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Japan: ich werde jetzt nicht mit geographischem Schnickschnack anfangen, sondern gehe mal ganz einfach auf das uebliche Strassenbild ein. Da ich in Kawasaki und Yokohama meinen Aufenthalt friste, bitte ich um Entschuldigung, falls der Rest Japans voelig anders aussieht ;)

Also, was in Japan auffaellt ist, dass der Boden fast überall gleich aussieht. Am haeufigsten bemerkt man diese knallgelben Streifen auf dem Boden, die viele runde Hubbel haben und in Linien verlaufen. Habe mich Monate lang gefragt, wozu sie gut sind, bis ich im Bahnhof einmal an einem Menschen mit geschlossenen Augen und Gehstock entgegenkam, der mit selbigem den gelben Streifen abtastete - alles klar, Blindenstreifen! Sowas sollte man in Deutschland auch einfürhen, finden Sie nicht?!1 aber auf mich hoert ja niemand.

Dann gibt es, auch in Bahnhoefen, diese langen Automaten, 5 bis 20 oder sogar 30 in einer Reihe aufgestellt, die den Eingang und gleichzeitig Ausgang zu den Gleisen einer bestimmten Bahngesellschaft darstellen. Die meisten Linien hier werden nämlich von verschiedenen Firmen betrieben. Die wohl bekanntesten sind JR (Japan Railways?), TouKyuu (Toukyou Kyuukou = Tokyo special line), KeiKyu (Keihin Kyuukou = Keihin special line) uvm. Die Eingaenge nennt man "Kaisatsuguchi" und sie haben an jeder Seite zwei Oeffnungen, so etwa wie wenn man ins Flugzeug eincheckt und seine Karte wo reinsteckt und sie am anderen Ende kleiner wiederbekommt. Diese kleinen Dinger sind echt intelligent. Wenn man nämlich die falsche Karte reinsteckt, piepen sie und die Schwingklappen gehen zu (wie in einem Casino) und man muss sich was anderes einfallen lassen. Niedlicher Nebeneffekt: Auf der Anzeigetafel, auf der sonst immer "Vielen Dank für die Nutzung unserer Gesellschaft" steht, erscheint in rot ein böser Wachtmeister und noch einige Anmerkungen, die ich noch nicht genauer gelesen habe. Das fuehrt sicher dazu, dass die Schwarzfahrer eine Nullrate bilden. Sicherlich, es gibt Schlupflöcher, aber die sind ziemlich klein und eng. Ein Mauseloch, sozusagen. Welcher normale Mensch passt schon durch ein Mauseloch? Sie vielleicht? Ich war mal mit einem anderen deutschen Austauschschueler unterwegs. Am Anfang hat er sich noch die nur halb so teuren Kindertickets gekauft. Die piepsen immer ganz niedlich, wenn man sie benutzt. Wenn der Schaffner dann allerdings kein Kind sieht, ist ihm wohl klar, was die Stunde geschlagen hat. Er ist allerdings stets unbehelligt geblieben. Ein Rätsel. Später stieg er darauf um, direkt hinter anderen Leuten ins Gleis zu verschwinden. Die Deutschen gehen schon vor die Hunde, muss ich sagen. Die Japaner scheinen dagegen derartig niederträchtige Betrugsversuche kaum in Erwägung zu ziehen. Braves Volk.

Und natuerlich gibt es da noch die lange Wand mit den ewig vielen kleinen Ticketautomaten, wo man Geld reinwirft, auf dem Bildschirm einen Preis drueckt und ein schoenes Ticket und Wechselgeld zurueckbekommt. Man kann auch Umsteigetickets und aehnliches kaufen, oder gleich eins fuer 10 Euro, das nach und nach abgebucht wird. Ich habe einmal gehört, wenn man ein Problem hat oder etwas klemmt, öffne sich eine Luke über dem Display und der Schaffner frage, was denn los sei. Ist mir noch nie passiert, aber es ist sicher lustig.

Das Systhem mit den Karten gibt es auch im Bus: Entweder man steckt so ne Zahlkarte rein, bezahlt 200 Yen, oder man kauft ein Monatsticket, das man dem Busfahrer beim Einsteigen zeigen muss. Ekann man nur beim Fahrer. Für die Aussteigenden gibt es einen Hinterausgang. Man könnte das den Schwarzfahrern gegenüber fast schon als gemein betrachten, diese absolute Chancenlosigkeit... !

Dann stehen überall riesige Masten und duenne Stangen am Straßenrand. Meist ist irgendwo Werbung drangeklebt, aber sie dienen als Stromleitungen, die hier nicht im Erdreich verlegt werden. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es hier so viele Erdbeben gibt, oder an der Grundwasserverschmutzung, die ein Verlegen der Kabel im Erdreich verursachen könnte. Da weiß keiner. Sieht nicht schoen aus, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Dann die Ampeln. Wie man schnell feststellt, hat in Japan alles eine Melodie. Also natuerlich auch die Ampeln, und zwar meist verschiedene. Vor meinem Haus sind insgesamt 3 Ampeln: 2 nach Westen und eine nach Suedosten, und die 2 nach Westen haben eine Art Trauermarsch. Die dndere spielt eine Melodie, die einen an ein trauriges Schlaflied erinnern koennte. Es gibt auch welche, die eine fröhliche Melodie summen oder nur piepsen wie Vögel. Wenn man dann selbsr anfängt zu piepsen wie die Ampeln, schauen einen alle komisch an.... auch sehr viele Bahnhöfe haben Melodien. Die größeren in Tokyo besitzen alle ihren eigenen, sonst gibt es oft den selben an mehreren Haltestellen. Der Bahnhof vor meiner Schule hat keine Melodie, aber es gibt viele verschiedene. Und die koennen einem ganz schoen auf den Wecker gehen, bis auf meine Lieblingsmelodie in Harajuku natürlich.

Uebrigens, die Japaner scheinen lange Schulwege zu moegen. Die wuerden anscheinend nicht auf die Idee kommen, die Schule nach Lage auszusuchen. Sie gehen lieber auf die Schule, auf die sie gehen wollen. 2 Stunden Schulweg taeglich sind da normal... und ich dachte ich bin extrem mit meiner Stunde!!! Naja, hab ja auch Gastfamilie und Schule nicht selber ausgesucht -_- wobei die Schule genial ist :))!

Und dann die Hochstrassen. Es gibt manchmal Strassen ueber den Strassen, und wo man auch hingeht findet man riesige "Bruecken", die ueber eine Strasse fuehren. Fuer Fussgaenger, die die ewigen Rotfphasen nicht abkoennen oder einfach nicht ueberfahren werden wollen ;-) Nur haben aeltere Leute ein Problem, weil es oft keine Rollflaeche fuer Rollkoffer gibt.

Und natuerlich vergesse man nicht die Leuchtschilder, in die meiner Meinung nach wesentlich zu viel Energie gesteckt wird, was aber hier bei vielen Dingen so ist. Alle Laeden sind irgendwie mit nem Schild aussen beschildert, und manchmal stehen Leute vor dem Laden und schreien "Treten sie ein! Ja, willkommen!" und noch viele andere Dinge, die den Kaeufer zum Eintreten und kaufen bewegen sollen. Mir passiert es allerdings manchmal, dass die so laut und nervig sind, dass ich mir aus Versehen die Ohren zuhalte oder einfach weggehe. Die Japaner scheinen es gewoehnt zu sein +) Hab man ne Freundin gefragt, warum die das machen und dass das in Deutschland nicht so ist, da meinte sie ganz erstaunt, ja ob die Deutschen denn nicht versuchen ihre Geschaefte schmackhaft zu machen... Kunden zu vertreiben ist vielleicht auch ne Strategie?!? *fies grins*

Am lautesten sind die Fischverkaeufer, die immer versuchen, ihren Fisch so frisch und schnell wie moeglich an den hochverehrten Kunden loszuwerden. Ausserdem findet man im Kaufhaeusern oefters kleine Schaelchen, in denen Stueckchen als Kostprobe des angebotenen Artikels liegen, und die meisten Leute essen, finden's lecker und gehen wieder. Das Brot hier ist zäh wie Gummi und hat nen komischen Beigeschmack. Wenn man überhaupt welches findet. Meist gibt es hier eben nur Brot, wie die Japaner es kennen. Also suesse Broetchen oder Kuchen, gar nicht an Croissants oder gescheite Brezeln zu denken! Schwarzbrot kennen die wahrscheinlich nicht mal vom Hoeren... was mich eher weniger stoert. Und der Käse. Das, was fuer die normaler Kaese ist, heisst auf Franzoesisch Aperocube (weiß ich dank Madame Strosny) und schmeckt... naja, Geschmackssache eben. Aber als wirklichen Kaese würde ich das nicht bezeichnen. Milch bekommt man hier allerdings ganz normal.

Joghurt gibt es sogar von Danone oder so, aber verdammt teuer im Gegensatz zum normalen japanischen Joghurt. Da ich keine Biertrinkerin bin und hier Alkoholverbot habe, weiss ich nicht wirklich, wie das Bier hier schmeckt, aber anders ist es sicher. Und zu Sylvester durfte ich eben doch etwas von dem japanischen Sauerpflaumen-Fusel, oder wie man ihn übersetzen mag. Und von deutschem Fruchtsekt mit Kiwigeschmack. Den hatte ich auf meiner letzten Geburtstagsparty getrunken... so klein ist die Welt, da müssen Sie mir schon Recht geben, oder?

Discos gibt es hier sicher, wer weiß. Aber es geht angeblich kaum jemand hin. Viel beliebter sind da Game Center, Karaoke oder Love Hotels, wobei man letztere eher ausschweigt. Viele gehen hin, aber keiner redet darüber. Und Clubs sind recht beliebt, aber erst ab der Altersklasse der Studenten. Die Love Hotels schneiden übrigens ein sehr heikles Thema der japanischen Jugend an, aber erst einmal zu Game Center und Karaoke. Game Center haben meist mehrere Stockwerke. Es gibt Abteilungen, in denen man Flipper und einarmige Banditen (Pachinko) oder aehnliche Apparate findet, dann gibt es viele Greifarmspielchen mit Mangafiguren, kleinen Pandabaerchen, Radiergummis oder Suessigkeiten. Ferner im Angebot haben wir natuerlich Spiele fuer mehrere, wo man vor einem grossen Bildschirm zu zweit Aliens abknallt oder Geiseln befreit (Game over - continue? Insert another coin!), oder dann "Donkey Konga", was hier so ne Art Fieber ist: Es gibt zwei Trommeln, auf denen man nach Takt trommeln muss, der im Bildschirm angezeigt wird. Manchmal muss man auch klatschen. Ich war bei der Game Cube Version recht gut, hab aber nicht viel Gelegenheit. Wird nach ner Weile langweilig... und noch andere Konsolendaddelspiele oder ein Automat mit nem Box-sack wird sich im gemeinen Game Center finden. Wenn man fest zuschlägt gewinnt man - und hat trotzdem 200 Yen verloren. Wenn man abloost, wird auf dem Bildschirm unheimlich detailliert gezeicht, wo genau der Gegner mich trifft und in welche Himmelsrichtungen das Blut aus meinem zerbeulten Kiefer spritzt. Und dann das beste: PURIKURA!!! ( Purikura )

Um zu den Pandas zurueckzukommen : Sie scheinen im Moment einer der beliebtesten Gegenstaende der Greifarm-welt zu sein. Ich habe neulich einen geschenkt bekommen, dann vor einer Woche einen, und erstaunlicherweise habe ich es selber geschafft, einen dritten herauszufischen *jubel huepf* ^___^ Wer japanische Werbung mag, kennt sicher die Werbung, in der ein Maedchen in Panda-kostuem rumlatscht und Webung macht fuer One-Do (ich glaub das is ne Autoversicherung oder so, oder was mit Telephon...) Und weil der mexikanische Austauschschueler (Pepe) diese Werbung so witzig fand, hat er den ersten Panda One-Do getauft :P Den zweiten und dritten wollte er dann One und Do taufen, aber der dritte - der, den ich selbst gefischt hab - hat ne suesse pinke Pudelmuetze und ich beschloss, dass es ein Maedchen ist und Lisa heisst (englische Aussprache, also das s scharf XD") und der zweite Panda heisst Steve oder John, ich kann mich nicht entscheiden >X3~ Es gibt auch ganz niedliche Figuren aus One Piece (ein Piraten-anime) und Hamster aus Hamutarou und jede Menge von Disney...

Von Disney gibt es hier uebrigens sowieso viel zu viel!!! Alle lieben Disney - ich sehe sogar manchmal Jungs rumlaufen, die an ihrer Schultasche Winnie the Pooh baumeln haben ...oO~ Aber gut, das ist nichts gegen die beruehmten Disney-stores. Hier und dort finde man in einem Kaufhaus eine kleine Ecke mit besonderem Eingang, und im Laden ist alles bis zur meterhohen Decke vollgestopft mit Plueschtieren, Schulranzen, Bechern, Anhaengern, Suessigkeiten, Videos, Schminke,... hauptsache es ist von Disney! In der Mitte des Raumes laeuft sogar ein Fernseher mit Disney-filmen... o.o

Aber ich will mir ja nicht die Laune verderben (bruahahaha), also weiter zu anderen Geschaeften. Da waere der "hyaku-en-shoppu" (100-yen-shop), in dem jeder einzelne Artikel nur 75 Cent kostet. Die meisten Shops sind sogar recht gross und es gibt so ziemlich alles zu kaufen. Sogar noch haltbares und obendrein leckeres Essen wird angeboten ( Okay, Fertignudeln zum aufbruehen, aber sie schmecken <:P). Es gibt manchmal sogar Kleidung, Naehzeugs, Besteck, Geschenkpapier, Gartenscheren, Muelleimer, Kleber, Faschingsperruecken, Skatkarten, Kamm, Schere, Haarklammern, Taschen, Suessigkeiten... und alles nur 75 Cent!!! O__O Gut, es ist natuerlich nicht alles deluxe, aber wundern tut es einen schon.



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