Für Dich, Nina...

Diese Geschichte hat deine Patentante Liane extra und nur für dich geschrieben, Nina!
Sie hat diese Geschichte geschrieben,
um sie dir immer vorlesen zu können
wenn du bei ihr gewesen wärst...
nun konnte sie dir die Geschichte nur bei deiner Beerdigung
am Grab vorlesen...

*************

*** Nina und der Sternenhimmel ***

 

Es war einmal...

 

...der Papa Bär und die Mama Bär und sie lebten in den Wäldern an der wunderschönen Bergstraße, Sie hatten ein gutes Leben, denn der Wald war grün und gesund und sie hatten eine kleine, aber gut gehende Honigfabrik. Papa Bär musste zwar den ganzen Tag in seiner Firma arbeiten, doch es machte ihm Spaß und außerdem besuchte ihn Mama Bär jeden Tag und brachte ihm eine leckere Brotzeit.

 

Papa und Mama Bär waren natürlich nicht alleine, sie hatten schon Bärenkinder, zwei Buben, doch diese waren schon erwachsen und lebten mit ihren Frauen in den benachbarten Wäldern. Allzu oft kamen sie nicht nach Hause zu ihren Bären-Eltern. Deshalb waren Mama und Papa Bär sehr glücklich, dass Mama wieder ein Baby erwartete und wirklich im September war es soweit. Sie bekamen ein kleines süßes Bären-Mädchen mit einer wundervollen sattroten Farbe. Immer wenn Mama ihre kleine Nina in die Sonne legte, dann sprühte das seidenweiche Fell von dem süßen Baby wie Funken. Papa war natürlich sehr, sehr stolz auf sein kleines hübsches Mädchen und feierte mit seinen Freunden rauschende Feste und Mama schwatzte mit ihren Freundinnen am Kaffeetisch. Eine Freundin von Mama hatte kurz vor ihr einen Bären-Jungen bekommen und auch da hatten sich alle in der kleinen Bären-Gemeinde gefreut. Von Anfang an waren Nina und Roland, der Bären-Junge, fast ständig zusammen. Roland war natürlich schon etwas größer und kräftiger als Nina und hatte schon auf eigene Faust das Bären-Dorf erkundet und kam sich nun sehr erfahren vor. Nina schaute zu ihrem Freund auf und bewunderte ihn ohne Wenn und Aber. Sie war froh, einen Freund gefunden zu haben, denn ihr Papa musste arbeiten und ihre Mama war mit dem Haushalt beschäftigt. Die anderen Kinder waren alle schon in der Bären-Schule und hatten so gar kein Interesse an einem kleinen, neugierigen Mädchen. Und dabei war Nina doch so wissbegierig und Angst hatte sie überhaupt keine.

Sie hatte schon so viel über funkelnde Sterne gehört, die immer nachts erscheinen sollten und konnte so gar nicht recht daran glauben, denn sie kannte die Sonne, die ihr das Fell wärmte und die Wolken, denen sie stundenlang zusehen konnte, wenn sie vorüber zogen, sie kannte auch den Regen, der alles so schön weich machte und sie sich mit ihrem Freund dann auf der Wiese über das Gras rollen konnte, weil alles so schön rutschte, auch wenn sie dann Schelte von ihrer Mama bekam, weil ihr Fell danach sehr zottelig war, sie liebte es einfach. Sie kannte den Wind, der ihr um die kleinen Ohren pfiff und den sie nicht immer mochte, denn sie war doch schon recht eitel, und der Wind verfing sich immer in ihrem Pony und wirbelte ihn durcheinander. Sie bekam dann immer den Spott ihres Freundes Roland zu spüren, denn er liebte es, wenn sie so verwuschelt aussah und konnte nicht verstehen, dass Nina sich darüber ärgerte. Aber die Sterne, die Sterne kannte sie nicht. Nina musste immer, aber auch immer während der Dämmerung zurück ins Bären-Haus und wenn ihre Eltern ansonsten recht nachsichtig waren und ihre verrückten Ideen nicht böse nahmen, sondern sich im Stillen sogar darüber amüsierten, in diesem Punkt ließen sie nicht mit sich reden. Weder ihr Lächeln, noch ihre Tränen, ihre Wut oder ihre Trotzausbrüche bewirkten dabei etwas. Es war zum Verzweifeln Der Himmel sollte angeblich ganz dunkel werden und Tausende, ach Millionen von Sternen würden wie angeknipst in der Dunkelheit leuchten. Sogar ein Wagen, so berichteten die Dorfbewohner der kleinen Bärengemeinde, wäre am Himmel zu erkennen. Darüber musste Nina lachen, denn wie sollte schon ein Wagen in den Himmel fahren können. Ganz davon abgesehen, dass es in ihrer Gemeinde kaum Wagen gab, denn diese waren ja gar nicht gut für die Wälder. Und laufen war auch viel gesünder und man bekam viel mehr von seiner Umgebung mit, wie die Blumen dufteten und die Vögel sangen. Aber sie wollte sich nun wirklich selbst davon überzeugen, denn im nächsten Jahr kam auch sie in die Bären-Schule und sie wollte einfach wissen, ob das mit den Sternen stimmte oder ob das nur Geschichten von den Großen waren.

                                                           

 Nina und Roland saßen Stunde um Stunde zusammen, um zu bereden und zu beratschlagen, wie sie ihren Plan umsetzen konnten. Schließlich einigten sie sich darauf, sich aus den Bären-Häusern zu stehlen, obwohl ihnen jetzt schon ganz mulmig dabei wurde. Denn es hörte sich vielleicht leicht an, aber sich in Wirklichkeit dem Verbot der Eltern zu widersetzen war eigentlich nicht mutig sondern dumm. Später wussten sie beide nicht mehr wie sie das geschafft hatten. Sie trafen sich am Dorfplatz und Nina traute sich erst gar nicht, hoch in den Himmel zu schauen. Sie hielt den ganzen Weg von ihrem Bären-Haus bis zum Dorfplatz die Augen fest auf den Boden gerichtet. Roland war schon da und sie war froh darüber. Sie war zwar ein mutiges Bären-Mädchen, ganz sicher sogar, doch nun hatte sie doch Mühe mutig zu bleiben. Am liebsten hätte sie sich wieder in ihr kleines und so gemütliches, warmes Bett gekuschelt. Aber, so sagte sie sich, es ist die letzte Gelegenheit und außerdem wollte sie endlich wissen, ob diese Geschichten wirklich stimmten. Nina und Roland hielten sich fest an den Händen und dann, schauten sie in den Himmel und sahen, ja sahen...nichts...

Ganz entsetzt schauten sie sich an, denn sie sahen kein Stück vom Himmel. Der Dorfplatz war umgeben von Bäumen und die Baumwipfel stießen einander und ließen nichts erkennen. Was nun? Sie mussten sich einen anderen Platz suchen, um in den Himmel schauen zu können. Doch sie waren noch nie außerhalb des Dorfes gewesen, dazu waren sie noch zu klein. Sie kannten die Spielwiese am Rande des Dorfes und die Honigfabrik ihres Papas lag auch ein Stück vom Dorf entfernt, doch durch den Wald waren sie noch nie gegangen. Nicht das sie es nicht wollten, sie hatten es schon öfters versucht, doch immer war einer von den Erwachsenen da gewesen und hatte sie erwischt. Ja, die Bären-Gemeinde hielt zusammen. Sie kannten die zwei kleinen Freunde schon zu gut. Sie schauten sich wieder an und Nina blickte ihrem großen Freund so vertrauensvoll in seine Augen, da wusste Roland, er musste einen Weg finden, um seine Freundin nicht zu enttäuschen. Das hätte er nicht über das Herz gebracht. Er nahm sie noch fester bei der Hand und gemeinsam gingen sie los. Nina versuchte an nichts zu denken und klammerte sich ganz fest an die Hand von Roland. Sie liefen und liefen und erreichten nach langer, langer Zeit eine Lichtung. Roland nahm seine kleine Freundin in den Arm und sagte zu ihr: „ Hebe Deinen Kopf und öffne die Augen. Vertrau mir.“ Und das tat Nina ohne Zögern. Sie hob den Kopf, öffnete die Augen und sah, sie konnte es nicht fassen, sah den Himmel erstrahlen in seiner ganzen Schönheit, als wenn der Himmel wüsste, was von ihm erwartet wurde. Überall waren Sterne und sie funkelten mit den Augen des Bären-Mädchens um die Wette.

Sie konnte nichts sagen, wohl zum ersten Mal in ihrem Leben fehlten ihr die Worte und sie drückte nur die Hand ihres großen Freundes ganz fest. So schauten sie stundenlang in den Himmel und als sie den kleinen und den großen Wagen entdeckten, war es ihnen, als winke ihnen von dort das Glück zu. Sie vergaßen die Zeit und staunten und konnten den Blick nicht abwenden. Nina sah ihren Freund an und sagte nur: „Ich danke dir für diesen unvergesslichen Moment.“ Nun wollten sie zurück nach Hause gehen, denn auch Freude und Glück machen müde und sie waren beide sehr, sehr erschöpft. Doch welchen Weg mussten sie nehmen um zurück zu ihrem Bären-Dorf zu kommen? Nina hatte die Augen auf dem Hinweg fest geschlossen gehalten und auch Roland war nur gelaufen und hatte nicht auf den Weg geachtet. Die Umgebung war ihnen fremd, nichts kam ihnen bekannt vor. Sie schauten sich an, doch sie waren nicht alleine und zusammen würden sie es schon schaffen den Weg nach Hause zu finden. Sie hielten die Luft an und hofften, dass ihnen eine Idee kommen würde, so wie es schon immer gewesen war. Auf einmal hörten sie auch Geräusche in ihrer Umgebung, die ihnen vor lauter Staunen über das Schauspiel am Himmel bisher entgangen war. Da ein Knistern, dort ein Ruf wie zwei lang gezogene „u“ ‚ s. Irgendwie war es unheimlich, doch seltsamerweise verspürten sie keine Angst. Eine wohlige Wärme kam ihnen aus ihrer Umgebung entgegen, sie konnten es sich nicht erklären. Auf einmal hörten sie, wie jemand zu ihnen sagte „na ihr zwei kleinen Bären-Freunde, was macht ihr denn hier bei uns im Wald“? Da sahen sie eine kleine Maus mit Flügeln, die zu ihnen gesprochen hatte und die an einem Ast kopfüber hing. „Ja wer bist Du denn“? fragte das Mädchen die Maus. „Ich bin Fridolin, die Fledermaus, wohne hier und wache immer nur nachts auf und am Tage schlafe ich. Seid ihr denn neu in unserer Wald-Gemeinde“ wollte die Fledermaus Fridolin von ihnen wissen. „Nein“, sagte Roland, „wir wohnen im Bärendorf, haben uns aber verlaufen. Kannst Du uns denn nicht helfen wieder nach Hause zu finden Fridolin“? Fridolin überlegte lange und sagte dann zu den Bären-Kindern „es tut mir leid, aber den Weg kenne ich nicht, doch ich habe eine Nachbarin, die Frau Eule, die ich fragen kann. Wartet einen Moment“. Und weg war er. Nina und Roland sahen sich an und setzten sich auf den wichen Waldboden. Doch kaum saßen sie, war Fridolin schon wieder da und berichtete. Seine Nachbarin Frau Eule wüsste es auch nicht, aber er hätte seinen Freund, den Fuchs getroffen und er würde ihnen helfen. Und tatsächlich, schon kam ein hübscher, junger Fuchs aus dem Gebüsch gesprungen. „Hm, hm, ihr wollt zurück ins Bärendorf“ sagte Ritchi der Fuchs zu den zwei Bärenkindern. „Mal sehen, was ich für Euch machen kann“. Ritchi ging in eine Richtung und Nina und Roland folgten ihm. Auch Fridolin begleitete die kleine Gruppe. Nachdem sie eine Weile schweigend, abgesehen von einem gelegentlichen Grummeln von Ritchi, gegangen waren, kamen sie an eine Kreuzung. Ritchi blieb stehen und schaute nach rechts und nach links. Dann hoch zu Fridolin, danach blickte er Roland an und kniff ein Auge zu, um zu überlegen. Sein Fell wurde immer röter und schließlich fragte ihn Fridolin „was ist denn los mein Freund“? Ritchi wurde immer verlegener und schließlich gab er zu, dass er immer, schon als er in die Fuchs-Schule ging, sich nie den Unterschied zwischen rechts und links merken konnte und es immer verwechselte. Was nun? Ganz traurig sahen sie sich an. So standen sie eine Weile ratlos da, als von einer Seite eine sehr große, sehr alte Katze erschien und sich zu der kleinen Gruppe gesellte. Sie sah mit glühenden Augen zum Bären-Mädchen und zum Bären-Jungen und sprach schließlich zu Nina. „Du bist doch das kleine, freche und neugierige Mädchen aus dem Bärendorf und Dein Papa hat dort eine leckere Honigfabrik“.  „Ja“, sagte Nina zur Katze, „das bin ich, aber frech bin ich nicht. Vielleicht ein wenig vorlaut, aber ich würde nie etwas Böses zu jemanden sagen oder etwas Böses tun“. „Das weiß ich doch“ sprach die alte und weise Katze Annabell. „Du hast doch auch Deinen Papa überredet, unserem Katzendorf jeden Tag die Honigreste zu überlassen, damit wir gut durch den Winter kommen. Das war sehr nett von Dir und wir haben keines unserer neuen Katzenbabys verloren“. „Das ist aber schön“, freute sich Nina und richtete dann ihre Bitte an Annabell. „Würdest Du mich und meinen liebsten Freund zurück in unser Bären-Dorf bringen, wir sind so müde, kennen aber den Weg zurück nach Hause nicht“.

                                                        

 

Da fing die alte Katze an zu schnurren, machte einen schnellen Satz und miaute „folgt mir“. So machte sich die ganze Gruppe auf den Weg, Nina und Roland, Fridolin und sein Freund Ritchi, und die neugierige Nachbarin Frau Eule war auch dazu gekommen und folgten Annabell. Fridolin und Ritchi unterhielten sich leise und lachten und hatten Spaß an dieser Nachtwanderung. Die neugierige Frau Eule stellte Fragen über Fragen, doch Nina und Roland waren so müde und konnten sich kaum noch auf den Beinen halten. Nach langer, langer Wanderung hielt Annabell schließlich an und Nina erkannte die Honigfabrik ihres Papas. Beiden Bären-Kindern fiel ein Stein vom Herzen und die alte Katze schaute sie stolz an und meinte liebevoll „nun seid ihr wieder zu Hause und wenn ihr wieder mal einen Ausflug machen wollt, dann kommt zu mir ins Katzen-Dorf, ich führe Euch“. „Oh, vielen, lieben Dank Annabell, lieber Fridolin, lieber Ritchi und auch liebe Frau Eule“, bedankten sich Nina und Roland, „nun haben wir so viele neue Freunde gefunden“!

                                                  

Alle standen im Kreis und nickten sich erfreut zu. Und dann trennten sie sich für diese Nacht. Nun liefen Nina und Roland ganz, ganz schnell nach Hause in ihre warmen Betten. Am nächsten Morgen sollten sich nämlich alle Dorfbewohner der kleinen Bären-Gemeinde am Dorfplatz treffen, um Vorbereitungen für den nächsten Abend zu planen. Denn bald begann der Winter und dann würde sich das ganze Bären-Dorf in ihre Häuser zurückziehen, um Winterschlaf zu halten. Nina und Roland sahen sich müde, aber glücklich an, dachten an ihr Sternenhimmel-Abenteuer und an ihre Freunde und sagten

 

„GUTE NACHT“

 

 

         Danke, Liane.....


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