzieren, zu dem ich gerade meinen Part beendet habe. Zwei Herzen schlagen in mir: Zum einen der Stolz auf die geleistete Arbeit, auf die wohl besten Songs seit langem - auf puren Rock ´n Roll. Auf den Spaß am Rocken, der sich komischerweise trotz unseres Abschieds einstellte und mich durch die ganze Produktion begleitet hat. Warum waren wir so locker, wie schon lange nicht mehr und so voll positiver Energie? Kam vielleicht so etwas wie ein „jetzt erst recht - und wir sind noch lange nicht tot“-Gefühl auf? Perplex. Zum anderen natürlich das Ende der Band, die Frage nach dem danach. Es geht mir wie Euch, pendeln zwischen Positivem und Negativem.
Dabei gibt es eigentlich keinen Grund lange traurig zu sein. Unser gemeinsamer Spirit kann nicht einfach verschwinden, sich in Luft auflösen, als wäre er nie da gewesen. Auch mit dem Ende der Band nicht. Klar, der Schock sitzt tief und arbeitet täglich weiter in uns, aber er setzt auch neue Ideen in die Welt. Ihr und wir denken über etwas, das schon fast zum alltäglichen Leben gehörte wieder neu nach - und plötzlich tauchen alte, längst im Alltag verloren geglaubte Ideale und Gefühle wieder auf. Aufbruch. Und genau dass ist der Spirit von dem ich hier spreche und der eigentlich niemals enden wird.
Einmal Onkel - immer Onkel. Es ist schön zu erleben, dass unsere Einstellung auch von so vielen anderen verstanden und geteilt wird. Dass es ein Leben neben den Mainstream und der Normalität gibt. Gerade auch in Deutschland. Dass sich nicht jeder von irgendwelchen Konsumstrategen und Superschlauen an der Nase herumführen lässt - und schon gar nicht der lauteste Chor der Welt!
Und wer weiß, vielleicht kommt ja in Zukunft auch noch das ein oder andere neue von einem der Bandmitglieder? Bestimmt.
In diesen Sinn kann die Tour eigentlich nur der absolute Wahnsinn werden. Unvorstellbar. Ein Meer von Gefühlen und Gefühlsausbrüchen. Mann, die Gänsehaut läuft mir jetzt schon den Rücken runter. Das werden Wochen im Ausnahmezustand für uns alle.
Und mit „Alle“ meine ich ca. 200.000 Onkelz!
See You All!

GONZO

 

Statement Kevin


 

02.06.2004
NICHTS IST FÜR DIE EWIGKEIT...
Hey Leute! Ich schliesse mich meinen Band-Kollegen an. Alles hat ein begrenztes Haltbarkeitsdatum. So auch wir. Das heißt nun nicht, dass wir in der Ecke liegen und vor uns hinvegetieren und vielleicht schon verschimmeln. Jeder aus der Band hat sich irgendwo weiterentwickelt. Und da es noch ein Leben neben der Band gibt, haben Stephan, Gonzo, Pe und ich eigene Pläne.

Wir haben uns entschlossen aufzuhören, wenn alles am geilsten ist. Dieser Zeitpunkt ist nun da - es ist Zeit zu gehen. Aber noch nicht endgültig. Mit der neuen Single und dem Album werden wir Euch bestimmt nicht enttäuschen. Und auf der Tour lassen wir es dann zusammen alle noch einmal so richtig krachen! WAS HABT IHR AUCH ANDERES ERWARTET? Ihr seht, es wird auch in der Zukunft noch einiges zu hören und auch zu sehen geben. Wenn wir jetzt zurücktreten, existieren die Onkelz in Euch weiter. Selbst dann, wenn wir längst zu Staub verfallen sind, werden für Euch die Lieder immer da sein.

Lange haben wir Euch gezeigt wie’s geht. Zeigt, was Ihr gelernt habt! Jetzt seid Ihr dran!!!

Ciao Leute, macht’s gut und bleibt weiter böhse. Ihr seid echt die Geilsten!

Jetzt freuen wir uns erst mal auf die Tour! Wir sehen uns!

Adios - Euer Kevin

 

Böhse Onkelz
Interview mit Stephan Weidner, Juli 2004

Das folgende bitte NICHT überschreiben!

----------------------------------------------- Der einleitende Text: Die Böhsen Onkelz hören auf. Nach 24 Jahren eines wilden und höchst erfolgreichen Ritts durch die deutsche Musiklandschaft, ist nun Schluß. Ein Schock für Fans, ein Seufzer der Erleichterung von Kritikern. Die Onkelz waren nie eine politisch korrekte Band, und um ehrlich zu sein – Gott sei Dank – wollten sie es auch nie sein. Diese Band aus Frankfurt provozierte, scherte sich einen Dreck um den Medienzirkus und ein schlechtes Image. Sie hatten ihren Spaß auf ihrem rauen, lauten und harten Gitarrentrip. Die Böhsen Onkelz überraschten viele, die glaubten, die Band würde einfach im Nichts verschwinden. Die Kritiker übersahen schlichtweg die riesige Fangemeinde, die loyalste im Musikgeschäft. Seltsamerweise war man als Fan der Onkelz ein Teil der Familie. Die Böhsen Onkelz lebten bist zum Schluß den Geist des Punks aus ihren Anfangstagen. Mit einem letzten Album und einer ausverkauften Tour verabschieden sie sich von ihren Fans und dem Phänomen Böhse Onkelz. Sie haben ihren Platz in der Musikgeschichte, klar und laut. Wird es nochmal eine Band wie diese geben? Wahrscheinlich nicht, denn die Onkelz haben etwas erreicht, was nicht geschehen durfte. Sie wurden zur Legende ohne anderen in den Hintern zu kriechen, ohne sich zu verbiegen, ohne das wichtige Musikfernsehen zu hofieren. Radio Goethe sprach mit Stephan Weidner über das letzte Kapitel in der Bandgeschichte. ----------------------------------------------- Das folgende bitte NICHT überschreiben!

----------------------------------------------- Beginn des Frage-Antwortpaares Ende des Frage-Antwortpaares Das folgende bitte NICHT überschreiben!
Radio Goethe: Eure neue Single ist auf Platz zwei in die deutschen Charts eingestiegen, Eure kommende Tour ist bereits ausverkauft. Warum hört er auf der Spitze Eurer Karriere auf?
Stephan Weidner: Genau deshalb. Wir wußten, dass die Onkelz ein frühes Ende haben werden, dass wir nicht so enden wie die Rolling Stones oder andere Bands, die wir in der Vergangeheit mochten und die es einfach zu lange gab. Uns war schon immer klar, dass wir aufhören, wenn wir ganz oben sind, wenn wir alles erreicht haben. Und dieses Gefühl haben wir jetzt.
Radio Goethe: Glaubst Du nicht, Eure Kritiker werten das letztendlich als Sieg?
Stephan Weidner: Das weiss ich nicht und das interessiert mich auch nicht. Wir haben diesen Entschluß getroffen, es ist ein Gefühl, das da ist, jetzt ist die Zeit gekommen. Wir haben nicht daran gedacht, wie die Medien darauf reagieren würden. Das ging von unseren Herzen aus.
Radio Goethe: Wann und wie habt Ihr diese Entscheidung getroffen. War es schon länger klar, noch bevor ihr am neuen Album “Adios” gearbeitet habt?
Stephan Weidner: Ja, das war es. Aus diesem Grund wollten wir auch, dass das Album sehr positiv klingt. Es ist für uns nicht das Ende der Musik. Es ist auf alle Fälle das Ende der Onkelz, aber es gibt ein Leben danach. Wir hatten das immer beim Schreiben der neuen Songs im Kopf und versuchten dem Album einen positiven “Touch” zu geben. Damit unsere Fans nicht zu sehr leiden. Also ja, wir wußten es seit einiger Zeit und sprachen schon seit längerem darüber.
Radio Goethe: Zurückblickend musstet ihr in den letzten 24 Jahren mit vielen umgehen, Eure Musik und die Band wurde nie richtig fair behandelt. Wie habt Ihr dieses ganzen Anfeindungen wegstecken können?
Stephan Weidner: Weil wir tonnenweise positive Reaktionen hatten. Und seltsamerweise hat uns das bestärkt, uns voran getrieben. Weißt Du, wir gehen damit gerne um, wir stellen uns gerne dem Sturm. Dagegen zu sein ist unsere treibende Kraft.
Radio Goethe: Wie werdet Ihr “Adios” live auf der letzten Tour präsentieren?
Stephan Weidner: Wir haben eine neue Bühne gebaut und werden sechs, sieben Songs von “Adios” live spielen. Die Bühne ist sehr ungewöhnlich, wir wollten etwas neues ausprobieren. Aber das ist schwer übers Telefon zu beschreiben. Das muss man einfach sehen.
Radio Goethe: Die Böhsen Onkelz ist nicht nur eine Band, es ist “Die Firma”, mit Konzertagentur, Merchandise, Plattenlabel. Was wird aus all dem?
Stephan Weidner: Auf alle Fälle wollen wir das Label am Leben erhalten und ich denke derzeit darüber nach, junge Bands aus Deutschland und aus dem Ausland zu produzieren. Doch das hängt davon ab, welche Demos wir bekommen. Das Label wird es weiter geben, die Merchandise Firma wird es natürlich auch weiterhin geben. Heute ist nicht der letzte Tag. Wir wollen auch noch einiges veröffentlichen, vielleicht eine Film-Dokumentation und natürlich eine Live-DVD und Live-CD von unseren letzten Shows und vielleicht dem allerletzten Konzert im nächsten Jahr zum 25jährigen Bestehen. Das wird eine riesige Abschiedsshow. Dieses langsame Ausscheiden macht es für uns und die Fans leichter. Wir streiten ja nicht in der Band, wir haben nur immer gesagt, dies ist ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören, oben an der Spitze. Das wollten wir schon immer. Es war eine harte Entscheidung, doch die mußte kommen.
Radio Goethe: Ihr habt Euer eigenes Label “Regel 23”, wie sehr werdet Ihr Euch in Zukunft dort einklinken?
Stephan Weidner: Das kann ich Dir noch nicht sagen. Darüber haben wir noch nicht nachgedacht. Ein Label ist immer ein finanzielles Risiko und ich weiß nicht, ob die anderen dieses Risiko mit mir eingehen wollen. Ich für meinen Teil werde an “Regel 23” arbeiten. Der Rest ist noch unklar, das wird sich zeigen. Die Onkelz haben uns so eingespannt, wir hatten noch keine Zeit darüber nachzudenken.
Radio Goethe: Ihr hattet noch keine personelle Veränderung in der Band und wie es sich heute hier anhört, gibt es auch keine persönlichen Schwierigkeiten unter Euch. Ist es also wirklich nur eine musikalische Entscheidung?
Stephan Weidner: Ja, denn es gibt so viele schlechte Beispiele von Bands, die es zu lange gibt. Die bringen nur noch Scheiße heraus oder kopieren sich selbst oder finden sich nach Jahren wieder zusammen und veröffentlichen ein Album, das keiner braucht. Wir wollen das nicht. Wir haben noch immer dieses Punk Gefühl in uns. Was ich sagen will ist, es kostet uns eine Menge, diesen Entschluß zu fassen. Wie schon gesagt, wir streiten nicht und haben auch keine Probleme miteinander. Aber wir werden auch älter und müssen einfach einsehen, dass man mit einem eventuellen weiteren Album und einer weiteren Tour in zwei, drei Jahren nicht unbedingt in einer besseren Verfassung ist. Allein diese Frage macht mich nachdenklich. Deshalb haben wir darüber gesprochen und sind zu diesem Schluß gekommen. Ja, das ist nicht leicht, aber, wie schon gesagt, wir sind davon überzeugt.
Radio Goethe: Im kommenden Jahr ist Euer 25jähriges Bestehen, wie werdet Ihr dieses letzte große Event feiern?
Stephan Weidner: Was ich mir zur Zeit vorstelle ist ein Konzert über zwei Tage. Uns gibt es schon seit 25 Jahren, wir haben so viele Songs, die wir nie in einem Konzert spielen könnten. Also wäre ein Festival klasse mit allen Bands, die uns über die Jahre unterstützten. Und wir sind Headliner bei beiden Shows, am ersten Abend spielen wir vielleicht nur die alten Sachen und die neueren am zweiten, so in der Art. Es wird auf alle Fälle klasse für die Fans werden.
Radio Goethe: Onkelz Fans sind sehr loyal, die Liebe zur Band brachte sie zusammen. Für viele kam Euer Entschluß als ein Schock. Gibt es ein paar Abschlußworte von Dir?
Stephan Weidner: Das ist schwer zu sagen. Wir geben ihnen ein gutes Gefühl, es gibt ein Leben nach den Onkelz, sei nicht so traurig. Natürlich haben wir auch einen Good-bye Song, der allerdings nicht traurig ist, denn das sind wir auch nicht. Es war so eine unglaubliche Karriere, in der wir Geschichte schrieben. Wir sind stolz darauf und wollen uns mit dem besten Gefühl davon verabschieden. Und ich hoffe, die Fans machen das gleiche.
Radio Goethe: Einige Fans hier drüben wundern sich über Euren Mexiko/Spanien Einfluß in Eurer Musik, woher kommt der?
Stephan Weidner: Ich habe ein Grundstück in Costa Rica und ich fühle mich sehr wohl in Mittel- und Südamerika. Habe dort viele Freunde und empfinde eine Art Verbundenheit. Spirituell hatte ich eine interessante Erfahrung in Mexiko. Das war für mich etwas besonderes in diesen Ländern zu reisen. Das könnte der Grund sein. Und ich verbringe viel Zeit in Spanien, ich mag die Spanier.
Radio Goethe: Ich wünsche Euch viel Glück für alles was da auf Euch zu kommt.
Stephan Weidner: Thank you for all your support.

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 13.07.2004 21:31

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