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"Geht Sammer, gehe ich"

Klicken, um das Bild groß zu sehen    Dortmunds Torsten Frings über die Krise beim BVB und den FC Bayern

 

 

Torsten Frings ist eine Stütze bei Borussia Dortmund und auch in der Nationalmannschaft

Nationalspieler Torsten Frings ist heiß begehrt. Trotz eines Vertrages bis 2006 bei Borussia Dortmund möchte der FC Bayern München den 27-Jährigen zur neuen Saison verpflichten. Im Interview mit der Berliner Morgenpost spricht der ehemalige Bremer Mittelfeldspieler über einen möglichen Wechsel zum Branchenführer Bayern, das verkorkste Jahr der Dortmunder und die anhaltende Kritik an BVB-Trainer Matthias Sammer.

Berliner Morgenpost: Herr Frings, Matthias Sammer wird nach dem Verpassen des Uefa-Cups in Dortmund in Frage gestellt. Zu Recht?

Torsten Frings: Es ist absoluter Schwachsinn, über den Trainer herzuziehen. Klar ist das Jahr nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber andere Mannschaften wären nach so vielen Verletzungen in der Hinrunde komplett zusammengebrochen, hätten sich wohl erst kurz vor Saisonschluss vor dem Abstieg gerettet. Wir dagegen hatten die Möglichkeit, in der Rückrunde um den Uefa-Cup zu spielen. Und das ist ein Verdienst des Trainers.

Sie betonten immer, dass sie vor zwei Jahren nur wegen Sammer zum BVB gewechselt seien. Verbinden Sie Ihre Zukunft mit der von Sammer?

Ich bin damals schweren Herzens aus Bremen gegangen. Ich habe keine Lust in Dortmund zu bleiben, wenn Sammer nicht mehr da ist. Wenn er geht, gehe ich auch.

Unabhängig, ob Sammer bei der Borussia bleibt oder nicht: Der FC Bayern will Sie unbedingt zur neuen Saison verpflichten.

Ich habe immer gesagt, dass ich zum FC Bayern möchte. Aber nur für den Fall, wenn mich Dortmund verkaufen muss beziehungsweise will. Ich werde nicht von mir aus sagen, nur damit sie einen Grund haben, mich zu verkaufen, dass ich unbedingt weg will.

Warum?

Weil sie mir dann womöglich den Schwarzen Peter zuschieben, indem sie sagen: Der Frings will weg, deshalb müssen wir ihn verkaufen. So wird es nicht sein. Entweder verkaufen sie mich, weil sie es müssen und wollen. Aber ich werde den Teufel tun und alles auf mich schieben lassen.

Bislang hat Dortmunds Vereinsführung betont, dass sie unverkäuflich seien. Glauben Sie das?

Der Verein weiß, dass ich zu Bayern möchte. Doch sie sagen zu mir, dass sie mich nicht lassen. Es ist immer eine gewisse Pokerei im Spiel. Das war in Bremen auch der Fall. Da hat Klaus Allofs (Werders Sportdirektor, d. Red.) auch zu mir gesagt, ich sei unverkäuflich. Zwei Wochen später war ich in Dortmund. Wenn das Angebot stimmt, werden sie mich auch gehen lassen.

Rechnen Sie damit, dass Ihre Zukunft noch vor der EM geklärt ist?

Ich denke, dass sich das erst nach der EM entscheiden wird. Bislang haben sie auch immer gesagt, dass sie Rosicky verkaufen wollen. In Dortmund hoffen sie, dass er eine gute EM spielt und dass dann gute Angebote kommen. Denn nur einer von uns beiden wird gehen.

Ist es, um eine gute EM spielen zu können, nicht wichtig, dass die Zukunft im Vorfeld geklärt ist?

Das ist absolut uninteressant für mich, es macht mir überhaupt nichts aus. Das war vor zwei Jahren bei der WM nicht anders. Erst kurz vor dem Finale haben sich Dortmund und Bremen geeinigt.

Sollten Sie zum FC Bayern wechseln, würden Sie auf Felix Magath, Ihren früheren Trainer beim SV Werder Bremen, treffen. Mit ihm hatten Sie damals enorme Probleme.

Die wir nicht mehr haben. Bei einem Hallenturnier vor vier, fünf Jahren haben wir uns ausgesprochen. Ich hatte damals Stürmer gespielt und selten Tore geschossen. Er hat gesagt, dass ich viel zu wenig aus meinen Möglichkeiten gemacht habe. Da kann man seine Argumente schon verstehen.

                                                                                                                                                                          

Bericht vom 12.04.2004 /Quelle: BVB.de

Torsten Frings stellt einen Rekord nach dem anderen auf
 
Torsten Frings erzielte beim 2:0-Sieg in Hamburg das schnellste Borussen-Tor der Saison: Er traf nach sieben Minuten und 55 Sekunden zum 1:0. Für den Nationalspieler war es nach Hannover und Bochum das dritte Tor in Folge - ein derartiger persönlicher "Hattrick" war ihm in seiner Karriere zuvor noch nicht geglückt.
 
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Noch bemerkenswerter: Der 27-Jährige war jetzt an 14 der 18 Dortmunder Rückrundentreffer als Schütze, Vorbereiter oder zuvor gefoulter Spieler beteiligt, was einer Quote von 78 Prozent (!) entspricht.

Frings schlug in Hamburg auch die Ecke, die zum 2:0 durch Koller führte - bereits das fünfte Saisontor des BVB nach einem Eckball. Insgesamt war es der 18. Treffer nach einer Standardsituation. Einzig Bochum nutzt ruhende Bälle noch effizienter.

Übrigens: Das kicker-Sportmagazin berief Frings bereits zum fünften Mal in der Rückrunde in die "Elf des Tages" und kürte ihn gleichzeitig zum "Mann des Tages".

 

 

 

 

 

 

 

 

Kicker-Online:

Am liebsten lässt Frings es gar nicht dazu kommen. Er macht sich rar. "Josef Schneck, unser Pressechef, verzweifelt manchmal", sagt er. Sich öffentlich zu entblättern, behagt ihm nicht. Wo eine Familie bietet, taugt auch gar nicht zum Schlagzeilenfüller. Deshalb ist es von ihm nur konsequent, sich auf das zu beschränken, was er ungleich besser beherrscht, als die Bedürfnisse von Zeitungen und Fernsehsendern zu bedienen. Fußball spielen nämlich. Wo immer ihn der Trainer hinstellt.

  Die Bandbreite seiner Begabungen lässt ihn im Mittelfeld nahezu allen Anforderungen gerecht werden. Auf der rechten Außenbahn im Team von Vize-Weltmeister Deutschland, dem er in allen sieben Begegnungen in Japan und Südkorea diente, 630 andere ins Rampenlicht drängen, huscht er durch den Hinterausgang. Seine Begründung: "Ich möchte einfach meine Ruhe haben." Frings pflegt das Image des Anti-Stars, der ohne das branchenübliche Brimborium auskommt. Dieser skandallos verheiratete Profi, der neben Frau und Tochter auch einem Hund und zwei Katzen Minuten lang, oder zentral - defensiv wie offensiv - bei der Borussia. "Frings kommt auf fast allen Positionen klar", erklärt Sportmanager Michael Zorc, "er ist ein kompletter Mittelfeldspieler." Physisch und läuferisch stark, taktisch diszipliniert, versiert als Passgeber, abgebrüht als Schütze. Auch wenn er von sich selbst sagt: "Ein paar Tore mehr könnten es schon sein."

 In Frings hat Tomas Rosicky, das Superhirn des noch amtierenden Meisters, sein robustes Pendant gefunden, das ihn entlastet und gleichzeitig selbst in der Lage ist, den hohen Rhythmus eines schnellen Spiels mitzugehen. Als seine wichtigste Aufgabe sieht Frings es an, "dass wir keine Tore kassieren". Weil er als Raumausstatter vor der Abwehr unterfordert wäre, assistiert er Rosicky, den Nachschub für die Offensivkräfte zu organisieren. Wie die Balance zwischen defensiver Sorgfaltspflicht und Vorwärtsdrang zu wahren ist, schreibt dabei kein von Matthias Sammer verfasster Verhaltenskatalog vor. "Mich hält keiner zurück", sagt Frings, "nur wenn es mal eng ist, kommt schon mal ein Schrei des Trainers."

            Dortmunds Dynamo produziert Mittelfeld-Energie. Er habe "in jedem Spiel Akzente nach vorn", sagt Frings, "es tut unserem Spiel gut, dass wir nicht von einem Spieler abhängig sind." Eben von Rosicky, der mit dem kreativen Zerstörer an seiner Seite nicht mehr alle Häscher gegnerischer Klubs in seinem Nacken weiß. Und wenn der Tscheche, wie kürzlich beim denkwürdigen 1:1 gegen Real Madrid, seinen Pflichten verletzungsbedingt nicht nachkommen kann, steuert sein elanvoller Partner Spiel und Rhythmus der Borussia.

            Anders als Rosicky, der seine Widersacher wendig und schnell auszutanzen weiß, erledigt Frings diese Aufgabe weniger spektakulär, mehr Raum benötigend, mit präzisen Vorlagen in die Tiefe. Was ihn beflügelt, noch mehr als die Aussicht auf Ruhm und materiellen Zugewinn, ist sein Ehrgeiz. "Wenn man etwas erreichen will", formuliert er, "muss man alles versuchen, um es auch durchzusetzen."

            Als Wesensverwandter Matthias Sammers gilt er, und tatsächlich ähnelt seine Berufsauffassung der des heutigen Dortmunder Trainers. Sammer und er ticken gleich, leben für den Erfolg, leiden unter dem Misserfolg. Sportdirektor Zorc: "Torsten merkt man in jeder Minute an, dass er hungrig ist."

            Wenn Frings merkt, dass Kollegen nach Rückschlägen schnell zur Tagesordnung übergehen und Niederlagen auf die leichte Schulter nehmen, schnallt er Spikes an die Ellenbogen. "Dann", verrät er, "dann werde ich sauer." Allerdings nur noch hinter verschlossenen Türen. Einen Wirbel wie im Oktober, als kritische Kommentare von ihm den "Aufstand gegen Amoroso" (BILD) belegen sollten, "obwohl Marcio gar nicht gemeint war", will er kein zweites Mal entfachen. Aber das Recht, auf den Verfall von Moral und Mentalität aufmerksam zu machen, das behält er sich vor. Ganz in dem Sinne, der ihn veranlasste, Bremen nach sechs Jahren zu verlassen: "Ich will sportlich weiterkommen."

            Dazu gehört ein gutes Abschneiden in der Champions League, deren acht Viertelfinalisten in dieser und in der kommenden Woche abschließend ermittelt werden. Die Hoffnung, dass auch Dortmund dazugehören wird, hat Frings auch nach dem eigentlich demoralisierenden Unentschieden gegen Madrid noch nicht begraben. Sein beschwörender Appell: "Wir können es noch schaffen." Falls Real daheim gegen den (bereits qualifizierten) AC Mailand patzen werde, "dann", verkündet Frings, "dann bin ich überzeugt, dass wir auch unser letztes Spiel in Mailand gewinnen".

            Wie selbstverständlich übernimmt Frings, auf dem Platz ohnehin einer der Leistungsträger, auch die Meinungsführerschaft bei den Schwarz-Gelben. Sich Verantwortung aufzuladen, entspricht nun einmal dem Selbstverständnis des 8,5 Millionen Euro teuren Profis, "dafür", betont er, "dafür fühle ich mich reif genug". Schließlich habe er bei der Borussia keinen Vertrag unterschrieben (bis 2006), "damit man mir hier auf der Nase herumtanzt".

 

 

Torsten's BVB- Story:

 

Wenn einer das Prädikat „Wunsch-
spieler“ verdient, dann ist es der vielseitige Mittelfeld-Akteur Torsten Frings, der als Stürmer begann, bei Werder Bremen zunächst für die rechte Außenbahn umgeschult wurde und zuletzt auf der zentralen Position für Furore sorgte. Schon Ende des vergangenen Jahres bemühte sich Trainer Sammer persönlich in das Wohnzimmer der Familie Frings, um den umworbenen Bremer von einem Wechsel zum BVB zu überzeugen.

Mit Erfolg: Seit Sammers Visite hat der Nationalspieler keinen Hehl daraus gemacht, dass das Dortmunder Interesse auf Gegenseitigkeit beruht, doch auch die Grün-Weißen wussten, was sie an ihrer Nummer 22 hatten. Ex-Teamkollege Frank Rost, in der kommenden Saison zwischen den Pfosten von Schalke 04, bedenkt seinen Kumpel schon mit jeder Menge Vorschuss-Lorbeeren: „Er ist ein Topmann, der auch in Dortmund seine Klasse unterstreichen wird“, meint der Keeper. „Daran gibt es nicht den geringsten Zweifel.“ Seine Klasse bewiesen hat Torsten Frings auch bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea. Als einziger Akteur neben Oliver Kahn und Thomas Linke bestritt der 25-Jährige alle Endrunden-Spiele über die volle Distanz und krönte seine hervorragende Gesamtleistung mit einer exzellenten Vorstellung im Finale gegen Brasilien.

Einzig der Spitzname des Wunsch-Borussen klingt wenig verheißungsvoll: „Lutscher“ riefen sie Frings in Bremen, nachdem er als frecher Werder-Neuling den früheren Bremer Fußball-Mozart Andreas Herzog mit eben dieser Respektlosigkeit geflachst hatte. Selbstvertrauen und Kaltschnäuzigkeit gehören auch zu den sportlichen Charaktermerkmalen des WM-Fahrers, der in der abgelaufenen Saison beim Auswärtsauftritt des BVB im Weserstadion (1:1) durch eine starke Leistung und den Bremer Führungstreffer eine werbeträchtige Visitenkarte abgab.

Torsten Frings, der 1976 in Würselen geboren wurde, startete seine Fußball-Karriere 1983 bei Rot-Weiß Alsdorf, wechselte später zunächst zum Lokalrivalen Rhenania und dann in die C-Jugend von Alemannia Aachen. Auf dem Tivoli bestritt er die Regionalliga-Spielzeit 1995/96 und folgte Ende 1996 dem Angebot von Werder Bremen. 1999 gehörte er zu der Werder-Elf, die sich im DFB-Pokalfinale überraschend gegen Bayern München durchsetzte. Sein A-Länderspiel-Debüt feierte der Neu-Dortmunder im Februar des vergangenen Jahres bei der 0:1-Niederlage des Völler-Teams gegen den damaligen Weltmeister Frankreich. Zu den sportlichen Stärken des Vize-Weltmeisters schreibt das Munzinger-Archiv: „Torsten Frings ist bei einer Größe von 1,83 m und 80 kg Gewicht ein körperlich sehr robuster Spieler, der seine physischen Vorteile im Zweikampf zur Geltung bringt. Statistiker bescheinigten ihm denn auch eine gute Zweikampfbilanz in der Offensive. Schnelligkeit, enge Ballführung und Dribbling zählen zu den weiteren Stärken von Frings, der es überdies glänzend versteht, nach erfolgreicher Abwehr schnell umzuschalten und den eigenen Angriff einzuleiten.“

Privat gilt Frings als naturverbunden und sehr tierlieb. Bislang lebte er mit Ehefrau Petra und Töchterchen Lisa-Katharina vor den Toren Bremens auf einem Bauernhof, der auch dem Fring’schen Familienzoo (Stute Ypke, Schäferhund Candy sowie die Katzen Kira und Puma) ideale Bedingungen bot. Insgeheim träumt der Tiernarr allerdings von Außergewöhnlichem: einem Terrarium mit Schlangen und Vogelspinnen. Als weitere Hobbys nennt er Tennis, Musik und Telefonieren. Aber in erster Linie ist Torsten Frings Fußballer. Dass seine Leidenschaft nicht unbedingt mit den bekannt guten Verdienstmöglichkeiten in diesem Genre verbunden ist, beweist folgende Episode, die die Sport-BILD vor kurzem veröffentlichte: „Man kann es ja mal versuchen. Sechs kleine Jungs standen vor der Tür, drückten den silbernen Klingelknopf. Und als der Hausherr endlich die schwere Holztür öffnete, stammelten sie nervös: ‚Wir wollten fragen, ob du mit uns Fußball spielst?’ Er hat es gemacht, einfach so. Hat seine Schuhe geholt, die Sporthose angezogen, und ab ging es auf den Bolzplatz. Zwei Stunden hat Torsten Frings mit den Kids gedribbelt, geschwitzt und gelacht. Fast so, als ob der Papa mit den Kindern im Garten spielt. Fast so, als wäre Frings selber noch ein kleiner Junge.“

Saison 2001/2002
Hervorragende Leistungen am Fließband, zentrale Figur des Bremer Spiels, nur in einer einzigen Begegnung (Bremens 1:3 am 21. Spieltag bei 1860 München) nicht mit von der Partie. Keine Frage – Torsten Frings war der Gewinner der Saison im Werder-Trikot. Gerade gegen die Spitzenteams der Liga glänzte er auf der zentralen Mittelfeld-Position mit Vorstellungen, die im europäischen Spitzenfußball keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Gemeinsam mit Keeper Rost belegte Frings die Top-Position der Werder-Notentabelle. Der kicker schrieb: „Frings zählt zu dem Besten, was die Liga zu bieten hat.“

 

 Torsten wird zum offensiven Verteitiger umgeschult:

 

 

27. Februar 2001, 22.35 Uhr, Stade de France in Paris. Torsten Frings wird nach 80 Spielminuten in der Partie Frankreich gegen Deutschland eingewechselt. Ein Meilenstein in seiner Laufbahn. Ein Traum geht in Erfüllung, nun darf sich Torsten Frings A-Nationalspieler nennen. "Als ich an der Seitenlinie stand und eingewechselt werden sollte, habe ich eigentlich gar nichts Konkretes gedacht. Ich war einfach nur angespannt. Als ich dann den Rasen betreten habe, war es aber schon ein tolles Gefühl", erinnert sich der 24-Jährige an den bewegenden Moment.

"Lutscher" im Nationalkader

Fünf Jahre lang trägt Torsten Frings den Dress des SV Werder, doch es lief zunächst längst nicht alles rund. Als Angreifer war Frings von Alemannia Aachen verpflichtet worden, die Leistungen in der Bundesliga im Offensivbereich waren allerdings eher durchwachsen. Mittlerweile ist Frings zum offensiv ausgerichteten Verteidiger umgeschult worden. Seine starken Leistungen in der Abwehrkette des SV Werder haben "Lutscher", so wird er auf dem Platz gerufen, sogar bis in den Nationalkader katapultiert.

Position auf der Außenbahn ist nicht das Ultimative

Restlos zufrieden mit seiner Position auf der Außenbahn ist er allerdings nicht: "Das Ultimative ist das für mich sicherlich nicht. Aber wenn wir auf diese Art und Weise erfolgreich sind und der Trainer mich dort aufstellt, dann spiele ich halt hinten in der Kette." Fest steht jedenfalls: Je weiter Torsten Frings in der Aufstellung nach hinten beordert wurde, desto besser wurden die Kritiken.

Bärenstarke Hallenauftritte

Zunächst Stürmer, dann Verteidiger, die Vielseitigkeit ist sein größter Trumpf. Zur beachtlichen Zweikampfstärke gesellt sich mittlerweile eine ordentliche Portion Cleverness. Frings kommt immer mehr dem Anspruch eines modernen Verteidigers nach: stark im Zweikampf, dazu in der Lage, das Spiel nach vorne zu entwickeln. Den Ball hinten rausdreschen, das ist nicht mehr gefragt. Dass der Ball für Frings keinen Fremdkörper darstellt, zeigte er unter anderem bei den Hallenturnieren, dort gehörte Frings stets zu den auffälligsten Akteuren. Und zu den gefährlichsten Torschützen.

 

                                                                                                                                                                                                                       

Sport

      Hamburger Abendblatt

 

Spaßvogel als Stammspieler
Torsten Frings

Seoul
- Torsten Frings ist unauffällig. Er kommt daher, als würde er schleichen. Wenn Frings Kameras sieht, startet er einen Slalomlauf. Wenn er ein Mikrofon vor die Nase gehalten bekommt, sagt er oft Sätze, nach denen viele meinen, der Junge müsse einen schlichten Charakter haben. "So kann man sich irren", sagt Frings.

Mit der Rolle lässt es sich gut leben. Frings wurde auch als Nationalspieler lange verkannt. Wenn er am Sonntag im Endspiel gegen Brasilien seinen Stammplatz wieder einnimmt, hat er 540 WM-Spielminuten auf dem Buckel. Alle sechs Spiele über 90 Minuten haben außer ihm nur zwei andere mitgemacht: Oliver Kahn und Thomas Linke.

Die Teamkollegen hat das nicht überrascht. Sie kennen Frings. Besonders die Gefährten von Werder Bremen, die er jetzt nach sechs Jahren verlässt, um in Dortmund noch erfolgreicher zu werden. "Manche meinen, ich wäre der Spaßvogel", sagt Frings und grinst verschmitzt, "hier in der Nationalelf gibt es aber noch den Gerald Asamoah."

Er selbst ist immer für einen Spaß zu haben. Unvergessen ist für Frings, als er 1996 von Aachen nach Bremen kam, die erste Werder-Weihnachtsfeier. Bei der wurden die Briefumschläge mit den Schecks der Jahresleistungsprämien verteilt. Dem unwissenden Neuling wurde nur ein Betrag über fünf Prozent ausgestellt. Frings fragte irritiert in die Runde: "Habt ihr auch so wenig?" Alles lachte. Er bekam später seinen richtigen Scheck. "Den anderen habe ich aber behalten." So ist er, und wenn Frings ins Erzählen kommt, kommt plötzlich ein ganz anderer zum Vorschein als derjenige, der den Medien lieber aus dem Weg geht.

Er ist gesellig, was bei drei Schwestern und zwei Brüdern kein Wunder ist. Er ist ein Familienmensch und vermisst seine Frau und seine 15 Monate alte Tochter. "Wie kann man das aushalten, sieben Wochen von zu Hause weg zu sein?", fragt er sich selbst. Er ist einerseits betrübt, nach der WM seine Freunde in Bremen zu verlassen. Andererseits sucht er die sportliche Herausforderung, die ihm BVB-Trainer Matthias Sammer bei einem Besuch in Bremen schmackhaft gemacht hat. Dass Sammer auch über andere Dinge als Fußball redete, hat Frings überzeugt, den Sprung zurück in die westdeutsche Heimat zu wagen.

Die liegt für den in Würselen geborenen Fußball-Profi in Alsdorf und in Zopp. Bei der SSG Zopp, einem Kreisliga-Aufsteiger, ist er Präsident. Er selbst spielte für Rot-Weiß und Rhenania Alsdorf, ehe er als B-Jugendlicher zu Alemannia Aachen ging. Er hat alles gespielt, Stürmer, Mittelfeldspieler, Verteidiger auf der rechten Außenbahn wie bei der WM. Frings, der mit links und rechts gut schießen kann, ist der geborene Allrounder.

"Sein Aufstieg ist auch Thomas Schaafs Verdienst", meint Rudi Völler. "Das stimmt", sagt Frings, "mit Trainern hatte ich diese Saison viel Glück." Ihm fällt ein, dass er vor drei Jahren etwas anderes erlebt hat. Beim SV Werder wollte der damalige Coach Felix Magath mehrere Spieler abschieben, darunter auch Frings. "Er hat uns menschlich schlecht behandelt und kaputt trainiert. Mich hat er fertig gemacht", sagt Frings, der die Sache im Nachhinein aber als wertvoll einstuft: "Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr muss ich sagen, dass es mir geholfen hat, mal andere Seiten kennen zu lernen." Und wie wäre es, wenn er am Sonntag Weltmeister würde. "Nicht auszudenken", sagt er und schleicht sich.

(Gregor Derichs)

erschienen am 29. Jun 2002 in Sport

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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