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Ein Spieler, der die Presse meidet: Torsten Frings
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Torsten Frings, 27, trägt die Nummer 22 im deutschen Team. Vor dem zweiten Ersatztorwart Timo Hildebrand hat er damit die letzten Ziffern unter den Feldspielern auf dem Trikot. Das passt zum Typen Frings, der zur nächsten Bundesliga-Saison zum FC Bayern wechselt, der den Zweikampf auf dem Rasen sucht, ansonsten aber lieber nicht im Mittelpunkt steht. Gespräche mit der Presse gehören partout nicht zu den Hobbys des Mittelfeldspielers – manchmal aber macht er eine Ausnahme.
SZ: Herr Frings, hat die deutsche Nationalelf die Letten entgegen allen Ankündigungen doch unterschätzt?
Frings: Absolut nicht. Wir haben nicht den geringsten Grund, irgendeinen Gegner bei dieser EM zu unterschätzen. Wir haben uns bemüht, alles gegeben, Druck gemacht, fast keine Torchancen zugelassen. Andererseits hatten wir reichlich, auch hundertprozentige Chancen. Uns fehlt einfach nur ein Tor!
SZ: Offenbar hat die Mannschaft weniger Probleme, einfach zu reagieren wie gegen die Holländer, als selbst das Spiel zu machen wie gegen die Letten.
Frings: Das Spiel zu machen, ist vielleicht nicht gerade unsere Stärke. Aber gegen die Letten haben wir das doch ganz gut hingekriegt. Und die haben gegen die Tschechen mit viel Pech verloren, sie haben in der Relegation die Türken rausgehauen...
SZ: ... in der EM-Qualifikation die Schweden besiegt...
Frings: ...und sie sind völlig zu recht hier. Wir spielen mit den Topfavoriten Tschechien und Holland in einer regelrechten Todesgruppe.
SZ: Es war sicher mühsam, gegen einen solchen Menschenwall anzuspielen.
Frings: Natürlich nervt das. Aber das ist halt die Stärke der Letten, so kompakt zu stehen. Das machen sie sehr gut.
SZ: Haben Sie das begeisternde Spiel von Tschechien und Holland, das Ihrem gegen Lettland unmittelbar folgte, noch sehen können?
Frings: Ja, da konnte man noch mal sehen, wie stark die Letten waren. Sie hatten Tschechien am Rand der Niederlage.
SZ: Die Holländer haben ein begeisterndes Spiel gegen die Tschechen geliefert. Gegen das deutsche Team sind sie längst nicht so ins Spielen gekommen. Lag das an einer schwächeren Tagesform oder am Auftritt der Deutschen?
Frings: Wir haben taktisch super gespielt. Das war auch der Garant für das Ergebnis. Wenn uns am Ende dieser Fehler nicht unterläuft, gewinnen wir sogar. Dann wären wir jetzt schon durch. Aber: Wir haben noch alles in der Hand.
SZ: Ist die Tatsache, dass die Tschechen vermutlich mit ihrer Zweitbesetzung antreten, ein Vorteil? Oder ist es eher ein psychischer Druck, weil Erinnerungen an die EM 2000 aufkommen, wo sich das deutsche Team gegen Portugals Reserve mit 0:3 blamierte?
Frings: Ich will erst mal abwarten, in welcher Formation die wirklich beginnen. Die Tschechen haben wie wir 23 Nationalspieler dabei. Das Schlimmste war ja das Beispiel 2000, als es hieß: Ist ja nur die zweite Mannschaft! Die Tschechen sind durch, und deshalb können sie es sich eben leisten, den einen oder anderen zu schonen. Das bedeutet noch lange nicht, dass die Mannschaft deshalb schlechter ist.
SZ: Die deutsche Elf hat sich gegen die Letten sehr bemüht, alles Erdenkliche probiert. Rudi Völler hat das später anerkannt, aber auch gesagt, das reiche eben manchmal nicht. Heißt das, dass dieses deutsche Team nicht gut genug ist?
Frings: Wir sind nicht so stark, dass wir beispielsweise die Letten an die Wand spielen können. Hätten wir nur ein Tor gemacht, hätte jeder gesagt, super gespielt. In Anbetracht der schweren Gruppe können wir stolz sein, ja es wäre fast eine Sensation, wenn wir das Viertelfinale erreichen würden.
SZ: Man hat hier fabelhafte Fußballspiele gesehen, England – Frankreich, Holland – Tschechien oder Portugal – Spanien. Könnte die deutsche Mannschaft da mithalten?
Frings: Hat man ja gegen Holland gesehen. Wir können das.
SZ: Einer der Vorwürfe war zuletzt das mangelnde Spiel über die Außen. Sie sind gelernter Stürmer; beherrschen Sie es generell denn, bis zur Außenlinie durchzugehen und dann zu flanken?
Frings: Ich denke schon, das hab’ ich schon oft genug bewiesen, zum Beispiel bei der WM 2002. Ich hab’s auch gegen die Letten versucht, aber das ist nicht so einfach. Ab und zu gelingt das, aber eben nicht zwanzig Mal im Spiel. Und wenn man einen ausgespielt hatte, standen schon zwei Neue da.
SZ: Mittwoch spielen Sie gegen zwei Noch-Vereinskollegen aus Dortmund, Tomas Rosicky und Jan Koller. Haben Sie mit denen vorher über ein mögliches Aufeinandertreffen gesprochen?
Frings: In der Kabine haben wir mal Witze gemacht. So in der Art: Wir hauen euch weg! So ist das ja immer. Beide sind Supertypen, ich hab’ total gerne mit ihnen gespielt. Beide sind eher ruhigere Vertreter, ein bisschen so wie ich, mit dem Unterschied, dass sie nicht alles verstehen. Jan Koller lebt deshalb auch etwas zurückgezogen.
SZ: Kommen wir zu Ihrem neuen Klub. Weshalb haben Sie sich denn so früh auf den FC Bayern festgelegt?
Frings: Ganz einfach. Ich bin damals von Bremen nach Dortmund gegangen, weil ich überzeugt war, das ist der beste Verein für mich. Mit dem kann ich Deutscher Meister werden. Matthias Sammer hat mich überzeugt, nach Dortmund zu gehen. Ich hab’ mich schnell für die Borussia entschieden, und ich stehe dazu, wenn ich einmal zugesagt habe. Die zwei Jahre in Dortmund haben mir hervorragend gefallen. Jetzt wollte ich nicht ins Ausland wechseln, weil ich unbedingt mal Deutscher Meister werden will...
SZ: ... der berühmte Kindheitstraum?
Frings: Genau. Für mich kommt nur ein Verein in Frage, mit dem ich ziemlich sicher Meister werden kann. Und das ist Bayern München.
SZ: Wer war der Sammer der Bayern?
Frings: Da gab’s kein’ Sammer, davon musste mich keiner überzeugen. Ich wäre ja vor zwei Jahren schon zu Bayern gegangen, wenn ich nicht Matthias Sammer schon mein Wort gegeben hätte. Ich freue mich total auf München.
SZ: Die deutsche Elf hat sich gegen die Letten sehr bemüht, alles Erdenkliche probiert. Rudi Völler hat das später anerkannt, aber auch gesagt, das reiche eben manchmal nicht. Heißt das, dass dieses deutsche Team nicht gut genug ist?
Frings: Wir sind nicht so stark, dass wir beispielsweise die Letten an die Wand spielen können. Hätten wir nur ein Tor gemacht, hätte jeder gesagt, super gespielt. In Anbetracht der schweren Gruppe können wir stolz sein, ja es wäre fast eine Sensation, wenn wir das Viertelfinale erreichen würden.
SZ: Man hat hier fabelhafte Fußballspiele gesehen, England – Frankreich, Holland – Tschechien oder Portugal – Spanien. Könnte die deutsche Mannschaft da mithalten?
Frings: Hat man ja gegen Holland gesehen. Wir können das.
SZ: Einer der Vorwürfe war zuletzt das mangelnde Spiel über die Außen. Sie sind gelernter Stürmer; beherrschen Sie es generell denn, bis zur Außenlinie durchzugehen und dann zu flanken?
Frings: Ich denke schon, das hab’ ich schon oft genug bewiesen, zum Beispiel bei der WM 2002. Ich hab’s auch gegen die Letten versucht, aber das ist nicht so einfach. Ab und zu gelingt das, aber eben nicht zwanzig Mal im Spiel. Und wenn man einen ausgespielt hatte, standen schon zwei Neue da.
SZ: Mittwoch spielen Sie gegen zwei Noch-Vereinskollegen aus Dortmund, Tomas Rosicky und Jan Koller. Haben Sie mit denen vorher über ein mögliches Aufeinandertreffen gesprochen?
Frings: In der Kabine haben wir mal Witze gemacht. So in der Art: Wir hauen euch weg! So ist das ja immer. Beide sind Supertypen, ich hab’ total gerne mit ihnen gespielt. Beide sind eher ruhigere Vertreter, ein bisschen so wie ich, mit dem Unterschied, dass sie nicht alles verstehen. Jan Koller lebt deshalb auch etwas zurückgezogen.
SZ: Kommen wir zu Ihrem neuen Klub. Weshalb haben Sie sich denn so früh auf den FC Bayern festgelegt?
Frings: Ganz einfach. Ich bin damals von Bremen nach Dortmund gegangen, weil ich überzeugt war, das ist der beste Verein für mich. Mit dem kann ich Deutscher Meister werden. Matthias Sammer hat mich überzeugt, nach Dortmund zu gehen. Ich hab’ mich schnell für die Borussia entschieden, und ich stehe dazu, wenn ich einmal zugesagt habe. Die zwei Jahre in Dortmund haben mir hervorragend gefallen. Jetzt wollte ich nicht ins Ausland wechseln, weil ich unbedingt mal Deutscher Meister werden will...
SZ: ... der berühmte Kindheitstraum?
Frings: Genau. Für mich kommt nur ein Verein in Frage, mit dem ich ziemlich sicher Meister werden kann. Und das ist Bayern München.
SZ: Wer war der Sammer der Bayern?
Frings: Da gab’s kein’ Sammer, davon musste mich keiner überzeugen. Ich wäre ja vor zwei Jahren schon zu Bayern gegangen, wenn ich nicht Matthias Sammer schon mein Wort gegeben hätte. Ich freue mich total auf München.
SZ: Felix Magath wird dort neuer Trainer, ausgerechnet der Mann, mit dem Sie in Bremen Probleme hatten.
Frings: Ich habe damals relativ viel gespielt, obwohl ich ziemlich jung war. Obwohl ich als Stürmer immerhin auf 24 Einsätze kam, ist man unzufrieden, wenn man mal nicht spielt. Dann ist man sauer, hasst alles um einen herum, den Trainer, den Verein. Mit ihm persönlich hatte ich keine Probleme. Und das ist ja auch schon sechs Jahre her. Magath hat sich verändert, ich habe mich verändert.
SZ: Vor kurzem haben Sie in einem Interview gesagt, Sie seien damals noch „schlimmer“ gewesen. Was verbirgt sich denn dahinter?
Frings: Ich war noch nicht so weit im Kopf. Mir war alles scheißegal, hab’ auf nichts geachtet, war faul, lauffaul im Training.
SZ: Felix Magath geht ja der Ruf voraus, den Spielern alles abzuverlangen. War das wirklich so schlimm?
Frings: Wir hatten vorher Wolfgang Sidka, da war alles schön ruhig. Und dann kam ein Trainer, der hat Sachen gemacht, da hast Du gedacht, was hat das mit Fußball zu tun?
SZ: Medizinbälle und so?
Frings: Genau. Da lernst du erst mal laufen. Deswegen war das so schlimm. Bei Werder hat damals nichts gestimmt, wir wären beinahe abgestiegen. Aber die Stuttgarter Spieler sagen, Magath habe sich sehr verändert. Jetzt sind wir beide bei einem Verein, wo nur die Meisterschaft zählt. Er ist noch nicht Meister geworden als Trainer, ich bin noch nicht Meister geworden als Spieler – das sind doch ideale Voraussetzungen.
SZ: Zurück zur Nationalmannschaft. Immer wenn auf irgendeiner Position Not am Mann ist, heißt es, da spielt der Torsten Frings, links, rechts, in der Mitte. Ist das unangenehm, immer der Springer zu sein?
Frings: Das ist doch ’ne Auszeichnung. Ich bin ein Spieler, der versucht, alles vom Trainer anzunehmen. Wenn der sagt, du spielst linker Verteidiger, versuche ich, mich darauf einzustellen und das Beste daraus zu machen. Man muss offen sein für alles, sonst spielt man den größten Käse. Klar würde ich lieber auf meiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld spielen.
Aber da haben wir in Michael Ballack und Dietmar Hamann auch zwei sehr starke Spieler. Heutzutage musst du auf mehreren Positionen spielen können. Ich denke, bei Bayern werde ich auf meinen Positionen, zentral defensiv oder offensiv, halbrechts oder halblinks, spielen können. Die haben viel Geld für mich ausgegeben und wissen schon, für welchen Spielertypen sie das getan haben.
SZ: Sie machen oft einen etwas muffeligen Eindruck. Nach dem Letten-Spiel sind Sie, wie Otto Rehhagel sagt, vor der Presse unter dem Kabel weggetaucht. Haben Sie Probleme mit der Öffentlichkeit?
Frings: Ich mag das einfach nicht. Ich weiß, dass es wichtig ist, man braucht heute die Presse hinter sich. Aber ich habe kein Verlangen, jeden Tag in der Zeitung zu stehen. Ich will einfach meine Ruhe haben. Nach dem Letten-Spiel bin ich außenrum gegangen, weil ich noch eine Spritze bekommen hatte und die Mannschaft schon auf mich gewartet hat.
Aber seien Sie doch mal ehrlich, es sagt in der Situation doch eh jeder das Gleiche. Da steht der Frings da und sagt: „Wir hätten mehr über Außen spielen müssen.“ Dann geh’ ich weiter, kommt der Ballack und sagt: „Wir hätten mehr über Außen spielen müssen.“ Diese Mixed-Zonen sind der größte Schwachsinn.
SZ: Was machen Sie am 4. Juli, dem Endspieltag?
Frings: Da bin ich hoffentlich hier.

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Torsten's BVB-Story
Bericht vom 12.04.2004 / BVB.de
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