predigt von pastor hans - carl schlüter
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Predigt an Oster-Sonntag, 16.April 2006

-"Er ist auferstanden! Er ist WAHRHAFTIG auferstanden!"---Mit diesem Ruf waren die Frauen am frühen Ostermorgen zu den Jüngern zurückgekehrt. Zu den Jüngern Jesu, die sich nach den schrecklichen Ereignissen der vergangenen Tage tiefbetrübt, verschüchtert und verängstigt hinter dicken Türen verbarrikadiert und versteckt hielten. Sie waren völlig fertig, sie hatten nur noch Angst.---Mit allem hatten sie gerechnet, als da die Frauen schreiend ankamen. Aber nicht mit einer solchen Nachricht.------Da rühmen sich moderne Leute ihrer Skepsis und betonen, man dürfe die Sache mit der Auferstehung nicht so wörtlich nehmen. Und außerdem sei die Bibel ja ein antikes Buch.-Die Menschen der damaligen Zeit hätten viele Dinge eben einfach kindlicher und unbedarfter aufgenommen, als der kritische und mit dem Wissen der modernen Zeit gebildete Mensch von heute.-Kurz und gut, die Sache mit Jesus, die Sache mit seiner Auferstehung, die solle man im übertragenen Sinne verstehen. Eben das er da, wo seine Lehre verkündigt werde, in GEWISSER WEISE LEBENDIG WÄRE, in gleicher Weise etwa wie auch Goethe "unsterblich" geworden sei durch sein Werk oder ähnlich auch Lenin, Marx oder Engels.---Skepsis, Zweifel sei angebracht, bei solch einer Aussage, wie der Auferstehung. Und der moderne Mensch zeichne sich doch gerade durch sein skeptisch, kritisches Hinterfragen der Dinge besonders vor dem antiken Menschen aus....--------Wenn das so ist, wenn Kritik und Skepsis der Maßstab sind, der Maßstab für modernes zeitgemäßes Denken, dann kann ich nur sagen, dann ist die Bibel das modernste Buch der Weltgeschichte und dann ist auch der angeblich kindliche Mensch von damals ausgesprochen modern und zeitgemäß.--Denn selten lässt sich in der Bibel soviel von Kritik und Zweifel lesen, wie gerade in den Textstellen, wo es um die Auferstehung und das ewige Leben geht.-Ich glaube eher, im Zweifeln und im Kritiküben, da war der Mensch schon immer groß, das ist nicht erst ein Kennzeichen unserer modernen Zeit.-Aber schwierig wurde es zu allen Zeiten dort, wo es auf den Glauben, auf das Vertrauen ankam. "ER IST AUFERSTANDEN, ER IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN."---Wie sollte man so etwas Unmögliches glauben? Sicher, Jesus hatte darauf hingewiesen, als er noch unter ihnen lebte. ...Aber ich denke, auch wir kennen dieses Phänomen: manche Dinge, die einem absolut unmöglich oder zu phantastisch erscheinen, die hört man einfach gar nicht.------Und dann waren sie gelaufen und haben sich mit ihren eigenen Augen überzeugt. Bei Thomas wird der menschliche Zweifel am deutlichsten: Er benötigte eine "Extravorstellung" um sich überzeugen zu lassen.--------Und je weiter, dann dieses Ereignis zeitlich zurück rückte, um so intensiver meldeten sich Zweifel und Unglaube wieder an. Und selbst in christlichen Keisen wurde das Reden von der Auferstehung immer schwieriger. Nicht, dass man Jesu EIGENE Auferstehung geleugnet hätte. ER war nun mal etwas Besonderes. Aber das Entscheidende war doch, so empfand man zunehmend, dass man als ein "Christ" LEBTE. Und das "Christentum" scheint auch bei uns für viele Gemeindeglieder aus Gedanken und Anschauungen zu bestehen, die man in sehr verschiedener Weise hören kann und über die man sich dann seine eigenen Gedanken macht. Manche dieser Anschauungen leuchten ein, man übernimmt sie; andere, wie etwa der Gedanke der "Auferstehung", bleiben einem fremd, man streicht sie. Ein "Christ" bleibt man trotzdem, weil man andere christliche Gedanken durchaus bejaht.-----Aber gerade das ist gefährlich. Denn im Christenleben handelt es sich nicht um Anschauungen, sondern um Tatsachen, von denen unser Leben IN ZEIT UND EWIGKEIT bestimmt ist! Streicht man die Auferstehung, dann ist damit nicht nur ein Gedanke gestrichen, der durch andersartige Gedanken ersetzt werden könnte, sondern es ist unserer gesamten Zukunft der Boden entzogen. Haben wir uns das eigentlich klargemacht? In der Frage nach der Auferstehung steht alles, unsere gesamte Existenz, die Frage nach dem Sinn unseres Lebens auf dem Spiel. Darum kann keiner von Gemeinde reden und sich Christ nennen, der NICHT AN DIE AUFERSTEHUNG GLAUBT. Genauso wenig kann man den MENSCHEN Jesus in den Mittelpunkt stellen, ohne dazu zu sagen, dass das Menschsein Jesu für UNS nur darum Bedeutung hat, weil dieser Mensch auferweckt worden ist.---Es gibt keine Liebe ohne Hoffnung, keinen Glauben ohne Hoffnung. Wenn Jesus Christus nicht tatsächlich aus dem Tode auferstanden ist, dann verhallt das Stöhnen der gepeinigten Schöpfung sinnlos und ungehört im sinnlosen Universum, dann ist all unser Streben und Mühen nach dem Guten und Edlen umsont.-----"HOFFEN WIR ALLEIN IN DIESEM LEBEN AUF CHRISTUS, SO SIND WIR DIE ELENDSTEN UNTER ALLEN MENSCHEN." Aber nun tut Paulus etwas Merkwürdiges. Er kennt alle diese Gedanken, die wir eben angedeutet haben, aber mit einem Satz fegt er sie vom Tisch imdem er sagt: "NUN ABER I S T CHRISTUS AUFERSTANDEN VON DEN TOTEN..."---Darauf allein kommt es an: Paulus hat der Gemeinde in Korinth eindringlich von den Zeugen der Auferstehung Christi berichtet. Für ihn besteht kein Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit. Das ganze Ereignis ist ja erst 25 Jahre her, viele Zeugen dieser Auferstehung lebten ja noch. Paulus konnte sie befragen, und, schließlich war der Auferstandene ihm selbst begegnet. Ein moderner Historiker hat einmal gesagt: "Die Auferstehung Jesu Christi ist die bestbezeugte Tatsache der Geschichte." Aber all das reicht nicht aus, weder für Paulus, noch für uns....Dass da einer zu neuem Leben erwacht ist, braucht mich noch nicht in Bewegung zu setzen.---WAS HAT DAS MIR PERSÖNLICH ZU SAGEN, DASS JESUS VON DEN TOTEN AUFERWECKT IST?---Welche Bedeutung kann das für mein ganz persönliches Leben tatsächlich haben? Ich will versuchen es zu erklären: Jesus will unseren TIEFSTEN HUNGER STILLEN. Was heißt das? Es gibt da so die verschiedensten Sehnsüchte in unserem Leben. Und diese Sehnsüchte haben alle ihren Grund darin, dass es Mittel zu ihrer Befriedigung gibt: Wir empfinden Hunger, weil wir das Essen kennen. Wir empfinden Durst, weil wir das Trinken kennen. Wir empfinden Heimweh, weil wir die Heimat kennen...so könnte man fortfahren. Aber wenn wir nun in uns selbst eine Sehnsucht entdecken, die durch nichts in der Welt gestillt werden kann...heißt das doch noch nicht, dass die ganze Erde ein Betrug ist. Die irdischen Freuden waren vielleicht nie dazu bestimmt, diese Sehnsucht zu stillen, sondern nur dazu, auf das Wirkliche hinzudeuten. Wenn dem so ist, dann müssen wir uns einerseits davor hüten, die irdischen Segnungen zu verachten odr undankbar zu sein. Andererseits dürfen wir sie auch nicht für die Sache selbst halten, von der sie doch nur eine Kopie, ein Echo oder eine Spiegelung sind. Wir müssen das Verlangen nach der wahren Heimat, die wir erst nach dem Tode finden werden, in uns wach halten. Wir müssen dafür sorgen, dass es niemals zugeschneit odre verschüttet wird. Es sollte das Hauptziel unseres Lebens sein.---Und wir sollten uns diese Sehnsucht nach dem Himmel auch nicht durch Witzbolde vergällen lassen, die, wie sie sagen, keine Lust haben, "in aller Ewigkeit Harfe zu spielen."...Die Bilder in der Heiligen Schrift, Harfen, Kronen, Gold o.ä., sollen doch nur dazu dienen, das UNSAGBARE auszusagen. Da steht dann die Harfe für Musik, weil für die meisten Menschen die Musik am ehesten der Ausdruck für losgelöstes Entzücken und für alles Unendliche ist. Kronen stehen da für Macht, Herrlichkeit und Freude, an der wir als Gottes Kinder teilhaben sollen. Gold steht für Unvergänglichkeit und die Kostbarkeit der jenseitigen Wirklichkeit. Wer diese Symbolsprache wörtlich nimmt, könnte ebenso gut Christus selbst beim Wort nehmen: Wenn Christus sagt, wir sollen sein wie die Tauben, meint er damit etwa, wir sollen gurren? (1495)-In der Tatsache der Auferstehung gibt Jesus uns das feste Versprechen, dass ER unsere unsagbare Hoffnung, dass er unser tiefstes Sehnen, dass er unsern größten Lebenshunger erfüllen will. Denn für all jene, DIE CHRISTUS ANGEHÖREN, die also IHM ihr Leben übereignet haben, für die hat die Zukunft schon begonnen. Ja, denen ist massenhaft Zukunft versprochen! -Massenhaft Zukunft!---, denn "...CHRISTUS IST AUFERSTANDEN VON DEN TOTEN ALS ERSTLING UNTER DENEN, DIE ENTSCHLAFEN SIND." Als Erstling,-das meint nicht, dass er der zeitlich erste sei, sondern das ist so ähnlich zu verstehen, wie bei einer Geburt: Wenn der Kopf durch ist, dann heißt das normalerweise, dass der Körper geradezu zwangsläufig folgt. Zukunft schon begonnen. Oder sagen wir es so: In Christi Zukunft (Auferstehung) ist auch die unsere verbürgt, ja, mehr als das, sie ist damit eröffnet und begonnen. Aber diese Zukunft steht noch aus. Denn noch leben wir in der Welt, die gewissermaßen vom alten Menschentypus programmiert ist. Adam steht für den Typus dieser Menschheit. an diesem Menschentypus ADAM haben wir teil. Auch an seiner Sünde und - in der Folge - an seiner Todesverfallenheit. Was an uns "ADAM" ist, muss vergehen, denn der alte, der "ADAMSMENSCH" SOLL ja gar nicht am Leben bleiben. Das Korn muss in die Erde. Die alte adamitische Wirklichkeit wird vergehen, wir werden dem "Erstling" folgend, in die neue, ganz andere Wirklichkeit eingehen. "DENN DA DURCH EINEN MENSCHEN DER TOD GEKOMMEN IST, SO KOMMT AUCH DURCH EINEN MENSCHEN DIE AUFERSTEHUNG DER TOTEN. DENN WIE SIE IN ADAM ALLE STERBEN, SO WERDEN SIE IN CHRISTUS ALLE LEBENDIG GEMACHT WERDEN."--------Das neue "Programm des Christusmenschen" nehmen wir an, indem wir unser Leben Jesus Christus im Gebet übergeben.- "...in Christus"-also in dem neuen Christustypus - "WERDEN ALLE, DIE IN IHM SIND LEBENDIG GEMACHT WERDEN." Paulus sagt dazu: Der erste Mensch ist von Erde und irdisch, der andere Mensch ist vom Himmel. - Noch sind wir hier und auf's Warten angewiesen. Was, indem wir glauben, heute schon unser ist, das Kommende, wird an Christi großem Tage für uns offen zugänglich sein. Dann wird aus dem Glauben das Schauen werden!-----Und was soll nun diese neue Wirklichkeit? Auch darauf gibt Paulus eine Antwort. Das ganz große, letzte Ziel des Christus ist es, uns und alle Schöpfung aus der Gottesferne, aus der Trennung von Gott, wieder zurückzuführen unter die herrliche Herrschaft des Schöpfers. Und endlich wird dann auch die letzte Folge der Sünde, der Tod nämlich, endgültig ausgelöscht sein.---Aber noch können wir uns entscheiden. Noch bittet der auferstandene Sohn, wir möchten uns versöhnen lassen mit Gott. Einmal wird er wiederkommen und dann den Ertrag seines werbenden Wirkens einbringen. Dann wird er mit Macht erscheinen. Dann wird er dem Vater melden: "...alles sei ihm unterworfen..." Dann ist das Versöhnungswerk vollbracht...die Vollendung des Reiches ist der Anfang unendlicher Möglichkeiten Gottes, die von keinem Widerspruch mehr durchkreuzt werden...der Anfang der unbestrittenen Möglichkeiten Gottes ist für uns dann der Anbruch unendlicher Freiheit.-----Das ist unsere Zukunft. Mit Ostern ist sie angebrochen. Wir haben ein Recht, auf diese Zukunft hin im Glauben heute schon zu leben, obwohl diese Zukunft noch unter dem Kreuz verborgen ist. JA,ES STIMMT, ER IST AUFERSTANDEN: E R IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN: DARUM - WENN IHR ZU I H M GEHÖRT: FREUT EUCH ---DAS BESTE KOMMT NOCH! Amen!

 




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