Kinderaugen

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Eine Nachricht an die Erwachsenen

(mehr mit den Augen als mit dem Mund übersandt)

 

 

 

Verwöhne mich nicht.

(Ich probiere doch nur, wie weit ich gehen kann.)

 

Sei nicht immer gleich so ängstlich, wenn ich etwas wage.

(Du machst mir bloß unnütz Angst.)

 

Weise mich nicht dauernd zurecht, wenn andere dabei sind.

(Ich will mich doch nicht schämen müssen.)

 

Übertreibe nicht gleich, wenn ich ein kleines Wehweh habe.

(Ich denke dann selbst, es ist ganz schlimm.)

 

Nörgle nicht immer an mir rum.

(Ich werde nie so perfekt sein, wie du es willst.)

 

Versprich mir nicht zu viel.

(Ich lege es sonst darauf an, dass ich für alles etwas bekomme.)

 

Lass mich bitte zuende spielen.

(Dir gefällt es auch nicht, wenn du eine Arbeit nicht fertig machen kannst.)

 

Sag nicht, meine Angst ist dumm.

(Es ist manchmal besser, wenn du nichts sagst, sondern mich streichelst.)

 

Tue nicht immer so perfekt.

(Gib doch lieber zu, dass dir auch nicht alles gelingt.)

 

Du kannst dich ruhig mal bei mir entschuldigen, wenn du nicht Recht hattest.

(Mir gibt das Kraft und ich sehe, dass du ehrlich bist.)

 

Denk daran, dass ich jeden Tag ein bisschen Liebe brauche.

(Dafür muss Zeit sein. Liebe kann man nicht liegen lassen, bloß weil immer etwas zu tun ist. Wie soll ich begreifen, dass keine Zeit für mich da ist?)

 

Denk daran, dass ich schnell wachse.

(Behandle mich immer ein bisschen „erwachsener“.)

 

 

Das reicht erst mal für´s erste.

Wenn du noch mehr wissen willst, musst du mir in die Augen sehen.

Da steht alles drin, was der Mund noch nicht sagen kann.

 

Ach so, etwas möchte ich dir noch sagen:

Wenn ich abends zu Bett gehe, hätte ich es gern, wenn du dir etwas Zeit nimmst für mich. Ich brauche jeden Tag ein Märchen, ein Lied, eine Geschichte oder auch nur ein bisschen Reden.

Lass mich nicht allein zu Bett gehen.

 



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