Bulimie (Ess/Brechsucht) :
Unter Bulimie, die umgangssprachlich auch als Ess-Brech-Sucht bezeichnet wird, versteht man eine Essstörung mit Heißhungerattacken und Essanfällen, der selbstausgelöstes Erbrechen und Missbrauch von Medikamenten zur Verhinderung von Gewichtszunahme folgen. Im Gegensatz zur Anorexie sind die Betroffenen jedoch normalgewichtig. Die Bulimie betrifft in weit über 90% der Fälle Frauen, wobei manche Autoren sogar von ca. 99% ausgehen. In einem Alter von 18-35 Jahren leiden ca. 2,5% der Frauen daran. Die Ursachen reichen von psychischen und familiären Belastungen über biologische Faktoren bis hin zum gesellschaftlich vorgegebenen Schlankheitsideal. Die Symptome sind Essanfälle, bei denen etwa 3.500 Kalorien zugeführt werden, Erbrechen und dadurch ausgelöste Folgeschäden sowie depressive Verstimmung. In der Regel versuchen die Patientinnen, ihre Essstörung geheim zu halten und meist wird erst nach fünf Jahren der erste Behandlungsversuch unternommen. Erstes Ziel ist dabei die Normalisierung des Essverhaltens, im Anschluss folgt die psychotherapeutische Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. In 40% der Fälle kommt es zu einer deutlichen, in 20% zu einer geringen Besserung, die übrigen Therapien erweisen sich als erfolglos
Der Wunsch, schlank zu sein, ist in unserer Gesellschaft - insbesondere bei Frauen - sehr verbreitet. So wollen, unabhängig von ihrem Gewicht, Frauen in Deutschland im Durchschnitt um 5 Kilogramm leichter sein. Bei immer mehr Menschen nimmt dieser Wunsch mittlerweile krankhafte Formen an.
Die Bezeichnung "Bulimia nervosa", kurz auch Bulimie genannt, bedeutet sinngemäß "Ochsenhunger" (der Anhang "nervosa" deutet auf psychische Ursachen hin) und steht für ein Krankheitsbild, das in der Umgangssprache häufig "Ess-Brech-" oder "Fress-Kotz-Sucht" genannt wird.
Neben der Anorexia nervosa (besser bekannt als Anorexie oder Magersucht) ist die Bulimie das typischste Beispiel für eine Essstörung. Die Unterscheidung zwischen Anorexie und Bulimie ist oft schwierig, in der Presse werden sie häufig gleichgesetzt, obwohl es sich um unterschiedliche Störungsbilder handelt.
Gemeinsam ist beiden Krankheiten, dass bei den Betroffenen eine extreme Angst vor einer Gewichtszunahme besteht. Während jedoch bei der Anorexie starker Gewichtsverlust durch extreme Diät im Vordergrund steht, ist das Hauptmerkmal der Bulimie das wiederholte Auftreten von Essattacken, die von aktiv herbeigeführtem Erbrechen oder der Einnahme von Abführmitteln bzw. harntreibenden Mitteln gefolgt sind. Im Gegensatz zu anorektischen Patientinnen, die äußerlich durch ihr Untergewicht auffallen, liegt das Körpergewicht bei bulimischen Patientinnen meist im Normalbereich.
Bei Patientinnen mit Bulimie kommt es dadurch, dass zwischen den Essanfällen Diät gehalten wird bzw. dadurch, dass die Nahrung erbrochen wird, zwischenzeitlich zu Mangelernährung. Als Konsequenz treten hormonelle und Stoffwechselveränderungen auf, durch die der Energieverbrauch herabgesetzt wird. Unter diesen Bedingungen führt auch eine normale Kalorienzufuhr zu einer kurzfristigen Gewichtszunahme, was zur Folge hat, dass die Patientinnen verstärkt versuchen ihr Gewicht zu kontrollieren. Auf diese Weise können sich die biologischen Veränderungen nicht normalisieren und es setzt ein Teufelskreis ein. Auf psychologischer Ebene ist zu beobachten, dass das gestörte Essverhalten häufig dazu führt, dass die Betroffenen sich von anderen Menschen zurückziehen und das Interesse an anderen Dingen verlieren. Diese Isolierung kann den Mangel an Selbstwertgefühl verstärken, unter dem bulimische Frauen häufig leiden. Eben diesen Mangel versuchen die Frauen aber dadurch auszugleichen, dass sie durch Gewichtskontrolle ein vermeintlich attraktiveres Äußeres erreichen.
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