Am 19. Mai 2003 erschien in der Zeitschrift "Laura"
ein Bericht �ber Totgeburten.
Hierzu bin u. a. ich interviewt worden...
mit einem Brief von mir an Nina und mit Bildern...

Klickt auf den Link, dann k�nnt ihr euch den Artikel runterladen
wenn ihr m�chtet
 ( PDF, 310 KB ):

http://www.hosse.org/nina/gifs/laura_nina.pdf

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               Hier noch mein Original - Brief an Nina.....
                          ~ denn er wurde etwas ge�ndert von der Laura-Redaktion.

Geliebte Tochter Nina!

 

Manchmal ist es mir, als w�re es erst gestern gewesen als ich den positiven Schwangerschaftstest in den H�nden hielt�.manchmal ist es mir, als w�re es erst gestern gewesen, als ich DICH tot in meinem Arm hielt. Aber es sind nun bereits fast 20 Monate vergangen�eine schwere, einsame und dunkle Zeit, ohne Dich! Wei�t Du, die Schwangerschaft mit dir war wundersch�n. So viele Gef�hle habe ich neu entdeckt, so viel Liebe gesp�rt wie noch nie zuvor im Leben. Du bist pr�chtig gewachsen in meinem Bauch, wir hatten keine Probleme, wir beide. Die Nabelschnur hat dich 41 Wochen in meinem Bauch am Leben erhalten, kurz vor der Geburt nahm sie dir das Leben wieder�einfach so, unbemerkt zog sie sich zu. Du wolltest einfach nicht von selbst geboren werden, die Wehen setzten nicht ein. Vielleicht wolltest du einfach noch ein bisschen bei mir bleiben? Vielleicht wusstest du ja schon die ganze Zeit, dass du nicht hier auf der Erde bleiben w�rdest? Fragen �ber Fragen, keine Antwort. Montags morgens ging es ins Krankenhaus zur Einleitung, wie mit der �rztin besprochen.

An das CTG angeschlossen worden�keine Herzt�ne�suchen�.weitersuchen�..

nichts�.zum Ultraschall�.dann die Worte �tut mir leid, ihr Baby lebt nicht mehr, das Herz schl�gt nicht mehr�! Dieser schwarze Fleck, bewegungslos auf dem Ultraschallmonitor, dein Herz! Die Welt st�rzt ein�.ab da begann die grauenvollste Zeit in meinem Leben. Du warst bereits von uns gegangen, leise und unbemerkt. Dein Herz schlug nicht mehr, einfach so. Nach 41 gesunden Schwangerschaftswochen! Mein Baby, wir dachten wir k�nnten dich an diesem Tag endlich hier bei uns begr��en, dich im Arm halten�LEBEND! Ich hielt dich im Arm�aber du warst wirklich tot. Gestern hast du doch noch gestrampelt ohne Ende! Wieso? Warum Du? Wir haben uns so sehr auf dich gefreut, unser erstes, unser einziges Baby! Alles war bereit f�r dich, mein Schatz. Dein Kinderzimmer war einger�umt, deine Wiege gemacht, deine Kleider gewaschen und geb�gelt. Deine Spielsachen, deine Bilderb�cher, der Maxi Cosi mit den s��en K�tzchen drauf, dein Kinderwagen, deine Mobiles. Alles�alles war bereit f�r dich, am meisten aber unsere Herzen. Am selben Tag, am Montag den 24. September 2001 bist du um 17.53 Uhr auf diese Welt gekommen - dein K�rper, 4100 Gramm schwer, 55 cm gro�. Aber deine Seele war bereits woanders unterwegs. Wir standen unter Schock. Diese Zeit liegt irgendwie wie im Nebel f�r mich. Ich glaube, der gr��te Teil meines Ich�s war mit dir gegangen. Wei�t du, wir sollten im Krankenhaus Entscheidungen treffen, die v�llig �ber alles was wir kannten, f�hlten und dachten hinausging. Wir waren in dieser Situation vollkommen �berfordert. Heute w�nschte ich mir, dass sich damals jemand ( Hebamme, �rzte, Seelsorger ? ) l�nger Zeit f�r uns genommen h�tte um uns zu �berzeugen, dass dieses Abschied nehmen sehr wichtig ist � f�r jetzt, f�r sp�ter! Wir wurden zwar ein paar mal gefragt ob wir dich nicht noch mal sehen m�chten, aber wir verneinten dies � vor lauter Angst, Unwissen und Schmerz. Wir haben dich nur kurz nach der Geburt gesehen und in deinem Sarg. Heute w�rde ich mir w�nschen, ich h�tte dich noch gebadet, h�tte dich selbst angezogen, h�tte dich in meinen Armen gehalten, dir ein paar Haare abgeschnitten zum Andenken, Hand- und Fu�abdr�cke gemacht. Ich sehne mich danach, dich zu riechen, deine Patscheh�ndchen in den meinen zu halten. Zu wissen, wie es sich anf�hlt sein 4100 Gramm schweres Baby im Arm zu halten�.Ach w�re doch jemand an unserer Seite gewesen, der uns dich am n�chsten Tag einfach noch mal ins Zimmer gebracht h�tte�.

 

Donnerstags konnten wir dich dann noch mal sehen, in deinem kleinen Sarg, in der Kirche des Friedhofes. Deine Omi Gerti hat mich davon �berzeugt dies zu tun. Daf�r bin ich ihr heute so dankbar! Der schwerste Gang meines Lebens, nach vorne zu laufen, auf deinen Sarg zu�dich sehen, mein Baby. Als ich bei dir stand war aber alle Angst weg, es gab nur noch die Liebe zu dir. Am n�chsten Tag die Beerdigung. Meine ganze Familie war da, unsere Freunde. Ich sp�re es jetzt noch, wie es mir die Luft abschnitt, als ich deinen kleinen Sarg wieder sah, aber dieses mal geschlossen. Luft, mein Kind bekommt doch keine Luft�.Gedanken im Kopf, die Angst machten�.das Gef�hl, jetzt werde ich verr�ckt. Ab diesem Moment bestimmte die Angst einen gro�en Teil meines Lebens�Trauer, Schmerz, nicht richtig Atmen k�nnen, unbestimmte �ngste�alles war schwarz. Du hattest eine sch�ne Beerdigung, die Sonne schien, alles war voller Blumen. Die Rede des Pfarrers, die Musik, die Geschichte deiner Patentante Liane. Dann der Schock als dein Opa Otto kollabierte. Notarzt am Grab. Ich danke Gott daf�r, dass es ihm wieder gut geht. Ich habe noch niemals zuvor so viele Emotionen durchlebt wie in dieser Zeit. Dann begann die Zeit danach�dieses erkennen, du bist nicht mehr da und wirst auch niemals zur�ckkommen. Es ersch�ttert mich noch heute. F�r mich wurde alles unwichtig, es gab keine Zukunft mehr, keine Tr�ume, kein Leben das lohnt, es gab mich selbst nicht mehr. Voll gepumpt mit Beruhigungsmittel, ich wusste nicht mehr wie ich einen Tag �berstehen sollte. Dann begann die Depression. Gedanken, die mir solche Angst machten, dass ich am liebsten vor mir selbst weggelaufen w�re. Dein Papi musste wieder arbeiten. Dein Zimmer�.so leer�so ohne dich�Ich konnte es zu Hause nicht mehr ertragen. zog kurzerhand zu deiner Omi, meiner Mutti. Sie fing mich auf in meiner schlimmsten Zeit. Ich konnte nicht zum Friedhof gehen�.ich konnte den Anblick deines Grabes nicht ertragen. Obwohl es doch immer so wundersch�n von Moni, Alex, Oma und Opa gestaltet wird. So voller Liebe f�r Dich, Nina! Wei�t du, auch sie vermissen dich sehr!

 

Dann konnte ich endlich in die psychosomatische Klinik. Ich wollte selbst da hin, weil ich ohne Hilfe wohl nicht aus dieser Depression herausgekommen w�re. Nun f�hlte ich mich zwar noch einsamer wie vorher, aber dein Papi kam mich an den Wochenenden besuchen. Nina, ich wusste vorher nicht, dass man sich unter so vielen Menschen so verloren f�hlen kann! Aber diese Zeit dort hat mich wieder zum �funktionieren� gebracht, hat mir gezeigt, dass ich nach Hause m�chte, dass ich doch weiterleben m�chte, f�r dich, f�r deinen Papi, f�r meine Familie und letztlich auch f�r mich selbst. Daraufhin konnte ich auch wieder arbeiten gehen, was mir sehr geholfen hat. Auch das Schmetterlingskinder-Forum im Internet hat mich immer aufgefangen, wenn der Schmerz mal wieder �berm�chtig wurde. Es ist so wertvoll, liebe Menschen um sich zu haben, die einen auffangen, ohne etwas zu fordern. Nun folgte eine Zeit des Trauerns und des Verarbeitens. So vieles hat sich ge�ndert, ver�ndert. Ich selbst, meine Gef�hle, Denken und Handeln. Die Beziehung zu deinem Papi, zu Freunden und Bekannten. Alles, alles musste neu entdeckt und aufgebaut werden. Alles musste erst wieder einen neuen Sinn finden, ohne Dich. Dabei hatte und habe ich aber auch Hilfe meiner sehr lieben Therapeutin. Ohne sie w�re ich heute noch nicht da wo ich bin, auf dem Weg�

 

Wei�t du, mein Engel, es waren die schlimmsten 20 Monate meines Lebens und manchmal habe ich nicht daran geglaubt, dass ich das �berleben kann � aber ich w�rde die Zeit auch f�r nichts in der Welt zur�ckdrehen! Denn dann h�tte ich Dich nicht 41 Wochen in meinem Bauch tragen d�rfen, h�tte Dich nicht zur Welt bringen k�nnen, h�tte dich niemals gesp�rt und gesehen.

Dich kennen gelernt zu haben war das Wichtigste und Gr��te in meinem Leben und nichts und niemand hat mich jemals tiefer ber�hrt. Durch Dich habe ich vieles neu kennen gelernt, habe neue Freunde gewonnen, lerne neue Ziele zu setzen, darf selbst noch einmal ein neuer Mensch werden. Nichts und niemand hat mich jemals zuvor reicher beschenkt! Du bist mein Herz, mein Stern, mein Engel und wirst es immer sein! Auch wenn dein K�rper nicht bei mir ist, so sp�re ich doch immer deine Seele um mich herum.

 

Nina, wir lieben und vermissen Dich unendlich, f�r immer tief in unserem Herzen!

 

08. April 2003

 

 

 

 


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