| Interview mit Ian Mckellen
"Gandalf wird zurückgeschickt, um seine Mission zu beenden."
Der Gandalf, der sich in DIE ZWEI TÜRME dem Kampf gegen Sauron wieder
anschließt, ist ein ganz anderer, neuer Gandalf. Schlanker, sauberer und
irgendwie jünger; er schwingt sowohl seinen Zauberer-Stab wie auch sein
Schwert mit neuer Energie und viel Geschick.
Glücklicherweise steckt unter Gandalfs neuen weißen Roben immer noch
derselbe Ian McKellen, der legendäre britische Schauspieler, der für seine
Leistung in DIE GEFÄHRTEN eine Oscar®-Nominierung abräumen konnte.
Hier wird er uns über die Veränderungen seiner Rolle im Laufe der Trilogie,
über die Anziehungskraft von Tolkiens Epos und über Filme, die den
Zuschauer ansprechen, erzählen.
Wie unterscheidet sich der Gandalf aus DIE ZWEI TÜRME von dem aus DIE
GEFÄHRTEN?
Na ja, Gandalf ist kein Mensch. Er ist irgendwie unsterblich, er ist circa 7000
Jahre alt. Also, als der Balrog ihn in Khazad-Dum von der Brücke in den
(scheinbar) sicheren Tod reißt, stirbt er nicht, sondern wird zurückgeschickt,
um seinen "Job" zu Ende zu führen.
Und was genau ist sein "Job"?
Als er in DIE ZWEI TÜRME zurückkehrt, ist es ziemlich klar, was getan werden muss. Es wird nicht mehr der
alte Akademiker-Gandalf, der Hobbit-Experte, der ein wachendes Auge auf die Vorgänge in Mittelerde
geworfen hat, gebraucht, sondern eine Art Anführer, ein Mann der Tat, jemand mit militärischem Geschick,
das ist Gandalfs neue Rolle. Er wird diesmal mittendrin sein, kein Beobachter mehr, er wird mächtige
Truppen siegreich durch große Schlachten führen.
Inwieweit muss sich Gandalf verändern, um in diese neue Rolle zu passen?
Der "neue Gandalf" ist sozusagen einen Rang aufgestiegen. Er kommt jünger, fitter, ordentlicher, mit
Gewändern, die ihm auf einem Pferd nicht im Wege sein werden, mit einem Schwert und seinem Stab und
kürzeren Haaren, die ihm nicht mehr in die Augen fallen können, zurück.
Inwiefern sehen wir einen "jüngeren" Gandalf?
Er mag weiße Haare bekommen haben, aber Tolkien macht es im Buch
ziemlich deutlich, dass Gandalf im Geiste jünger und körperlich stärker als
jemals zuvor zurückkommt. Er hat aufgehört, sich darüber zu beschweren, wie
alt er sich fühlt, weil er nicht mehr so alt ist, wie er einmal war. Er sieht auch
verändert aus, er benimmt sich anders und er spricht anders, obwohl er im
Geiste immer noch derselbe Gandalf ist.
Haben Sie Gandalf den Grauen und Gandalf den Weißen als zwei
verschiedene Rollen angegangen?
Na ja, mehr als zwei Aspekte ein und derselben Rolle. Ich dachte mir: Das ist
Gandalf, wie er war, bevor er etwas altersschwach wurde. Ein Mann der Tat, ein
Samurai, ein Kämpfer, ein Anführer, er sagt, wo's lang geht. Gandalf der Graue
ist eher etwas unterwürfig. Auch er sagt den Leuten, was sie zu tun haben, hat
keine wirkliche Kontrolle über die Vorgänge um ihn herum. In den beiden
späteren Filmen ist er wesentlich präsenter.
Und was denken Sie über das neue Kostüm?
Es ist enger. Es liegt wirklich wesentlich enger am Körper an. Es hat Polster. Es könnte schon ein paar
Schläge einer Waffe abhalten. Außerdem ist es wesentlich sauberer, als das aus DIE GEFÄHRTEN.
Sie haben erwähnt, dass Sie im Sommer noch mal nach Neuseeland zurückgekehrt sind, um einige
Szenen nachzudrehen: Wie war es, wieder in die Gandalf-Rolle zu schlüpfen?
Interessanterweise kann man, sobald man mal eine Rolle gespielt hat, jederzeit wieder in sie zurückkehren,
auch wenn einige Zeit vergangen ist. Das geht mir besonders als Theater-Schauspieler häufiger so: Ich
spiele eine Rolle für ein paar Monate, mache dann eine Pause, von bis zu einem Jahr und komme dann
wieder ohne Probleme in die Rolle zurück, ohne auch nur darüber nachdenken zu müssen. Wenn ich heute
Nachmittag ein bisschen Gandalf spielen sollte…ich hätte kein Problem damit.
Haben Sie einen Trick, der ihnen hilft, so schnell wieder zurück in eine Rolle zu schlüpfen?
Das Aussehen, das Make-up, die Perücke, der Bart, die Nase und das Kostüm Gandalfs helfen mir sehr.
Sobald man das alles anhat und in den Spiegel schaut, sieht man nicht mehr sich selbst, sondern Gandalf.
Wenn man sich bewegt, bewegt man sich fast automatisch wie der Zauberer, nicht mehr wie man selbst. Es
ist gar nicht so schwer, wie man denkt.
Wen haben Sie lieber gespielt? Gandalf den Grauen oder Gandalf den
Weißen?
Gandalf den Grauen, er ist komplizierter als Gandalf der Weiße. Er besitzt
unglaubliche Stärke, Durchsetzungskraft, Intelligenz, Leidenschaft und
Großzügigkeit. Gleichzeitig ist er sehr menschlich und auf eine Art und Weise
auch sehr zerbrechlich, er trinkt gerne, er raucht gerne, er lacht und spielt gern.
Ein anderer Aspekt, in dem er sehr menschlich wirkte, ist die Tatsache, dass
er befürchtet, seinen Job nicht gut genug zu machen, seinen Verpflichtungen
Mittelerde gegenüber nicht gut genug nachzukommen, indem er Sarumans
Rückkehr nicht verhindert. Er musste sich wirklich anstrengen. Ein
faszinierender Charakter.
Gandalf der Weiße ist geradliniger?
Als er zurückkommt, ist völlig klar, was er zu tun hat, und er macht sich sofort
an die Arbeit. Ich will damit nicht sagen, dass Gandalf der Weiße kein
interessanter Charakter ist, er ist definitiv interessant. Für einen Schauspieler
allerdings ist er einfach keine so große Herausforderung.
Sie besitzen aber trotzdem beide Action-Figuren, oder?
Na ja, wenn wir gegeneinander kämpfen müssten, hätte Gandalf der Graue keine Chance.
Inwiefern hat Sie die Rolle persönlich beeinflusst?
Merkwürdigerweise erkennen mich auf einmal alle Menschen auf der Straße. Ich weiß auch nicht so genau,
wie sie Gandalf erkennen. Diese Rolle war die Chance meines Lebens. Auf einmal bin ich eine kleine
Berühmtheit. Gerade heute, als ich zum Lunch war, traf ich einen Typ, so Ende zwanzig, der hatte den Film
schon zehnmal gesehen.
Es muss ziemlich befriedigend sein, bei Menschen solche Reaktionen hervorzurufen.
Ich glaube, der ganze Film gehört nicht so sehr den Schauspielern und Filmemachern wie dem Publikum.
Und gerade deswegen macht man solche Filme. Dies ist einer der Fälle, in denen auch das Publikum die
Arbeit ganz fantastisch findet.
Wie sehen Sie DER HERR DER RINGE jetzt, wo sie etwas Abstand gewonnen haben?
Es ist ein wundervoller Film - ich denke von der Trilogie immer als einem Film, und die Dreharbeiten haben
enorm viel Spaß gemacht! Ich schaue sehr gerne auf diese Zeit zurück und bin immer noch sehr froh, dort
mitgewirkt zu haben!
Interview mit Andy Serkis
"Gollum wird die große Überraschung in DIE ZWEI TÜRME - so was habt Ihr wirklich noch nie zuvor gesehen."
Inwiefern kann man den Dreh von DIE ZWEI TÜRME mit dem von DIE
GEFÄHRTEN vergleichen?
DIE ZWEI TÜRME war viel schwieriger als DIE GEFÄHRTEN: Die Geschichte
teilt sich sozusagen in drei Teile auf, außerdem haben wir Tolkiens Erzählung
erweitert. Alle Schlüsselszenen aus dem Buch kommen auch im Film vor, aber
wir haben Szenen hinzugefügt, die Tolkien nie geschrieben hat, um die
Geschichte ein bisschen aufzupeppen.
Können Sie uns Beispiele nennen?
Wir haben den Gollum-Handlungsstrang erweitert. Tolkien deutet Gollums
schizophrene Ader nur an. Gollum ist Gollum, weil er 500 Jahre lang im Besitz
des Einen Ringes war, aber es gibt immer noch Spuren seines vorherigen
Lebens als Smeagol. Diesen Aspekt haben wir uns etwas näher angesehen.
Frodo hat Mitleid mit ihm, was Smeagol erlaubt, über dir Gollum-Persönlichkeit zu dominieren. Wir haben einige Szenen hinzugefügt, in denen es einen Konflikt zwischen Smeagol und Gollum gibt, weil wir glaubten, das würde die Figur Gollum interessanter machen.
Auch auf technischer Ebene ist Gollum ein sehr komplexer Charakter, oder?
Wie genau haben Sie ihn entwickelt?
Wir haben uns entschlossen, die Figur mit dem Computer zu erschaffen.
Sobald diese Entscheidung gefällt war, wurden folgende zwei Aspektebesonders wichtig: Erstens mussten wir einen Charakter am Computer entwickeln, der absolut real und authentisch wirkte. Er ist wirklich noch besser geworden, als ich ihn mir erträumt hatte. Es gibt Nahaufnahmen von seinem Gesicht, da kann man wirklich nicht mehr erkennen, dass er am Computer entstanden ist.
Und was war der zweite wichtige Aspekt?
Wir wollten sicher gehen, dass seine schauspielerische Leistung einfach perfekt war. Er spielt eine der Hauptrollen, er hat ungefähr genauso viel Screentime wie Frodo, also musste er "schauspielerisch" auf dem gleichen Level sein wie Elijah, Viggo oder Ian. Schauspielerische Leistung hängt zu großen Teilen von den Augen ab. Also haben wir uns die Augen genauer angesehen. Wir haben Gollum Muskeln in der Augenpartie und im Rest des Gesichts eingebaut, so dass wir jede Regung seines Gesichts genau kontrollieren können und so auch komplexere Emotionen durch sein Gesicht zum Ausdruck bringen können.
Und inwiefern beeinflusst Andy Serkis die Figur Gollum?
Wir hatten uns entschlossen, Gollums Charakter von einem Schauspieler steuern zu lassen. Es gab ja ein ganzes Team von Animatoren, die an Gollum arbeiteten und eine Riesenanzahl von Szenen drehten, also hatten wir die Befürchtung, dass Gollum etwas unklar wirken könnte. Eigentlich hatten wir Andy Serkis nur als Gollums Stimme gecastet, aber das war nur der Anfang. Später haben wir Andy gesagt, er solle den ganzen Charakter "übernehmen", er solle uns sagen, was Gollum tun würde, wie er auf gewisse Situationen
reagieren würde, also ähnlich wie Elijah die Kontrolle über den Charakter Frodo hat. Gollum wird die große Überraschung in DIE ZWEI TÜRME - so was habt Ihr wirklich noch nie zuvor gesehen.
Haben Sie auch andere Aspekte der Geschichte erweitert?
Tolkien beschreibt die Warge im Buch nur kurz. Warge sind riesige, wolfsähnliche Kreaturen, die von Orks geritten werden, wie eine Kavallerie. Sie spielen im Buch nicht gerade eine Hauptrolle, aber wir fanden sie so spannend, dass wir eine Schlachtszene zwischen Reitern und Orks auf Wargen eingebaut haben.
In DIE ZWEI TÜRME machen wir auch endlich Bekanntschaft mit einigen
menschlichen Schlüsselfiguren wie zum Beispiel Eowyn und Faramir.
Beeinflusst das die Grundstimmung des Filmes?
Ja, definitiv. DIE GEFÄHRTEN war Fantasy, mit den Elben in Bruchtal und
Lothlorien. DIE ZWEI TÜRME entführt Euch in die Welt der Menschen. Edoras ist
ein feudales Königreich, große Teile der Geschichte spielen dort. Die ganzen
fantastischen Aspekte aus DIE GEFÄHRTEN sind weniger präsent, DIE ZWEI
TÜRME ist wesentlich realistischer, wie "Braveheart". Ich finde das ziemlich gut,
dass wir nicht versucht haben, die Stimmung aus DIE GEFÄHRTEN einfach zu
reproduzieren, es ist wichtig, dass DIE ZWEI TÜRME seine ganz eigene Atmosphäre hat.
Es werden auch einige neue Charaktere und Schauspieler eingeführt.
Ja, DIE ZWEI TÜRME hat eine interessante Mischung aus vertrauten
Charakteren und völlig neuen Figuren, die ebenso stark und präsent sind, wie
die aus dem ersten Teil: Schauspieler wie David Wenham (Faramir), Miranda
Otto (Eowyn) und Bernhard Hill (König Theoden). DIE ZWEI TÜRME stellt uns
dieser Gruppe von Schlüsselfiguren vor, die später in DIE RÜCKKEHR DES
KÖNIGS eine entscheidende Rolle spielen werden.
DIE GEFÄHRTEN endet mit einem ebenso actionreichen (Die Gefährten werden getrennt) wie auch
emotionalen (Frodo gibt nicht auf) Höhepunkt. Wird DIE ZWEI TÜRME ein ähnliches Ende haben?
Ja. Diese Kombination aus Epischem und Intimem ist das Wundervolle an den Büchern, und das hat schon in DIE GEFÄHRTEN sehr gut funktioniert. Die Zuschauer wussten zu schätzen, dass wir Charaktere mit emotionalem Tiefgang in diesem epischen Umfeld gezeigt haben. Das haben wir uns auch für DIE ZWEI TÜRME vorgenommen.
Können Sie uns schon einige der Höhepunkte des Films verraten?
Der Action-Höhepunkt des Filmes ist die Schlacht am Helms Klamm. Auch auf
emotionaler Ebene ist die Schlacht ziemlich machtvoll: Wir sehen große
Heldentaten, außerdem wird die Welt Rohans vor dem Untergang gerettet.
Dann wären da noch die Handlungsstränge mit Frodo, Sam, Gollum und
Faramir. Da sind wir etwas weiter gegangen als die Bücher, haben Details hinzugefügt
und dafür gesorgt, dass es einige emotionale Höhepunkte zwischen den
Figuren gibt.
Im Buch ist die Schlacht am Helms Klamm eine sehr brutale, gewalttätige
Angelegenheit. Wir haben Sie das im Film gelöst?
Wir haben für die Schlachtszene in Amerika eine Alterfreigabe ab 13
bekommen, es ist aber trotzdem eine ziemlich heftige Schlacht. Wir sind eben
so weit gegangen, wie wir das innerhalb dieser Altersfreigabe konnten. Wir
hatten schon einige rollende Köpfe und abgeschlagene Gliedmaßen gedreht,
aber die haben wir wieder herausgenommen. Da die DVD eine andere
Alterfreigabe bekommen wird, werden wir sie da vielleicht wieder
reinschneiden.
Haben Sie sich während Ihres fünfjährigen Dreh-Marathons jemals gefühlt wie Frodo auf seiner Reise?
Ja, ich glaube schon. Na ja, im Gegensatz zu mir hat Frodo mehr nach vorne geschaut. Er wusste, er musste zum Schicksalsberg und hat einfach einen Fuß vor den anderen gesetzt, bis er dort war. Ich habe mich eher so gefühlt, als hätte ich eine Riesendampflok hinter mir und müsse für sie im Rennen die Schienen verlegen. Ich spürte viel mehr Druck als Frodo: "Oh Gott, ich muss schnell machen, sonst überfährt mich der Zug!" Es war wirklich physisch und psychisch erschöpfend. Als hätte man einen Krieg hinter sich. Die letzten fünf Monate waren am anstrengendsten. Ich bin völlig erledigt. Aber jetzt, wo DIE ZWEI TÜRME fertig ist, kann ich mich ein bisschen ausruhen!
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