Für einsame Stunden. Wir werden jetzt kitschig. Holt eure Kuschelrock-CDs heraus.

Humorlos
Die Jungen werfen zum Spass
Mit Steinen nach Fröschen.
Die Frösche sterben im Ernst.
Erich Fried

Fickt das System
25.000 müde Knochen aufgepumpt zu neuem Leben
Mit Mitteln für die schnelle Tour
Die letzten 3 Zellen in Reihe geschaltet und Sinn produziert
Ich konnte das immer, jetzt nicht mehr
Manchmal ist zugedröhnt besser als nichts
Atmosphäre verdorben, in den Luftschacht gepisst
Verflixt
Ist es der Eingang, den der Architekt benutzt oder nimmt er die Hintertür?
Zeigt sich das Arsch in der Öffentlichkeit oder findet man nur seine Spur?
Kommen Sie zum Postdienst als Mitarbeiterin oder kommen Sie zweimal die Woche mit hin?
Nach der Revolution totale Freiheit
Du kannst ficken, wen du willst
Was willst du denn?
Nur keinen Pathos, ratlos, harmlos
Keinen Pathos, Tote werfen keine Schatten
Keine Parolen, keine blöden wie die
Fickt das System
Die Sterne

Kein Vergehen, kein Entstehen;
keine Vernichtung, keine Ewigkeit;
keine Identität, keine Andersheit;
kein Kommen, kein Gehen.
Nagarjuna, Vorspannverse zum "Madhyamakasastra"

Kampflos
Unangenehm machte es sich bemerkbar
als Mitleid das Gefühl.
War klein und unscheinbar,
ganz schleimig gerade erst geboren,
hässlich lag es da und flehte, war hilflos.
Dann wuchs es heran
größer als der Baum und dunkler als die Nacht
mit scharfen Zungen, die säuselten
riss es mir die Kleider vom Leib
bis ich dalag – blutig und nackt
kannte selbst nichts vom Gefühl
drang immer wieder in mich ein,
raubte mir den Atem brachte mich fast um
das Schreien wurde lauter
doch niemand hörte den Hilferuf
da sah ich zwei Sterne die leuchteten
ich fürchtete sie nicht
sie rissen die Maske von meinem Gesicht.
Da war es sichtbar das Gefühl.
Wer hält sie auf, die eben noch unausgesprochene
unaufhaltsame Liebe?
Wo sie hinkam verdorrten die Bäume
verdunkelte sich die Sonne
starb jedes Lachen
erfror meine Seele.
Undeutlich kam es zurück
schemenhaft und klein
begann es zu säuseln
und verschwand im Nebel.
Erkannte sich selbst nicht.
Nina D.

Es ist ein schne gefallen
und es ist doch nit zeit
man wirft mich mit den pallen
mein weg ist mir verschneit
Mein haus hat keinen gibel
es ist mir worden alt
zerbrochen sind die rigel
mein stüblein mir ist kalt
Ach lieb, lass dichs erparmen
daß ich so elend bin
und schleuß mich in dein arme!
so fert der winter hin
Autor unbekannt

Illusion
Wenn das Leben uns besiegt
weil es keine Wunder mehr gibt
bist du nur noch eine Illusion.
Wenn die Nacht dann wiederkommt
und die Erde sich noch dreht
bist du
ein Lichtstrahl am Horizont.
Mein Lichtstrahl bist du.
Wenn die Ferne einen Traum erfüllt
bist mein einziger Traum du.
Und wo der Weg unendlich scheint
bleibt mein Herz mit dir vereint.
Von Würmu fürs Müsli

Worte hören und nichts verstehen
Bilder anschauen und nichts sehen
Gestreichelt werden und nichts fühlen
Liebe erfahren und nichts spüren
Etwas Schönes sehen und sich nicht freuen
Jemanden verletzen und es nicht bereuen
Aufrecht gehen auf allen Vieren
Im Warmen sitzen und erfrieren
Jeder Tag voll Langeweile
Ohne sich zu bewegen
Ein Warten auf den Tod
Ohne richtig zu leben
Anne D.

Zwiespalt
Ich will aufstehen
Du bleibst liegen
Ich will jemanden hassen
Du willst ihn lieben
Ich gehe schlafen
Du bleibst wach
Ich versuche stark zu sein
Du bist schwach
Ich will dich verwöhnen
Du verletzt mich
Ich verändere etwas
Du willst es nicht
Wieso bist du so anders?
Ich verstehe dich einfach nicht
Wieso kann ich dich nicht beschreiben?
Ich weiß so wenig über dich
Warum machst du es mir so schwer?
Mein, mir fremdes Wesen, ich
Anne D.

Wir sind auf dem Weg
Wir wissen nicht wohin
Wir stellen ständig Fragen
über unser Leben und dessen Sinn
Die Zeit vergeht zu schnell
Wir kennen uns nicht aus
Regeln halten uns gefangen
Wir wollen hier nur 'raus
Den Kopf voller Gedanken
voller Bilder und Ideen
Wer traut sich uns zuzuhör'n?
Wer wird uns versteh'n?
Die Vergangenheit liegt hinter uns
Die Zukunft wird sich ergeben
Die Gegenwart ist das, was zählt
Wir wollen doch nur leben
Lass uns endlich Farben fühl'n
Gib mir deine Hand
Wir tauchen ein in andere Welten
Wir lösen uns vom Verstand
Wie lange geht's noch so weiter?
Wann werden wir anders sein?
Wird uns denn nichts fehlen?
Ohne Phantasien und Spinnerei'n
Anne D.

Warten
Leere
Totenstille
Die Zeit tropft dahin
tropf, tropf, tropf
Bin ich das?
Normalität
Wirklichkeit?
Oder nur Spielzeug
Ist es, was ich will?
Was will ich?
Will ich überhaupt etwas?
Träume
Leben
Ruhelosigkeit
bewegungsloses Ausharren
Zuschauer meines Lebens
Resignation
Warten auf etwas
Warten auf Veränderung
Warten auf Besserung
Warten auf den Tod
abwarten
Anne D.

Der verräterische Herbsttag
Ein Tag im Herbst
Was ist geschehen?
Die Blätter fallen
du musst jetzt gehen.
Es geht nicht mehr
es ist so kalt
ich friere sehr
ich steh im Wald.
Du hast mich getrügt
die Liebe verraten.
Nun ist es aus
ich kann nicht mehr warten.
Nazilona

Töte mich
ich weiß sowieso nicht mehr ob ich noch lebe.
an einem sonnigen Tag will ich sterben.
Wenn ich vor dir liege
erstochen und blutig
oder auch
vergiftet und bleich
ganz wie du willst
vielleicht findest du dann
was du schon so lange suchst.
Töte meinen Körper
aber verschone bitte endlich
meine Seele.
Nina D.

Es fragt uns niemand
ob es uns gefällt
ob wir das Leben lieben oder hassen
wir kommen ungefragt auf diese Welt
und werden sie auch
ungefragt verlassen.
unbekannter Autor
aus einer Todesanzeige

Als wenn ein riesiger Dampfer weit hinten
am Horizont vorbeizieht, im Abendglanz.
- Und wir wissen nichts von ihm,
bis eine Schiffswelle uns am Strand erreicht,
erst eine, dann noch eine und viele weitere,
die sich überschlagen und heranrauschen, bis alles wieder ist
wie zuvor. - Und doch ist alles ganz verändert.
Dann ergreifen uns die Schatten einer sonderbaren Unruhe,
wenn jemand uns sagt, es seien Leute abgereist,
einige seien möglicherweise befreit worden.
Gunnar Ekelöf
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