Dr.Heinz Gralki

Ich bin geborener Bremer, gelernter Steuerinspektor, diplomierter Soziologe und promovierter Er-ziehungswissenschaftler - und lebe seit 1965 in Berlin.

Nach meinem Studium von 1965 bis 1970 am Soziologischen Institut der Freien Universität Berlin bekam ich durch glückliche Umstände eine Assistentenstelle für “Empirische Sozialforschung und Statistik“ sowie “Soziologie der Erziehung“ am Fachbereich Erziehungswissenschaften. Hier habe ich dann auch promoviert.

Pädagogikstudenten statistisches Grundwissen beizubringen, war meine erste hochschuldidaktische Her-ausforderung - oder, um es dramatischer zu formulieren: mein erstes hochschuldidaktisches Trauma. Spätestens wenn ich das Summenzeichen einführte, sank die Aufmerksamkeit rapide.

Vielleicht um dieses Trauma aufzuarbeiten arbeitete ich anschließend zehn Jahre in einem Team, das sich “Hochschuldidaktische Fortbildung und Beratung“ nannte: wir bekamen von der Bonner Bundesregierung den Auftrag und die Mittel, nach Methoden zu suchen, wie Lehrende an der Universität ihre Lehre verbessern können! Dass dies notwendig sei, war überall Gewissheit.

Unser Auftrag war fächerübergreifend. Wir hatten es mit Theaterwissenschaftlern ebenso zu tun, wie mit Germanisten, Biologen, Theologen, Juristen und Medizinern. Ich fand es äußerst spannend, mit all diesen Disziplinen zusammenzuarbeiten. Wir hospitierten in Lehrveranstaltungen und diskutierten mit Studenten, Dozenten und Instituten. Wir organisierten Workshops und Seminare und bekamen so einen faszinierenden Einblick in das Innere des Elfenbeinturms.

Anfang der Neunziger wurde dann ein neuer Begriff populär: Evaluation.

Alles wurde evaluiert und so fingen wir an der FU an, auch die Lehre zu evaluieren. "Projekt Pro Lehre" nannten wir das Projekt. Wir ließen viele tausend Studenten Vorlesungen und Seminare, Übungen und Praktika und auch Institute und Bibliotheken mit Fragebögen beurteilen und diskutierten die Ergebnisse mit den Betroffenen.

Das Ergebnis überraschte uns nicht- wohl aber andere: Lehrende wurden von ihren Studenten bei weitem nicht so negativ beurteilt, wie viele es vermutet hatten. Klagen über schlechte Lehre gibt es immer gehören zum großen Teil zur didaktischen Folklore, wie wir sie in allen Ausbildungseinrichtungen finden. Fragt man jedoch  nach der Zufriedenheit mit konkreten Lehrveranstaltungen so sehen die Ergebnisse meist recht gut aus.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Lehrende ihre Lehre immer auch verbessern könnten. Die einen mehr die anderen weniger.

Nach acht Jahren Evaluationsarbeit wechselte ich 2000 an das Institut für Soziologie. In den meisten von mir angeregten und betreuten Diplomarbeiten ging es um Aspekte einer Soziologie des Internets.

Neben meiner Arbeit an der FU habe ich über mehr als 20 Jahre “Train-the-Trainer“ Seminare für in- und ausländische Universitäten, für die deutsche Entwicklungshilfe und für große deutsche Unternehmen durch-geführt. So bin ich um die Welt gekommen!

Mitte der neunziger Jahre kam aus einem der Unternehmen die Frage, ob man die Kosten der Mitarbeiterfort-bildung nicht reduzieren könne, wenn man Telefon, Fax und Internet stärker nutzen würde.

Zusammen mit einem klugen und kreativen Studenten enstand dann ein solches kostensparendes Modell. Heute würde man es als E-Learning bezeichnen, aber dieses Wort gab es damals noch nicht. Aber damals gab es schon das zentrale Problem, Lernende für E-Learning zu begeistern. Unsere Teilnehmer - Fachleute für Telefonanlagen - fanden es unangenehm und lästig, auch nach der Arbeit zu Hause noch den Computer anzuwerfen, um Texte zu lesen und mit Kollegen mittels einer Tastatur  zu diskutieren !

Unabhängig von diesen Erfahrungen bieten Computer, Internet und andere technische Einrichtungen jedoch unendliche Möglichkeiten, die didaktische Fantasie von Lehrenden zu beflügeln.

Diese Möglichkeiten auszuloten fasziniert mich bis heute.


powered by Beepworld