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Zur Spiritualität des Pilgerns Gemeinschaft auf dem Weg Auf dem Weg erfährt der Pilger ("Pilger" ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen "peregrinus" = Fremder), dass er auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Als Pilger trenne ich mich von dem, was mir bisher Heimat war und finde Solidarität von Seiten der Einheimischen sowie Gemeinschaft unter Mitpilgern. Darüber hinaus weiß ich mich in einer langen Kette von Menschen, die diesen Weg bereits vor mir gegangen sind. Wir ziehen an Orten vorüber, die von den Schwingungen anderer Menschen geprägt sind. Pilger, die den gleichen Rhythmus des Gehens haben, begegnen sich immer wieder. So hat man einen sehr viel leichteren und zugleich intensiveren Zugang zum Anderen als im normalen Alltag. In der Gruppe motivieren wir uns gegenseitig, wenn es mal schwer wird.
Gehen heißt, dem Rhythmus des Lebens folgen Von zentraler Bedeutung ist für mich das lange Gehen, die damit verbundenen Erfahrungen und die materielle Beschränkung auf das absolut Wesentliche. Die Langsamkeit des Gehens hat eine erdende Wirkung, sie führt zu einer bewußteren Wahrnehmung der Umgebung. Gehen heißt, dem Rhythmus des Lebens folgen, dem Schritt des Herzens. Wer auf seine Schritte achtet, auf sein Herz, auf das Fließen seines Atems, der entdeckt, dass sie Teil sind des Rhythmus und der Musik der Erde. Durch das Gehen langer Strecken wird das Leben verlangsamt, vereinfacht, gereinigt und geleert, so dass der Pilger sich wieder neu öffnen kann. Gottes Schöpfung wird ergangen, sie teilt sich Schritt für Schritt mit. Gehen wird zu einer Form der Andacht, zu einem Dialog mit der Schöpfung. Durch das Wegfallen von Alltagsverpflichtungen spüren wir eine Art innerer Freiheit, einen Perspektivenwechsel, welcher uns ermöglicht, bewusster und intensiver zu leben.
Warten, bis die Seele nachgekommen ist Der Mensch auf dem Weg erfährt sich in seiner Ganzheitlichkeit. Das bedeutet, dass Körper, Geist und Seele in Einklang miteinander arbeiten müssen. Die Seele muss "nachkommen" können, wie folgende Erzählung zeigt: Eine Himalaya-Expedition war unterwegs nach Norden. Nachdem die Gruppe den ersten großen Pass überschritten und eine kurze Rast gemacht hatte, rief der Expeditionsleiter wieder zum Aufbruch. Dem leisteten aber die indischen Träger nicht Folge. Als ob sie nichts gehört hätten, blieben sie weiter auf ihren Planen hocken, die Augen am Boden, und schwiegen. Als der Europäer weiter in sie drang, schauten ihn einige Augenpaare verwundert an. Schließlich sagte einer: "Wir können nicht weitergehen, wir müssen warten, bis unsere Seelen nachgekommen sind." Das Gehen des Weges führt zu einer neuen Wahrnehmung und Wertschätzung des Körpers; wir müssen lernen, sparsam mit unseren physischen Kräften umzugehen, deshalb sollten wir auf die innere Stimme unseres Geistes hören und diese berücksichtigen. Und dann entdecken wir, dass auf einmal Großes und Großartiges möglich wird. Weitere Ausführungen finden Sie in der Arbeit: Bis ans Ende der Welt - auf dem Camino de Santiago. |