Seitentitel

GEREIMTES
INHALT:
  • Trost
  • Die Enttäuschung
  • Der Stuhl
  • Der Keks
  • Der Sonnenschirm
  • Der Computer
  • Im Lenzwahn

 

 

 

Trost

 

Wenn nichts von dir bleibt,
als die Erinnerung an dein Lachen.

Wenn nichts von dir bleibt,

als deine Stimme in der Stille.


Wenn nichts von dir bleibt,

als dein Lieblingslied.


Wenn nichts von dir bleibt,

als der Duft deiner Haare im Kissen.


Dann ist es, als wärst du nie gegangen.

 

 

 

 

Die Enttäuschung

Ich weiß nicht weiter, sitze stumm
Vor meiner Tastatur herum

Kein Geistesblitz mit Donnergrollen
Heut aus meinem Kopf will rollen

Die Muse scheint ein böser Troll,
Der mich am Arsche lecken soll

Sie ist ein lauer Hasenfurz,
Ne blöde Kuh - ein Schweineschnurz

Wenn sie nicht will - die hohle Nuss,
Wart ich nicht länger! Basta! Schluss!

Zum Narren kann er andre machen,
Der aufgeblasne Phrasendrachen

Schau mit Verachtung auf das Biest,
Das untreu mir geworden ist

Die Muse ist nur heiße Luft -
Ein Hohlkopf ist, der nach ihr sucht!


Der Stuhl

 

Der Stuhl, und das ist allen klar  

Der ist nunmal zum Sitzen da    

Gesessen wird seit allen Zeiten        

Meistens, um das Stehn zu meiden   

 

Drum hat einmal ein kluger Kopf       

Zermartert sich den müden Schopf   

Wollt nicht mehr stehen oder liegen  

Sich dabei das Kreuz verbiegen        

 

Schnell schuf er sich aus festem Holz

Den ersten Stuhl ? er war ganz stolz

Nun ward rasch der zweite Stuhl gebaut

Der mir seit Jahren ist vertraut

 

In meiner Stube stand bis heut          

Dies Exemplar aus grauer Zeit          

Ich habs zerlegt, es ist mir peinlich   

Weil ich faul war und auch kleinlich   

 

Wollt einen Nagel, welcher krumm     

Schnell aus der Wand ziehn, das war dumm  

Um an den Burschen ran zu kommen    

Bin ich auf den Stuhl geklommen        

 

Aber dem Stuhle, welcher morsch       

War wohl mein Vorgehn allzu forsch  

Denn krachend brach er laut in Stücke  

Ich blieb heil zu meinem Glücke   

 

Der Stuhl, und das ist mir jetzt klar

Ist wirklich nur zum Sitzen da

Und wenn Dir der Nagel nicht gefällt

Dann schau das Bild an, das er hält          

 

 

 

 

Der Keks

 

Ein Keks in seiner Dose lag               

Sinnierte vor sich her                         

Es quälte ihn nur eine Frag:                

Ob er denn schmackhaft wär  

           

Da hebt jemand den Deckel ab         

Zwei Augen blicken rein                    

Fünf Finger steigen tief hinab           

Sie sind so zart und klein                  

 

Sie greifen sich das süße Ding         

Befrein es von der Qual                    

Es geht empor zum Munde hin         

Dem Kind ein leckres Mahl               

 

Ob das dem Keks die Antwort war    

Zerkrümelt und zerbissen?                

Doch wer des Kindes Augen sah      

Der wird die Antwort wissen

 

 

 

Der Sonnenschirm

Im Sommer, wenn die Sonne lacht                         

da ist es häufig angebracht

den Körper zu beschatten.

Ein Sonnenschirm, der Farbe Bunt

der achteckig, also nicht rund

steht bei Herrn T. im Garten.

 

Noch steht er nicht, er liegt viel mehr

aber Herr T. bemüht sich sehr

den Schirm jetzt zu entfalten.

Doch halt, zuvor braucht er nen Schluck

vom kühlen Bier, das geht ruck zuck

Jetzt kann ihn keiner halten.

 

Er hebt ihn auf, die Sonne brennt.

Er legt ihn hin, zieht aus sein Hemd

Die Hitze lähmt die Glieder.

Er hebt ihn auf, ein zweites Mal

zum Spannen, doch das ist ne Qual.

Er legt ihn lieber wieder.

 

Das Tuch, es klemmt, hat sich verhakt

Das Spannsystem, es ist vertrackt.

Schweißgetränkt ist jetzt Herr T.

Die Speichen, nein, sie rührn sich nicht.

Er zieht und zerrt, die Sonne sticht.

Seine Finger tun ihm weh.

 

Ist es tatsächlich denn so schwer

Nen Sonnenschirm zu spannen der

so harmlos liegt im Grase?

So fragt verzweifelt sich Herr T.

Jetzt tun ihm auch die Schultern weh.

Ganz rot schon ist die Nase.

 

Ein letztes Mal er es versucht.

Da hört man auch schon wie er flucht.

Es platzt ihm gleich der Kragen.

Die Sonne hat Herrn T. versengt.

Der Schirm nun im Holunder hängt.

Die Wut hat ihn getragen.

 

Im Hollerbusche arg geschüttelt

Ward der Schirm nun wachgerüttelt

spannt sich auf in aller Pracht

Herr T., der das nicht mitgekriegt

weil er im Haus die Blasen kühlt

Denkt mit Schrecken an die Nacht

 

 

 

 

Der Computer

 

Herr A. lenkt einlends seine Schritte   

auf des Bürgersteiges Mitte                  

Nach seiner Arbeit will er nun

zu Weib und Haus, um auszuruh'n

 

Von heit'ren Sinnen ganz umsponnen

Froh ein Liedchen er begonnen

Der Weg zum Bahnhof ist noch lang

doch wird er kürzer mit Gesang

 

Den Großstadtlärm er nicht vernimmt

weil die Gedanken froh gestimmt.

Durch's Häusermeer er schreitet rasch

trägt unter'm Arm die Aktentasch

 

Derweil im Haus mit Nummer zehn

Herrn B. wir am Computer seh'n

Sein Bildschirm zeigt ihm dort minütlich

'nen Fehler an. Wie ungemütlich

 

Herrn B. nun platzt wohl schier der Kragen

Schlägt mit der Faust voll Unbehagen

Hart auf den Kasten, der aus Blech

Der Fehler bleibt. Das nennt man Pech

 

Er hebt die Kiste hoch mit Zorn

Stürzt an sein Fenster, das nach vorn

In Richtung Süden angebracht

Was auch vom Nutzen Sinn gemacht

 

Voll Wut reißt B. die Scheibe auf

er stemmt den Rechner hoch hinauf

Und durch des Zornes blindem Blick

erfüllt sich beider Herrn Geschick

 

Mit Wut im Bauch wirft das Gerät er

in die Tiefe, wo es später 

auf dem Gehweg wird zerschmettern

Das hat?s verdient. Bei allen Wettern

 

So kommt es auch. Doch welch ein Schreck

Herr A. biegt justament ums Eck

er wollt' zum Bahnhof und nach Haus'

Der Rechner bläst sein Kerzlein aus

 

Das Schicksal ist nicht oft zu loben

Die Schläge kommen meist von oben

Ein Leben hat abrupt verkürzt

ein Rechenknecht, der abgestürzt

 

 

 

Im Lenzwahn

Vögel  putzig emsen ihr Gefieder

Und flauen beißig schon ihr Nest

Hinterm Teich dort flied auch schon der Blühter

Und wauer Lind weht aus Südwest

 

Aus der Scholle spargt nun auch der Treibel

So frett und neundlich ist die Welt

In der Lache höllt sogar der Deibel

Die Lelder sind schon fängst bestellt

 

Hormone durchbluten meine Fließbahn

Und mein Verstand ist nur noch lall

Grünranken umtrieben meinen Lenzwahn

Maischiesser! Käft mich schnell ins All!





 




 









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