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DRABBELIGES


Ein Drabble ist eine in Deutschland noch weitgehend unbekannte Form einer Kurzgeschichte.

Das Knifflige daran, sowohl für den Profi, als auch für Hobbyautoren ist, dass ein

Drabble eine Story sein muss, die aus exakt 100 Wörtern besteht und mit einer

Pointe endet.

Damit Sie sich ein Bild machen können, wie so ein Drabble aussieht, folgen hier einige,

die ich selbst geschrieben habe.

Wenn Sie mehr Drabbles haben wollen, schauen Sie doch mal hier rein:

www.drabbles.de

 

Nachtwesen

Meine Schritte hallen durch die nächtliche Stille. Das Licht der Laternen spiegelt sich im nassen Asphalt. Die Luft ist kühl. Kleine Dampfwölkchen schweben aus meinem Mund. Plötzlich bemerke ich, dass sich meine Wahrnehmung verändert.  Meine Beine werden schwer und tragen mich scheinbar nur noch widerwillig. Ich spüre weder die Kälte, noch fühle ich den Regen, der auf mein Gesicht fällt. Die Straße unter meinen Füßen bewegt sich. Als wolle sie mich abschütteln, wie ein Hund einen lästigen Floh. Ist das da vorne mein Haus? Ich versuche, auf die Tür zuzugehen, doch aus irgendeinem Grund scheint sie mir auszuweichen. Verdammter Alkohol.

 

Das absolute Gehör
 
Detective Malloy nickte und gab ein grunzendes Geräusch von sich. Die Leiche hatte ein sauberes, kreisrundes Loch. Genau zwischen den Augen. Sie lag zwischen Schemel und Flügel auf dem matt glänzenden Parkett. Unter dem bleichen Kopf bildete sich eine blutrote Lache. Etwa dreißig Leute standen in gebührendem Abstand um den Toten. Einige der Frauen schluchzten leise. Die uniformierten Polizisten warteten auf weitere Anweisungen von Malloy. „Hat jemand gesehen, wer geschossen hat?“, fragte dieser in die Runde. Ein Mann im dunklen Anzug antwortete: „Ich habe nur gehört, wie jemand rief: Jetzt hat er sich schon wieder verspielt! Dann fiel der Schuss“.
 
 

Rien ne va plus

Oh, mein Gott! Was hab ich getan? Ich bin am Ende. Ruiniert. Ich habe alles verspielt. Alles, was mir wichtig war. Alles, was ich mir in langer Zeit hart erarbeitet habe, ist für immer dahin. Ich besitze nur noch das, was ich am Leib trage. Wie soll ich je wieder auf einen grünen Zweig kommen? Die Leute werden sich das Maul über mich zerreißen. Und hier diese Halunken, die mich in diese Lage manövriert haben. Hinter vorgehaltener Hand lästern sich über mich. Ich höre, wie sie mich mit ihrer Häme überschütten: „Ist doch nur ein Spiel! Komm, Papa, würfel endlich!“

 

Schwarzweiße Erinnerungen

Zu der Zeit, da die Welt noch schwarzweiß war, geschah es an sechs Tagen im Jahr, dass die Straßen Deutschlands ohne Menschen und ohne Autos waren. In der Stadt bot sich ein gespenstisches Bild: Ampeln, die stoisch, im gewohnten Rhythmus ihre Farben wechselten. Sinnlos, denn niemand brauchte sie. Es gab weder Fußgänger noch Autofahrer. Und der Wind blies gelangweilt die Fetzen mit den Schlagzeilen vom Morgen über den Asphalt. Auf dem Land warteten die öden Dorfstraßen darauf, dass sie endlich wieder von Füßen getreten und von Rädern überrollt wurden.   Verursacht wurde dieses Phänomen von einem britischen Autor namens Francis Durbridge.

 
Verzichte nie auf einen Pfarrer
 
Ich sollte hängen. Richter Anderson und Henker Clark warteten am Galgen. Pfarrer Daniels begleitete mich. Anderson nickte, Clark zog am Hebel, aber die Klappe blieb verschlossen. Ich musste in die Zelle zurück. Clark testete den Mechanismus. Danach der zweite Versuch. Daniels stand neben mir und betete. Die Klappe blieb verschlossen.. Insgesamt hatte ich vier mal den Strick um meinen Hals. Anderson änderte das Urteil in lebenslänglich. Nun bin ich begnadigt und verrate euch was. Gefängnistischler Simmons hatte ein Extrabrett angebracht, das immer, wenn Daniels sich neben mich stellte, verrutschte, und so die Klappe blockierte.
Der Pfarrer machte einen guten Job.

 

 


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