isidorstraus

 

    

 

 

Sein kurzes Haar und seine kleine, runde Brille verliehen dem nicht mehr ganz jungen Isidor Straus ein strenges Aussehen. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch die dunkle Gesichtsfarbe und die dunklen Augenbrauen, die mit dem Grau seines Bartes kontrastierten. Er kleidete sich elegant. Braune Stiefel, graue Hose und ein gestreiftes weißes Hemd unter Weste und Jacke machten ihn zu einer höchst seriösen Erscheinung - äußerlich ebenso unerschütterlich und ernst wirkend wie ein Senator. In der Tat war Mr. Straus einmal Politiker gewesen. In der zweiten Amtszeit von US-Präsident Grover Cleveland saß Straus von 1893 bis 1895 im Kongress. Isidor wurde am 6. Februar 1845 in Bayern geboren und folgte mit seiner Mutter und seinen vier Brüdern seinem Vater Lazarus nach Georgien in die Vereinigten Staaten. Bereits in jungen Jahren arbeietet er im Haushaltswarenladen seines Vaters und mit 18 kehrte er nach Europa zurück, um für die konföderierten Streitkräfte im US-Bürgerkrieg (1861-1865) Munition zu kaufen. Aufgrund der Niederlage der Südstaaten gehörte Straus nicht zu den wirtschaftlichen Profiteuren des Kriegs - anders als Industrielle wie J.P. Morgan, die mit der siegreichen Seite Geschäfte gemacht hatten. Dennoch nützten Isidor Straus seine Erfahrungen aus den Kriegsjahren. Er hatte damals Zugang zu vielen Marktsektoren erhalten und viele gute Geschäftskontakte mit einflussreichen Wirtschaftsvertretern in der Neuen und der Alten Welt geknüpft. Gemeinsam mit seinem Bruder Nathan wurde er 1888 Teilhaber von Macy´s, dem großen New Yorker Warenhaus. Die Charaktere und Fähigkeiten der beiden Brüder ergänzten sich optimal: Nathan war dynamisch und impulsiv, Isidor ging hingegen akribisch und nachdenklich zu Werke. Nach wenigen Jahren wurden sie Alleininhaber der Gesellschaft, die sich unter ihrer Ägide zu einem der größten Finanzimperien der Welt entwickelte. Isidor verdankt sein Vermögen nicht nur der Warenhauskette Macy´s, sondern war auch in der Finanzwelt tätig. Er gehörte dem Vorstand diverser Banken an und hatte in einigen von ihnen sogar den Vorsatz inne. Im Januar 1912 reiste Isidor Straus begleitet vons einer Frau Ida und seiner Tochter Beatrice an Bord des HAPAG-Liners Amerika nach Europa. Als Zeichen der Verbundenheit zu seiner alten Heimat hatte er bislang immer deutsche Reedereien gewählt. Die Titanic begeisterte ihn jedoch so sehr, dass er mit seiner Gewohnheit brach und in Southampton mit seiner Frau und ihren Dienern John Farthing und Ellen Bird an Bord des White-Star-Liners ging. Isidor und Ida Straus einten sehr starke und im Laufe der Zeit gewachsene Bande. Sie waren seit vierzig Jahren verheiratet und liebten sich noch genauso wie am ersten Tag. Mrs. Straus, deren Mädchenname Rosalie Ida Blun war, litt unter schwerem Rheuma. Ein Winteraufenthalt an der französischen Riviera mit ihrem außergewöhnlich sonnigen Wetter tat ihr immer gut. In Erwartung ihrer Rückkehr nach New York hatte sie nach einem französischen Dienstmädchen Ausschau gehalten, war aber nicht fündig geworden. Da die Zeit drängte, hatte sie schließlich eine englische Haushälterin eingestellt, Ellen Bird. Beide starben bei dem Unglück.

    



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