Schnellwundheilung
Schnellere Wundheilung und weniger Narben mit neuem Medikament
Verletzungen der Haut führen häufig zur Bildung von Narben. Diese können die Lebensqualität des Betroffenen stark beeinträchtigen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Narbe in Folge eines Unfalls oder während eines chirurgischen Eingriffs entstanden ist ; der operierende Arzt kann die Wunde sehr gut behandelt haben - trotzdem bleibt oft eine entstellende Narbe zurück, die möglicherweise sogar die Beweglichkeit des Patienten einschränkt. Gut sichtbare Narben, z.B. im Gesichtsbereich, beeinträchtigen häufig auch das Selbstbewusstsein der Betroffenen.
Britische Wissenschaftler haben nun ein Mittel entdeckt, das Wunden schneller heilen lassen und auf diese Weise die Entstehung von Narbengewebe reduzieren soll. Je schneller nämlich eine Wunde heilt, desto geringer ist die Neigung zur Narbenbildung.
Die Forscher um Mark Ferguson von der Universität Manchester stellten die ermutigenden ersten Ergebnisse ihrer klinischen Studien mit dem neuen Mittel kürzlich in London vor: Insgesamt wurden bereits 300 Personen damit behandelt. Den freiwilligen Probanden fügte man an den Armen jeweils zwei Wunden zu: Die eine Wunde wurde dann mit dem neuen Medikament, die andere mit einem Placebo-Medikament behandelt.
Nicht immer kann das neue Mittel die Narbenbildung ganz verhindern, häufig jedoch reduzieren. Die mit dem Wirkstoff behandelten Wunden heilten teilweise innerhalb von nur zwei Tagen ab, während die Placebo-behandelten Wunden etwa sieben Tage zur Heilung benötigten. Überrascht waren die Forscher von der Beobachtung, dass es gerade bei über 60-jährigen Personen zu besonders guten Ergebnissen kam.
Das neue Mittel besteht aus einem Signalmolekül, das während der Wundheilung vom Körper produziert und als TGFb3 (Transforming Growth Factor Beta 3) bezeichnet wird. Die Wissenschaftler entdeckten bei der Untersuchung von Wunden bei Föten von Säugetieren einen hohen Anteil an TGFb3; und Wunden der Ungeborenen verheilen ohne Narben. Nach der Geburt geht die körpereigene TGFb3-Produktion bei Säugetieren zurück. Grund dafür könnte sein, dass ein sehr schneller Wundverschluss Vorrang erhält vor einer raschen Heilung, denn mit dem Verschluss der verletzten Stelle wird das Eindringen von entzündungsverursachenden Bakterien verhindert. Die Wundheilung geht jedoch langsamer voran, was wiederum zu stärkerer Narbenbildung führt.
Die Wirkung des neuen Medikaments beruht letztlich darauf, so Ferguson, dass es die Wanderung von Zellen beschleunigt. Mit Hilfe des Wirkstoffs gelangen Fibroblasten und Keratinozyten schneller in den Wundbereich. Diese Zelltypen sind an der Bildung neuer Haut beteiligt, indem sie deren geordnete Regeneration beschleunigen -mit Hilfe von TGFb3 sogar möglicherweise schon vor der Entstehung von Narbengewebe.
Bevor das neue Medikament vorbeugend gegen Narben bei der Wundheilung eingesetzt werden kann, hat es noch diverse Hürden auf dem Weg zur Zulassung zu überwinden. Zunächst einmal gilt es, die Wirksamkeit und Verträglichkeit für den Menschen im Rahmen von Studien zu überprüfen. Letztendlich soll die Substanz in Form einer Creme oder als Injektion auf den Markt gebracht werden.