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Dieser Brief erreichte uns am 29.12.03
Liebe Organisatoren des Spreemarathons,
als begeisterter Wassersportler -Kajakfahrer- bin ich über Aktivitäten, die Menschen für den Wassersport und zum Sporttreiben in der Natur begeistern können, erfreut. Bei uns Kanuten gab es einmal Zeiten, da wurde im Winter grundsätzlich nicht gepaddelt. Dies war aus unterschiedlichen Gründen auch notwendig: - das Bootsmaterial musste für die kommende Saison repariert werden, - Ausrüstungen, Bekleidungen waren für kalte Jahreszeiten nicht verfügbar, - Bootshäuser wurden bis zum Frühjahr geschlossen, - Seen und Flüsse lassen mit ihrem Eis keinen Wassersport zu.
Daraus hat sich eine Tradition entwickelt, bei der jedes Jahr von den Landeskanuverbänden des DKV e.V. aber auch von privaten Bootshäusern ein "Abpaddeln" organisiert wird. Dies ist für die organisierten Kanuten der Tag zur Abgabe von Fahrtenbüchern und für die nicht organisierten der Tag der Einlagerung ihrer Boote in das Bootshaus. Die Mehrzahl der Wassersportler stellen dann ihren Sportbetrieb ein. Aber einige wenige Kanuten nutzen weiterhin auch die Winterzeit zum Sporttreiben auf dem Wasser. Diese Kanuten wissen in der Regel was sie tun und mit Kanu-geeigneter Outdoor-Bekleidung und der Unterstützung von Gleichgesinnten wird dann eine Vier-Stundenfahrt zum Erlebnis. Gefahren wird aber je nach Wetterlage vorwiegend auf Kleinflüssen. Denn jeder Kanute kennt die Gefahren auf großen Gewässern im Winter und meidet diese. Ich habe dies deshalb etwas ausführlich geschildert, da ich nach dem Sichten Ihrer Internet-Seite www.spreemarathon.de nicht den Eindruck habe, dass Sie aus dem Bereich des organisierten Wassersports stammen.
Wo sind nun die Gefahren? Eigentlich sitzt man in einem Kajak auch im Winter recht warm, vorausgesetzt dass das Kajak nicht leck ist, die Spritzdecke schließt auch wenn sie vereist ist, die Kleidung nicht nass wird und... Die grundsätzliche Gefahr ist das Wasser selbst, in das gefallen werden kann. Die Teilnehmer am Spreemarathon müssen mehrfach große Gewässer überwinden, wenn sie Schlepzig erreichen wollen. Ein Kentern von Booten ist bei der Streckenführung, Streckenlänge nicht unwahrscheinlich. Wie wollen Sie das mögliche Teilnehmerfeld, dass sich bei der Etappe über Kilometer erstrecken wird, mit Begleitbooten sichern? Die von Ihnen gewählte Strecke ist sehr ehrgeizig. Wenn die Teilnehmer Glück haben, dann fahren sie bei gemäßigtem Wetter mit Rückenwind, wenn sie Pech haben, gegen eisigen Ostwind. Auf jeden Fall aber immer gegen die Wasserströmung.
Kanuten, die diese Strecke befahren möchten, käme wohl nicht auf die Idee gegen die Strömung zu paddeln. Sie würden sich auch zu anderen Jahreszeiten einen Start im Spreewald und das Ziel in Berlin aussuchen. Nur wenige dieser Kanuten würden eine solche Streckenlänge wählen, bei der eine 10stündige Dauerfahrt (im Minimum) geplant werden müsste. Die Zeitplanung des Spreemarathons halte ich bei dieser Jahreszeit und Streckenführung für eine Illusion. Kanuten, denen auf dieser langen Etappe und Kälte die Kräfte schwinden oder die einfach nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 km pro Stunde erreichen (denken Sie auch an Pausen, Schleusen, Umtragungen), werden wahrscheinlich erst in der Dunkelheit das Ziel erreichen. Wie wollen Sie die Sicherheit dieser Sportler gewährleisten?
Übrigens, bereits zum heutigen Zeitpunkt sind die Randbereiche von Seen und Flüsse zugefroren, d.h. ein Anlanden ist recht schwierig. Über lange Strecken sind die Ufer zur Freude aller Kanuten unbewohnt, es kann aber auf Ihrer Veranstaltung dadurch keine Hilfe gegeben werden.
Kurz gesagt: Ich halte die Durchführung dieser Veranstaltung in der kalten Jahreszeit und geringer Tagesdauer für unverantwortlich.
Ich hoffe, dass Sie sich mit den Gefahren für die Teilnehmer während der Veranstaltung beschäftigt haben, ansonsten beschaffen Sie sich bitte die Verbandszeitung des Deutschen Kanuverbandes DKV e.V. Kanu Sport Nr. 12/2003. Dort machen erfahrene Kanuten auf die Überlebenszeiten für Schwimmer in Abhängigkeit von der Wassertemperatur aufmerksam.
Weshalb beginnen Sie Ihre Veranstaltung nicht etwas bescheidener? Bitte versuchen Sie doch erst einmal für diese Strecke in der warmen Jahreszeit Teilnehmer zu gewinnen, sammeln Sie Erfahrungen und gewinnen Sie Verbündete, die Ihnen mit Kompetenz zur Seite stehen. Die von Ihnen verpflichteten Taucher und aufgestellten Zelte an den Schleusen sind wohl nicht ausreichend, über die lange Strecke die Sicherheit zu gewährleisten. Und eine notwendige Schwimmweste der Teilnehmer sichert bei einer Kenterung auf den Seen kein Überleben. Dazu müsste die Wassertemperatur wärmer sein.
Sollte es noch kälter werden, dann hat sich meine Mail wohl erübrigt, da dann die Flüsse eine Befahrung nicht mehr zulassen. Versuchen Sie dann aber bitte nicht, Teilnehmer zur Befahrung des 4cm starkem Eises mit Schlittschuhe zu animieren.
Mit Sorge um die Gesundheit der Teilnehmer und mit freundlichen Grüßen
Dr. Bernd Schildwach Beauftragter des DKV e.V. für Unfallanalysen
Amtsstraße 7, 12555 Berlin (hier hängt ein großes Werbeplakat für den Spreemarathon) |