
Aus www.sz-wissen.de Mai 2005 "Helden der Forschung"
Der britische Psychologe Richard Bentall wollte wissen, wie sich seine Patienten fühlen - und schluckte selbst Psychopharmaka
Warum wehren sich Patienten in der Psychiatrie so häufig gegen die Einnahme ihrer Pillen? Eben, weil sie krank sind, argumentieren viele Nervenärzte. Klingt plausibel, doch Richard Bentall, Psychologe an der Universität von Manchester, gab sich mit der Antwort nicht zufrieden und wagte eine Experiement: Er und eonige Kollegen schluckten je 5 Milligramm Droperidol, ein Medikament, welches auch Patienten mit Schizoprenie oft verabreicht wird. Nach ener Stunde begann Bentall, sich lethargisch zu fühlen. Es fiel ihm zusehens schwerer, einen klaren Gedanken zu fassen. Eine Kollegin, die das Experiment überwachte, begann ihm Fragen zu stellen: Ob er manchmal Stimmen höre? Die Stimme von Gott womöglich?
Bentall kannte den Test, mit dem Patienten auf Schizoprenie untersucht werden, denn er hatte ihn vor 10 Jahren selbst entworfen. Bentall fühlte sich, als müsse er den "Mount Everest besteigen". Auch der Kollegin fiel sein jämmerlicher Zustand auf und sie fragte, ob er etwas essen wolle. Am Sandwitchautomaten angekommen, konnte sich Bentall nicht entscheiden, welche Münze er einwerfen sollte. Er wählte dann einen Marsriegel, den er aber nicht essen konnte, weil ihm übel war.
Die Kollegin fuhr fort, ihn zu testen. Weit kam sie nicht, denn plötzlich brach Bentall in Tränen aus. Ein weiterer Kollege erbarmte sich u d gab ihm ein Gegenmittel. Bentall war so überwältigt, dass aus ihm alles heraussprudelte, was ihm schon immer Schuldgefühle bereitet hatte. Irgendwann schlief er ein und wachte weietere drei Stunden später völlig verkatert wieder auf. Das Gefühl, ihn trenne eine Glaswand von seiner Umwelt, hielt eine Woche lang an. Dabei hatte Bendal noch Glück: Eine weitere Teilnehmerin des Experiementes verfiel in so tiefe Depressionen, dass sie fortan unter ständige ärztliche Beobachtung gestellt wurde.
Er sei nicht grundsätzlich gegen Medikamente in der Psychiratrie, sagt Bentall. Untersuchungen hätten ergeben, dass sie in 30% der Fälle durchaus in gewünschter Weise wirken. "Allerdings wissen wir vorher nicht, für welche Patienten das gilt!" Verheerend seien zudem die Nebenwirkungen dieser Neuroleptica, die von motorischen Störungen über Gewichtszunahme bis zu rhöhtem Herzinfarktrisiko und Diabets reichen. In der Regel werden die Psyichiatrie - Patienten über diese Risiken nicht aufgeklärt und ünerdies wie kleine unmündige Kinder behandelt, kritisiert der Psychologe. Aber kann man Menschen anders behandeln, die sich zum Teil wirklich wie kleine Kinder benehmen? Natürlich, sagt Bendall, denn es gibt nicht so viele hoffnungslose Fälle, wie man denkt. Selbst diejenigen, welche da glauben von der CIA verfolgt zu werden, benehmen sich völlig normal, wenn man mit ihnen über andere Dinge spricht.
Das Problem seinen nicht die Patienten, sondern sei die Psychiatrie selbst mit ihren willkürlichen Diagnosen, die Bentall mit der Astrologie gleichsetzt. Er hat darüber ein Buch geschrieben, das seine provokante Thesen auf 600 Seiten ausführlich mit wissenschaftlichen Studien untermauert. In der Fachwelt ist das Buch umstritten, aber von Patienten hat Bentall sehr viel Zustimmung erfahren. Einige hätten das Buch ihrem behandelnden Arzt auf den Tisch geknallt und eingefordert, das er sie endlich ernst nehmen soll. Hört sich doch vernünftig an, findet Bentall.
Die Gründung eines Fonds für außergerichtliche Gläubigervergleiche
Von Manfred Voepel
Im Klinikum Nord wurde 1998 das Projekt "Schuldenberatung für psychisch kranke Menschen im Krankenhaus" als Teil des Sozialdienstes gegründet und seither von vielen Seiten gewürdigt. Es wurde sowohl mit dem "Lilly Award" geehrt als auch zweimal mit dem Förderpreis von "Start Social", einer Initiative der Wirtschaft, die unentgeltlich innovative soziale Projekte coacht. Seit dem Herbst 2002 erhält das Modellprojekt Zuwendung durch die renommierte Reemtsma Stiftung. (Vergl. die Psychosoziale Umschau in 4/2002 und 1/2004).
Bislang konnten pro Jahr mehr als 240 überschuldete Patienten wirksam entschuldet und damit wirtschaftlich saniert werden. In aller Regel sind die Schulden der Patienten aus Rechtsgeschäften des täglichen Lebens entstanden, wie Teilzahlungskredite, Bestellungen im Versandhandel, Handy- oder Internet-Verträge oder haben sich durch krankheitsbedingte Aufgabe kleiner Geschäfte (Restschulden und Verbindlichkeiten) ergeben. Die Höhe der Schulden bewegt sich dementsprechend in Beträgen von wenigen hundert bis zu einigen tausend Euro.
Die Aussichten der Gläubiger, bei diesen Schuldnern ihre Außenstände eintreiben zu können, sind in der Mehrzahl der Fälle ungünstig, weil Einkommen oder Vermögen fehlen. Angesichts der Forderungshöhe gerät überdies der Aufwand für die Verfolgung der Schulden auf Gläubigerseite schnell ins Missverhältnis zu den kalkulierbaren Erträgen.
Vor diesem Hintergrund hat sich gezeigt, dass Gläubiger in der Regel bereit sind, auf Vergleichsvorschläge einzugehen, die ihnen eine verhältnismäßig niedrige Vergleichssumme in Aussicht stellen, weil bekanntlich der Spatz in der Hand besser ist, als die Taube auf dem Dach.
Können die dafür nötigen Mittel nicht aus eigener Kraft oder mit finanzieller Unterstützung durch Familie oder Freunde erbracht werden, soll nun der "Fond für außergerichtliche Gläubigervergleiche zugunsten psychisch kranker Menschen" Abhilfe schaffen, der von dem "Nussknacker e.V." in Hamburg eingerichtet werden soll. Zusätzlich unterstützt die "Ilse und Hans-Günter Regenbogenstiftung" die Projektidee ab Januar 2004, indem sie einen Teil der dann anstehenden Vergleiche finanzieren will.
Der Patient soll in diesen Fällen allerdings auch in die Pflicht genommen werden, sich an der laufenden Kapitalbeschaffung für den Fond zu beteiligen, d.h. er soll im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten zur Erstattung der für ihn aufgewendeten Tilgungssumme angehalten werden, ohne für ihn zu einem neuen Schuldendruck führen.
Der Nussknacker e.V. hat dazu jetzt ein spezielles Fondkonto eingerichtet,
dass die KSK Südholstein gebührenfrei führt.
(KSK Südholstein, Kto. Nr.: 15014335, BLZ 230510 30)
Die Initiatoren:
Günter Breese, ehemaliges Vorstandsmitglied des LBK
Manfred Voepel, Ltg. des Sozialdienstes
Adolf W. Hamester, Schuldnerberater im Klinikum Nord, Hamburg
Joachim Schwertfeger, Geschäftsführer des Nussknacker e.V.
Quelle: http://www.lichtblick-newsletter.de/ticker267_04.html
Die Zahl der psychisch Kranken nimmt zu. Dabei könnte oft geholfen und rechtzeitig verhindert werden, z.B. das psychisch Kranke auf der Strasse landen. „Neunzig % meiner Klienten landen als eine von mehreren Folgen ihrer Erkrankung in der Obdachlosigkeit“, sagt Dr. Janos Korom, der auch Drogen- und Alkoholkranke betreut. Die Betroffenen sind oft nicht in der Lage, Behördenansprüchen genüge zu tun, zB regelmäßig ihre Miete selbst zu bezahlen. Gerne lassen sie auch Wohnung verwahrlosen, oder werden von ihren Nachbarn durch ihr Fehlverhalten als untragbar empfunden.
Wenn dann endlich ein Sachwalter beantragt wird, der die notwendigsten Verwaltungsaufgaben in die Hand nimmt, etwa regelmäßig den Strom, Gas und die Miete zu bezahlen, hat der Betroffene und seine Familienangehörigen sowie die Nachbarn des Betroffenen schon die Hölle durchlaufen.
„Psychisch Kranke könnten früher, vor allem noch bevor die Delogierung ansteht oder verwirklicht wird, aufgefangen und vor der Obdachlosigkeit bewahrt werden. Gemeinsam können wir diese Kranken in die Lage versetzen, sodass Sie betreut zu Hause wohnen bleiben können“, sagt Dorothea Gschöpf vom Verein für Sachwalterschaft und Patientenanwaltschaft.
„Viele Betroffenen haben kein Vertrauen mehr in ihre Umwelt. Bei manchen sage ich über 2 Jahre lang, das die Welt um die Betroffenen herum weder gut noch böse ist, sondern das der Einzelne sie sich so einrichten muss, wie der Einzelne es will“, sagt der Sozialarbeiter Bernhard Litschauer.
Das Sozialarbeiter und Psychiater besser zusammenarbeiten und das die Betreuungsnetze ausgebaut werden müssen, um mehr psychisch Kranke derart auffangen zu können, ist den zuständigen Stellen klar. „Wenn ein Patient erst beim vierzehnten Kontakt Behandlungsbereitschaft zeigt, ist es wichtig, dass man die Kontakte zuvor nicht als Fehlkontakte bzw als sinnlose Vernichtung von Steuergeldern interpretiert.“, sagt Josef Schörghofer, Leiter des psychosozialen Notfalldienstes PSD Wien.
Beratung und Hilfe in akuten Fällen:
Tagsüber: Tel: 0043 1 310 25 73 74
Nachts & an Sonn- und Feiertagen: Tel: 01 310 87 79 – 80
seit Juli 2006: 1030 Wien, Hainburger Strasse 68-70 Tel. 01 31330
Hilfe für Jugendliche: E- Cardpflichtige (und somit kostenlose) psychotherapeutische Betreuung für Kinder und Jugendliche biete das Projekt Pfizer in Zusammenarbeit mit der Caritas. Geholfen wird jungen Menschen, die von akuter Armut, Gewalt oder Wohnungsverlust betroffen sind. Weitere Infos sind zu finden unter www.pfizer.at
ganzheitliche Ansatz der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie www.oekids.at
www.beepworld.de/members51/seelentor/ Klub Psycho-Pannenhilfe, Selbsthilfegruppe http://pph.wuk.at HPE Österreich Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter DAS Daniela Schreyer, DAS Brigitte Fragner, Mag. Ingrid Rath A 1070 Wien, Bernardgasse 36/4/14 Tel:0043 1 526 42 02 A 9020 Klagenfurt, Kempfstrasse 23/3 Tel: 0043 463 504871 www.psychoanalyse.org ist ein Angebot aus Wien 1200 Wien, Forsthausgasse 16 - 20 Tel: 01 330 46 00 erreichbar Werkstags: Mo - Fr 9 - 16h weitere Links zum Thema Psyche Initiative für Kinder psychisch kranker Eltern: In jedem Fall raten wir zur Zusammenarbeit mit dem gut ausgebildeten Fachleuten ihres Vertrauens: www.docanddoc.at - erste Vertretungsbörse für Ärzte im Internet Österreich: www.beratungstellen.at Diese HP ist ein Teil von www.sonnenstrahl.org! Unser Haftungsausschluß beachten Sie bitte unsere Übersetzungshinweise Impressum und Ansprechpartner Bankverbindung
für Menschen mit psychischen Problemen
Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.
HPE Kärnten - Verein für Angehörige und Freunde psychisch Erkrankter
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