ROMANE
Hier werden sie bald die neuesten Episoden unserer Bergromane vorfinden. Als kleinen Vorgeschmack lesen Sie den ersten Roman
ZENZI & FREDL - UND SIE FANDEN IHR GLÜCK DOCH!
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Zenzi, die schöne Bauerstochter vom Lindner-Hof, stand vor dem Traualtar, der Pfarrer sprach gerade die Predigt. "Nein", dachte sie, "Ich kann Seppl nicht heiraten. Mein Herz gehört Fredl! Und wenn ich meine Familie in Schande stürze, und wenn meine todkranke Mutter unglücklich ist.. unglücklich Leben will ich nicht...!" Der Pfarrer fragte: "Zenzi Lindner, willst du den hier anwesenden Seppl Neunhöfer zu deinem dir angetrauten Ehemann nehmen, ihn lieben und ehren, bis das der Tod euch scheidet?" Zenzi zögerte, doch in ihrem Innersten schrie es "NEIN!!" Tränen traten in ihre Augen, die so grün waren wie der Grund eines Sees: "Nein! Ich kann nicht!", schluchzte sie und lief tränenüberströmt aus der kleinen idyllischen Dorfkapelle. Sie achtete nicht darauf, wohin sie lief, und es kümmerte sie auch nicht. In ihrer Trauer lief sie gegen eine starke Männerbrust, sie schwankte und fiel, doch die muskulösen Arme dieses Mannes fingen sie auf. "Fredl?!", fragte sie erstaunt, "du hier? ich dachte du wärst auch bei meiner Hochzeit!" Er strich ihr eine goldblonde Haarsträhne aus der Stirn. "Ich konnte nicht. Du weißt wie ich für dich fühle und..." Ungeduldig unterbrach Zenzi ihn: "Fredl!! Ich hab doch 'Nein' gesagt!!" "Was? Tatsächlich? ... nein, nein, nein! Das darf nicht wahr sein... Gerade habe ich in die Ehe mit Rosi eingewilligt! Sie wird mir eine prächtige Mitgift mitbringen, und sie ist ein gutes Weib. Wir werden auf der Südalm wohnen, ihr Besitz." "Aber Fredl..." "Ich weiß. Es tut mir so unglaublich Leid, Zenzi. Vergiss mich nicht." Mit diesen Worten ließ er sie stehen und ging Richtung Südalm.
"Nein, das konnte nicht wahr sein. Nein! Wie konnte er nur... Rosi, dies verlogene Weib.. Ein gutes Weib? Sie ist doch kein gutes Weib!! Wer könnte ihm eine bessere Ehefrau sein als ich?...oh Fredl...", dachte sie und in ihrem Inneren brannte sie vor Schmerz. Ihr Magen verkrampfte sich und schwer atmend brach sie zusammen und fiel in Ohnmacht.

Plötzlich schreckte sie hoch: "Wo bin ich?", fragte sie sich, während sie sich umschaute. "Ah, endlich bist du wieder zu dir gekommen. Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht!", begrüßte sie eine helle Stimme. Zenzi blickte zum anderen Ende des Bettes und sah sie. Sie, die Person die sie von allen am meisten hasste, auch wenn sie zu ihr immer wie eine Schwester gewesen war: Rosi. "Rosi...", stammelte Zenzi, "was mache ich hier? Wie komme ich hier her? Was ist passiert?" Rosi lachte ihr herzliches, glockenhelles Lachen und antwortete: "Eins nach dem anderen, Zenzi. Du liegst im Bett, ich habe dich auf dem Dorfplatz liegen sehen und dich sofort mitgebracht. Du scheinst zusammengebrochen sein, nachdem du aus der Kirche gelaufen bist. Der arme Seppl..." Rosis Augen schweiften einen Moment von Zenzis verwirrtem Gesicht ab und wandten sich dem Fenster und dem endlosen Bergpanorama zu. Dabei wurde sie von Zenzi unterbrochen: "Rosi, ich konnte ihn nicht heiraten. Ich konnte es nicht.. Mein Herz gehört einem anderen." Rosi verstand. "Dann hast du richtig gehandelt, mein Kind. Brauchst du irgendwas? Ich tue alles damit du schnell wieder gesund wirst." "Ich glaube, ich möchte einen Schluck Wasser... ja, ein Glas Wasser wäre nett." Rosi verschwand schnell aus der Tür, um Zenzis Wunsch zu erfüllen. Diese aber lag verwirrt und traurig im Bett. Sie erinnerte sich daran, was Fredl gesagt hat: "...sie ist ein gutes Weib...". Rosi war ein gutes Weib, das konnte Zenzi nicht abstreiten - aber dennoch lag ein grausames Gefühl des Hasses auf ihrem Herzen, sie konnte und wollte es Rosi einfach nicht gönnen, Fredl, den gutaussehendsten und begehrtesten Junggesellen des Dorfes,zu bekommen.

Am nächsten Morgen wurde Zenzi schon sehr früh durch den Duft von frischem Bauernbrot geweckt. Neben ihr saß Rosi friedlich schlafend, und sie musste zugeben, dass sie nicht nur ein gutes Weib, sondern auch eine hübsche junge Frau war. Plötzlich sah Zenzi einen Schatten an der mit Tapete verkleideten Wand, und sie schrie leise auf, wagte nicht sich zu bewegen. "Zenzi?..Du hier?..ich dachte...." , sagte Fredl, dessen Wangen von einer leichten Röte überzogen waren, ganz genauso wie früher, als sie zusammen über die Pflürtialmen des alten Klausis getollt waren.. "Oh, wie sehr wünsche ich mir, dass alles wieder so wird, wie es früher einmal war...", dachte Zenzi und seufzte leise, und vergaß völlig, Fredls Frage zu beantworten. "Zenzi? Wieso bist du hier?", fragte Fredl nun etwas verstört, und ein leiser Ton des Zorns hallte in ihren Ohren wieder. "Fredl,..ich,....ich kann mich nicht erinnern!", entgegnete Zenzi scheu und sehr verschämt. Wie gut sah er aus, als er so lässig dort am Türrahmen lehnte, die starken, von der Sonne gebräunten Arme über der Brust verschrenkt, mit einem Anflug eines spöttischen Lächelns auf den Lippen. Zenzi sehnte sich danach, sich in seine Arme zu übergeben und seine Wärme zu genießen, doch sie wurde aus ihren Träumen gerissen. "Zenzi, ich kenne dich besser als jeder andere, und ich weiß genau was du vorhast. Komm bitte, ich muss mich dringend mit dir unterhalten. Lassen wir Rosi noch eine Zeit lang schlummern, sie wird heute viel zu tun haben, denn heute nacht haben Benita und Jaqueline gekalbt.", flüsterte Fredl, griff unter Zenzis Bettdecke die ihre nackte Haut versteckte und fasste sie an der Hand. "Fredl!", rief Zenzi verstört und merkte wie ihr das Blut in die Wangen stieg. Ihre Augen, die so grün waren wie das Blatt des Maiglöckchens zu Beginn der Blütezeit glänzten und sahen aus wie kreisrunde Smaragde. "Achso, ich verstehe, sie schämt sich ihres nackten Körpers wegen! Schnell, zieh dich an, ich gehe schon einmal in den Hof und melke Benita um ihr Kalb zu füttern..", sagte Fredl, drehte sich um und verließ das Zimmer. "Was denkt er sich? Ich liebe ihn ja so sehr.. Aber wieso verhält er sich mir gegenüber so eigenartig? Aber ich muss mich beeilen..", dachte Zenzi, nahm ihre Leibwäsche und ihr Dirndl, zog es schnell an und lief barfuß hinaus auf den Hof.
Fredl hörte sie nicht kommen, so hatte Zenzi die Gelegenheit, seinen Anblick einen Augenblick einfach nur zu genießen, wie er da stand und auf einfühlsamste Weise das junge Kalb versuchte zu füttern. Nach einer kurzen Zeit aber bemerkte er sie erst, und als sich sein Gesicht dem ihren zuwandte, sah Zenzi mit erschrecken, dass etwas wie Verzweiflung ihn seinen hellbraunen Augen, die so schimmerten wie das Fell ihres Bullen Akristo. "Zenzi,..Benita, sie ist tot!", sagte Fredl und versuchte trotz seines Schmerzes tapfer zu bleiben und seine Verzweiflung nicht zu sehr zu zeigen. So verzweifelt hatte sie ihn noch nie gesehen.. Doch, einmal, als ihnen beiden der Tod seines Vaters Schorschi mitgeteilt wurde. Damals hatte sie ihn in die Arme geschlossen und sie hatten sich in ihn ihrem unendlichen Kummer doch auf eine gewisse Weise trösten können, aber in den zwei Jahren, die nun vergangen waren, hatte sich so viel zwischen ihnen geändert..
Da stand er nun, und Zenzi wusste nicht, was sie hätte tun können. "Ach Fredl!", sagte sie nur, tat ein paar schnelle Schritte auf ihn zu und umschlung seinen Oberkörper mit ihren Armen. "Zenzi, sie war meine erste Kuh.. und jetzt,.. sie ist mir unter den Augen dahingestorben! Wieso? Wieso nur,..", flüsterte er und drückte Zenzi fest an sich. Zenzi fehlten die Worte. Benita war tot, und auch sie hatte dieses Tier über alles geliebt - aber jetzt war sie wieder in seinen Armen, nur weil die Kuh gestorben war, und begann zu schluchzen : "Ach Fredl,.. Es tut mir ja so leid! Und das kleine Kälbli..so ganz ohne Mutterwärme muss es jetzt aufwachsen!" Sie vergrub ihr Gesicht in seinem Hemd und heiße Tränen rannen über ihre erblichenen Wangen. Dann, ganz plötzlich, griff Fredl unter ihr Kinn, sah ihr in die grünen Smaragdaugen die er schon immer so geliebt hatte, strich ihr eine rotgoldblonde Haarsträhne aus ihrem jungen Gesicht, und sagte : "Zenzi, ich bin verlobt, aber totunglücklich. Mein Leben bist du, du warst es immer, auch als wir jung und unbeholfen mit den großen Milchkannen, zusammen, Hand in Hand, über die endlosen grünen Wiesen liefen, lachten und fröhlich jede Minute lebten. Doch vor meinem Auge hängt jetzt ein grauer Schleier, und ich sehe nur noch das schlechte.. Oh Zenzi, ich will doch nur dich! Aber ich gab Rosis Vater auf dem Sterbebett noch das Wort, dass ich immer für seine über alles geliebte Tochter und ihre Kinder, die auch meine sein werden, sorgen werde und sie niemals im Stich lasse, egal was kommen mag! Aber Zenzi, vergiss nie, dass ich nur dich allein liebe.." Er beugte sich etwas zu ihrem Gesicht herab und seine Lippen streiften die ihren, noch immer hielt er sie fest umschlungen und küsste sie zum ersten Mal im Hof des Hauses seiner Verlobten.

Seppl saß missmutig auf einer Bank die ganz ihn der Nähe seiner Weide stand, auf der er vorhatte, eine Jungbullen-Zucht zu gründen, aber er dachte keine einzige Sekunde daran. "Wieso hat Zenzi das getan? Wir hatten es uns doch versprochen, unsere geliebten Eltern waren die Zeugen unserer Verlobung, und jetzt lässt sie mich vor dem Altar stehen.." "Seppl!" Erschrocken drehte er sich um. Eine glockenhelle und vertraute Stimme hatte ihn gerufen.. Das war doch.. "Rosi! Du? Hier? Was ist denn los?", fragte er und guckte sie mit verwirrtem Blick an. Rosi, seine Liebe aus früheren Jahren, stand direkt vor ihm, ihn ihrem Gesicht hingen einige Strähnen ihres kastanienbraunen Lockenhaars, und ihre mahagonibraunen Augen leuchteten bei seinem Anblick. Wie froh war er sie jetzt zu sehen! "Rosi, meine Liebste, komm, setz dich neben mich, und erzähl' wieso du dich hierher verirrt hast!" Ihre erdbeerroten Lippen zog sie nach oben und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. "Seppl, erstmal, es tut mir sehr leid was.." "Nein, das muss dir nicht leid tun. Machen wir kein Almgeheimnis draus, ich habe sie nie geliebt, und sie mich auch nicht. Nie brannte mein Herz, wenn ich sie die Alm mit den schweren Kannen heraufkommen sah, nie sehnte ich mich nach ihrem Lachen..." Verträumt guckte Rosi ihn an, doch er ließ den Blick über die endlosen Morgen Land schweifen,.. "Mein Besitz", dachte er, wandte sich wieder Rosi zu die einen Ausdruck auf dem Gesicht hatte, als wäre ein Kälbli schon im Mutterbauch gestorben, und er fragte sie erneut: " Was führt dich zu mir,mein Kind?" Sie errötete leicht, schlug die Lider nieder und suchte nach den richtigen Worten. "Seppl,.. wie soll ich es sagen,.." Dann fasste sie Mut, denn sie hatte nie ein Geheimnis vor ihm gehabt und sie wusste, dass er Verständnis haben würde. Entschlossen, aber auch etwas verschämt sagte sie: " Seppl, ich erwarte ein Kind!" Seppl erschrak, doch er wollte ihr sein Entsetzen nicht zeigen. Nein,.. "Oh Rosi! Das ist ja wunderbar! Ein kleines Mädli oder ein Buab.. Was sagt denn Fredl? Er ist sicher mächtig stolz auf sein zukünftiges Weib..." Schnell brach er ab als er sah, wie große, perlenförmige Tränen aus ihren braunen Augen liefen und ihre pfirsichfarbenen Wangen benetzten. "Oh Seppl!", rief sie und warf sich in seine Arme. Er drückte sie an sich, denn er konnte nicht anders. "Seppl, es ist nicht Fredls Kind!", stammelte sie mit tränenerstickter Stimme, schluchzte laut und klammerte sich fest an ihn. Ein Kind von einem anderen? Das konnte nicht wahr sein.. Aber als ihr guter Freund musste er ihr irgenwie versuchen, ihr in dieser Not zu helfen. "Sag, Rosi, wessen Kind trägst du unter deinem Herzen?", fragte er, doch er wusste nicht wirklich, was er noch hätte sagen können. "Seppl,..Oh,...Seppl! Es ist..", brach sie ab, und wieder begann sie herzzerreißend zu weinen. " Kind, so wein doch nicht! Erzähl, wessen Kind es ist, und niemand sonst wird es erfahren.."

Jetzt lag sie in seinen starken Armen, und war so glücklich wie nie zuvor. Seine Arme lagen um sie geschlungen und hielten sie fest und sicher. "Zenzi, niewieder will ich dich missen!", sagte er und küsste sie. Wie lange hatte sie sich nach seinen Küssen gesehnt, und wie lange hatte sie darauf gewartet, und jetzt, wo er ein verlobter Mann war, lag sie bei ihm und sie küssten sich. So hatte sie noch niemand geküsst - Seppl sah es eher immer als eine Qual, Rüdis Küsse waren nicht halb so wie...

"Nein!", dachte er, "Das Kann nicht sein! Rosi muss sich irren!" Eine Zeit lang saß Seppl schon wieder allein auf seiner Bank, Rosi hatte ihn verlassen, und ihre letzten Worte waren gewesen, als sie schon wieder auf ihrem Hollandrad saß: "Seppl, es ist dein Kind!" Etwas wie Verzweiflung machte sich in seinem Herzen breit, und es raubte ihm den Atem. Rosi war schwanger, aber von ihm? Konnte es sein..? Irgendwie gefiel ihm dieser Gedanke, aber Rosi war verlobt, mit Fredl, und nicht mit ihm! Wie gerne wäre er an Fredls Stelle, der ihm immer schon ein großer Dorn im Auge gewesen war, dieser Bauernschalk.. "Auch Zenzi hat er in seinen Bann gezogen, und jetzt auch noch die arme Rosi.. Wie schrecklich! Alles nimmt er mir, und mein Kind wird nun unter seinem Schutze aufwachsen!", dachte er, sprang auf und trat gegen einen der Grenzsteine. Er musste dringend mit Pfarrer Bützerli sprechen...
Rosi konnte es nicht fassen. Sie, die sonst immer so zurückhaltend in ihren Worten und im auslassen von Emotionen war, hatte sich in Seppls schützenden und wärmenden Armen ausgeweint, und hatte nicht versucht, ihrem unstillbaren Kummer eine Schranke zu setzen. Sie war ehrlich zu sich selbst und zu Seppl gewesen, er wusste von ihrem gemeinsamen Kind, aber er wusste noch lange nicht alles... "Wie sehr ich ihn liebe, und wie sehr ich ihn brauche,.. Könnte ich ihm doch sagen, wie mein Herz in jeder Nacht brennt, oder wieviele schlaflose Nächte ich über die Almen gelaufen bin, ohne Ziel vor Augen, mit von Tränen benetzten Wangen und Augen, die rot unterlaufen sind, da ich von Seppls Verlobung mit Zenzi gehört habe.. Aber jetzt, jetzt ist er wieder zu haben, trotzdem sah ich seinen erschrockenen Blick als ich ihm von unserem Kindel erzähle, denn wie es scheint sah er mich, wünschte sich aber Zenzi neben ihn auf die Bank..", dachte sie und vergrub ihr Gesicht im Rock ihres Dirndls. Aber sie konnte Zenzi keinen Vorwurf machen, sie liebte einen anderen - und ging es ihr, Rosi, in dieser Stunde nicht genauso schlecht? War nicht auch sie mit einem Manne verlobt, den sie niemals wirklich lieben konnte, da ihr Herz auf Ewig einem anderen gehören würde? Leise begann sie zu schluchzen, und hörte nicht, wie Zenzi und Fredl Hand in Hand die Südalm heraufkamen.
"Fredl,noch nie in meinem ganzen war ich so glücklich! Du und ich, ich wusste es schon immer.. Aber nie hatte ich den Mut es dir zu gestehen, was ich für dich empfinde. Wie furchtbar hab ich gelitten in all der Zeit! Aber jetzt bin ich so selig froh!", rief Zenzi in den frühen Abend hinein, der Himmel hatte sich lavendelfarben gefärbt, und Fredl griff nach ihrer Hand und zog sie zu sich. "Zenzi,.. immer wieder verschlägt mir deine unendliche Schönheit die Stimme, und ich kann es kaum fassen, dass ich dich nun in meine Arme schließen kann, ohne das ich denken muss, dass du dich in Schaum auflöst wie in meinen schmerzlichen Träumen, nach denen ich schweißgebadet aufschrecke und feststelle, dass alles nur einer meiner Träume war, unter denen ich so gelitten.." "Sprich nicht weiter, Liebster, ich hatte ja keine Ahnung..", flüsterte sie zärtlich und küsste ihn voller Leidenschaft auf seine brennenden Lippen, und sie gab sich ihm hin. Ihre Hände glitten über seinen starken Rücken und verschränkten sich hinter seinem Nacken ineinander und sie hielten einander fest.
Die Sonne stand schon tief, und sie färbte die kleinen Wölkchen dunkelrosa, aber Seppl musste den Pfarrer noch erwischen. "Seppl! Kann ich dir weiterhelfen?", fragte Gundl, Bützerlis Tochter. Pfarrer Bützeri hatte sich im Schmerz um seine verstorbene Frau Amele der Kirche gewidmet, und da Gundl nun schon auf eigenen Beinen stehen konnte, war er Pfarrer geworden. "Meine liebe Gundl! Wie freue ich mich, dein hübsches Gesicht wiedereinmal zu sehen. Sag, mein Kind, wo finde ich deinen Vater? Mich verlangt es sehr danach, mich mit deinem Vater zu,.... Aber mein Kind, was hast du denn?" Gundl hatte begonnen zu schluchzen, als sie den Namen ihres Vaters gehört hatte. "Oh Seppl,.. es ist ja alles so schrecklich! Zuerst lies Zenzi dich vor dem Traualtar stehen, was für Vater ein Schock war,.. und,..und dann hatte ich einen schrecklichen Streit mit ihm,.. Und dann,.. dann habe ich ihn Bewusstlos in der Dorfkapelle in seinem Beichtstuhl gefunden.. Seppl. er wird sterben!", sagte Gundl, und brach unter heißen Tränen der Reue zusammen. "Oh nein,.. meine letzte Hoffnung ist nun auchnoch entschwunden,.. ich sehe keinen anderen Ausweg mehr..", dachte Seppl, half Gundl schnell auf und verabschiedete sich flüchtig, und Gundl dachte sich nichts dabei..
Am nächsten Tag dachte Seppl noch einmal darüber nach. Er hatte Rosi ein paar Tage lang nicht gesehen, und sich ihr auch sonst sehr zurückhaltend gegenüber verhalten. Erdachte, er würde keinen Ausweg mehr kennen, aber mit einem Glänzen in den erschrockenen Augen dachte er: "Noch ein letzes Mal muss ich mit Fredl reden, denn er muss sich für mich um meinen Buab oder mein kleines Mädli kümmern.. Und außerdem muss ich ihm den Wollbrief geben, den er,..." "Seppl? Bist du das?", fragte ihn eine vertraute Stimme. "Seppl, ich,.. ich wollte,..." "Zenzi. Sag nichts.", sagte er, trat rasch ein paar Schritte an sie heran, umschlung ihren Oberkörper mir seinen Armen und drückte die fest an sich. "Seppl,.. was, was ist denn los? Du weinst ja! Seppl, das wollte ich wirklich nicht,.." "Nein, Zenzi, es ist nicht deine Schuld,.. Ich, ich will mich nur von dir verabschieden. Für uns gibt es keine Rettung, denn dein Herz gehört einem anderen, doch nur für diesen Augenblick..", sagte er und küsste leidenschaftlich ihren roten Mund. "Zenzi?", rief eine männliche Stimme fragend. Schnell drehte sich Zenzi aus Seppls Umarmung. "Fr,..Fre,Fredl! W,.was machst du hii,..hier?" "Ach so ist das,.. Also habt ihr doch wieder zueinander gefunden. Alles Gute!", sagte er, drehte sich um und ging in Richtung Dorfmitte. "Nein! Fredl! Du..du verstehst,..!", schluchzte Zenzi, doch weiter kam sie nicht, denn ihre Tränen schnürten ihr die Kehle zu. "Fredl! Bitte lass mich einen Moment mit dir reden!",rief Seppl und rannte hinter ihm her. Zenzi setze sich auf eine Bank und versuchte ihre Tränen mit der Schürze zu trocknen, doch zu groß war der Schmerz in ihrem Herzen, al das sie all die Tränen der Reue mit der Schürze hätte trocknen können, also ließ sie ihrer Trauer freien Lauf und weinte bitterlich auf der kleinen Rosenholzbank, die einst des Dorfes Bürgermeister zu Ehren der Jungbullenzucht Seppl's dort aufstellte. "Tante Zenzi! Tante Zenzi! Warum weinst du denn?", riefen zwei helle Kindchenstimmen, und sogleich wurde Zenzi von hinten von kleinen Kinderärmchen umarmt. "Heinzerl! Lieschen! Was macht ihr denn hier?" "Hier Zenzi, ein Taschentuch!", sagte Lieschen, "Mama ist unten auf dem Markt und kauft Hirse und Malz ein..."
"Fredl! Bitte bleib' doch einen Moment stehen! So höre doch, Fredl! Was du da gesehen hast,.." "Ja, was ich da gesehen habe, hat mir schon genügt! Ich liebe Zenzi noch immer, was du sicher weißt, und ich,..ich dachte, dass sie meine Liebe erwidert. Und nun, wo ich das erste Mal in meinem Leben wirklich glücklich bin, da kommt schon wieder irgendetwas dazwischen.." "Fredl, wie du weißt, liebe ich Rosi über alles. Wir waren immer wie Brüder füreinander, und ich will es dir nicht verschweigen, Rosi ist von mir schwanger. Ich liebe Zenzi nicht, und sie liebt auch mein Herz nicht. Ihr Herz ist allein dir zueigen, Buab! Dieser Kuss,... er mag nichts bedeuten! Sie wollte sich nur von mir auf die alte Art verabschieden, und unsere Verlobung nun ganz lösen... damit du mit ihr zusammen glücklich sein kannst, und unter ihrem guten Herzen deine Kinder heranwachsen können.." "Wie dumm war ich, Seppl.. Du, der immer wie ein Bruder für mich war.. Wie konnte ich dir nur etwas so unedles zutrauen.. Vergib mir bitte!" Seppls Augen glänzten im Licht und er wische vorsichtig eine kleine pelenförmige Träne aus seinen Augen. Wie hatte er nur jemals mit dem schändlichen Gedanken spielen können, sich das Leben zu nehmen! Da er doch hier, im Herzen der blauen Berge, in seinem kleinen Dörfchen, so dringend gebraucht wurde! Wo Rosi, die Frau, die er mehr liebte als die grünen Wiesen, auf denen er seine Jungbullen-Zucht gründen wollte.. "Fredl,... ich danke dir... Frag nicht warum. Ich muss mich beeilen.. Ich muss Rosi finden, und ihr meine Gefühle beichten." Fredl lächelte ihn an und umarmte ihn brüderlich. "Dann beeile dich! Rasch, ich habe sie eben noch gesehen! Sie war bei Meta, um ihr junges Kälbli zu sehen.. Vielleicht erwischst du sie dort noch! Meinen Segen hast du!"
Zenzi saß inzwischen bei Mariette daheim und trank mit ihr einen Lindenblütentee, der sie erst einmal wieder aufwärmen sollte. Und wie hatte ihre Mutter ihr früher schon immer gesagt, wenn sie wieder einmal erschöpft von der Alm heimkam: "Nichts ist besser als ein Lindenblütentee, um den Geist eines echten Bergmadels zu beruhigen.. Er belebt die Sinne und wärmt dein Herz, so kalt es auch durch Enttäuschung geworden sein mag!" Zenzi schmunzelte, als sie sich an diese liebevollen Worte ihres Mütterchens erinnerte... Wie schön ihre Kindheit gewesen war.. "Doch nun herrscht die Gegenwart, und ich darf nicht vor meinen Problemen davonlaufen... Ich werde weiterleben, auch ohne Fredl.. Selbst wenn seinen Platz niemals ein anderer Mann in meinem traurigen Herzen einnehmen kann, selbst wenn ich die Nächte wachliege und mein Kissen von Tränen durchnässt ist,... Ich werde leben..", dachte Zenzi, und ein entschlossener Gesichtsausdruck war auf ihrer wachen Miene zu sehen.. So entschlossen war sie schon seit langer Zeit nicht mehr gewesen... "Liebes, du.." Doch Mariette wurde rasch durch eine auffliegende Tür unterbrochen. "Zenzi? Zenzi? ZENZII? Zenzi! Zenzi..,.. Zenzi,.. ich..ich muss,.. Zenzi,.. Ich liebe dich! Zenzi, werde meine Frau! Ich flehe dich an! Wenn du mich verstößt, werde ich meines Lebens nicht mehr froh sein!" Fredl stürmte mit feurigem Temperament, welches sie schon immer so sehr an ihm geliebt hatte, auf sie zu und fiel vor ihr auf die Knie. Er ergriff ihre Hand und drückte sie an seine rauhe Wange, die von Tränen und Schweiß nass war. "Oh Fredl.. Fredl.. ich.. ich liebe dich doch auch!" Zenzi spang auf und fiel ihm um den Hals. "Dieser Kuss, den du.." Doch Fredl lies sie nicht aussprechen. Er drückte die mit seinen braunen, starken Armen feste an sich und presste ihre schönen Lippen auf die seinen, und aus den dunklen Wimpern, die seine hellbraunen Augen umkränzten, sickerten kleine, stille Tränen des unendlichen Glücks der trauten Zweisamkeit. Mariette lächelte und erinnerte sich an das Glück, dass ihr einst widerfahren war, als ihr Klausi noch unter den Lebenden weilte, und auch aus ihren Augen lief eine Träne, die sie sofort mit ihren kleinen Händen wegwischte, denn für eine ältere Frau ihres Standes ziemte es sich nicht, Gefühle dieser Art in der Öffentlichkeit oder Gegenwart anderer zu zeigen. Jedoch wusste Zenzi, dass ihre Tante sich sehr für sie freute, und sie dachte: "Tantchen, du warst immer ein wenig eigensinnig, doch auf deine Weise ganz besonders liebenswert.. Vielen Dank für alles!"
Seppl rannte, rannte so, wie er noch nie in seinem ganzen Leben gerannt war, nicht einmal, als Akristos Vater, ein stattlicher Stier, ausgebüchst war, und der damals 14-Jährige Seppl ihn wieder einfangen sollte. "Hoffentlich finde ich Rosi.. ich hätte es doch wissen müssen! Das ihr Kind.. - mein Kind! Ach, was trübte nur meinen Gedankengang..",dachte er und hetzte den Ackerweiseweg hinab. In seinem Übermut übersah er eine Strohgarbe, geriet ins stolpern und stürzte auf die mit Sandstein gepflasterte Straße. Doch was war geschehen? Er konnte sich nicht bewegen, selbst um Hilfe konnte er nicht mehr rufen. Bei jeden Versuch hörte man nur ein verzweifeltes und wehklagendes Röcheln und Stöhnen. So blieb er einige Minuten regungslos liegen, und fühle nicht den Schmerz, der von seinem Herzen aufwärts immer höher kroch und ihm die Kehle zuschnürte. Als ihm das Atmen immer schwerer fiel, liefen stille Tränen der Verzweiflung aus seinen Augen und bildeten kleine, feuchte Tropfen auf der Straße..
Rosi verließ die Bäckerei des alten Schorschels und ließ ihren Korb ein wenig schwingen. Nun gab es zwischen ihr und Seppl keine ungeklärten Almgeheimnisse mehr, er wusste, dass sein Kind unter ihrem Herzen heranwuchs und jeden Tag lebendiger wurde, und sie fühle sich mit dieser Gewissheit sehr wohl. Ihr Kind konnte doch nur von ihm sein! Nie war es zwischen ihr und Fredl weiter gekommen als zu einem einfachen Kuss auf den Mund, wenn sie sich abends verabschiedeten, und weiter hätte sie es auch nicht kommen lassen wollen.. Wie falsch wäre es gewesen, diesen armen Menschen, der ihr so sehr ans Herz gewachsen war, auch wenn er niemals wie Seppl für sie sein könnte, derart zu behandeln... "Fredl war mir immer ein guter Freund. Ich hoffe, dass er mir meinen Entschluss, mich von ihm zu trennen, nicht zu Übel nehmen wird. Doch er ist ein feiner Kerl, er ist edel und stark, er wird eine andere kennen und lieben lernen. Das wünsche ich mir wirklich für ihn.. Doch nun muss ich Seppl finden, und mit ihm reden.." So dachte sie und schaute verträumt den Ackerweiseweg hinab. Plötzlich fiel ihr eine kleine Menschenmenge auf, die sich um etwas versammelt hatte. Sie hörte viele, zum Teil vertraute, Stimmen wirr durcheinanderreden. "Rosi! Rosi, komm rasch hierher!", schrie Gundl, die aufgeregt auf sie zurannte. "Kind, was hast du denn? Was raubt dir dermaßen den Verstand, dass du um diese Uhrzeit noch so quietschfidel bist?" "Se...Seppl..Seppl liegt dort vorne und,.. ach Rosi.. es ist ja so furchtbar! Rosi,.. ich glaube, er stirbt gerade!" Rosis Herz blieb stehen. Ihre Kehle trocknete aus und sie hatte keine Tränen, die sie weinen konnte. Innerlich erfror sie, und sie reagierte wie eine Maschine, drängte diejenigen weg, die noch um ihn herumstanden und kniete sich neben ihn. "Warum ruft denn niemand einen Arzt?",schrie sie mit kalter Stimme, und beugte sich über ihn. Augenblicklich wurde ihre Stimme freundlicher und ín ihrem Blick lag nun wieder die alte Liebenswürdigkeit und Zärtlichkeit lag, die an ihrem Wesen so geschätzt wurde. Seppl war Ohnmächtig, das sah sie, und sie ahnte bereits, dass er schon seit einiger Zeit keine Luft mehr bekommen hatte. Sie fasste sich ein Herz und versuchte, sein Leben durch Mund-zu-Mund-Beatmung zu retten. Inzwischen war der Almdoktor Schniering eingetroffen, der sofort begann, Seppl wiederzubeleben. "ich muss Sie nun bitten, alle nach hause zu gehen. Herr Neunhöfer wird sofort ins örtliche Hospital gebracht." "Wie sind seine Chancen?", riefen einige Passanten aufgeregt. Doch Rosi wusste bescheid, ohne das sie die Frage stellen musste. Seppl würde nie wieder der Alte werden, wenn er diesen Vorfall überhaupt jemals überleben würde...
Fredl war überglücklich. Nun lag Zenzi neben ihm in seine Hirtenjacke eingekuschelt und schlief leise atmend mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck. Nun war doch noch alles so gekommen, wie er es sich gewünscht hatte. Er liebte Zenzi, und sie erwiderte seine Liebe aufrichtigst. Was hätte er sich mehr Wünschen können? Vorsichtig strich er eine Strähne ihres Haares aus ihrer reinen Stirn und küsste vorsichtig ihre weichen Lippen. Wie schön sie doch war, wenn sie schlief.. Zenzi lächelte unddrückte ihren Kopf an Fredls Brust, und er dachte sich, dass sie gerade einen schönen Traum hatte. "Ich werde dir all deine Träume erfüllen, mein geliebter Engel.. Alles was du willst werde ich für dich tun, auch wenn das mein Ende bedeuten sollte.", flüsterte er ihr leise zu und dürckte sie sanft an sich. Kurz darauf war auch er wieder eingeschlafen.
Rosi saß nun auf der Bank, auf der sie einige Tage zuvor Seppl getroffen hatte, und auf der sie ihm von ihrer Schwangerschaft erzählt hatte. Wie leer und voller Trauer waren diese mahagonifarbenen Augen nun. Entsetzt starrte Zenzi die Almen hinab, auf denen sich Seppl seine Zukunft aufbauen wollte. Er würde sterben, es konnte sich nur noch um Stunden handeln. "Wieso sollte ich also noch weiterleben? Mein Leben hat keinen Sinn ohne meinen Mann! Und auch das Ungeborene.. Ohne Vater ist das Leben nichts für ein so kleines Kindel!",dachte sie, doch plötzlich änderte sich ihre Meinung. "Nein!",dachte sie, und fasste neuen Mut. "Auch wenn Seppl stirbt, ich werde weiterleben und dieses Kind zur Welt bringen. Wie feige wäre es, sein Leben zu beenden, bevor es erst begonnen hat! Auch ich bin ohne Vater aufgewachsen, und ich habe es überlebt. Ich bin stark geworden, und auch wenn Seppl stirbt, er wird in meinem Herzen weiterleben.."
Rosi behielt Recht. Seppl starb in der darauffolgenden Nacht. Für Rosi brach eine Welt zusammen.. Gerade, als sie hoffte, endlich, nach so langer Zeit, glücklich zu werden, gerade jetzt, wo sie schwanger war und sich auf ihre kleine Tochter freute... Selbst Zenzi konnte ihr in dieser Zeit nicht helfen. Lange war Rosi nicht ansprechbar, war mutlos, und alle ihre Vorsätze schienen wie weggewischt. 6 Wochen nach Seppls Beerdigung heirateten Zenzi und Fredl in der kleinen Dorfkapelle, in der Zenzi eigentlich, etwa 2 Monate zuvor, Seppl hätte heiraten sollen. Es wurde ein prächtiges Fest, und selbst Rosi ging es an diesem schönen Tag ein wenig besser. Sie entschied sich, ein paar Wochen Urlaub zu machen um sich von all dieser Aufregung zu erholen, so wie Almdoktor Schniering es ihr geraten hatte. "Rosi, es ist besser für dein Ungeborenes, nehme dir ein paar Wochen und spanne mal aus." Während ihrer Abwesenheit sollte Zenzi sich um die Kühe und Hühner kümmern, und mit Fredls Hilfe ging ihr die Arbeit leicht von der Hand.

~ Ende ~
