Haltungsbericht
Die Persische Rennmaus ist eine wenig verbreitete Art und ist verwandt mit den Mongolischen Rennmäusen. Persische Rennmäuse können bei artgerechter Haltung ca. 6 - 8 Jahre alt werden. Sie werden ca. 30 - 35 cm lang bei ca. 12 cm Körpergröße, der Rest ist Schwanz. Dieser ist sehr schön behaart. Diese Behaarung schützt im natürlichen Lebensraum vor übermäßigem Feuchtigkeitsverlust und zu starker Wärmeabgabe. Am Schwanzende befindet sich eine grau - schwarze Quaste. Die Mäuse sollten von unerfahrenen Haltern nicht am Schwanz (Schwanzspitze) hochgenommen werden, da dieser leicht abgestoßen wird. Auch von erfahrenen Haltern sollte ein Erfassen an der Schwanzwurzel nur kurzzeitig erfolgen und durch eine zweite Hand das Tier abgestützt werden, da Persis relativ schwer sind. Die Quaste dient in der Natur zum Schutz vor Fressfeinden. Ähnlich einiger Echsenarten stoßen sie das Schwanzstück ab und können dadurch unter Umständen überleben. Der Schwanz ist wesentlicher Bestandteil ihrer Anatomie, denn er dient u. a. auch der Balance beim Springen, Klettern oder aufrechtem Stehen. Sie können ein Körpergewicht von 120 - 180 g erreichen. Schmidt beschreibt 1985 das Gewicht eines adulten Tieres bei 62 g!!!. Die Fußsohle ist nackt und an einen felsigen Lebensraum angepasst (Lay 1983, Grzimek 1988).
Da Persische Rennmäuse zu einer Zuchtform gehören, die nicht so häufig anzutreffen ist (sie wurde leider über die Jahre von vielen Züchtern mehr und mehr aus der Zucht genommen), ist ihre eigentliche Naturfarbe "Agouti" (wildfarben - goldbraun mit schwarzen Grannen) erhalten geblieben, nur der Bauch ist weiß. In freier Natur reflektiert der weiße Bauch die Wärmestrahlung.
Persische Rennmäuse haben wunderschöne schwarze Augen mit einem weißen Fellstrich darüber. Ihre Sehschärfe ist gut entwickelt, ihre Augen sind groß und so angeordnet, dass sie einen weiten Winkel abdecken, in dem auch die kleinste Bewegung wahrgenommen wird. Wir haben sonst noch nie bei Mäusen eine so schöne Mimik und Gestik gesehen.
Ihre kleinen Ohren hören alles und sie sind sehr beweglich. Für die Mäuse ist ein gut ausgeprägtes Gehör außerordentlich wichtig. Die knöcherne Schale, die das Mittelohr umgibt, ist stark vergrößert und dient der Verstärkung leisester Geräusche.
Die Tiere sind nacht- bzw. dämmerungsaktiv. Persische Rennmäuse sind sehr, sehr gute Kletterer und Springer. Darum sollte man ihnen ein großes Eigenheim mit vielen Klettermöglichkeiten bieten. Wir haben eine große Voliere mit einer feuerverzinkten Bodenwanne. Den Boden belegen wir mit umgekehrt ausgelegten Fliesen, so dass sich die Mäuse beim Wühlen und Scharren die Krallen abnutzen können. Dann wird der Boden mit einigen Ästen und Pappröhren ausgelegt, auf die dann später die Einstreu kommt. So können sich die Tiere ideale Gänge bauen und ein natürlicher Lebensraum nachempfunden werden.
Den Käfig haben wir mit verschiedenen Etagen-Brettern aus dem Baumarkt ausgestattet, so dass sich ihr "Eigenheim" auf viele Etagen vergrößert hat. Allerdings muss man bei Volieren beachten, dass diese offen sind und die Mäuse gern viel Scharren, Nagen und Knabbern, was auch mit Geräuschentwicklung und Rausscharren von Einstreu verbunden ist. Idealerweise sollte man lieber ein großes Glasterrarium verwenden und einen Aufsatz in Volierenform selbst darauf basteln, so haben sie unten genug Möglichkeiten zum Buddeln und oben zum Klettern. Es ist immer auf eine artgerechte Haltung zu achten. Ein kleines Eigenheim wäre Tierquälerei!
Von der unteren Etage bis oben haben wir ein Obstgehölz zum Klettern und Knabbern. Auch mögen sie es, mindestens 2 oder auch 3 Häuser (Keramik oder Kokosnuss) im Käfig zu haben, denn trotz der Tatsache, dass sie sehr gesellig sind und niemals allein gehalten werden dürfen, suchen sie auch gern mal eine Ruheplätzchen allein. Vorsicht bei Holzhäusern aus dem Handel, sie sind häufig getackert und genagelt. Beim Nagen am Häuschen können diese nach außen treten und zu erheblichen Verletzungen führen.
(Anmerkung: Inzwischen raten wir bei Neuanschaffungen zu keiner Voliere, nicht nur wegen der extremen Geräuschentwicklung, sondern auch wegen den Unmengen von Einstreu, die trotz Plexiglas herausfällt. Außerdem nutzen adulte Tiere die Bretteretagen später als Toilette, was mit der Zeit zu Geruchsentwicklung führt. Wer sich trotzdem dafür entscheidet, muss die Etagenbretter regelmäßig austauschen!)
Ihre eigentliche Heimat liegt zwischen Iran und Afghanistan (Naumov 1975), aber auch im Hochland von Pakistan, im Irak und der Türkei sollen sie zu finden sein. Sehr gern leben sie in felsigen Gegenden. Schön wäre es also, wenn man ihnen auch ein paar Steine in Höhlenform aufschichten kann. Aber Vorsicht! Sie neigen dazu, in ihrem Käfig gern umzuräumen. Es muss also alles so gestaltet sein, dass sie sich nicht verletzen können und dass nichts "einstürzt", wir haben alles im Käfig so gesichert, dass wir es entweder angeschraubt oder festgebunden haben. Aber bitte auch da darauf achten, dass sie sich an Schnüren o. ä. nicht verletzen können. Abschnürungen können vorkommen, besonders bei Jungtieren!
Sehr gerne mögen sie Pappröhren (z. B. Posterhüllen), die allerdings auch nie eine sehr lange Lebensdauer haben. Denn Perser sind ausgesprochen intensive NAGER! Zum Nagen gut geeignet sind leere Toilettenpapierrollen oder vorzugsweise Äste von unbehandelten und ungespritzten (sie fressen teilweise ihr ERNAGTES) Apfelbäumen (siehe Ernährung) sowie Haselnussweide. Grünes darf ruhig daran bleiben, denn sie fressen dieses sehr gern. Auch kleine Holzbrettchen werden gerne angenommen und zu kleinen Spänen zernagt. Für diejenigen, die keine Fliesen auf den Boden legen können, empfiehlt es sich, eine Stein- oder Tonplatte in den Käfig zu geben, damit sich die Krallen gut abnutzen.
Kunststoff bzw. Plastik hat im Rennmausheim nichts zu suchen! Leben die Mäuse daran ihr Nageverhalten aus, besteht Splittergefahr! Diese Splitter könnten die Tiere verschlucken und daran sterben. Das Bild zeigt li. zwar ein Stück Plastiklaufrad, es war jedoch nur 2 Tage im Käfig und wurde sofort wieder entfernt!
Als Einstreu verwenden wir eine Schicht Mais- oder Hanfstreu, obendrauf eine Baumwolleinstreu, Stroh und Heu. Die Schicht sollte mindestens 7 cm, besser noch 15 cm betragen. Sie haben ein großes Gefäß mit Chinchilla-Sand zum Sandbaden, das mögen sie sehr gerne. Es dient der Fellpflege, Reinigung und offenbar auch Regulierung der Körpertemperatur. Eine zweite Schale ist mit Vogelsand gefüllt. Diese benutzen sie manchmal als Toilette. Aufgrund ihrer Sauberkeit und dem vergleichsweise geringen Urinieren genügt es, nur die Sandtoilette oder Toilettenecke ca. aller 3 - 4 Tage, aber mind. 1 x wöchentlich, zu erneuern. Ansonsten ist eine komplette Reinigung (bei 2 Mäusen!) nach ca. 4 Wochen zu empfehlen. Je nach Temperament der Mäuse kann der Zeitraum auch größer sein. Grundsätzlich bedeutet jede Käfigreinigung Stress für die Tiere! Um so größer der Abstand, je idealer. Die Tiere riechen definitiv nicht, solange sie nicht beginnen, die Bretteretagen sowie Schlafhäuschen aus Holz (daher lieber Keramikhäuser verwenden!) als Toilette zu benutzen (s. o.).
Die Persischen Rennmäuse bewohnen überwiegend Trockengebiete und haben sich der dortigen Wasserknappheit gut angepasst. Die meiste Zeit des Tages verbringen sie unterirdisch und vermeiden dadurch Wasserverlust. Nachts oder zur Dämmerung kommen sie hervor und suchen nach Samen, Knollen, Wurzeln oder kleinen Insekten. Ihr Verdauungssystem ist sehr effektiv, was die Aufnahme von Flüssigkeit anbelangt. Die Nieren produzieren einen hoch konzentrierten Urin, so dass der Wasserverlust minimiert wird.
Außer der Einstreu geben wir zum Nestbau Küchenpapier, Papiertaschentücher (ohne Zusätze!) oder Toilettenpapier in den Käfig. Sehr gerne nehmen die Tiere auch Hundehaare zum Nestbau, doch auch hier ist Vorsicht geboten. Nur anbieten, wenn der Hund weder Medikamente einnimmt noch das Fell mit Zecken- oder Flohmitteln behandelt wird, dies könnte für die Mäuse tödlich sein.
Wer Tiere gern beobachtet und Aktion mag, für den sind Persische Rennmäuse sehr geeignet, denn sie klettern auf allem hoch und spingen bis zu ca. 60 cm Höhe.
Persis werden zwar relativ zutraulich, allerdings nicht zahm, so, wie man es beispielsweise mit einem Kaninchen vergleichen könnte. Denn es sind keine Kuscheltiere für kleinere Kinder. Außerdem lassen sie sich nur ungern "greifen" oder anfassen, kommen aber allein aus dem Käfig, z. B. auf den Menschen geklettert! Im Gegensatz zu anderen Nagern beißen zutrauliche Tiere zwar selten, aber in ihrem Revier können sie schon kräftig zwicken (bei völlig wild gehaltenen Gruppen, aber gelegentlich auch bei sonst zahmen Tieren kommt es allerdings vor, dass sie ihr Revier verteidigen und beim Reinfassen ins Schlafhäuschen auch einmal zwicken oder beißen, weil die Hand als "Feind" gedeutet wird - Revierverteidigung) und sind kaum krankheitsanfällig, d. h., sehr robust. In letzter Zeit sind in Deutschland allerdings sehr viele Todesfälle zu verzeichnen. Die Symptome sind meist die gleichen, Abmagerung, Nahrungsverweigerung, Lethargie (von griechisch lethargia = "Schlafsucht", Bewusstseinsstörung). Hervorgerufen wird dies meist durch Fehlhaltung. Die Tiere sind so gestresst, dass sie schließlich versterben. Daher sollte darauf verzichtet werden, den Tieren ständig sogenannten "Freigang" zu gewähren, rumzuschleppen usw.
Vermieden werden sollte, sie auf den Rücken zu drehen, das bedeutet Stress für die Tiere und es wird strampelnd versucht werden, sich wieder umzudrehen. Gelegentlich kann es bei Stress oder in bedrängenden Situationen zu einem sogenannten Immobilitätsverhalten kommen - "sich tot stellen".
Gegenüber Artgenossen gelten besonders Weibchen sehr aggressiv bei dem Versuch, sie zu vergesellschaften. Leider gibt es nur sehr wenige Aufzeichnungen über ihr Verhalten in freier Natur, oft auch sehr widersprüchliche. Da auch viele andere Arten von Rennmäusen in lebensfeindlichen und sehr abgelegenen Gebieten der Erde leben, gibt es über ihre natürlichen Lebensgewohnheiten noch viel zu lernen.
Beschrieben wird u. a., dass die Gruppen Persischer Rennmäuse - ähnlich wie die Mongolen - schwer Zugänge akzeptieren. Jedoch haben sie ein einzigartiges System entwickelt, um Inzucht zu vermeiden. Paarungsbereite Weibchen verlassen ihre Gruppe und paaren sich mit einem Männchen einer Nachbarkolonie auf neutralem Gebiet. Dann kehren sie zu ihrer Sippe zurück und bringen dort ihre Jungen zur Welt.
In freier Natur gehen die Tiere gemeinsam auf Futtersuche. Wir geben als Futter eine Mischung aus Kanariensaat und anderen Sämereien (siehe Ernährung). Da sie aus einer kargen Region kommen, mögen sie gerne Hirse sowie Wurzelgemüse, Knollen, Grassamen u. ä. Ab und zu mögen sie auch eine kleine Menge Hunde- oder Katzenfutter (hoher tierischer Eiweißgehalt) sowie Frischfutter in Form von Obst (Obst bitte nur in Maßen wegen dem hohen Gehalt an Fruchtzucker) und Gemüse. Obst wie z. B. Äpfel kommen in ihrer natürlichen Umwelt eigentlich nicht vor. Regelmäßig sollten sie Mehlwürmer oder auch andere kleine Insekten, z. B. Grillen, bekommen. Diese werden nicht nur als tierisches Eiweiß benötigt, sondern scheinen auch ausgeprochen lecker zu sein.
Persis hamstern ihr Futter und horten es, wobei es bei unseren anfangs so aussah, dass sie nach dem Fressen ihren Futternapf mit Einstreu und Nistmaterial zuschütteten und ihn eingruben. Die "Hamster-Orte" wechseln regelmäßig, mal wird ein Haus dazu benutzt, andermal vergraben sie die Nahrung einfach irgendwo im Käfig und decken etwas Tempo oder Küchenpapier drauf, manchmal wird alles richtig mit der Nase festgedrückt.
Wir empfehlen keinen Futternapf, sondern streuen das Futter in die Einstreu. Dies entspricht der natürlichen Lebensweise der Mäuse, denn sie müssen ihr Futter selbst suchen und erarbeiten. Außerdem umgeht man die Gefahr, dass die Mäuse nur die Leckerbissen fressen, die sie mögen. Sie fressen das, was sie gerade finden. Anderenfalls würden die Mäuse zu schnell satt und langweilen sich.
Als Frischfutter mögen sie besonders gerne Petersilie (kleine Mengen), Möhre, Rübchen, Chicoree, Löwenzahn ohne Blüte - mit Wurzel, Blütenstände von Gräsern.
Und noch ein Tipp, wie man den Mäusen Spaß beim Fressen bieten kann: Erdnüsse (nur gelegentlich) z. B. mit Schale geben, sie haben eine Menge Spaß dran, sich nach und nach zur Nuss vorzuarbeiten. Man kann auch Futter in eine Pappschachtel oder Posterrolle geben und mit Heu zustopfen. Dann müssen die Mäuse erst die Pappe zernagen und das Heu entfernen, bevor sie an ihr Futter gelangen.
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