Kleines Wunder

Dezember 2003
Du warst da....
ich habe es irgendwie gleich gespürt...gewusst!
Unser Kleines Wunder...in meinem Bauch.
Irgendwie hattest du dich auch vorher in meinem Träumen angekündigt...ich habe von Babies geträumt. Und ich habe davon geträumt, dass ein ca. 6-jähriges Mädchen vor mir steht und zu mir sagt "Mami, ich heiße Isabel" und ich dachte im Traum noch "guck sie dir an, sieht vollkommen anders aus wie Nina und ist total Selbstbewußt und Sicher". Ich war deine Mami, das habe ich im Traum gespürt. Eine Woche danach wußte ich das ich schwanger bin.
Und es war klar, wenn du ein Mädchen wirst, heißt du Isabel !
Woher du wohl diesen Namen hattest???? Und wo bist du jetzt????
Am 05. Dezember hatten wir Gewissheit - Schwangerschaftstest positiv!
Am gleichen Tag Ultraschall beim Arzt.
Herzlichen Glückwunsch! Sie sind schwanger. 5. Woche.
Überschäumende Freude. Oma und Opa, Onkel, die Familie, die Pateneltern Moni und Alex, die Freunde - jeder hat sich unbändig mit uns gefreut! Von der ersten Sekunde an für dich gelebt, Baby. In meinem Herzen und Gefühlen waren wir beide eigentlich schon zusammen im Kreißsaal, kurz vor der Geburt!
Dann auch noch am 08.12.03 zu erfahren, dass meine beste Freundin und von deinem Geschwisterchen Nina die Patentante Liane auch schwanger ist!
Das haben wir uns als Kinder immer gewünscht, später mal zusammen schwanger zu sein, ein Baby zu haben! Und der Clou war, dass ihr beide ungefähr zum gleichen Zeitpunkt entstanden seid, ihr hattet den selben Entbindunsgtermin!!!
Du solltest am 8. August 04 auf diese Welt kommen und
Lillis Baby soll am 07. August 04 gesund und munter hier landen!
Ich fühlte mich wie in einem Traum.
Ich dachte, bei so einem großem Wunder, da kann gar nichts schief gehen! Ich fühlte mich wirklich behütet und aufgehoben und hatte so eine große Sicherheit, dass nichts passiert.
Heute frage ich mich, wie ich so vermessen sein konnte das zu glauben -
nach allem was schon in meinem Leben passiert ist?!
Trotz meiner von Natur aus pessimistischen Art habe ich es einfach zugelassen - die Freude über dich ohne Wenn und Aber. Trotz meines Wissens um alles was noch geschehen kann, wollte ich nur positiv denken und konnte es sogar! Gesund gelebt, ernährt. Keine Zigaretten mehr - meine Arbeitskollegen mussten meine Launen ertragen, dein Papi. Ich habe wieder angefangen zu häkeln wie blöd, um die Hände zu beschäftigen. Bei Nina habe ich die Decke angefangen, bei dir sollte sie nun fertig werden - für dich. Nun liegt sie wieder da...und wird nicht fertig. Die Hände müssen nicht mehr beschäftigt werden, dürfen ja nun wieder die Zigarette halten. Alles wollte ich für dich tun, aber es war wohl nicht genug.
Am 18.12. wieder Ultraschall. Alles okay! Du sahst aus wie eine kleine Bohne.
Dein Herzchen hat man schon schlagen sehen!!!!
Nun habe ich mich noch doller gefreut! Vielleicht was es einfach zu perfekt.
Ich weiß es nicht.
Weihnachten war sehr schön. Wir waren bei deinen Pateneltern Moni und Alex alle zum Essen eingeladen und was haben wir schon Pläne geschmiedet!
Dein erster Body und deine ersten Stoffschüchen von Moni und Alex habe ich zu Weihnachten bekommen.
Es war so schön!
Es war so Richtig!
Dann der 30.12.03 ~ Morgens arbeiten gewesen, um 10.15h wieder normaler Kontrolltermin beim Arzt. Dein Papi ist heute auch das erste mal dabei gewesen....komisch, ausgerechnet heute...
wir trafen uns beim Arzt. Wir mussten noch recht lange warten. Da war eine Mami mit ihrem Baby im Wartezimmer. Das Baby hat sofort mit mir gelacht und wir haben die ganze Zeit "geflirtet", das Baby und ich. Und ich spürte wieder diese unendliche Liebe im Herzen, die unermessliche Freude über so ein kleines Baby, über dieses Wunder. Und ich hatte dich, unser Kleines Wunder, im Bauch.
Ich war so glücklich!
Aber nicht mehr lange...
Als ich auf dem Stuhl lag und der Arzt mit dem Ultraschallkopf nach dir suchte, wußte ich sofort dass etwas nicht stimmte. Ich war schon am heulen ohne Ende, da hatte er noch gar nichts gesagt.
Dann fand er die Fruchthöhle...aber da war nur noch ein kleiner weißer Strich darin...kein Böhnchen mehr, kein Herzschlag mehr.
Die Schwangerschaft ist nicht mehr intakt. Du bist nicht weiter gewachsen, dein Herz schlägt nicht mehr. Ausschabung. Es war die 9. SSW.
Ich konnte gleich am selben Tag noch ins Krankenhaus. Auf die Wochenstation. Nur dieses mal nicht in den Kreißsaal, sondern in den OP.
Vollnarkose. Ausschabung.
Kleines Wunder weg.
Kleines Wunder, wir wissen nicht warum du wieder gegangen bist.
Wir wollen einfach glauben, dass etwas nicht in Ordnung war. Und bei allem Unglück sagen wir uns doch auch "lieber schon so früh, wie in der späteren Schwangerschaft". Alles Reden, die uns helfen sollen wieder damit zurecht zu kommen. Es tut weh.
Nun ist da wieder die Frage "was ist Richtig, was ist Falsch", "Warum",
"sollen wir nochmal den Mut haben"........
ich brauche jetzt erstmal Zeit, Zeit zum trauern um dich, Zeit zum denken.
Ich weiß, du bist jetzt bei unserer Nina,
sie wird dich an die Hand nehmen und dir ihr schönes Himmelsheim zeigen.
Ich liebe euch, meine Babys.
Vielleicht werde ich ja doch mal
irgendwann
mein eigenes gesundes und lebendes Baby im Arm halten...
...und ich freue mich jetzt schon darauf!

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Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal bei meinem Arzt Dr. Wiemers bedanken und bei seiner Frau, die meine Therapeutin ist. Sie sind wundervolle Menschen und Ärzte! Danke für alles! Frau Wiemers, ich bin Gott dankbar, dass sie meine Therapeutin sind -
ohne sie wäre ich wirklich nicht da wo ich heute bin!
Auch der Wochenstation vom HGH meinen Dank, ihr habt mich wohl behütet....und vielleicht sehen wir uns ja wirklich im Jahr 2004 - oder 2005 - im Kreißsaal, wer weiß?!
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Nachfolgend ein Gedicht, das mir eine selbst betroffene Mutter zum Trost schickte.
Es hat mir so sehr geholfen, endlich den Tränen freien Lauf zu lassen und den Schmerz
zuzulassen...
Danke, Mone!
Das kleine Licht
Wo bist Du?
frage ich das kleine Licht
Hier bin ich!
Mama, spürst Du mich nicht?
Ich spüre Dich,
doch sehe ich Dich nicht,
entgegne ich dem Licht
und höre, wie es spricht:
Es zählt nicht, was Du siehst oder nicht,
wichtig ist nur, Du spürst mein Licht –
in Dir, Mama, nicht äußerlich!
Ich spüre Dich deutlich,
innerlich.
Zum Greifen nah, fehlt nur ein Stück.
Zum richtigen Glück.
Warum bist Du gegangen, mein kleines Licht,
so traurig bin ich,
ohne Dich.
Ach Mama,
so weine doch nicht.
Ich bin in Sicht,
schließe die Augen und fühle mich,
ich bin ganz nah.
Warum?
ich wieder frag‘,
warum nur gehst Du,
kleines Licht,
läßt mich im Stich,
ich liebte Dich!
So lieb mich weiter,
ich bin doch da!
Warum?
ist alles,
was aus mir spricht,
und so erklärt mir das kleine Licht:
nicht traurig sein Mama,
ich liebe Dich.
Der kleine Körper, ich besaß,
der wollte nicht,
hinderte mich zu werden
was ich werden wollte,
Dein gesundes kleines Licht.
Nie wollte ich verlassen Dich,
doch mußte ich,
wollt‘ doch nicht krank sein Mama,
verstehst Du mich?
Schmerzlich erkläre ich dem Licht,
am Verstehen scheitert es nicht,
nur tut es so weh.
Meine Mama,
so weine nicht.
Zeit vergeht,
bald bin ich wieder in Sicht!
Kämpfe für mich!
Ich brauche Dich!
Ich liebe Dich!
Mein süßes kleines Licht,
wie kann ich kämpfen um Dich,
Du bist doch schon tot.
Nein Mama,
nicht tot bin ich.
Nur Zeit brauch‘ ich,
ein bißchen nur,
ich bitte Dich,
empfange mich,
gleich herzlich wie beim ersten Mal!
Wie anders außer herzlich könnt‘ ich empfangen Dich,
Du süßestes Licht,
sehnsüchtig erwarte ich Dich!
Also dann Mama,
nicht traurig sein!
Erwarte mich,
bald bin ich Dein.
Mein Licht soll strahlen,
richtig hell,
so daß Du nie den Mut verlierst;
tot ist nicht mein Lebenslicht,
nur der Körper mußte gehen.
Ich bin bei Dir,
ich leuchte Dir,
niemals mehr sollst Du trauern um mich –
es gibt keinen Grund.
Du wartest auf mich und ich auf Dich.
Ich liebe Dich.
( Verfasser ist mir leider unbekannt )
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