Hallo!
Ich schreibe wie viele andere auch, gerne Geschichten. Sie sind nicht sonderlich gut, aber vielleicht hat der ein oder andere doch mal Lust was zu lesen. Ich selbst lese nämlich total gerne, leider fehlt mir häufig die Zeit dazu. Meine allerliebste Schriftstellerin heißt "Barbara Wood", sie hat nen tollen Schreibstil und ich liebe ihre Bücher. Eines der Bücher, das ich besonders gut fand ist z.B. "Die Prophetin" und "Seelenfeuer" ist auch super. Ich gehe hier und jetzt nicht näher drauf ein ** (siehe unten), aber wenn ihr mal nichts habt, dann fragt in der Bücherei oder bei euren Eltern (für die Jüngeren von uns), mal nach Büchern von Babara Wood. Vielleicht kennt der ein oder andere sie ja. :o)
Ich habe diese Geschichten mit Bildern geschrieben, wenn irh die Bilder sehen wollt, dann geht auf www.diesims.de oben auf "Tagebücher" und sucht nach den Tagebüchern von "Staubsauger*w*". :o)

Geschichten:
1. "Nur eine Nacht.." >> In dieser Geschichte geht es um die letzten Momenten im Leben einer eigentlich glücklichen Familie.
2. "Ausschnitt aus dem Leben einer Schriftstellerin" >> In dieser Geschichte geht es um eine Frau, die versucht einen Artikel über den Sinn des Lebens zu schreiben. ;o)
3. "Doppeltes Spiel" >> In dieser Geschichte geht es um eine Frau namens Natascha, welche in der "aktuellen Welt" (in England) lebt, sie lernt Selene kennen, eine Frau aus Ägypten, welche geheimnissvolle Fähigkeiten besitzt und Natascha nicht ganz die Wahrheit über sich sagt. Die Zwei lernen sich kennen und machen sich gemeinsam auf die Reise von England nach Alexandria.
Nur eine Nacht..
Ihre Füße waren fast gefroren, ihre Hände brannten, sie weinte. „Mein Kind.“, dachte sie und stolperte über einen Stein, ihre Füße fing an zu bluten, aber sie spürte fast nichts mehr. Sie kniete sich hin "Gebt mir mein Kind zurück!" schrie sie. Der stechende Schmerz in ihrem Herzen war unerträglich. Sie kniete sich langsam hin, beugte sich nach vorne und trommelte mit ihren Händen auf den Asphalt. Sie spürte nichts, der Schmerz in ihrem Herzen war zu groß und zu mächtig um ihn zu bekämpfen. Sie legte sich auf den Boden und dachte zurück...
Sie war glücklich verheiratet und hatte viele Freunde. Zu ihrem Glück wurde sie schwanger und alle ihre Freunde sowie ihr Mann freuten sich mit ihr! Dann war es endlich da! Ein kleiner Junge, den sie Sam nannte! Es war ihr größter Wunsch gewesen ein Kind zu bekommen und jetzt lag es dort in der Wiege und schlief. Er sah so friedlich aus und wie kleiner doch war! Die Geburt hatte sie gut überstanden und durfte schon nach zwei Tagen wieder nach Hause. Und da lag er nun, ihr lieber Sohn Sam.
Eines Abends dann bekam sie einen Anruf vom
Jugendamt:
„Es tut uns
Leid ihnen Mitteilen zu müssen das wir ihnen ihr Kind entziehen müssen, aber uns
sind beschweren über ihren Umgang mit ihrem
Sohn Sam zu Ohren gekommen! Wir holen ihn gleich ab, ein
Mitarbeiter von uns ist schon auf dem Weg zu ihnen! Auf
Wiederhören!“
Sie dachte es wäre ein schlechter
Scherz gewesen, sie konnte es nicht glauben und rief ihren Mann zu sich.
„Mike,“, sagte sie mit zitternder Stimme „Mike, das Jugendamt hat angerufen! Sie
wollen mir unser Kind wegnehmen! Sie sind schon unterwegs! Pack Sam’s ich hole
das Kind, wir müssen weg hier!“ Sie war total hektisch und die Tränen stiegen
ihr in die Augen. Sie hatte sich umgedreht und wollte Sam holen, aber Mike
rührte sich nicht.
„Was hast du?“ schrie sie hysterisch. „Warum tust du nichts?“, doch es stand nur da, hätte er doch was getan, irgendetwas. „Was ist?“, fragte sie wieder, doch er drehte sich um, nahm ein Buch und fing an zu lesen. „So ist das also,“, dachte sie „so viel Wert bin ich dir also! Ich gehe.“. Wortlos nahm sie ihr Kind auf den Arm und verlies das Haus. Als sie hinter sich ein Auto hörte begann sie zu rennen. „Nein.“, dachte sie „Nein, das ist alles nicht war es ist nicht real. Die dürfen mir doch mein Kind nicht wegnehmen!“ Das Auto hielt vor ihrer Haustür und ein Mann stieg aus dem Wagen aus, klingelte and er Tür und redete eine Weile mit ihrem Mann. Sie drehte sich um und lief Richtung Stadt. Es fing an zu regnen und sie versuchte ihr Kind vor dem Regen zu schützen. Sam fing an zu schreien. „Pssst, leise mein Engel!“, sagte sie zu ihm und er beruhigte sich ein wenig. Aber wo sollte sie denn jetzt hin? Wo leben mit ihrem Sohn? Warum hatte Mike denn nichts getan? Wieso wollten die denn überhaupt ihr Kind?
„Nein,“, dachte er „ich träume
nur.“. Er nahm sein Buch, setzte sich wieder aufs Sofa und
lies weiter. „Hmm, komisch. War da gerade das Jugendamt und
fragte nach meinem Kind? Was habe ich ihnen geantwortet auf die
Frage wo mein Kind, der kleine Sam, denn seie? Waren überhaupt
welche da?“, er legte sein Buch zur Seite und ging in die
Küche. Er sah sich um und rief : „Mirjam? Sam? Wo seid
ihr?“. Keiner Antwortete. „Wo sind sie denn?“,
fragte er sich. „Es war echt? Es war kein Traum! Sie ist weg
und meinen Sohn werde ich nie wieder sehen.“ Tränen liefen
über seine Wangen. „Warum habe ich nichts gemacht?“,
schrie er wütend. Er ging ins Badezimmer an den Medikamentenschrank
und nahm die Schlaftabletten heraus, die seine Frau vor Begin der
Schwangerschaft wegen ihrer Schlafstörungen nehmen musste.
„Mein Leben ist zu Ende!“, sagte er entschlossen, nahm
sich eine Hand voll der Tabletten und schluckte sie runter. Dann
ging er nach oben ins Schlafzimmer und legte sich hin. Er wachte
nie wieder auf.
Das Auto hielt neben ihr und der Mann von vorhin stieg aus. „Stop! Anhalten! Geben sie uns das Kind!“, rief er energisch. Sie blieb stehen, drehte sich um und schrie: „Es ist mein Kind! Sie haben nicht das Recht es mir wegzunehmen!“. „Doch,“, entgegnete ihr der Mann „haben wir!“. Der Regen wurde stärker, es donnerte. Zwei weitere Männer stiegen aus dem Wagen. „Holt das Kind!“, sagte der Mann kühl. Die anderen beiden Männer kamen auf sie zu, sie drehte sich um und rannte los.
Die Männer liefen hinter ihr her. Der eine hielt sie am Arm fest und der andere umschlung ihre Taille. Sie klammerte sich an ihrem Sohn fest, welcher auch schon anfing zu weinen. „Nein!“, schrie sie als der dritte Mann ihr gewaltsam ihr Kind entriss. Er hatte das Kind, ihr Kind, ihre lieben Sohn. Er ging zum Auto und als sie hinterher laufen wollte schubste sie einer der anderen Männer brutal nach hinten weg. Sie fiel hin und als sie wieder aufstand sah sie das Auto wegfahren!
Da lag sie nun in ihren Schmerzen über das
was in der letzten halben Stund geschehen war.
Ihr Hände fingen von dem getrommele auf dem Asphalt an zu bluten,
aber ihre Gefühle waren Taub. Sie hatte alles verloren, ihren Mann
und ihren lieben Sohn Sam.
Sie legte sich auf den nassen Boden und schlief ein.
Als ein paar Stadtbewohner sie fanden was es bereits zu
spät.
Ausschnitt aus dem Leben einer Schriftstellerin
Kathleen Parkson saß an ihrem Schreibtisch und blickte angestreng auf den vor ihr stehenden Bildschirm. Sie tippte kurz etwas, blickte dann wieder auf und las das, was sie bis jetzt geschrieben hatte.
Auf dem Monitor strahlte ihr die Überschrift:
"Sinn des Lebens"
entgegen und sie atmete tief durch um dann wieder etwas zu tippen.
Aber es ging nicht. Sie konnte nicht schreiben.
Kathleen hasste diese Tage, an denen ihr so viele Gedanken im Kopf herrumschwirrten, dass sie es einfach nicht fertig brachte auch nur einen von ihnen aufzuschreiben.
Sie dachte an ihre beste Freundin, die jetzt wohl heulend in ihrem Bett lag und ihrem Freund, der sie betrogen hatte, hinterherweinte. Sie dachte an ihre kleine Tochter, die heute ihren letzten Tag im Kindergarten hatte und wohl sehr traurig nach Hause kommen würde. Sie dachte an ihren Mann, der grade ein wichtiges Gespräch mit seinem Chef hatte. Und sie dachte an noch so viele andere Dinge.
Nach einer Weile der Stille, stand sie auf, ging auf die Terasse und setzte sich hin. Es war warm draußen und Kathleen war nur leicht bekleidet. Sie rauchte eine, schloss dann die Augen und hörte für einen kurzen Moment, was ihr der Wind sagte.. sie drückte ihre Zigarette aus, ging zurück an ihren PC und tippte:
"Habt ihr euch schonmal gefragt, warum ihr überhaupt auf der Welt seid? Was das ganze eigentlich soll... Man wird geboren, großgezogen, besucht einen Kindergarten, geht dann zur Schule, mit der man sich Jahre lang rumquält um anschließend arbeiten gehen zu dürfen, ..oder auch nicht."
Sie stoppte und kam ins Schmunzeln, kurz darauf packte sie eine Wut.. und dann tippte sie weiter:
"Was soll der Mist eigentlich? - Wer hat bestimmt, dass die Menschen das so zu machen haben? Wer hatte das Recht dazu? Irgendwie war das wohl jemand, der uns das Leben, vielleicht unnötig, schwer machen wollte, denn es könnte alles so einfach sein. Oder nicht?"
"Ja,", dachte sie sich, "es könnte alles so einfach sein. Ohne Sorgen und ohne Kummer...". Sie schrieb weiter:
"Auch über den Sinn des Geldes sollte man mal nachdenken. Schließlich gab es das auch nicht immer und die Leute, die es nicht hatten, haben es auch überlebt.
..Aber man muss ja. Für viele Menschen gehört Arbeit, Schule und so weiter einfach zum Alltag.. ziemlich einseitig, wenn ihr mich fragt. Wer hat sich damals das Recht genommen, eine Sache für alle Menschen in einem Land zu bestimmen, ohne sie zu fragen, jeden einzelnen zu fragen, was er davon hält?
Und wenn man es genau nimmt, arbeitet man fast sein ganzes Leben lang um dann eines Tages zu sterben. Denn das muss jeder irgendwann mal, ob man will, oder nicht. Das ist egal."
Sie verzog das Gesicht und fragte sich, ob die Leser sie nach der Veröffentlichung ihres Werkes für depressiv halten würden, oder für negativ eingestellt... aber sie tippte weiter:
"Kennt ihr den Spruch, in dem es darum geht, dass man sein Leben selbst in der Hand hat und ganz allein bestimmt, was aus einem wird? - Jeder würde erstmal sagen, dass das so weit stimmt. Dabei ist es eine Lüge, denn es stimmt nur so lange, wie man sich an die Richtlinien der Allgemeinheit hält.
Viele Menschen leiden ihr ganzes Leben lang unter den unterschiedlichsten Dingen. Muss das sein?
Ich denke, dass viele Nöte, Sorgen und Ängste, die die Menschen haben, nicht nötig sind.
Da wären z.B. Menschen, die nicht so aussehen, wie es die Gesellschaft vorgibt. Sie schämen sich fast ihr ganzes Leben lang dafür, quälen sich damit und einige nehmen sich sogar das Leben."
Kathleen formte ihre rechte Hand zu einer Faust und dachte an ihre ehemals beste Freundin, die sich genau aus diesem Grund das Leben genommen hatte. Kathleen kam damals nicht an sie ran, weil ihrer Freundin alles egal war.. sie war total unzufrieden gewesen und Kathleen machte sich heute noch große Vorwürfe.. Sie tippte weiter:
"Die Gesellschaft... da wären wir wieder bei so einem Punkt, an dem man sich fragt, wer das Denken der breiten Masse eigentlich bestimmt und wie wichtig das wiederrum für jeden einzelnen ist.
Größere ärgern Kleinere, weil sie zu feige sind, ihre Agressionen an gleichstarken auszuleben."
Sie dachte an ihre kleine Tochter, die vor einer Woche völlig verstört nach Hause kam, weil sich ein älteres Mädchen nicht zusammenreißen konnte und sie einfach geschlagen hat. Ihre Wut wuchs und sie tippte weiter:
"Wenn der größere gewinnt, fühlt er sich stark. Dabei ist er für mich in diesem Moment eine der schwächsten Personen, die es überhaupt gibt. Menschen, die anderen das Leben schwer machen gehören nicht in diese Welt. Auch wenn sie es manchmal nur tun, weil sie selbst ein Problem haben, welches sie ihr Leben lang quält. Aber das ist absolut kein Grund wiederrum anderen Menschen das Leben zu erschweren."
Kathleen machte eine Pause, sie rauchte noch eine und machte Musik an... Sie dachte nach. Diesmal waren ihre Gedanken ganz bei ihrem Artikel, den sie für eine Zeitschrift schreiben sollte. Der Redakteur hatte eines ihrer Bücher gelesen und war so begeistert gewesen, dass er dachte, Kathleen würde der Aufgabe gerecht werden. Kathleen zweifelte.. Dann saß sie sich wieder an ihren Schreibtisch und schrieb:
"Es gibt viele Menschen, die meinen, dass die Liebe alles im Leben sei. Ich denke, dass sie nicht alles ist, aber sie ist eine der wichtigsten Dinge. Wer wirklich liebt und geliebt wird, der lebt glücklicher. Es ist nur schade, dass viele Menschen garnicht wissen, ob sie wirklich lieben und auch damit glücklich sein können. Dabei brauchen sie doch nur auf ihr Herz zu hören. Wenn man mit jemandem zusammen ist, dann sollte man darauf achten, dass man in der Beziehung man selbst sein kann. Denn wenn das nicht der Fall ist, dann wird die "Liebe" scheitern."
Kathleen blickte durchs Zimmer und ihr Blick blieb an einem Foto hängen. Auf dem Foto war der beste Freund ihres Mannes zu sehen, der es in letzter Zeit nicht leicht hatte. Er hatte sich von seiner Frau scheiden lassen, weil sie sich einfach nicht richtig liebten. Vier Jahre seines Lebens hatte er verschwendet durch seine lange Leitung. Er hatte in die Frau etwas hineininterpretiert, was nicht da war. Er dachte, er würde Dinge hören, die sie nicht sagte. Er tat so, als können er Gedanken lesen und machte sich damit nur etwas vor. Ihm wurde zu spät klar, dass man sich nur auf das verlassen kann, was einem der Partner auch zeigt. Denn das, was er sagt, das zählt und nicht das, was er "vielleicht" denkt. Kathleen tat es etwas Leid, aber sie war auch froh darüber, dass er sich im Nachhinein gegen Sie entschieden hatte und vor allem, dass er seinen Fehler von alleine einsah, denn nur so konnte er eine Lehre daraus ziehen und den Fehler nicht nochmal begehen.
Als Kathleen grade weiterschreiben wollte, hörte sie es an der Tür klingeln. Sie stand auf und öffnete die Tür.
Vor ihr stand ihr Mann, der sich extra früh von dem Gespräch mit seinem Chef losgerissen hatte, um seine Tochter von ihrem letztem Tag im Kindergarten abzuholen. In seiner linken Hand lag die Hand ihrer gemeinsamen Tochter, die ihrer Mutter glücklich entgegen strahlte, und in seiner rechten Hand trug er einen riesigen Strauß Rosen. Kathleen lächelte.
Ihr Mann hielt ihr die Rosen entgegen und sagte ihr, wie sehr er sie und ihre gemeinsame Tochter doch liebte.
Kathleen vergass für diesen Moment ihren Artikel und den Kummer, der ihr das Schreiben des Artikels bereitete. Sie umarmte ihre Tochter und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Stirn. Dann blickte sie ihren Mann an, der ihr ebenfalls liebevoll in ihre Augen schaute. Er schloss sie in seine Arme und sie flüsterte ihm ins Ohr, dass sie ihn viel mehr liebte, als er es sich vorstellen könne. Dann schloss sie ihre Augen und küsste ihn.
Doppeltes Spiel
Hallo und herzlich willkommen in der Welt der
Reichen und Schönen!
Ich heiße Natascha Jones und bin Schauspielerin!
Es hat lange gedauert bis es soweit war, aber jetzt bin ich ganz
oben!
Ehrlich gesagt habe ich zehn Jahre im Studiopark gearbeitet bis ich
endlich von allem akzeptiert wurde, aber darum geht es in dieser
Geschichte nicht...
Das ist mein Freund Dan! Ich liebe ihn, aber ich weiß nicht ob er mich genauso liebt, wie ich ihn. Manchmal kommt er sehr spät nach Hause und dann ist er meist genervt und schlecht gelaunt! Er arbeitet in der gleichen Branche wie ich, aber er singt! Er ist ein guter Sänger und hat schon sehr viele Erfahrungen gesammelt!
Aber da ist noch was warum ich glaube, dass er mich nicht mehr liebt. Seine „beste Freundin“ Janine! Oh mein Gott wenn ich den Namen Janine schon höre, dann wird mir ganz anders! Ich habe keine Beweise, dass da mit ihr was läuft, aber ein seltsames Gefühl. Und bis jetzt konnte ich mich auf mein Bauchgefühl immer verlassen! Die Art wie er sie ansieht, so hat er mich früher angesehen! So fasziniert und einfach mit einem heißen Funkeln im Auge!
Janine ist sehr hübsch und gibt sich auch ganz nett, aber in Wirklichkeit ist sie ein intrigantes Miststück! Entschuldigung wegen dem Ausdruck, aber wenn es um sie geht, dann verliere ich meine Beherrschung!
Also, ihr fragt euch jetzt bestimmt, warum ich denn so etwas von so einer attraktiven Frau behaupte! Ich nenne euch ein Beispiel: Ich sah sie neulich im Studiopark mit Dan und sie hat ihn gefragt, ob sie nicht zusammen ein kleines Fotoshooting machen wollen. Natürlich hat Dan ja gesagt! Die beiden wussten nicht, dass ich sie heimlich beobachtete! Erst umarmten sie sich freundschaftlich und dann nahm sie ihre Hand hinter seinen Kopf, drückte ihn an sich ran und küsste ihn! Ich war auf 180! Und er? Was tat er? Er lächelte sie an, als wenn das nur so gewesen wäre!
Ich bin ja nun keine Hysterische Pute und wollte vor allen Leuten auch keinen Aufstand machen, also drehte ich mich um und arbeitete normal weiter! Oh wäre ich doch hingegangen und hätte ihm eine Szene gemacht! Ich hatte Angst, dass er zugibt, dass er sie viel attraktiver, intelligenter und charmanter findet als mich! Mein Selbstvertrauen in diesem Moment war gleich Null! Als er nach Hause kam, tat ich so, als ob nichts gewesen wäre und er begrüßte mich wie seid ein paar Tage nur mit einem flüchtigem Kuss! Ich fragte ihn, ob etwas besonderes gewesen wäre im Park, aber er sagte: „Nein, alles wie immer!“
Alles wie immer? Ach so, dann küsst er Janine also immer! Ich sagte nichts mehr und ging auf den Balkon, ich musste nachdenken. Ich fragte mich ob denn die Beziehung noch einen Sinn hätte, wenn er andere Frauen leidenschaftlicher küsst als mich! Oder ob ich ihn einfach auf den Kuss ansprechen sollte! Die Liebe zu ihm und die Angst davor ihn zu verlieren war so groß!
Plötzlich stand er da auf dem Balkon und sagte:
„Ich habe heute im Studiopark einen Fehler gemacht!“.
Mein Herz hüpfte auf und ab, wenn er mir den Kuss jetzt beichten
sollte, was sage ich denn dann? Das ich es gesehen habe und ihn
nicht fragen wollte, weil ich Angst hatte er würde mit mir Schluss
machen um zu ihr zu gehen? Für was hält er mich denn dann?
Schließlich sagte er schüchtern: „Ich habe Janine bei einem
Fotoshooting einen Kuss gegeben aber dieser Kuss, der bedeutete mir
aber nichts! Ich wollte es dir nur nicht
verheimlichen.“. Er nahm mich liebevoll in den Arm und damit
hatte er es mal wieder geschafft mich weich zu kochen! Ich
hätte gleich merken sollen, dass ihm der Kuss doch etwas
bedeutete!
Naja, das war das mit dem Kuss! Und jetzt sitze ich mal wieder hier und warte auf ihn! Schon 1:30 Uhr! Was macht er denn immer so lange? An diesem Abend beschloss ich ihn auf seine eventuell vorhandenen Gefühle für Janine anzusprechen! Aber er kam nicht! Ich legte mich also aufs Sofa und schlief ein!
Plötzlich hörte ich ein lautes Geräusch und
wachte auf. Ich blickte auf die Uhr: halb vier!
Was war das? Ich stand auf und ging die Treppe hinauf. Kam es von
oben? Das Geräusch wurde lauter! Ich hörte ein leises Stönen,
dann stand ich in der Tür von unserem
Schlafzimmer!
Als ich sah, was die da machen schossen mir Tränen in die Augen. „Nein!“ schrie ich in den Raum hinein. Dan erschrak und stieß Janine von sich. „Hallo Schatz!“, sagte er. Er hatte getrunken, man hörte es an seiner Stimme. Janine sah mich triumphierend an. „Hi Natascha! Komm doch zu uns!“ sagte sie provozierend. Ich war sauer und verletzt, diese kleine Schlampe! „Raus!“, schrie ich sie an, „Beide! Raus aus meinem Haus!“ Janine stieg aus unserem Bett und ich ging auf sie zu. „Verschwinde!“, sagte ich zu ihr, als sie dann anfing zu lachen knallte ich ihr eine. Das war genug für mich.
Auch Dan stieg aus dem Bett, auf dem Weg nach unten sagte er noch etwas leierisch :“Es tut mir ja ehrlich Leid, Schatz, aber du hast es einfach nicht mehr gebracht im Bett! Dass du Janine und mich erwischt war nur eine Frage der Zeit!“, dann fing er an zu lachen.
Ich war fertig mit den Nerven und als ich die Tür ins Schloss fallen hörte sackte ich zusammen und fing an zu schreien vor Wut und ich weinte, weil ich so verletzt war. Ich war so dumm! Wie konnte ich nur so blind sein, allein das er mich nicht richtig begrüßt hätte mich stutzig machen müssen. Was soll ich denn jetzt machen?, fragte ich mich. Ich verlies das Schlafzimmer und legte mich im Wohnzimmer aufs Sofa. Dann weinte ich mich in den Schlaf.
Als ich am nächsten Tag aufwachte ging es mir etwas besser, aber ich fühle sich immer noch erniedrigt und gedemütigt. Ich wusste nicht was ich tun sollte und wollte erst mal raus aus dem Haus. Ich fuhr in die Stadt, setzte mich an einen Tisch und trank einen Kaffee.
„Hallo!“, eine freundliche Stimme riss mich aus meinen Gedanken um meine Zukunft. „Darf ich mich setzten?“, fragte die fremde Frau und dann saß sie auch schon. „Du siehst traurig aus! Bedrückt dich irgendwas?“, fragte mich die Frau zuneigungsvoll. Ich hatte die Hände vor meinem Gesicht, denn ich wollte irgendwie nicht, dass die fremde Frau mich weinen sah.
„Ich heiße übrigens Selene! Ich bin neu in der Stadt und suche Freund, als ich dich hier sitzen sah, so traurig, machte ich mir Sorgen um dich! Ich weiß zwar nicht was geschehen ist und...“ sie zögerte „und es geht mich ja auch eigentlich nichts an, aber du siehst aus, als ob du mit jemanden reden möchtest!“ Ich sagte nichts, doch ich fühle mich durch die Anwesenheit von Selene irgendwie wohler.
„Du bist verletzt worden! Hat dich jemand enttäuscht? Du wirkst so bedrückt!“, sagte Selene mit sanfter Stimme. Ich zögerte. Konnte ich ihr trauen? „Lass dir doch helfen!“, bat Selene mich. Ich nahm die Hände von meinem Gesicht und blickte in ihre klaren großen grünen Augen. Eigentlich fand ich Menschen mit grünen Augen kühl, aber Selene wirkte so vertauenserweckend und so liebevoll. Sie lächelte mir ins Gesicht und die wärme die sie dabei ausstrahlte faszinierte mich.
Für einen Moment vergas ich den gestrigen Abend und Selene schien zu merken, dass sie es geschafft hatte meine Laune zu heben. „Möchtest du noch einen Kaffee? Soll ich dir einen holen?“, fragte sie mich. „Ja! Gerne.“ sagte ich zu meiner eigenen Verwunderung, denn ich hatte meine Tasse noch nicht einmal ausgetrunken. Da mein Kaffee aber schon kalt geworden war sagte ich nichts mehr. Selene kaufte mir einen Kaffe und setzte sich wieder zu mir.
„Darf ich fragen wie du heißt?“, fragte Selene mich und immer noch war ich fasziniert von ihrer warmen Ausstrahlung. „Ich heiße Natascha!“, antwortete ich ihr. „Das ist ein sehr hübscher Name!“ entgegnete sie mir. Ich lächelte sie an und sie lächelte zurück. „Möchtest du mit zu mir kommen?“, fragte ich sie. Und Selene bejahte meine Frage. Ich rief uns ein Taxi und dann fuhren wir los.
Zu Hause angekommen Stellte sich Selene an meinen Herd und kocht etwas. Sie hatte mich gar nicht gefragt ob ich Hunger hätte, aber ich hatte Hunger. Ich deckte den Tisch, wir setzten uns hin und aßen. Dann begann ich ihr vom gestrigen Abend zu erzählen. Ich redete mit ihr über die Gefühle die ich hatte und erzählte ihr alles über Janine und Dan. Ich sagte ihr alles was mir durch den Kopf ging, dass ich mich fragte warum er das gemacht hat, warum in unserem Bett und warum ausgerechnet mir so was passieren musste. Sie tröstete mich und half mir die Sache zu verarbeiten.
Als wir fertig waren fragte sie mich, ob sie heute Nacht bei mir bleiben könne. „Klar!“, sagte ich zu ihr. Als wir im Bett lagen redeten wir noch lange miteinander und dann schliefen wir ein.
Als ich aufwacht fühlte ich mich so wohl wie lange nicht mehr! Ich glaube ich habe noch nie mit jemandem so offen geredet. Die Gefühle die ich in den letzten 24Stunden für Selene entwickelt hatte waren überwältigend schön! Als ich Selene neben mir liegen sah füllte sich mein Körper wieder mit dieser faszinierenden Vertrautheit und mir ging es allein dadurch das ich sie ansah viel besser!
Ich stand leise auf und machte Frühstück.
Als ich gerade fertig war, klingelte es and er Tür. Mein Herz schlug schneller. Wer das wohl war? Ich erwartete doch niemanden! Ich ging zur Tür, legte die Hand auf die Klinke und drückte sie runter. Ich zog langsam am Griff und mein Herz schlug noch schneller. Da stand er, ich wollte ihn doch nie wieder sehen! Dan stand vor mir und grinste. „Hallo Schatz!“, sagte er zu mir. Die Bilder wie er mit Janine im Bett lag kamen wieder hoch und ich riss mich zusammen jetzt nicht die Beherrschung zu verlieren! „Was willst du? Warum bist du zurückgekommen?“, fragte ich ihr mit zitternder Stimme. „Ich habe dir nichts getan, Schatz!“, sagte er mit ruhiger provozierender Stimme. „Das reicht!“, sagte ich zu ihm, „Verschwinde endlich aus meinem Leben! Weißt du eigentlich was du mir angetan hast? Ich wollte mein ganzes Leben mit dir verbringen!“. Ich fing an zu weinen und er nahm meine Hand und sagte: „Es tut mir Leid! Ich wollte dich nicht verletzten! Ich hatte einfach zu viel getrunken! Komm! Wir vergessen das ganze und fangen von vorn an!“
„Nein!“, antwortete ich. „Nein, dass kann ich nicht! Es ist vorbei! Endgültig! Ich habe lange genug darunter gelitten, dass du Janine immer so angesehen hast! Deine Blicke sagten alles, aber ich wollte es nicht war haben! Du hast mir jedoch klar deutlich gemacht, dass ich es nicht mehr bringe! Nenn mich nie wieder Schatz! Das bin ich nicht mehr!“, ich sah ihm direkt in die Augen. Sie sahen verheult aus, aber ich konnte ihm nicht verzeihen! Ich wusste ja noch nicht mal ob es ihm wirklich ernst war, mit dem was er sagte.
„Ich gebe dir Zeit! So viel du willst! Ich war ein Idiot! Ich wusste nicht was ich an dir habe! Aber jetzt ist es mir klar geworden! Ich liebe dich! Mehr als je zuvor! Vergib mir!“, sagte er sichtlich berührt. Als ich ihm antworten wollte sage er: „Nein! Nicht! Du musst mir noch nicht antworten! Melde dich doch einfach bei mir, wenn du bereit bist mit mir zu reden!“.
„Natascha?“, rief eine Stimme von oben. Selene, ich hatte sie total vergessen. Als ich ihr antworten wollte stand sie schon hinter mir. „Bist du Dan?“, fragte sie Dan. „Ja, das bin ich!“, antwortete er ihr. „Aha.“, sagte Selene „Du bist also das Schwein, das Natascha solchen Kummer macht! Weißt du eigentlich wie sehr sie gelitten hat und noch leidet?“. Ich nahm Selenes Hand und sagte ruhig zu ihr: „Lass uns frühstücken!“. Sie bejahte und lächelte mich an, da war es wieder, diese unglaubliche Gabe mich dazu zu bringen alles um mich herum zu vergessen.
Ich schloss die Tür und setzte mich an den
Tisch, Selene folgte mir.
Wir frühstückten.
„Was wollte er denn?“, fragte sie mich und rührte mit
ihrem Löffel im Kaffee herum.
Ich zögerte, denn diese Frau wusste schon so viel über mich und
mein Leben, aber ich wusste nichts. Wer war sie denn überhaupt?
Woher kam sie? Was wollte sie von mir?
Ich sah sie an, dieser Blick, ihre grünen Augen strahlten mir
entgegen.
„Er wollte mich zurück!“, antwortete
ich ihr dann schließlich. „Lass dir Zeit!“, sagte sie.
„Erzählst du mir mehr über dich?“, fragte ich sie zu
meiner Verwunderung. Natürlich wollte ich es wissen, aber ich war
nicht der Typ, der gleich direkt fragt.
„Klar, ich warte schon die ganze Zeit darauf, dass du
fragst!“, sagt sie und lächelte freundlich.
Dann ginge wir in den Garten und setzten uns in
den Whirlpool. Sie fing an zu erzählen:
„Ich komme aus Alexandria, einer Stadt in Ägypten! Ich
bin dort aufgewachsen. Meine Eltern dürften immer noch dort sein,
ich bin geflohen!“
„Geflohen? Warum denn geflohen? Wirst du verfolgt?“,
fragte ich Selene erstaunt.
„Nein,“, antwortete sie „ich werde nicht verfolgt!
Aber ich sollte einen Mann heiraten, den meine Eltern mir
ausgesucht hatten! Ich bin zwar erst siebzehn, aber das ist
in unserer Gegend ein heiratspflichtiges Alter! Es ist nicht
so, dass meine Eltern mir einen Ekel zum Mann geben wollten, nein,
er war richtig nett und ich wäre ihm eine gute Frau gewesen!
Ich bin nur nicht so aufgewachsen, wie meine Eltern sich das
vorgestellt haben! Ich habe mich mit Jenny, einer
Engländerin, deren Eltern aus Jux nach Alexandria gezogen sind,
angefreundet. Sie ist ein sehr lebhafter Mensch und ich vermisse
sie immer noch sehr! Sie ist nicht gestorben, falls du bas
jetzt denkst! Ich habe sie alle verlassen
müssen!“
Ich war platt! Selene kam von so weit her!
Aber warum musste sie fortgehen von zu Hause?
„Hast du den Mann denn geheiratet?“, fragte ich Selene
neugierig. „Das ist der Grund warum ich fort bin!“, sagte
Selene “Ich habe ihn nicht geheiratet! Ich mochte ihn
zwar und hätte auch gerne mein Leben mit ihm verbracht, aber bei
uns ist es so, dass der Mann am Tag der Hochzeit meine
Jungfräulichkeit testen muss! Das macht er indem er mit einem
Taschentuch mein Jungfernhäutchen einreißt und das Blut an dem Tuch
ist dann der Beweis! Sobald der Mann diesen Schritt gemacht
hat, wird er von seinen Freunde gelobt und es wird gefeiert!
Ich wollte meine Familie vor der Pleite bewahren, denn ich
war keine Jungfrau mehr! Da, wenn mein zukünftiger Mann das
herausgefunden hätte, Schande über die Familie gekommen wäre, bin
ich fortgelaufen!
Ich persönlich glaube nicht an das, was sie da sagen! Wieso
sollte der Familie das schaden? Jenny und ich waren jeden Tag
zusammen und sie hat mir die europäische Lebensart sehr nahe
gebracht! Hier, wo du lebst, fühle ich mich freier!
Aber ich habe meine Freunde und meine Familie
verloren!“
Ich war sichtlich gerührt! Mit so etwas hatte ich nicht gerechnet! Ich hatte doch gar keine Ahnung von fremden Kulturen! Aber ich war fasziniert von dem was ich da erfahren hatte! Es war so neu und aufregend! Selene wirkte traurig und ich fragte sie ob sie jemals Schnee gesehen hätte! Sie sagte nein und ich hatte auch schon eine Idee wie ich sie schnellst möglich dieser Erfahrung bereichern konnte!
„Pack deine Sachen und komm wieder hierher!“, sagte ich zu ihr. Ich stoppte. Wo wohnte sie den jetzt eigentlich? Sie hatte als wir uns das erste mal gesehen haben doch gesagt, dass sie neu hier ist! „Wo wohnst du jetzt eigentlich?“, fragte ich sie schließlich. „In einem Hotel in der Altstadt!“, antwortete sie mir. „Hättest du Lust erst mal hier einzuziehen?“, fragte ich und sie nahm das Angebot dankend an. Dann fuhr sie los um ihre Sachen zu holen, dann holte ich sie mit dem Tourbus ab!
Als wir angekommen waren war Selene erst mal
begeistert von dem Schnee. Ich glaube ich wäre das auch gewesen,
wenn ich so was noch nie gesehen hätte! Ich musste lachen,
als ich sah, wie erstaunt sie war! „Worüber lachst
du?“, fragte sie mich. „Über dich! Tut mir ja Leid
aber du bist der erste Mensch, den ich kenne, der noch nie Schnee
gesehen hat!“. Sie lachte und ich sah ihr die Begeisterung
über den Schnee an! Das es so was noch gibt!
„Wollen wir einen Schneemann bauen?“, fragte ich sie.
„So was kann ich nicht!“, antwortete sie und ich musste
schon wieder lachen. „Das kann jeder! Ich zeige es
dir!“, sagte ich ihr und sie setzte sich in den Schnee um mich
beim bauen zu beobachten. Nach einer Weile half sie mir und wir
lachten die ganze Zeit! Ich weiß nicht mehr über was wir da
gelacht haben aber wir waren so gut drauf wie noch
nie!
Danach gingen wir schlafen und am nächstem Morgen beschlossen wir kurzerhand wieder zurück zu mir zu fahren! Selene hatte genug von dem Schnee, so viel Kälte war sie nicht gewohnt!
Als wir ankamen räumte sie ihre Sachen in meine Schränke und wir gingen in den Garten. Selene merkte, dass mich die Sache mit Dan schwer beschäftigte und redete mit ins Gewissen. Ich solle mir nicht zu viele Gedanken machen! Das sagt sich so leicht! Ich liebte ihn doch so sehr! Und als er da an der Tür stand war es so süß! Er gibt mir Zeit! Wie verständnisvoll von ihm! Mein Herz schlug schneller bei dem Gedanken an ihn, seine starken Arme, seine Art zu grinsen, er bekam dann immer zwei total süße Grübchen, sein männlicher Duft...
„Natascha? Hey, träum nicht! Du sollst dir doch nicht so viele Gedanken machen!“, sagte Selene und ich stand wieder auf den Boden der Tatsachen. „Tut mir Leid!“, sagte ich und ging wieder ins Haus. Ich hatte keine Lust mich mit Selene über Dan zu streiten. Sie wäre so oder so anderer Meinung gewesen als ich. „Was ist los?“, fragte sie mich. „Ich habe mir Gedanken gemacht, wegen Dan! Ich möchte bitte allein sein...“, antwortete ich ihr darauf hin und ging die Treppen hoch. „Warte doch! Rede mit mir! Vergiss doch den Typen endlich!“, rief sie mir hinterher. Ich war sauer, wie konnte sie so was sagen? Sie hatte doch nicht die Geringste Vorstellung davon wie ich mich fühlte! Ich konnte ihn nun mal nicht vergessen und ich wollte das auch gar nicht!
„Wieso sagst du so was?“, schrie ich sie an „Du kannst doch gar nicht darüber urteilen! Du hast doch keine Ahnung! Wie sollte ich ihn denn vergessen? Ich liebe ihn!“. Selene sagt nichts mehr, sie guckte mich nur erschrocken an. Damit hatte sie wohl nicht gerechnet! „Tut mir Leid!“, sagte sie erschrocken „Ich wollte nicht zu aufdringlich sein!“. Dann drehte sie sich um und ging in den Garten.
Ich ging ins Schlafzimmer und setzte mich aufs
Bett. Auf unser Bett. Ich liebe ihn, hatte ich zu Selene gesagt und
ich fragte mich ob das denn so stimmte. Er hatte mich verletzt,
aber meine Gefühle für ihn hatten sich dadurch nicht groß
verändert. Es war verrückt er hatte mich betrogen und ich liebte
ihn noch! Das kann nicht sein, mit mir Stimmt was nicht!,
dachte ich. Selene? Ich hatte sie angeschrieen und sie wollte mir
doch nur helfen...
Ich legte mich eine halbe Stunde aufs Bett und ging dann wieder
runter. Wo war sie denn?
Ich ging durch das Haus und rief sie, aber nichts! Weg war sie! Aber wohin? Ich ging in den Garten um mich zu vergewissern, dass sie nicht dort ist, aber auch nichts! War ich zu streng mit ihr gewesen? Ich konnte mich noch nicht einmal endschuldigen! Ich zog meine Jacke an und fuhr in die Stadt. Ich hoffte sie dort zu finden.
Da saß sie! Puh! Sie hatte sich wie ich schon vermutet hatte an den Kaffeestand von unserer ersten Begegnung gesetzt. Ich ging langsamer. Was hatte sie? Sie wirkte so betrübt! Hatte ich sie jetzt sehr verletzt? Ich setzte mich zu ihr und sagte: „Es tut mir Leid! Ich wollte dich nicht so anmachen! Was ist los mit dir?“ Sie sah mich an, diese Augen ich wusste immer noch nicht, was für ein Geheimnis hinter ihren Augen steckte. Dann sagte sie: „Es ist nichts! Mach dir keine Sorgen! Ich wollte dir nur ein wenig Zeit für dich alleine geben!“ Das beruhigte mich erst mal und ich bestellte mir einen Kaffee. Ich redete mit ihr noch etwas über meine Gefühle und dann fuhren wir gemeinsam nach Hause.
Es war Nachts, der Wind heulte und die Bäume knirschten. Selene lag neben mir und atmete unruhig. „Selene?“, fragte ich vorsichtig. Sie antwortete nicht und wälzte sich unruhig hin und her. Ich zündete eine Kerze an um etwas zu sehen und ging zurück zum Bett. Selene schlief unruhig diese Nacht und der Schweiß stand ihr auf der Stirn. Hatte sie vielleicht Fieber? Ich legte meine Hand auf ihre Stirn, aber die war normal warm. Ich versuchte sie zu wecken. „Selene, wach bitte auf!“, sagt ich, aber sie schien mich nicht zu hören.
Ich legte meine Hände an ihre Schultern und rüttelte vorsichtig an ihr, aber nichts, sie wachte nicht auf. Ich stand auf und holte einen kalten Waschlappen. Als ich zurück war, legte ich ihr den Lappen auf die Stirn und streichelte ihr vorsichtig über die Wange. „Selene, wach auf! Du träumst!“, sagte ich noch mal etwas energischer zu ihr. Schließlich schreckte sie auf. Sie öffnete ihr Augen und setzte sich hin. „Was ist passiert?“, fragte sie verwirrt. „Meine Familie! Oh Gott, sie brauchen mich! Ich muss sofort zurück nach Alexandria!“. Ich saß wie versteinert da, was redete Selene für einen Unsinn? „Du hast nur geträumt, Selene!“; sagte ich ruhig zu ihr. „Nein!“, sagte sie und stand auf. „Ich habe nicht geträumt ich habe etwas gesehen! Meine Familie ist in Gefahr! Ich muss zurück, und zwar sofort!“.
„Selene! Du bist verrückt! Du hast nur geträumt! Verstehst du? Es war nur ein Traum!“, versuchte ich sie zu überzeugen, doch Selene meinte nur, sie wüsste, dass es kein Traum war, sonder eine Vision. Ich konnte ihr nicht glauben, eine Vision, welcher Mensch bekommt Visionen? Keiner! Doch Selene hielt an ihrer Überzeugung und an ihrem Endschluss zurück nach Ägypten zu reisen fest. „Ich habe keine Wahl!“, sagte sie. Dann nahm sie meine Hand und stellte mir eine Frage, die mein ganzes Leben verändern sollte. „Natascha? Ich frage dich nur einmal und vielleicht ist es ein Fehler dich zu fragen! Also bevor du antwortest, denk nach! Verstanden?“, sagte sie zu mir und ihre Augen schienen direkt in meine Seelen zu blicken, ich hatte das Gefühl, als wenn sie alles wüsste über mich, meine Vergangenheit und vielleicht auch über meine Zukunft.
„Ja!“, sagte ich, „Ich habe verstanden!“, Selene nahm auch meine andere Hand und atmete noch mal tief durch. „Natascha, kommst du mit mir nach Ägypten? Die Reise wird nicht leicht werden, da wir nicht von hier über Frankreich, Deutschland und Griechenland reisen werden, sondern über Spanien, Marroko, Algerien und Libyen! Natascha, das bedeutet wir werden direkt durch die Sahara reisen!“. Was sollte ich da sagen? Ich hatte Angst vor solch einer Reise und ich war noch nie so weit weg gewesen! Es würde mein sicherer Tod sein, wenn ich ja sage! Aber ich konnte nicht nein sagen. Diese Frau war so bewundernswert ich kann es nicht beschreiben, aber irgendwas geheimnisvolles hatte sie an sich!
„Wann willst du los?“, fragte ich sie. „Jetzt!“, antwortete sie mir. „OK,“, sagte ich zu ihr, „dann lass uns packen! Wir werden an einer Bank vorbei müssen, denn ohne Geld kommen wir nicht weit!“. Selenes Augen strahlten vor Freunde, sie bedankte sich bei mir und nahm mich liebevoll in den Arm. Dann holten wir unsere Sachen. Ich schrieb noch kurz ein paar Nachrichten an Dan und meinen Arbeitgeber, dass ich die Stadt für ungewisse Zeit verlassen werde, und dann warteten wir auf den nächsten Bus, der uns erst mal zum Bahnhof bringen sollte.
DIE REISE
Nachdem wir das Geld von der Bank geholt hatten, standen wir
jetzt da am Bahnhof. Die Luft war kühl und ich war nicht angemessen gekleidet.
Ich fror und auf meinen Armen erkannte man den Ansatz einer Gänsehaut. Selene
sah mich an und öffnete ihr Jacke. „hier! Nimm sie mir ist nicht kalt!“,
sagte sie und gab mir ihre vorgewärmte Baumwolljacke. Ich bedankte mich bei ihr
mit einem liebevollem Blick und dann schwiegen wir eine ganze Weile. Der Zug
sollte in einer halben Stunde kommen und uns erst mal von Bristol nach Plymouth,
einer südenglischen Hafenstadt am Plymouth Sound, zur westlichen Kanalküste
bringen.
Mir schwirrten hunderte von Gedanken im Kopf herum und ich
bezweifelte meinen Endschluss schon bevor wir überhaupt losgefahren waren.
Selene nahm meine Hand und ich hatte das Gefühl, als wenn sie auf einer anderen
Ebene den Kontakt zu mir suchte. Mir wurde das almählig unheimlich und sie sagte
schließlich: „Mach dir keine Sorgen! Wir schaffen das! Du bist nicht
alleine und ich werde dich nicht im Stich lassen!“. Dieses Gefühl von
Vertrautheit, dass sie mir schon oft gab breitete sich wieder in mir aus. Es
konnte losgehen, jetzt fühle ich mich wieder wohler und war fest
entschlossen.
Der Zug kam
pünktlich und wir stiegen ein. Die Fahrt dauerte nur ein paar Stunden und als
wir schließlich in Plymouth angekommen waren wurde es langsam hell. Die Sonne zu
sehen tat gut und ich fühlte mich gleich lebendiger. Wir hatten beide die Fahr
über durchgeschlafen, so dass wir uns jetzt auf die Suche nach einem Schiff,
welches uns nach Frankreich bringen sollte, machen konnten.
Es waren wenig Leute am Hafen und diejenigen die wir dort trafen halfen uns nicht weiter, bei unserer Suche nach einem Schiff. Wir trafen schließlich einen alten Mann und Selene ging auf ihn zu um ihn zu fragen, ob er wüsste welches Schiff uns nach Frankreich bringen kann. Der Mann lächelte und meinte verlegen: „So gut wie jedes, junge Damen! So weit ich weiß fahren nur ein paar Schiffe von hier nicht nach Frankreich rüber! Wo genau wollen sie denn hin?“. Ich lachte, denn das hätten wir uns such denken können. „Wir wollen nach Ägypten!“, antwortete Selene ihm. Ihr Augen fingen an zu funkeln und mir wurde wieder etwas unheimlich. Vor allem half doch diese Antwort dem Mann nicht weiter! Doch ehe ich etwas sagen konnte meinte der Mann: „Dann müssen sie das Schiff dort drüben nehmen! Es wird sie nach Cherbourg , einem Verkehrshafen an der Nordküste, bringen! Ich wünsche ihnen viel Glück auf ihrer Reise! Gott sei mit ihnen.“. Ein Schauer lief mir den Rücken runter und als der Mann schließlich weg war, nahm ich Selenes Arm und drehte sie zu mir.
„Selene?“, fragte ich sie mit gehobener Stimme, „Was war das? Wieso wusste der Mann so plötzlich eine Antwort? Und warum nehmen wir nicht einfach den Weg, den du hierher gekommen bist? Ich verstehe dich nicht! Manchmal machst du mir Angst! Lass das bitte!“. Sie legte ihre Hand auf meine, welche immer noch ihren Arm umschling und meinte nur: „Ich werde es dir noch sagen! Wenn ich dir Angst mache, dann tut es mir Leid! Das ist nicht meine Absicht! Manchmal mache ich mir selbst auch Angst!“, dann lächelte sie mich an und ich fragte vorerst nicht weiter nach. Dann gingen wir zu dem Schiff, auf das der alte Mann gezeigt hatte und fragten, wann sie denn aus dem Hafen auslaufen würden. Der Matrose meinte: „In fast zwei Stunden! Wollen sie mitfahren?“. „Ja, wir würden gerne mitfahren“, antwortete ich ihm. Selene wand sich zu mir und fragte mich, ob wir noch etwas essen gehen wollen. Ich lächelte und meinte: „Gerne! Mir knurrt schon der Magen!“. „Mir auch!“, entgegnete sie mir und lachte. Dann gingen wir in eine kleine Kantine, die direkt am Hafen lag und frühstückten.
Die Tür brach auf und es schepperte einmal laut. „Du Idiot!“, rief eine fremde Stimme. „Habe ich dir nicht gesagt, dass du nichts von fremden Leuten annehmen sollst! Das wirst du büssen!“. Der Mann der in die Kantine hereinkam schubste einen kleinen Jungen vor sich her. Der Junge war verletzt, sein Knie blutete und er weinte. „Nicht Herr! Bitte ich tue es nie wieder! Bitte!“, schrie der kleine Junge. Selene stand auf und schrie dem Mann ins Gesicht: „Hey! Was soll das? Lassen sie den Jungen in ruhe!“. Ich saß still auf meinem Platz und bekam kein Wort raus. Dann kam ein Mann aus der Küche und mischte sich mit ein, er sagt in seiner Kantine gäbe es keine Gewalt und hob die Fäuste. Selene schnappte sich den Jungen und rannte raus. „Hey! Lass meinen Jungen los du Biest!“, schrie der Mann und wollte Selene hinterher, doch der Kantinenbesitzer hob die Faust und schlug dem Mann mitten ins Gesicht. Ich sprang auf, rannte an dem Mann vorbei um Selene zu suchen.
Draußen, vor der Kantine, war es leer. Nur eine Katze huschte von einer Ecke hinter einen großen Karton. „Selene?“, schrie ich laut los. „Pscht! Nicht so laut, Natascha!“, sagte eine leise Stimme von irgendwo her. „Wo bist du?“, fragte ich. „Geh gerade aus und suche eine dunkele Holzkiste! Da sind wir!“, sagte die Stimme wieder. Mir war das unheimlich, woher kam diese Stimme? Ich befolgte jedoch die Anweisungen der Stimme und ging zu der Holzkiste. „Bitte sei leise!“, sagte der kleine Junge mit zitternder Stimme. Seine Gesicht war mit Dreck beschmiert und seine kleinen Finger waren ganz wund. „OK!“, antwortete ich ihm und setzte mich zu ihnen in die Kiste. Selenes Augen funkelten im dunkel, das grün schimmerte stärker als je zuvor. Sie empfand Wut, große Wut auf den Menschen, der dem kleinem Jungen so was antat.
„Wir nehmen ihn erst mal mit!“, sagte Selene entschlossen zu mir. Ich wollte ihr gerade sagen, dass das nicht richtig wäre, als mich der Junge mit seinen großen ängstlichen Augen ansah. „Einverstanden! Er kommt erst mal mit!“, sagte ich schließlich und fragte den Jungen nach seinem Namen. Er sagte er hieße Trinus und kommt ursprünglich aus Tetouân , einer marokkanischen Stadt am Fuß des Rifgebirges. Seine Eltern, so sagte er auch, mussten ihn verkaufen, weil sie sonst nicht überlegt hätten. Selene nahm die Hand von Trinus und versprach ihm, dass wir ihn nach Hause bringen würden. Gut, dachte ich, warum denn nicht. Schließlich tat mir der Junge auch leid und ich wusste ja mittlerweile, dass wir so oder so nach Marokko fahren würden.
Dann stiegen wir aus der Kiste und gingen zu dem Schiff zurück. „Ach ihr wieder!“, rief uns der Matrose entgegen. „Steigt ein! Wir fahren gleich los!“. „Moment!“, rief ich dem Matrosen zu, „Wir haben doch noch gar keine Fahrkarte!“. Der Matrose lacht und meinte, dass das Schiff seinem Onkel gehöre und er uns einfach mitnehmen würde. Also stiegen wir auf das Schiff und setzten uns an Deck. Die Luft war herrlich und die Sonne erwärmte unsere Haut. Ich blickte in den Himmel, er war so blau wie noch nie und keine Wolke war zu sehen. Ich fühlte mich gleich wieder wohler und hörte Selene zu, die dem Jungen eine kleine Geschichte erzählte.
Es war ruhig. Diese Stille war angenehm, aber auch unheimlich. Ich stand an Deck und blickte aufs Meer. Das Mondlicht war hell und beruhigend. Ich wusste immer noch nicht, warum ich überhaupt mitgegangen war. Was sollte ich denn in Ägypten? Aber was sollte ich zu Hause? Dan war weg und ihm zu verzeihen schaffte ich noch nicht. Meine Gedanken waren ungeordnet und verwirrend. Ich beschloss kurzer Hand mich hinzulegen und etwas zu schlafen. Vielleicht würde die Zeit mir meine Fragen beantworten.
Als wir in Cherbourg ankamen war es schon morgens. Wir verließen das Schiff und bedankten und bei dem Matrosen. Jetzt war unser Problem, wie wir weiter nach Südspanien kommen sollten. Wir hatten mehrere Möglichkeiten: Entweder fuhren wir mit einem Bus, oder wieder mit dem Zug oder per Anhalter. Wir haben dann einen Bus genommen, der uns vorerst nach Südfrankreich bringen sollte. Unterwegs ist nichts Besonderes passiert. Wir haben uns mit Trinus über seine Familie unterhalten und ihn gefragt, ob er sich sicher ist, dass er zurück möchte. Er bejahte mit Tränen in den Augen und wir gingen nicht weiter darauf ein. Ich wusste zwar nicht wie wir seine Eltern finden sollten, aber ich hoffte, dass Selene sich da was einfallen lies...
Nach unendlichen Stunden im Bus kamen wir an! Da waren sie: die Pyrenäen! Der Bus hielt in Lourdes, einer südwestfranzösische Stadt im Département Hautes-Pyrénées, am Gave de Pau, einem berühmten katholischen Wallfahrtsort. Als wir ausstiegen holte ich erst mal tief Luft. Es war einfach etwas herrliches nach so einer langen Fahr wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Trinus hüpfte aus dem Bus, schrie kurz :“Wow!“, und legte sich auf die Wiese. Die Sonne stand hoch am Himmel, es war Mittag und Selene beobachtete ein fremdes Mädchen. Es lag hinter einem Strauch und schien zu winseln. Selene ging auf sie zu. Ich ging langsam hinterher um sie nicht bei ihrem Annäherungsversuch zu stören. Als Selene das Mädchen ansprach zuckte es zusammen. „was hast du?“, fragte Selene sie liebevoll. Das Mädchen wirkte ziemlich verstört und sehr ängstlich. Selene bat mich seltsamerweise sie mit der kleinen kurz alleine zu lassen. Ich dachte mir nichts dabei und setzte mich zu Trinus auf die Wiese.
Trinus lächelte mich an. Er strahlte ebenfalls, wie Selene
eine beeindruckende Wärme aus. Seid wir ihn auf dem Schiff neu eingekleidet
hatten und ihm was zu essen gaben, ging es ihm zusehend besser. Das freute mich
sehr, denn ich habe anfangs meine Zweifel daran gehab, dass sich Trinus mit uns
versteht. Was Selene wohl so lange bei dem Mädchen machte? Ich wusste es nicht,
jedoch sollte ich es kurze Zeit später erfahren. Sie kam eine knappe halbe
Stunde später wieder und meinte nur, dass das Mädchen jetzt auf dem Heimweg
sei.
Ich wollte nicht weiter
nachfragen, denn das hätte nur einen unnötigen Konflikt ausgelöst. Die Gegend in
der wir waren war schön und wir beschlossen die Stecke bis zu spanischen Grenze
zu laufen. Wir kauften uns einen Routenplan und suchte nach einer geeigneten
Übernachtungsmöglichkeit. Als wir etwas geeignetes gefunden hatten machten wir
uns auf den Weg. Acht Stunden Fußmarsch würden es werden, wenn wir dann eine
Stunde Pause machten, hätten wir noch genug Zeit um vor Einbruch der Dämmerung
da zu sein.
Nach fünf Stunden erst bat Trinus uns eine Pause einzulegen. Die Landschaft war traumhaft und wir setzten uns auf einen kleinen Hügel in der Nähe eines Bachs. Die Luft war warm, die Sonne brannte auf der Haut. Ich zog mein Oberteil aus um nicht zu sehr zu schwitzen. Trinus lief zum Bach und nahm ein Bad. Selen und ich legten uns zusammen auf die Wiese und blickten in den Himmel.
"Natascha?“, fragte sie hörbar unsicher, „Hast du auch
manchmal das Gefühl, dass ich etwas Seltsames an mir habe? Ich meine nicht
irgend einen Satz, den ich gesagt habe, sonder eine bestimmte Verhaltenweise,
die mir sorgen macht.“ – „Ja.“, entgegnete ich ihr „Manchmal habe ich das
Gefühl, du besitzt eine Macht. Das klingt jetzt sicher seltsam, aber das ist es
auch. Deine Art, wie du Leute ansiehst, mit dem funkeln in deinen Augen. Das
grün, das deine Augen haben strahlt dann eine unbeschreiblich hohe Wärme aus, so
dass man glaubt alles um sich herum zu vergessen.“. Selene schloss ihre Augen.
Ich fragte mich, ob das was ich gesagt hatte so richtig war. Es war nur ein
seltsames Gefühl von meiner Seite.
Selene unterbrach meine Gedanken: „Du hast Recht!“, meinte
sie zu mir „Ich habe das Gefühl die Menschen, die vor mir stehen beeinflussen zu
können. Der Mann am Hafen, weißt du noch?“, fragte sie mich. „Ja, ich weiß es
noch. Er wusste ganz plötzlich, was du von ihm wissen wolltest. Sehr seltsam,
ich wusste nicht wie ich das interpretieren sollte!“. Selene setzte sich hin und
sagte mit leicht zitternder Stimme: „Das meine ich! Wenn ich Leute lange
in die Augen schaue, habe ich das Gefühl direkt in ihre Seele zu sehen. Natascha
das macht mir Angst! Ich weiß in diesem Moment dann genau bescheid über
das Wissen des anderen. Als der Mann am Hafen sagte, dass er nichts weiß, von
einem Schiff, da wusste ich, dass er lügt. Ich wollte, dass er mir sagt, was er
weiß und plötzlich antwortete er mir. Es ist ein Gefühl von Flammen, die in mir
brennen! Ich fühle mich aber auch schlecht dabei. Ich habe nicht das Recht
dazu, einen Menschen etwas zu fragen und gleichzeitig in seine Seele zu sehen.
Das macht man nicht. Ich habe das bei dir auch schon erlebt, Natascha!
Wenn es dir schlecht ging, dann habe ich versucht in dir das gute und
somit deine gut Laune hervor zu holen! Es tut mir Leid! Ich wollte
das nicht!“. Eine träne rinn über ihre Wange und ich nahm sie in den Arm. Ich
wusste nicht, dass ihr diese Sachen solchen Kummer bereitet. Ich war nicht sauer
auf sie, wie könnte ich, nein, ich war erleichtert über ihr Offenheit mir
gegenüber.
Den Rest der Stecke gingen wir zügig. Das Wetter war zwar schön, jedoch waren wir alle sehr müde und wollten an unserem Ziel ankommen. Wir hatten uns da ganz schön was vorgenommen! Die Pyrenäen zu Fuß durchqueren...! Aber ich hatte Geduld, wartete eigentlich nur darauf, dass einer der beiden etwas von „Ich kann nicht mehr! Am besten wir nehmen den nächsten Bus!“, sagte. Kurz bevor es dunkel wurde kamen wir an der Hütte an. Der Wirt war sehr freundlich und bat uns gleich ein Zimmer an. Die Aussicht war einfach fantastisch! Die Bäume, die Berge! So etwas war ich nicht gewohnt. Ich setzte mich in unser Zimmer und schaute aus dem Fenster. Selene erzählte Trinus eine Geschichte, aber ich hörte nicht zu. Ich war in Gedanken versunken und wunderte mich nebenbei, wie Trinus diese Strecke so ganz ohne meckern und streiken gemeistert hatte. Ob Selene dahinter steckte? Nein, sicher nicht! Ich versuchte mir diesen Gedanken aus dem Kopf zu vertreiben, aber er kehrte immer zurück. Sollte ich sie fragen? Sie würde denken, dass ich ihr nicht traue. Aber ich traute ihr doch! Oder? Ich war verwirrt und vor dem Einschlafen dachte ich noch lange darüber nach. Ich kam jedoch zu keinem vernümpftigem Ergebnis.
„Nataaaaaaaaaaaaaaaascha!“, tönte es in meinen Ohren. Dadurch, dass ich am Vorabend so lange nachdenken musste, bin ich erst spät eingeschlafen und wurde nun äußerst grausam geweckt. Trinus stand neben mir und schrie mir direkt ins Ohr, Selene saß auf mir drauf und versuchte mich zu kitzeln. Als ich meine Augen öffnete, blicke Selene mich neckisch an und ich versuchte sie von mir weg zu drücken. Am frühem Morgen muss man sich auch noch freischaufeln. So etwas. Wir amüsierten uns und gingen dann zusammen frühstücken. Trinus kicherte die ganze Zeit über und jedes Mal wenn ich ihn aufforderte das bitte zu unterlassen wurde es schlimmer. Selene musste dann auch lachen und ich fragte mich, was eigentlich so lustig war. Am Tisch angekommen fragte ich nach einem französischem Frühstück, jetzt lachte auch der Wirt. „Was habt ihr eigentlich?!“, fragte ich sie verwirrt. Der Wirt lächelte mich an und fragte ob ich nicht lieber ein Stück Kuchen essen wolle, es sei schließlich schon halb fünf! Oh mein Gott! Das war das einzige, dass mir durch den Kopf ging. Da hatte ich so lange geschlafen. Ich bestellte einen schwarzen Kaffee um wieder klar im Kopf zu werden.
„Warum habt ihr mich nicht geweckt?“, fragte ich Selene. Sie grinste, „Haben wir doch!“, sagte sie dann. „Haha! Aber erst um halb fünf! Warum nicht früher?“, fragte ich nach. „Du warst sehr erschöpft und wir wollten dich ausschlafen lassen! Wir haben dann beschlossen erst morgen weiter zu gehen! Ich habe auch bis ein Uhr geschlafen! Und Trinus ist vor einer knappen Stunde aufgewacht! War wohl alles ein bisschen viel für uns!“.
Nachdem ich meinen Kaffee ausgetrunken hatte, stand ich auf und nahm Selenes Hand. „Lass uns nach draußen gehen!“, bat ich sie. Wir setzten uns in den Garten und blickten in Richtung Berge. Wir diskutierten darüber, wie wir weiterkommen sollten. Schließlich einigten wir uns darauf, dass wir zur nächsten Stadt laufen um einen Zug nach Spanien zu nehmen.
Angst, Zweifel, Trauer und Wut. All diese Gefühle kamen plötzlich wieder hoch. Tränen rinnen mir über die Wangen und ich wusste nicht warum. Ich war so verzweifelt, ich lief auf den Bach zu. „Ich verstehe mich manchmal nicht!“, dachte ich, als ich schließlich im Bach stand. Wut auf mich selbst durchströmte meinen Körper, ich lies mich auf die Knie fallen und meine Hände glitten ins Wasser. Ich war nass und total verwirrt. Der Tag verlief eigentlich ganz gut, nachdem Selene und ich zu ende geredet hatten, sind wir noch mit Trinus spazieren gegangen und haben uns dann wieder hingelegt. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht. Ich hatte einen Traum. Da waren Dan und ich, mit einer kleinen Tochter und ich war wieder schwanger. Wir waren so glücklich. Janine hatte sich bei mir für ihre Fehler entschuldigt und wir waren zu guten Freunden geworden. Dann, als ich gerade glaubte die glücklichste Frau der Welt zu sein, stand Dan vor mir. Er nahm meine Hand, dann blickte er mir in meine Augen. Erst lächelte er freundlich und plötzlich. Ein kühler Schauer durchquerte meinen Körper bei der Errinerung. Plötzlich änderte sich Dans Gesichtsausdruck. Er blickte mich streng an und sagte nur: „Das alles, Natascha, hättest du haben können. Aber du bist fortgegangen und hast mich zurückgelassen! Das war der größte Fehler deines Lebens!“. Dann schüttelte er den Kopf und ich wachte auf. Ich hörte immer wieder seine Stimme in meinem Kopf, seine Worte schienen sich zu realisieren. Es fühlte sich so schrecklich an! Ich stand auf und lief nach draußen.
Da hockte ich nun auf allen vieren im Bach. Der Wind wehte stark und mir war unheimlich. „Was hätte ich denn machen sollen, als du mich damals betrogen hast?“, flüsterte ich. Ich richtete mich auf und schlug aufs Wasser. „Antworte mir!“, schrie ich in die Nacht. Ich schlug immer wieder aufs Wasser und mein Kopf war leer. Keine Gedanken, nur das Gefühl von Angst, vor der Zukunft, Zweifel, gegenüber meiner Entscheidung, Trauer, über die begangenen Fehler und Wut auf mich und auf Dan. Meine Finger waren wund, da ich bei den vielen Schlägen auf dem Grund des Baches aufkam, aber ich spürte den Schmerz nicht. „Wo bist du?! Wohl wieder bei ihr?“, schrie ich wieder aus mir heraus.

„Natascha!“, rief Selene leise und kam zum Bach gerannt. Sie kniete sich vor mich und meinte: „Du brauchst nicht weinen! Mach dir bitte keine Sorgen!“. Dann nahm sie mich in den Arm und das Gefühl von Wut verschwand. Ich weinte mich noch bei ihr aus, sie sagte nichts mehr. Wusste anscheinend was los war mit mir. Dann half sie mir auf. Wortlos betraten wir die Hütte wieder. Selene holte einen Verbandskasten und versorgte meine offenen Wunden an den Händen. Ich blickte gerade aus, war wie in Trance und Selene sagte dann noch, dass ich mich wieder hinlegen sollte. Wir gingen zusammen zurück ins Zimmer. Ich schloss meine Augen und für einen kurzen Moment war mir unheimlich. Ich schlief dann jedoch wieder ein.
"Sieh doch!“, rief Trinus begeistert. „Sieh! Da ist sie! Die französisch-spanische Grenze!“. Begeistert davon, dass wir jetzt bald in Spanien waren, sprang Trinus auf. Er zog an meinem Arm und rief immer wieder: “Los! Natascha! Los! Wir müssen raus!“. Selene sah Trinus streng an und sagte ihm, dass es noch etwas dauern würde, bis wir aussteigen müssen. Wir waren am frühem morgen losgegangen und hatten den Zug um halb sieben nach Pamplona, einer nordspanischen Stadt, genommen. Als ich aufgewacht war fühlte ich mich befreit, leichter und Selene fragte mich noch, wie es mir ginge. Ich antwortete ihr ehrlich und sagte, dass es mir sehr viel besser ging. Der Weg zum Bahnhof war leicht zu finden und wir mussten auch nicht so lange auf den Zug warten.
Als die Lock am Bahnhof hielt sprang Trinus raus und rief fröhlich: „Wir sind raus aus Frankreich! Wir sind in Spanien!“. Selen und ich mussten lachen und entgegneten ihm, dass er Recht hatte. Wir beschlossen den Tag über da zu bleiben und uns in der Stadt etwas umzusehen. Als ich aus dem Zug stieg, wehte mir ein erfrischender Wind entgegen. Ich bekam sofort gute Laune und schlug den beiden vor sie zum Mittagessen in ein spanisches Restaurant einzuladen. Sie sagten natürlich nicht nein und wir liefen in Richtung Stadtmitte um ein geeignetes Lokal zu finden. Die Geschäfte dort waren sehr schön und auch Selene war sichtlich begeistert von der Stadt. Wir fanden schließlich ein Lokal und aßen zu Mittag. Dann machten wir uns auf die Suche nach einem Unterschlupf für die Nacht. Der Tag war sehr anstrengend gewesen und wir waren schon müde, als wir endlich in einem Gasthof ankamen, der uns für wenig Geld dort übernachten ließ.
Bis jetzt hatte uns noch nie jemand auf Trinus angesprochen, aber die Wirtin fragte als erstes, nach dem Vater des Jungen. Mir fiel nichts ein und ich hatte erst Angst, dass wir jetzt etwas falsch machen. Mir wurde erst da klar, dass wir den Jungen entführt hatten! Selene sagt zu der Wirtin, dass er ihr Neffe sein und sie ihn zurück nach Marokko bringen würde. Zum Glück sagte die Frau weiter nichts, mir war in der Zwischenzeit ganz schwindelig geworden. Selene beruhigte mich und sagte, dass schon alles gut gehen wird. Dann gingen wir in das gemietete Zimmer und spielten mit Trinus, sangen und erzählten ihm Kurzgeschichten. Er schien sehr zufrieden und das machte mich glücklich. Wenn man bedachte, was der Junge schon alles durch machen musste!
Nachdem Selene die Geschichte zu Ende erzählt hatte, schlief Trinus sofort ein. Selene dachte wohl, dass ich auch schon schliefe und setzte sich vor Trinus Bett. Sie nahm seine Hand und sah ihn ins Gesicht. Mir wurde unheimlich! Was machte sie denn da? Wollte sie etwa in den Jungen hineinsehen? Das konnte nicht sein, sie sagte doch, dass sie sich dabei schlecht fühlt! Und so ganz konnte ich ihr das immer noch nicht glauben! In die Seele und das Wissen eines Menschen blicken...das war einfach nicht realistisch! Jedoch würde das einige meiner Fragen beantworten. Ich beobachtete Selene von der Seite aus und konnte jede ihrer Handlungen ganz genau beobachten. Erst schloss sie ihre Augen, ich blickte ihr ins Gesicht, dann öffnete sie ihre Augen wieder und richtete sie direkt auf Trinus’ Gesicht. Dann erschrak ich, ich schloss meine Augen ganz schnell, denn ich traute ihnen nicht! Was ich da sah kam mir wie eine optische Täuschung vor! Vielleicht ein falsches Licht, dass in Selenes Augen fuhr.
Ich wollte es genauer wissen, ich war einfach zu neugierig! Ich öffnete meine Augen wieder. Selenes Augen schimmerten grün, es war fast ein leuchten, dass von ihr ausging! Ich bekam eine Gänsehaut und hätte fast los geschrieen. Ich riss mich noch mal zusammen und versuchte mich auf ihre Augen zu konzentrieren. Das war so dumm von mir! Denn was dann geschah, bescherte mir Tagelang Albträume.
Der Raum um mich herum fing auf einmal an zu schweben, mir war schwindelig und als ich dachte, dass ich gleicht umkippe, obwohl ich noch nicht einmal stand! Dann sah ich Selenes schimmern, dieses smarakte grün. Dann erschien es wie in einem Film, ich sah Menschen schreien, Kinder weinen, verletzte Tiere und...NEIN! Das konnte nicht sein! Ich sah Trinus, der auf dem Boden vor einem kleinem Mädchen kniete! Dann kam ein Mann, der ihn anschrie: „Geh fort von hier! Wir können hier nicht mehr für dich sorgen! Geh mit dem Franzosen mit! Da wird es dir besser ergehen, als hier!“.
Trinus sprang auf und fing an den Mann anzubrüllen: „Gib sie mir wieder! Ich will meine Schwester wieder!“. Er weinte, sein Gesicht war dreckig und er hatte Prellungen und blaue Flecken am ganzem Körper! Der Mann erhob die Hand.
„Nein! Nicht!“, schrie ich, dann drehte sich wieder alles, ich sah Selenes Augen und hörte sie sagen: „Was tust du da, Natascha?“. Ein Fallgefühl herrschte in mir! Es wollte nicht mehr aufhören, dieses Gefühl in ein dunkles tiefes Loch zu stürzen war einfach schrecklich! Und Selene? Wieso fragte sie mich denn das? Was hatte ich denn getan? Nichts! Oder? War das falsch, dass ich Trinus schützen wollte? Es drehte sich alles. Diese leere. Ich schloss die Augen.
Als ich meine Augen wieder öffnete, sah ich Selene immer noch an Trinus’ Seite sitzen. Sie hielt seine Hand ganz fest und das Leuchten in ihren Augen war wieder verschwunden. Hatte ich nur geträumt? War ich eingeschlafen und hatte mir eine vollkommen verrückte Situation vor Augen geführt?
Selene streichelte Trinus behutsam über seine Wange und deckte ihn dann richtig zu. Sie blieb noch einen Moment lang sitzen, bis sie schließlich aufstand, sich zu mir umdrehte und mir einen bösen Blick zuwarf. Ich setzte mich langsam auf und erwiderte ihren Blick.
„Was war das?“, fragte ich sie vorwurfsvoll. Sie sagte nichts. „Selene! Rede mit mir? Hast du das gerade auch gesehen?“. Sie stand da, ihren Blick richtete sie nun nach draußen. Stumm blieb sie stehen und als ich sie noch mal fragte, was das sollte, sagte sie nur: „Was denn? Da war nichts...“. Dann verließ sie das Zimmer.
Ich wusste nicht mit meinen Gedanken umzugehen, stand auf und lief ihr hinterher.
„Selene? Antworte mir! Und lüg mich nicht an! Ich habe es doch mitbekommen! Sag doch jetzt endlich was los war! Ich bin verwirrt! So etwas habe ich noch nie erlebt! Dieses Gefühl, es war alles so echt! Wo war ich denn überhaupt?“ . Selene stand an einem großem Baum, den Rücken zu mir gerichtet. „Es tut mir Leid!“, sagte sie leist, ihre Stimme zitterte. Hatte sie vielleicht noch etwas anderes gesehen, außer ich? „Was ist geschehen, Selene?“, fragte ich sie diesmal mit ruhiger Stimme. Selene sank auf ihre Knie und sagte noch mal leise, dass es ihr Leid täte. Ich ging näher an sie ran und sagte: “Es ist ok! Du hast mich nur erschrocken! Kannst du mir jetzt auch noch sagen, was das war? Ich will dich nicht unter Druck setzen, Selene! Aber das, was ich da sah war und ist unfassbar!“. „Ja!“, sagte Selene mit strenger Stimme, ich bekam Gänsehaut, bei ihrem plötzlichen Stimmungswechsel. Sie redete weiter: „Das ist auch unfassbar! Es ist unheimlich und beängstigend! Das einzige, was ich eben wollte, war zu sehen, was mit Trinus geschehen ist! Ich meine bevor er nach Frankreich gekommen war! Du hast dich da irgendwie mit reingeschmuggelt! Ich konnte mich nicht richtig konzentrieren und dann weiß ich nicht mehr was passiert ist! Ich war wieder hier! Ich konnte nichts groß herausfinden, weil du dazwischen kamst!“. Ich war geschockt! Ich hatte mich noch nie richtig mit Selene gestritten, aber das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. „Selene?“, fing ich an „Ich finde es unverschämt von dir in Trinus’ Gedankenwelt zu schauen, ohne, dass er davon weiß! Was spielst du hier? Weiß er davon, wenn du es getan hast? Oder vergessen die Menschen, in die du einfach so eindringst es danach wieder? Hast du eigentlich in mich auch schon so eingeblickt? Verstehst du deswegen so gut, wie ich mich fühle?“.
„Nein!“, sagte Selene. Sie war wieder ruhig, wie in Trance und mir war das in diesem Moment alles sehr unheimlich. Selene stand wieder auf und drehte sich zu mir. Sie nahm meine Hand. „Natascha! Bitte tu mir das nicht an! Ich habe nie in deine Gedanken geblickt! Ich habe mich in Trinus’ Traumwelt hineingelebt um heraus zu finden, wohin wir ihn bringen müssen! Und um zu sehen, wie er gelebt hat! Das war nicht fair, ich weiß, aber manchmal geht das von alleine! Ich spüre dann einen Drang danach, mich in den Menschen zu denken! Ich habe das Gefühl, da schreit eine innere Stimme von dem Menschen vor mir nach Hilfe! Ich kann dann einfach nicht anders...Aber glaub mir bitte, dass ich das bei dir noch nie gemacht habe! Bitte, Natascha! Ich brauche dich! Du bist mir eine gute Freundin geworden und ich möchte dich nicht verlieren! Du musst mir vertrauen! Bitte.“. Ihre grünen Augen schauten mir entgegen. Sie wartete auf eine Antwort und als sie noch mal „bitte“ sagte, lief eine Träne aus ihrem Auge. Ich nahm sie in den Arm. „Ich vertraue dir, Selene!“, sagte ich ihr. Sie lächelte mich an und wischte ihre Tränen weg. Ich wollte mich nicht mit ihr auseinandersetzen, dass hätte nur böse geendet! Ich fragte auch nichts weiter. Wir gingen wieder auf unser Zimmer und schliefen einigermaßen glücklich ein.
Madrid, Gibraltar.
Als wir am nächstem Tag aufwachten lag Trinus nicht in seinem Bett. Ich sprang auf und sah, dass Selene noch schlief. Ich ging auf dem Zimmer und fragte die Wirtin, ob sie Trinus gesehen hätte. Sie meinte, dass er vor ca. 2 Stunden das Haus verlassen hat. Ich lief zurück ins Zimmer und weckte Selene. Sie sprang auf, zog sich an und lief mit einem „Oh nein!“, aus dem Haus. Ich stand kurz da und lief ihr dann nach.
Draußen konnten wir erst mal nichts von ihm sehen. Wir riefen seinen Namen, aber da kam nichts zurück. Selene fing an zu weinen. Ich war verwirrt. War da vielleicht etwas geschehen, von dem ich noch nichts wusste? Ich hielt sie fest. „Selene? Was ist los? Verschweigst du mir etwas?“, fragte ich sie. „Ich hab Angst um ihn!“, stammelte sie hervor „Ich weiß nicht, ob er vielleicht von dem was wir getan haben etwas mitbekommen hat! Was wenn er jetzt allein zurück will? Das schafft er nie! Ich mache mir solche Vorwürfe! Ich weiß noch nicht mal richtig, ob das für die Person so gut ist, wenn ich mich in sie denke!“. Einerseits war ich darüber geschockt, dass Selene nichts über eventuelle Nebenwirkungen ihres Handelns wusste, andererseits hatte ich Mitleid. Ich nahm sie in den Arm, sagte ihr, dass alles wieder gut wird und dann suchten wir weiter.
Als wir in dem kleinem Wäldchen am Rande des Stadtteils nichts fanden, kehrten wir betrübt ins Zentrum zurück. Wo war er nur? Und: Was hatte er? Wir gingen an den Schaufenstern vorbei und da stand er: Trinus! In einem Laden und schaute sich Spielzeug an! Selene verlor die Fassung, stürmte in den Laden und schloss Trinus in ihre Arme. Sie fing an zu weinen und hielt ihn einfach nur fest. Ich ging ihr hinterher und lächelte. Ich war froh, dass wir ihn wieder gefunden hatten und auch, dass er anscheinend nichts hatte. „Trinus, „, sagte ich zu ihm und Selene lies ihn wieder los, „wir haben uns Sorgen um dich gemacht! Sag bitte nächstes mal bescheid, wenn du das Haus verlässt. Bitte!“. Trinus war erstaunt darüber, dass wir uns solche Sorgen um ihn gemacht hatten und versprach nächstes mal vorher was zu sagen. Wir gingen zurück in den Gasthof, aßen etwas und packten unsere Sachen. Wir wollten so schnell wie möglich weiter, denn uns fiel auf, dass die Wirtin jede unserer Handlungen mit Skepsis beobachtete. Wir bedankten uns bei ihr und verließen das Haus.
Am Bahnhof angekommen nahmen wir den nächsten Zug nach Madrid. Selene sagte uns, dass sie dort eine Bekannte hat, die uns freundlich aufnehmen wird. Die Zugfahrt verging relativ schnell. Wir fragten Trinus noch nach seinem Befinden um ganz sicher zu gehen, dass er nichts gemerkt hatte. Er sagte ihm geht es sehr gut und er machte einen stabilen Eindruck auf uns. In Madrid angekommen, lief Selene zum Telefon und telefonierte. Sie telefonierte ungefähr eine halbe Stunde. Dann legte sie endlich auf, drehte sich um und sagte: „Wir werden in zehn Minuten abgeholt!“. Als wir vor dem Bahnhof standen und warteten fragte ich Selene wer diese Bekannte eigentlich war und woher sie sich kannten. Selene lachte und fing an zu erzählen: „Sie heißt Jona und ist, nein war mal meine beste Freundin. Sie lebte auch in Alexandria, ihre Eltern waren Fischverkäufer und studierten damals eine bestimmte Art von Fischen. Das war eine sehr heikle Sache und sie waren auch nur ein halbes Jahr in Alexandria, dann zogen sie erfolglos wieder zurück nach Madrid. Jona und ich waren jeden Tag zusammen und sie erzählte mir von ihrem Leben, wie es ist in Spanien zu leben und was sie an Alexandria mag und was nicht. Sie beschrieb mir eine Lebensweise, von der ich immer geträumt hatte und kurz bevor sie abreisten versprach ich ihr sie einmal zu besuchen!“. „Wow!“, sagte ich erstaunt, „Wie lange ist das denn jetzt her?“. „Fünf Jahre!“, antwortete Selene mir, „Und heute sehe ich sie endlich wieder! Ich freue mich.“. Selenes Augen strahlten und als sie eine Kutsche mit einer für mich fremden Frau um die Ecke kommen sah, hatte sie einen so atemberaubend glücklichen Gesichtsausdruck, dass ich mich gleich mit freuen musste.
Die Kutsche hielt vor uns an und die Frau sprang herunter. „Selene!“, rief sie und nahm Selene in ihre Arme. „Jona! Du bist es wirklich, ich dachte ich sehe dich nie wieder! Wie geht es dir?“, fragte Selene Jona mit Tränen in den Augen. „Mir geht es sehr gut, Selene, und ich weiß gar nicht was ich jetzt sagen soll! Wer sind eigentlich die beiden dort?“. Selene lies Jona los und lächelte mich an. „Das ist meine Freundin Natascha, sie begleitet mich nach Alexandria zurück und der junge heißt Trinus! Wir haben ihn in Plymouth aufgegabelt und bringen ihn zurück zu seinen Eltern nach Tetouân, zurück nach Marokko.“ Ich reichte Jona meine Hand und sie hieß mich herzlich willkommen. Dann siegen wir in die Kutsche und fuhren zu ihrem Haus.
Das Haus von Jona war sehr schön und ich fand es schade, dass wir nur für eine Nacht dort bleiben konnten. Sie stellte uns ihren Mann und ihre zwei Töchter vor. Ihr Mann, Pascal, war groß und sehr attraktiv, ihre Töchter waren eineiige Zwillinge hießen Jam und Jinn. Die Namen kamen mir etwas albern vor, aber sie schienen nett zu sein und entführten Trinus, der sichtlich begeistert war von den beiden, in ihre Zimmer. Ich war müde und legte mich für zwei Stunden auf die Couch im Gästezimmer. Selen saß mit Jona im Wohnzimmer und unterhielt sich mit ihr. Als Selene ins Gästezimmer kam, wachte ich auf. „Endschuldige, Natascha, ich wollte dich nicht wecken!“, sagte Selene erschrocken. „Hast du nicht1“, antwortete ich ihr liebevoll. Ich stand auf. „Natascha?“, fragte Selene mich unsicher. „Ja? Was ist?“, antwortet ich ihr unsicher. „Setz dich!“, sagte sie, „Ich muss mir dir reden. “Okay.“, fing sie an, „Ich habe dir den Grund dafür, dass ich nach Alexandria zurückkehren möchte noch nicht gesagt, weil ich es noch nicht genau wusste, aber Natasch, jetzt weiß ich zu mindest, dass ich dir das was ich weiß nicht länger verheimlichen sollte.“.
Ich blickte in ihr Gesicht, „Selene? Aber wieso willst du mir das ausgerechnet jetzt sagen?“. Sie setzte sich neben mich und nahm meine Hand. „Weil Jona mir klar gemacht hat, was du alles für mich riskierst! Du vertraust mir, folgst mir in ein fremdes Land ohne auch nur eine geringste Ahnung zu haben warum, einfach nur um mir einen Gefallen zu tun! Ich danke dir für dein Vertrauen und will dir zeigen, dass ich es auch wert bin!“. „Danke, Selene!“, sagte ich und höre ihr zu, wie sie anfing zu erzählen.
„Diese Träume, von denen ich dir erzählt habe, habe ich jede Nacht. Und ganz extrem war dieser Traum in jener Nacht bei dir zu Hause, in der ich dir sagte, dass ich zurück nach Alexandria muss. Jedes mal wenn ich diesen Traum gehabt habe, habe ich ein dringendes Bedürfnis herauszufinden, was genau der Traum bedeuten soll.“. Ich unterbrach sie, „Selene? Worum geht es denn in deinem Traum?“. Sie redete weiter, „In meinem Traum sehe ich Menschen, die mir jedes mal bekannter vorkommen, ich rede mit ihnen, lebe mit ihnen, ich weiß ganz genau, dass ich sie kenne. Mein Problem ist, dass ich nicht weiß, wer sie sind. Den einzigen Anhaltspunkt, den mein Traum mir bietet ist Alexandria. In dem Traum sehe ich auch meine Eltern und dann verschwinden sie plötzlich und da sind diese anderen Menschen. Ich fühle was für sie, sie kommen mir so unglaublich bekannt vor! Natascha, ich muss einfach herausfinden, wer sie sind! Und falls du dich jetzt fragst, warum ich dich gefragt habe, ob du mich begleitest. Ich sage es dir! Ich habe dich kennen gelernt und dann haben diese träume angefangen. Natascha, du warst eine der Personen, die ich dort gesehen habe, aber ich weiß nicht in wie fern du da rein gehörtst! Wenn du nein gesagt hättest, hätte ich nicht noch mal gefragt, weil ich weiß, dass es alles sehr gefährlich ist! Und von dir zu verlangen, dass du für einen Traum von mir dein ganzes Leben aufgibst, dass konnte ich nicht einfach so. Als du „Ja.“ gesagt hattest, war mir klar, dass es so seien soll. Ich weiß nicht, was noch alles für Kräfte in mir stecken, und ich weiß auch nicht woher sie kommen, aber ich hoffe von diesen Menschen in meinem Traum eine Antwort zu bekommen! Ich muss sie nur finden, irgendwo in Alexandria.“
Ich kann meine Gefühle in diesem Augenblick nicht richtig beschreiben. Ich war einerseits begeistert und total gerührt von dem was Selene gesagt hatte, andererseits war ich unsicher, ob ihr Vorhaben erfolgreich seien würde. „Selene,“, sagte ich zu ihr, „ich vertraue dir und werde dir helfen diese Menschen zu finden. Seid ich dich kenne hat sich mein Leben durch und durch geändert. Ich habe so viel erlebt, so viel gesehen und gefühlt. Ich habe keine Angst mehr, seid ich weiß, dass du für mich da bist und wir werden das schaffen! Wir finden diese Menschen und auch die Antworten auf deine Fragen!“. Ich stand auf und nahm sie in den Arm. „Danke!“, sagte sie zu mir, ich lächelte. Dann legte Selene sich hin und ich ging nach unten um einen Kaffee zu trinken.

Die restlichen Stunden in dem Haus waren sehr angenehm, ich fühlte mich dort richtig wohl und war überrascht darüber, dass es mir zur Stunde der Abreise so schlecht ging. Ich glaube im nachhinein, dass es nicht an den Haus oder der Familie die wir besuchten lag, nein. Ich glaube, dass es an Selenes Offenheit mir gegenüber lag. Wir verabschiedeten die anderen und machten uns mal wieder auf den Weg zum Bahnhof. Womit wir nicht gerechnet hatte war, dass in den nächsten drei Tagen kein Zug mehr Richtung Gibraltar fahren würde. Trinus war gleich am Boden zerstört, da es von Gibraltar zurück in seine Heimat Marokko nur noch ein Katzensprung war. Und nun sollte er drei Tage darauf warten, seiner Heimat wieder ein Stück näher zu kommen. Ich kniete mich nieder um ihm etwas zu sagen. Er sah mich erwartungsvoll an, und als ich ihm sagte, dass wir mit einer Kutsche weiter nach Gibraltar fahren, lächelte er auch schon wieder. Selene war zwar etwas durcheinander, sie meinte, dass es unendlich viel Geld kosten würde, eine solche Kutsche zu bezahlen und dass wir auch so schnell niemanden finden werden, der uns noch Gibraltar fährt, aber ich lächelte sie nur an und meinte: „Ich mache das schon!“.
Die Zeit schwand und etwas unbekanntes lag in der Luft. Der Gedanke an einen Zug kam mir absurd vor. Ich begann mich sogar zu fragen, was denn eigentlich ein Zug sei. Mittlerweile saßen wir in der Kutsche und Trinus beobachtete begeistert die vier Kutschpferde. Mit jedem Meter den wir uns Marokko und somit auch Alexandria näherten, hatte ich das Gefühl die Zeit geht zurück. Alles war so anders, ich kann es nicht genau beschreiben, aber was ich sicher sagen kann ist, dass ich als wir einen Tag später in Gibraltar ankamen, nicht mehr wusste, dass es das Wort „Zug“ überhaupt gibt, geschweige denn was das war. Alles war so neu, und dennoch merkte ich es nicht. Ich bekam nicht mit, dass wir um einige Jahrhunderte zurückgesetzt wurden, und was mich noch viel mehr stört, ich machte mir über dieses ungewisse Gefühl, das ich hatte, gar keine Gedanken. Das einzige, was ich zu der Zeit dachte war „Natascha! Du lebst! Jetzt lebst du richtig! Du hast etwas gefunden, dass dir einfach jeden Wunsch erfüllt. Du Hast Freunde, du fühlst dich wohl und du bist gesund.“. Als ich aus der Kutsche stieg wurde mir schwindelig und als ich wieder aufwachte lag ich in einem Bett, in einem mir unbekanntem Raum.
„Na du!“, sagte Selene zu mir, als ich meine Augen wieder öffnete. „Hi,“, antwortete ich ihr etwas verwirrt. Ich setzte mich hin und schaute mich um. „Wo sind wir?“, fragte ich sie. Selene stand auf und ging zum Fenster. „Wir sind in Gibraltar.“, sagte sie schließlich zu mir. „Du bist einfach umgefallen. Der Doctor meint, es läge an der vielen Sonne, die dir während der Fahr auf den Kopf geschienen ist. Wie geht es dir denn?“, fragte Selene mich und setzte sich wieder neben mein Bett. „Ganz gut,“, antwortete ich ihr „ich bin nur etwas durcheinander, aber das gibt sich wieder!“. Ich lehnte mich zurück und schlief noch etwas. Als ich nach einer Stunde wieder aufwachte, saß Selene nicht mehr an meinem Bett. Ich stand auf, zog mich um und verließ das Zimmer.
Das Haus, in dem wir waren, war ein großes altes Haus mit einigen Gemälden an der Wand. Ich blickte mich um und beschloss erstmal nach unten zu gehen. Die Lobby war riesig und prachtvoll. Selene kam mir eintgegen und nahm meine Hand. „Wir bleiben nicht mehr lange!“, sagte Selene etwas hektisch zu mir. „Wieso nicht?“, fragte ich sie. Sie blieb stehen und drehte sich zu mir. „Ich möchte Trinus nicht länger bei uns haben, das wird mir zu gefährlich!“. „Zu gefährlich?“, fragte ich sie. „Ja, du hast richtig gehört. Ich werde es dir schon noch erklähren, aber nicht jetzt, Natascha! Wir haben kaum noch Zeit! Lass und Trinus endlich zurück nach Hause bringen! Er hat genug durchmachen müssen.“, sagte Selene zu mir und lächelte mich an. Selene stellte mir noch den Hausbesitzer, einen alten Freund von ihr, vor und dann packten wir wieder unsere Sachen. Das was Selene gesagt hatte mschten für mich wenig Sinn, aber ich nahm es einfach so hin. Wir machten und zu Fuß auf den Weg zum Hafen. Bald würden wir Marokko endlich erreicht haben.
Es war ein Kinderspiel, ein geeignetes Schiff zu finden, dass uns nach Marokko bringen sollte. Jedes zweite Schiff fuhr dort hin. Wir nahmen das erst beste und machten es uns an Deck bequem. Als wir endlich in Marokko ankamen find Trinus an zu weinen. Selene beugte sich zu ihm nieder und fragte ihn, was er habe. Er sah uns an und sagte: „Ihr habt mir so viel geholfen, ohne euch wäre ich nie wieder in mein Heimatland zurückgekehrt. Danke Selene und auch an dich danke, Natascha. Ich bin grade etwas traurig, da ich euch wahrscheinlich nicht wiedersehen werde. Aber ich wünsche euch alles Gute.“. Selene nahm Trinus in den Arm. Mir wurde das alles zu emotional und wir gingen auch schnell weiter. Schließlich war es noch eine weite Strecke bis hin zu der Stadt, in der Trinus lebte. Um nach Tetouân zu kommen, schlossen wir uns einer Karavane an. Die Stimmung in der Gruppe war ziemlich düster, aber das störte mich nicht. Selene allerdings machte einen sehr nachdenklichen Eindruck auf mich und ich fragte mich, was los war. Aber ich war zu müde, um sie zu fragen.
Stunden später kamen wir dann in Tetouân an.
Die Stadt war einerseits sehr prachvoll, andererseits erbärmlich und arm. Trinus konnte es kaum fassen und lief sofort in eine mir unbekannte Gasse. Eine ältere Frau kam um die Ecke, sie trug ein zerfetztes Kleid und ihr Körper war dürr und abgemagert. „Nonna!“, schrie Trinus und lief der Frau entgegen. Als die Freu Trinus erblickte find sie an zu weinen und sackte auf die Knie. Sie nahm ihn in den Arm. „Trinus,“, sagte sie mit zitternder Stimme, „mein Junge, Gott sei dank. Du lebst! Wie kommst du hier her?“. Trinus hielt die Frau im Arm, er wollte sie garnicht mehr loslassen. Schließlich erzählte er ihr, wie Selene und ich ihn gefunden hatten und wie wir beschlossen hatten ihn nach Hause zu bringen.“. Die Frau kam auf Selene und mich zu, dann sank sie wieder auf die Knie, faltete die Hände und sagte:
„Ihr müsst Engel sein! Euch schickt der Himmel! Gott segne euch, ihr habt das Unmögliche möglich gemacht! Ich dachte, dass ich meinen Enkel Trinus niemals wieder sehen werde! Seine Eltern werden euch jeden eurer Wünsche erfüllen! Ihr habt unsern Jungen nach Hause gebracht!“. Selene und ich waren überglücklich, sagten der Frau, dass wir das gerne getan hatten und folgten ihr immer tiefer in die Gasse hinnein.
Das Wiedersehen zwischen Trinus' Eltern und ihm war wunderschön. Sie freuten sich einfach nur darüber, dass sie ihren Sohn wieder hatten und bedankten sich bei uns. Wollten uns mit dem beschenken, was sie hatten und das war nicht sehr viel. Wir dankten ab, gaben ihnen etwas Geld, auch wenn sie es erst nicht annehmen wollten, und bedankten uns bei ihnen für den netten Empfang. Selene und ich mussten weiter. Wir verabschiedeten uns von Trinus und von seiner Familie und machten uns auf den Weg, eine Karavane Richtung Ägypten zu suchen. Als wir ein paar Schritte gegangen waren hörten wir Trinus, wie er uns hinterher rief: „Ich werde euch vermissen! Danke für alles, was ihr für mich getan habt! Lebt wohl.“. Mir schossen die Tränen in die Augen bei dem Gedanken ihn nie wieder zu sehen und ich drehte mich um. Trinus rannte auf uns zu, ich kniete mich nieder und nahm ihn in den Arm. „Wir werden dich auch vermissen, Kleiner!“, sagte ich liebevoll zu ihm. Ich gab ihm einen Kuss auf die Stirn, dann nahm Selene ihn nochmal in den Arm und er lief zurück.
Wir gingen Richtung Stadtmitte um und nach einer Gruppe unzuschauen, der wir uns anschließen konnten um durch die Wüste zu kommen. Nach einer Weile trafen wir einen Mann. Er lag verwundet auf dem Boden. Ich lief hin und fragte ihn, ob ich ihm helfen könne. Er sagte mir, dass er in einer Mätzellei einen Stein gegen sein Bein bekommen hat und er jetzt nicht mehr von alleine laufen kann. Selene und ich halfen ihm auf und setzten und erstmal an den Wegrand. Sein Oberschenkel war angeschwollen und an der Stelle, wo der Stein sein Bein getroffen hatte, bildete sich ein Bluterguß. „Das muss erstmal gekühlt werden!“, sagte ich, Selene stimmte mir zu und wir gingen mit ihm hinunter zum Fluss. Ich riss ein Stück meines Kleids ab und tunkte es in das Wasser, dann wrang ich es aus und wicklete es ihm un sein Bein. Nebenbei erzählte der Mann uns, dass es in dem Streit um ein krankes Pferd ging, was er jetzt nicht mit auf seine nächste Tour durch die Wüste nehmen konnte. „Sie gehen durch die Wüste?“, fragte Selene ihn darauf hin. „Ja,“, meinte er „ich führe eine Karavane an, wir reisen mit Pferden, nicht mit Kamelen. Manche ziehen Kamele Pferden in der Wüste vor, ich jedoch liebe es durch die Wüste zu reiten.“. „Hmm...“, meinte ich darauf hin, „Hätten sie noch zwei Pferde frei? Selene und ich wollen nach Ägypten und suchen noch eine passende Gruppe für uns.“. Der Mann lächelte und hielt mir seine Hand entgegen. „Ich bin übrigends Colom!“.

„Wir werden dort die erste Rast machen.“, sagte Collom, nachdem er wieder so einigermaßen gehen konnte. Er hatte eine Karte herrausgeholt und zeigte uns den Weg nach Ägypten. Wir besprachen dann, wann und wo wir halten und übernachten sollten. Als das alles erledigt war gingen wir mit Collom zum Treffpunkt der Karavane. Die Leute sahen nett aus und mit Selene und mir waren wir fünf Leute. Die Truppe war sehr klein, da wie Collom schon erwähnte, die Menschen es vorziehen mit Kamelen durch die Wüste zu reiten. Nachdem wir uns kurz vorgestellt hatten, halfen wir kurz die Pferde zu beladen und dann ging es auch schon los. Unser nächstes Ziel lautete: Ägypten.
Zu Beginn ritten wir recht schnell, aber nach einer Weile konnten die Pferde nicht mehr und wir verringerten das Tempo. Selene ritt direkt neben mir, ich sah sie an und sie lächelte zurück. Mein Herz pocherte immernoch, denn mir wurde immer bewusster, was ich da machte. In dem Moment, wo mich Selene damals gefragt hatte, ob ich mir ihr reisen würde, hätte ich nie gedacht, dass es so aufregend wird und vor allem nicht, dass es mir so gut gefallen würde. Abwohl ein seltsames Gefühl in mir herrschte. „Hast du wieder geträumt?“, fragte ich Selene. „Ja,“, antwortete sie mir „aber nicht das was ich mir erhofft hatte. Natascha mich macht es einfach warnsinnig, ich sehe sie und ich liebe sie, aber ich weiß einfach nicht wer sie sind! Dieses Gefühl die Menschen furchtbar gerne zu haben und sie aber garnicht zu kennen macht mir Angst.“. Selenes Augen füllten sich mit Tränen, sie war verzweifelt und verwirrt. „Nicht weinen!“, sagte ich mit ruhiger Stimme zu ihr, „Wir finden eine Antwort! Das verspreche ich dir, Selene!“. Sie reichte mir ihre Hand und drückte sie dankbar, dann nickte sie und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Als es abend wurde kamen wir an unsere erste Raststätte. Ein kleines Dorf im Nirgendwo, aber die Menschen schienen dort recht gut zu leben. Eine ältere Dame zeigte uns, wie sie ihren Tag verbrachte, wie sie ihre Kinder und Enkelkinder ernährte und ich war schlichtweg begeistert. Ich wusste zwar nicht, wie ich es immer anders gemacht hatte, aber ich war faziniert von dem, was die Frau mir zeigte. Unsere Gruppe schlug am Rande des Dorfes ein Lager auf und nachdem wir uns etwas unterhalten hatten gingen die anderen schlafen.
Selene und ich saßen noch draußen und schauten in den Himmel. Keine einzige Wolke war zu sehen und der Mond war groß und voll. „Danke, dass du da bist, Natascha.“, sagte Selene zu mir. „Gern geschehen!“, sagte ich zu ihr. Wir legten uns in den Sand und blickten in den Himmel. Dann begannen wir ein längeres Gespräch:
„Selene, als du mich damals gefragt hast, ob ich mit dir komme, was dachtest du dir dabei?“ - „Ich kann es dir nicht genau sagen, Natascha, aber...“. Sie stoppte mitten im Satz und eine Träne der Verzweiflung rann ihr über die Wange. „Selene! Was ist denn?“, fragte ich sie traurig und verwirrt zu gleich. Sie stand auf und ging ein paar Schritte nach vorne. Als sie weitersprach, stand sie mit dem Rücken zu mir. Ich hörte ihr gespannt zu.
„Natascha, der Grund, warum ich genau in deine Stadt kam war nicht der, dass ich nicht wusste wohin. Ich kam um dich zu holen. Ich habe dich ein wenig angelogen, denn ich musste erst dein Vertrauen für micb gewinnen. An dem Abend, wo ich dich gefragt habe, ob du mitkommst, wusste ich, dass du „ja“ sagen würdest. Es tut mir Leid, aber es ging nicht anders.“, ihre Stimme zitterte, ich war geschockt, aber sagte nichts und wartete darauf, dass sie weiter sprach.
Sie holte tief Luft und erzählte weiter: „Natascha, das mag komisch klingen und ich hoffe, dass du es mir abnimmst, aber du bist eine der Personen aus meinen Träumen. Am Anfang konnte ich dich nicht erkennen, aber dann gab es in meinen Träumen Hinweise auf deinen Aufenthaltsort und dein Gesicht kannte ich einige Nächte später genaustens. Ich kann dir das nicht richtig erklären, wenn ich es dir damals gesagt hätte, dann hättest du mir nicht geglaubt, da bin ich mir sicher. Ich möchte, dass du mir das glaubst. Ich weiß nicht, in wie fern wir was miteinander zu tun haben, aber wir haben es! Und ich bin davon überzeugt, dass wir die Antwort auf die Frage, was uns verbindet in Alexandria finden werden. Es tut mir so Leid. Aber du musst mir vertrauen. Bitte!“.
Das war wie ein Schlag an den Kopf für mich. Ich war total durcheinander und musste das erstmal verdauen.
Ich setzte mich hin und schwieg erstmal.
„Selene,“, fing ich an, „ich weiß nicht, was ich jetzt sagen oder denken soll. Ich glaube dir das, aber woher soll ich wissen, dass ich wirklich die Person aus deinen Träumen bin?“. Ich stand auf und Selene dreht sich mit ihrem gesicht zu mir. Ihre Augen waren verweint und spiegelten eine deutlich zu erkennene Verzweiflung wieder.
Sie nahm meine Hände und sah mich an, dann fragte sie: „Sag mal, hast du denn nicht manchmal ein gewisses Gefühl mir gegenüber gehabt? Ein Gefühl der Vertrautheit und Wärme, obwohl wir uns noch nicht so gut kannten? War da nichts dergleichen, was dir aufgefallen ist?“. Ich dachte nach. Und mir fielen die vielen Situationen ein, in denen ich ein solches Gefühl gegenüber Selene hatte. „Doch,“, sagte ich, „ich hab dir von Anfang an vertraut und mich in deiner Nähe sehr geborgen gefühlt. Manchmal war es ein Gefühl, dass ich selbst Heute noch nicht definieren kann. Selene, du hast Recht mit deiner Behauptung! Und ich bin dir nicht böse, weil ich deine Gründe sehr gut verstehen kann.“. Selene lächelte und wieder stiegen ihr die Tränen in die Augen, ich fügte hinzu: „Und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als mit dir gemeinsam eine Antwort zu finden!“. In dem Moment konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und fing auch an zu weinen. Ich nahm sie in den Arm und hielt sie fest. „Danke, Natascha!“, sagte sie zu mir, „Danke für dein Vertrauen, danke dafür, dass du da bist...Ich danke dir für alles!“.
Wir standen dort noch einige Minuten so und gingen schließlich schlafen.
Am nächsten Morgen wurden wir von Colom geweckt. Wir standen auf, aßen was und sattelten die Pferde. Dann ritten wir los. Stunden um Stunden in der prallen Sonne, ab und zu hielten wir um die Pferde zu tränken und um uns etwas aus zu ruhen. Meilen um Meilen ritten wir weiter und immer weiter. Zu Abend schlugen wir unser Lager in der Nähe einer kleinen Oase auf. „Ich bin ganz schön erschöpft.“, sagte ich zu Selene, während ich beim Schlafsack ausbreiteten eine Pasuse machte. Sie lächelte und lehnte ihren Kopf gegen meine Schulter. „Ich auch.“, sagte sie, „Und das, obwohl ich ja nur faul auf dem Pferd saß!“. Ich musste lachen. „Reiten ist ziemlich anstrengend.“, sagte ich zu ihr, „Vor allem, wenn dein Pferd alle paar Meilen nicht da hin möchte, wo du es gerne lang haben willst!“. Selene grinste. „Genau,“, meinte sie darauf hin zu mir, „hast du vorhin mitbekommen, dass ich fast vom Pferd gefallen wäre, weil das liebe Tier über einen Steinhaufen und nicht neben her gelaufen ist?“. Ich prustete los. Ich hatte es mitbekommen, und wie. Selene hatte krampfhaft versucht ihrem Pferd klar zu machen, dass es links um den Steinhaufen herrum laufen sollte. Jedoch hatte sie es nicht geschafft und das Pferd holperte ein wenig ungeschickt über die Steine. „Lach nicht!“, versuchte sie einigermaßen streng zu mir zu sagen. „Tut mir Leid!“, sagte ich mit einem schadenfrohem grinsen auf dem Gesicht. Dann breiteten wir unsere Schlafsäcke weiter aus um uns schließlich hin zu legen, denn uns taten sämtliche Knochen weh.
Die nächsten zwei Tage waren recht anstrengend. Selene und ich hatten Muskelkater und Colom versuchte uns mit Pflanzenheilmitteln davon zu befreien. Es hals ein wenig und Selene meinte sogar, dass ihre Schmerzen ganz weg sein. Mittlerweile hatten wir Marokko verlassen und ritten entlang des Saharaatlas' in Algerien. Die Landschaft war eintönig und braun. Ein helles braun, dass einen, wenn man nicht wüsste wohin, schlichtweg zur Verzweiflung gebracht hätte. Die nächste längere Rast wollten wir in Ghardaïa, einer algerischen Oase in der nördlichen Sahara, machen. Es war interessant mit an zu sehen, was die Sonne alles mit dem Sand machte. Ich sah zum Teil die verrücktesten Dinge, doch was ich an diesem Tag sah, dass sah nicht nur ich, sondern die anderen auch. Es kam ein starker Sturm auf. Colom sagte, dass wir ruhig bleiben sollten und erstmal von den Pferden steigen sollen. Wir stiegen also von den Pferden. Ich sah Selene verwirrt und etwas ängstlich an. Sie zuckte nur mit den Schulter und machte einen ähnlichen Gesichtsausdruck wie ich. „Der Sturm wird knapp an uns vorbeiziehen. Wir haben wohl Glück.“, sagte Colom. „Dann können wir doch weiterreiten!“, meinte ich darauf zu Colom. „Nein!“, schrie er zurück, „Blos nicht, dass wäre unser sicherer Tod!“, sagte er. Mein Herz begann wie wild zu schlagen. Ich bekam Angst. Colom befahl seinen Pferden sich hin zu legen. „Lehnt euch hinter die Pferde!“, befahl er uns und wir gehorchten. „ Der Strum kommt aus dem Süden, da ist es sinnvoll, wenn man sich auf der Nordseite gegen das Pferd lehnt!“, meinte Colom mit strengem Blick zu mir. „Tut mir Leid!“, sagte ich zu ihm. „Ich wollte nicht ausfallend klingen, Natascha, ich mache mir nur Sorgen. Mit Sandstürmen istnicht zu Spaßen.“.
Mein Herz schlug wie verrück als es plötzlich ganz laut wurde. Der Wind pfeifte wie wild. „Schließt jetzt die augen und macht sie erst wieder auf, wenn ich es euch sagte!“, schrie Colom so laut wie er nur konnte. Ich schloss meine Augen. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber der Sand peitschte gegen meine Beine und ich hörte einen Schrei. „Ruhig bleiben!“, rief Colom zu uns, „haltet euch an dem Sattel des Pferdes fest! Die sind das schon gewöhnt und halten so einen kleinen sandsturm gut aus.“. Ein kleiner Sandsturm, als ich das hörte fragte ich mich, was denn ein großer Sandsturm ist. Ich wollte nicht länger dran denken, ich betete nur, dass der Sand bald aufhört gegen meinen Körper zu peitschen. Ich klammerte mich an den Sattel. „Selene?“, rief ich laut. „Mir geht es gut!“, schrie sie zurück. Dann konzentrierte ich mich nurnoch darauf, mich an dem Pferd fest zu halten.
Mit einem Mal wurde es Still.
„Ihr könnt die Augen wieder öffnen!“, sagte Colom mit ruhiger Stimme. Etwas zöglerlich öffnete ich die Augen. „Autsch“, rief ich und schloss die Augen gleich wieder. Dann klopfte ich den Sand aus meinem Gesicht und machte die Augen wieder auf. „Natascha?“, rief Selene etwas unsicher. „Ich bin hier! Ich hatte nur etwas Sand in meinen Augen.“, antwortete ich ihr. „Natascha, komm mal bitte!“, rief Selene. Ich stand auf und sah Selene etwas weiter von mir weg stehen, wie sie auf ein gelb-brauen Gebilde blickte, dass in der Ferne entstanden war. „sieht nach einer ruine aus!“, sagte Colom, er versichterte sich kurz, ob auch keinem was ernsthaften zugestoßen war und befahl uns wieder auf die Pferde zu steigen. „Wir werden uns das mal genauer ansehen!“, meinte er und ritt voran.
An der Ruine angekommen stiegen wir von den Pferden ab und betrachteten das, was da zum vorschein gekommen war. „Wow!“, sagte ich erstaunt. Zu sehen war eine kleine verfallene Hütte mit zwei Säulen im Eingangsbereich. „Bleibt ihr erstmal hier!“, sagte Colom, „Ich werde mir das mal ansehen.“. Dann ging er in die Hütte hinein. Einige Minuten später kam er wieder raus. „Ihr könnt es euch ansehen!“, sagte er schließlich. Die beiden Biduiden schienen uninteressiert und blieben draußen. Selene und ich gingen in die Hütte hinnein. Was dann passierte, dass werde ich nie vergessen. Der Raum war klein und es waren auch keine Möbel oder ähnliches vorhanden, an der Wand waren Bilder, keine zum aufhängen, nein, es waren Bilder auf die Wand gemalt worden. Und was für welche. Es waren zwei Mädchen, eine mit braunen Locken, die andere mit kurzen blonden Haaren. Selene starrte auf die Zeichnung, etwas aus der Fassung nahm sie meine Hand und dann passierte etwas unglaubliches. In meinem Kopf sah ich Bilder von einer Familie oder ähnlichem, ich kannte die Leute nicht, nur eine kam mir bekannt vor. Es war ein kleines Mädchen mit braunen Locken, sie sah aus wie Selene. Ich schrie kurz auf, Selene hielt meine Hand fest. „Konzentrier dich!“, sagte sie zu mir, als würde sie das gleiche sehen, wie ich. „Ich kenne diese Frau nicht!“, sagte Selene verzweifelt zu mir. „Ich auch nicht, aber ich kenne dich. Selene ich hab dich gesehen, aber du warst ca. 5 Jahre alt.“. „Ja,“, sagte sie darauf zu mir, „du auch. Ich weiß nicht, was hat das zu bedeuten? Natascha, konntest du sonst nochwas sehen?“. „Ja.“, sagte ich, „ich sah eine Frau, wie gesagt, und einen Mann mit braunen Haaren und einem Vollbart. Er trug, genauso wie die Frau, einen Toga ähnlichen Umhang. Aber Selene, jetzt weiß ich, dass du recht hattest.“. Selene schwieg und blickte auf das Bild. Ich fragte mich, wer es dahin gemalt hatte und was es zu bedeuten hat.
„Wir müssen so schnell wie möglich nach Ägypten!“, sagte Selene auf dem Weg zu unseren Pferden zu mir. „Ich habe jetzt alle Anhaltspunkte, die ich brauche, um sicher sagen zu können, dass wir in Ägypten unsere Lösung finden.“. „Ist ok. Ich möchte auch, dass wir so schnell wie möglich wissen, was das zu bedeuten hat.“, sagte ich wobei ich in Gedanken noch hinzufügte „wenn es was zu bedeuten hat.“. Ich war immernoch nicht 100%ig davon überzeugt, dass die ganze Aktion einen Sinn hatte. Mir war nur eins klar, dass ich Selene auf jeden Fall helfen wollte.
Wir stiegen auf die Pferde und ritten los in Richtung Lybien, dem Land, in dem wir uns einer neuen Truppe anschließebn mussten, weil Colom meinte, dass er sich umentschlossen hat. Er hat noch etwas in Lybien, genauer gesagt in den Djofra-Oasen, einer libyschen Oasengruppe nördlich vom Jabal As Sawda, zu erledingen und wird da vorerst auch bleiben.
Bis wir in Lybien ankamen verging ungefär eine Woche, so genau kann ich das nicht mehr sagen, denn meine Gedanken kreisten immer wieder um dieses Erlebnis in der Ruine. Als wir die lybische Grenze überquert hatten waren es noch genau 2 Wochen, bis wir in den Oasen ankamen. Zwischendurch hatten wir einen Tag Pause gemacht, um die Pferde zu schonen und jetzt war es so weit. Wir mussten uns eine neue Truppe suchen. Nachdem wir uns von Colom und den anderen beiden verabschiedet und uns herzlich bei ihnen bedankt hatten machten wir uns auf die Suche nach einer Karavane Richtung Ägypten. Bald würden wir endlich an unserem Ziel angelangt sein.

Das Leid der Menschen in den Djofra-Oasen war ziemlich groß. Einerseits lebten Reiche in prachtvollen Häusern und andererseits lagen Menschen am Straßenrand, die nichts hatten. Kein zu Hause, keine Nahrung, sie waren verdreckt und krank. Wir gingen durch eine Gasse und ich sah ein kleines Mädchen am Wegrand liegen. Sie weinte, ihr Gesicht war ganz staubig und ihr Knie war verwundet. „Warum weinst du? Kann ich dir helfen?“, Selene kniete sich zu der Kleinen hinunter und sah sie liebevoll an. Die Wärme, die Selene in diesem Moment ausstrahlte war unglaublich. Das Mädchen trocknete die Tränen und bemühte sich ruhig zu sprechen. „Ich- ich, es, meine..“, Selene nahm ihre Hand, sah ihr in die Augen und sagte: „Hey, bleib ganz ruhig. Du brauchst keine Angst zu haben! Ich möchte dir helfen.“. Aber das Mädchen konnte sich nicht beruhigen, ihre Stimme zitterte und klang erregt. Sie musste irgendwas Schlimmes gesehen oder erlebt haben. Selene redete beruhigend auf sie ein. Einige Zeit später sprach das Mädchen dann endlich einen verständlichen Satz. Sie sagte: „Ich habe sie gesehen, sie gehören zusammen, es sind zwei Frauen auf der Suche nach ihrer Herkunft. Sie werden...“, da stoppte sie und sprang auf. Ihr Blick wurde finster und agressiv. „Nein!“, schrie sie mit gehobener Stimme. Ihr Gesicht war von Wut gezeichnet und gleichzeitig wirkte sie traurig. „Ich werde es euch nicht sagen! Ich müsst es allein herrausfinden! Ich kann nicht, ich kann nicht mehr. Verschwindet von diesem Ort! Auf der Stelle.“, ihre Stimme war nicht mehr die eines kleinen Mädchens, nein, es war die Stimme einer alten Frau. Mir lief ein Schauer den Rücken herrab und ich blickte Selene verwirrt an. „Was war das nun wieder?“, fragte ich mich im Stillen. Auch Selene sah mir verwirrt in die Augen, als wir uns wieder dem Mädchen zuwenden wollten, war es bereits verschwunden.
„Sprach sie von uns?“, fragte Selene mich. Ich sagte nichts. Mit einem Mal wurde Selene kreidebleich im Gesicht. „Mir ist schwindelig...“, meinte sie noch und sank dann zu Boden. „Selene?“, panisch setzte ich mich zu ihr herrab. „Hilfe! Kann mir jemand helfen?“, schrie ich laut drauf los. Eine Frau erschien hinter einer Ecke und kam auf mich zu. Die Frau sah mich an, schloss ihre Augen und machte eine seltsame Handbewegung. „Die Zeit ist gekommen!“, sagte sie zu mir. „Keine weitere mehr um hier in der Gegen rumzustehen! Macht euch auf den Weg!“. „Oh Gott!“, das war das einzige, was ich in diesem Moment dachte. Das konnte doch alles nicht wahr sein. „Ich träume!“, versuchte ich mir kramkpfhaft einzureden. Aber auch die Versuche mich zu wecken scheiterten. „Selene?“, rief ich verzweilfelt. Ich legte ihren Kopf in meinen Schoß. „Selene, so wach doch auf!“, rief ich wieder, aber sie regte sich nicht. „Hilfe! Hört mich denn niemand?“, schrie ich und die Angst in mir, Selene zu verlieren stieg ins unermessliche. Ich streichelte Selene über die Haare, lauschte, ob ihr Herz noch schlug, alles in Ordnung, aber sie wachte nicht auf. Ich hatte Angst, einfach nur Angst. Die fremde Frau stand immernoch in der Gasse und sah mich vorwurfsvoll an. Mit wütendem Blick und Tränen in den Augen sah ich sie an. „Wer sind sie?“, sagte ich mit fester Stimme. „Nichts, einfach Nichts. Ich wünsche euch viel Erfolg und halt deine Augen offen, Natascha!“, sagte sie zu mir mit einem fiesem Grinsem im Gesicht und verschwand wieder. „Unheimlich.“, dachte ich und wieder lief mir ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Selene öffnete die Augen und sah meine Tränen. „Weine nicht!“, sagte sie zu mir, ihre Stimme klang noch etwas schwach, und dann setzte sich auf. Ich erzählte ihr von dem was ich gesehen und gehört hatte und Selene sagte mir, dass alles Gut werden würde. Ich atmete tief durch und versuchte mal wieder eines meiner Elebnisse zu verdrengen. Selene sagte, ihr wäre nur kurz schwindelig geworden und es ginge ihr gut.
Wir standen auf, gingen in richtung Stadtmitte und fragten nach einer Karavane Richtung Ägypten. Wir hatten Glück und eine Gruppe von Touristen nahm uns auf. Wir reisten wieder mit Pferden. Mein Kopf war leer, Stunden vergingen bis ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, aber mir war einfach nur zum heulen zu Mute. Allmälich verlor ich den Glauben daran, dass es auf alles, was ich erlebt hatte, eine Antwort gab.
Die Tage vergingen und wir näherten uns Ägypten Stück für Stück, doch was würde mich dort erwarten? Meine Gedanken warren wirr und ich wusste einfach nicht, ob das, was ich seid Wochen durchlebte real war. Bis zu dem Moment, in dem wir in Ägypten ankamen funktionierte ich einfach nur. Ich bemühte mich nichts mehr zu fühlen, da alle Gefühle, die ich gehabt hätte mich nur verwirren würden. Es war ein Albtraum und ich wollte einfach nur wieder aufwachen. Aufwachen zu Hause in meinem Bett mit Dan neben mir, der mich dann fragen würde, ob ich schlecht geträumt hätte, ich würde „Ja-“ sagen und er würde mich tröstend in den Arm nehmen und im Laufe des Tages würde ich meinen Traum dann wieder vergessen. Doch ich wachte nicht auf.
„Wir sind da!“, sagte Selene zu mir. „Natascha, wir sind am Ziel. Wir sind in Alexandria!“, sagte sie wieder zu mir, als erwartete sie eine fröhliche Reaktion von mir. „Was hast du? Du warst die ganze Zeit schon so komisch! Natascha, wir haben unser Ziel erreicht! Wir sind angekommen, nach Monatelangem umherziehen, wir sind in Alexandria!“. In meinem Kopf spielte sich ein Film ab. Ich sah uns, auf dem Weg nach Alexandria, ich sah nochmal alles, was wir erlebt hatten. Ich schloss kurz die Augen, schüttelte meinen Kopf und sagte dann zu Selene: „Ja, wir sind da. Und wir leben noch! Selene, darf ich dich jetzt entlich fragen, wo wir hier suchen sollen?“. Ich begann wieder klar zu denken und hatte nurnoch das Eine vor Augen: Die Antwort auf unsere Frage. „Was haben Selenes Träume und visionsartigen Gedanken zu bedeuten?“ und: „Was habe ich mit Selene zu tun?“. Mehr wollte ich in diesem Moment nicht wissen.
Selene erzählte mir von einem Tempel, den sie in ihren Träumen immer wieder sah. Sie meinte, sie wüsste genau, wo sich dieser Tempel befindet und schon hatte sie meine Hand ergriffen. Sie zog mich mit ihr, ich lief ihr getreut hinterher.
Da stand er. Der Tempel. Er war ziemlich groß und prachtvoll. An den Säulen waren ägyptische Zeichnungen, wir gingen durch das Eingangstor ins Innere des Tempels. Wir sahen uns dort ein wenig um. Ich kam in einen mittelgroßen Raum, am Ende des Raumes sah ich eine Frau auf einem Stuhl sitzen. „Da seid ihr ja!“, sagte sie zu mir. „Entlich seid ihr hier angekommen! Ich habe so lange hier auf euch gewartet.“. Die Frau lächelte mir entgegen. Sie schien die gleiche Wärme auszustrahlen, die Selene auch ausgestrahlt hatte, als ich sie kennengelernt hatte. Ich ging langsam auf die Frau zu. Mein Herz schlug schnell und ich war etwas nervös. „Wer sind sie?“, fragte ich sie. Meine Stimme war zu meiner Überraschung sehr ruhig. Sie stand auf und blickte mir in die Augen.

„Ich bin Maia. Ich bewache den Tempel hier. Und du bist Natascha, hab ich Recht? Du brauchst nichts zu sagen oder zu fragen. Ich bin eine Seherrin, wundere dich nicht.“, ihre Stimme klang weich und vertrauenserweckend, als wir direkt voreinander standen nahm sie meine Hand und schloss die Augen. Mein Körper füllte sich mit Wärme und einem Gefühl der Vertrautheit. „Schließ deine Augen, Natascha!“, sagte sie zu mir. Ich tat dies. Ich bekam ein Bild vor Augen gehalten und es spielte sich eine Szene in meinem Kopf ab.
*Eine Frau in zerfetzter Kleidung rannte durch den Regen. Sie lief einen Weg entlang, draußen war es dunkel und am Rand des Wegs standen Tannen. In ihrem einem Arm trug sie ein Baby , welches laut schrie, der andere Arm ging nach hinten und ihre Hand umfasste die Hand eines kleinem Mädchens. Das Mädchen jammerte, ihre Haare waren zerzaust und ihre Kleidung ebenfalls zerfetzt. „Schnell, wir müssen weg!“, sagte die Frau immer wieder mit panischer Stimme. Im Hintergrund hörte man Hufgetrappel, die Frau lief schneller. „Komm schon! Wir müssen fort!“, sagte sie wieder. Sie hatte Angst und als die Reiter näher kamen lief sie schneller und schneller. Das Gesicht des Mädchens war ganz verheult, schließlich stürzte sie. „Steh auf! Schnell!“, sagte die Frau zu ihr. Doch es war zu spät, die Reiter hatten sie bereits eingeholt und sprangen vom Pferd. Sie töteten die Frau und nahmen die Kinder mit sich.* Das Bild, dass ich sah, verschwamm und eine neue Szene begann....
*Drei Männer in schwarzen Anzügen gingen in ein Haus, es war ein kleines Haus im ägyptischem Stil. Sie hatten ein Baby und ein kleines Mädchen mit sich. Sie gingen in einen herabgekommenen Raum. Dort saßen zwei Frauen , die eine war edel gekleidet, die andere eher herabgekommen. Die Männer setzen sich zu ihnen. Der eine Mann gab der reichen Frau das Baby und der andere Mann der armen Frau das Mädchen. „Nehmt die Kinder und zieht sie groß!“, sagte der dritte Mann zu den beiden Frauen. Die Frauen sagten nichts und verließen das Zimmer.*
Selene betrat den Raum und ich öffnete meine Augen wieder. Ich musste das erstmal verdauen und über meine Vermutung wagte ich nicht länger nachzudenken. „Willkommen zurück!“, sagte Maia zu Selene. Ich war verwirrt, dann wante sich Maia wieder an mich. „Natascha, was hast du gesehen?“, fragte sie mich. Ich schilderte ihr die zwei Szenen, die mir vor Augen geführt wurden und sie schwieg kurz. Dann nahm sie meine und Selenes Hand. „Die beiden Schwestern waren hier im Lande lange Legende. Sie wurden getrennt und ihre Stiefmütter kamen aus zwei ganz unterschiedlichen Kulturen. So kam es, dass das damalige Mädchen hier in Ägyten aufwuchs, und das andere Mädchen irgendwo in Europa. Selene, ich danke dir dafür, dass du mir so blind vertraut hast und mir Natascha hier hergeholt hast. Es war ein weiter Weg für euch, das weiß ich, aber es hat sich gelohnt. Selene, Natascha ist die Richtige. Meine Mission ist erfüllt, ich werde euch nun den Tempel hier überlassen!“. „Nein!“, sagte ich entsetzt. „Ich verstehe überhaupt nichts! Maia, erklär mir das! Wieso hast du Selene geschickt um mich zu holen?“. Maia, die schon auf dem Weg zur Tür war hielt an und dreht sich um, sie kam auf mich zu, lächelte und nahm meine Hände. „Natascha, du und Selene, ihr seid die beiden Kinder, aus den Szenen, die du gesehen hast. Ihr seid Schwestern und wurdet hier in diesem Tempel geboren. Ihr gehört zusammen und meine Bestimmung war es, die beiden Schwestern wieder zu vereinen und sicher zu gehen, dass es die Richtigen sind. Nur Die Schwester hätte die Szene sehen können, die du gesehen hast, Natascha! Und ich habe Selene geschickt, damit ihr euch schonmal anfreunden konntet und auf der langen Reise habt ihr ein gewissen Verhältnis zueinander entwickeln können!“. Ich schluckte. Selene war meine Schwester?! Das musste ich erstmal verdauen, und meine Mutter hatte mich damals an diesem Abend „adoptiert“? Ich atmete tief durch.
„Ich wünsche euch viel Erfolg auf eurem weiterem Weg, auf eurem gemeinsamen Weg, ihr beiden!“, sagte Maia und verließ den Tempel.
Ich stand da wie angewurzelt und Selene direkt neben mir. Ich drehte mich zu ihr hin und blickte ihr in die Augen. Ich hatte das schon oft getan, aber diesmal war es anders. Sie nahm meine Hand und strahlte wieder diese Wärme aus. „Du strahlst eine ungeheuere Wärme aus, weißt du das?“, fragte Selene mich. „Nein.“, sagte ich zu ihr „aber du ebenso. Selene, du bist meine Schwester!“. „Ja,“, meinte sie verlegen „da hast du wohl Recht, aber ich dachte es mir schon...“. Ich hätte eigentlich sauer sein müssen, weil sie mir nichts davon erzählt hat. Aber ich war zu faziniert von dem, was ich da erlebte, als das ich hätte sauer sein können. Ich nahm sie in meine Arme und hielt sie einfach nur fest. Ich musste weinen, obwohl es eigentlich schön war, oder gerade deswegen. Ich hatte eine Schwester, von der ich nichts gewusst hatte, bis zu diesem Moment. Nun hatte ich eine Familie, ja, ich hatte Selene und ich hätte mir nichts schöneres vorstellen können, als das Selene meine Schwester ist. Ich fühlte mich von Anfang an zu ihr hingezogen und nun wusste ich warum!Wir standen noch Stunden lang einfach nur Arm in Arm da und hielten uns aneinander fest. „Und was machen wir jetzt?“, fragte Selene mich. „Wir bleiben hier. Ich hab mein Leben aufgegeben, als ich mich entschied dich auf deiner Reise zu begleiten. Nun, wo wir beide unsere Wurzeln gefunden haben, können wir wohl schlecht wieder in unsere alte Welt zurück, oder?“. Ich lächelte sie freundlich an, ihr Blick sagte mir alles. Wir würden bleiben und uns da, wo wir waren, eine neue Existens aufbauen. Wir verließen den Tempel, setzten uns auf einen Fels und blickten auf die gerade untergehende Sonne.
Hallo und herzlich willkommen in der Welt der Wunder und Magien. Als ich damals von England aus losgereist bin, hätte ich mir das Ausmaß der Reise niemals vorstellen können und vor allem nicht, wie es ausgeht. Ich habe gelernt, was es heißt zu lieben, ich habe eine Schwester bekommen und eine Heimat. Wenn ich mein jetztiges Leben mit dem Leben vergleiche, das ich vor der Reise führte, dann kann ich nur sagen, dass ich nie richtig gelebt hatte. Es war ein ständiger Wettbewerb, aber kein Leben. Ich habe mir hier mit Selene ein Leben aufgebaut, von dem man nur träumen kann. Und wenn ich zurück denke, dann war die Entscheidung Selene zu begleiten, die einzig richtige in meinem Leben.
Ende
:o)
** Barbara Wood:
Was ich über sie weiß, ist, dass sie am 30.01.1947 in England geboren wurde und in Kalifornien aufwuchs und super gut Bücher schreiben kann. In ihren Romanen (in denen, die ich bis jetzt gelesen habe) steht meist eine Frau, eine starke Frau, die eine Aufgabe oder ähnliches zu bewältigen hat, im Vordergrund. Die Frauen haben immer ein bewundernswertes Ziel vor Augen. Barbara Wood arbeitete nach ihrem Studium zehn Jahre als OP-Schwester (neurochirugische Klinik) und fing dann "richtig" zu schreiben an. Wenn man ihre Bücher liest, dann merkt man schon an einigen Stellen, dass sie was mit Medizin am Hut hat, denn sie bring dies wunderbar in ihre Bücher ein und so lernt man automatisch was mit. Ich glaube sie macht das extra, sie vermittelt den Leuten auf ihre Weise Informationen, welche von dem Menschen unbewusst aufgenommen werden und z.T. hängen bleiben. Kompliment, denn bevor ich das Buch "Seelenfeuer" gelesen hatte, wusste ich noch nicht, dass z.B. grüne Blätter auf offenen Wunden Wundbrannt verhindert. Warum? Steht da auch: In den Blättern ist der Wirkstoff "Chlorophyll" enthalten, der den Bakterien entgegenwirkt. *g* Tja, wieder was gelernt. Barbara Wood hat bis jetzt (ca.*g*) 19 Bücher veröffentlicht und zwei davon wohl unter einem anderem Namen (warum auch immer, denn sie ist eine internationale Bestseller Autorin [-> ihre Bücher wurden in über 30 Sprachen übersetzt!!] und braucht sich für ihre Bücher nun wirklich nicht zu schämen *gg*). Ihre Bücher spielen meist in sehr außergewöhnlichen und exotischen Ländern, welche sie alle selbst bereist hat um alles ganz genau beschreiben zu können und den Lesern weitere Informationen zu vermitteln. Also überlegt es euch, ob ihr euch nicht doch mal ein Buch von ihr zur Hand nehmt. ;-) Ihr erstes Publikum waren Puppen, welche sie in einer Reihe aufstellte und ihnen dann Geschichten erzählte. Dann (noch bevor sie schreiben konnte) entwarf sie Bücher in Form von Bilderbüchern, man merkt, dass Geschichten ihr Leben sind... Ihr erstes Buch schrieb sie mit 16 (300 Seiten) von dem sie heute behauptet, dass es recht schrecklich war, kann ich nicht sagen, hab es nie gelesen. :o) Im Jahre 1976 reichte sie ihr erstes Manuskript "Hounds & Jackals" (Hunde und Schakale) an einen Verlag weiter, der Radakteur lehnte es jedoch ab und empfahl sie einem Agenten (Harvey Klinger) weiter, der neue Schriftsteller annahm. Noch im gleichem Jahr verkaufte sie drei ihrer Manuskripte ("Hunde & Schakale", "Der Fluch der Schriftrollen" und "Lockruf der Vergangenheit" <- kurzes, aber megageiles Buch!!). Und dann ging's los, ihr neustes Buch heißt übrigens "Kristall der Träume", hab es auch noch nicht gelesen. *g*
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