swizzbeatz

Swizz Beatz

Der Mann aus dem Hintergrund tritt nach vorn und nimmt das Mikro in die Hand. "Vielleicht ist es, weil ich noch jung bin, aber ich habe das Gefühl, dass ich etwas beweisen muss."

Beweisen muss er uns wohl nicht mehr viel, aber man lässt sich doch immer wieder gern durch Neues überraschen. Die Rede ist von Swizz Beatz, dem Produzenten, Texter und DJ, der sich nun selbst vorstellt als ein MC, der seine Stellung geltend macht und mit dessen Überzeugungskraft gerechnet werden muss. "Ich repräsentiere mich nicht sehr oft, aber ich möchte, dass die Leute sich daran erinnern."

Als eine der Schlüsselfiguren der Ruff Ryders, schrieb und produzierte er Songs von namenhaften Künstlern wie DMX, Eve, LOX., Ludacris, Busta Rhymes, Jay-Z, Ja Rule, Snoop Dogg, Mary J. Blige, LL Cool J, Metallica, Limp Bizkit und vielen anderen.

Geboren als Kassem Dean, wuchs er in der Bronx, New York, auf. Bereits im Alter von 12 Jahren, beeinflusst durch seine Umgebung, begann er zu reimen und in der High School trat er als DJ auf. Der HipHop lag der Familie Dean wohl im Blut, unterstützt wurde er von seinen zwei Onkels, Joaquin und Darrin, die ihm Studioequipment schenkten und animierten, sein Talent zu entwickeln. Schon bald verdiente er mit dem Verkauf von Mixtapes mehr Geld als mit dem Verkauf von Drogen. Er hatte eine Möglichkeit gefunden, dem Drogenmilieu seines Viertel zu entfliehen und gleichzeitig mit dem, was er liebte, der Musik, sein Leben zu finanzieren. Er gab sich den Namen K-Swizz, ganz nach seinem Lieblingsturnschuh.

Trotzdem gab es Probleme. Nach einer Schlägerei, entschieden seine Eltern nach Atlanta umzusiedeln, um ihrem Sohn ein stabileres Umfeld bieten zu können. Schnell machte sich Swizz mit seinen Beats und DJ-Künsten einen Namen in der lokalen HipHop-Szene und trat in verschiedenen Clubs und auf diversen Veranstaltungen auf. Während seine Onkels in New York ihr eigenes Label, Ruff Ryders, gründeten, ließen sie ihren Neffen nicht aus den Augen. Sie wussten, wenn Kassem fähig ist, die Leute mit seinen Sets so heftig zu rocken, dann bringt er es fertig, seine eigenen Songs genauso gut zu produzieren. Nachdem Swizz den Namen Swizz Beatz angenommen hatte, begann er tatsächlich, selbst zu produzieren und die Songs dem Label Ruff Ryders zur Verfügung zu stellen. Hier ging er durch eine verflucht harte Schule: "Eben deshalb, weil es meine Familie war, war es hart. Jeder dachte, ich werde bevorzugt behandelt, aber ich wurde es nicht. Meine Onkels waren verdammt hart zu mir. Immer wenn ich ihnen Beats vorspielte, sagten sie: 'Das ist es nicht. Das ist es nicht.' Sicher, es war frustrierend, aber es animierte mich härter zu arbeiten." Das gab ihm den Antrieb, seinen eigenen Stil weiterzuentwickeln und zu verfolgen. HipHop als einzige Inspirationsquelle war ihm dabei nicht genug. Um einzigartige Tracks zu schaffen, bedient er sich der Sounds

unterschiedlicher Musikrichtungen. Die damals aufkommende Verwendung von Samples, allzu typisch für HipHop-Produzenten, vernachlässigte Swizz und arbeitet unter anderem mit elektronisch klingenden Keyboards, heftigen Gitarrenriffs und bissigen Trommeln.

DMX, der mit ihm an seinem Debüt arbeitete, war nicht sehr begeistert, als er das erste Mal, das von Swizz produzierte "Ruff Ryder's Anthem" hörte. Aber Joaquin und Darin Dean, die, wie Swizz, an diesen stürmisch und energiegeladenen Song glaubten, überzeugten ihn. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Der Track landete in den Top 20 und das dazugehörige Album verkaufte sich weltweit mehr als fünf Millionen mal. Diese neue Art des Produzierens prägte die weitere Geschichte des HipHop.

Swizz produzierte auch für die nachfolgenden Alben von DMX, "Flesh Of My Flesh, Blood Of My Blood" (1998) und "The Great Depression" (2001). Beide landeten auf Platz 1 der Charts. Auch die Mitarbeit an Eve's Debut, "Ruff Ryder's First Lady" und dem Album "Scorpion" (2001) verwandelte sich zu Platin. Auf der Ruff Ryders Compilation "Ryde Or Die" war er dann natürlich auch vertreten. Big Pun, Jay-Z, Mary J. Blige, Limp Bizkit, LOX, Foxy Brown, Marilyn Manson, Cam'ron, Ludacris und Memphis Bleek sind nicht die einzigen, die von seinen Künsten profitierten. Selbst auf der Ruff Ryders/Cash Money Tour 1999 konnte Swizz die Hände nicht von seinen Geräten lassen. Nachdem er jede Nacht für DMX und die Ryders als DJ auf der Bühne stand, arbeitete er nebenbei im Aufnahmestudio "On The Road". Bald wurde ihm klar, dass er alles besaß, was er zu einem eigenen Album braucht; er hatte genügend Tracks und er hatte viel versprechende Kontakte zu namenhaften HipHop- und Rock-Acts. Von nun an verbrachte er zahlreiche Stunden in seinem Studio, bis er anfing, eine Wunschliste von Künstlern zusammenzustellen, die auf seinem Debut vertreten sein sollten. Die Antworten auf seine Anfrage waren überwältigend und so wandelte sich die Arbeit zum Album "G.H.E.T.T.O. Stories" zu einer Familienzusammenkunft alter Freunde und Bekannte. "Ich hatte die Möglichkeit, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ich immer akzeptierte, wie Ron Isley" sagt Swizz, "Ich konnte Leute wieder treffen, mit denen ich früher zusammengearbeitet habe, beispielsweise mit Noreaga, der mich anregte Tracks für ihn zu produzieren, noch bevor mich meine Onkels arbeiten ließen. Auf dem Album ist niemand, mit dem mich keine Beziehung verbindet."

"Swizz Beatz Presents G.H.E.T.T.O. Stories" ist das Ergebnis einer fruchtbaren Zusammenarbeit, die unter anderen HipHop-Produktionen leicht zu erkennen ist. Neben seinem unverkennbaren Sound, setzt er seine Reime geschickt und schlagfertig ein. "Das ist meine Geschichte, und keiner kann sie besser erzählen als ich. Man kann den Ernst in meiner Stimme hören." Swizz Beatz geht geradlinig seinen Weg, ob als Produzent oder als MC, und beweist, dass er gewaltige Schritte getan hat, seit seinem Eintritt in die Welt der Musik.

Was viele außerdem überraschen wird, ist, dass das Multitalent Swizz nicht nur Produzent und MC ist, sondern auch noch sein eigenes Label, "Full Surface" (Part von J Records) betreibt. Zwei seiner Künstler, Yung Wun und Cassidy, sind auf dem aktuellen Album zu hören. Die Feature-Liste von "Swizz Beatz Presents G.H.E.T.T.O. Stories" kann sich nicht nur sehen lassen, man wird sich alle zehn Finger danach lecken. In Erscheinung treten: Nas, Ja Rule, Bounty Killer, LL Cool J, Busta Rhymes, Eve und viele andere....


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